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Full text of "Archiv für Naturgeschichte"

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27 



ARCHIV 



FÜR 



NATURGESCHICHTE. 



GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN, 
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON. 



IH VERB IN DU NC MIT 

rROF. Dr. I-EUCKART IN GIESSEN 

UND 

PRÜF. I)R. R. WAGENER IN GÖTTINGEN 

UER AUSGEGEBEN 



Dr. T. H. TROSCHEL, 

PROFESSOR AN DKR PRIEDRICH-WILHBLMS-UNIVBRS1TÄT ZU BONN. 



SECHS UND ZWANZIGSTER JAHRGANG. 

Erster Band. 

Mit dreizehn TalY-ln 




Berlin, 
Ni oo laisch e Ve r 1 ■ g s l> a o h li a n d 1 u n g. 

IG. P.rlh.y.) 

1860. 



i. 



Inhalt des ersten Bandes. 



Seite 
Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. Von Dr. 

August Krohn. Hierzu Taf. I. Fig. 1 — 3 . . 1 

Beschreibung einer Oeslridenlarve aus der Haut des Menschen. 

Von Dr. Ed. Grübe. Hierzu Taf. I. Fig. 4. 5 . . 9 

Ueber eine neue Art Trigla aus China, welche in die Abthei- 
lung der Lyren gehört. Beschrieben von Prof. Dr. Kaup 17 

Ueber zwei vermuthlich neue Chilenische Enten und über Frin- 

gilla barbataMol. Von Dr. R. A. Phi 1 i p p i . . 24 

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. Von Dr. 

Albert Günther. I. Die kaltblütigen Wirbelthierc . 29 

Polypen und Quallen von Santa Catharina. Philomedusa Vog- 

tii n. sp. Von Fritz Müller. Hierzu Taf. II. Fig. 1. 57 

Ueber die Schale und die Larven des Gasteropteron Meckelii. 

Von Dr. August Krohn. Hierzu Taf. IL Fig. 2 und 3 64 

Tetrapedos, neue Sauriergattung. Von Prof. Jan in Mailand. 
Briefliche Mittheilung an den Herausgeber. Hierzu Taf. II. 
Fig. 4—12 69 

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. Von Dr. 
Ed. Grube. Fünfter Beitrag. Hierzu Taf. III— V. (Poly- 
noe, Spinther, Amphinomc , Staurocephalus, Phyllodoce, 
Syllis, Sylline, Spiophanes, Heterocirrus , Cirratulus, Cly- 
mene, Maldane, Tercbclla, Ainphicteis, Polycirrus, Sabella, 
Scrpula, Sacnuris ...... 71 

Ueber einen neuen Fisch. Briefliche Slitthcilung an den Her- 
ausgeber. Vom Fürsten zu Sa 1 in - II o ist m a r . . 119 

Alcpidosaurus, ein Mcerwcls. Von Dr. A. G ü n th e r . 121 

Anabas trifoliatus n. sp. Von Prof. J. Kaup. Hierzu Taf. VI. 

Kg. A 124 

BeplarcbüJ, neues Genus der Familie Laliridac. Beschrieben 

and abgebildet von Prof. J. Kaup. Hierzu Taf. VI. Fig. 1. 128 

Ueber die Chaetodontidac. Von Prof. J. Kaup . . 133 



Seite 
Ueber Kalkablagerung in der Haut der Insekten. Von Kranz 

Leydig in Tübingen. Hierzu Taf. VII. Fig. 1 — 3 . 157 

Bithynis, ein neues Genus der langschwänzigen Krebse von Dr. 

R. A. l'hilippi in Santiago .... 161 

Ueber Distoma appendieulatum R. Von Dr. G. R. Wagen er. 
Brieiliche Mittheilung an Prof. Dr. R. Leuckart. Hierzu 
Taf. VIII und IX 165 

Beitrag zur Phyllopoden - Fauna der Umgegend Berlins, nebst 
kurzen Bemerkungen über Cancer paludosus Müll. Von 
Dr. B. v. Dybowski. Hierzu Taf. X . . 195 

Leptopterygius, neue Gattung der Discoboli. Vom Heraus- 
geber. Hierzu Taf. VII. Fig. a— d . .205 

Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten der Fnlgorinen - Gat- 
tung Poiocera Lap. Von Dr. A. Gers ta ecke r. Hierzu 
Taf. XI und XII 210 

Ueber die l.ocustiuen - Gattung Gryllacris Serv. Von Dr. A. 

G e r s t a e c k e r . . . . . . 2 

Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel aus den Ge- 
schlechtern Procellaria und Capriniulgus. Von Dr. R. A. 
Philipp! und Ludw. Landbeck in Santiago . . 279 

Notiz über eine neue Antilope. Von Dr. J. E. Gray . . 285 

Die Galtung Cornuspira unter den Monothalaniien und Bemer- 
kungen über die Organisation und Fortpflanzung der Po- 
lythalamien. Von Prof. Max Schultze in Bonn . 287 

Das Kolonialnervensystem der Mooslhiere, nachgewiesen an Se- 
rialaria Coutinbii n. sp. Von Fritz Müller in Desterro. 
Hierzu Taf. XIII 311 

Ueber Oxybeles gracilis Blkr. Von Dr. C. L. Doleschall. 

Uebersetzt vom Herausgeber ..... 319 

Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. (Siphonopho- 
ren, Sipuneulus, Doliolum). Von Dr. W. Ke f e rstc in und 
E. Ehlers 324 

Ueber das Animengeschlccht Coryniorpha und seine Arten, nebst 
den von diesen aufgeammlen Medusen. Von M. Sars. 
Uebersetzt vom Herausgeber ..... 341 



% 



licobaclitiiiigcii über die Eiitwickeliuig der 
Cirripedien. 

Von 

Vr. August Krohn. 

(Hierzu Taf. I. Fig. 1-3}. 



Die Resultate, die wir in neuerer Zeit, Dank sei es 
den Arbeiten von Burmeister l ), Sperice Bäte s ) 
und Darwin 3 ) , über die Entwickelung der Cirripedien 
erbalten haben, sind so erfreulich, dass wir uns schon jetzt 
eines Dcberblickes der mannichfalligcn Umwandlungen, die 
das .lunge von der Geburt bis zur vollendeten Gestall er- 
fährt, rühmen könnten, wäre nicht eine fühlbare Lücke noch 
unausgefüllt. Es ist nämlich noch immer nicht bekannt, 
durch welche Zwischenstufen die während der ersten Ent- 
wickelungszeit mit den Jugendformen der Entomostraceen, 
namentlich der Copepoden, in so vielen Beziehungen über- 
einstimmende Larve, in die spätere cyprisähnliche (leslall 
übergeht. Es war mir während meines Aufenthaltes in 
Funchal , so wie später in Messina vergönnt, einigen Auf- 
sehluss über diese noch unaufgeklärten Verhältnisse zu er- 
halten. Ehe ich meine Beobachtungen darüber mittheile, 
halle ich es für nöthig, zuvördersl die Gestalt, in weichet 
die Larve während der ersten Entwickelungsperiode er- 
scheint, zu beschreiben, und hierauf noch einzelne Organe, 
die ihr in der spätem cyprisähnlichen Form eigen, näher 
/.n besprechen. 

Auf einer gewissen Entwicklungsstufe, nachdem die 

1) Beitrag« zui Naturgeicb, dci RaokcnfflHcr. I 18 

'.'/ On ih, developmcnl o[ Ibc Cirripedia in Annala of i iral 

bUtory, Vol. 8, 2 er., 1851. p. 824 

8) Hooograpb od Ihc lub-claaa Clrripedia 2 Vol. 185] cl 1854. 
Archiv i. Natuig. Jahrg. XXVI. 1. Bd. 1 



2 K r o h n : 

Larve seit dem Ausschlüpfen aus dem Ei, an zwei- bis 
dreimal sich gehäutet, unterscheidet man an ihr einen brei- 
ten , vorne häufig abgestutzten, nach hinten zu sich ver- 
schmächtigenden Vorderleib, auf den zwei über einan- 
der nach hinten sich erstreckende schmächtige Fortsätze 
folgen (Fig. 1). Der obere Fortsalz hat die Form eines 
gerade gestreckten , oft sehr langen Stachels , der untere 
stärkere läuft allmählich verjüngt in ein gabelförmig ge- 
seiltes Ende aus, und ist, namenllich in späteren Stadien, 
einer Beugung und Streckung fähig. Ich bezeichne ihn 
vorläufig als schwanzförmigen Anhang 1 ). Der Leib isl auf 
der Rückseile von einem Panzer oder Schiide bedeckt, des- 
sen Vorderecken in zwei dünne , an den Spilzen mil ein- 
zelnen gekrümmten Borslen versehene Hörner ausgezogen 
sind 2 ). An der Unterseite ist der Leib mit drei Paar Ru- 
derlüsscn und einem mitten zwischen den letzteren frei vor- 
springenden rüsselarligen Fortsatze versehen. Dicht hinter 
dem Yorderrande des Rückenschildes schimmert aus der 
Tide ein kleines, von dunkelem Pigment umhüllies , mil 
einer vorragenden Linse versehenes Auge hindurch. Es 
ruhl dieser Ocellus mitten auf dem Yorderrande eines deut- 
lich demarkirlpu, dicht an der Bauchfläch« gelagerten, den 
Oesophagus ringförmig umfassenden Gebildes (Fig. 3), das 
ich für nichts anderes als für die Centralmasse des Nerven- 
systems oder für den Schlundring ballen kann. Die Ru- 
derbeine, von denen das vorderste Paar einfach, das initi- 
iere und hinterste in zwei Aeste gelheilt sind, sind reich- 
lich mil langen Iheils einlachen, Iheils zierlich gefiederten 
Borslen besetzt (Fig. 2). Mitten auf dem Ende des rüssel- 
lörmigen Fortsatzes isl der Mund angebracht, der in einen 
engen, durch die Achse des Forlsalzes sich erstreckenden, 
und durch die Oeffnung des Schlundringcs in den Vorder- 
leib sich einsenkenden Oesophagus führt. Der übrige Theil 

1) Nach den Figuren zu Bate's Abhandlung nuiss ich glauben, 
dass dieser Forscher den Stach elf ortsatz für eine Verlängerung des 
gleich zu erwähnenden Kückenschildcs ansieht, was gewiss unrichtig. 

2) Burmeister und Darwin halten diese Hörner für Kühler, 
aber mit Unrecht, wie sich spater ergeben wird. 



Beobachtungen über die Entwickelting der Cirripedicn. 3 

des Nahrungskanals durcliziehl den Leih in gerader Rich- 
tung-, schwillt mitten in diesem Verlaufe zu einer rundlichen 
Erweiterung an, und endet mit einem rückseits am Anlange 
des schwanzförmigen Anhangs gelegenen Aller (Fig2) '). 

In der zweiten Entwickelungspcriode ist die Larve 
bekanntlich in ähnlicher Weise -wie die (lallung' Cypris, 
von einem zweiklappigen Panzer oder einer Schale umhüllt. 
Sie besitzt zwei -zusammengesetzte und ein einlaches Auge, 
und ist an der l'nlerseite des hinteren, dem Thorax im aus- 
gebildeten Thiere entsprechenden Lcibestheils , mit sechs 
Paar in zwei Aeste gespaltener Schw imniiüsse versehen. 
Kein Ende dieses Leiheslheils sitzt ein sehr kurzer schwanz- 
artiger Fortsatz (Abdomen Darw.j an, der mit zweien dm 
Aesten der Schwimmlicine ähnlichen Anhängseln versehen 
ist. Besonders erwähnensworlh sind noch zwei stark ent- 
wickeile GJicdmassen , die vorne am Leihe, in der Nabe 
der zusammengesetzten Augen, entspringen. Mit ihrer Hülle 
gebreitet die Larve zu Zeilen einher, und mülelsl ihrer 
setzt sie sich zulelzl, wenn der Zeitpunkt ihrer letzten Me- 
tamorphose herangerückt ist, auf fremden Körpern lest 3 ). 

Die beiden zusammengesetzten Augen liegen ganz seit- 
wärts, dich! unter den entsprechendem Klappen der Schale, 
in der vorderen, hei den Lepadiden später grüsslenlheils 



1) Die llörner des liuikcn-childcs und den Slachelfortsatz ab- 
gerechnet, kommen sonach die ('iiiipedicnlarveii sowohl im.Aeussern 
als auch im Innern Haue mit den Jugendgestalten der Cyclopidcn, wie 
lelbigc uns durch die treffliche Abhandlung von Claus (Zur Ann- 
loiue und Entwicklungsgeschichte der Copepoden, dies Areti. 185K. 
p. 1) bekanol geworden sind, nahe üherein. Ks /.ei^ f t sieh diese L'ehel- 

pioatiniivung nicht nur in dei' gleichen Zahl und einer analogen Be- 
schafleuhiit der Itudri lusse , sondern auch in der Mnictiir lies Auges 
(vcrgl. '.'lau. I. e. fig. 64 u. 66), in der Anordnung des rVahruitg's- 
sctüauches und in der Anwesenheit einer dem rüssel förmigen Fort- 
sätze gleichzustellenden sogenannten Mundk'appc. Item schwanz r ör- 
niigen Anhange der CirripedieniBiTen aber entspricht der hintere Lei- 
besabschnlll dir NanpliasfOrnt der Copepodenlarvan , wie sieh spdte< 
herausstellen und. 

2) leher diese Periode vcrgl. die ausseist genaue und gründ- 
liche Darstellung von Darwin, (Vol. % p. 11<> L28). 



4 K r o h ii : 

in den Stiel auswachsenden Leibesportion. Sie bestehen aus 
einer dunkelen Pigmentmasse, in welche mehrere rundliche 
Krystallkorper tief eingesenkt sind, und einer äussern Hülle, 
die in Form einer Cornea über die Krystallkorper sieh hin- 
überzieht, stimmen also im Baue mit dem Auge der Daphnia- 
den überein. 

Das einfache Auge liegt in der Mittellinie, höher ge- 
gen den Rücken hin und etwas hinter den zusammengesetz- 
ten Augen. Es ist, wie sich später ergeben wird, der von 
der früheren Periode her stammende Ocellus. Es bestellt 
aus einer derben, von einer schwarzbraunen Pigmentmasse 
ausgefüllten Kapsel, enthält aber, wie es scheint, keine Linse 
mehr und ist so auf ein bloss Licht und Dunkel unter- 
scheidendes Organ reducirt. Bei der letzten Metamorphöse 
geht es in die junge Cirripedie über, wie es denn bekannt- 
lich selbst bei völlig ausgewachsenen Cirripedien, nament- 
lich den Lepadiden, immer leicht nachzuweisen ist. 

Die sechs Paare später zu den Ranken sich umgestal- 
tender Schwimmfüsse bestehen aus einem Stiele, von dem 
die beiden schon erwähnten Aeste abgehen, deren Endglied 
mehrere sehr lange, zweizeilig gefiederte Borsten Irägt. 
Die beiden Anhängsel des C'audall'ortsatzes oder Abdomens, 
sind an den Enden mit ganz ähnlichen Borsten besetzt. 

Die beiden Gang- oder Haftbeine bestehen aus vier 
Gliedern, von welchen das dritte zu einer Scheibe verbrei- 
tert ist, während das sehr kurze Endglied der oberen Fläche 
des scheibenförmigen Gliedes und zwar ganz seitwärts 
unter einem rechten Winkel ansitzt (siehe Darwin PI. 30. 
Fig. 8). Beim Gehen, wobei die Beine abwechselnd bald 
vorgestreckt, bald nachgezogen werden, drückt sich das 
scheibenförmige Glied, gleich einem Saugnapfe, dem Ge- 
genstände so fest an , dass selbst das Hinaufkriechen längs 
polirten Flächen, wie die Wände eines Glases, dadurch 
ermöglicht wird. Mittelst derselben scheibenförmigen Glie- 
der heftet sich das junge Thier, wenn es sich zu seiner 
letzten Metamorphose anschickt, auf fremden Körpern fest »). 



1) Wie schon Darwin nachgewiesen hat, findet bei dieser 
Anheftung eine (ärmliche Verkittung mit dem fremden Körper mit- 



Beobachtungen über die Bhfrwie'kelung der Cirripedien, 5 

Nach diesen Erörterungen gehe ich nun zu meinen 
Beobachtungen über. 

Den Uebcrgang in die eyprisähnliche Form habe ich 
an zwei Larvenarten beobachtet, von welchen die eine mir 
während meines Aufenthaltes auf Madeira, in verschiedenen 
Entwickelungsstadien zur Ansicht kam. Sie stammt wahr- 
scheinlich von einer Balanide. 

Bei älteren Larven dieser Art (Fig. ]) ist der Vor- 
derleib von ansehnlichem Umfange , der Rückenschild am 
Vorderrande mit zwei massig langen Hörnern , am Hinter- 
rande mit zwei schräge aufwärts gerichteten, bei jüngeren 
Larven noch fehlenden Stacheln ausgerüstet. Der schwanz- 
l'örmige Anhang ist halbweges etwa gegen sein Ende hin, 
mit vier ansehnlichen, seitlichen, paarig verth eilten Dornen 
bewehrt, und fibertrifft, namentlich in seiner vorderen nun 
verdickten Hälfte, den Stachelfortsatz um ein Ansehnliches 
an Stärke. Bei noch weiter vorgerückten Larven erscheint 
der Rückenschild vergrössert und stark gewölbt. 

Eines Tages wurde eine grössere, noch weiter ent- 
wickelte Larve derselben Art eingefangen, deren nähere 
Inli] suchung Folgendes ergab. Der Rückenschild zeigte 
sich gegen früher in so weit verändert , als er nun tiefer 
nach unten hinabreiclitc, und so von beiden Seiten aus den 
Leib umhüllte. Der sebwanzförmige Anhang erschien in 
seinem vorderen längeren, etwas über die erwähnten paa- 
rigen Dornen hinausreichenden Abschnitte stark aufgetrie- 
ben. An der Unterseite dieses Abschnittes Hessen sich 



telsl einer leimartig zähen . aus den Haftscheiben hervordringenden 
Substanz stall. Dieser kittartige Stoff oder das Cerneut wird den 
HafiM'heiheii von zwei Kanälen 'den Cementgfingen) EugcfQhii . die 
sieh durch die Achte der Gangbeine bii ■/■» zwei im Leibe gelegenen 
worsttorinigcu Massen, die Darwin für die das Centent bereitenden 
Drusen anlicht, verfolgen lassen (siehe Darwin p. 116 u. 182). Iiar- 
sj in l ii'. i in bnog* n lehren rerner, da*-, die Verkittung während 
dei rYacbslhums der Cirripedien ununterbrochen vor sich geht, und 
da in dem Haasse als die AnheftungsflBche (unteres Stielende der 
Lepadiden oder Schalcnbasis der Balantden) sitrfh rergrfiasert, auch der 
CementepparaJ sieh Immer weiter ausbildet. 



6 , K i ii h ii 

durch die Haut h i n d uro Ii sechs dicht hinter einander 
gereihele Paare Forlsätze, von denen jeder aus einem 
verhältnissmässig langem Stiele und zwei von diesem ab- 
gehenden kurzen, abgerundet endigenden Aeslen hesland, 
unterscheiden. Dicht hinter dem letzten Paare schimmerte 
noch ein viel kürzerer Fortsatz mit zwei den Aeslen der 
längeren Fortsätze ähnlichen Vorsprüngen hindurch. Heide 
Vorsprünge so wie die erwähnten Aeste zeigten sich mit 
(lunuen Ausläufern oder Fäden besetzt , die sieh als die 
Anlagen eben so vieler Morsten zu erkennen g-aben. Ueber 
die Bedeutung dieser Fortsätze konnte ich nicht lange in 
Zweifel bleiben; es waren ollenbar die in der Enlwicke- 
lung begriffenen Schwinnnfiis.se und die Anlage des Cau- 
dall'orlsalzes der späteren cyprisälinlichen Form. Es er- 
gab sich sonach , dass der ganze aufgetriebene Theil des 
scliwanzförmigen Anhangs als die Anlage des künftigen 
Thorax zu betrachten sei. .lederseils in gleicher Linie 
mit dem früheren , nun grösser gewordenen , von einem 
sehr dunkeln Pigment umhüllten einfachen Auge, wurde 
ein rundliches Gebilde unterschieden , das mehrere zer- 
streute gelbiöthliche Pigmentaria gerungen enthielt. Es 
drängte sich mir sogleich die Vermuthung auf, dass beide 
Gebilde wohl nichts anderes sein konnten, als die Anlagen 
der zusammengesetzten Augen , was sich auch bald bestä- 
tigte , indem es gerade an derselben Larve glückte , die 
allmähliche Umbildung in die cyprisähnliche Gestalt zu 
beobachten. 

Am dritten Tage nach dem Einlangen der Larve, sah 
ich den Rflckenschild nach hinten zu so weit verlängert, 
dass er nun auch die ganze vordere Abtheilung des schwanz- 
förmigen Anhangs überdachte. Das einfache Auge zeigte 
sich von noch grösserem Umfange , während die Pigment- 
ablagerungon in den Anlagen der zusammengesetzten Augen, 
nun dichter zusammengedrängt und von dunkler, schwärz- 
licher Farbe erschienen. Die Schwimmfüsse hatten sich 
weiter ausgebildet. 

Am Morgen des vierten Tages fand ich das Thierchen 
bereits umgewandelt, was, wie zu erwarten, nicht ohne 
Abstreifung der früheren Larvenhülle erfolgt war. 



Beobachtungen ßber die Entwicklung der Cirripedien. 7 

Hatte sieh nun naeli diesen Beobachtungen mit Evi- 
denz herausgestellt, dass heim Uebergange in die zweite 
Enlw ickelungsperiode der Rückenschild in den zweiklap- 
pigen Panzer, der ganze vordere Abschnitt des schwanz- 
förmigen Anhangs in den Thorax sieh umwandele , so blieb 
es doch noch ganz üngewiss , ans welchen Theilen wohl 
die Gang- oder Haflheine sieh hervorgehildet haben moch- 
ten. Den näheren Aufschluss hierüber erhielt ich erst 
später in Messina . an der Larve einer anderen nalie ver- 
wandten Art, die in einem sehr weit vorgerückten Stadium 
eingefangen wurde und deren Umwandlung schon am Abend 
desselben Tages erfolgte. An dieser Larve, in deren zu- 
sammengesetzten Augen bereits die einzelnen in die Pig- 
mentmasse eingebetteten Krystallkörper deutlich zu erkennen 
waren, glaube ich mich bestimmt überzeugt zu haben, dass 
die Haftbeine aus dem vordersten Paare der Rud erfasse 
hervorgehen. Das Ende jedes dieser Füsse zeigte sich 
nämlich zu einer Scheibe verflacht, der ein Endglied ganz 
in der Weise wie es an den Haftbeinen der Fall, anzusitzen 
schien '). 

.Nach den eben initgetheilten Ergebnissen kann eine 
von Burmeister beobachtete Lcpaslarve (1. c. p. 16. Tab. I. 
Pig. 3 el 4i. die sowohl von diesem Forscher als auch von 
Dai' win (I. e. p. 1Q9) für den Repräsentanten einer der 
c\|iiisäluiliehen Form unmittelbar vorausgehende Entwicke- 
lungSStufe angesehen wild, nicht mehr als solcher gellen. 
Sie ist bereits, wie linrmeisler's dritte Figur deutlich zeigt, 
mittels! der Haftfüsse angeheftet, besitzt eine zweiklappige 
Schale, weicht aber dadurch wesentlich ah, dass sie statt 

sechs nur drei Paar Sehw immlüsse hat, von welchen das 
vorderste angeblich iingcspallcu ist. Ich kann demnach 
diese Larve für nichts weiter als für ein verstümmeltes 



I; Et erweist iir.li demnach die Ansicht von Burmeiater 
und Darwin., nach welcher die Hfirner dci ROckonachildei zu den 

Uaftbcinen (prehenaile anlei i Dorw.) »ich umbilden sollen, als 

iniliiiinlii li. Die Hfirner werden, wie ich mich überzeugt, unverän- 
dert mit der l.:u miiIhiIIi abgeworfen. Wim hei der Umwandlung Qua 
den beiden hintern Rudertuaapanren wird, ial mir gfinxlicn unbekannt. 



* K i u ii ii : Ueobaeht. üb. d. Kntu iikel. d. Cirripedien. 

oder, «as noch wahrscheinlicher, für ein monströses Exem- 
plar hallen. 



Ich erlaube mir am Schlüsse auf eine in Messina be- 
obachtete noch junge Cirripedienlarve , die wahrscheinlich 
einer Lepadide angehört, aufmerksam zu machen. Der 
Rückenschild ist, wie Fig. 2 zeigt, fünfeckig, auf der Obcr- 
seile mit einem starken, mit der Spitze nach hinten ge- 
krümmten Stachel, an den Rändern mit mehreren symmetri- 
schen, theils längeren, theils kürzeren Zucken bewehrt. Der 
Stachelfortsatz des Leibes ist ungemein lang, der noch we- 
nig entwickelte schwanzförmige Anhang läuft in ein spitzes, 
nach oben umgebogenes Ende ans. Die Länge der Larve 
beträgt 3 Mllm. 



Erklärung der Abbildungen. 

Fig. 1. Rfuthmasslich von einer Balanide stammende Larve, von der 
Rückseite. Von den Ruderfüssen sieht man nur das mittlere 
Paar und den einen Vorderfuss vorgestreckt. 
a. Rückenschild. — b, b. flörner des Rückenschildes, — c. 
Auge. — d. Stachelfortsatz des Leibes. — e. sehwanzlor- 
miger Leibesanhang. 

Fig. 2. Sehr junge Cirripedienlin ve, der Herkunft naeli wahrschein- 
lich eine Lepadide. Von der Küekseite. 
a bis e wie in Fig. 1. — f. Nahrungskanal. 

Fig. 3. Ein Theii des Vorderleibes der Larve von Lepas analil'cra, 
nach der eisten Häutung. Starke Vergrößerung. 
a. die Centralmasse des Nervensystems. — b. der Ocellus. — 
<•. e. die beiden llörner des Rückenschildes. 

Hon n. den 10. September 1859. 



Beschreibung einer Oestridenlarvc aus der Hnnt 
des .Hellsehen. 

Von 

Dr. Ed. Grube. 

(Hierzu Taf. I. Fig. 4 u. 5). 



Nachdem die Frage über die Existenz eines Ocstnis 
hominis ausführlich von Ke ferst ein erörtert"-) und durch 
Sammlung und Prüfung- der darauf bezüglichen Beläge da- 
hin entschieden ist, dass es in Südamerika in der That Oe- 
Striden giebt, die nicht selten auch auf die Maut des Men- 
schen ihre Eier absetzen, und deren Maden in ihr sich 
Weiter entwickeln, war es nun zunächst wünschenswcrlh, 
dergleichen Larven genauer kennen zu lernen. Goudot 
ist meines Wissens der einzige, der eine solche und zwar 
einer Cuterelna allgehörige beschrieben hat : die Beschrei- 
bung ist nur kurz, nicht denen entsprechend, die wir von den 
europäischen Gattungen besitzen und von keiner Abbildung 
begleitet: ich werde später darauf zurückkommen, zunächst 
aber, da ich so glücklich gewesen bin, eine aus der Haut 
eines Menschen geschnittene Oestridenlarve , in Weingeist 
zu erhalten, das Historische über diesen Fall berichten und 
durch eine genauere iieschreibung den Anforderungen der 
Wissenschaft zu entsprechen versuchen. Es isl Herr Dr. 
von Frtinlziu.s dessen in Breslau unter nmene Arbei- 
ten der wissenschaftlichen Well wohl bekannt sind, und der 
nun in St. Jose" in Costa ricca lebend und von dort aus 
sein lebhaftes Interesse an der Zoologie bethätigend, die— 



•) Verhandlungen dei toologiich-botenitchen Verein! in Wien 
Bd. IV. 1866. p.687. 



Kl Grube: 

ses in jenen Gegenden nicht seltene Thier meinem hochge- 
schätzten Collegen, Herrn Professor von Mi d il e 1 d o r p f d. j. 
eingeschickt hat. Indem ich darüber berichte lind den 
Brief des Herrn Dr. v. Frantzius mittheile, entspreche 
ich der gefälligen Aufforderung des ersteren. 

„Den 24. Juli 1858, schreibt Dr. v. Frantzius, hatte 
ich zum ersten Male Gelegenheit die Dasselbeule bei einem 
Menschen zu beobachten. Ein zwanzigjähriger junger Mensch, 
der vor fünf Wochen eine Reise nach dem Hafen Puntare- 
nas gemacht halte, bemerkte sogleich nach seiner Rückkehr 
eine kleine röthliche bohnengrosse Geschwulst in der Ge- 
gend der linken falschen Rippen. Diese Geschwulst ver- 
grösserle sich allmählich, und öffnete sich 8 Tage nach 
seiner Ankunft in Alhalzuela , worauf beständig eine wäs- 
serige Flüssigkeit heraussickerfe (diese Flüssigkeit soll ge- 
impft eine den Schutzblattern ähnliche Pustel erzeugen: 
leider erfuhr ich dies zu spä't, um diese Angabe durch den 
Versuch zu prüfen). Ersl vor einer Woche erkannte der 
Vater des jungen Menschen, dass es eine Dasselbeule sei. 
Letzterer hatte während der ganzen Zeit die Bewegungen 
der Made deutlich gefühlt und ausserdem nur etwas Jucken 
empfunden. Man konnte jetzt sehr deutlich in der Oeff- 
nung das spitze llinlertheil der Made erkennen, die sich 
schnell zurückzog, wenn man die Stelle berührte und nach 
einiger Zeit wieder zum Vorschein kam. 

Um das Thier unverletzt herauszuschaffen, führte ich 
in die (lelfnung eine Hohlsonde ein, und schlitzte die beinahe 
hühncreigrosse , harte, ziemlich geriilhete Hautgeschwulst 
mit einem gekrümmten spitzen Bistouris auf. Obgleich die 
Oeflnung ungefähr einen Zoll lang war, so sass das Thier 
mittels! seinem Borstenringe so fest in seiner Höhle, dass 
ich einen ziemlich starken Druck zu beiden Seilen der Ge- 
schwulst ausüben iniissle, um dasselbe vollständig heraus- 
ziehen zu können. Die gewöhnliche Methode der Einge- 
bornen , die Thiere zu entfernen , besteht darin , dass sie. 
ohne vorher die Oeffnung zu erweitern, durch blosses star- 
kes Drücken die Geschwulst oder zugleich die Made zum 
Zerbersten bringen, wobei enlw oder die Made selbst, wenn 
sie noch klein ist, oder deren Eingeweide weit herausschnel- 



lieschr. einer Oestiidenlai ve aus der Haut d. Menseben 11 

Ion. In meinem Falle heute die von mir gemachte Wunde 
in wenigen Tagen wieder zu. 

Nachdem ich die Made herausgezogen halte, konnte 
ich mich leicht überzeugen, dass es eine wahre Oestriden- 
larve war. (Die Larve anderer Dipteren habe ich sehr 
häufig in zahlreicher Menge in vernachlässigten eiternden 
und übelriechenden Wunden beobachtet.) Sie hatte 9 Linien 
Länge im zusammengezogenen Zustande nach dem Tode und 
4 Linien Breite an der dickslen Stelle. 

Der Name bei den Kingcbornen für das Thier , wel- 
ches die Dasselbeule erzeugt, ist Torcel (sprich Torssel), 
wahrscheinlich von dem speeifischen Worte „torcer, sich 
drehen, winden" abgeleitet, da die Larve sich in der 
Beule beständig hin- und herwindet. 

Das Vorkommen der Dassclbeule bei Menschen ist hier 
eine so gewöhnliche Erscheinung , dass sich fast ein jeder 
Eingeborne derartige Fülle gesehen zu haben erinnert. In- 
dessen ist den Verbreilungskreis des Thieres ein auf die 
wärmeren, niedrigen und feucht gelegenen Gegenden be- 
schränkter, besonders in der Nähe grosser Viehhecrden ; 
jedoch findet sich dasselbe auch mitten im Urwalde , in 
grosser Entfernung miii Hindviehheerden. Leute aus hie- 
siger Gegend haben an verschiedenen Orten Dasselbeulen 
bekommen, sowohl jenseits der Gebirgskette am Sarasiqui 
und San ( .'arlosllus.se, als auch in den niedrigen Thalebenen 
des Bio grande nnd auf dem Wege nach Puntarenas. Die 
Leute wissen hier sehr wohl, dass es eine Fliege ist, die 
ihr Ei unter die Haut legt, woraus tlic Torcel entsteht. Bei 
wiederholten Nachfragen bei Personen, die viel mit Bind- 
vieh in Berührung kommen, was besonders bei den Be- 
wohnern der an Viehweiden reichen Provinz Guanacasle 
der Fall ist . holte ich einstimmig die Meinung äussern, 
dass dieselbe Fliege, welche das Rindvieh angreift und 
liier die so häufig vorkommenden Dsissclhculcii erzeugt, 
Blich den Menschen verfolgt. Es ist daher unwahrschein- 
lich, dass es eine besondere Art von Dasselfliegen giebl, 
die ausschliesslich auf Menschen schmarotzt , und der der 
Name Qettnii hominis zukommen sollte, besonders, da es 
auch anderweitig bekannt ist, dass Oeslruslnrven , die auf 



12 (irubc: 

bestimmten Thieren, wie z. B. beim Pferde oder Rind schnia- 
rolzen, ausnahmsweise auch auf anderen Thieren vorkom- 
men und sich sogar auch bis auf den Mensehen verirren, 
was in Europa freilieh nur selten beobachtet wurde, wozu 
aber in Amerika, wo die Dasselfliegen überhaupt häufiger 
sind, weil mehr Gelegenheit gegeben ist wegen der leichten 
und unvollkommenen Bekleidung lind der offenen Wohnun- 
gen der Eingebornen. Auch mag der Umstand viel dazu 
beitragen, das ungestörte Eierlegen dem Thiere zu erleich- 
tern, dass in den hiesigen Gegenden die Leute während 
der heissesten Tagesstunden in ihren Hängematten zu schla- 
fen pflegen. 

Was die Körperstellen betrifft . die vorzugsweise von 
der Fliege zum Eierlegen gesucht werden, so ist. es be- 
sonders der Rumpf und Kopf. Bei einem Eingebornen ent- 
stand an der Nasenspitze eine Dassclbcule, die einen wü- 
thenden Schmerz verursachte , der ihn 14 Tage lang kein 
Auge zuthun Hess und von dem der Gequälte erst erlöst 
wurde, nachdem man die Torcel entfernt hatte." 

Die Made, wie sie jetzt vor mir liegt, ist stumpfepih- 
dcll'örniig, hinten länger ausgezogen, etwas bäuchlings ein- 
gekrümmt, mit flachem Bauche und sehr gewölbtem Rücken, 
und hat eine schmutzig weisse Farbe mit etwas bräunlichem 
Anfluge. Sie misst gerade gestreckt 9% Linien und an 
der breitesten Stelle, am fiten und ülen Segmente 3*/ 2 Linie 
rhein. An dem winzigen Kopfe kann man zwei kleine mit 
horniger Kuppe versehene Stummelchen an jeder Seite der 
Stirn als Fühler betrachten, viel mehr fallen die schwarzen 
hakigen abwärts gebogenen Kiefer ins Auge, zwischen de- 
nen unter einer schwachen Wulst die Mundöffnung. Aus- 
ser dem Kopfe unterscheidet man nur 10 freie Segmente, 
das Ute hinterste ist eingezogen. Von diesen Segmenten 
sind das Isle, den Kopf an Grösse kaum übertreffende, und 
die hinteren 3 (resp. 4) stachellos, die übrigen 7 gürtel- 
weise mit schwarzen gekrümmten Stacheln besetzt. Das 2te 
und 3te Segment ist einfach und trägt bloss am Vorderrande 
Stacheln, das 4te bis (incl.) 7tc Segment aber durch cineRük- 
kenquerfurehe in ihrer oberen Hälfte 2-ringelig: und jeder 
Ring trägt Stacheln und zwar der hintere des 4ten Seg- 



lieschr. einer Oestridenlarve aus der Kaut d. Menschen. 13 

ments entschieden grössere, am filen und 6ten beide gleich 
grosse. Es isl immer nur Her vordere Halbgürte] , der 
sieb an der Bauchseite Fortsetzt, und liier wie oben aus 2 
Reihen von Stacheln besteht, während der hintere ein Halb- 
gürtel lileilil und seine Stacheln mehr 1 - als 2r einig aus- 
seben. Hinler ilmi bemerkt man am 4len, fiten und Gten 
Segmente noch eine weniger ausgebreitete Querreihe von 
Rückenstachelchen ganz nahe der hinteren Segmentgrenz«, 
welche unbedeutender sind und sich durch die Richtung 
der Spitze unterscheiden: bei den Gürteln und Halbgürteln 
ist dieselbe nach hinten, bei diesen Querreihen hingegen 
nach vorn gerichtet. Dem Tten Segmente fehlt der hintere 
Halbgürtel : es hat nur den Milderen vollen Gürtel und die 
hinterste Querreihe. Der Korper verdick! sich rasch bis gegen 
das 5te Segment und verjüngt sich vom fiten an wieder 
tangsamer, indem namentlich das lote Segment eine ganz 
eylindrische Form annimmt und eben solang als breit wird. 

Segment II bis l.\ incl. tragen eine sehr in's Auge 
fallende Auszeichnung, nämlich Rückenschilder von 
meist querovaler Form und braunschwarzer Farbe, und zwar 
Segment II bis VI incl. und IX nur eines, die andern aber 
deren zwei, eines hinter dem anderen. Bei Segment II bis 
V incl. sitzt das Rückenschild auf der vorderen Partie des 
Rückens, hei V auf dem vorderen Ringel, bei den übrigen 
dagegen, auf denen zwei vorkommen, befindet sich das 
stärkere dunklere ringsum deutlicher abgesetzte querovale 
auf dem hinteren Ringel, während auf dem vorderen ein 
lichterbraunes mehr kreisrundes und nicht so breites auftritt. 

\ui llen, fiten, Gten Segmente sehe ich ferner an der 
Bauchwand je eine Querneihe von vier dunkelbraunen nie- 
drigen Querhöckerchen, deren beide mittelste einander n;i— 

bei als den äusseren stehen: an den Illingen Segmenten 
sind sie nur angedeutet und ganz Mass und klein wie 
blosse Male. An der Rückenbälfte jederseits von den oben- 
liesr liiielienen Schildern linden sich zwei ähnliche*, weit 
auseinander gerückte Male und an der Randkante der Ba- 
chen Bauchseite wiederum eins, das an Segment VI und Vll 
grösser und brauner ist, so dass ausser den Rückenschil- 
dern also jederseits fünf hornige Stellen an jedem Segmente 



14 Grube: 

vorkommen:; sie erheben sieh meist auf kleinen Beulen und 
machen die Oberfläche uneben. Die des Rückens stehen 
auf den vorderen Ringeln der Segmente. 

Hintere Alhemoffnungen sind jetzt gar nicht, wahrzu- 
nehmen: das Segment, das sie sonst trägt, ist hier ganz 
eingezogen und zeigt nur eine quere, sternförmig gefaltete 
von einer ansehnlichen Wulsl umgebene Oeffnung, die ich 
nicht zu erweitern im Slande bin, so bleiben die in dein da- 
hinter befindlichen Baume gelegenen Stigmen und der After 
verborgen : übrigens sind sowohl der Ringwulst der Oeff- 
nung als der Rand des End Segments von w inzigen Spilzchen 
rauh. — Vordere Alliemötl'nungen glaube ich auf der hin- 
leren Grenze, des Isten Segments zu sehen: ich linde hier 
zu beiden Seilen des Rückens eine liefe halbmondförmige 
Quer furche oder Grube , auf deren Boden eine versteckte 
von gelben Kornchen eingefassle Querspalte liegt. Auch 
diese Partie lässl sich weder durch Hervorziehen noch durch 
Erweiterung genauer untersuchen, 

Nach der von Brauer gegebenen gründlichen Aus- 
einandcrselzung der verschiedenen Madenformen der Oe- 
striden ""') würde unsere Larve zu denen zu bringen sein, 
welche mit deutlichen Kieferhakcn bewaffnet sind, kann 
also kein Hypoderma sein , mit deren Arien sie doch den 
Aufenthall in der Haut Iheill. Unter den mit solchen Kie- 
lerhaken versehenen, haben die t ephalomyicn und t'ephe- 
nomyien freiliegende hornige Stigmenplatten an der abge- 
stutzten Endfläche des letzten Segments, und unter dieser 
springt noch ein dicker kurzer und stumpfer Zapfen nach 
hinten vor , an welchem die Afteröffnung , Gaslrus hinge- 
gen versteckte Stigmen , allein der Raum , in dem diese 
sich befinden, ist durch eine (Juerspalle mil glatten ziem- 
lich hallen Lippen geöffnet, bei unserem Thiere ist sie eng 
zusammengezogen und von weicher strahlig gefalteter Haut 
umgeben. So bleiben noch die ebenfalls in der Haut le- 
benden und mit Kieferhaken versehenen Larven der Gattung 



*) Verhandlungen der zoologisch - botanischen Gesellschaft in 
Wien 1858. p. 401. 



Beschr. einer Oeslrirlenlarve aus der Haut d. iMenschen. 15 

Culerebra zur Vergleichung übrig : wir besitzen von Gou- 
dot *) die Beschreibung dpi" Made von Culerebra noxialis, 
doqli IiüI ef das llinlercnde nicht näher hvs Auge gcfassl, 
ebensowenig die Beschaffenbeil der vorderen Stigmen, wel- 
che mir bei Gastrus versteckter, bei den anderen an der 
Oberfläche liegen. Auch die Gestall ist nicht genauer be- 
schrieben : unsere Larve ist weder nach hinten verdickt 
wie bei den Gastrus und Cephalomyien, noch vorn dicker 
als hinten und dabei gestreckt und walzig wie bei den Ce- 
phenomyien, wo sich die grösste Breite zur Länge wie 
1 : 4 bis 5 verhält, sondern ähnelt mehr den Hypodcrinen 
in ihrer Gedrungenheit, nur mit dem Unterschiede, dass sie 
nicht so kurz tohnenförmig, sondern hinten ausgezogen ist; 
und m i t einem cylindrisi heil Segmente endet. Leber die 
Gestalt und Yerlheilung der Stacheln lässt sich Goudot 
dahin aus. dass die drei ersten Segmente mit schwarzen 
Rauhigkeiten und sehr kleinen Häkchen besetzt seien , die 
drei folgenden Segmente je 2 Gürtel von ebenfalls schwar- 
zen aber stärkeren nach hinten gerichteten Häkchen tragen, 
die 5 hinteren vollkommen glatt seien. Dies stimmt mit 
unserer obigen Beschreibung durchaus nicht überein, und 
was man besonders erwägen muss, würden wohl, wenn bei 
der .Made der Culerebra noxialis hornige schwarze Rücken- 
platten vorhanden gewesen wären, diese mit Stillschweigen 
Übergangen sein 1 Dies lässl sich um so weniger anneh- 
men, da sie bei keiner einzigen Larve der anderen Gattun- 
gen beobachtet , also doppell auffallend sind. Nur darin 
scheinen noch beide übereinzustimmen , dass die Stachel- 
chen nicht sowohl wie bei den Gastrus, Cephalomyien und 
Cephenomyien harte gelbliche Papillen mit schwarzer hor- 
niger Spitze, sondern durchweg hornig und schwarzge- 
färbt sind. 

Aus allem Angeführten gehl hervor, dass unsere 
Larve nicht zu Culerebra noxialis gebort, dass also aussei' 
dieser 'dem eigentlichen Gnsano oder Nuche) , noch eine 
andere südamerikanische, vielleicht nichl auf Costa ricca 

") Annali'» «! i-r. iciencei naturelles III. »erie Zoologie 1846. III. 
p.221. 



16 Grube: Bcschr. einer Oestridenlarvc u.s. \v. 

beschränkte Oestride leben muss, die in der Haut von Rin- 
dern und Menschen schmarotzt, und nach der Verschieden- 
heit der Larve zu urtheilcn , wohl gar einer anderen Gal- 
tung angehört. Das Recht, sie zu benennen, wird dem 
Entdecker der betreffenden Fliege zustehen, ich muss mich 
begnügen Abbildung und Beschreibung der Larve gegeben 
zu haben. 



Erklärung der Abbildungen. 

Kig. 4. Die Alade unserer Oestride vun der Rückenseite, vei 

grössere. 
Fig. 5. Dieselbe von der Bauchseite, vergrössert. 

Breslau im August 1859. 



Heber eine neue Art Trigla ans China, 

welche in die Abtheilung der Lyren gehört. 

Beschrieben von 

Prof. Dr. Kau p. 



Ich theile die Triglen in folgende Abtheilungen : 

A. Ca vi Honen. 
Kleine Arien , welche die Länge von 4 — 5 Zoll nicht 
überschreiten. Ihre Lateral wie die ziemlich grossen Schup- 
pen rauh. Der Kopf fällt sleil ab, allein weder der Brust- 
ring noch der Operkelstachel ist übertrieben lang. 

Hierher: aspera , phalaena , papilio, sphin.x , vanessa, 
Richardson. 

B. Sech ahne oder See schwalben. 

Gleichen alle der Hirundo, zeigen einen schief abfal- 
lenden Kopf, keine auffallende Stacheln am Praeoperkel, 
Operkel und Bnislring. Die Pcctoral lang und breil, dunkel 
mit lichteren Strahlen auf der Außenseite ; auf der inneren 
Seite nach den unteren Strahlen hin hänlig auf der Innen- 
seite mit einem dunklen weissgetüpfelten Fleck. Die La- 
teral aus längeren glatten Tuben bestehend. Schuppen des 
Körpers klein. 

Hierher: hirundo*), microlepidota , Kuinu, Peroni, 
capensis. 

C. Lyren. 

Der Kopf fällt schief ab und die Schnauze ist mehr 
oder weniger tief in zv\ei Lappen gespalten. Der Pccto- 
ralrintr zeigt einen mehr oder minder dolcliarlig verlänger- 
ten Stachel. 

■*) Dr. It ii )> p <- 1 hüll ilrn ir;m ulns lliisii seil |>oenl<i|itcrn Vnl. 
fui iIim jungeil tMch von hirnndu. worin ich demselben beistimme. 
Arcb. für Suturg. .IhIi r«. X X V I. 1 Bd. V 



18 Ka u p : 

Hierher: armata , Lyra, hemisticta Schleg. Fn. jap. 
t. XIV B und t, XIV. 3 et 4, Bürgeri Schleg. 

Da unter diesen meine neue Art sich befindet, so will 
ich sämnitliche diagnosiren. 

1) Die operkelstachlichte Lyre. Trigla armata Kaup. 

Diagnose. Der dünne runde spitze Stachel des Oper- 
kels so lang als der erste Stachel der ersten Dorsal. 

Beschreibung. Eine kurze gedrängte Form mit gros- 
sen Augen und stark gewölbten dornlosen Augendecken, 
wodurch die Stirn sehr concav wird. Beide Schnauzen- 
lappen wenig entwickelt , am Rande rauh wie eine Feile. 
Das Praeoperkel nach unten mit zwei Dornen , wovon der 
obere noch einen Abschnitt an dem unteren Theil der Wur- 
zel hat. Brustringstachel kaum sichtbar. Die Hinterhaupts- 
dornen sehr lang und nadelspitz. 

Zwischen diese fast zum Hinterkopf gehend reichen 
die Schilder, auf welchen die Stacheln der ersten Dorsal 
stehen ; sie sind rauh, das erste convex , die folgenden in 
der Mitte concav und sind vorn breiter als nach den hin- 
teren zu. Auf den sechs vorderen stehen die 7 Stacheln- 
Der 2te und 3te steht auf der 2ten Knochenschuppe. Die 
vier hinteren Knochenschuppen ohne Stacheln reichen bis 
zum ersten Strahl der zweiten Dorsal, die wie bei der Tr. 
polyommata keine Spur von seitlicher Bewaffnung zeigt. 

Alle 7 Stacheln der ersten Dorsal sind gerade. Der 
erste so lang als der Operkelstachel, der zweite '/, länger 
und der dritte der längste und stärkste, von dem 4ten bis 
7ten werden sie allmählich kürzer. Der Stachel des Brust- 
rings sehr kurz, allein spitz. 

Die Pectoral scheint bis zu den ersten Strahlen der 
2ten Dorsal gereicht zu haben. Die vorderen oder oberen 
6 Strahlen waren hellfarbig mit dunklen braunpunktirten 
Membranen , allein die unteren Strahlen wie Membranen 
sind schwarz un regelmässig weiss gefleckt. 

Die Lateral wie bei polyommata ohne einen Bogen 
wie bei lyra zu bilden. 

Die Farbe scheint röthlich gewesen zu sein , allein 
die schmälere obere Hälfte längs der Lateral war dunkler, 



lieber eine neue Art Trigla aus China. 19 

als die lichtere unlere Hälfte. Es zeigen sieh weder Flecken 
auf den Dorsalen noch auf dem Körper. 

Ich kenne nur ein getrocknetes Exemplar von 90 Min. 
Länge aus einer chinesischen Inseklenschachtel , in der 
sich viele junge und kleine Fische aus China befanden. 

Steht der hemisticta Schleg. am nächsten durch die 
seitlich dornenlosc Rückenkante nächst der 2ten Dorsal, von 
der sie sich jedoch wesentlich schon durch die Diagnose 

, . -a , D . 7 . 12 
unterscheidet. 



A . 12 " 

2) Europäische oder brustdornige Lyre. Trigla Lyra Linn. 

Diagnose. Der Brustring verlängert in einen dreikan- 
tigen dolchähnlichen oben fast durchaus gezähnelten Dorn, 
der halb so lang als die Pcctoral ist. 

Bechreibung. Die gegabelte Schnauze auf jedem Lap- 
pen mit 5 — 6 transparenten vorstehenden Dornen besetzt. 
Augendecke schwach convex mit flacher Stirne , vorn und 
hinten mit einem Dorne. Augen gross. Praeopcrkel mit 
einer gezähnelten Leiste, die in einen kurzen Dorn aus- 
länd. Dorn des Opcrkels '/, der Länge des Pectoraldorns. 
Die Schilder der Dorsalen beginnen hinter den Dornen des 
Hinterkopfes, sind alle tief concav und begleilen als 26 
nach hinten gerichtete Dornen beide Dorsalen. Zwischen 
beiden ein unbedeutender leerer strahlenloser Raum. Die erste 
Dorsal zeigt den ersten Stachel gezähnelt, ebenso allein ge- 
ringer den 2ten und 3teu ; letzterer der längste. Von die- 
sem nehmen die folgenden an Länge ab, bleiben jedoch bis 
zum Tlcii ungewöhnlich lang. 

Die Lateral entspringt unter dem Hinlerhaiiptsdorn, 
fällt von da in einem Bogen abwärts und gehl sodann ge- 
rade bis zur Mitte des Schwanzes. Schuppen klein mit 
3_4 Stacheln. 

Kolli (im Tode schmutzig strohgelb) mit schwarzen 
Flecken auf der ersten Dorsal , die ich jedoch selbst nie 

beobachtet habe. '' - — . Der Kopf geht in die 

ganze Länge über 3'/jinal. Gemein im Mittelmeer und der 

Nordsee. 



20 K a u p : 

3) Die grossäugige Lyre. Trigla hemislicta Schleg. 

Fn. jap. p. 36. Tab. XIV. II und III Kopfe. Tab. XIV B 
ganze Figur. 

Diagnose. Der Stachel des Opcrkels ist breit durch 
die ßügelförmigen Anhänge, etwas gekrümmt gewunden und 
länger als der breite Pectoralstacbel. Der Diameter des 
grossen Auges hat fast die Länge des üperkelstachels oder 
des 2ten Stachels der ersten Dorsal. 

Beschreibung. Gleich der armata durch den Mangel 
der Stacheln der 2len Dorsal längs der Riickenkante, durch 
die vorgerückten Schildchen der ersten Dorsal zwischen 
die Dornen des Hinterkopfes, weicht jedoch durch die Bil- 
dung des üperkelstachels, durch die zwei des Praeoperkels 
und Färbung der Pcctoral u. s. w. ab. 

Der Kopf von den Schnauzcnlappen bis zum Hinter- 
hauptdorn gemessen, geht in die ganze Länge dreimal, wäh- 
rend er bei armata nur 2% misst. 

Die Schnauzcnlappen feilarlig- rauh am Rande, sprin- 
gen von oben gesehen nicht über die Contur des Kopfes 
vor. Die obere Augendecke ohne Dornen und ohne Leiste 
auf dem unteren Augenknochen. Der Praeopcrkel mit einem 
Dorne und unter diesem runde granulirte Ausschnitte ohne 
Dornen zu bilden. Der Brustringdorn durchaus breit mit kur- 
zer Spitze. Die Schildchen der ersten Dorsal und der Hin- 
terkopf lassen einen Raum zwischen sich , der der Länge 
des ersten Dorsalstachels gleich isl und das erste Schild- 
chen überreicht nur etwas die Spitzen des Hinterkopfs. Die 
Stacheln der ersten Dorsal ungewöhnlich stark, namentlich 
die 2te bis öle. Die 4te ist die stärkste und längste. Zwi- 
schen dem letzten Strahl und dem ersten der 2ten ein 
dornloscr Raum von fast der Länge des ersten Dorns, wahr- 
scheinlich ebenfalls wie bei armata mit vier Schildchen ver- 
sehen. 

Laleral mit schwachen Kielen, die sich rauh anfühlen, 
zieht sich ohne einen Bogen zu bilden, längs des Rü- 
ckens hin. 

Beide Dorsale schwarz gefleckt , ebenso der obere 
Theil der Korpersciten. Pectoral in der Mitte mit schwärz- 
lichen Membranen, sonsl strohgclblich. Ventral, Anal und 



lieber eine neue All Trigla aus China. 21 

t'audal einfarbig- weisslich. Körper oben rothbraun untere 

Hallte gelblich. ' ' .. 

A . 1 1 

Japan nach Schlegel und T e m m i n k. 

4) Breitschnauzige Lyre. Trigla Bürgen Schleg. 
Fn. jap. lab. XIV. lig. 1 et 2. 

Diagnose. Die breiten rauhen Schnauzenlappen un- 
gewöhnlich breit , springen nach aussen vor und sind von 
oben gesehen fast so weit nach aussen als die Contur der 
Wangen. Augen klein. 

Beschreibung. Diese Art gleicht lyra mehr als der 
armata und henu'sticta, indem beide Dorsale zusammenstos- 
sen und regelmässig mit Dornen liings der Rückenkante 
versehen sind. 

Die obern Augendecken, wie bei allen exotischen, ohne 
Stacheln, und lassen zwischen sich einen breiten Raum, der 
breiter ist als der Längsdurchmesscr des ganzen Auges. Der 
Operkelstachel klein und unbedeutend ohne freien transpa- 
renten Dorn. Der Stachel des Brustrings dagegen entwi- 
ckelter, jedoch nicht so stark als bei lyra. 

Die erste Dorsal ragt zwischen die Dornen des Oc- 
ciput hinein, was bei lyra nicht der Fall ist. Die Dorn- 
slrahlen sind schlank, massig dick und keine ist am vorde- 
ren Rande gezähnelt. Der eiste ist sehr lang und der 
/weile der Längste. Zwischen der ersten und zweiten Dor- 
sal ein höchst unbedeutender leerer Raum , der mil einem 
gedornten Schildchen, wie bei lyra ausgefüllt ist. Die 
Pectoral klein, so lang als der Körper über dem Anus hoch 
ist. Wie armata und bemistieta sich in der Zahl der Dorsal 
und Anal gleichen, so /.eigen lyra und Bürgeri in dieser 
bat keine Differenz. 

Die gerade Lateral hat wie der Körper grössere Schup- 
pen "iid zeigt .'S — "> kleinere Kiele. Der Kopf geht fast 
dreimal in die Totallänge. 

Die Farbe isl roth, Bauch, Anal und Ventral weisslich. 
D . ;t . ic . 



22 Kaup : 

5) Trigla polyommata Ricliardson. 
Proceeding 1839. p. 96. 

Diese Art hat Aelinliclikeit mit arniata und hemisticla, 
indem die Dornen der 2ten Dorsal fehlen , allein ist zu 
skizzenartig besehrieben, um deutlich die Differenz von bei- 
den zu sehen. 

Die Beschreibung lautet: Tr. polyommata has minute 
cycloid scales, an unarmed lateral line and the dorsal pla- 
tes confined to the first dorsal , there being no dilatation 
whatever of the interspinous bones of the second dorsal. 
All the spines of the hcad are stilettoshaped , and one 
whose base occupies the whole anterior end of the infraor- 
bitar on each side , projects boldly beyond the snout, and 
gives the fish a very different aspect from any other known 
gurnard. — Van Diemensland. 

Letzteres Kennzeichen von vorstehenden Schnauzen- 
lappen scheint auf eine Form zu deuten, die diese noch 
entwickelter als Bürgeri hat. Bei allen übrigen sind sie 
nicht auffallender entwickelt als die der Tr. lyra. Diese 
Art bedarf einer genaueren Beschreibung. 

D. Me erhabne. 

Zeigen wie die Seehähne und Lyren einen schief 
abfallenden Kopf und eine dornige Seitenlinie. Rumpf ohne 
quere Reihen von Poren. 

Hierher: 1) Trigla milvus Lac. (euculus Bloch. Blochi 
Yarr., rodinogaster Nardo). 

2) lueerna Brunn. ( obscura Linn. Bonap. , euculus 
Risso, filiaris Otto). 

3) gurnardus Linn. 

E. P o r en tri gl en. 

Zeichnen sich durch eine Menge von vertikalen Linien 
aus, die nach hinten, wie die Zweige einer Fichte, kleine 
Porentuben haben. 

Trigla lineata Linn. (adriatica Gm., lastoviza Br.). 

Trigla euculus Linne (pini Bl., lineata Mont., hirundo 
Risso. (Die Radienformel passt jedoch nicht.) 



Ueber eine neue Art Trigla ans China. 23 

Ich weiss nicht, wohin die pauciradiata Bonn, von 
Trebizond gehört. Sie soll nur sechs Bornstrahlen in der 
ersten Dorsal haben. Da die letzte häufig sehr klein ist, 
so fragt es sich , ob diese nicht übersehen wurde. Halte 
sie nur 6, so wäre dies allerdings die geringste Zahl, die 
unter Triglen vorkommt. In der Zahl der Radien der 2ten 
Dorsal und Anal kommt sie mit hirundo überein. Ich habe 
Ursache zu zweifeln , ob diese Art als Art existirt und 
nicht eine zufällige Monstrosität ist. 

Darmstadt, den 19. August 1859. 



Heber zwei vcrniutlilicli neue Chilenische Enten und 
über Fringilla barbata Mol. 

Von 
Dr. R. A. Philipp! , 

Prof. der Zool. und Botanik in Santiago. 



Zwei in diesem Winter erhaltene Enten finde ich in 
den mir hier zugänglichen Büchern nicht beschrieben. 
1. Anas iopareia Ph. *). 
Dimensionen. 

Länge des Vogels von des Spitze des Schnabels bis 
zum Ende des Schwanzes mit dem Bandmaass ge- 
messen 22 Zoll. 

Länge des Oberschnabels . . . 25Va Linie. 

Breite desselben am Grunde • . 8'/n » 

v „ am breitesten Theile 10 „ 

„ seines Nagels . . . 4 1 /, „ 

Höhe desselben am Grunde 13 „ 

Länge des Tarsus .... 23 , 

„ der Mittelzehe (mit dem Nagel) 27 „ 

„ der Aussenzehe , 26 „ 

„ der Hinterzehe . . . 8'/ 2 » 

Die ganze Körperbildung stellt diese Ente zwischen 
A. specularis King und A. oxyura Licht. Der Schnabel ist 
fast genau wie bei, A. specularis nur weit höher, so dass 
er beinahe eine gerade Linie mit der Stirn bildet; vorn 
ist er nur wenig breiter als hinten; die Firste ist schwach 
concav, und der schmale Nagel greift an der Spitze hakenartig 
über den Unterkiefer über. Die Firste bildet am Grunde mit 



•) tds Rost, naQita Wange. 



Philippi: Ueb. zwei vertmithlich neue Chilenische Enten. 25 

den Seitentheilen beinahe einen rechten Winkel , und die 
letzteren sind hier vollkommen eben. Die Nasenlöcher sind 
oval, wie bei den genannten Arten beschaffen. Die Beine 
stehen massig weit nach hinten, und die Hinterzehe hat 
einen breiten Hautsaum. Dur Schwanz ist kurz und spitz, 
etwas länger und spitzer als bei A. specularis, aber kür- 
zer und stumpfer als bei A. oxyura. Was nun die Färbung 
betridt, so haben die Federn meist einen braunen oder 
schwarzen Grund mit einem mehr oder weniger breiten 
rostbraunen Rand , der oft noch weiss gesäumt ist, an den 
einzelnen Kiirpertheilen ist bald mehr der schwarze, bald 
mehr der rostfarbene, bald mehr der weisse Theil über- 
wiegend. Die Oberseite des Kopfes und Nackens ist braun, 
doch unterscheidet man deutlich den rostgelben Rand der 
Federn; die Seiten derselben sind rostbraun, und die Fe- 
dern der Wangen zeigen jede einen schwarzen Fleck. 
Kehle und Seit e n d e s Halses sind blass rostfarben und 
ungedeckt ; der untere Theil des Nackens etwas dunkler 
aber heller als der obere Theil. Die Augeulieder und ein 
schmales Halssband am unterern Ende des Halses, welches 
wenig auffallend ist , sind weiss. Die Brust ist rostbraun 
und schwarz gefleckt, der Bauch anfangs weiss mit schwar- 
zen Flecken, später fast ganz weiss, und gehen diese Fär- 
bungen allmählich in einander über, indem der anfangs 
schmale weisse Saum der Federn allmählich immer breiler 
wird, und den rostbraunen Theil und zuletzt selbst den 
schwarzen der Federn zurückdrängt. Hie Seilen der Brust 
sind dunkelbraun, last schwarzbraun, mit roslgelbcm Saume 
der Federn. Die Seilen des Leibes bis zum Schwänze sind 
schwarz und weiss gesprenkell. Jede Feder ist nämlich 
schwarz mit einer weissen schwarz gesprenkelten Qluer- 
binde iiml einem eben solchen Bande. Die Federn des 
Rückens sind schwarz, metallisch glänzend, nach dem Na- 
cken hin mit Schmalem rostgelben Saume. Dieser hat die 
Färbung der oberen Seile des Kopfes. Die Schwanzfedern sind 
oben braunschwarz mit schmalem roslgelhen Saume, unten 
grau; die äusseren haben einen helleren bräunlichen Saum. 
Die unteren Deckfedern ddi Schwanzes so wie die letzten 
Federn des Unterleibes sind weiss, in der Mitte schwarz, mit 



26 !' h i 1 i pp i : 

weissen Sprenkeln. Die Schwungfedern der ersten Ordnung 
sind braunschwarz , die der zweiten Ordnung sind grün 
schillernd und ein Paar derselben haben einen schmalen, 
weissen Saum. Ein eigentlicher Spiegel fehlt. Der Ober- 
schnabel ist im Leben braungelb mit schwärzlichem Nagel, 
der Unterschnabel gelbroth. Die Fiisse sind ebenfalls gelb- 
roth mit schwarzen Nägeln. Das beschriebene Exemplar 
ist ein Männchen. 

2. Erismatura villata Ph. 

Dimensionen. 

Länge von der Spitze des Schnabels bis zum Ende 
des Schwanzes .... 17% Zoll. 

Länge des Oberschnabels . . . 17'/ 2 Linie. 

Breite desselben am Grunde . . 9 „ 

„ , am breitesten Theile nahe 10 „ 

„ seines Nagels . . . . l'/ 2 „ 

Höhe des Schnabels am Grunde . 8% „ 

„ des Tarsus .... 15 „ 

Länge der Mittelzehe .... 26 „ 

Die Bildung und Verhältnisse des Körpers sind ziem- 
lich wie bei E. ferrnginea Eyton bei Gay Vol. I. p. 458, 
welche Ente in hiesiger Gegend Pato tripoca heisst (nach 
Gay soll ihr Name Pato piinpillo sein). Unsere Art bat 
aber einen etwas kürzeren Schnabel, und die Kante, welche 
am Grunde die Firste von den Seitentheilen trennt, ist ab- 
gerundet. Die Färbung des Oberkopfes ist braun , doch 
haben die Federn des Hinterkopfes einen roslgelben Rand 
und ist diese braune Färbung durch eine horizontale, von 
der unteren Seite des Schnabels beginnende Linie scharf 
nach unten begrenzt. Eine weissliche fein grau gewellte 
Binde verläuft horizontal von der halben Höhe des Ober- 
schnabels dicht unter dem Auge fort nach dem Nacken hin, 
vereinigt sich jedoch nicht mit der der entgegengesetzten 
Seite ; sie ist so breit wie der braune Streifen unter der- 
selben. Die Kehle ist weisslich , mit feinen graubraunen 
Wellen , die an den Seilen des Halses breiter werden, und 
eben so viel Raum einnehmen als der weisse Grund , auf 
dem Nacken dagegen die weisse Farbe ganz verdrängen. Der 



Ueber zwei vernuithlich neue Chilenische Enten. 27 

untere Thcil des Halses ist hellbraun mit feinen weissen 
Wellen. Brust und Bauch erscheinen hell rostgelb mit 
schwarzen Wellen, indem jede einzelne Feder grau, gegen 
die Spitze hin schwarz und mit einer breiten rostgelben 
Franze versehen ist. Der Unterleib ist heller, fast weiss- 
licli , indem die schwarze Färbung an der Spitze der Fe- 
dern allmählich verschwinde! , und auch der rostfarbene 
Saum weniger auffallend ist. Die Seiten sind schwarz und 
braungelb gewässert, ähnlich wie die Brust. Der Rücken ist 
schwarzbraun mit feinen weissen Punkten gesprenkelt. Die 
Schwungfedern und die Deckfedern derselben sind einfach 
schwarzbraun, ohne anders gefärbte Ränder, mit tief schwar- 
zem Schafte, und so sind auch die Schwanzfedern einfarbig 
braun, mit schwarzem Schaft jedoch etwas blasser; sie sind 
3y 2 Linie breit. Die letzten unteren Deckfedern sind ganz 
weiss. — Der Schnabel ist oben schwarz, unten roth; die 
Risse sind schwarz. — Das beschriebene Exemplar ist ein 
Männchen. 

Der bedeutend kürzere Schnabel und die weisse Binde 
unter den Augen unterscheidet diesen Vogel sogleich von 
der jungen nicht ausgefärbten E. ferruginea; 



lieber l'ringilla barbatn Hol. 

Wenige Vögel sind in Chile so gemein wie der sog. 
lilguero oder Silguero *), der Repräsentant unseres deut- 
schen Zeisigs; man hall ihn auch überall in der Gefangen- 
schaft, und führt viele Vögel nach Peru aus. Molina hat 
diesen Vogel Fringella barbata genannt, s. dessen Saggio 
inlla Moria naturale del Chili. Bologna 1782. p.247, wo frei- 
lich die Beschreibung falsch genug ist. Bei Gay Vol. I. 
p. 352 finden wir diesen Vogel als Chrysomitris campestris 
Gould aufgeführt; aber nur das Männchen, welches sich 
durch das schwarze Kinn vom Weibchen unterscheidet, kurz 
beschrieben. Dieses schwarze Kinn hat unstreitig Molina 



•) In Spanien wird dient .Nomen dem Stieglitz beigelegt, 
und der Zeitig behal doit Vtrierol. 



28 Philippi: Ueb. zwei vernmthlich neue Chilenische Enten. 

Veranlassung zum Namen barbata gegeben; der Spanier 
hat nämlich, um Kinn und Bart zu bezeichnen, nur das 
eine Wort: barba. Nach Desmurs a. a. 0. bei Gay 
(^Herr Desmurs hat bekanntlich die Vögel bei Gay be- 
arbeitet) ist dieser Vogel die Fringilla campeslris Spix Av. 
bras. tab. 59, welches Werk ich nicht nachsehen kann. Als 
Synonym eitirt er Fr. barbata Mol. Warum hat er nicht 
der Priorität folgend, die Art Chrysomitris barbata genannt? 
— Herr Hartlaub hat in der Naumania für 1853, welches 
Werk mir im Mai Herr Celebor in Valparaiso auf kurze 
Zeit borgte, die von mir aus Voldivia gesendeten Iilgueros 
für eine verschiedene Art gehalten , und a. a. 0. als Gri- 
thagra flavospecularis beschrieben, indem wahrscheinlich der 
schlechte Zustand, in welchem meine Vögel in Deutschland 
ankamen, ihm nicht erlaubt hat, die Identität mit Molina's 
Fringilla barbata oder Spixens Fr. campeslris zu erkennen. 
Ebenso wenig hat Herr Cassin diesen Vogel erkannt, er 
beschreibt ihn U. S. Naval Astron. Exped. Vol. II. p. 181 
als Chrysomitris marginalis Bonap. , und bildet tab. XVII 
Männchen und Weibchen ab. Es ist ihm nicht in den Sinn 
gekommen, dass dies der so gemeine Iilguero sein könnte. 
Wenn nun, wie sich wohl voraussehen lässt, seine Abbil- 
dung und Beschreibung wirklich die Chr. marginalis Bonap. 
darstellt, so stellt sich die Synonymie des Iilguero so heraus: 

Chrysomitris barbata. 
Fringilla barbata Mol. 1782. 
Fringilla campeslris Spix. 

Chrysomitris rampestris Gould, Desmins bei Gay 1. c. 
Chrysomitris marginalis Bonap. , wenigstens bei Cas- 
sin 1. c. 

Grithagra flavospecularis Hartlaub 1. c. 

Santiago, den 31. Juli 1859. 



Skizzen ans dem zoologischen Garten iu London. 

Von 
Dr. Albert (iünther. 

I. Die kaltblütigen W irb el t lii ere. 

Als im Jahre 1849 der erste Versuch in der Menage- 
rie der zoologischen Gesellschaft in London gemacht wurde, 
diese an Artenzahl so reichen Thicrklasscn durch eine um- 
fassendere Sammlung zu repräsentiren, stellte es sich bald 
heraus, dass ein grosser Theil derselben mit grosserer Leich- 
tigkeit die Gefangenschaft ertragen könne, als man anfangs 
erwarten zu dürfen glaubte. Anfängliche Verluste an Thie- 
ren wurden so viele Gewinne an Erfahrungen, nahmen an 
Häufigkeit ab, und waren zuletzt auf den gewöhnlichen Ab- 
gang, der -sich in jeder Menagerie in den Hassen der Säu- 
gethiere und Vögel herausstellt, reducirt *). Viele Thiere, 
welche ich bei einem früheren Besuche in London vor fünf 
Jahren gesehen , fand ich später wieder, und manche von 
ihnen belinden sich noch im besten Wohlsein. Die Samm- 
lung erweckte die lebhafte Theilnahme von Naturforschern 
und auswärtigen Sammlern. Das Publikum selbst findet 
bei der zweckmässigen Ausstellung, ein grosses Interesse 



; Selbst dieses Verhältnis» halte ich für ein noch zu ungün- 
»tiges. Reptilien erfordern bei weitem nicht dieselbe Sorgfalt in der 
An and Zeil <I ■ i Pfltlerung, oddr denselben ausgedehnten Kaum wie 
Bfiugetlifere and Vögel. Der Trieb nach freier Bewegung ist in sehr 
beschrfiaktem Stade verbanden, Die erate und wichtigste Bedingung 
zu Ehren WohlbeBnden iat eine Temperatur, die dein Clima, welchem 
ife entstammen, möglichst angennaal ist. Ich werde später noch Ge- 
legenhell haben, auf darauf bezugliche 1 nvollkommenheiten des Ger- 
lena zurückzukommen. 



30 



Ci ün t h e r : 



an Thieren , deren Leben ihm sonst mehr oder weniger 
völlig- verborgen , oder mir aus der Erinnerung von den 
Erzählungen der Kinderschriften bekannt ist, und die Be- 
sucher überfüllen das Lokal zur Zeit der allwöchentlichen 
Fütterungen. Welchen Werth eine solche Sammlung für 
den Naturforscher hat, brauche ich nicht auseinanderzuset- 
zen , und um das Interesse der Leser des Archivs in An- 
spruch zu nehmen , glaube ich nur eine Liste der gegen- 
wärtigen Sammlung geben zu dürfen. 

Schildkröten. 



Chelydra serpentina. 
Testudo graeca. 
Emys mobiliensis. 
Emys pieta. 

Crocodilus americanus. 
Alligator mississipensis 
Grmmatophora barbata. 
Iguana rhinolophus. 
Cyclodus gigas. 
Lacerta ocellata. 
Lacerta viridis. 
Podarcis muralis. 



Emys guttata. 
Emys rubriventris. 
Emys decussala. 
Malacoclemmys concentrica. 

Saurier. 

Ascalabates mauritanicus. 
Scincus officinalis. 
Pseudopus Pallasii. 
Clothonia Johnii. 
Trogonophis Wiegmanni. 
Seps tridaetylus. 
Anguis fragilis. 



Python Sebae. 
Python regius. 
Python molurus. 
Python reticulatus. 
Boa constrictor. 
Chilabothrius inornatus. 
Corallus hortulanus. 
Crotalus durissus. 
Clotho arietans. 
Vipera berus. 
Naja haje. 
Cenchris piseivorus. 



Schlangen. 

Zamenis hippoerepis. 
Coluber gullatus. 
Coluber quadrivittalus. 
Coluber Blumenbachii. 
Tropidonotus fasciatus. 
Tropidonotus viperinus. 
Tropidonotus natrix. 
Tropidonotus ordinafus. 
Philodryas viridissimus. 
Oxyrhopus trigeminus. 
Calopisma Reinwardlii. 



Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 



31 



Bulb viridis. 
Bulb calamita. 
Bufo pantherinus. 

Alyles obstetricans. 
Rana esculenta. 
Rana mugiens. 
IVratophrys rornuta. 
Salamandra maculosa. 



Batrachier. 

Salamandra alra. 
Amblystoma luridum. 
Triton cristatus. 
Triton taeniatus. 
Amphiuma tridaelylum. 



Lepidosiren. 



Fische. 

Salmo fario. 
Pleuronectes platcssa. 
Pleuronectes flesus. 
Rhombus maximus. 
Conger vulgaris. 
Hippocampus. 

Die gewöhnlichen Cyprinoi- 
den Englands. 



Gasterosteus. 
Jhii.nl capito. 
Perca fluviatilis. 
Blennius palmicornis. 
Blennius pholis. 
Oenilabrus cornubicus. 
Zoarres viviparus. 
Motclla vulgaris. 
Esox lucius. 

niese Thiere sind in zwei Gebäuden untergebracht : 
dem Reptilien hause, das für diesen Zweck allein her- 
gerichtet ist, und dem Wassert hier hause, das neben 
Fischen und Wasserreptilien noch die Salzwasser-Aquarien 
für niedere Thiere enthält. Betreten wir das erstere , so 
befinden wir uns in einem länglich-viereckigen Räume von 
etwa 50' Länge, 24' Breite und 15' Höhe; eine Reihe Be- 
hälter von ihren Bewohnern entsprechender Grösse nimmt 
drei Seiten desselben ein. Die Temperatur soll durch heis- 
ses Wasser, dnss mit einer Dampfmaschine in vielfach ge- 
wundenen Molii-cn durch den Boden der Käfige geleilet wird, 
auf demselben Stande von 70° F. erhalten werden # ). Das 



Mete I iiii|M i;ilur ist an und tut sich zu niedrig für tropi- 
ichc Thiere ; allein sie lilcihl in den Kaiigen gar nicht auf diesem 
Grade stehen, da, namentlich wahrend des Winters, eine betiachlliche 
Abkühlung an den freien Kaum des Gebäudes, der nicht geheizt ist, 
• taltnndel. Die erstrebte gleit huias»igc Temperatur seihst aber ist an- 



32 Günther: 

Licht fällt von oben herein. Die Käfige sind vom Boden 
vier Fuss entfernt , und haben alle eine gleiche Höhe von 
fünf Fuss. Ihre vordere Seite ist durch eine einzige Glas- 
scheibe abgeschlossen, welche dick genug ist, um nicht nur 
einen Druck von Seiten grösserer Schlangen, (welchen diese 
Thiere in der Thut nie versuchen) , sondern auch einen 
etwaigen Stoss von aussen aushallen und die vollständigste 
Besichtigung der Thiere gestattet. Der Zugang zu den Kä- 
figen ist verschieden hergerichtet; die grossen Behälter ha- 
ben auf der hinteren Wand eine grössere und eine kleinere 
Fallthürc , durch welche der Wärter hineingehen oder das 
Futter u.s.w. ohne die geringste Störung für das Thier hin- 
einbringen kann. Bei den kleineren Käfigen vertritt die 
Glasscheibe die Stelle der Falllhüre. In den Behältern end- 
lich , welche die giftigen Schlangen enthalten , bleibt die 
Glasscheibe fest verschlossen und ihre Tliüren sind seitlich 
angebracht, d. b. ein solcher Behälter ist nur durch seinen 
Nachbarbehälter zugänglich. Dadurch ist einem etwaigen 
Entschlüpfen der Schlange vorgebeugt. Durch ein anderes 
kleines Loch auf dem Dache des Behälters , das für die 
Schlange unzugänglich ist, wird das Futter hineingebracht, 
oder, wie das z. B. beim Beinigen der Käfige nothwendig 
ist, die Schlange veranlasst, sich in den Nachbarbehälter 
zu begeben. Ein Wasserbehälter, der einen halben Fuss 
tief ist und dessen Wasser durch darunter befindliche Boh- 
ren Winters erwärmt wird, nimmt etwa ein Drittel des Bo- 
dens ein ; der Rest ist mit einer Schicht feinen Kieses *) 
belegt. Die Schlangen haben einen wollenen Teppich (bei 

zufechten, indem, von den natürlichen Verhältnissen aus zu schlies- 
sen , es viel zweckmässiger erscheint , die Temperatur während des 
Tages zu erhöhen und in der Kacht sinken zu lassen. Thatsache ist, 
Hass die Sterblichkeil während des Winters eine Dreifache zu der 
des Sommers ist. Der Zoologe kann in dieser Beziehung im bota- 
nischen Garten vieles lernen. 

'") Dieser Kies hat schon viele der Thiere getödtet: in mehr 
als der Hallte der Sehlangen, die ich untersuchte, fand ich dieCloakc 
damit veratopft, sie müssen ihn mit der Beute zugleich verschlingen. 
Bei anderen Vortheilen, die der Kies als Bedeckung des Bodens ge- 
währt, weiss ich kein besseres Material vorzuschlagen. 



Skizzen aus dem zoologischen Carlen in London. 33 

weitem das Reinlichste) , unter den sie sich verkriechen 
können, die Saurier und Belrachier einen Haufen Moos. 

Der hintere Raum des Gebäudes enthält ein kleines 
Zimmer für den Wärter *). Die allgemeine Fütterung der 
Thicrc dieses Hauses findet einmal wöchentlich gegen Abend 
statt: das Futter besieht in Fröschen, Eidechsen, Sperlin- 
gen, Enten, weissen Mäusen (besonders jungen), Meer- 
schweinchen und Kaninchen. Die Abendfütterung hat man- 
che Vortheile; nicht nur ist diese Zeit dem Publikum die 
gelegenste , sondern manche der Thiere ergreifen oft ihre 
Beute erst in der Nacht, oder einige tödten sie zwar, aber 
nur um sie erst mit Einbruch der Dunkelheit zu verschlingen. 

Wir wenden uns nach diesem allgemeinen Ueberblick 
zu den Bewohnern des Hauses und beginnen mit dem er- 
sten Behälter der Reihe links bei unserem Eintritte. Die 
Etiketten belehren uns, dass darin Chilabothrius inornatus 
und Corallus hortulanus, Landsleute von den westindischen 
Inseln, hausen, obwohl zunächst nichts von ihnen zu sehen 
ist. Es ist kein Teppich im Behälter, worunter sie sich 
verkrochen haben könnten , und so suchen wir endlich in 
den Verzweigungen der Aeste, von welchen einige in den 
Käfig gestellt sind. Da ist denn auch im obersten und 
dunkelsten Winkel ein runder Knäuel von einer Grösse, 
dass er offenbar nicht von einer Schlange gebildet sein 
kann. Er bleibt aber unbeweglich, und nicht einmal der 
einzige Kopf, welcher zwischen der compaklen Masse von 
Windungen hervorsteht, giebt das geringste Lebenszeichen 
auf unser ungestümes Klopfen gegen das Glas. So, und 
an demselben Platze lagen sie schon vor fünf Jahren, heule 
jedoch wollen wir den Knoten sich entwirren lassen. Kaum 
hat der Wärter den Schieber, um ihn zu öffnen, berührt, so 
beginnt der zuerst gichtbare Kopf sein Spiel mit der Zunge, 
eine zweite und drille spielt zwischen den Windungen 
durch , ein Heben und Sinken des Klumpens durch das 

'■ I Die toelogiiche Geiellsobaft hat das Glück Härter in ihrem 
liiin-ii- herangezogen zu beben . die durch ihre Beobachtuogegabe, 
dnifli ihre Vorliebe zu der Abthellung, die sie bedienen, ja durch 
ihre wirklichen Keontnl le den Beiuchei in Kntaunen setzen. 

Aiuli. für NfttlUg. Jahrg. A \vi. l Bd. 3 



34 Günther: 

nun aufgeregte Athmen wird sichtbar und lässt das bald fol- 
gende Gegenbild gegen jenen trägen Klumpen ahnen; denn, 
kaum hat der Wärter mit seinem Stöckchcn eine der Sehlan- 
gen berührt, so entwirrt sich der Knäuel mit einer Schnel- 
ligkeit , dass das Auge nicht zu folgen im Stande ist ; an 
jedem Aste gleiten sechs bis sieben Fuss lange Schlangen 
herunter, lautlos und nicht zischend, wie wir es von an- 
deren Arten gewohnt sind, und zertheilen sich durch den 
Käfig; es sind sechse *) an der Zahl, unter denen jedoch 
der Corallus hortulanus nicht ist. Dieser bleibt ruhig auf- 
gerollt in einer anderen Ecke, geschieden von der anderen 
Species, deren Ruheplatz er immer mied, und welche auch 
ihn zu vermeiden scheint, da selbst bei Gelegenheit einer 
Aufregung, wie die eben beschriebene, sich nie ein Chi- 
labothrius auf den Ast verirrt, den er sich zum Ruheplätze 
auserwählt hat. — Nach Verfluss von etwa einer halben 
Stunde fängt eine Schlange an, langsam zum alten Ruheort 
zurückzukehren ; ihr folgt eine zweite , dritte und sofort, 
bis in kurzer Zeit derselbe Klumpen , in dem wir sie ge- 
troffen haben, wieder gebildet ist. Reide Species ruhen 
nie auf dem Roden aus: es sind offenbar Raum - Roiden. 
Dass sie zusammenliegen, ist ein Reweis, dass die Tempe- 
ratur des Käfigs für sie zu nieder ist , obgleich hoch ge- 
nug , um ihnen ihre Gesundheit zu erhalten. Sie werden 
mit Sperlingen gefüttert, und aller Wahrscheinlichkeit nach 
sind Vögel ihre gewöhnliche Nahrung im freien Zustande. 
Rei einer mehr angemessenen Temperatur würden sie ge- 
wiss regelmässiger fressen : selten fängt mehr als eine 
während des Tages einen Sperling; während der Nacht 
werden zwei oder drei weitere gefressen, so dass die Hälfte 



*) Vor wenigen Tagen hat der Knäuel durch den Tod einer 
Schlange , um ein paar Windungen abgenommen. Das Tliier starb 
an einer sehr gewöhnlichen Krankheit unter den Schlangen, wobei 
die Zalinränder mit übel aussehenden und leicht blutenden Geschwü- 
ren bedeckt sind. Solche Thiere sterben gewöhnlich, und da die 
Krankheit sehr häulig ist, so ist es beim Ankaufen einer Schlange im- 
mer gerathen, das Jlaul zu untersuchen. Eine der Schlangen hat vor 
einigen Jahren gegen 30 lebendige Jungen geboren, die aber bald 
starben. 



Skizzen ans dem zoologischen Gartdn in London. 35 

der Schlangen immer vierzehn Tage oder drei Wochen 
fastet. Sie saufen sehr wenig , und häuten sich , wie alle 
Boiden, viermal des Jahres. 

Die Bewohner des zweiten Käfigs sind ein Boa con- 
strictor vom südamerikanischen Continent und eine Zamcnis 
hippoerepis von Nord - Afrika. Die erste ist das schönste 
Exemplar, das ich gesehen, und Über acht Fuss lang. Seine 
und der übrigen Pythonen Lebensart im freien Zustande 
und ihr indolentes Benehmen in der Gefangenschalt sind zu 
wohl bekannt, um hier eines weiteren Berichtes zu bedür- 
fen. Zainenis hippoerepis ist am Bauche schon dunkel ro- 
senrotfa , was man an Weingeistexemplareta nicht mehr zu 
sehen bekömmt; sie nährt sich ziemlieh regelmässig von 
Sperlingen, beisst gerne, und versucht nie zu klettern. 

Im dritten Käfig sind mehrere Exemplare von Python 
regius. 

Der vierte und grösste Behälter des Hauses enthält 
ein Paar Python Sebae. Das Männchen ist acht Fuss lang, 
das Weibchen neunzehn, und schon seit Jahren in der Me- 
nagerie. In den zwei lclzleu Jahren, während des Monats 
August, begattetes sie sieh beinahe täglich. Die Folge, 
in diesem Jahre, war eine beträchtliche Anschwellung des 
Weibchens, die jedoch mehr lympanitischcr Natur gewesen 
zu sein scheint. Sie fressen sehr umegelmässig , sowohl 
was die Zeit, als die Quantität betriff) : das Weibchen frass 
einmal von selbst neun Enten bei einer Fütterung; frisst 
es nach einer langen Zeit zum ersten Male wieder, so be- 
fostigl der Wärter an das Thiel-, welches die Schlange zu 
r*rlchlingen beschäftigt ist , ein oder zwei andere frisch 
getädtete. Sic tfisal sich dadurch nicht stören , und fährt 
ruhig zu schlingen fort, bis sie am Bade der Reihe ange- 
kommen ist. Bei keiner der Schlangen bemerkte Loh eine 
Bnupeichelnng der Beule. Nie werden sie auf gewaltsame 
Weise y.iiiu Pressen genetblgt , Wie man dieses in vielen 

Mensgerieen sieht, auch wäre dieses bei dem Weibchen 

nicht ratbsam, du es zu Zeilen ziemlich wild ist. Als eines 

Tnr.es der Wärter mil einem Arbeiter in den Behälter stieg, 
um eine Reparatur vorzunehmen, schien dos Geräusch und 

die Gegenwart von /.«ei Menschen den Schlangen zu im- 



36 G ü 11 1 h e i- : 

bequem zu werden. Das Männchen verkroch sich unter 
grässlichem Zischen unter den Teppich, während das Weib- 
chen sich zum Angriffe anschickte, und unglücklicherweise 
neben der Thüre seine zum Sprunge fertige Stellung ein- 
nahm, so dass der Rückzug von vorne herein abgeschnit- 
ten war. Die beiden Gefangenen verhielten sich unbeweg- 
lich in ihrer Ecke , und entgingen dadurch einem Kampfe, 
der, in Betracht der Werkzeuge, die sie bei sich hatten, 
wahrscheinlich in dem Tode der Schlange geendigt hätte. 
So jedoch begnügte sich diese, mehreremal den Kopf nach 
ihnen zu schnellen, und nach einer halben Stunde zog sie 
sich ganz zurück. 

Die beiden letzten Käfige dieser Reihe enthalten Sau- 
rier von sehr verschiedener Verwandtschaft : Clothonia 
johnii , Cyelodus gigas , Scincus officinalis, Grammatophora 
barhata , Laccrla ocellata und viridis, Cliainacleo vulgaris. 
Für alle ist in einem Gefässe ein beständiger Yorrath von 
Mehlwürmern vorhanden, der Winters wie Sommers täglich 
erneuert werden muss, da sie nicht, wie die Schlangen, sich 
einem freiwilligen Fasten unterziehen. Die Clothonia, wie 
die Scincus sind während des Tages stets unter dem Kies; 
da die erstere jedoch noch einer substantielleren Nahrung, 
als der von Insekten, bedürfen, so werden sie zur Zeit der 
allgemeinen Fütterung hervorgeholt. Sehr junge Mäuse 
ergreifen sie sofort, ähnlich wie wir es nachher bei I'seu- 
dopus finden werden. Der Wärter sagte mir jedoch, dass 
sie hie und da dieselben vor dem Verschlingen vollständig 
mit Speichel überziehen, ich selbst habe es nie gesehen. 
Der Cyelodus gigas befindet sieh nun schon seit drei Jah- 
ren in der Menagerie und hat in dieser Zeit an Länge und 
besonders an Umfang ersichtlich zugenommen; er ist nun 
über fünfzehn Zoll lang. An trüben Tagen ist er meist 
unter dem Moose verborgen, während er bei Sonnenschein 
langsam und mit leicht wellenförmiger Biegung des Lei- 
bes im Käfig herumkriecht und öftere Mahlzeiten an Mehl- 
würmern und klein gehacktem Fleische hält. Er beisst 
nicht, selbst wenn man ihn in der Hand hält, und sucht Hin- 
durch Drehen des Schwanzes, in dem er eine beträchtliche 
Kraft besitzt, und der nicht bricht, zu entkommen. Im Kiese 



Skizzen aus dem zoologischen Garten in Kondon. 37 

sah ich ihn nie graben. Das Exemplar der neuholländi- 
schen Grammatopbora barbata is! über achtzehn Zoll lang: 
bei trübem Wetter leistet es dem Cyclodus unter dem Moose 
Gesellschaft , hei heiterem spazirt es ziemlich schwerfällig 
im Käfig hemm , um sich zuletzt am sonnigsten Platze 
durchwärmen zu lassen ; dabei richtet es den vorderen 
Theil seines Körpers hoch auf den Hinterbeinen auf und 
spreitet den Halskragen aus , um ihn in seiner ganzen 
Weite den Sonnenstrahlen auszusetzen ; der Kragen wird 
mit Hülfe der Zungenbein-Hörner ausgedehnt. 

Will man es fangen , so schlägt es den Halskragen 
ein und sticht in einer Art von nichts weniger als schnel- 
lem Trabe zu enlf/ehen. Es scheint nicht auf Bäume zu 
klettern, und eher auf felsig-em Grunde zu leben ; höchstens 
richtet es sich an einem Aste etwas in die Höhe: in einer 
solchen Stellung sah ich es auch einmal den Kragen im 
Affekte aufrichten. Ein Chamäleon war im Begriffe , auf 
den Boden herabzusteigen und entschlossen , den nächsten 
Weg zu dem Gefässe mit den Mehlwürmern zu nehmen, 
schritt es bedächtig mit einer Hand auf den Nacken der 
Grammatophora. Diese suchte zuerst durch Bewegungen 
des Kopfes das Chamäleon wegzudrängen , das aber ruhig 
mit der zweiten Hand sich an dem Kragen selbst festhielt. Die 
Grammatophora gerieth dadurch in die grösste Aufregung : 
sie warf die Kopf rechts und links, entfaltete bald die eine 
Seite ihres Kragens, bald die andere, und setzte diese Be- 
wegungen noch fort, nachdem das Chamäleon längst seines 
Weges gegangen war. — Von dem Fanlthiere unter den 
Sauriern, dem Chamäleon, sind immer einige Exemplare in 
der Menagerie; sie gehören der gemeinen Species an*). 



°j So bekannt die Lebensart des Chamäleons ist, so wenig Ge- 
legenheit hat man in Deutschland, dieses Thier im Leben zu sehen, 
was bei dei Leichtigkeit der Anschaffung und dem Interesse, wel- 
.in- ihts Tbior gewiss verdient, v irklich zu verwundern ist. Nach 
London erden jedei Jahr vielleicht hundert dieser Thiere impor- 

lirl, meist von Mofador. und ebenfalls nach Liverpool, und das Mail» 

cn liinl Schilling verkauft. Zum Transporte Ist die Kleinste Schachtel 
geeignet. Abgelehrte Thiere, bei denen die Muskeln an der Seile 



38 Günther: 

Die Seite dem Eingange in das Haus gegenüber, ist 
von zwei grosseren Behältern eingenommen, deren Haupt— 
bewohner eine ganze Reihe von halbgewachsenen Boa con- 
strictor sind. Sie wurden vom verstorbenen Secretär in 
Paris gekauft, und ihre Abkunft von Westindien ist keines- 
wegs sicher. Sie haben alle eine blassere Färbung , als 
das oben erwähnte grosse Exemplar , und eine geringere 
Anzahl der Schildchen um das Auge liessc in einigen von 
ihnen die Boa imperator des Daudin vermuthen. Allein 
diese Art scheint mir nach den Exemplaren, die ich hier 
davon gesehen, eine höchst zweifelhafte zu sein. Dem sei 
wie ihm wolle , die gegen« artigen unterscheiden sich von 
der wahren Boa constrictor nicht im geringsten im Beneh- 
men : träge , selbst wenn sie gereizt werden , langsam im 
Verschlingen ihrer Beule *) , ungesellig bilden sie einen 
auffallenden Gegensatz gegen Chilabothrius. Unbeläsligt 
von ihnen sind in denselben Behältern Exemplare der ge- 
wöhnlichen Ringelnatter und ein Leguan. Den letz- 
teren habe ich vorläutig als Iguana rhinolopus bestimmt; 
er ist über drei Fuss lang und ein Weibchen, wie man aus 
den Eiern , welche sich durch die Bauchdecken durchfüh- 
len lassen, ersieht. 

Er kam auf einem Westindienfahrer, was jedoch noch 
kein Beweis für das Vaterland sein kann. Trotz dem, dass 
er voll gewachsen ist, ist die hornartige Schuppe auf der 



des Knochcnkamnies auf dein Kopfe geschwunden sind, erholen sieh 
nie wieder, während die linderen jahrelang aushalten, wenn man sie 
Winters in einein Treibhause unterbringt. Sie fressen viel und oft. 

ö ) Die verminderte Pressinst dieser Riesenschlangen ist viel- 
leicht Folge der Einsperrung in einem engen Kaunie. Ein fünf Fuss 
langes Exemplar einer Boa constrictor entwischte im Hause eines 
hiesigen Thieihändlers, und war gegen sechs Monate verschwunden. 
Eines Tages entdeckte man sie hinter einer Kiste in einem Räume, 
wo eine Menge kleiner tropischer Vögel frei fliegt. Sie erschien 
auf's beste genährt, und die ihren Excrenicnten beigemengten Federn 
bewiesen, wie ein schon lange bemerkbarer Abgang der Vögel ent- 
standen war ; der Händler schätzte ihn auf über 40 Stück. Dasselbe 
Thier kaufte ich unmittelbar nachher; es frass aber dann nur wenig- 
trotzdem, dass es öfters frei im Zimmer herumkriechen konnte. 



Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 39 

Schnauze nur wenig- erhöht ; ich weiss nicht ob das ein 
Geschlechlsunlerschied ist. Die Unterscheidung- der Species 
dieses Genus ist noch eine sehr unvollkommene , und ge- 
naue Bestimmung des Fundortes und Geschlechts der In- 
dividuen in den verschiedenen Sammlungen ist unerläss- 
lich. Da dieses Exemplar noch nicht lange gefangen scheint, 
so ist es sehr störrig, und eine Verletzung am Fusse 
scheint es am Klettern zu hindern ; um es bei Kräften zu 
erhallen, ist man genöthigt, es zum Fressen der Weintrau- 
ben , mit denen man die Leguane gewöhnlich hier füttert, 
zu zwingen: dabei hat sich der Wärter besonders vor dem 
Schwänze in Acht zu nehmen , mit dem er sichere und 
tüchtige Schläge versetzen kann. — Tropidonotus natrix 
ist bis jetzt die einzige Schlange, deren Eier erfolgreich 
bis zum Ausschlüpfen der Jungen erhallen wurden. 

Entlang der dritten Seite des Hauses steht eine Reihe 
kleinerer Behälter, von denen der erste zwei Exemplare 
der grünen Varietät von Ceratophrys cornuta beherbergt. 
Sie gehen nicht häufig in das Wasser , und liegen den 
grössten Theil des Tages ruhig im Kiese,' in den sie sich 
einwühlen, so dass nur der Kopf von ihnen sichtbar ist. 
Stört man sie heraus, so blasen sie sich zu einer grossen 
Kugel auf, für deren Fortbewegung die schon ohnedem 
krötenarligen Beine zu kurz sind , weshalb ein weiterer 
Stoss sie ganz aus dem Gleichgewichte bringt , und sie 
sich über und über kollern. Eine Fortsetzung dieser Be- 
handlung lassen sie sich jedoch nicht lange stillschweigend 
gefallen, sie stossen ein lange anhaltendes Wehegeschrei 
aus, ähnlich dem, das man unter ähnlichen Umständen von 
Pelobales Ibsens hört; sie sperren dabei ihren ungeheuren 
Hai hen unter demselben stumpfen Winkel auf, wie es ein 
Hippopotamus zu Ihun im Slande ist, und beissen in einen 
vorgehaltenen Nlock mit einer solchen Kraft, dass, wie schon 
Tile.Miis iT/.alill. Sporen der Zähne zu sehen sind. Wie 
alle grossen Frösche linden sie ihre Hauptnahrung in ihren 
nächsten Verwandten, und eine Banu temporaria, zwei Drit- 
ti-l ihrer eigenen Grösse, wird, sobald sie sie mit einem 
einzigen Rucke ihres Körpers ergreifen können, gefassl 
und in wenigen Minuten verschlungen. Ich kenne keinen 



40 GfiB ther: 

anderen Frosch , der einen so weiten Schlund und Ma- 
gen hatte. 

Im nächsten Behälter sind einige Bewohner der Kü- 
sten des Mittelmcers : Ascalabotes niauritanicus, Trogono- 
plüs Wiegmanni, Seps tridactylus und Tropidonotus vipcri- 
nus. Während der erstere mit wunderbarer Geschwindig- 
keit an den Wänden herumläuft , sind die zwei nächsten 
immer unter dem Kiese verborgen , so dass für die Schlan- 
gen ein unbestrittener Theil des Territoriums übrig bleibt. 
Diese haben ganz die Lebensweise unserer Ringelnatter, 
scheinen aber weniger oft ins Wasser zu gehen : sie wer- 
den mit Fröschen gefüttert. Es ist ein Paar: das Männchen 
ist sehr dunkel gefärbt, beinahe schwarz, während das 
grössere Weibchen eine hellbraune Farbe mit den charak- 
teristischen Flecken hat. Sic vollzogen beinahe täglich 
die Begattung während der Monate Juli, August bis in den 
September. Die Rumpfe beider lagen in gerader Linie hart 
neben einander, und nur der hintere Theil war so ge- 
krümmt , dass sich die Cloaken berührten. Eine lebhafte 
wellenförmige Bewegung in der Richtung voii vorne nach 
hinten war entlang der Seite des Männchens bemerkbar, 
während das Weibchen regungslos dalag. Die Begattung 
erwies sich nicht fruchtbar. 

Der dritte Käfig enthält Saurier, die sich unter allen 
Thieren des Hauses am besten belinden, da für sie der Tem- 
peraturgrad der richtige zu sein scheint: vier Exemplare 
von Pseudopus pallasii aus Ungarn von zwei bis drei Fuss 
Länge. Sie sind auch bei weitem am gefrässigslen ; um sie 
aus dem Kiese oder unter dem Teppiche, unter dem sie 
gewöhnlich verborgen liegen , hervorzulocken, ist nur das 
geringste Geräusch am Käfige nöthig ; sofort strecken sie 
ihre Köpfe hervor und bewegen ihre lebhaften Augen nach 
allen Seiten, um zu sehen, ob die Stunde der Fütterung da 
ist. Zeigt man ihnen nun irgend einen kleinen weissen 
Gegenstand , den sie aus der Ferne für eine weisse Maus, 
ihr gewöhnliches Futter halten können, so gerathen sie 
schon in eine grössere Aufregung, indem sie theilweise 
hervorkommen und sich gegenseitig wegzudiängen suchen, 
wenn sie einander im Wege sind. Der Genuss der Fülle- 



Skizzen aus dem zoologischen Gnrlen in London. 41 

rung wird ihnen jedoch nur einmal wöchentlich zu Theil, 
was ganz genug ist, da sie jedesmal unglaubliches leisten, 
obgleich ich noch nie eine gesättigt sah, Sie stürzen sich 
auf die Hand des Wärters, die ein Dutzend junger Mäuse 
oder Vögel hält, und reissen sie ihm heraus, bevor er Zeit 
hat, sie fallen zu lassen. Dabei ereignet es sich, dass eine 
Maus von zwei Pseudopus ergriffen wird : keiner lässt los, 
der eine reisst nach rechts, der andere nach links, der eine 
erhebt sich , um dann mit dem Gewichte seines Körpers 
dem anderen das Stück zu enlrcissen : vergebens, sie zer- 
ren und zerren bis die Maus in zwei Theile zerreissl, und 
nun jeder das seinige mit der grössten Eile verschlingt. 
Beide sind jedoch bei diesem Streite zu kurz gekommen, 
da unterdessen die anderen rasch aufgeräumt haben; hat 
aber einer seine Beute noch nicht ganz verschlungen und 
ragt ein Theil derselben aus dem Maule hervor, so wird 
er von den übrigen verfolgt und jener Kampf kann noch 
einmal beginnen , ja sogar zwischen dreien geführt wer- 
den. Lange nachdem alles verschlungen ist, suchen sie. 
noch im Käfige herum, oh nicht noch etwas ührig geblie- 
ben, oder richten sich am Glase auf, um nach den Bewe- 
gungen des Wärters zu sehen , der durch das Bitten der 
Zuschauer oft zu einer nachträglichen Mahlzeit bewogen 
wird. Das Bild isl nicht unähnlich dem einer Familie jun- 
ger Hunde oder Füchse, die man für Vcrtheilung ihres 
Futters seihst sorgen lässt und halte die Natur dem Pseu- 
dopus eine Stimme gegeben, so "inge es gewiss auch nicht 
Ohne starkes Gekläffe ab. Sie ergreifen übrigens ihre Nah- 
rung wie eine Eidechse, unterwerfen sie einem hastigen 
kräftigen Beiseen, um die Knochen zu zerbrechen, und ver- 
schlucken sie ganz. Sperlinge, die etwa eine Woche alt 
sind, sind das grösgte Thier, das sie verschlucken können. 
In der Mitte dieses Sommers wurden zwei Philodryas 
ririJissimus dein Garten zum Kaufe angeboten. Trotz der 
gerade herrschenden sehr Indien Temperatur zeigten sie 
sich ausseist indolent und slelllen sich so steif, dass jede 
starke Berührung den schlanken Körper verbrechen zu kön- 
nen schien. In den Käfig gebracht, bewegten sie lieh lang- 
sam. Ins sie eine Ecke eiTeielileu, wo sie dann den Kopf 



42 Günther: 

und den vorderen Theil des Körpers in die Höhe richteten 
und unbeweglich liegen blieben. .Die grünen Schlangen 
sterben alle ," war die Meinung- des Wärters , der schon 
viele der verwandten indischen Arten gehabt zu haben 
schien. Er hatte denselben immer Zweige und Reiser in 
den Käfig gegeben, ohne dass sie sie zu ihrem gewöhnlichen 
Ruheplatze gewählt hätten. Da jedoch schon das grüne 
Kleid der Schlangen vermuthen liess, dass sie sich nur auf 
lebenden und belaubten Pflanzen wohl befinden werden, so 
gab man ihnen diesesmal zwei starke Hortensien in den 
Käfig. Kaum war die Störung vorüber, als eine der Schlan- 
gen den Kopf nach den Pflanzen wendete , und Zweig für 
Zweig , Blalt für Blatt zu betrachten schien. Plötzlich — 
und das Auge hatte kaum Zeit zu folgen — schoss sie in 
die Pflanze , wand sich einigemal durch die Zweige und 
rollte sich endlich an einem Orte zusammen, wo ihr Kör- 
per beinahe ganz auf grüner Unterlage ruhen konnte. Die 
ganze Bewegung war so schnell und unerwartet , dass, 
während ich auf diese Schlange mein Augenmerk gerichtet 
hatte, ich nicht bemerkte, dass die andere dasselbe Manöver 
gemacht, und nun musste ich selbst auf diesem kleinen 
Räume erst suchen , bis ich sie im Laubwerke unterschei- 
den konnte. Seitdem befinden sich beide aufs beste, und 
nie mehr hat man sie auf dem Boden gesehen ; nur hie und 
da streckt eine den vorderen Theil ihres Körpers über die 
Pflanze heraus , und ist dann einem grünen unbelaubten 
Zweige sehr ähnlich. Der Versuch , sie mit kleinen Frö- 
schen zu füttern, war ohne Erfolg, weshalb man ihnen kleine 
Eidechsen (Lacerta vivipara) geben musste : ein im repti- 
lienarmen England etwas seltenes und theures Futter. Ob- 
gleich man sie bis jetzt noch nicht fressen sah , so kann 
man doch nicht daran zweifeln, dass ihnen diese Nahrung 
zusagt, da die Eidechsen von Zeit zu Zeit verschwinden, 
während der Magen der Schlangen beträchtlich ausgedehnt 
ist. Wahrscheinlich waren sie im freien Zustande an Sau- 
rier-Kost gewöhnt, an die von Baum-Eidechsen (Anolis). 
Andere Exemplare mögen Baum-Frösche, andere Vögel vor- 
ziehen. Ich habe oft an unseren Schlangen eine indivi- 
duelle Vorliebe für eine besondere Art der Nahrung bcob- 



Skizzen aus dem zoologischen Carlen in London. 43 

achtet, und es scheint mir nls ob dieses von der Lokalität, 
an der die Schlange lebte, und wo sie besonders eine ge- 
wisse Tliierart als Nahrung vorfand , abhänge *). Seit 
kurzem (heilt mit diesen prächtigen Schlangen ein öxyrlw- 
pits trigeminus die Wohnung , von dein ich glaube, dass er 
sich mehr auf dem Boden aufhalten, und desshalb die an- 
deren wenig stören werde. 

Die Geschichte von Crolalus durissus ist zu wohl be- 
kannt , als dass wir sie hier weiter zu betrachten nöthig 
hallen, lieber den Wechsel der Zahl der Ringe fehlt mir 
noch alle Erfahrung. — Von Cenchris piseivorus sind fünf 
Exemplare in der Sammlung, von welchen vier ganz schwarz 
sind , während das fünfte und kleinste braun und gefleckt 
ist. Sie sind ausserordentlich träge, so dass man selten 
eine in Bewegung sieht; sie liegen zusammengerollt und 
vereinzelt ; sie fressen wenig, durchschnittlich alle vierzehn 
Tage einen Frosch, sehen aber nichts desto weniger ziem- 
lich wohl beleibt aus. Manchmal beissen sie einen Frosch, 
ohne ihn zu ergreifen , und der Tod desselben erfolgt in 
kurzer Zeil: gewöhnlich aber fangen sie ihre Beute nach 
Art der nicht -giftigen Schlangen, und verschlingen sie 
sogleich , ohne das Thier vorher sterben zu lassen ; hier 



c ) Unbedeutendere Abweichungen oder Modifikationen in der 
Lebensweise können Buch ganz auf zufälligen Umstünden beruhen. 
Die grosste Caronella laevis, die ich besass und wegen ihrer Zahm- 
heit lange behielt . Fress unr Eidechsen, nie eine .Maus oder einen 
Proach, obwohl mc- nach ihnen, wie nach jedem anderen Tbicre biss. 
Kachdem ich sie lange mit Eidechsen von gewöhnlicher Grösse ge- 
rattert halte, gab ich ihr, um ihre ungewöhnliche Kraft zu prüfen- 
ein ungemein grosses und starkes Exemplar inn Lac. agilis. Sie er- 
griff es sogleich . allein nach efneni langen Kampfe, wobei die Er- 
dech i durch die Windungen der Schlange mehrefeinal erstick! schien, 
und doch immer wieder ihn-n sehoa zum Verschlingen orfasslen 
Kopf losriss — änderte sie die All das Angriffs und packle die 
Eidechse am Schwänze; dieser brach ab und wurde gefressen. Von 

Zeil au begnügte sich diese Sehlauge immer nni den Schwanz, 
dal Bidech en abzubrechen, ohne einen weiteren Angriff auf die 
schwanzlosen Thiere zn machen; Thiere, die mit abgebrochenem 
s<h«anze in ihren Käfig gebracht wurden, beachtete sie nicht mehr. 



44 Günther: 

also ist das Gift augenscheinlich nicht wesentliches Hülfs- 
nüttel zum Ergreifen der Beute. Ich habe bei Klapper- 
schlangen und bei Puff-Addern oft zu beobachten versucht, 
ob der Giftzahn beim Verschlingen der Beute noch in Thä- 
tigkeit sei oder nicht; bei den letzteren konnte ich nicht 
darüber ins Reine kommen, allein bei den ersteren sah ich 
mehreremal aufs deutlichste (namentlich wenn sie grössere 
Thiere, wie Meerschweinchen, verschlangen), dass dieser 
Zahn wirklich, wenn auch nicht ganz aufgerichtet, doch 
in das Thier eindrang, und wesentliche Dienste beim Hin- 
unterwürgen desselben leistete. Es ist aber dann, bei der 
lebhaften Thäligkeit aller Muskeln des Kopfes, kaum anders 
möglich, als dass auch noch eine beträchtliche Quantität 
Gift durch den Zahn ausfliesst, und durch diese Beimischung 
wird der Verdauungsprecess ungemein befördert : ja, diese 
nachträgliche Beimischung des Giftes wird ebenso not- 
wendig sein, als die des Speichels in anderen Thieren. 
Es kann uns also nicht wundern , in Cenchris piseivorus 
eine Giftschlange zu linden, deren Giftapparat nicht dieselbe 
Bestimmung hat, die uns zunächst bei den eigentlichen 
Vipern auffällt. 

Einen auffallenden Gegensatz zu diesen trägen „Was- 
ser-Vipern 1 - bilden ihre gefährlichen Nachbarn, zwei pracht- 
volle Exemplare der schwarzen Varietät von Naja haje. Bei 
ihrer Bebhaftigkeit und Grösse (sie sind nahezu 6' lang) 
bedürfen sie eines ziemlich grossen Raumes; die Gläser 
des Käfigs sind bis zu einem Drittel der Höhe mit Oelfarbe 
undurchsichtig gemacht, sowohl um den Schlangen, die bei 
ihrer Beizbarkeit in beständiger Aufregung erhalten sein 
würden, mehr Ruhe zu verschaffen, als auch um sie, wenn 
sie aufgeregt werden sollen , eher zu veranlassen, sich in 
die Höhe zu richten und über den dunkeln Theil des Gla- 
ses herauszusehen. Das thun sie nun auch immer auf die 
geringste Veranlassung; kommen sie bei einer solchen Ge- 
legenheit oder bei der Fütterung einander zu nahe, so fan- 
gen sie an mit einander zu kämpfen : sie wenden sich ge- 
gen einander mit aufgerichtetem Körper, dehnen ihre Hälse 
so weit als möglich aus, und eine suchte sich immer höher 
als die andere aufzurichten, während sie stets gegeneinan- 



Skizzen ans dem zoologischen Gnrten in London. 45 

der beissen; auffallenderweise verwunden sich diese bei- 
den nie: als aber ein drittes Exemplar vor einiger Zeit zu 
ihnen gebracht winde, entspann sich ein Kampf, in wel- 
chem dieses gebissen worden sein musste, denn es war den 
Folgenden Morgen todt. Von den Thieren, die zu ihnen 
gebracht werden, tödten sie alles, selbst wenn sie nichts 
davon fressen. Die Bewegung zu beissen wird mit einer 
ausserordentlichen Schnelligkeit ausgeführt , und obwohl 
man die Schlange das Thier berühren sah , so kann man 
doch nicht glauben, das es wirklich gebissen sei, bis es 
nach wenigen Secunden in kurz dauernde Convulsionen 
verfällt. Das Maul wird dabei nur sehr wenig geöffnet, 
und die Verwundung wird mehr in der Art eines Ritzens, 
als eines Eiustechens zugefügt, wie wenn man etwa mit 
einer senkrecht gehaltenen Nadel an der Seite eines Thie- 
res herunterführe, statt dieselbe in den Korper desselben 
einzustechen; ebenso verhält es sich bei den Klapperschlan- 
gen, während die Viper und die Puff-Adder das Thier mit 
den Kiefern I'asst, und so die Giftzähne eindrückt. Sie lie- 
gen oft und lange im Wasser, gehen aber nur Winters ganz 
unter die Teppiche. 

Von der gemeinsten indischen Schlange, Coluber Blu- 
menbachii, ist nur ein Exemplar in der Menagerie, es ist 
Über 6' lang, scheu und bissig und hält sich meist unter 
dem Teppiche verborgen. Ich glaube aus seinem schlanken 
Körperbaue schliessen zu müssen , dass es sich in seiner 
Lebensweise sein- den Herpetodryas nähert, und es wäre 
passend, ihm auch in der Gefangenschaft Gelegenheil zum 
Klettern zu geben. Obgleich seine ganze Färbung mehr 
glänzend ist, isl sie doch nicht verschieden von der, wel- 
che wir an Weingeistexemplaren beobachten. 

Die unschädlichen nordamerikanischen Schlangen sind 
mit Ausnahme eines einzigen grossen Tropidonotns läscia- 
lu.s, \m-Ii her sich durchaus nicht mit anderen vertragen 
will, und förmlich Jagd auf Schlangen von seiner eigenen 
Grösse macht, in einem Behälter zusammen. In einer Tcm- 
leratur, welche die ihres Vaterlandes eher übersteigt, als 
ihr gleich kommt, befinden sie sich ausserordentlich wohl, 
fressen regelmässig und häuten sich alle 3 — 4Wochcn. An 



4ti (i ü n t h e r : 

Irüben Tagen liegen die verschiedenen Species : Colnber 
guttatus und quadrivittatus, Tropidonotus ordinalus und 
läsciatus und hie und da t'alopisina Reinwardtii friedlich 
zusammen. Bei der Fütterung ist es interessant zu sehen, 
wie jede Art ihr Lieblingsfutter sich fängt: die Tropidono- 
tus die Frösche, die C. gullalus die Mäuse, die C. quadri- 
vittatus *) die Mäuse und Sperlinge. Alle jagen ihrer Beute 
nach , ohne zu warten , bis sie ihnen nahe genug kommt, 
um sie ergreifen zu können. Die Tropidonotus verschlin- 
gen die Frösche lebendig, unmittelbar nach dein Ergreifen, 
während die beiden Colnber - Arten die gefangenen Thiere 
mit einer oder zwei Windungen des vorderen Theils ihres 
Körpers erwürgen und nicht zu schlingen anfangen , bis 
jedes Lebenszeichen aufgehört hat. Man sieht auch hie 
und da einen Tropidonotus einen Frosch umschlingen, allein 
dieses geschieht nur, um ihn festzuhalten, wenn er an 
einem ungeschickten Platze gepackt ist, und die Sehlange 
ihn entweder von vorne oder von hinten zu verschlingen 
anfangen will. Diese Verschiedenheit in der Art sich der 
Beute zu bemächtigen , steht im Zusammenhang« mit der 
verschiedenen Natur derselben: selbst wenn es für die 
Schlange möglich wäre einen Frosch durch Ersticken zu 
tödten , wäre dieses gar nicht nothwendig , da die Nackt- 
heit seiner Haut das Festhalten mit den Zähnen . und die 
Schlüpfrigkeit derselben das Hinabgleiten durch den Schlund 



tt ) Diese beiden Colnber -Arten müssen ausserordentlich nützli- 
che Thiere in ihrem Vaterlande sein: die crslere nährt sieb beinahe 
ausschliesslich von Miiusen und ist zu klein, um oft Vögel fangen zu 
können, während sie die erstem so gierig verfolgt, dass sie einer 
Maus hinter einen Schrank nachlief, sie rückwärts hervorzog und dann 
verzehrte. Ein C. quadrivillal is frass bei mir sieben Mäuse hinter- 
einander in weniger als einer halben Stunde ; er ist sehr zahm und 
nimmt das l'hier aus der Hand ; lasse ich ihn es nicht sogleich er- 
greifen, so folgt er mir durch das ganze Zimmer. Da ich später 
leichter Vögel als Mäuse für ihn bekommen konnte, so gewöhnte er 
sich so an dieses Futter, dass er jetzt im zoologischen Galten, wohin 
er für einige Zeit gebracht wurde, immer zuerst auf die Sperlinge 
Jagd macht, und oft zwei nach einander frisst. 



Skizzen aus dem zoologischen Garlen in London. 47 

erleichtert, während die Schlange weder vor Bissen, noch 
vor gewaltigen Bewegungen des Thiercs etwas zu befürch- 
ten hat. Ganz anders verhall es sich mit einem warmblü- 
tigen Thiere, das von einer Schlange gefangen wird: seine 
Bedeckung mit Ilaaren und Federn erschwert nicht nur das 
Festhalten mit den Zähnen , sondern besonders auch das 
Schlingen; dabei macht es energische muskulöse Anstren- 
gungen , sich den Griffen der Schlange zu entwinden, und 
viele würden mit Leichtigkeit durch Beissen ihre Freilas- 
sung bewerkstelligen , wenn nicht die Umschnürting der 
Schlange ihr Athmcn und jeden Versuch zu Beissen unter- 
bräche. Calopisma Reinwardtii ist nur gelegentlich mit den 
Anderen Schlangen unter dein Teppiche ; die meiste Zeit 
liegt er auf dem Boden des Wasser-Behälters, wo er ge- 
wiss mehrere Stunden aushalten kann, ohne an die Ober- 
fläche des Wassers kommen zu müssen, um Athem zu ho- 
len. Die Grundfarbe seines Bauches ist ein prächtiges dunk- 
les Roscn-Kolh. Er ist sehr träge und war gegen 6 Wo- 
chen in der Menagerie , bevor er zum ersten Male frass. 
Er nährt sich von Fröschen, deren er sich, wie die Tropi- 
donotus . bemächtigt, und um die er mit diesen oft sehr 
heftig kämpft. 

In dem anstossenden Käfige ist ein sehr grosses Exem- 
plar der nordafrikanischen Puff-Adder (Echidna mauri- 
tanica), das einzige, welches viele andere, die ihm zur Ge- 
sellschaft gegeben wurden, überlebt hat. Derjenige, wel- 
cher die Vipern die Kröten unter den Schlangen genannt 
hat, ist gewiss gerechtfertigt, wenn er dieses Bild von der 
Puff- Adder entlehnte: in einen flachen Knäuel aufgerollt, 
liegt sie tagelang bewegungslos an derselben Stelle, und 
ist aus einiger Entfernung in der Farbe kaum von dem 
Kiese, auf dem sie liegt, zu unterscheiden! Der Versuch, 
sie durch Lärm an ihrem Kälige aufzuregen, hat höchstens 
den Erfolg, dass sie ihren ohnedem schon Unförmlich dicken 
Leib zu der Dicke einer Mannesfausl aufhlässl. Fängt man 
an, sie mit einem Stocke zu reizen, so Zisch) sie fürchter- 
lich, und erbebt dabei ihren Kopf so, dass sein vorderer 
Theil schief nach unten geneigt ist. Ohne je ihren lluhe- 
plalz gänzlich zu \ erlassen, schnellt sie dabei hie und da, 



48 Günther; 

aber selten genug-, ihren Kopf einige Zoll weit vor *). Die 
Meerschweinchen , welche man ihr zum Futter giebt, sind 
oft stundenlang mit ihr zusammen, bis sie zuletzt alles Miss- 
trauen gegen die Schlange aufgeben , und durch einen 
kaum bemerkbaren ßiss ihreji augenblicklichen Tod finden. 
Die getödteten Thierc bleiben den Abend über liegen und 
werden erst des Nachts gefressen. 

Der letzte Behälter des Hauses ist beinahe ganz zu 
einem Wasserbehälter umgeschaffen, und nur ein kleiner 
Raum um denselben bleibt trocken; er dient besonders 
zum Aufenthalte einer Reihe Wasserschildkröten , deren 
scheinbar einförmige Lebensweise bis jetzt keine Veran- 
lassung bot, ihrer Pflege eine besondere Aufmerksamkeit 
zu widmen **), Bei weitem mehr, als durch sie, findet sich 



ft ) Die Puff-Adder ist die trägste Giftschlange, welche ich zu 
beobachten Gelegenheit gehabt habe , und ihre Gefährlichkeit im 
freien Zustande wird dadurch bedeutend gemindert , dass sie weder 
angreift, noch im Stande ist , sich weit vorzuschnellen. Ich besich- 
tigle einst die ganz frisch cingeiangenen Thierc an Bord eines Schif- 
fes von Mogador; eine der Kisten, welche neben anderen Schlangen 
noch eine Naja haje enthielt, musste sogleich wieder geschlossen 
werden, da diese durch die erste Oeffnung einen Angriff versuchte; 
in einer anderen Kiste waren zwanzig bis dreissig Puff-Addern, von 
diesen machte nicht eine einen Versuch zu beissen oder zu entwi- 
schen, während ich die grössten mit einem Stocke hei ausholte. 

**) Schildkröten weiden mit Ausnahme solcher Spccies, die durch 
Grösse oder ein besonderes Aussehen siel) auszeichnen, nie eine be- 
deutende Holle in Menagerien spielen, selbst in solchen nicht, wo 
der Geschmack des Publikums nicht allein zu Balhe gezogen wird. 
Doch dürfte selbst ein geringes Material, wenigstens im zoologischen 
Garten , eine bessere Verwendung linden, als nur die einer Ausstel- 
lung, wobei man nicht mehr leint als in einem Museum. Es wäre 
ein billiger Versuch , die nordamerikanischeri Species in einem der 
vielen kleinen Teiche des Londoner Gartens auszusetzen, wo sie bei 
einiger massen zweckmassiger Einrichtung der Beobachtung ebenfalls 
zugänglich wären. Dort Könnten sie sich ihr Winterquartier selbst 
bereiten , statt dass sie , wie jetzt, weder schlafend noch vollständig 
wach erhallen werden. Ich sehe noch keinen Grund, warum nicht 
wenigstens die nördlichen Arten hier ebenso wie in Kord-Amerika 
mit Erfolg versucht worden ist, zur Forlpflanzung gebracht werden 
könnten. Zur Erhallung tropischer Arten während eines oder meh- 



Skizzen ans dem zoologischen (iaiten in London. 49 

das Publikum durch einen riesenhaften Ochsen fr osch an- 
gezogen, der sich in einer Ecke in ein Stück weichen Ra- 
sens eingebettet hat. Er behauptet diesen Platz mit grosser 
Hartnäckigkeit, selbst gegen den Wärter, wenn er ihm den 
Rasen wechseln will; eine Schildkröte, welche ihn belä- 
stigt, schiebt er unwillig mit dem Vorderarme bei Seite; 
sinkt die Temperatur, so geht er ins Wasser. Seine Nah- 
rung bilden andere Frösche und Sperlinge, welche er dem 
härter aus der Hand nimmt und noch lebend hinunter- 
schlingt. Da es ein Weibchen ist, so hat man von ihm nie 
eine Stimme gehört. 

Das Reptilienhaus, welches die erwähnten Thiere 
enthält, bildet einen Anbau zu einem grösseren Gebäude, 
dem früheren Museum der zoologischen Gesellschaft; ein 
zweiter Anbau ist auf der anderen Seite dieses Gebäudes, 
und etwa die Hälfte davon wird von zwei grossen Behäl- 
tern eingenommen, die zum Aufenthalle für Python molurus 
und reticularis hergerichtet sind; beide Behälter sind mit 
dicken Baumzweigen ausgefüllt , wodurch den Thicren die 
vollere Benutzung ihres Raumes ermöglicht wird. Der Bo- 
den der einen ist ganz mit Wasser gefüllt, der des anderen 
trocken. Der Python reticularis von Ceylon ist eines der 
ältesten Thiere in der Menagerie. Vor 14 Jahren von Cey- 
lon gebracht, hatte er nur die Hälfte einser jetzigen Länge, 
die 21 Fuss beträgt. Der Wärter sagt, dass er schon seit 
mehreren Jahren kein Waclisthum mehr an ihm bemerkt 
Hebe; sicher ist. dass er in dieser Zeit nicht mehr mit 
Herseiben Regelmässigkeil gefressen hat, und bevor seiner 
letzten Mahlzeit, welche in drei Enten bestand, hat er neun 
Monate gefastet : die , so viel ich weiss, längste Periode, in 
der eine Schlange fullerlos blieb, ohne darunter zu leiden. 
Obgleich diese Riesenschlange ebenfalls im gereizten Zu- 
stande beisst , isl sie bei weitem nicht so wild, als Py- 
thon Sebae; sie gehl häutig ins Wasser und verweilt tage- 
lang darin. 



rerer Winter i«l iltir Uebertfedelung in ein Treibhaus oder in ein 
Gebäude mit den lledingnngen eines solchen nniini^iinglii'li nolli- 

•reodif. 

Archiv f. Naturg. Jahrg. XXVI. 1. Bd. 4 



50 Günther: 

In einem kleinen Glaskaslen , in demselben Zimmer, 
sind die verschiedenen Species unserer europäischen Frösche, 
Kröten, Salamander u. s. w. untergebracht; ihre Lebens- 
weise ist hinlänglich durch die deutschen Beobachter auf- 
gehellt *). 

Um den Rest der Reptilien und die Fische zu besich- 
tigen , müssen wir in einen anderen Theil des Gartens, zu 
dem Was serthier - Hause gehen; da Mir auf dieses 
Gebäude voraussichtlich später noch einmal zurückkommen 
werden, so genüge es hier zu sagen , dass es ein Glasge- 
bäude etwa von der Grösse des Reptilienhauses ist, und 
dass es nebst einigen anderen Behältern die Salz- und 
Süsswasser -Aquarien (sechszehn an Zahl) enthält. Eine 
seiner kürzeren Seiten ist durch ein Gitter abgeschlossen, 
hinter dem wir um und in einem grossen Bassin ein halbes 
Dutzend Alligatoren und viele Wasserschildkröten träge her- 
umliegen oder schwimmen sehen. Unter den letzteren fällt 
uns besonders eine 3' lange Chelydra serpenlina auf, die 
jedoch, nach ihrem indolenten Benehmen zu schliessen, wohl 
nicht lange eine Chelonia mydas überleben wird. Die Al- 
ligatoren stammen alle von demselben Transport und zei- 
gen schon den allmählichen Uebergang von der gestreck- 
ten Schnauze der jüngeren Individuen zu der breiten der 
älteren : das kleinste ist etwa 2' lang, das grösste 6'. An 
sonnigen Tagen liegen sie mit geschlossener Pupille über 
und neben einander, indem der Klumpen wie ein Ganzes 
nach und nach dem fortschreitenden Schatten zu entgehen 
sucht, und der Sonne durch den Behälter folgt. Kleineren 
Störungen oder den Zuschauern schenken sie nicht die ge- 
ringste Aufmerksamkeit, es bedarf des Wärters, der dicht 
an sie herantritt und sich stellt als ob er einen ergreifen 
wollte. Dann stürzen sie sich mit einem höchst eigenthüm- 
lichen Geräusche, das die Mitte zwischen Grunzen und 
Bellen hält, in das Wasser, und setzen dasselbe noch so 



-) Bei der Farbenpracht tropischer Frösche , der Leichtigkeit 
ihrer Anschaffung und Transports ist man in der That erstaunt, auch 
nicht eine jener niedlichen lljlae von Süd - Ametika in der Mena- 
gerie zu finden. 






Skizzen aui dem zoologischen Garten in London. 51 

lange fort, bis jede Störuno; aufgehört hat. Dasselbe Ge- 
räusch hörte ich von Alligatoren, die eben über den Ocean 
herübergebracht worden waren und in ihren Behältern ans 
Land gebracht wurden. Sie sind ziemlich zahm, d. h. sie 
versuchen nicht zu beissen, höchstens mit dem Schwänze 
zu schlagen. Frösche und Fische fangen sie gierig des 
Morgens oder Abends, belästigen aber die Schildkröten 
nicht. Beinahe den ganzen Winter bringen sie im Wasser 
zu, das auf 60° F. erhalten wird. 

Eines der Aquarien enthält die beiden englischen Spe- 
cies von Triton: T. cristatus und palmalus. Die letzlere 
Art ist jedoch gewiss identisch mit dem deutschen T. tae- 
niatus , denn als eine Sendung von mehreren Exemplaren 
des T. cristatus und taenialus die in der Umgebung von 
Bonn gesammelt worden waren , ankam und zu den ande- 
ren gebracht wurde, waren die englischen T. palmatus 
nicht mehr von den deutschen zu unterscheiden. Beide Ar- 
ien pflanzen sich im Aquarium fort, einige Dytiscus haben 
jedoch unter der Nachkommenschaft stark aufgeräumt. 

Die seltensten Reptilien der ganzen Sammlung sind 
zwei Amphiuma Iridaclyluin. Das Schiff, auf welchem ein 
Matrose die beiden Thiere in einem Kästchen, dessen Boden 
etwas Wasser hielt, mitbrachte, kam, wie ich mich selbst 
Überzeugte, von Süd-Carolina. Trotz dieser scheinbar un- 
tfWeckmässigen Behandlung kamen zwei in ganz gutem Zu- 
stande an , während ein drittes kurz vor Beendigung der 
Heise starb. Sie wurden In ein gewöhnliches Aquarium 
gebracht , in welchem sie lange herumschwammen , oft an 
die Oberfläche kamen und Luftblasen ausstiessen. In der 
Nacht fingen sie zwei Goldfische, von denen jeder etwa 
vier Zoll Länge gehabt haben mochte, worauf sie in das 
Aquarium des zoologischen Gartens gebrächt wurden, in 
dem sie sich noch . nach beinahe zwei Jahren . attPs beste 
befinden. Die Lange beider betrügt zweiFnss wenigstens, 
«•in Wachsthum in der Lange ist nicht bemerkliefa , wühl 
aber in der Dicke. Ihr Aquarium ist 5' lang, L"// tief und 
l" breit ; der Grund ist mit Kies belegt, und mii einer nöthigen 
Anzahl der gewöhnlichen Wasserpflanzen bewachsen; an bei- 
den Enden sind grosse Steine Angebracht, zwischen welchen 



52 Günther: 

die Amphiiima den Tag über liegen. Von selbst kommen 
sie nur des Nachts aus ihren Sehlupfwinkeln, um langsam 
ihrer Nahrung nachzugehen; hie und da steigen sie auch 
in die Höhe, und versuchen aus dem Aquarium herauszu- 
kommen, was auch einem einmal gelang; das Thier be- 
gnügte sich jedoch in ein anderes Aquarium hinüberzu- 
steigen und auf die darin befindlichen Goldfische. Jagd zu 
machen. Während des Sommers kann man sie stets mit 
Leichtigkeit hervorholen: der Wärter befestigt einen Wurm 
in die Gabel eines Stocks und lässt ihn vor dem Loche, in 
dem er das Thier vermuthet , spielen. Dieses ist immer 
zur Fütterung bereit und kommt auch sogleich hervor; in- 
dem es verschiedene Mal danach schnappt, vird es in sei- 
ner ganzen Länge sichtbar, hat es aber den Wurm einmal 
gefasst, so kehrt es sogleich an seinen früheren Ort zu- 
rück. Die Bewegungen beim Schwimmen sind die eines 
Aales, wobei zugleich dieFüsschen mit zur Hülfe gebraucht 
werden ; kriecht es langsam auf dem Boden des Wassers, 
so werden die Füsschcn als Stütze und als Bewegungsor- 
gane benutzt. Trotzdem, dass ich sie oft und lange beob- 
achtet habe, konnte ich nie zur Ueberzeugung gelangen, 
dass sie beim Aufsuchen ihrer Nahrung durch den Tastsinn 
oder den Gesichtssinn allein geleitet würden; ich glaube 
dass sie den letzteren jedenfalls , wenn auch in unterge- 
ordnetem Grade besitzen. Täuscht man sie z. B. indem 
man mit dem Stocke allein eine Bewegung vor ihrem Loche 
macht, so strecken sie zwar den Kopf heraus, ziehen ihn 
aber sogleich zurück, wenn sie sehen, dass kein Wurm 
an dem Stocke befestigt ist. Der oben erwähnte Versuch 
des einen Thieres, aus dem Aquarium herauszusteigen, blieb 
vereinzelt und fiel in die erste Zeit seines Aufenthalts im 
Behälter, an den es sich noch nicht gewöhnt hatte: er be- 
weist aber doch (wie auch die Art des Transportes) , dass 
diese Thiere eine Zeit lang ausser dem Wasser , oder bei 
einem sehr dürftigen Vorrathe aushalten können. Bei ihren 
gewöhnlichen abendlichen Excursionen suchen sie meist 
nach Nahrung , verfolgen die Fische und steigen in unre- 
gelmässigen Zwischenräumen für einen Moment an die 
Obei fläche augenscheinlich nicht um Luft einzunehmen, son- 



Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 53 

dem um welche ausztistossen , was sie auch hie und da 
unter dem Wasser Ihun. Oft ist eine Luftblase an ihrer 
Kiemenöffnung bemerkbar. Während des Winters verber- 
gen sie sich, ohne an die Oberfläche zu kommen oder zu 
fressen. Ihre Hauptnahrung' sind Regenwürmer, von denen 
sie ein Dutzend der grössten auf einmal verzehren ; auf 
Fische sind sie sehr begierig-, und ihre Kiefer und ihr 
Schlund sind so ausdehnbar , dass sie, wie oben erwähnt, 
Goldfische von vier Zoll Länge verschlucken können. Die 
Barsche , welche mit ihnen zusammen sind , sind zu ge- 
wandt und kennen die Gefahr zu wohl , als dass sie von 
ihnen ergriffen würden. Die Thiere sind gegen einander 
sehr gleichgültig, belinden sich aber oft zusammen in dem- 
selben Schlupfwinkel. Da noch mehrere Exemplare durch 
dieselbe Quelle zu erwarten sind, und die vegetativen Ver- 
hältnisse dieser Thiere vollständig geordnet erscheinen, 
so ist nicht zu viel verlangt, dass in dem gegenwärtigen 
Aquarium das Dunkel ihrer Fortpflanzungsgeschichte etwas 
aufgehellt werden sollte. 

Der Proteus, der jahrelang im Besitze der zoologi- 
schen Gesellschaft war, starb vor kurzem, beinahe zum 
Skelette abgezehrt; er hatte jedoch, da er in einem dunklen 
Räume aufbewahrt war, seine Farbe vollkommen erhalten. 
Für die l'eberwinterung der Lepidosiren, deren nun nach 
und nach gegen ein Dutzend ankam, sind beide Häuser 
zu kalt. 

Es wäre überflüssig, einen vollen Bericht über die 
verschiedenen Fische des Gartens zu geben, da sie Species 
angehören , die ein jeder in seinem Aquarium beobachten 
kann , oder über welche bereits die genauesten Berichte 
gegeben sind *j, und ich begnüge mich die folgenden Bc- 



*) Es int zu bedauern , dass von Seiten der zoologischen Ge- 
sellschaft noch kein Versuch gemacht worden ist, ausländische Fische 
einzuführen , der für den ersten Anhing auf ihrem eigenen Grund 
um] Hoden und in ihren ausgedehnten \querien gemacht werden 
könnte, huglufid ist zwar reich genug an Susswasser- und See- 
fischen, allein l>ri der ^'iosmii Vorliebe der Kngliindci für den Fisch- 
fang wäre es al» ein schönei Gewinn Mi ilnc Seen tu betrachten, 
wenn es gelange, unseren Wels dahin zu verpflanzen. 



54 Günther: 

obachtungen mitzutheilen. Trotz dem , dass Gasterosteus 
trachurus ebensowohl als liurus in England sich finden, ist 
die letztere Varietät allein in dem Aquarium. Im Früh- 
jahre bekamen die älteren Männchen ihre lebhaften Farben 
und kämpften heftig; um bestimmte Plätze ; von einem Nest- 
bau , wozu Material genug vorhanden gewesen wäre, war 
jedoch nichts zu sehen. Englische Beobachter schweigen 
auch gänzlich über diesen Gegenstand. Die Weibchen setz- 
ten ihre Eier vereinzelt ab, und diese verschwanden, be- 
vor sich der Embryo entwickelte. Die Barsche laichen 
regelmässig jedes Jahr, doch kommen aus unbekannten Ur- 
sachen, die Jungen nicht immer zum Vorschein. Am zwei- 
ten oder dritten Tage sinkt der Laich zu Boden; was oben 
sich schwimmend erhält, ist nicht befruchtet ; die Zeit des 
Auskriechens des Embryo variirt nach der Gunst oder Un- 
gunst der Witterung von 9 — 17 Tagen; die Jungen haben 
anfangs durch ihre eigenen Aeltern viel zu leiden , doch 
entkommen noch so viele, dass später eine Versetzung 
uothwendig wird. So sind nun Barsche, die in vier auf- 
einander folgenden Jahren gezogen wurden, in den Aqua- 
rien; die einjährigen sind zwei Zoll lang, die zweijähri- 
gen variiren bereits von vier bis sechs Zoll, so dass von 
dieser Zeit an die Jahresunterschiede in der Grösse sich 
verwischen und von dieser allein nicht mehr auf das Aller 
des Fisches geschlossen werden kann. Der Wärter ver- 
sichert mich auch, dass sowohl die Männchen als Weibchen 
im 2ten Jahre fortpflanzungsfähig seien. 

Die verschiedenen Arten von Blcnnius sind die un- 
terhaltendsten und angenehmsten Fische in einem Seewas- 
ser-Aquarium : kaum hat man sie in ein solches gesetzt, 
so suchen sie sich eine bequeme Nische oder Höhlung zu 
ihrer künftigen Residenz aus ; sie untersuchen dieselbe 
von allen Seiten, bewegen sich eilends herum, halb schwim- 
mend, halb mit Hülfe ihrer Bauchflossen gehend, kopf- 
aufwärts oder köpf- abwärts , mit dem Bauche aber immer 
gegen die Wand gekehrt, wobei es gleichgültig ist, ob die 
Wand senkrecht oder überhangend ist. Erscheint ihnen 
der Platz passend, so legen sie sich recht eigentlich darin 
auf die Lauer : kein anderes Thier darf sich ihm nähern, 



Skizzen aus dem zoologischen Gurten in London. 55 

ohne dass es angegriffen und mit kräftigen Bissen verjagt 
wird, so dass die Garneelen (Crängdn vulgaris und Palae- 
mon squilla) von nun an in weitem Umkreise den gefähr- 
lichen Platz zu Hinschwimmen genöliiigt sind. Da es zu 
unbequem wäre, für sie immer einen Vorrath von kleinen 
Crustaceen iTalilrus und Gammarus) , ihre Hauptnahrung 
im freien Zustande, zu halten, so füttert man sie mit klein 
gehacktem Fleische. Sie sind aber ausserordentlich ge- 
frässig und erfordern täglich eine ein- oder zweimalige 
Fütterung; ihre lebhaften Augen sind in sleter Bewegung, 
und sobald man sie einige Male gefüttert hat, nehmen sie 
das Füller vom Finger wen oder beissen in diesen so ener- 
gisch, dass man die Zähnchen fühlen kann. Blennius pal- 
micornis scheint nicht ganz so zahm zu werden, als pho- 
lis, ersetzt aber dieses durch buntere Farben ; die Hörnchen 
über den Augen stehen im Wasser ganz aufrecht und un- 
beweglich. 

Crenilabrus cornubicus (und tinca) erscheint nach dem, 
was ich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren "-eschen, nur 
im Monat August an der Küste, um später wieder in grös- 
sere Tiefen zurückzukehren. Um diese Zeit sieht man ihn 
dann auch alle Aquarien durch seine Farbenpracht und 
durch die Lebhaftigkeit, mit welcher er kleine Seethierchen 
verfolg) , beleben ; leider aber erhält er sich nicht lange 
darin, da ihm wenigstens ein gewisser Vorrath lebenden 
Füllers nothwendig zu sein scheint, und er nie längere 
Zeil ohne Putter sein kann*). Im freien Zustande, und 
besonders in den Aquarien , wird er sehr leicht eine Beute 
der Actinien, während die Blennius selbsl der Anthea cc- 
rens immer entschlüpfen; der sehr schleimige (Jeberzug 
der letzteren Fischarl scheint das Anhaften der Tentakeln 
im verhindern. 



,' Dil Seefiacbe (wenig tena die Kleiachfresser linier ihnen) 
freien im Allgemeinen mehr rIi BusswasserUschc und «hinein nur 
rlel kürzere Zeil ohne Nahrung im». Crenilabrus zeigl arhon nach 
i'iiiein rage ifeb »ein hungrig und in meinem Aquarium frassen sie 
Sinei frigla gurnardui die BrnalOonen ab, alt icb aa eines Inges 

uiilerlicm, »ie zu lullern 



56 Günther: Skizzen aus dem zool. Garten in London. 

Die Hippocampus brevirostris wurden von Lissabon 
gebracht und sind in einem kleinen Aquarium für sich zu- 
sammen. Mit ihrem Schwänzende um einen Zweig ge- 
klammert , haben sie das Ansehen von dürren knotigen 
Aesten. Zuweilen lösen sie sich ab, ringeln den Schwanz 
krampfhaft ein, und bewegen sich langsam, in beinahe auf- 
rechter Stellung , mit einer vibrir enden Bewegung ihrer 
Flossen durch das Wasser. Finden sie nicht bald einen 
anderen Zweig, um sich daran zu befestigen, so sinken sie 
matt zu Boden , auf dem sie unbehülflich fortkriechen. 
Ihre Nahrung besteht wahrscheinlich in kleinen Thieren, 
welche sie mit ihrem röhrenförmigen Maule unter Seegras 
oder aus Felsenritzen hervorholen. Da sie mehr zur Be- 
quemlichkeit der Zuschauer, als zu ihrer eigenen ausge- 
stellt sind , so dürften sie in ihrer Gefangenschaft nicht 
lange leben. 



Polypen und Quallen von Santa Catharina. 

Philomeduso Vogtii n. sp. 

Von 

Fritz Müller. 

(Hierzu Taf. II, Fig. 1.) 



Die Sehirmquallen werden von den mannichfaclisten 
Schniarotzerlhieren heimgesucht. Infusorien wimmeln in 
den Hoden der Tamoya ; Trematoden und andere Einge- 
weidewürmer linden sieh oft in Menge in der Gallertsub- 
stanz verschiedener Arten; Asseln, Amphipoden und ein 
glasheller Palaemon bewegen sich in dem Sehleime der 
Scheibe und der Arme , deren Nesselfäden anderen Kru- 
stern raschen Tod bringen, und eine im Verhältniss zum 
Wohntbiere riesige Krabbe (Libinia?) pflegt zwischen den 
vier die Armplatte der Rhizostomidcn tragenden Säulen zu 
sitzen. Vor allen merkwürdig aber unter diesen Schma- 
rotzern und wohl werth einer besonderen Beschreibung er- 
schien mir der actinienähnliche Polyp, dem die folgenden 
Zeilen gewidmet sind, theils als das erste parasitisch lebende 
Thier dieser Gruppe, theils weil seine fast quallenartigc 
Durchsichtigkeit einen leichten und sicheren Einblick in 
seine übrigens sehr einfachen anatomischen Verhältnisse 
gestaltet. 

Plülomedusa Yoglü, wie ich das Thier benenne *), er- 



) Den Gattungsnamen wählte ich nach der Lebensweise ; durch 
den Arliiauten sei es mir gestattet, meine Hochachtung Hrn. C. Vogt 
su bezeigen, in dem ich neben dein geistvollen Naturforscher zu- 
gleich den rüstigen Kampln für die Frincipien verehre, deren Unter- 
drückung auch mich aus der alten Heimath scheuchte und eine neue 
an den gastlichen Gestaden von Santa Catharina suchen lies«. 



58 Müller: 

scheint, wenn sie die Leibeshöhle mit Wasser aufgeschwellt 
hat, als cylindrischer Schlauch von etwa 30 Mm. (selten bis 
über 50 Mm.) Länge und etwa 5 Mm. Dicke. Das Hintcr- 
ende ist in der Regel schwach verjüngt, kuglig abgerun- 
det oder mehr weniger trichterförmig eingezogen. Am 
vorderen Ende steht ein Kranz von zwölf kurzen (gegen 
4 Mm. langen), plumpen, cylindrischen Tentakeln mit 
abgerundeter geschlossener Spitze, die bald in einer Ebene 
ausgebreitet, bald schief nach vorn gestreckt, besonders häutig 
aber nach hinten zurück gebogen getragen werden. Die 
Tentakel sind sämmtlich von nahezu gleicher Länge ; doch 
kann man, obschon diese Ungleichheit oft durch verschie- 
denen Contractionszustand derselben verwischt wird, sechs 
längere und sechs mit ihnen abwechselnde etwas kürzere 
unterscheiden. Zwischen je zwei Tentakeln beginnend 
durchziehen zwölf seichte Längsfurchen die Oberfläche 
des Körpers und stossen in der Mitte des Hinterendes strah- 
lig zusammen. Die Färbung des Thieres beschränkt sich in 
diesem Zustande auf eine weissliche Trübung; bei stärkster 
Contraction, die ihm die Gestalt einer Feige mit zwölf Längs- 
furchen und zahlreichen Querrunzeln zu geben pflegt, Con- 
centrin sie sich zu einem schmutzigen, mehr oder weniger 
ins Röthliche ziehenden Gelb. Die Fühler erscheinen biswei- 
len schwach rölhlich gefärbt, und innen an ihrer Basis pflegt 
ein undurchsichtiger, hellgelber Ring zu liegen; weniger 
constant finden sich ähnliche Flecken aussen an ihrer Basis 
und bräunliche Flecken zwischen ihnen. 

Die ganze Oberfläche des Körpers trägt einen kurz- 
haarigen Flimmerüberzug, sowie auch überall, in be- 
sonderer Menge jedoch an den Tentakeln, länglich schmale 
Nesselzellen von 0,012 bis 0,016 Mm. Länge sich linden. 

Die Form des Mundes ist eine sehr wechselnde. 
Wenn die Tentakel schief hinterwärts gebogen sind, pflegt 
er als weit offener Trichter zu erscheinen, umgeben von 
elf durch scharfe Furchen geschiedenen Wülsten, die ebenso 
viel Tentakeln vorliegen. Einer der kürzeren Tentakel bleibt 
dabei ohne vorliegende Wulst, während die den beiden be- 
nachbarten entsprechenden Wülste sich durch ihre Breite 
auszeichnen , wie denn überhaupt den längeren Tentakeln 



Polypen und Quallen von Sanla Catharina. 59 

breitere, den kürzeren schmälere Wülste entsprechen. Der 
Mund erschein! selten fast rund, meist in die Lauere gezo- 
gen in der Richtung des durch den wulstloscn Tentakel 
gehenden Durchmessers. Diesem Tentakel entsprechend 
bleibt zwischen den beiden anliegenden Wülsten eine ziem- 
lich tiefe Rinne, an deren äusserem Ende jede dieser Wülste 
sich in einen kleinen zungenförmiffen Fortsatz auszieht. 
Ein dritter ähnlicher Fortsatz liegt zwischen diesen beiden, 
dem wulstlosen Tentakel gegenüber. Diese drei Fortsätze, 
meist weiss und undurchsichtig', fallen besonders ins Auge, 
wenn bei schief vorwärts gerichteten Tentakeln der Mund 
fast geschlossen ist: die Wülste, die nichts sind, als eigen- 
Ihümliche Aufblähungen der Leibeshöhle, sind dann ziem- 
lich abgeflacht und die zunoenförmigen Fortsätze erheben 
sich, gerade vorgestreckt, über deren Niveau. 

Die Mundwülste, die sie trennenden Furchen und die 
an den zuno-enförmigen Fortsätzen beginnende Rinne zie- 
hen sich fort in den kurzen, etwa die doppelte Länge der 
Tentakel erreichenden M a s e n , die unmittelbare Fortsetzung 
des Mnndtrichtera. Die Ränder der Rinne scheinen sich 
in der trsinzcn Länge des Marens zu einer vollständigen 
Rühre zusammenlegen zu können. Im Grunde steht der 
Magen durch eine weite Oeflnung in Verbindung mit der 
Leibes höhle, in die man nicht seilen vom Munde aus hin- 
einsehen kann. Wenn er sich schliessl durch Aneinander- 
LUgen seiner Winde, erscheint er platt; schmal in der Rieh— 
lang des durch die Rinne gelegten Durehmessers, breit in 
darauf senkrechter Richtung gesehen. In letzterer seitli- 
cher Ansicht sieht man, dass er auf der Seite der Rinne 
weilet in die l.eiheshöhle hineinragt, als auf der enlgegen- 
geeeteten. 

Die weite Leides hehle isl durchweg mit Fliinmer- 
eilien bekleidet. Um den Magen herum isl sie durch mus- 
ciilosc Wände in ]-j Kammern getheilt, die den Tenlakeln 
entsprechen nrnl in deren Höhle sich fortsetzen. Die S e h c i- 
dennude reichen nicht vollständig bis zum Vördereitd», 
vielmehr bleibt hier in jeder ein rundes Loch als Coinniu- 
nicition zwischen je zwei benachbarten Kammern. Auf 
diese Weise wird an der liasis der Tenlakel eine Art Hing- 



60 Müller: 

canal um den Mund hergestellt. Selten sieht man an an- 
deren Stellen die Scheidewände von Lücken durchbrochen. 
— Nach hinten setzen sich die Scheidewände, den Längs- 
furchen folgend, fort bis ans Ende des Körpers, bilden aber 
jenseits des Magens nur sehr niedrige Vorsprünge in die 
weite Leibeshöhle. Sie scheinen aus zwei Lamellen gebil- 
det; wenigstens erscheinen sie, gerade von aussen betrach- 
tet, als zwei dunkle durch einen hellen, schmalen, mittle- 
ren geschiedene Streifen. 

Von der Insertion am Magen bis zu Anfang des hin- 
tersten Drittels oder Viertels der Länge sind die Schei- 
dewände eingefasst von einem breiten wellig oder krau- 
senartig gefalteten gelblichen, ziemlich undurchsichtigen 
Saume, dessen frei in der Leibeshöhle flottirender Rand 
wulstig verdickt ist. An diesem etwa 0,1 Mm. breiten Rande, 
den eine hellere Linie scharf gegen die Krause absetzt, ist 
die Flimmerbewegung besonders lebhaft und es sind ihm 
reichliche Nesselzellen von doppelter Länge und Dicke der 
in der äusseren Haut sich findenden eingelagert. Diese 
zwölf Krausen verhalten sich verschieden in ihrer Er- 
streckung nach vorn und hinten und zeigen dabei in noch 
deutlicherer Ausprägung die schon in der Rildung des 
Mundes angedeutete bilaterale Symmetrie in Bezug auf eine 
durch die Achse des Körpers und die Mundrinne gelegte 
Ebene. In ihrer Erstreckung nach hinten betrachtet er- 
scheinen, wenn man von der Seite der Mundrinne aus zählt, 
constant als die längsten das lsle, 3te und 5te Paar der 
Krausen, von mittlerer Länge das 6te Paar, als die kürze- 
sten das 2te und 4te Paar. Diese beiden letzten Paare da- 
gegen reichen am weitesten nach vorn, indem die betref- 
fenden Scheidewände am Magen nur etwa bis zu dessen 
Mitte herabsteigen; das 3te, 5tu und 6te Paar inseriren sich 
am Magengrunde , während die beiden Scheidewände des 
ersten Paares noch über den Magen hinaus eine nach innen 
geschlossene Kammer bilden. — Die verdickten Ränder der 
Krausen glaube ich als Analoga der Mesenterialfäden der 
Actinien betrachten zu dürfen, die hier nur die Eigentüm- 
lichkeit haben, in ihrer ganzen Länge angeheftet zu sein. 
Die Krausen selbst dürften sich als Bildungsstätten der Ge- 






Polypen und Quallen von Santa Calharina. 61 

schlechtssloffe ausweisen, von denen ich bis jetzt an zahl- 
reichen, seit fast einem Jahre untersuchten Thieren noch 
keine unzweideutigen Spuren auffand. 

Bei grösseren Actinien pflegt nur das Hervorsprilzen 
feiner Wasserstrahlen beim Anfassen die Anwesenheit klei- 
ner Oeffnungen der Leiheshöhle zu verralhen ; bei unserem 
Thiere sind diese Oeffnungen selbst mit Leichtigkeit wahr- 
zunehmen. Sie zeigen sich schon dem blossen Auge als 
12 radiäre Reihen heller Punkte am hintersten 
T heile des Körpers, die mit den Längsfurchen abwech- 
seln. Ihre Zahl wächst mit dem Alter und stiegt bei den 
grössten Exemplaren bis gegen 20 in einer Reihe. Ihr 
Durchmesser ist verschieden ; die grösste Oeffnung, die mir 
vorkam, war 0,1 Jim. lang und halb so breit. Unter dem 
Mikroskope kann man die durcb die Flimmercilien der Lei- 
heshöhle unihergelri ebenen Parlikelchen bisweilen aus ihnen 
austreten sehen. Durch l'onlraclion der Leibeswand wer- 
den sie natürlich geschlossen, sind aber auch selbständiger 
Verengerung und Schliessung fähig; sich verengend er- 
scheinen sie von einem hellen Hofe umgeben ; sind sie ge- 
schlossen, so zeigt sich an ihrer Stelle ein heller Fleck. 

Die Mitte des Hinterendes ist bei dem wassergcfüll- 
len Thiere vollkommen geschlossen; bei rascher Conlraclion 
verschliesst sich dagegen hier eine weite Oeffnung 
zum Austritte des Wassers *), durch die dabei nicht 
selten Theilc der Krausen vorfallen. Bei einem grossen 
Exemplare, das ich zu bequemerer Beobachtung in ein 
Bcaoensgläschcn brachte . Sah ich, nachdem es sich wieder 
aufgeschwellt halle, einen schmalen Strang vom Ende einer 



°) Ebenso bei Cerianlhu» (vergl. Jules Ilain. e in (Jen Annalcs 
des sciences nat. 4. sei'. Toni. I. p. 843), mit Welchem Polypen der 
obenbeschricbcnc rnanrhe Verwandtschaft hat. Freilich stimmt die Zahl 
intil besonders die Stellung der Tentakeln nieht, deren Cerianthv't eine 
doppelte , VhiUtmethnti eine einfache Reibe besitzt. Ucbrigens wäre 
in Betreu* der systematischen Stellung zu bcrücl siebtigen , d. »s die 
llneie, wie obon siebt, noch picht geachlechUrejf bcobucbtei sind. 

M a \ S e b ti I t z e. 



62 Müller: 

der längeren Krausen straff nach der Mitte des Hinteren- 
des herübergespannt, der, wie ich wusste , vorher nicht 
vorhanden gewesen war. Nach einer durch Erschütterung 
des Glases bewirkten neuen leichten Contraction des Thie- 
res begann der Strang sich vom Hinterende zu entfernen 
und mit ausserordentlicher Langsamkeit und unter Bewah- 
rung seiner geradlinigen Form sich zusammenzuziehen ; er 
erwies sich so als ein bei der ersten Contraction einge- 
klemmtes , bei der durch die neue Contraction bewirkten 
Erschliessung der Endüflnung wieder frei gewordenes Stück 
der betreuenden Krause. 

Ich fand die Philomedusa Yogtii zuerst vereinzelt an 
Ulindias (nov. gen. Eucopidarum) an der Unterfläche der 
Scheibe sitzen, später in Menge an Chrysaora, wo sie an 
den Armen, in den Geschlechtshöhlen, im Magen und seinen 
Nebentaschen sich aufhält. Von einer einzigen Qualle der 
letzteren Gattung habe ich schon über 20 unserer Polypen 
abgelesen. — Die den Quallen entnommenen Thiere pflegen 
Stücke der Fangfäden, der Genitalien, der Magenfäden u. s. w. 
des VVohnthiers im Magen zu haben und in ihrer Leibes- 
höhle trifft man oft Nesselzellen der Qualle an. Sie ver- 
tragen , wie die Actinien , gut die Gefangenschaft, können 
monatelang hungern und lassen sich auch andere als Qual- 
lenkost, namentlich Anneliden , schmecken. Hat man eine 
grössere Zahl in demselben Gefässe , so werden bisweilen 
kleinere von grösseren verschluckt und leben in deren 
Leibeshöhle wenigstens wochenlang weiter, wie es scheint 
ohne gegenseitige Störung des Befindens. 

Die Thiere vermögen mit jeder beliebigen Stelle des 
Leibes sich anzuheften , wahrscheinlich mittelst der Nes- 
selfäden, die überhaupt auch in den Fangfäden der Quallen 
grössere Dienste als Haftorgane, wie durch ihr Gift zu lei- 
sten scheinen. Sie klettern nicht selten an der Wand der 
Glasgefässe empor und pflegen sich dann mit dem Munde 
anzusaugen. Ehe sie zu behaglicher Ruhe sich aufgeschwellt, 
ist ihre Gestalt eine sehr wechselnde , je nachdem dieser 
oder jener Körpertheil stärker contrahirt ist, je nachdem die 
Tentakel eingezogen oder vorgestreckt sind u. s. w. . — 
Alle ihre Bewegungen sind sehr träge ; sie bleiben , in 



Polypen und Quallen von Santa Catharina. 63 

Ruhe gelassen, Tage lang auf dem Boden des Glases lie- 
gen oder an derselben Stelle, der Wand hängen , ohne an- 
dere Bewegungen als Contractionen der Ringmuskeln, die 
von Zeit zu Zeit in langsam fortschreitenden Wellen von 
vorn nach hinten verlaufen. 



Erklärung der Abbildung. 

Taf. II. Fig. 1. 

Thilomedusa Vogtü in ausgedehntem Zustande, 3inal ver- 
grnsst'rt. 

De st er ro, im Mai 1859. 



lieber die Schale und die Larven des 
Gasteropteron Meckelü. 

Von 

Dr. August Krohn. 

(Hierzu Taf. II. Fig. 2 u. 3). 



Mit Ausnahme delle Chiaje's, der dem Gasteropte- 
ron ein Sclialenrudiment zuschreibt, sind wohl die meisten 
neueren Zoologen , sei es, dass sie delle Chiaje's Ent- 
deckung übersehen oder nicht haben bestätigen können, der 
Ansicht, dass diese Galtung im Gegensatze zu den übrigen 
Aceren ohne Schale sei *). In der That, zur Stütze ihrer 
Ansicht können sie sich noch auf das Zeugniss eines so 
ausgezeichneten Beobachters wie Souleyet berufen, der 
sich mit Entschiedenheit dahin ausgesprochen, dass nicht 
die geringste Spur einer Schale bei Gasteropteron anzu- 
treffen sei. (Voy. de la Bonite. Zoolog. T. 2. p. 465). 

Dass d. Chiaje trotzdem Recht hat, kann ich nach 
Untersuchungen, die ich schon vor mehreren Jahren an 
frischen Thieren in Neapel angestellt , bezeugen. Ich bin 
nun kürzlich durch die Güte meines geehrten Freundes 
Prof. Troschel, der so gefällig war, mir einige wohler- 
haltene Weingeistexemplare zu weilerer Untersuchung zu 
überlassen , in den Stand gesetzt worden , nicht nur die 
Anwesenheit der Schale von neuem zu bestätigen , sondern 
auch die früheren Beobachtungen bedeutend zu vervoll- 
ständigen. 



*) In Philippi's llandbuclie der Conchylinl. und Malakozool. 
(p. 232) findet sich die auffallende Angabe , dass Doridium keine 
Schale besitze, während doch schon d. Chiaje ein Rudiment der- 
selben bei allen Arten dieser Gattung nachgewiesen hat. 



Krolin: Ueb. d. Schale u. d. Larve v. Gasteiopt. Meck. 65 

Was d. Chiaje über das von ihm entdeckte Scha- 
lenrudiment anführt, beschränkt sich auf die kurze Angabe, 
dass es als zartes, schwach schillerndes Häutchen den Bo- 
den eines Hohlraums von ovalem C'ontour überzieht , der 
sich auf der Rückseile des Abdomen, dicht unter der die 
Visceralmasse umhüllenden Haut - oder Manteldecke findet. 
(Descrizione degli animali inverlebrati d. Sicil. citer. T. 2. 
p. 86. Tab. 55. Fig. 4). Ferner wird im Abschnitte über 
die Entwicklung der Argonauta desselben Schalenrudi- 
menls gelegentlich gedacht, nnd seine häutige Consislenz 
den kalkigen Kiemenschildern der Aplysien, Dolabellen etc. 
gegenüber hervorgehoben (T. 1. p. 46). 

Die Schale des Gasteropteron ist in der That von 
membranöser Beschaffenheit, durchaus homogen, einem Chi- 
tinhäutchen ähnlich und so äusserst fein, dass sie sich im 
Wasser bei der geringsten Erschütterung, in unzählige 
zarte Fältchen wirft, woraus denn ihr Irisiren bei auffal- 
lendem Lichte zu erklären. Sie liegt, wie schon aus den 
obigen Angaben d. Chiaje's zu ersehen, zwischen dein 
Mantel und der Ueberzugshaut der Eingeweide, ist also 
gleich der Schale der dem Gasteropteron nächst verwand- 
ten Gattung Doridium , eine innere. Indess ist sie nicht 
auf den engen Bezirk beschränkt, den ihr d. Chiaje an- 
weist, indem sie vielmehr in fast continuirlicher Ausbrei- 
tung die ganze Visceralmasse umhüllt und nach vorn gegen 
den Kopf zu , genau so weit wie der Mantel zu reichen 
scheint. Da nun der Mantel auf der Rückseite bis zur 
Basis des Fühlcrlappens sich erstreckt, auf der Bauchseite 
dagegen schon in einiger Entfernung hinter dem Kopfe, 
sich der Ueberzugshaut der Eingeweide dicht anlegt , so 
BOBS wohl die Mündtingseheno der häutigen Schale in einer 
gegen die Achse des Kopfes geneigten Richtung, von oben 
und vorn nach unten und hinten herabsteigen. 

Ueberraschend ist nun, dass diese in einem so gros- 
sen Bezirke als bloss /.alle Membran erscheinende Sehale, 
zuletzt plötzlich in eine äusserst kleine, gewundene, kal- 
kige Spitze ausläuft. Es liegt diese Spira rechterseits auf 
der Visceralmas.se und zwar der Bauchseite näher, in einer 
Linie etwa, die in senkrechter Fortsetzung nach oben, auf 
Archiv f. Naturg. .Iahr K . XXVI. 11.1. 1. 5 



66 K r o h n : 

den Afler treffen würde. Sie besteht aus circa anderthalb 
Umläufen mit rascher Erweiterung ffcgen die Mündung hin 
(s. Fig. 1 u. 2), ist von der Durchsichtigkeit eines leicht 
angeschliffenen Glases, durch die Anwachsstreifen zierlich 
quergestreift, und misst ihrem längeren Durchmesser nach, 
ungefähr einen halben Millimeter. Ihre Stellung ist so, 
dass der Mündungslheil nach oben, die Rückseite nach hin- 
ten sieht *). 

Dicht hinter der Spira liegt der nach vorne umge- 
schlagene Endlappen der Leber . in der Gestalt eines nie- 
drigen pyramidalen, über die Oberfläche des Eingeweide- 
pakets vorspringenden Wulstes , dessen Spitze nach vorn 
und etwas nach oben gewendet ist. Es ist das , wie mir 
scheint, eine schwache Andeutung jener spiraligen Drehung, 
die der Visceralmasse bei den übrigen Aceren in höherem 
Grade eigen. 

Gelegentlich sei hier angeführt, dass dicht unter dem 
Afler eine sehr deutliche, bisher übersehene kleine Oeff- 
nung sich findet. Sie scheint direkt in einen weiten, auf 
der Rückseite der Visceralmasse, und zwar rechterseits über 
den übrigen Eingeweiden gelagerten Sack zu führen, der 
nach vorne zu bis in die Gegend des Herzens reicht und 
dessen obere Wandung mit zahlreichen, niedrigen , in die 
Höhle vorspringenden Querfalten versehen ist. Soul eye t 
erwähnt dieses Sackes als eines Organs von noch unbe- 
kannter Bedeutung (1. c. p. 468. PI. 26. Fig. 4 et 15. y). 
Meiner Meinung nach, kann es nach seinem Baue und sei- 
ner muthmassliehen Ausmündung in der Nähe des Afters, 
nur die Niere sein, während Souleyet eine verästelte 
rothe Drüse, deren Function zu ermitteln bleibt, für die 
Niere angesprochen hat. 

Bekanntlich hat G egenb a ur eine von Vogt in Nizza 



*) Bei aller Verschiedenheit kommt die Schale von Doridium 
mit der des (iasteropteron doch darin überein, dass ihre hinterste ge- 
wundene Partie kalkig, die vordere grössere ganz häutig und nach 
vorne hin gerade so weit als der Mantel, unter welchem sie verbor- 
gen, zu reichen scheint (Cantraine. Malacol. mediterran, p. 73. Tab. 2. 
Fig. 2. Mein. d. l'Acad. d. Bruxelles. Tom. 13). 



Ueber Hie Schale und die Larve von Gasteropteron Meckelii. 67 

beobachtete junge Schnecke, deren Entwickelunsr vom Ei 
bis zum Verschwinden des Segels verfolgt werden konnte, 
auf Gasteropteron gedeutet. (Zeilschr. für wissensch. Zool. 
Bd. 7. p. 162.) Diese Vermutliung ist, trotz des darauf ver- 
wendeten Scharfsinnes , jetzt nicht mehr haltbar, aus dem 
einfachen Grunde , weil die Schalenspitze von Gasteropte- 
ron, wie oben nachgewiesen , spiralig eingerollt ist, wäh- 
rend das von Vogt beobachtete Thierchen im Larvenzu- 
stande, eine ganz gerade, konische Schale besitzt. Ich kann 
nun noch weiter hinzufügen, dass die Larve von Gastero- 
pteron auch in ihrer übrigen Bildung sehr abweicht. 

Für die Larve eines Gasteropteron nämlich muss ich 
jetzt, nachdem ich längere Zeit geschwankt, eine Cephalo- 
phorenlarve halten, die mir in JJessina im Winter 1853, 
zweimal zur Ansicht kam, beide Male auf derselben schon 
weil vorgerückten Entwickelungsstufe. Folgendes ist eine 
treue Zusammenstellung dessen, was meine damaligen No- 
tizen über dieselbe enthalten. 

Der lebhaft rothgefärbte Leib ist mit einer spiraligen, 
aus anderthalb Windungen etwa bestehenden , glashellen, 
dünnen Conchylie bekleidet. Am Kopfe lassen sich ausser 
dem aus zwei länglichen Hälften bestehenden Velum, die 
beiden schwärzlichen Augen und im Vorderleibc die Hör- 
kapseln, jede einen einzigen grossen, sphärischen Ololilhen 
enthallend , unterscheiden. Die Radula des Zungenvor- 
.sprungs scheint mit vier Längsreihen hakenförmig umge- 
bogener Zahnplättchen bewehrt. Vor allem aber fällt an 
der Bauchseite ein mächtiger, rundlicher , flacher Lappen, 
der zu den Seiten und hinten weit über den Leib vorragt, 
in die Augen. Er ist gelblich gesprenkelt, sonst aber 
farblos, und läuft am äusserslen Hinterende in einen ganz 
kurzen Zapfen oder Zipfel aus, dessen Spitze einzelne län- 
gere Cilien trägt, während der ganze Lappenrand mit fei- 
neren Wimpern besäumt ist. Obwohl dieser Lappen aus- 
ser in der Gestalt auch in Bezug auf die Anordnung der 
.Muskulatur, mit der Flusse der Pteropoden, namentlich der 
Gattung Tiedemannia , übereinzukommen scheint, so sähe 
icb ihn doch nie nach Art der Flossenflügel sich bewegen. 
Gewöhnlich ist er so um die Schale herumgeschlagen, dass 



68 Krolin: Ueb. d. Schale u. <1. Larve von Gasteropt. Meck. 

er sie verdeckt, und nur seilen sieht man ihn wagerech I 
ausgespannt. Die Larve bewegt sich nur mittelst des Segels. 

Hiernach wird man wohl nicht anstehen, meiner An- 
sicht, dass diese Larve ein Gasteropteron sei , beizupflich- 
ten. Es sprechen zu ihren Gunsten , um nur das Haupt- 
sächlichste hervorzuheben , der bereits stark ausgebildete, 
wenngleich noch unthätige Schwinimfuss, ferner die in Ge- 
stalt und Beschaffenheit mit der Schalenspitze ausgewach- 
sener Thiere übereinstimmende Schale, endlich die rolhe 
Leibesfarbe *). 

Somit ist denn die Abkunft des überaus merkwürdi- 
gen Nizzaer Weichthiers, das nicht nur die Schale vor dem 
Erscheinen der inneren Organe abstreift , sondern auch 
seine ganze Entwickelung noch innerhalb der Eihüllc durch- 
läuft, wiederum in Frage gestellt. 



Erklärung der Abbildungen. 

Fig. 1. Schalenspitze oder Larvenschale des Gasteropteron, grüssten- 
thcils Profltansicht. 
„ 2. Dieselbe, grösstenteils in der Rückenlage. 

Bonn, den 6. Februar 1860. 

*) Die oben mit so vielem Kachdruck betonte Piichlbelheiligung 
des Schwimmfusses an der Locomotion mag doch wohl nur temporär 
sein. Denn bei allen Cephalophoren ist das spätere, meiner Ueber- 
zeugung nach überall homologe Locomotionsorgan, sei es Krieeh- 
fuss oder Flosse, in den vorgerückteren Entwickelungsstadien schon 
befähigt, zu Zeiten in Function zu treten. 



Tetrapedos, neue Sauriergattung. 

Von 

Prof. Jan 

in Mailand. 

Briefliche Mittheilung an den Herausgeber. 

(Hierzu Taf. II. Fig. 4—12). 



Die beifolgende Zeichnung stellt einen höchst interes- 
santen Saurier dar, der unbezweifelt ein neues Genus bildet, 
welches in die Nähe von Hysteropus zu stellen ist. Da 
dasselbe vier ruderförmig gebildete Füsse hat , so nenne 
ich dasselbe Tetrap edos *), und die Art, dein Dr. An- 
drew Smith zu Ehren, Tetrapedos Smithii , da derselbe 
im Sinne hatte die Ceylonischen Reptilien zu bearbeiten, 
wie aus der Vorrede von Kelaart's Prodrpnius Faunae zey- 
lanicae p. V hervorgeht. 

Die Allbildung, welche ich liefere, ist so genau, dass 
eigentlich jede Beschreibung überflüssig ist. Ich beschränke 
mich daher darauf, die Gattungscharaktere hervorzuheben, 
welche zum Unterschiede von Hysteropus folgendermassen 
gestellt werden können: 

Tetrapedos. Vier zehenlose, kurze, ruderlörmige 
Füsse: Schoppen glatt; vor dem Aller keine Poren; zwei 
sehr kleine Ohn'ilfnungen J nnlen ein deutliches Augenlied, 
welches sich Ober das Auge zieht, das obere Augenlied 
kaum angedeutet : die mit dichten Schuppen besetzte Zunge 
legi sich in eine Vertiefung des Gaumens, welcher an dic- 
MT Stelle rhomboidal erscheint; keine Gaumenzähne. 

"j uqii'tf palniulu reut, gulicrnuculuin. 



70 Jan'. Telrapedos, neue Sauriergattung. 

Die Farbe dieser Echse ist eisengrau, unten lichter 
ins Gelbliche spielend : die Schuppen haben dunklere Schat- 
tirungen. Am Körper sind 24, am Schwänze 20 Schuppen- 
reihen vorhanden. 

Fig. 4 stellt ein Exemplar in natürlicher Grösse dar. 
Der im Verhältnis» zur Grösse des Thieres sehr lange 
Schwanz zeichnet sich durch seine cylindrische Form und 
sein stumpfes Ende aus, und unterscheidet die Gattung von 
Hcteropus, bei welcher Gattung der Schwanz spitz zuläuft. 
Bei einem anderen Exemplare ist der Schwanz viel kürzer, 
weil der Schwanz nachgewachsen ist, wie man deutlich an 
der Beschuppung desselben erkennt. 

Fig. 5 zeiiit den Kopf im Profile mit Mundspalte, Nas- 
loch, Auge und Ohrölfnung. Es sind eigentlich nur drei 
Labialschilder vorhanden, wovon das erste sehr lang ist. 

Fig. 6 zeigt die Beschildung der Oberseite des Kopfes. 

Fig. 7 ebenso die Unterseite des Kopfes. 

In Fig. 8 sind die Schuppen vergrössert abgebildet, 
um die Schattirung derselben anzudeuten. 

Fig. 9 stellt den geöffneten Mund mit der schuppigen 
Zunge und dem rhombisch vertieften Gaumen dar. 

Fid. 10 zeigt die Afterspalte nebst den beiden Hin- 
terfüsschen. 

Fig. 11 giebt ein deutliches Bild von einem Vorder- 
füsschen. 

Fig. 12 ebenso von einem Hinterfüsschen. 

Alle diese Figuren sind, mit Ausnahme von Fig. 4 ver- 
grössert ; die daneben befindlichen Linien zeigen die na- 
türliche Grösse an. 

Das Vaterland dieser Eidechse ist Ceylon. Exemplare 
werden im Museum zu Mailand aufbewahrt. 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 

Von 

Prof. Dr. Ed. Grube 

in Breslau. 

Fünfter Beitrag; (s. dieses Archiv Jahrg. 1846. 1848 

und 1855). 

(Hierzu Taf. I1I-V.) 



Polynoe Sav. 

¥. clypeata Gr. Tar. III. Fig. 1. 

Eumolpe squamata delle Chiaie Memor. IV. tab. LV1I. 
fig. 8. 17. 

Corpus oblongum, posteriora versus haud attenuatum, 
margaritaceum , segmenlis 27 supra Stria media transversa 
fneca vel brunnea, in confinüs macula minuta ornatis. Ely- 
tra utrinque 12 ovalia, obsoleta, limbata, nitida, vix vel nihil 
imbricata, dorso medio anoquc semper lilicro, papillis ininu- 
tissimis sparsa, pluribus maioribus rotundatis, saepe fuscis 
Bonquain Gmbriata, e. pritnum ceterw paulo minus. Lubus 
capitalis suborbiculatus , fronte bifida, tentacula 3 ferente, 
(H nlis ad marginem lateralem setis satis raagnis, anterioribus 
a posterioribua diametros 2 distantibuß. Tentaculum impar et 
media tenuia, sub apice filiform! infieta, annulo fusco ornata, 
impar articulo basilari brevi, media processibus frontis insi- 
dentia , illud dupla lobi capitata longitudine vel longius, 
baec lohn capitali paolo longiom. /. lateralia impari matris vel 
mulio rmiL'is promlnentia , etassa («ubtua dimidia lobi capi- 
talis liititiuliric), sensim alleniiala, papillis liliformibus e Ion- 



72 Grube: 

gilndine ordinatis obsita. Cirri tentaculares, dorsuales, ana- 
les t. mediis similes , superiores tenlarularium aeque ac t. 
lateralia prominentes vel breviores, c. dorsuales articulo 
basilari crasso insidentes setas vertrales plus minus exce- 
drntcs , c. ventrales sub apice tumiduli margincm pinnae 
haud attingentes , c. anales dorsualibus proximis Iongiores, 
longitudine lentaculi imparis. Selae dorsuales , fasciculum 
minutum componentes pallidae, brevis, lineares, leniter cur- 
vatae, scriebus arctis spicularum minimarum asperulae, s. 
ventrales allerum tanluin magis prominentes, fulvae, duplo 
forliorcs, reetae, sub apice antrorsum ineurvo, satis longo, 
simplici, paulo sinuatae, dentibus longioribus utrinque fere 
12nis, arclis servatae. 

Long. 9 lin. (interdum 18 lin.) , lat. max. cum setis 
3,5 lin. (5 lin.). 

Vorkommen im Mittel- und adrialischen Meere und bei 
den Scilly-Inseln. 

Diese Art, die bisher mit P. squamala zusammenge- 
worfen ist, unterscheidet sich von ihr durch die beständig 
ungefranzten , gleichmässig ovalen Elytren, die am ge- 
streckten lebenden Thierc nicht einmal immer die vor und 
hinter ihnen gelegenen erreichen, an Weingeistcxcmplaren 
letztere gewöhnlich überdecken. Lepidonotus Wahlbergi, 
L. Johnstoni und L. striatus Kiub. haben zwar ungefranzte 
Elytren, sollen aber glatte seitliche Fühler besitzen , wäh- 
rend sie bei unserer Art mit leinen meist in 6 oder meh- 
reren Länosreihen stehenden Fäserchcn besetzt sind. Die 
Länge der Fühler variirt bei verschiedenen Exemplaren, 
ja sogar die Form der äusseren Fühler, die mitunter schlank 
und gleich den anderen unter der Spitze angeschwollen 
sind : jedenfalls aber würde unsere Art zu der Gattung 
Lepidonotus Kinb. zu rechnen sein. Oersted's sogenann- 
ter innerer Bauchcirrus hat bei unserer Art die Form einer 
ganz kurzen stumpfen Papille und fehlt den vordersten 7 
oder 8 Rudern. 

P. areolata Gr. Taf. III. Fig. 2. 

Corpus oblonguiu , posteriora versus attenuatum, seg- 
menlis 37, supra carneis, sublus coeruleo griseis , Stria me- 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 73 

dia longitudinali maximc splcndente. Elytra utrinque 15 
imbricata, dorsutii omnino , sclas magna ex parle tegentia, 
ex renilonni subletragona, margine posteriore et externo 
dense fimbriatis , parle anteriore snpra albida, margine ex- 
cepto dense verruculata , posteriore (libera) fusca, areolata 
areolis rhombicis et hexagonis, marginem versus magnitu- 
dine crescentibus , crisla huniili in spinani excunle armalis, 
e. postrema angustiora, minus spinosa, e. primum orbicula- 
tum , circumcirca spinosum et fimbriatum. Lobus capitalis 
suborbiculatus, fronte bifida , tentacula 3 ferenfe, oculis ad 
marginem lateralem sitis, anterioribus a poslcrioribus plus 
diarnetros 3 distantibus. Tentacula sub apice liaud tumida, 
media sub proecssibus frontis et impari affixa, laevia , lon- 
gitudine lobi capitalis, dimidia imparis, impar floccosum, 
lateralia fusca vix floecosa, aeque cum impari prominentia, 
sulitus dimidia lobi capitalis latiludine angustiora. Cirri dor- 
suales floecosi, forma t. imparis, setas paulo excedentes, ar- 
liculo basilari nigro, ventrales tenuissimi. Selae dorsuales 
numerosac vix curvatae, divaricalae, pectinibus spinularum 
obsilae , saepe sorde lomcutosae, s. ventrales vix fortiores 
sub apice brevi bidente paulo latiores dentibus utrinque 
12nis, minus aretis serrulatae dorsualihus paulo magis pro- 
minentes. 

Long. 9 (in., lat. max. cum sclis plus 3 Iin. 

Vorkommen im Mittel - und adrialisclien Meere. 

An keinem Exemplare waren die Fühler- und Afler- 
cirren , seilen ein RückencirrUS oder der unpaarc Kühler 
erhalten, Diese Art würde zur Galtung llarmothoe Kinb. 
gehören, ähneil mehr der II. scabra als der II. spinosa Kinb., 
welcher die flockigen Rflckencirren und der flockige un- 
paare Fühler fehlt, unterscheidet sich aber von beiden 
durch die gefclderten mit spitzen Kielen versehenen Ely— 
Iren. Von allen Allen des Mittelmeers scheint die Eumolpc 
scutellata Risso's *) die einzige nahe stehende, sie soll aber 
nur IL' Paar Klytren besitzen, diese die Mitte des Rückens 

°) Mihi, uitturt'llr des produettooi de l'Enrepo möridionala Toni. 
IV. p.4M. 



74 Grube: 

nicht decken, die Farbe des Körpers soll braunroth schwarz- 
gefleckt sein. 

Der innere Bauchcirrus verhält sich wie bei der vo- 
rigen Art. 

Spinther Johnst. Char. einend. 

Corpus ovale dorso plus minus convexo, segmcnlis mi- 
nus numerosis. Lobus capitalis Ironie incisa ul cetera 
segmenta utrinque serie setarum dorsuali et processu late- 
rali, setas uncinalas gerenle inunilus. Cirri, branchiae nulla. 
Uculi 4 circa luberculum lentaculumve , segmenlo buccali 
insidens , collocati. Os inferum , prope marginem anlicum 
situm, parvurn; pharynx exsertilis brevis, semitubulosa, sub- 
tus cava. Anus posticus. 

Intestinum rectum planatum. 

Sp. miniaceus Gr. Tal. III. Fig. 3. 

Corpus ovale, postice paulo magis attenuatum, minia- 
ceum vel cinnabarinum cute tenuissima, segmentis minus 
dislinctis 18 ad 22. Setae dorsuales tenerrimae, antrorsum 
curvatae, simplices apice truncato-bicuspide, ordines trans- 
versos simplices componentes , a dorso medio usque ad 
marginem pertinenles, membrana tenerrima quasi muco con- 
iunctae, marginem versus longiorcs, processus segmentorum 
laterales tereles , obtusi , subconici, longiores quam crassi, 
selis composilis uncigeris 2 forlioribus armati, unco ma- 
sime curvalo. Cirri, branchiae nulla. Oculi 4 circa len- 
taculum brevissimum locali, segnicnto buccali insidenles. 
Os inlerum, prope marginem anlicum silum, parvuni, pharynx 
exsertilis semitubulosa , sublus cava , apicem versus paulo 
altenuata, longiludine segmentorum .1 Anus posticus. 

Long. 2 ad 3 lin., lat. cum selis 1 lin. 

Bei Triest an rothen Schwämmen gefunden. 

Die Gattung Spinther wurde von Johnston 1845*) 
(Ann. oi' nat. bist. Vol. XVI. p. 9) aufgestellt und eine Art 
Sp. oniseoides nach einem einzigen in der Belf'astbay ge- 
fundenen und ihm in Weingeist zugeschickten Exemplare 
ebenda beschrieben und pl. II. (ig. 7 — 12 abgebildet. 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 75 

Er sagt selbst, dass seine Beschreibung nicht vollständig 
sein könne, und ich darf daher weder auf alle seine ein- 
zelnen Angaben noch alle seine Figuren ein zu grosses 
Gewicht legen; so giebt er zwar die Form der Borsten 
übereinstimmend mit seinen Nachfolgern, aber weder Au- 
gen noch Fühler an; er beschreibt den Borstenhocker des 
Seitenrandes so auffallend anders , dass man vermuthen 
muss, er habe eine andere Art vor sich gehabt, oder an- 
nehmen, dass das von mir beschriebene Thier nur zu einer 
verwandten Gattung gehöre. Fünf Jahre später führte Sa rs *) 
in seiner Ausbeute von der Lofodenreise eine Annelide 
unter dem Namen Uniscosoma arcücum auf, welche so 
sehr mit der meinigen übereinstimmt , dass ich beide für 
identisch halten müsste , wenn auch an ihm die intensiv- 
rothe Färbung wie an dem meinigen beobachtet wäre, doch 
schweigt gerade darüber die Beschreibung gänzlich **). S ars 
giebt 20 Borstenreihen und nur 2 Formen von Borsten an, 
zweizackige und sichelförmige, ohne sich näher darüber 
auszulassen , ob letztere zusammengesetzt oder einfach 
seien. Die haarförmigen von Johnston abgebildeten wer- 
den nicht erwähnt, die Grösse des Thiers nicht angeführt. 
Vor kurzem endlich lehrt uns Stimpson in seinen Marine 
Invertebrala of grand Manan***) einen neuen Ringelwurm 
kennen, für den er die Galtung Cryptonola errichtet, in 
dem ich aber wiederum einen Spinther oder ein Onisco- 
soma erkenne, obwohl er nur zwei Augen gesehen hat 
und auf die Form der Rückenborsten nicht näher eingeht. 

Stirn [iso n's Art Crijjilonota cilrina ist wohl entschie- 
den, auch wenn man von der Zahl der Augen absieht, nicht 
diu meinige, sie ist citronengeib gefärbt wie die Schwämme, 
an denen sie vorkommt, bat eine Länge von (1,15 Zoll, 
ITOgegen meine grÖSSten BCbon mit Eiern angefüllten Exem- 
plare nur .'! I.iii. massen , und der Mund soll um % der 
Linge vom Vorderende abstehen. Johnston's Sphiiher 

*) Maga/.in for !\'alurvidenskabei nc. 1850. 
**) Oni»foiioma nrctfcoifl Ist, Wie Ich *o eben von Hrn. Prof! 
Sari erfahren habe. Höht ftrohgelb, und daher wohl eine andere Art. 
••*) bniilh'onian ContriboUOM to knowlcdge. 1868, 



76 Grube: 

oniacoides ist 1 / l Zoll lang- und (ob erst im Weingeist so 
geworden?) sahnegelb, hat etwa 30 Borstenreihen und 
dreierlei Borsten, und eine sehr auffallende Form von un- 
teren Borstenhöckern mit einem Cirrus , wenn dies anders 
ein wirklicher Cirrus ist. 

Von meiner Art kann ich nur sagen, dass sie schwer 
zu untersuchen und namentlich darüber schwer ins Reine 
zu kommen ist, ob die Reihe der Rückenborsten durch eine 
wirkliche Membran oder nur durch den zähen Schleim, der 
auch den Körper bedeckt, verbunden ist. In diesen Rei- 
hen habe ich durchaus keine haarförmigen Borsten auffin- 
den können, wohl aber entdecke ich ein Paar etwas stär- 
ker als haarförmige gerade in den Fortsätzen des Seiten- 
randes, welche die zusammengesetzten Borsten mit krumm- 
hakigem Anhange tragen; von letzteren ragt immer nur 
eine und oft recht lang hervor, eine zweite kürzere ist im 
Innern verborgen. Auch die Verhältnisse der Augen und 
des äusserst kurzen Fühlers treten nicht immer gleich deut- 
lich hervor, die Leibeswand ist so dünn, dass man sie bei 
der Untersuchung nur zu leicht verletzt und das Thicr 
zerstört, aus dessen Lcibeshölile dann eine Menge mennig- 
rother Eierchen hervordrangen. Indem ich die Leibeswan- 
dungen nun vollends auseinander zerrte, gelangle ich zu 
der interessanten Entdeckung, dass das gerade Darmrohr, 
dem wahrscheinlich ein kurzer Magen vorhergeht und das 
erst im 6. oder 7. Segment beginnt, durch eine Menge ein- 
facher dünner nicht ganz der halben Körperbreite entspre- 
chender Coeca gefiedert ist; ich konnte jederseils deren 16 
heraus präpariren, und zwar vereinten sich die vordersten 
4 jederseits zu einem gemeinsamen in den Darm münden- 
den Gange. Wenn dies Verhalten des Darmkanals ganz nn 
die Aphroditen und Polynoen erinnert, so weicht der Bau 
des Rüssels, den ich nur einmal ausgestreckt gesehen habe, 
entschieden davon ab; ich kenne kaum einen ähnlichen, 
denn er ist wie eine und zwar auf der Unterseite offene 
Halbrinne gestaltet, durchaus ohne Kiefer und ohne Papil- 
len. Die Eierchen , welche die Leibeshöhle vollkommen 
erfüllten , waren mitunter in die Höhlung der borstenfüh- 
renden Fortsätze des Seitenrandes getreten , und schienen 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 77 

dort durch eine Oeffnung entweichen zu können. Sollten 
die kuglig aufgeschwollenen C irren , die Johnston ab- 
bildet, vielleicht in irgend einer Beziehung dazu stehen? 
Wenn endlich die länglich runde vorn hinter der Mundöff- 
nung ausgeschnittene , sich nach hinten bis etwa in's 6te 
Segment erstreckende weissliche Masse, welche sich hier 
in zwei lange bis fast ans Ende des Körpers laufende Fä- 
den auseinander begiebt, und welche ich nur bei einem 
Thierc durch die Bauchwand durchschimmern sah, wie ich 
vermuthen muss, das Nervensystem ist, so lernen wir hier 
eine für die Anneliden ganz neue Form kennen, welche 
durch die ungemeine Verkürzung an das Nervensystem ge- 
wisser Insektenlarven aber auch an die Dendrocoelen erin- 
nert. Johns ton stellt seine Gattung Spinther ohne Be- 
denken zu den Apluodileen, Sars mochte sie Euphrosyne 
annähern, wenn ihr nicht die Kiemen fehlten. Ich würde 
in dem blossen Mangel der Athmungsorgane, da wir doch 
auch die Lumbriconereis nicht von den Eunicen und Dio- 
palren trennen, kein Hinderniss erblicken, mich aber we- 
gen dieser Form des vermiilhlichen Nervensystems und 
Darms dafür entscheiden , doch nur vorläufig diese Anne- 
liden den Aniphinoineen anzureihen, bei denen sonst nirgends 
zusammengesetzte Borsten vorkommen, denen sie aber am 
meisten im ganzen Habitus entsprechen. 

Amulihiomo Brug. 

A. incarunnulata Peters. 

t Corpus vermiforme, gracilius , sordide carneum, fere 

■Herum tantum latius quam allum, segmenlis 119, supra in 
longitndinem striatis, fere alterum tantum latioribus quam 
iongis. Lohns rapilalis ex pentagono rotundatus, subtus os 
versus sulco medio bipartilus, fronte Integra truncata ; ten- 
taculum impar loi.giluiline lobi capitalis, proxinle marginem 
frontalem inier oculis anteriores oriens , cum longe excc- 
dens , t. posleriora (inferiora) im pari breviora, antcriora 
brevissima limbo fronlali coniuneta. Caruncula minima, ova- 
lis, margine integro, parti poslrcmae lobi capitalis insidens, 
ne primuiu quidem segmentum tcge.ns. Hegmetita buccalia 4. 



78 Grube: 

Setae albae apice simplici, nee bidente, nee crenulato, s. 
fasciculi dorsualis plus minus sursum vergentes, ventralibus 
paulo tenuiorcs, iniillo longiores. magis numerosae, ventra- 
les a latere prolentae , paueae. Cirri dorsuales branchiis 
altenim lanluni longiores, setis suis paulo breviores, c. ven- 
trales brevissimi, veiTticael'ormes. Branchiae cirrntae filis 
brevibus simplieibus vel a basi bifurcis , nee medium dor- 
sum nee proximas atlingentes, a segmenlo 3io ineipientes. 

Long. 3 unc. 7,5 lin., lat. cum tubereulo setarum ven- 
tral. 2,5 lin. 

Das untersuchte Exemplar, das dem Wiener Univer- 
sitätsmuseum gehört und aus Westafrika stammt, weicht in 
einigen Stücken von Peters' Beschreibung ab, unterstützt 
aber die» Aufstellung seiner Art. Die Karunkel ist so win- 
zig, dass sie wenig in's Auge fällt. 
A. stylifera Gr. 

Corpus vermiforme, angustum , allerum tantum latius 
quam altum, carneum , segmenlis 142, mediis duplo latiori- 
bus quam longis. Tentacula paenc aeque longa. Carun- 
cula ovalis, ut A. complanatae segmenta 3 tegens. Segmenla 
buccalia 4. Setae nee crenulatae nee denticulatae: s. fasci- 
culi dorsualis numerosae, breves cirrum suum circumdantes, 
sursum speetantes , flavidae apice simplici ; ventrales paulo 
crassiores, a latere prolentae, parallelae, fasciculum tenuem 
styliformem componenles, albae apice bidente fusco corneo. 
Cirri dorsuales fusci, setis suis multo longiores, saepe gy- 
ris 2adscendentes, c. ventrales dimidia setarum suarum lon- 
gitudine. Branchiae fuscae , ut in A. complanata confor- 
matae, ramosae stirpe brevissima, setis dorsualibus longio- 
res, cirro breviores, segmenti lmi nullae. 

Long. 10,7 unc. lat. max. 3,5 lin., cum setis 4,5 lin. 

Das Exemplar , das dieser Beschreibung zu Grunde 
liegt, gehört dem Wiener Universitätsmuseum, dein es ohne 
Angabe des Fundortes zugekommen ist. Besonders eigen- 
thümlich ist das Ansehen der unteren Borstenbündel. 

Staurocepkalus Gr. Char. emend. 
Corpus vermiforme, segmentis minus numerosis, cir- 






Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 79 

ris ani 4. Lobus capitalis ex quadrangulo vel pentagono 
rotundatus, oculoruui paribus 2, tentacula lateralis utrinque 
2, inferiora laliora , apice rotundato. Segmentum buccale 
nudiim, pharynx exsertilis maxillis maioribus 2, planilie lata 
lundo oris adiaccntibus , sese langenlibus , ordinibus longi- 
tudinalibus miiioniiii 4 armala. Finnae uiiiremes , in lingu- 
las 2 exeuntes, cirro dorsuali et ventrali munitae, fascicu- 
lis setaruni 2; selae simpliees et compositae. Branclüae 
nullae. 



/ 



St. rubr ovittatus Gr. Char. einend. 



Corpus brevius vennilonne, supra leniter convexum, 
subtus planum . segmentis ;~>2 — 70 vitta dnplici coccinea or- 
nalis, Diediis ö-es vel 6-es latioribus quam longis. Lo- 
bus capilalis ex qnadralo rolundatus, fronte arcuata , lon- 
giludine segmentorum proximormti 2, latilmlinc % coruni 
ncquaiite . ocuü l'nsci rotundi , quadrati (antice dilatati) in- 
star locati, anteriores maioris; tentacula 4, utrinque 2, an- 
leriora margini Iaterali affixa, inaiora, lata, lobil'ormia apice 
rulundalo, latiludine lobi capitalis longiora , posteriora a 
inargine paulo reniota, superiora, breviora, angusliora, basi 
ab oculis anteriorilms ad posteriores patente. Segmentum 
buccale nuduni, proximo paulo longius, plus minus distinete 
biannulum ; maxillae maiores inferiores 2, elongatae subtri- 
angulae margine anteriore interiore leniter rotundato sub- 
tilissimc serrulato, maxillae allen adiacente, postice Ionge 
acuminatae, divergentes, m. ceterae minulae utrinque series 
longitudiniiles 2 coinpoherites ereotae, h-iangulac , altiores 
quam latae marginibus longis denlilius 2 acute serralis, se- 
rici inlerioris 28, cxlcrioris , poslicc in laminam oblongam 
transeuntis , 21. Finnae uiiiremes, cum cirris V4— V, I:i ti— 
tudinis corporis aeqnantes, in unguium superiorem et infe- 
riorem excurrente« fasciculis setarum 2; setae tenerrimae 
f. superioris paucae [5nae ad 8nas) capillarcs, tum aeutis- 
simae tum obtusae, infetiorit mraierosae (ad'24nas) brevio- 
ns. compositoe, inlcigerae, appendieb quasi falcil'onni an- 
gustissima, acie recla , apice liidenle limbalo; acicula 1. 
(,'irru.v tlorsualis unguium superiorem paulo excedens, inler- 
dum SUbnodulosus , centralis pinnae magis appressus , ea 



80 Grube: 

paulo brevior, illo crassior. Cirri ani 4, superiores longio- 
res, latitudinem segmcnti postremi aequanles. 

Long-. 0,55 unc. (speciminis contraeti segmentorum fere 
70) Iat. 0,55, cum setis 0,12. 

Exemplare von 0,1 Zoll Länge hatten nur 25 Segmente. 

Im adriatischen Meere bei Triest , Fiume und Clierso 
gefunden. 

Die zuerst von mir im Archiv für Naturgeschichte 
Jahrg. XXI. p. 97 gegebene Beschreibung dieser Annclide 
war nach einem unvollständigen Exemplare entworfen und 
enthält mehrere unrichtige Charaktere. Indem diese hie- 
durch beseitigt werden und nun auch die Beschaffenheit 
der Kiefer ermittelt ist, unterliegt keinem Zweifel, dass 
letztere uns bestimmen muss, die Gattung Staurocephalus den 
Euniceen anzureihen. Ihr ganz nahe steht Anisoceras Gr. 
Oerst. *), vielleicht nur als Untergattung aufzustellen, und 
nicht mehr generisch zu trennen ; der Bau der Ruder, des 
Kopflappcns, die Gestalt der Borsten ist dieselbe, nur sind 
die Fühler länger, die unteren waren bei Anisoceras rubra 
spiralig aufgerollt, die oberen bei A. vittata und bioculata 
nach aussen von den vorderen Augen sitzenden rosenkranz- 
förmig gegliedert, aber auch bei einigen Individuen meines 
Staurocephalus, bei dem die oberen Fühler hinter den vor- 
deren Augen sitzen, zeigt sich mindestens eine Andeutung 
davon, obwohl bei der Kürze dieser Organe nur zwei Ein- 
schnürungen wahrnehmbar sind ; etwas ähnliches nur in 
noch schwächerem Grade zeigen manche Rückencirren von 
St. rubrovitlatus, wenigstens setzt sich die Spitze etwas ab : 
in den Oerstcd'schen Handzeichnungen von A. vittata und 
bioculata tritt dies deutlicher hervor. Jedenfalls aber liegt 
in der Anordnung des Kieferapparates eine Verschiedenheit. 
Zwar finden wir überall ein Paar auf dem Boden des Rüs- 
sels liegende plattgedrückte, am Innenrande theilweise ein- 
ander berührende, mit dem schneidenden Rande nach vorn 
gerichtete Stücke, levre inferieure Aud. und. Edw. bei Eu- 
nice, Onuphis u. a., aber ausser dieser kommen bei St. ru- 



*) VidensUabelige Meddelelser fra den naturhistoriske Forcning. 
1857. p.34. 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 81 

brovitlatus vier Längsreihen kurzer emporgerichteter säge- 
zähniger Kiefer vor, während bei Atdsoceras rubra, soviel 
ich erkennen konnte, statt dieser zwei schmale lange ge- 
sägte Laden e.xistircn; die Oersted'sche Zeichnung dieser 
Theile von A. bioculala ist nicht ganz entscheidend; Die 
Abbildung Fr. Müller's im Archiv für Naturgeschichlc 
1858. tab. VI, die ich mir als Anisoceras zu bezeichnen er- 
laube, ähnelt den beiden von Oerst e d abgebildeten Arten 
dieser Gattung: von dem dazu gehörigen Thier bemerkt 
jedoch der Verfasser , dass seine Kiefer in etwa 100 ein- 
zelne Zähne zerfallen, die in vier Längsreihen geordnet 
seien, ohne jedoch anzugeben, ob die Ränder derselben 
glatt, wie auf der Zeichnung von A. striata, oder sägeför- 
mig , wie bei St. rubromttalus sind. Was endlich delle 
Chiaie's tiereis Rudolphü betrifft, so habe ich schon an dem 
oben erwähnten Orte (p. 35) darauf aufmerksam gemacht, 
dass sie sich den Anisoceras anschliesse; er spricht nur 
von zwei Paar Kiefern , die man auch in der Abbildung 
durch die Rückenwand des Vordertheils durchschimmern 
sieht, und nennt die einen -,gli uncini superiori ," die an- 
dern -mascclle inferiori ;" es wäre aber wohl möglich, dass 
jene aus je zwei dicht an einander liegenden Bögen von 
einzelnen auf einander folgenden Platten bestehen *). 

Schliesslich niuss ich noch hinzufügen, dass ich eine 
Annelidc von 0,1 Zoll Länge bei Triest erhalten habe, wel- 
che so sehr mit Staurocephalus übereinstimmt, dass ich sie 
für eine Jugendform dieser Gattung halten möchte, obschon 
sie mancherlei abweichendes besitzt: namentlich waren die 
vier Fühler gleich beschallen und die unteren im Verhält- 
nisse zum Kopflappen viel kleiner, letzterer so breit als 
das Mundsegment mit breit gerundeter Stirn, an der wie an 
den Fühlern einzelne zarte Ilaare Sassen, — ich zähle an 
dein Stirnrande etwa 15 — , von den Augen konnte ich 
nur die hinteren erkennen, und diese standen weit hinter 
ilin oberen Fühlern , die Kiefer schimmerten als schwarze 
Bogenlinien durch, von den 21 Ruderpaaren schienen dem 

*) .Mclnoiie u In lloH'i 6 DOtom. degll unitn. lebt« Verl. del 
rrgni di Nupoli. Vol. III. 1838: Wb. »Uli. flg. 19. 

Arcli. fllr Snturg. Jahrg. XX VI. 1 Bd. 



82 Grube: 

ersten die Borsten gänzlich zu fehlen , an allen vermisste 
ich die Rückencirren. Flimmerbewegung war an mehreren 
Stellen des durchweg weisslichen Körpers sichtbar, näm- 
lich in der Nähe der Ruder , am Stirnrande und an den 
Fühlern , bei den ausgewachsenen Thieren habe ich sie 
bloss am Vorderrande der unleren Fühler bemerkt. Eine 
ähnliche Thierform bildet anch Oersted als Junges der 
Anisoceras bioculata ab : auch hier lallen die Stirnhaare 
und der Mangel der Rückencirren auf, doch sehe ich nur 
zwei Fühlerchen. 

Von der inneren Organisation der erwachsenen Stau- 
rocephalus kann ich angeben , dass der Darm ein gerades 
an den Segmentgrenzen etwas eingeschnürtes Rohr ist, und 
dass es wenigstens drei Längsgefässe giebt, ein contracli- 
les Bauchgefäss und zwei conlraclile seitliche über der Ba- 
sis der huder hinlaufende, welche mit jenem in jedem Seg- 
mente durch Queräste in Verbindung zu stehen scheinen. 
Die Farbe des Blutes war roth. 

Phyllodoce Sars. 

Ph. (Eulalia) macrocer os Gr. Taf. III. 

Fig. 4. 

Corpus prasinum, utrinque valde altenuatum, segmen- 
tis plus 88, triplo lere latioribus quam longis, linea trans- 
versa subdivisis, mediis dupla fere longitudine et laliludine 
ceterorum. Lobus capitalis suborbiculatus, fronte paulo pro- 
ducta attenuata , oculis area magna ovali fusca circumda- 
tis 2. Tentacula 5 longitudine insignia , illo dimidio fere 
longiora, impar in fronte anle oculos insertum, longitudine 
segmenlorum anteriorum fere 8, cetera haud breviora. Seg- 
mentum buccale supra vix distinguendum. Cirri tenlacula- 
res utrinque 4, ei proximisque 2 albidis affixi, articulis ba- 
silaribus crassis insidentes, inferiores s. 2di ceteris latiores, 
oblique lanceolati , longitudine segmentorum 7 , (superiores 
eiusdem segmenti haud conservati), ceteri filiformes, s. buc- 
calis breviores, s. 3ii longiores, segmenta 11 aequantes, 
pinna minima subiacente. Pharynx exerlilis . quantum vi- 
dere lieuit, papillis filiformibus dense obsita. Pinnae (cum 






Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 83 

setis) segmentorum anteriorum et posteriorum latitudinem 
corporis paene aequantes, mediorum ea breviorcs, cirri dor- 
suates ex oblique cordiformi lanceolati, extrorsum inclinati, 
c. ventrales horizontales renifornies extrorsum in apicein 
prodticli, pharelrae setarum late lanceolatae, in apices 2 ex- 
euntes, cirros ventrales vix excedentes, fasciculo setarum 
biparlilo, flabelliformi, setae fere 25-nae vel 30-nae, spi— 
niferae, stipile supra vix incrassato, spina subtus haud an- 
gustiorc, longa, leniter curvala. 

Long, speeiminis minoris 0,35 une. , longioris haud 
eompleti (segment. 71) fere 1 une. tat. cum setis 0,155 unc. 

Gefunden im Quarnero. 

Die Beschreibung ist, abgesehen von der Färbung, erst 
nach der Aufbewahrung im Weingeiste gemacht. Diese Art 
erinnert durch die Grösse der dunkeln Area der Augen, 
an der vorn die eigentliche Pupille zu sitzen scheint, an 
Ph. macrophthalmos Gr. Oerst. , durch die grössere Breite 
des einen Fühlcrcirrus an Ph. jlacescens Oerst. , doch sind 
beides Phyllodocen im engern Sinne, nicht Eulalien, be- 
sitzen nur vier Fühler. Die Aftercirren waren nicht er- 
hallen. 

Ph. (Eulalia) punetifera Gr. Taf. III. Fig. 5. 

Corpus albidum supra olivaeeo-griseo viltatum, me- 
dium versus fulvescens, viridi villalum, segmentis plus 105, 
anterioribus triplo, viedüs duplo fere lalioribus quam longis, 
Ins allerum lantum longioribus et lalioribus quam Ulis. Lobus 
capilalis ex cordiformi rotundatus, anlicc pcllueidior, punetis 
fuscis 2 ornatus, poslice vix incisus, oculis 2 orbiculatis, dia- 
inelro ' .' k laliludini.s eins aequanle, pupilla dislincta ; tentacuta 
5 IDbuIata, paria laliludinem eius aequanlia, impar paulo 
brevius, fronlem paululuin excedens, intcr oculos insertum. 
Sfegmcntuni bnceale supra vix distinguendum. Cirri tenta- 
culares utrinque 4 , segmento buccali praadmisque 2 affixi, 
albirlo byalini, medio Stria brunnea '/, longiludinii aequanle, 
ornali: longiisind (auperiores s. 2di) duplain biiiliidincin 
corporis vel longitudfau in legmmtorvm 5 animalis vivi (0 
■Icohole servali) aequantei, ceteri dimidio fere iis breviores, 
plnna minuta poalreaiia mblacente. Pinnae (cum seiis) la- 



84 Grube: 

titudine corporis dimidio fere breviores, cirris albidis, ple- 
rumque puncto medio olivaceo ornatis. Cirri dorsuales 
oblique cordiformcs vel Iate lanceolali, vix peliolali, extror- 
sum spectantes. c. ventrales oblique lanceolati ; setae flabelli 
instar expansae, spinigerae, ad 30-nas, stipite supra vix in- 
crassato, Spina subtus band angustiore, longa, laevi, leni- 
ter curvata, c. ani brevissimi, longitudine segmcntoruui 
postremorum 2. 

Long, vivae 1,2 unc. , lat. max. cum cirris sitisque 
0,1 unc. 

Gefunden bei Cherso. 

Unter den bekannten Eulalien finden wir bloss noch 
bei E. sanguinea herzförmige Rückencirren, über die Lange 
ihrer Rückencirren, die auch auf drei Segmente vertheilt 
sind und die Gestalt ihrer Borsten ist nichts bekannt, doch 
scheint die blutrotbe Farbe sie hinlänglich zu unterschei- 
den. Von den anderen Arten liegt die Vcrgleichung mit Ph. 
(Eul.) saxicola Qfg. *) am nächsten; sie ist grünlich oder 
röthlichweiss, vorn mitunter selbst braunroth, aber die Rü-, 
ckencirren nicht herz-, sondern stumpf- und breitblatt- 
förmig und deutlich gestielt, die Fühler viel kürzer als der 
Kopflappen breit, der unpaare weit vor den Augen ange- 
setzt und äusserst kurz , endlich die Grätenanhänge der 
Borsten an der Schneide fein gesägt. 
■J Ph. albo-vittata Gr. 

Corpus supra albo et brunneo transverse vittatum, 
linea media longiludinali fusca, albo inlerrupta, subtus fus- 
cum, segmenlis c. 60 triplo fere latioribus quam longis, me- 
dium versus magnitudine crescentibus. Lobus capitalis sub- 
orbiculatus, fronte late rotundata, postice vix incisus, ocu- 
lis ovalibus nigris 2, diametro '/ 5 fere latitudinis eius. 
Tentacula 4 alba, longitudine lobi capitalis. Segmentum buc- 
cale supra vix distinguendum. Cirri tenlaculares utrinque 4, 
ei et segmenlo 2do affixi, albi, articulo basilari brunneo, 
ut tentacula anguste-lanceolati, longe acuminali, superiores 
longiores latitudinem paene duplum segmenti sui aequantes. 
Pinnae cum setis dimidiam fere segmentorum latitudinem 



*) Guerin Mag. de Zoolog. 1843. Annelid. p. 2. pl. 1. 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 85 

aequantes. Cirri dorsuales ex cordiformi ovales erecti, 
dorsum liberum linquenles, brunnei , apice obtuse albido, 
o. ventrales obtuse Irigoni , iis multo minores, albidi, pha- 
retras setarum paulo excedentes ; selae haud numerosae, 
fere 8nae , spinigerae, stipile supra incrassato, spina bre- 
vissima , angustissima. Cirri ani lanceolali, tenlacularibus 
minus acuminati. 

Long. 0,3 unc, Iat. cum setis 0,1 unc. 

Gefunden bei Martinsica (Fiume), 1 Exemplar. 

Phyllodocen mit berzförmigen Rückencirren sind sonst 
noch Ph. laminosa, Ph. Rathkii und Ph. flavescens Oerst. 
(Parelti), bei allen dreien sitzen die Fiihlercirren an drei 
Segmenten und haben eine fadenförmige, nicht eine schmal 
lanzett- oder spindelförmige Gestalt, bei Ph. flavescens sind 
sie weniger zusammengedrängt, der obere des 2ten Seg- 
ments ebenfalls schmal lanzettförmig, aber der Handzeich- 
nung nach, aus der ich die Art allein kenne, fast viermal 
so lang als sein Segment breit, die andere fadenförmig und 
fast dreimal so lang als die übrigen breit , Leib und Rük- 
kencirren sind hellgelb , Fühler und Fiihlercirren grünlich, 
die Basis des hintern Fühlercirrus und die ersten drei Rük- 
kencirren braun. 

Syllis Sav. 

S. variegata Gr. Taf. III. Fig. 6. 
Corpus ex griseo brunnescens, nitens, cute crassiore, 
segmcnlis fere 120, nonnullis anteriorum supra figura trans- 
versa rotundata , brunneo limbata, medio coaretata ornatis, 
mediis (animalis alcobole servatij 5-plo , celeris 4-plo et 
ft-plo latiorihu.s quam longis. Lobus capitalis rotundato-tri- 
angulus. segmentis proximis nunc quidem haud angustior; 
lori frontalis ad basin coniuneti , eo '/, vel '/ b longiores, 
cum eo fegmenta 5 aequanles, oruli 4 liguram lale tetrago- 
nam exhibentes anteriores paulo majores , paulo lalius di- 
stales; tentacuta nt cirri tenlaculares et dorsuales monili- 
formes, impar dupla loronim Inngiludine , inter OCUlos an- 
teriores itiserlnm, a fronte remotum artiiulis fere 24, pa- 
ria eo '/, fere breviora, arliculis 15 vel 17. Cirri tentacu- 
laret superiores et dorsuales segmenti 2dl impari haud minus 



86 Grube: 

prominentes, illi articulis fere 22, hi, oninium longissimi 27. 
Cirrorum dorsualiuni singuli tantum anteriores et posteriores 
lalitudinem segmentorum aequantes, medii pierumque lali- 
tudinc dimidia breviores . articulis fere 15. Pinnae cum 
setis '/ 4 fere latiludinis corporis aequantes vel breviores, 
setae 8-nae, quasi falcigerae, falci recta acie haud concava, 
apice simpliei, liaud bidente. 

Long, (animalis alcohole servati) 0,5 unc., lat. cum se- 
tis 0,04 unc. 

Gefunden bei Cherso, 1 Exemplar. 

Die Rückenzeiclinungen, die man freilich nur an eini- 
gen vorderen Segmenten siebt, stellen ein braunumschrie- 
benes breitgezogenes in der Mitte stark eingezogenes Oval, 
fast von Brilenform, dar. 

JS. zebraGr. Taf. III. Fig. 7. 

Corpus ut tentacula cirrique albicans , segmentis plus 
190, anterioribus supra stria transversa brunnea duplici 
ornatis, altera in confinio Sita, margines laterales attingente, 
altera media, breviore, s. anterioribus et mediis 6- vel 7-plo, 
posterioribus 3-plo latioribus quam longis , haud breviori- 
bus quam illis. Lobus capitalis ex orbiculato trapezoideus, 
postice angustior excavatus segmento 2do fere '/ 3 angu- 
stior, longitudine proximorum 3; tori frontalis eadem fere 
longitudine, longiores quam lati, a radice divergentes, oculi 
4 trapezii lati instar locati, rotundi, anteriores alterum tan- 
tum majores, vix latius distantes, posteriores paene tangen- 
tes; tentacula arcte annulata, paria dupla tororum longitu- 
dine, impar paribus paulo longius , inter oculos anteriores 
insertum , articulis fere 30. Cirri tentaculares superiores 
aeque ac t. impar, cirri dorsuales segmenti 2di longius pro- 
minentes, proximos longitudine non superantes , articulis 
plus 40. Cirri dorsuales dimidia segmenti sui crassitudinc, 
arcte annulati, anteriores latitudine eius longiores, proximi 
eam aequantes vel breviores, posteriores , (latitudine seg- 
mentorum per se dccrescente) iterum longiores pierumque 
cum brevioribus (fere 20-articulis) sine lege alternanles. 
Pinnae anteriores cum setis vix y 6 latitudinis corporis ae- 
quantes , posteriores paulo longiores, cirr» venlrales phare- 
tram setarum paulo excedentes , dimidia crassitudine eius, 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 87 

selae sub-Snae, quasi falcigerae, falce brevi, acie recta, 
apice bidente. 

Long. 1,9 unc. (segmenta postrema desunt), lat. max. 
ad segm. 33nium cum setis 0,8 unc. 

Gefunden bei Cherso, 1 Exemplar. 

Die Fühler, Fühlercirren und Rückencirren sind so 
kurzgegliedert, dass man höchstens noch die Spitze rosen- 
kranzförmig nennen kann. Die Rückenzeichnung dieser 
Art unterscheidet sie von der ebenfalls quergestreiften mit 
dichtgegliederten Cirren versehenen S. vitlata, bei der an 
den Segmentgrenzen selbst immer zwei lineare Querstreifen 
dicht hintereinander und in der Mitte des Segments ein mit- 
ten etwas verdickter ebenso die ganze Rückenbreite ein- 
nehmender vorkommen. 

Sylliue Gr. 

Corpus, numerus tentaculorum, lobus capitalis, pinnae, 
selae Syllidis generis, sed tori frontales inier se omnino 
coaliti, lentacula cirrique tentaculares et dorsuales haud ar- 
ticulati, c. ventrales nulli. 

*-/S. rubropunetata Gr. Taf. III. Fig. 8. 

Corpus vermiforme, gracile , vivae albidum , maculis 
dorsi minutis laete aurantiacis per series longiludinales 2 
vel 4 dispositis , segmenlis 110 — 124 triplo fere latioribus 
quam longis. Lobus capitalis transverse ovalis, sulco lon- 
gitudinali divisus, maculis mediis 3, trianguli instar locatis, 
aurantiacis ; tori frontales inter se omnino coaliti , subtus 
tantum sulco lineari divisi, longiludine et Iatitudine lobi 
capitalis, cum eo longiludinem segmenlorum 3 aequantes, 
oculi 4 nigri, rcctanguli lali instar disposili, anteriores paulo 
majores, vix paulo inagis dislanlcs , posteriores paene tan- 
gentes; tentacula ut cirri minimc arliculala, ante oculos in- 
■erla . paria longitudine segmentorum 9, impar non bre- 
vius ('!). Segmi'ntum buccale supra vix distinguendum : 
ctrri tentaculares diiiiidia lenlai ■uloruni Inngitiidinc, inferio- 
res band visi. (irri dorsuales pinnarum illos aequehtee vel 
breviorea dimidiam corporis latitudinem , pharetrae pinnae 
fore /, eius aequantes, c. ventrales nulli. Selae sub 12-nae, 
flabelluin romponcnlcs, lenerrimae, brevissimae quasi Calci- 



88 Grube: 

gerae, stipite supra incrassato , curvato, falce paene recta, 
minima, apice simplici. 

Long-, speciniinis segmentorum 110 fere 14 lin ., (nunc, 
quidem 11 lin.), lat. max. cum setis 1 lin. 

Gefunden bei Porto re. 2 Exemplare. 

An beiden Exemplaren waren nicht alle vorderen An- 
hänge erhalten, und der Ursprung der erhaltenen wegen 
ihrer Brüchigkeit schwer zu unsersuchen, so dass hier eine 
spätere Beobachtung leicht etwas zu verbessern hätte. Ein 
Rüssel schimmert durch und zwar reichte der hinlere hart- 
wandige Theil vom ISten bis lTten Segmente. Der gänz- 
liche Mangel der Bauchcirren, verbunden mit der Verwach- 
sung der Stirnlappen und dem Mangel der Gliederung an 
den ("irren rechtfertigen die Sonderung von den eigentli- 
chen Syllis. Die Syllis macrocerus Gr. Oersd. *) könnte auch 
dahin gezogen werden , wenn sie nicht deutliche Baucheir- 
ren besässe. 

Das eine Exemplar der S. rubropunetata zeigte vier, 
das andere zwei Längsreihen von hoch orangerothen Fleck- 
chen, sie kamen, soviel ich mich erinnere auf jedem, we- 
nigstens der vorderen Segmente vor. 

Spiophunes Gr. 

Corpus vermiforme, subteres, segme'ntis brevibus. Lo- 
bus capilalis seginento buccali penitus impressus, postice 
attenuatus , tentaculo postieo brevi 1, oculis nullis. Seg- 
mentitm buccale setis nudum, cirris tentacularibus 2 dor- 
sualibus , labo capitali distentis. Pharynx exsertilis bre- 
vis (?). Fasciculi setarum utrinque distichi, e basi labii 
foliacei progerminantes , segmentorum omnium subaequales, 
nee vero in omnibus pariter locati, in prioribus dorsuales, 
in ceteris ad latera descendentes. Setae simplices , un- 
cini nulli. 

Sp. Iiroyeri Gr. Taf. V. Fig. 1. 

Corpus vermiforme, subteres, (animalis alcohole ser- 
vati) colore carneo , segmenlis plus 66, duplo fere latioribus 



*) Videnskab. Jleddelclscr fra d. natinhist. Farening. 1857. p. 185. 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 89 

quam longis, anterioribus 5 longitudine et latitudine minore 
inter se convenienlibus, a ceteris differentibus. Lobus ca- 
pitalis segmento buccali penilus impressus, s. 2dum attin- 
gens, fronte truncata utrinque in processum brevem obtu- 
suiii exeunle, tenlaculum posticum 1, Iobo capitali paulo bre- 
vius, styliforme; oculi nulli. Segmentum buccale setis nu- 
dum, proximis 2 (iunctis) paulo brevius : cirri tentaculares 2, 
dorsuales , parte lobi capitalis posteriore distenti , crassi, 
longitudine segmentorum fere 3, sulco longitudinali exarati. 
Fasciculi selarum utrinque disticlii, e basi labii foliacei pro- 
venientes, f. segmenli 2di et proximorum 3 utrinque omnino 
dorsuales , labiis interioribus minoribus late laneeolatis, di- 
midia latitudine inter se distantibus, exterioribus supra in 
lariniam acuminatam excurrentibus , f. ceteri ad parietem 
corporis lateralem provecti, dorso latius libero, labiis utrin- 
que sese tangentibus, superiore maiore, late lanceolato, in- 
feriore in cristam humilem mutalo, fasciculi superiores seg- 
menli 19ni et sequentium plica dorsuali transversa coniuncti. 
Setae siinplices, fasciculi superioris eapillares, leniter cur- 
valae, alliltidinem labii sui vix excedentes, flabelli instar 
expansae, ad 7-nas , s. inferiores magis numerosae seriem 
transversam componentes, breviores, paulo fortiores, fuseio- 
res, splendidae, sinuatae. 

Long, ad 0,750 unc. , lat. max. 0,055 unc. (segmenta 
postrema deerant). 

Aus dem Meere von Grönland. 

Die Beschreibung ganz nach einem Weingeislexemplare, 
dessen Körper nicht vollständig war, wober die Frage, ob 
d hinten in einige Fädcbcn, einen Kran/, von Papillen oder 
einen Napf ausläuft, niclil beantwortet «erden konnte. Diese 
neue Gattung gehör} jedenfalls in die Nähe von Nerine 
iiihI Spio. 

Hrterocirrus Gr. 

/H. fronlifilis Gr. Tal. IV. Fig. 1. 
Corpus vermilbrine, subteres, segmentis plus 34, aequo la- 
lis, longitudine crescentibus, anterioribus 15 vitellinis, ceteris 
supra et suhlus viridibus, lalere vilellinis , aeque latis ac 



90 Grube: 

longis, vel longioribus. Lobus capilalis rolundato-rhomboi- 
deus, segmento buccali penitus impressus; ocuii 4, anterio- 
res majores Iransversi subreniformes, posteriores punctifor- 
ines, vix minus distantes, illos paene tangentes. Segmenlum 
buccale frontem lobi capitalis excedens , cirri tentaculares, 
ante frontem affixi, basi sese tangentes, virides vase rubro 
perlucente, longissimi, crassi, sulco exarati, in spiram laxe 
adscendentem contorti , segmentis 14 longiores. Segmenta 
proxima 3 branchifera , altcrum tantum latiora quam longa. 
Fila branchialia utrinque3, margini laterati affixa, paene 
aeque longa, longitudine segmentorum fere 7, viridia, an- 
teriora 4 basin versus vitellina. Tubercula setigera utrinque 
dislicha, minutissima ; setae superioris capillares, anteriores 
latitudinem corporis superantes, 3-nae, inter papillam supe- 
riorem et inferiorem prodeuntes, setae t. inferioris breves, 
duplo fortiores, leniter curvatae, 2-nae ad 6-nas, flabellum 
componentes, papillis similibus, 4 adiacentibus, setae supe- 
riores a segmento 5to, inferiores iam a 3io (i. e. 2do bran- 
chifero) incipientes. 

Long, animalis postice mutilati segmentorum 34 fere 
0,8 unc, lat. sine setis 0,05 unc. 

Gefunden an Steinen bei Cherso. 1 Exemplar. 

Unterscheidet sich schon durch den Ansatz der Füh- 
lercirren von H. saxicola Gr.*). 

(irratulus Lam. 

C. tenuisetis Gr. Taf. IV. Fig. 2. 

Corpus vermiforme ex quadrangulo subteres , dorso 
convexo, ventre piano angustiore brunneuni, segmentis c. 270, 
parle laterali setifera tori instar incrassato, mediis 5-plo fere 
latioribus quam longis. Lobus capitalis a segmento buccali 
sulco paulo separatus , cum co conum obtusum componens, 
oculis nullis. Segmenlum 2dum nuduin , longitudine 3-pla, 
3ium (iam setigerum) dupla proximorum. Fila branchialia 



*) S. Archiv für Nalurgesch. 1855. p. 108. In Bezug auf Uetc- 
rocirrus saxleolu müss ich noch hinzufügen, dass die Zahl der Kie- 
menpaarc zwar gewöhnlich auch auf drei beschrankt ist, bei man- 
chen Exemplaren aber auf vier und fünf steigt. 






Beschreibung neuer oder nenig bekannter Anneliden. 91 

in nullo segmento sericm transvcrsam componentia, in sin- 
gulis tanlum (4nis — lOnis midis inlerieclis) vel in binis 
lernisve visa alba, vase rubro pcrlucente; longiora (segmen- 
torum 22di ad 38mum) 0,2 unc. longa , cetera plerumque 
dimidia tanlum longitudinc vel breviora. Setae superiores 
et inferiores capillares, tenerrimae , fasciculos tenuissimos 
componentes, ad conlinia segmentorum posteriora prodeun- 
tes, cum loris sensim descendentes, denique ntraeque oninino 
ventrales; s. superiores longiores, nunqnam latitudinem seg- 
menlorum superanles 12-nae , inferiores dimidio brcviores, 
3-nae ad 4-nas, initio in media tororum allitudine insertae; 
uncini nulli. 

Lonir. spccim. alcohole scrvati 1,65 unc., lat. paene 
0,5 (sine setis). 

Cherso. 1 Exemplar. 

Die Beschreibung ganz nach demWeingeislexemplare. 
Die Angabe der Färbung nach dem Leben. 

I Imik in Sav. 
^yCl. leiopygos Gr. Taf. IV. Fig. 3. 

Corpus vermirorme, subteres, utrinque attenuatum, ex- 
Iremilale poslica ipsa ilcrum incrassala, segmentis plus 25, 
ex subfusco carneis , anibitu horizontali 6-gono, zona setas 
contmente alba, omnihus (buccali et extremo excepto) setas 
capillares et uncinos aculeosve gerentibus, longiludine seg- 
mentorum usque ad 3ium repenle crescente, a 4to ad (itum 
imiiiiiiiila ceterorum subaequali paulo maiore quam 6ti, po- 
slremis 3 brevissimis , Irapezoideis , latitudine maxima in 
scfjmento filo et proximis 5 observata, sequentibus ad confinia 
inaxime coarctalis. Segmentum buccale paulo longius quam 
hilum. convexo-conicum nudum, labio oris posliio profunde 
Milialo. Lamina frontalis (lobus capilalis) eo niullo anjrii- 
.slior. a lalcre band prominens, l /, brevior, ouilis, integre 
minus distincle circumscripta, sulcis Ibrtgitudinalibas 2, po- 
■ttcp transversa iunctis. h'asckuli setarum rapitlarium et 
tori unrinigeri .segmt'iiloriiin anleriorum S ante incdiiim, po- 
iteriorum 16 pone mediom uuerti; setae capillares tener-i 
1 1 in ;i i-, fasciculos tenues componentes, dimidiam corporis la- 



92 Grube: 

titudinem aequantes, f. anteriores et posteriores ea paulo 
longiores, uncini rostrati angulum rectum exhibentes, rostro 
simplici, pectines componentes; segmentnm 2dum pro uncinis 
aculeo brevi singulo , 3ium aculeis 2 armatum, postremum 
patelliforme, margine integro, ano coni niedii instar pro- 
minente. 

Long. 1 nnc., Iat. max. 0,055. 

Cherso. 1 Exemplar. 

Ich besitze von dieser Clymene zwei Bruchstücke, die 
nicht ganz zusammen passen, so dass wahrscheinlich noch 
ein kleines Mittelstiick fehlt, das vordere halle 9 Segmente 
und mass 0,4 Zoll in der Länge, das hintere 16 und mass 
0,6 Zoll. 

laldane Gr. 

Corpus vermiforme, fasciculis setarum inferioribus to- 
risque uneinigeris superioribus munitum , segmentis minus 
numerosis, longioribus , Dt Clymenes, medium versus lon- 
gitudine crescenlibus. Lobus capitalis a segmento buccali 
minus distinetus, laminam frontalem referens. Segmentum 
buccale nudum; pharynx exserlüis crassa ovata vel incras- 
sata. Segmentum postremum nudum , haud infundibuli in- 
star expansum, lamina ventrali instruetum, ano dorsuali. 
M. glebifex Gr. Taf. IV. Fig. 4. 

Corpus vermiforme , teres , posteriora versus sensim 
attenuatum, pallide carneum, nitens, paulo iricolor, interdum 
subtus brunneo adspersum, segmentis 21, (setigeris 19), prio- 
ribus 5 aeque longis , */, tantum longioribus quam latis, 
proximis subito longitudine crescentibus, alterum tantum et 
duplo longioribus quam latis, posterioribus (a 15to) decre- 
scentibus , biannulis , postremis 2 paulo tantum longioribus 
quam latis. Segmentum buccale cum lobo capitali (laminam 
superam frontalem referente) coalitum, nudum; lamina frontalis 
valde inclinata,suborbicularis, anguste limbata, limbo utrinque 
incisura media bipartito, parte anteriore integra, posteriore 
subtiliter crenulata, sulcis longitudinalibus nullis. Pharynx 
exertilis ovata vel antice incrassata, longitudine segmento- 
rum priorum 2. Segmentum postremum in euneum subtus 
paulo convexum , lamina ventrali limbata munitum exiens, 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 93 

limbo utrinque semel inciso, ano dorsiiali. Ordo setarum 
et uncinorum inversus : fori uneinigen superiores, fasciculi 
setarum inferiores, deorsum speclantes. Tori oblongi, ante- 
riores celeris magis prominuli, uncini seriein simplicem com- 
ponentes, rostrati, roslro simplic; fusco, segmentorum me- 
diorum ad 20-nas, cclerornm pauciores, s. penultimi et Ultimi 
mil I i : setae capillares tenerrimae 4-nae ad 6-nas, ciliari- 
serratae ex toris ipsis progerrninantes, longiores Iatiludinem 
corporis aequantes, supra subtilissime serrulatae, breviores 
laeves, segrnenti Ultimi nullae. 

Long, maiorum 1,4 unc. ad 1,9 unc, lat. 0,05 — 0,06. 

Tubi membranacei , gracilitnti corporis respondentes, 
liino agglutinato valde incrassati, glebulas fusiformes vel 
cylindratas ad 2 unc. longas, 8 lin. crassas referentes. 

Bei Martinsica und Portore (2 Stunden von Fiumc) hin 
und wieder zahlreich auf schlammigem Meeresboden. 

Kleinere Exemplare von 1 Zoll Länge hatten nur 15 
Paar Borstenbündel, bei einigen war die Färbung mehr kup- 
ferrolh , die Flecken der Bauchseile dunkler und zahlrei- 
cher, besonders auf der Aflerplatte. 

So sehr diese Annelide das Gepräge der Clymenen an 
sich trägt, musste ich sie doch schon wegen der Stellung 
der Borsten zu einer besonderen Galtung erheben. Bei 
allen Clymenen und Ammochares, wie bei den Terebellen, 
Pectinarien, Arenicolen und ihren Verwandten, bilden die 
Bündel der Haarborsten die obere, die Kämmchen der Haar- 
bürsten die unten; Zeile, bei den Sabellen, Serpulen und 
Sabellarien findet dies nur in dein vorderen Körpertheile 
statt, während in dem hinteren längeren das Umgekehrte 
eintritt , und bei Maldanc finden wir den bisher noch bei 
keiner Annelide beobachteten Fall, dass in der ganzen Länge 
des Körpers die Haarborsten über den Hakenborslen stehen, 
ja sogar nach unten gerichtet sind. Ausserdem bestimmt 
mich dazu die dein Kopftheilc ganz analoge Bildung des 
Kndsegmcnts , an welchem nur Umgekehrt die der Stirn- 
platte entsprechende Platte an der Bauchseite liegt und den 
an der Kückenscite befindlichen After von unten her nach 
hinten überragt. Auch diese Platte ist schmal gesäumt und 
ihr Saum mitten am Seitenrandc etwas eingeschnitten. 



94 Grube: 

Ueber die innere Organisation kann ich folgendes mit- 
thcilen: Der verdauende Kanal ist ein gerades Rohr, an 
dem man einen vorderen nur drei Segmente einnehmenden, 
den Rüssel, und einen hinteren ungleich längeren Abschnitt, 
den eigentlichen Darm unterscheidet ; jener wiederum be- 
steht aus zwei Theilen, von denen sich beim Hervortreten 
aus der MundölTnung der erste umstülpt, und so die Aus- 
senwand des Rüssels bildet, der zweite in den ersten hin- 
einschiebt, das innere Rohr des Rüssels darstellend. Der 
ausgestülpte Rüssel ist dicker als der Vordertheil des Kör- 
pers, aussen durchaus glatt und ohne Wimperbesatz, das 
Innenrohr dünn und von der Aussenwand bedeutend ab- 
stehend, eingezogen erscheint er längsgestreift und blutroth 
gefärbt. Der eigentliche Darm sieht gelb aus, nimmt im 
leeren Zustande etwa y ä der Leibesdicke ein und befestigt 
sich hin und wieder durch fadenförmige Ligamente an die 
Leibeswand. Man sieht an seiner Wandung zwei bis zu 
dem sechstletzten Segment verfolgbare bläulich rosenrothe 
contractile Längsgefässe , die ansehnlichsten Stämme des 
ganzen Gefiisssyslems , ein Rücken- und ein Bauchgefäss, 
an denen aber keine Aeste in's Auge fallen. Jenes con- 
trahirt sich in der Richtung von hinten nach vorn, dieses 
umgekehrt, die Contractionen waren bei schwach gedrück- 
ten Exemplaren nur sehr langsam, dem Darme fehlte ebenso 
das grobmaschige GeTässnetz als die beiden seitlichen leb- 
haft pulsirenden herzartig erweiterten Gefässäste der Are- 
nicolen und Terebellen. Das Riickengefäss Iheilt sich hin- 
ter der Stirnplatte in zwei Aeste , welche unter derselben 
bis an den Vordcrrand laufen und hier scharf nach aussen 
umbiegen. An den Scitenwänden des Körpers zeigt sich 
ein kaum halb so dicker geschlängelt« - verästeller Längs- 
stamm: er spaltet sich vor jedem Borstenwulste gabiig und 
die Aeste der Gabel vereinen sich wieder hinter demsel- 
ben. Die Seitenzweige dieses Längsstammes bilden ein zar- 
tes Gefässnetz für die Körperwandung, während einzelne 
herabsteigende in ein zweites unterhalb des ersten be- 
findliches noch dünneres Längsstäinmchen münden: der- 
gleichen entspringen sowohl von dem ungeteilten Seiten- 
stamme, als von seinen Gabelästen. Ausserdem bemerke 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 95 

ich noch zwei ganz feine den ganz durchscheinenden Ner- 
venstrang einlassende Längsgefässe ; doch konnte, ich über 
den Zusammenhang derselben mit den anderen, so wie über 
das Verhällniss des grossen Bauch - und Rückengefässes 
zu den übrigen aus Mangel an Zeit keine direkten Beob- 
achtungen mehr anstellen. Dagegen sah ich noch in der 
Leibeshohle kleine graulich weisse Körnchen, deren Durch- 
messer etwa '/ 3 des oberen Seilengefässes der Wandung 
gleichkam, theils einzeln, theils in Massen wie ein Gerinn- 
sel hin- und herlliesscn, ähnlich denen in den Fühlern der 
Terebellcn. Viel grösser sind die Eierchen , die ich bei 
mehreren Exemplaren ebenfalls in der Leibeshöhle antraf, 
und von denen die ansehnlicheren im Durchmesser etwa 
V 3 des leeren Darms massen, an ihnen konnte ich eine 
äussere Dotterhaut, Dotterkörnchen und Keimbläschen un- 
terscheiden. 

Auch die bei den Terebellen und ihren Verwandten 
vorkommenden an der Bauchwand mündenden Blindsäck- 
chen fehlen nicht; sie hatten hier die Gestalt eines engen 
am blinden Ende stark angeschwollenen, mitunter dick keu- 
lenförmigen Kanals von dunkelrothbrauner Farbe, zeig- 
ten sich an den vier ersten und ein paar hinteren der bor- 
stentragenden Segmente und schienen nahe dem Nerven- 
strang zu münden. Den Nervenstrang konnte ich vorn 
nicht verfolgen, doch habe ich einmal am vorderen Rande 
der Stirnplalle einen qoerea weisslichen Körper durchschei- 
nen gesehen, den ich für das vordere Ganglion eines Mund- 
ringes hallen möchte. 

Die meisten Exemplare bewegten sich , ans ihren 
Bohren genommen, nur langsam, einige aber krümmten sich 
stärker ; wenn sie in der Bohre steckten, war diese vorn 
durch die Stirn - , hinten durch die Afterplatte vollständig 
geschlossen. 

TerrbMIa L. Sav. 
T. crelacea Gr. Taf. IV. Fig. 5. 
Corpus vermiforine , anlice minus luiiiiiluin , seclionc 
anlt-riui i-. M'las capillares gcn:nte, supra et snliliis c\ briin- 
ni -i. griiea , duisu plus minus sanguinis imhiilo, hileribus 



96 Grube: 

cinereis supra incrassatis, toris uncinigeris ipsis albido ci- 
nereis, limbo brunneo-coccineo cinctis , seelione posteriore 
sublus ex griseo brunnea dorso gyris arcoluto, albido, quasi 
cretaceo; segmentis plus 37, anterioribus Iriplo vel quadruplo 
latioribus quam longis , s. 2do et 3io lobo lalerali inuuilis, 
5. posterioribus (unde a lTmo) sensim brevioribus. Scuta 
ventralia sectionis anterioris minus dislincte circumscripta, 
a toris paulo distanlia, tobt segmenti 2di minores 3tii duplo 
altiores yltiusque affixi, laliores, sordide sanguinei, margine 
supero paulo exeavato. Tentacula pallide ochracea, maxitne 
numerosa, circa % vel '/ ä longitudinis corporis aequantia. 
t'asciculi selarum capillarium ulrinque 16, a segmenlo 4to, 
fori uncinigeri a 5to incipientes, crassi, usque ad s. lOmum 
altitudinc crescentes, tum sensim decrescentes descendentes, 
pectine uncinorum duplici a 22to dimidio huniiliorcs; uncini 
pinnulae haud visae rostro simplici miinili. Branchiae utrin- 
que 3, segmento 2do, 3io, 4to insidentes pallide ochraceae, 
si sanguine vacuae, lalitudine corporis nix longiores, ra- 
mosae cirratae stirpe brevi biparlita, ramo utroque brevi 
bifurco, ramis secundi ordinis longioribus iterum bifurcis 
vel simplicibus, vel elongatis serieque rainulorum bifurco- 
ruin obsitis. 

Long, animalis postice mulili segmentorum 37 fere 1 
unc, lat. max. sine setis fere 0,1 unc. 

Gefunden bei Cherso ; nur 1 Exemplar. 

Die felderartige Zerklüftung des Rückens an der hin- 
teren Körperhälfte ist auch im Weingeiste noch sehr 
deutlich. 

T. turrita Gr. Tat'. IV. Fig. 6. 

Corpus vermiforme , antice haud tumidum , sectione 
anteriore, setas capillares gerente, ex carneo pallide brun- 
nea , toris uncinigeris limbo subtus acuminato , supra in 
arcum dilatato cinnamomeo cinctis, arcu pacne circulari, 
fasciculum setarum amplectente, sectione posteriore fulva ;. 
segmentis plus 57 brevibus, medium versus longioribus, s. 
20mo et proximis 7 paene aeque longis ac latis. Scuta ven- 
tralia 15, satis distincta fusco marginata , a toris uncinige- 
ris dimidia fere latitudine distantia, media aeque fere lata 
ac longa, anteriora latiora , breviora, posteriora longiora, 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 97 

angustiora. Tentacula alba plus 20, extensa segmentis 40 
lonsfiora. Fasciculi setarum capitlarium utrinque 17, tenuis- 
simi styüformes, ut tori, a segmento 4to incipientes, selae 
leviter «jeniculatae, anguste limbatae; tori uneinigen Sectio- 
nis anterioris ampli nec vero tumidi, fasciculos attingentes, 
breviorum quoque segmentorum nunquam sese tangentes, 
tori sectionis poslerioris in pinnulas mutati; uncini minimi, 
roslro simplici. Branchiae lucide brunneae , vasis minus 
rnbro perlueentibus, utrinque 2, segmento 2do et 3io in- 
sidentes, anterior altior longitudine segmentorum 7 vel 8 
(animalis vivi), quasi turritae, stirpe alta ramis, spiram ad- 
scendentem gyrorum fere 4 componentibus, brevibus dieho- 
tomis vel trichotomis, in ramulos simplices vel bifurcos ex- 
euntibus. 

Long, animalis postice mutili segmentorum 57 fere 
0,99 unc, lat. max. 0,05 unc. 

Gefunden bei Cherso, nur 1 Exemplar. 

An dem lebenden Thiere waren die Kiemen sehr auf- 
fallend : ihre im Verhältnisse zu der Höhe des Stammes 
ziemlich kurzen in einer Spira an ihm aufsteigenden Aeste 
bildeten mehrere Kreise übereinander : an dem 0,15 Zoll 
hohen Stamme der vorderen unterschied ich vier solcher 
Astkreise oder Etagen, von denen der Radius der untersten 
etwa '/» der Stammhöhe mass , die übrigen immer kleiner 
wurden. Bei der Aufbewahrung in Weingeist hat sich die- 
ses Ansehen nicht erhalten, auch sind die Zeichnungen des 
Vorderkörpers verschwunden. Die Hakenborslen stehen an 
einem der vorderen Wülste, den ich mikroskopisch unter- 
sucht habe, in zwei Reihen. 
■/ T. spiralis Gr. 

( urpus vermiforme, pleriimque in spiram gyrorum phi- 
riuni citiiturl um , parte anteriore minus tumida , ex brnnneo 
Mrnea flavicanle, posteriore alba: segmentis plus 110 bre- 
vibus. toris DnriiiirTfris priorum (corpore contrario i sese 
laiiL'i'iitiliiis • celerornm orassitodrne sna vel pauln minus 
dislunlibiis. ficuta ventratia ].'{; priora aiqua laliliidine 
cetera sensim angnstiora. Tentacula alba, nnmerOBa (plus 20j 
iliiiiiilin corpore plemmqne breviora. tascicuti setarum ca- 
piltarium utrinque 22 ad 25, a segmento 4to incipienlcs nii- 
Arohiv f. Nalurg. Jahjg. XXVI. Bd. 1. 7 



98 Grube: 

teriores aliquot subfusci, ceteri argentei, tori uneinigen a s. 
5to incipienles, tumidi sensim deseenclentes, anteriores (prio- 
ribus 4 e.xceptis) scuta venlralia tangentes , 5-vel 6-plö, 
sequentes 2-plo , posteriores allerum tantum altiores quam 
lati; uncini minimi : pinnulae nullae. branchiae utrinque 2, 
segmento 2do et 3io insidentes, latitudinem corporis dimi- 
dio superanles, maxime conlractiles, sanguineo-rubrae, ra- 
mosae , stirpe brevissima , biparlila, ramis brevibus iterum 
dichotomis , ramis seeundi ordinis praelongis seriem ramu- 
lorum bilurcorum vel simplicium brevimn emitlenlibus. 

Long, animalis maioris vivi contracti 2,5 unc, lai. mnx. 
0,06 unc. 

Gefunden bei Cherso, 2 Exemplare. 

Zwischen den Borslenhückern und Wülsten der Ha- 
kenborsten des Tten bis 17ten Segments (incl.) war eine 
kleine Papille sichtbar. 

T. zostericola Oersd. ? 
Oersd. de regionibus marinis p. 68. 

Corpus vermiforme , gracile , antice vix tumidulum, 
(alroholc servatum, pallide tarneum) pariete laterali paulu- 
lum incrassato, segmentorum priorum 4 cum dorsuali con- 
lluente, inde discedente, dorsum liberum linquentc , dorso 
media initio angustissiino, mox latiludinc crescenle, segtnen- 
tis fere 51 , prioribus 3 brevissimis , ceteris aeque longis, 
anterioribus earum alterum tantum lalioribus quam longis, 
posterioribus aeque latis ac longis. Scuta ventralia satis 
distineta 12, reetangula, latitudine decrescente , longitu- 
dine a 9no (aeque lato ac longo) crescente. Tentacula ma- 
xime numerosa , dimidio corpore longiora. Fasciculi seia~ 
rum capillarium tenuissimi utrinque 15, a segmento 4to ; 
tori uneinigen a 5to incipienles, scuta venlralia paene tan- 
gentes , altitudine decrescentes , anteriores alterum tantum 
altiores quam lati , segmenti 19ni et ceterorum in pinnulas 
minus extensas mutati. Setae capülares anguste limbatae, 
uncini minimi rostro bidente. Branchiae utrinque 2 , Seg- 
mente 2do et 3io affixae, minutae, brevissimae, saepe dimi- 
diam segmenti sui latitudinem haud excedentes, ramosae, 
stirpe brevissima in ramos 2 mullo longiores divisa , utro- 
que ramulos 3 vel plures raro simplices plerumque brevis- 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 99 

sime bifurros vel magis divisos emitteute; branchia secunda 
multo brevior quam prima. 

Long-, aninialiuin ^alcoliole servatorum) minorum 7 ad 
9 lin., maioris mutilati segmcntorum 23, 9 lin. , lat. 0,1 unc 

Dänemark, mehrere Exemplare. 

Für diese Art ist sehr charakteristisch das Verhalten 
der etwas verdickten Seitenwände, welche anfangs sieh auf 
dem Rücken vereinigen , dann hinter dem letzten kiemen- 
tragenden Segmente sich unter einem sehr spitzen Winkel 
auseinander begeben , und so den Mittelrücken frei lassen. 
Die Beschreibung nur nach Weingeistexcmplaren. 
T. gracilis Gr. 

Corpus venuiforme , gracile antice paulo inflatum (al- 
coliole servatum albidurn) segmenlis lere 126 , supra Irans- 
verse dense striatis, diflicile dislinguendis , parlis tumidae 
4-plo el 5-plo latioribus quam longis, mediis (pone 31nium) 
elongatis aeque latis ac longis, vix longioribus quam illis, 
dimidio angustioribus, postremis brevissimis. Scula venira- 
lia 13 , paene aeque lata , posteriore 5 repente angustata. 
postremum quadratum. Tenlacula plus 20, i / b corporis lon- 
giora. Fasciculi selarum capillarium utrrnque 17 vel 18 a 
seginenlo 4to , pectines uncinorum a 5to incipicnles, cum 
illis toris communibus planis inserti, torulis angustis supe- 
rioribus interiectis, scuta venlralia haud taugentes, in seg- 
menlis prioribus aliquot a lascicuro setarü'm papilla minuta 
separati usque ad p. Ctum longiludine crescenles, a 13ino 
decrescentes , sensim degceiidentes , in segmento 19no iärii 
omnino ventrales, ad lineam venlris median) accedentes, a s. 
1 1 Mio duplices. Uncini minimi. Branchiae ulrinque 2, segmento 
2do et .'iio allixac, ramosac , sfirpe breVi , bipartita, ramis 
longis simplicibus vel dichotomis seriem raniulorum sim- 
pliciuui Tel apice c.vtreniu hifiirnirmn emittenlibus, anterior 
altior (cOntracta dimidiam dorsi lalitudinem excedens). 

botig. 3 unc. 8 lin., lat. 0,1 unc, parlis tumidae 
O.lfif. unc. 

Von den Scilly— Inseln, wo sie Prof. V. Canis in 7,«<i 
Bxemplarcn gefunden. 

bli Wiir y.ueil'clhiill, ob ich dieses Tliicr für einerlei 
in il der sonst ausKersI ähnlichen '/'. pevlituila hüllen sohle. 



100 Grube: 

bei der, wie ich mich jetzt überzeugt habe, die Hakenbor- 
sten auch in doppelten Reihen vorkommen , aber entweder 
gleich anfangs oder doch wenigstens vom 5ten Wulste an, 
so auftreten ; doch kann ich bei dem hier beschriebenen 
Thiere hinter dem 22ten Segmente an keinem der Borsten- 
wülste oben noch ein Bündelchen Haarborsten entdecken, 
auch sind seine Kiemen sehr viel zusammengesetzer, frei- 
lich beide Exemplare auch merklich grösser als das eine, 
das ich von T. pectinata besitze. 
T. rosea Gr. 

Corpus vermiforme , minus elongatum, roseum, ante- 
riora versus paulo tumidum, segmentis plus 90 brevissimis, 
toris uncinigeris plerumque sese tangentibus, partis lumi- 
dulae crassitudine sua inter se distantibus. Scuta ventralia 
omnia toros tangentia , 4-plo vel 5-plo latiora quam longa, 
a segmento 13mo subito angustissima, magis distantia, tum 
in sulcum ventralem transeunlia. Tenlacula alba, linea 
paene miniacea percurrente numerosa (plus 20) , longiora 
dimidium corpus aequantia. Fasciculi selarum capillarium a 
segmento 3io ineipientes, usque ad postremum patentes, ar- 
gentei , tori uneinig er i minus tumidi, a segmento 4to inei- 
pientes , altitudine sensim decrescentes , descendentes , a 
3 fere 30mo omnino ventrales , solo sulco vertrau separali 
(hie 4-plo fere latiores quam longi) ; series uncinorum du- 
plices. Branchiae utrinque 2 , segmento 2do et 3io insi- 
dentes, sanguineae, graciles, frutescentes , ramosae, ramis 
stirpis spira ad apicem adscendentibus , serie simili ramu- 
lorum brevium plerumque simplicium obsitis. 

Long. 0,75 unc, lat. maxima 0,1 unc. 

Gefunden bei Cherso. 

Diese Art gehört zu den wenigen mit zwei Paar Kie- 
men versehenen, deren Haarborstenbündel bis an das Ende 
des Körpers forllaufen, ist aber auch nach der Aufbewah- 
rung in Weingeist von den anderen Arten durch die Kürze 
sämmtlicher Segmente zu unterscheiden. 

T. pustulosa Gr. Taf. IV. Fig. 7. 
Corpus vermiforme, antice tumidulum, croceum, ex qua- 
drangulo cylindratuin, dorso pustuloso, pariete laterali incras- 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 101 

sato sulco longitudinali Hneali a ventrali separate; segmentis 
plus 31, prioribus brevibus 4-plo, posterioribus alterum tan- 
tum latioribus quam longis, paulo longioribus quam illis, 
sulco ventrali munitis. Scula ventralia per totam latitudi- 
nem et longitudinem segmentorum patentia, vix hoc nomine 
designanda , plerumque sulco transverso lineari bipartita, 
sensim angustiora, a segmento 19no fere haud distinguenda. 
Lobus Capriatis parvus minime sinuosus , tentacula crocea 
plus 24, (contracta) longitudine segmentorum fere 20, seg- 
mentum buccale punctis ocularibus plurimis ornatum. Fas- 
ciculi setarum capillarium a s. 3io incipientes , usque ad 
postremum s. conservatorum patentes , tori uncinigeri a s. 
5to incipientes , in 4to adumbrati, oblongi , angusti, scuta 
ventralia tangentes, inter se distantes, sensim minores ova- 
les a fasciculis setarum minus remoli, paene in pinnulas mu- 
tati, semper laterales, pectine uncinorum simplici. Bran- 
chiae croceae , vasis sanguineis perlucentibus , ulrinque 2, 
segmento 2do et 3io insidentes, cirratae, fasciculo filorum 
simplicium constantes, fila e dorso ipso progerminantia, loco 
inserlionis minimo transverso, oblongo vel lineari, contracta 
longitudinem segmentorum 7 haud superantia (in aliis multo 
breviora) , l / 3 diametri tentaculorum , branchiae lmae ad 
10-na, 2dae ad 7-na. 

Long, animalis maioris posticc mutili segmentorum 31 
alcohole servati 0,8 unc, lat. max. 0,1 unc. 

Gefunden im Quarnero bei Porto re und Martinsica. 3 
Exemplare, keins vollständig. 

Sehr ausgezeichnet durch die Form der Kiemen und 
die Farbe des Körpers, von T. lutea durch Zahl und Form 
der ersleren verschieden. Ein kleines Exemplar besitzt 
nur vier Fäden in der vorderen und drei in der hinteren 
Kieme. Weniger auflallend am lebenden Thiere waren mir 
die kleinen I'ustclchen, mit denen der Rücken bedeckt ist, 
und die ich bei der Nachuntersuchung an den Weingeist- 
exeinplaren, theils vorragend, theils eingesunken, ganz deut- 
lich erkenne. 

Eine lappländische Terebclla , von viel ansehnliche- 
rer Grösse, 2,5 Zoll lang, obwohl nur 41 Segmente erhal- 
len waren, welche Professor v. Baer bei Triostrowa ge- 



] 02 Grube: 

sammelt hatte , über deren Färbung ich aber keine An- 
gabe erhalten , stimmt mit der oben beschriebenen so sehr 
überein , dass ich sie für keine andere. Art halten möchte. 
Dasselbe gilt von einer grönländischen Terebella, von der 
kleine aber vollständige Exemplare von etwas über 1 Zoll 
Länge 70 bis 89 Segmente besitzen: an den letzten sind 
Haarborsten nicht mehr erkennbar aber von ihrem Höcker- 
chen noch eine Andeutung vorhanden, auch die Pustelchen 
des Rückens verschwinden gegen das Ende des Körpers, 
sind dafür aber an den vorderen um so ausgeprägter; der 
Rücken dieser Segmente ist durch eine (juerfurche in zwei 
Ringel getheilt, die Bauchsehilder gehen, indem ihre Grenz- 
furche meist ganz verschwindet, unmittelbar in die dicke 
polsterarlige Seitenwand über, an deren hinterster Partie 
der lang und schmalgezogene Wulst der Ilakenborsten 
seinen Platz lindet. Der Alter erscheint durch sechs Ein- 
kerbungen strahlig gefurcht. 

T. flexuosa Gr. Oersd. Taf. V. Fig. 2. 
Corpus vermiforme, antiee paulo latius, segmentis fere 
60, anterioribus 6 brevissimis 5-plo vel 4-plo latioribus 
quam longis , sequentibus longitudine sensim crescentibus 
19mo et proximis feie aeque latis ac longis, ceteris iterum 
brevioribus; 30mo iam duplo fere latioro quam longo. Seg- 
mentum buccale utrinque lobo magno ovali cum altero sub- 
tus coalito , antrorsum vergente, s. 3ium minore appresso, 
triangulo, supra latiore allius in dorso ineipiente, venlrem 
vix attingente munitum. Scuta ventralia 16, albida tetra- 
gona, a toris lateralibus vix distanlia , media paulo latiora 
quam lata, anleriora sensim latiora et breviora, laminae la- 
terales 16 albidae ovales, subtus angnstatac, fasciculos setarum 
torosque uncinigeros amplectentes, anteriores sese tangentes, 
posteriores inter se distantes. Tentacula plus 23, brevia, stirpe 
branchiarum dimidio tenuiores , longitudine segmentorum 
fere 10. Fasciculi setarum capillarium utrinque 15, a seg- 
mento 4to, tori uneinigen a 5to incipienles , ut illi, usque 
ad 6tum descendentes, aeque parvi, 15tus et ceteri in pin— 
nulas broves, satis distantes mutati. Setae fasciculorum bre- 
ves, haud numeiosae, pectines vncinorum ubique simplices, 
uncini rostrati , rostro ut parte infera bidente. Branchiae 






Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 103 

ramosae utrinque 1 , segmento 2do affixa longitudine seo-- 
nicntoruin lere 6, slirpc crassa diametro 1 tnntum ab altera 
distante, dimidia branehiae ipsius altitudine, in ramos 2 di- 
viso, rami longiores stalim in ramos seeundi ordinis 2 bre- 
viores divisi. bi in fasciculos 2 ramulorum in 4 ad 6 siin- 
plieium vel apice extrema bifurcorum , aeque longe promi- 
nentium exeuntes. rami stirpis in nonntillis animalibns sini- 
pliciores , ramulos 3 ad 4 plerumqiie simpliees emillenles. 
Tubus animalis ex limo confeetus, cinereus, maxime singu- 
laris : compaclus, depressus, in aequo procurrens, flexuosus, 
flexibus 6 aretis, aequalibus, laliludine sensim crescentibus- 

Long, animalis alcohole servati 1,5 unc, lat. max. 0,1 
unc, lonjj. tubi (ad lineam reetam) 1,7 orte, lat. 0,15 unc., 
lat. flexuum maximorum 0,5 unc. 

Aus dem Meere bei Grönland. 

Die Röhre dieser merkwürdigen nur mit einem Kie- 
menpaare versehenen Terebella ist aus so fein geschlämm- 
tem Materiale verfertigt und so compact , dass sie an die 
Röhren mancher Tabellen erinnert, doch ohne deren Bieg- 
samkeit, überdies ganz lireilgedrüekt, sehr verschieden von 
der. «eiche 0. Fr. Müller von T. cristata abbildet, auch 
besitzt letztere Art 17 Borstenbündel, unsere Art nur 15. 

Amphicteis Gr. 

Corpus vermilbrme, antitc lumiduluin, posteriore ver- 
sus sensim attenuatum, segmentis minus numerosis. Lobus 
capitalis tentaculu gubtus affixa plus minus tegens, lenlarula 
plura seriem transv ersam coniponenlia. Segmentvm buccale 
nudinn. s. 2dum utrinque flebello setarum maiorum prover- 
saruin, 3ium dorso branchiis ornatwn; 3ium, blvm et sequen- 
tia, fasciculo setaxum brcvionim Iaterali et plerumque pin- 
nuhi uncinjgcra sub eo posita, posteriora sola pintuila »ni- 
nila. .Seine (apilbnes simplii es, uncini minutissimi rieiilali. 
Branehiae filiformes. Citri anales in nonriullis visi. Vermes 
lubilices. tubus ex limo confectus *). 



■) Die (.jIIiiiih L'rvisuiloma Gaste (Ann. of not. bist. Second 
•eric« Vol. XVI. lK&f>. p. 810) i»l mil Amjihictat IdCdHlcb, letztste! 



104 Grube: 

Die Gattung Amphicteis hatte ich *) nach der Be- 
schreibung- der Amphilrile Gunneri von Sars**) errich- 
tet; mittlerweile ist mir auch die Gelegenheit zu Theil ge- 
worden, ein Thier aus dem Meere von Grönland selbst zu 
untersuchen, welches ich für eben jene Art zu halten geneigt 
gewesen wäre, wenn nicht Sars über die Anwesenheit 
von Flösschen im vorderen Körpertheil schwiege. Leichter 
würde ich darüber hinwegkommen, dass an den Flösseben 
des hinteren Körpertheils die er knuder nennt, die Form 
etwas anders dargestellt und der Häkchen nicht Erwäh- 
nung gethan wird, mit denen auch ihr Rand besetzt ist, 
diese Häkchen sind so klein, dass wenn man sie nicht be- 
sonders beachtet und stärkere Vergrösserungen anwendet, sie 
wohl übersehen werden können. Jedenfalls hat mir dieses 
Exemplar, dessen Beschreibung ich der Sicherheit wegen 
und weil ich mehrere Arten zu unterscheiden habe, unter 
dem Namen A. groenlandica sogleich hier folgen lasse, vor- 
treffliche Dienste für die Beurtheilung der vordersten Kör- 
persegmente und ihrer Anhänge geleistet, die ich früher in 
grösserer Uebereinstimmung mit Pectinaria glauble : Das 
weit vorspringende Blatt des Vorderendes (Tab. III. Fig. 3LL') 
entspricht allerdings dem am Rande gezähnten Lappen der 
Pectinaricn , den Rathke als „Schirm der Tentakeln" be- 
zeichnet, und der nach ihm das vorderste Ganglienpaar des 
Mundringes enthält , doch ist die hintere Hälfte L' nicht 
scharf gegen das Mundsegment und namentlich dessen Un- 



Name aber der ältere (Arrh. für Naturgesch. 1S50. p. 330 und Fami- 
lien der Anneliden 1851. p. 137). Die Species , welche Gosse be- 
schreibt (1. c. p. 310. pl. VIII. Fig. 7 — 12), Crossosluma Midas scheint 
am ähnlichsten meiner A. groenlandica \ unterscheidet sieh aber von 
ihr durch die Bildung des Kopflappens , des kienientragenden Seg- 
ments und des Köchers der Haarbürsten, der oben in einen stumpfen 
cimisartigen Fortsatz ausläuft. Sie hat ebenfalls acht h'iemenfädcn 
und zwei Aftereirren. 

*) Familien der Anneliden p. 82. 137. 

tttJ ) Beskrivelser og jagltagelser over nogle i havet ved den Ber- 
genske kyst levende dyr p. 50- pl. 11. Fig. 50. 

***) Rathke Beiträge zur vergleichenden Anatomie, Danzig 
1842. p.56. Tab. V. Fig. 2, a. Fig. 3, b. 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 105 

terlippe abgegrenzt. Bei beiden Gattungen bedeckt dieser 
Kopflappen die an seiner unteren Fläche sitzenden Fühler 
und den Mund. Auf den Kopflappen folgt bei Pectinaria 
sogleich das Segment , das auf dem Rücken die bei- 
den starken nach vorn gerichteten Stachelkämme und nach 
aussen von jedem einen fühlerförmigen Zipfel trägt und 
mit seiner schmäleren Bauchwand die Mundöfl'nung von un- 
ten begrenzt, das Mundsegment (1. c. Fig. 1 c, Fig. 3 c, e); bei 
meiner Amphicteis aber, wo man geneigt sein würde, das 
mit den grossen nach vorn gerichteten Borstenfächern ver- 
sehene Segment, jenem gleich zu stellen, schiebt sich zwi- 
schen diesem und dem Kopflappen noch ein oben breiter 
und eben gegen den Kopflappen nicht überall scharf abge- 
grenzter , an der Bauchfläche noch breiterer Ring ein, in- 
dem hier eine durch eine Ouerfurche aligesetzte Unterlippe 
von ihm abgeht, und dies wäre bei Amphicteis das Mund- 
segment. Seinen mutieren Rückentheil muss man zwischen 
dem Kopflappen L und den beiden Köchern der grossen Bor- 
stenfächer suchen , es ist die vorn ausgeschnittene drei- 
eckige Fläche (Fig. 3.51 ). Die Seitentheile des 2ten Seg- 
ments verdicken sich zu ansehnlichen Wülsten und bilden 
die Köcher für jene ansehnlichen nach vorn gerichteten 
Borstenfächer oder Borslcnbündel: letztere breiten sich 
nemlich bei einigen Amphicteis in derThat scheinbar mehr 
fächerförmig aus (wie Fig. 6) , obwohl die Basis des Fä- 
chers immer eine gekrümmte Linie ist , während sie bei 
anderen ein millen hohles Bündel darstellen und die Linie, 
die die Ursprünge ihrer Borsten beschreiben , ein in sich 
geschlossenes Oval ist (wie Fig. 3). Hinter jedem dieser 
Köcher entspringen die \ier Kiemenläden, von denen man, 
-da sie abgerissen waren . in unserer Figur 3 nur die An- 
tatzfllellen wahrnimmt, ein Zufall, der, so unangenehm er 
sonst ist, hier doch die Uebersipht der anderen Thcile er- 
leichtert. Zwischen beiden Gruppen der EiemenfMen be- 
merkt man eine fast quadratische Fläche (Fig. 3. plj, nicht 
etwa, wie ich anfangs glaubte, ein Stück der Rückenwand 
des 3ten Segmentes selbst, welches beide Quappen von 
einander trennt, sondern vielmehr sine nach von sich über- 
legende breite Kalte, welche sie verbindet und dabei zu- 



106 G r u b r : 

gleich einen Tlieil rles 2ten Seo-mentes und namentlich des- 
sen hintere Grenzdirche verdeckt. Nach aussen von den 
Kiemenfaden sitzt ein kleines seitlich forlgestrecktes Bor- 
stenbündel, an welchem man dieses Ste Segment am leich- 
testen erkennt , während es nach innen davon und an der 
Bauchseite wenig abgegrenzt ist. Viel schwerer sind diese 
Verhältnisse bei den winzigen nur 3 bis 4 Linien langen 
sehr zarten Arten des kaspischen Meeres zu untersuchen, 
mit denen ich gerade den Anfang gemacht hatte. — Was 
die Flösschen (Pinnulae) betrifft, so konnte bei A. groenlan- 
dica auch ihre Gestalt mit grösserer Sicherheil erkannt wer- 
den. Sie sind abgestutzt dreieckig oder trapezisch (der 
breitere Rand der freie, mit Häkchen besetzte) , sitzen nahe 
unter den Borstenbündeln , etwa nur um die Breite ihrer 
Köcher abstehend und sind der Seitenwand des Körpers 
anliegend nach hinten gerichtet, weiterhin, wo die Borsten- 
bündel aufhören, fallen sie leichter in's Auge, obwohl sie 
schmäler werden , sie rücken mehr an die Bauchseite, be- 
halten im Allgemeinen ihre Form , laufen aber an ihrem 
oberen Rande in ein abgesetztes sie wenig überragendes 
spitzes Fädehen aus. Die Uncini , die längs dem freien 
Rande der Flösschen sitzen, sind ovale an dem einen Längs- 
rande kammzähnig eingeschnittene Plättchen. 

A. gr oenlandica Gr. Taf. V. Fig. 3. 
Corpus vermiforme, anliee subfusiformi-dilatatum, po- 
steriora versus produetum, sensim attenuatum, nunc quidem 
pallide carneuin , dorso utrinque margine ventris lalioris 
tumido iimbato, limbo partis anterioris utrinque '/ 6 latitudinis 
aequante, segmentis 34, longiludine 15mum versus crescenti- 
bus, a 2Ümo dicrescentibus . intermediis feie alterum tan- 
tum latioribus quam lonyis , Tino 8vo 9no laüssimis, 5-plo 
fere latioribus quam longis, venire segmenti 18mi et cete- 
rorum sulco longitudinali bipartito, s. anteriorum Stria trans- 
versa alba ornato. Lobus capitalis magnus trapezoides po- 
stice.rotnndatus, anliee latior, taeniis luiiidis transversis 2 
bipartitus , parte frontali sulcis seposita , 5-gona, antice 
truncata (J'ovea media longitudinali angusta) ; tenlacula 11 
visa, longiura illo haud breviora. Segmcntum buccale haud 
ila latius, labio oris inferiore sulco seposito, s..2dum latius, 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 107 

antioe profunde e.xcavatum , partem s. buccalis medium 
recipiens, pliarctris flabellorum setarum validis oblique pro- 
tinus versis, selae spinifonues, complanatae , fragiles, utrin- 
que ad 24. interiores longiores, fronte paulo minus promi- 
nentes s. 3ium cum seeundo paene coalitum. quarto brevius. 
branchias utriusque l'aseiculi plica quadrata coniungens; 
faseiculo setarum laterali parvo margincm lateralem paulu- 
limi excedenle. Segmentum 3ium, Atum, 5lum utrinque fa- 
scieulo setarum s. 6tum et proxima \3 et hoc et pinnula un- 
cinigera inferiore, s. 20dum et cetera solis pinnnles minuta. 
Setae fasciculoruin ad 15nas, spinis flabellorum similes, minus 
riiridae, dimidio va) V, tenuiores '/j, minus prominentes, pwnu- 
lae trapezoidene ad basin angustiores, subventrales, lacinia 
inferiore longiorc , anteriores latiores, a pharetra setarum 
diametro eius distantes, posteriores paulo magis prominen- 
tes, e marginc supcro cirrum parvum acutum emiltentes; 
uncini ininulissimi 4-denlati, dentibus loiiüis acutissimis, p. 
anteriorum ad KiO-nos vcl plures. Segmentum postremum 
cirros anales 2 gerens , cirri dorsuales, longitudine seg- 
mcntorum proxiinorum 3. 

Long. 1,5 unc, lat. max. 0,2 unc. (sine setis). 

Aus dem Meere von Grönland, nur 1 Exemplar, des- 
sen Kiemen leider nicht erhallen waren. 

Mit der Abthciliing von Amphilrite Ounneri von Sars 
verglichen erscheint der Körper weniger spindelförmig, am 
Kiehieritragenden Segmente weniger eingeschnürt; die mitt- 
lere« Segmente im Verhältnisse gestreckter, der Randwulst 
breiler. die Aflercirren kürzer; die FNisscIion der hinleren 
Segmente mehr hernnlergerückl , so i\:ms der Cirrus ihres 
Rückenrandes weil weniger ih'sAfoge lallt, vot allem aber 
ist is der durchgehende Mangel der Flösschen unlcr den 
Bfindeln dir Haarborsten bei A. Oünneri, der beide Arien 
Unterscheidet. 

A. invalida Gr. Tal. V. Fig, I. 

Corpus brevins vermiferme, antice lumidulum, nunc 
qiiiilcm nlhidnm, pellucens, posteriora versus minus produ- 
i liini. lirnhis dorsi laleralibus saepe minus tumidis, segmen- 
tis I" Ik brevitfs, laHotibu» [Tino, BVo, 9hd) longitudinem 
tttt '< ae(|iianlihus. poslerioribus a l'.liio sensim angusliori- 



108 Grube: 

bus et brevioribus. Lobvs capitalis cum segmento buccali 
longitudinem proximorum 2 aequans , parte frontali (quan- 
tum videre licuil) angustiore, aritice truncata vel paulo cava j 
tentacvla 8 visa , brevia. Segmentum 2dum septimo '/, fere 
angustius, setae ßabelli ulriusque 16' — 30, frontem longe ex- 
cedentes, tenerae, ceteris vix dimidio latiores, flexiles, pal— 
lidae , vix splendidulae. Füia branchialia utriusque fasci- 
culi 4, plica alte maxime pellucida cum altero coniuncta, 
extenso, setis flabelloruni longiora, longitudine segmentorum 
fere 11, crassitudine longitudinem segmenti aequante. Seg- 
mentum 3ium 4tum 5tum utrinque fasciculo setarum *. 6tum 
et proxima 12 et hoc et pinnula uncinigera, s. 19mum et ce- 
tera solis pinnulis munita. Setae capillares interdum di- 
midia corporis latiludine haud breviores, pallidae, tenerri- 
mae ad 8-nas vel plures , pinnulae anteriores humillimae 
(potius paene plicae appellandae) difficile distinguendae, 
uncini ovales acie dentibus 4 acutis serrata, p. anteriorum 
ad 30-nos, posteriorum pauciores. Cirri anales haud visi. 

Tubi teretes membranacei , crusta limi grisea obducti, 
posteriora versus haud attenuati aperti. 

Long. 0,4 unc. , lat. max. (ad segmentum 17mum) 
0,055 unc. (sine setis); long, tubi 1,5 unc, lat. 0,75 unc. 

Von Herrn Professor v. B a e r im kaspischen Meere 
entdeckt. 

Die Segmente von A. invalida sind alle kurz, nicht 
einige mittlere gestreckter wie bei A. Gunneri, Kopflappen 
und Mundsegment kürzer, die Borsten der Fächer entschie- 
den viel weiter vorragend, sehr zart, nicht goldig und stark 
glänzend. Man müsste von A. Gunneri jüngere Exemplare 
haben , um die Vergleichung noch erfolgreicher anzustel- 
len ; es ist aber leicht möglich, dass A. invalida keine be- 
deutendere Grösse erreicht , wenigstens bemerkte ich in 
dem einen Exemplare dieser Art ovale Körperchen mit einem 
hellen Fleck in der Leibeshöhle, die ich nur für Eier hal- 
ten kann, wonach denn Thiere dieser Grösse wenigstens 
schon geschlechtsreif wären. Der durchschimmernde Darm- 
kanal zeigte einen vorderen weiteren Abschnitt , der am 
vorletzten Borstenbündel aufhörte, und einen hinteren en- 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 109 

gen , am letzten Borstenbündel in eine Schlinge gelegten, 
weiterhin geraden. 

JA. bricispinis Gr. Taf. V. Fig. 5. 

Corpus brevius vermiforme , A. invalidae simile, se- 
ctione anteriore '/, longiore quam posteriore (solis pinnulis 
miinila). Lobus capilalis et segmentum buccale 2dum et 
3ium A. invalidae haud dissimilia , eadem longitudine, ten- 
tacula haud observala. Selae flabellorum maxime differen- 
tes : paucae, 8-nae tanlum, frontem haud excedentes, aureae, 
rigidae, lalius spiniformes , breviter acuminatae , radianles, 
protinus versae. Fila brancliialia ulrinque 4, plica nulla (?) 
coniuneta, spinis multo longiora , longitudine segmentorum 
fere 8, cmssiludine longiludinem segmenti aequante. Seg- 
mentum 3ium 4tum 5lum ulrinque fasciculo setarum, s. 6tum 
et proxima 13 et hoc et pinnula minuta uncinigera, s. 20dum 
et cetera solis pinnulis munita. Selae capillares tenerrimae, 
pallidae, latiludine corporis dimidia minus prominentes ad 
8-nas vel plures; cirri anales haud visi. 

Tubus animalis teres materie et inagnitudine cum A. 
incalida congrueus. 

Long. 0,3 unc, lat. max. 0,05 unc. (sine setis). 

Ebenfalls von Professor v. Baer im kaspischen Meere 
entdeckt. 

In der Zartheit des Körpers mit A. invalida überein- 
stimmend, von ihr wie von A. groenlandica durch die kurze 
breite Gestalt und die geringe Zahl der strahlig auseinan- 
der laufenden stachelförmigen Paleen des 2ten Segments, 
(reiche überdies so sehr gegen die haarförmig-feinen Bor- 
sten der seitlichen Bündel der anderen Segmente abstechen, 
auf den ersten Blick zu unterscheiden. 

A. acutifrons Gr. Taf. V. Fig. 6. 

Corpus vermiforme, nunc quidein fuscius carneum, an- 
fice paulo dilaliilum, posteriore versus produclum, sensim 
attenualum dorso angustius limbato, venire inde a segmenlo 
ICnio sulco longitudinali diviso , segmenti» 28, anlerioribus 
mediisque longitudine haud ila diflerentibus, triplo fere Ia- 
tioribus quam longis, s. 16to aeque fere lato ac longo, pro- 
ximis 4 paulo longioribus quam latis , ceferifi longitudine 
di i rescenlibus , latiludine vix unquam duplam longiludinem 



110 Grube: 

adaequante. Lobus capitalis fronte late acuminata, lentaoula 
plura. Segmentum buccale i 11 o paulo longius , biannulum, 
latiludine crescens , longiludine proxima 2 aequans , labio 
ulrinque in lobulum curvatum exeunlc. Setae ßabeUorum seg- 
menli 2di spinil'ormes, sensim acuminalae. splendentes, au- 
reae, lobum capitalem allingenles, dimidiam segmenti sui 
latitudineni aequanles, ulrinque 12 ad 16; pharetrae eorum 
niulto n.inus quam A. groenlandicae prominentes. Branchiae 
baud conservatae, bases ulrinque plica transversa alta pel- 
lucida coniunclae. Segmenlum Siiini et 4tum ulrinque solo 
fasciculo selarum, s. 5tvm et proxima 11 et hoc et pinnula 
uncinigera, cetera 11 solis pinnulis munila , poslremum in 
Processus 2, pinnulas menüenlibus cirrosque 8 exiens, eirri 
segmento suo paulo longiores. Setae liaud ita lenerae, spi- 
nis antcrioribus lere 2 fo angusliores, vix breviorc^s, Ilavae, 
splendentes, plerumque C-nac, llabelli inslar expansae. 

Long. 0,4 unc, lat. max. 0,0fi (sine setis). 

Aus dem Meere von Grönland. 

Diese Art, von der nur 1 durch den Weingeist stark 
contrahirles Exemplar vorliegt, weicht von allen durch die 
breit dreieckige Stirn des Kopflappens und durch die grosse 
Zahl der Aftercirren ab, erinnert durch die Kürze der Sta- 
chelfächer und geringere Zahl ihrer Stacheln an A. brevi- 
spinis, wird aber in beidein von ihr noch übertreffen. Ich 
kann übrigens mit Sicherheit jederscils nur die Ansätze von 
zwei Kiemenläden unterscheiden, vielleicht besitzt diese Art 
weniger Kiemen. 

Polycirrus Gr. 

P. aurantiacus Gr. Taf. IV. Fig. 8. 
Corpus aurauliacum, vermiforme. anlice maxime infla- 
turn, posteriora versus sensim allenuatum, segmentis circiler 
82 minime suhis annularibus separatio, medium versus lon- 
gitudine crescenlibns , duplo fere Iatioribus quam longis, 
prioribus 20 scutis lorisve ventralibus paribus munitis. Scu- 
tum ventrale segmenti buccalis impar, oblonguni, antice trun- 
catum, ceteris longius, cetera paria transversa, anleriora 8, 
primo exceplo , paene alterum tantum laliora quam longa, 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 11] 

utrinque sese proxima vel tangentia , spatio medio paulo 
angustiore distenta, toros parietis lateralis tangentia, se- 
quentia repcnle decrcscentia, a linra ventris media multo- 
que magis inter se dislantia; poslrema mininiu , a segmento 
21 mo omnino nulla. Lobus capitalis valde llexuosus , mi- 
nus quam F. Medusae extensus. Tentactila maxime nu- 
merosa , comam uiagnam cumpouentia , plurima tenuissima, 
nonnulla paulo crassiora sulco longiludinali niunita. Fasci- 
culi setarum capillarium utrinque 40 , a segmento 2do inci- 
pientes. tenuissimi, priores 8 ex pharetra, niargine tororum 
lateralium superiore inserta prodeuntes, fori sculis ventra- 
libus minores, orilicio udumltrato inunili; f'asciculi proximi 11 
pharclrae paulo maiori inferli, piiinula minima uncinigera a 
sculis venlralibus separati, prioribus soepius paulo longio- 
res, lalitudinem ventris hie aequanles, ceteri 21 brevissimi. 
vix distinguendi, ex pinnula uncinigera orti ; pinnulae unci- 
nigerae utrinque 72, a segmento 21rno usque ad extre- 
mum visae, minulae; setae capillares lineares, uncini rostro 
simplici. 

Long, ad 3 unc., lat. max. 0,5 unc. 

Nicht seilen bei Porto re und l'herso in Steinlochern. 

Hüllt sich in einen durclisichligen Schleim , phospho- 
rescirt mit glänzend violettem Lichte. 

Der sehr dünnwandige Körper zerreisst so leicht, und 
geht so leicht in Fäulnis« über , dass ich kaum zwei voll- 
ständige Exemplare mit nach Hause gebracht habe. Der 
Dannkanal beginnt mit einem dünnen, nur im Mundsegmente 
gelbst erweiterten Rohre, welches durch die ersten 7 bor- 
■tentragenden Segmente hindurchgeht, im 8tcn vergrösserl 
sich der Durchmesser des Kanals um das Zweifache, er 
bekommt eine [reibe Farbe *ad diese rührt von einem aus 
uni|egelmissigen mit einander zusammenhängenden Kliimp- 
chen bestehenden, ihn umkleidenden Fettgewebe her. Von 
solcher Beschaffenheit ist der Darmkanal in den nächsten fünf 
Segmenten, darnach wird er sllmäkliah dünner und läuft 
so. ohnt jedoch «veiter jenes Gewebe zu zeigen, in cern- 
rlcr Linie bis zum Knde lies Körpers fort. Der vordere 
Tlieil des Dannkanals isl Dicht bloss an den Grenzen der 
BegmOnlo, sondern auch dazwischen durch Fäden im die 



112 Grube: 

Rückenwand befestigt. Gefässe vermag ich nirgends zu 
erkennen , wohl aber farblose spindelförmige Körperchen, 
die durch die ganze Leibeshöhle wie auch durch die Füh- 
ler hin und her strömen. Im Isten, 2ten und 3ten der 
borstentragenden Segmente befindet sich je 1 Paar dünner 
einfacher Blindschläuche, welche etwa die Länge von drei 
Segmenten haben, mit ihrem vorderen Ende an der Bauch- 
landung befestigt sind, und dort, wahrscheinlich münden. 
So wiederholt sich auch hierin die Organisation derTere- 
bellen, an die schon der erste Anblick eines Polycirrus so 
lebhaft erinnert. 

Die hier angefühlten Beobachtungen habe ich an sehr 
jungen und durchsichtigen Individuen von 0,2 und 0,15 
Zoll Leibeslänge gemacht, an denen die Zahl der (in dieses 
Mass nicht hineingerechnelen) Fühler noch nicht mehr als 
24 betrug, und die sich dieser Organe auch zum Empor- 
kriechen an der Wand von Gläseru bedienen konnten. Viele 
derselben lösten sich beim Sterben ab, an grossen kräfti- 
gen Thieren spielen sie meist fortwährend, sich verlängernd, 
verkürzend, verdünnend, verdickend, hin und her pendelnd, 
sich wellenförmig hin und her schlängelnd . der eine so, 
der andere anders sich bewegend. Was das Aufblähen des 
Körpers betrifft, so beschränkt sich dieses zwar nicht aus- 
schliesslich aber doch vorzugsweise auf die vordersten 13 
Segmente und findet jedenfalls hier am stärksten statt. 

Sabella L. Sav. 

/ 
•J S. brevibarbis Gr. 

Corpus vermiforme, gracilius, latitudine anteriore fere 

Yid longitudinis aequante (branchiis exceptis), teres, ex vi- 

ridi album, segmentis circiter 70, inter setas capillares pe- 

etinemque uncinorum puncto nigro ornatis, sectionis ante- 

rioris iunetis longioribus quam latis. liranchiae aeque lon- 

gae , y, totius animalis vel segmenta fere 23 aequantes, 

albac, viridi imbutae, vittis angustis 6 ex aureo brunneis 

pietae, supra basin brunnescentes: fila branchialia utrin- 

que 15, semiorbem componentia, usque ad apicem brevis- 

sime barbata, paene dentata, Iongitudine barbularum duplam 



Beschreibung neuer o/ler wenig bekannter Anneliden. 113 

filorum latitudinem non excedente, saepius minore, mem- 
brana basilari , (fila coniungente) humillimä , pinnulis dor- 
suiilibus oculisve nullis; lilnin supremuin (i. e. limmi dor- 
suale) brunneum. Tenlacula 2 alba, longitudirie y ä fere 
filorum branchialium aequanle. Collare ex viridi albiini, 
brunneo limbalum, bipartilum, utrinque bilobum, lobo ven- 
trali altiore , animalis vivi mobilissimo. Anus postremus. 
Setae capiliares argenteae , anguslissime limbatae; palcae 
nullae. Tori uncinigeri sectionis anterioris transversae ob- 
longae, posterioris sulco longiludinali bipartitae, ovales, 
priores horuni , singuli allenim tantum laliores quam longi. 
ceteri per se breviores. Mutalio setarum in segnicnto 9no 
observata (m. s. %). Sanguis viridis. 

Long. 1 unc, branchiarum 0,4 nnc, corporis 0,8 unc. ; 
lat. ant. 0,05 unc. 

Tubus animalis 2,5 unc. longus, diametro 0,1 unc., pa- 
riele haud ita crasso, ex limo conl'ecto, extremitate acumi- 
nala cauli Zosterae affixus. 

Gefunden bei Piscbio, nabeCherso; nur 1 Exemplar. 



/ 



Serpula L. Phil. 



S. (Yermilia) galeata Gr. Tal. IV. Fig. 9. 

Corpus vermil'orme , gracilius , subgriseum , laleribus 
ferrugineis pallio pallidius auranliaco, segmenüs lere 107, 
sectione anteriore, % corporis excedente. Branchiae aeque 
longae, pallide püniceae, villis 3 ex violaceo alhescenlibus 
ornalae , Iongiltidiucm scclionis anterioris aequantes; ftla 
branchialia dextrae 20, sinislrac 21, Stylus operculi sinister, 
pallide aurantiacus, processibus nullis armatus. Operculum 
quasi glandiforme, dimidio supcriore rede imposilo, scini- 
globoso, in apicem uncinatum exeunte, olivaceo, d. inferiore 
pallide aurantiaco paulo breviore (?). Setae capiliares band 
limbatae, segmentorum postremorum , producta©, sectionis 
anterioris flavae, (asciculos magnos componentes. tluta- 
tio setarum in segmento 8\o observata. 

Long. 1,55 unc. brancliiariim ((,255 unc.. corporis 1 ,29 | 
lat. 0,095, Long, operculi oun siylo <i.::5 unc. 

Gefunden bei Porto rc, nur 1 Exemplar. 

Aren, für Natur* Jahrg. XXVI. 1 Bd. 8 



114 Grube: 

Die Röhre dieser Vermilia war leider nicht erhalten. 
Der Deckel ähnelt am ersten V. mullicristata, doch ist seine 
obere Hälfte nicht conisch zugespilzt, sondern helmförmig 
gerundet mit plötzlich abgesetzter Spitze, in der Mitte der 
Höhe des Deckels ist er von zwei Ringfurchen umgeben, 
die die Grenze der oberen und unteren Hälfte unbestimmt 
machen. 

Sacnuris Hoffmr. 

J S. barbata Gr. Taf. IV. Fig. 10. 

Corpus filiforme, ulrinque attenuatum, pelhicidum, san- 
guine lade rubro, segmetäis feie PO, medüs paulo latioribus 
quam ceteris, contractis plus allerum tantuni latioribus quam 
longis. Lubus capillitii ex triangulo rotundatus. Setae seg- 
menlorum anleriorum 9 superiores capillares, inferiores un- 
cini, s. ceterorum superiores et inferiores uncini; setae ca- 
pillares lineares, 3-nae, latitudine corporis haud ita brevio- 
res, uncini infra cornei, subfusci, supra pellucidi, acumine 
bidente, haud limbato, superiores singuli, inferiores 2-ni. 

Long, ad 2,15 unc, lat. 0,03 unc. 

Lebt in dem schlammigen Boden des Vranasees auf 
der Insel Chcrso, in einer Tiefe von 31 Faden. 



Erklärung der Abbildungen. 

Alle Figuren sind vergrössert. 
Tafel III. 

Fig. 1. Der vorderste Theil von Polynoe clypeata , von unten ge- 
sehen. 
1. a. Eine der Elylren, von oben gesehen. 

1. b. Ein Stuck von einem der beiden äusseren Fühler, stärker 
vergrössert, um deutlicher die Reihen von fadenförmigen 
Papillchen zu zeigen, mit denen sie besetzt sind. 
1. c. Ein Ruder desselben Thteres. 
Fig. 2. Eine der mittleren Elytren der rechten Seite von Polynoe 

areolala, von oben gesehen. 
Fig. 3. Horizontaler Durchschnitt von Spinther tniniaceus (nach ein- 
zelnen Beobachtungen zusammengesetzt). 






Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 115 

p. Der aus der MundöfTnung herausgestreckte halbrinnenför- 
mige Rüssel, von unten gesehen. 

s. Die unteren stuinpf-conischen Boistenhörker mit je zwei 
Ilakenborsten (von denen aber nur die eine stärker her- 
vortritt), dahinter treten die haarfonnigen Borsien des 
oberen breit ausgespannten und bis fast an die Mittellinie 
des Rückens tretenden Borstenfächers hervor. 

n. Das Organ, das ich für den Cenlraltheil de^ Nervensystems 
halte mit zwei aus seinen hinleren Ecken hervortretenden 
langen Fäden- 
i. Der hintere längere durch Blindsäcke gefiederte Theil des 
Darmkanals, (der vordere nicht erhaltene ist durch punc- 
tirte Conture angedeutet). 
3. a. Verticaler Qnerdurchschnitt von einem der mittleren Seg- 
mente desselben Thieres. Die Leibeshohle rings um den 
Darm ist mit Eierchen erfüllt, die sogar bis in die Höh- 
lung der unteren Borstenhücker treten. 

3. b. er. Eine der zusammengesetzten rraken borsten dieser Anne- 

lide, ß. eine der gabligcn. dem Rücken angehörigen. 
Fig. 4. Vordertheil von Phyllodoce (Eulalia) macroceros, von oben 
gesehen. 

Von den vier Fühlercirren der linken Seile sind ausser 
dem auffallend breiten blatlf'ürmigen noch der eiste dem 
Mundsegmente angehörige und der hinterste .lein 3ten 
Segmente angehörende erhallen , von dem oberen des 
2ten Segments sieht man nur das dicke Grundglied. 

4. a. Einer der blattförmigen Rücken- und Baucheirren des- 

selben Thieres. 

4. b. Eine seiner Borsten. 

Fig. 5. Vordcrtheil von Phyllodoce (Evlalia) jivnclifera, von oben 
gesehen. 

5. a. Eines ihrer mittleren Ruder. 

Fig. f). Vordertheil von Syllis rariegala, von oben gesehen. 

6. a. Einige der nächstfolgenden Segmente mjl ihrer charakte- 

ristischen Rürken/.eiehnung. 

6. b- Eine der Borsten. 

Fig. 7. Vordcrtheil von Syllis zebra, von oben gesehen. 

7. a. Ein paar Bürsten derselben Annelnle. 

Fig. H. Vordertheil von Syllinc lutirjocin titn, von oben gesehen. 

8.8. Derselbe von unten gesehen, um die Verwechsasg der 
fjnrctl ein blosse Längsfurche getrennten Sliruposler zu 

Beigen. 

8. b. Eine der Kumten dieser Annelide, 



116 Grube: 

Tafel IV. 

Fig. 1. Vordertheil von Ueterocirrus frontißlis, \on oben gesellen, 
c. Die beiden Fühlercirren. 
b. Die drei Kiemenfäden jeder Seite. 

l.a. Der obere und untere Borsten höckei eines Segmentes mit 
den ihnen eigentümlichen Papillen. 
Fig. 2. Ein verticaler Querdurclischnitt von einem der vorderen 
Segmente von Cirratulus tettuisetis: die beiden Borstenbün- 
del jederseits treten aus der Seitenwand hervor. 

2. a. Ein ähnlicher Durchschnitt von einem der hinteren Seg- 

mente: die Borstenbündel treten an der Bauchwand hervor. 
Fig. 3. Vordertheil von Clymene leiopygos, von oben gesehen. 

3. a. Das {linierende derselben Clymene , von unten gesehen. 

p. Das glattrandige schüsscl Förmige Endsegmenl, aus des- 
sen Hohllläche der kegelförmige Alter hei vortritt. 

3. b. Ein paar Ilakenborsten aus einem der Ilakenkämme. 
Fig. 4. Vordertheil von Maldane gltbifex mit ausgestrecktem Rüssel, 

von der linken Seite. 

4. a. Ilinlerende derselben Annelide, von unten gesehen, a. 

Der After. 
4. b. Das Endsegment allein halb seillich und von oben, um 

seine Rückenplatte zu zeigen, a. Der After. 
4. c. Eine der Ilakenborsten dieser Annelide aus ihrem Wulste 
herausgenommen. 
Fig. 5- Ein paar Segmente aus der hinteren Leibesabtheilung der 
Terebella cretacea, der durch Furchen gefclderte Rücken ist 
in der Zeichnung nach unten gekehrt, die nach der Bauch- 
seite laufenden Platten mit den Wülsten der Hakenboisten 
nach oben. 
Fig. 6. Ein paar Segmente der vorderen Leibesabtheilung der Te- 
rebella turrita, seitlich gesehen. 
Fig. 7. Vordertheil von Terebella pustulosa, von der Seile und obeu 
gesehen. 

b. b. Die aus einfachen Fäden bestehenden Kiemen, 1 die 
polstei artig vei dickte den Rücken einfassende Seilen- 
wand, aus der die "Borstenhöcker und Wülste der Ha- 
kenborsten u hervortreten. 
Fig. 8. Vordertheil von Polycirrus aurantiacus, von der Bauchseite. 
Fig. 9. Deckel von Serpula (Vermilia) galeata. 

Fig. 10. Vordertheil von Saenuris barbata , von oben gesehen. v d 
das vorn in zwei Aeste gespaltene Rückengefäss auf dem 
Darme. 
10. a. Ein paar Hakenborsten dieser Annelide. 



Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden 117 

Tafel T. 

Fig. 1. Vorriertheil von Spiophanes Kroyeri, von der Rücken seite. 
et Die Fühlercirren des Mundsegments, L der in dasselbe 
eingedrückte, zwischen ihnen befindliche Kopfhippen, t 
sein Fühler, Svi das 6te Segment, mit welchem der 
Körper breiter und die Stellung der Borstenbündel und 
ihrer blattartigen Lippen eine andere wird. 

Fig. 2. Terebella flexuosa, Vordertheil von der Rückenseite. 

1' Die seitlichen an der Bauchflache verbundenen Lappen 
des Mundsegments, l 3 die seitlichen Lappen des 3ten Seg- 
ments, Sn der Milteltheil des 2ten Segments, auf dem die 
Kiemen sitzen. 

2. a. Die flach gedrückte aus gleichartigem Schlamme gemachte 

in einer Ebene hin und her gewundene Bohre dieser Te- 
rebella in natürlicher Grösse. 
Fig. 3- Amphieteis groenlandica y Vordertheil von der Rückenseite. 
L. Der vordere (Stirn-) Theil des Kopflappens, über den 
die an seiner Unterfläche sitzenden Fühler t hinausra- 
gen, L' der hintere Theil desselben; auf der Grenze bei- 
der Theile der beiden wulstigen queren Falten. Si das 
Mundsegment, Sil das zweite Segment mit seinen ge- 
walligen Borslenköchern , b die Ansätze der zum 3lcn 
Segmente gehörenden Kiemen, pl die durchsichtige nach 
vorn überliegende Falte , die die beiden Gruppen der 
Kiemenfäden mit einander verbindet, f 1 das Borstenbü- 
m In l< Ihm desselben Segments. 

3. a. Ansicht des Vordertbeils von der linken Seite, weniger 

vergrossei t. 

I. Die Unterlippe des lsten oder Mundsegments, durch eine 
Furche von ihm abgesetzt, Svi das Gtc Segment, das- 
jenige , an welchem zuerst unter dem seitlichen Bor- 
■teobflndel ein Fleischen (Pinnula) auftritt. 
3. b. Die Segmente der hinteren Körperabtheilung, die nur Pin- 
nolae tragt, von t\vv linken Seile gesehen : im jeder die- 
ser Pinnulen lauft der obere Hand in ein FAdchen aus. 
3. c. Die hintersten Segmente und das Kndsegmenl mit seinen 
zwei Cirren. 
Fig. 4. Amphieteis intalida % Vordertheil von oben gesehen. 

b. Dir vier Kiemen jeder Seile, pl die sie veihindende 

durchsichtige Falte. 
■\. m. Duselbe Tbier, ganze Figur, minder vergrößert von oben. 
4b. Bio paai Lfncinl Ihrer Pinnuten sehr stark vergrössort. 



HS Grube: Besch. neuer od. wenig bekannter Anneliden. 

Fig. 5. Amphicteis hrevispinis, von oben gesehen, vergrössert. 

sp. Die acht auffallend kürzt n stark glänzenden Stacheln 

an jeder Hälfte der Vorderseite des 2tcn Segments. 
Bei A. invalida und i revispinis kann die breitere Körper- 
gestalt theils davon herrühren, dass diese Arten zartere 
Wandungen besitzen, theils davon, dass sie in minder 
starkem Weingeiste gelegen haben mögen- 

5. a. Rnhre von A. hrevispinis in natürlicher Grösse. 

Fig. G. Amphivteis aetdifrons, Vordertheil von unten gesehen, ver- 
grössert. 

6. a. Die letzten Segmente der hinteren Körperabtheilung und 

das Endsegment mit seinen zwei seitlichen (den Pinnulen 
entsprechenden) Fortsätzen und acht Citren. 






Heber einen neuen Fisch. 

Briefliche Mittheilung- an den Herausgeber. 

Vom 

Fürsten zu Salm-Horstmar. 



I eli habe in einem kleinen Bache bei Coesfeld, genannt 
der Hühner-Bach (der in der Quelle im Sükerhok entspringt 
und oberhalb Coesfeld in die Berkel mündet) einen merk- 
würdigen Fisch entdeckt; — dieser kleine Fisch hat die 
Grösse eines Stichlings Gasterosleus aculeatus und ober- 
flächlich betrachtet auch das Ansehen eines Stichlings. — 
Er unterscheidet sich aber sehr specilisch vom Stichling, 
indem 

1) sein Unterkiefer oder dessen Spitze weit zurücksteht 
im Verhältnisse zur Spitze des Oberkiefers; der Un- 
terkiefer ganz anders ist; 

2) sieh an der Spitze des Unterkiefers ein merk- 
würdiger m eissei förmiger Zahn befindet, dessen 
Schärfe fein gekärbt unter der Lupe erscheint. Im 
Profile ist der Zahn so fi • 

Ich fand diesen Fisch todt auf dem Sande des Baches 
liegen, vor einigen Jahren. Ich habe das Exemplar aber 
leider nicht aufbewahrt, weil ich zur Zeit diesen 
Fisch für einen Stichling hielt und mir vornahm 
gleich lebende Exemplare zu verschaffen, denn ich kannte 
die Anatomie des Stich HngS nicht. Wie gross war 
meine Ueberraschung, als ich lebende Stichlinge untersuchte 
und bei ihnen weder den meisselförmigen Zahn noch das 
\ Yrhältniss von Ober- lind I'iiler-hiefcr fand. — Ich gab 
drin Fischer Auftrag einen solchen Fisch unter den Stich- 
Hngen /.u suchen. Er brachte mir eine .Masse Stichlinge, 
erklarte aber, dass er keinen solchen, wie ich ihn ver- 



120 Sol m-H o rstmar: Uebei einen neuen Fiseli. 

langte, finden könne. Ich gab mich nun selbst an die Ar- 
beit, allein mit gleichem Erfolge wie der Fischer, und aus 
sehr einfachen Gründen , denn die Zahl der Stichlinge ist 
ungeheuer und wenn sich also diese neue Fischart nur 
in wenigen Exemplaren darunter findet, so kann man 
nur durch einen glücklichen Zufall diesen Fisch finden, da 
Grösse und Ansehen so gleich sind, besonders bei der 
Kleinheit Beider. 

Ich werde mir aber alle Mühe geben, diesen merk- 
würdigen Fisch noch einmal zu bekommen, ihn dann in 
Spiritus setzen und gleich an Sie schicken. 

Ich bitte aber einstweilen diese Notiz in einem zoolo- 
gischen Journale mitzutlieilen, damit das Factum wenigstens 
nicht verloren geht für die Wissenschaft. 

Coesfeld bei Münster, d. 26. Febr. 1860. 






Alepidosaurns , ein Meerwels. 

Von 

Dr. Albert Günther. 



Cuvier hat in seiner Familie Scomberoidei viele ver- 
schiedenartige Fische zusammengestellt, während er andere, 
die den typischen Formen sehr nahe stehen, daraus weg- 
liess. Andere Geschlechter, die von späteren Zoologen ent- 
deckt wurden, und in diesem oder jenem Punkte eine Ue- 
bereinstimmuug mit einem Scomheroiden zeigten, mussten 
die unnatürlich^ Gruppirung vermehren. Zu den letzteren 
gehört Alepidosaurns fero.x , der durch Lowe beschrieben 
wurde (Proceed. Zoolog. Soc. 1833. p. 104. Transact. Zool. 
Soc. I. p. 124. pl. 19 et p. 395. pl. 59. Vol. IL p. 181). Die- 
ser gründliche Naturforscher, dem wir die zuverlässigsten 
Nachrichten über die Fauna Madeira's verdanken, täuschte 
sich in diesem Falle über den Bau der Rückenflossen-Strah- 
len. Dieselben sind nicht die ungegliederten Knochen der 
Acanthopterygier, sondern sie sind weich, und ihre Glie- 
derung erscheint nur darum undeutlich, weil die einzelnen 
Gelenke durch grosse Zwischenräume von einander ge- 
trennt sind, und jeder Strahl, trotz seiner Länge, nur aus 
Wenigen Gliedern bestellt. Die Abwesenheit der Stachel- 
flosse wäre zwar an und für sich noch kein Beweis für 
die Stellung unseres Fisches unter den Weich flossera ; meh- 
rere ächte Acanthopterygier entbehren einer solchen, aber 
andere Charaktere helfen uns dann, die natürliche Stellung 
derselben ZU erkennen, und der Platz, WO die Stachel-Flosse 
Stehen sollte . ist nichl von der weichen Dorsalis einge- 
nommen, wie "dies bei Alepidosaürus der Fall ist. Die 
Stachelflosse isl in jenen nur verkümmert Minima). 

Nehmen wir nun noch hiezu die Gegenwart der Fell- 



]22 Günther: 

flösse in Alepidosaurus, und die abdominale Stellung seiner 
Baucliflossen , welche aus einem unverzweigten und neun 
verzweigten Strahlen bestehen, so können wir nur zu dem 
Schlüsse kommen, dass dieser Fisch ein ächter Weichflos- 
ser ist. Die Schwimmblase "fehlt, wie vielen anderen Phy- 
sostomi. 

Den Aufschluss, zu welcher Familie der Physostomi 
Alepidosaurus zu stellen sei, habe ich an seinem Skelete *) 
gewonnen. 1) Das Suboperculum fehlt; es ist er- 
setzt durch den Zwischendeckel, der an Grösse dem Oper- 
culum gleichkommt. 2) Der Rand der Oberkinnlade 
ist allein durch das Zwischenkieferbein gebil- 
det; es ist seiner ganzen Länge nach mit einer Reihe klei- 
ner Zähne bewaffnet , es ist sehr schwach und nur vorne 
erweitert es sich zu einer beinahe durchsichtigen Lamelle. 
3) Das Oberkieferbein ist verkümmert: während 
es in Süsswasser -Welsen mit kurzem Schädel im Längs- 
durchmesser verkürzt ist, ahmt es hier, in Alepidosaurus, 
die langgestreckte Form der Schädelknochen zwar nach, 
ist aber nicht dicker als eine Nadel und bleibt nur bei 
sorgfältiger Präparation des Schädels erhalten. 

Diese osteologischen Charaktere weisen , trotz aller 
Verschiedenheit der Form, ganz entschieden auf eine nahe 
Verwandtschalt unseres Fisches mit den Siluroiden hin ; dazu 
kommt noch , dass er schuppenlos und ein Raubfisch ist, 
dass er, wie die meisten Arten dieser Familie, eine Fett- 
flosse hat, und dass er, wie alle, der Blinddärme entbehrt. 
Die Verwandtschaft giebt sich sogar in einigen weniger 
bedeutenden Merkmalen zu erkennen, z. B. durch den äus- 
seren Brustflossenstrahl , welcher verstärkt und gezähnelt 
ist. Wir haben also in Alepidosaurus das erste Beispiel 
eines Meer -Welses; und will man nicht, die Einheit der 
Süsswasserwelse durch die Beifügung von Alepidosaurus 



s ) Eine ausführliche Beschreibung des Skelcts, werde ich im 
Verlaufe meines „Catalogue of fishes" geben. Im Allgemeinen zeich- 
net es sich durch einen auffallenden Mangel der erdigen Bestandtheile 
aus , wie die Muskeln durch die äusserst geringe Entwicklung des 
Bindegewebes. 






Alepidosaurus, ein Meerwels. 123 

stören , so mag- man eine eigene Familie — Alepidosauri- 
dae — mit den f harateren des Geschlechtes bilden, welche 
dann ihren Platz unmittelbar neben den Siluroiden einneh- 
men wird. 

Es ist zu erwarten , dass Alepidosaurus ferox nicht 
die einzige Art dieser Gruppe bleiben wird. Der Fisch, 
welchen Richardson nach einem Schädclfragment von 
Van- Diemens -Land als Alcpisaurus sp.? beschrieben h:it 
(Voy. Ereb. et Terror. Ichthyol, p. 34. pl. 22. fig-. 1 — 4) ist 
identisch mit dem von Madeira, wie ich mich durch eigene 
Untersuchung überzeugt habe , und so weit sich die Cha- 
raktere aus dem vorhandenen Materiale ermitteln lassen. 
Seine Behauptung, dass Alepidosaurus zu den Sphyraeni- 
d»e gehöre', beruht auf einer sehr oberflächlichen Unter- 
suchung. — Allein Herr Lowe erzählt mir von einer 
anderen , unserem Fische sehr ähnlichen Art , welche die 
Fischer in Madeira nicht selten in grosser Tiefe an der 
Angel fangen. Die Verbindung der Wirbel , der Knochen 
des Schädels und der Muskel-Segmente ist jedoch so lose, 
dass der Fisch durch seine eigenen Anstrengungen sich 
zu befreien, in Stücke zerbricht, und die Fragmente, welche 
man von ihm an die Oberfläche zu bringen im Stande ist 
an der Luft zerfallen , wie wenn sie durch Kochen aufge- 
löst worden wären. 

London im März 18G0. 






Anabas trifoliatns n. sp. 

Von 

Prof. J. Kaup. 

(Hierzu Taf. VI. Fig. A). 



Wenn man anhiebt, ilass ein Süsswasserlisch zugleich 
auf dem Festlande und auf seinen weit entfernten Inseln 
vorkomme, so darf man wolil so lange zweifeln, bis die 
Identität äusserlich und innerlich nachgewiesen ist. Die 
Grossherzogliche Sammlung erhielt in diesem Jahre von 
Java zwei Anabas scandens durch den Herrn Militärarzt Dr. 
Wienecke, die auch ich für A. scandens ansah. Um 
den merkwürdigen Ohrapparat zu sehen, entfernte ich den 
ganzen lüemendeckel und einen Theil des Kopfes und fand 
zu meinem Erstaunen, dass dieser Apparat bedeutend einfacher 
bei dem javanischen scandens, als an dem Indischen des 
Festlandes ist, wie er C. V. pl. 205 abgebildet ist *-): Meine 
zwei Exemplare können nicht zu dem macroeephalus Blkr. 
gehören, der ebenfalls auf Java vorkommt, weil sie in den 
Kopfdimensionen von der Abbildung nicht abweichen , die 
Cuvier und Valeniennes in dem VII. Bande auf PI. 193 
gegeben haben. 

Meine Angabe, das der javanische scandens von dem in- 
dischen anatomisch verschieden ist, stellt alle Angaben, was 
Verbreitung betrifft, in grosse Frage und es ist anzunehmen, 
dass alle Exemplare auf Inseln, nahe oder weit entfernt vom 
indischen Festlande, nicht zu dem eigentlichen scandens 



•) Ob dieser Kopf mit Anabntcs sennal bezeichnet der wirkli- 
chen Ferea scandens Daldorf angehört , bleibt vorderhand fraglich, 
da C ti v i e r und Valenciennes nicht erwähnen , dass sie Indivi- 
duen aus der Nahe von Tranquebar gehabt haben. 



Kaup: Anabas liifoliatus. 125 

Daldorf gehören ; ja es ist sogar erlaubt zu zweifeln, ob 
der chinesische scandens nicht ebenfalls einer anderen Art 
zugerechnet werden kann. 

Alles dies lasse ich aus Mangel an Exemplaren einst- 
weilen auf sich beruhen und gehe auf den javanischen scan- 
dens zurück. Aeusserlich sind beide Exemplare dem scan- 
dens täuschend ähnlich und die Strahlenformel seihst: D. 
17—18/9. A. 10/9. P. 15. C. 20 zeigt sehr unwesentliche 
Abweichungen. Meine Angabe der Caudal könnte sich eben- 
falls auf 16 rcduciren lassen, allein ich habe nach oben 
wie unten zwei rudimentäre Strahlen , die unter Haut und 
Schuppen verborgen liegen , dazu gezählt. Das einzige 
wesentliche Kennzeichen, das ich fand, ist, dass der Körper 
vertikal etwas höher ist und vom ersten Analdorn aufwärts 
15 Schuppen zählt, während bei dem indischen nur 12 — 13 
zu zählen sind. Bei meinen Exemplaren geht die Late- 
ral des Schwanzes nicht oder nur bis zu der Schuppen- 
reihe , auf welcher die grössere Lateral sich endigt. Bei 
dem indischen geht die Lateral des Schwanzes zwei Schup- 
pen weiter unter der eigentlichen Lateral nach vorn hin. 
Ob dieses ein festes Kennzeichen ist, bezweifle ich, da die 
Länge oder Kürze der Schwanzlateral Variationen unterwor- 
fen zu sein scheint. 

Vergleicht man hingegen das Iabyrinthförmige Blätter- 
organ über den Kiemen mit dem, welches Cuvier und Va- 
lenciennes auf PL 206 mit der Bezeichnung Anabas sen- 
nal gegeben habt n , so stellt es sich heraus, dass dieses 
bedeutend einfacher, weniger gefaltet und nur mit drei ein- 
fachen Blättern, wovon das kleinste auf dein zweiten und 
dieses auf dem 3ten liegt, versehen ist. Bei den indischen 
sind vier solcher übereinander liegender Blätter, die koin- 
plicirlere und an den Bändern viel zahlreichere Falten und 
Buchten zeigen. 

Bei dieser Gelegenheit imiss ich darauf aufmerksam 
machen, dass man das Faktum, welches v. Daldorf und 
John in Tranquehar an der Perca scandens beobachte! 
haben, das« dieselbe Bäume erklettert, um in dem &nge- 
»aiiiiiiill.ii Wasser der Blatter eine Zeit lang zu leben, 
vielfach bestritten hat. 



126 Kaup: 

Hamilton in seinen Fischen des Ganges läugnet es 
sogar und sagt, dass es eine Zufälligkeit gewesen sei, dass 
Daldorf den Fisch fünf Fuss hoch an dem Stamme eines 
Bornssiis Ilabelliformis gefunden habe "j. Daldorf er- 
zählt jedoch die Art und Weise , wie er klettert und sagt, 
dass, ehe er den Fisch aus einer Spalle der Rinde genom- 
men habe, er sich anstrengte noch weiter zu klettern. Aehn- 
liches erzählt John, der sagt, dass man ihn in der Tamul- 
sprache Pannei-eri nenne, was Baumkletlerer bedeute. In 
Pondichery wird er noch heute nach Leschenault Pane 
ere genannt. Unter den neueren Reisenden erwähnen Cu- 
vier und Valenciennes, die nicht abgeneigt sind, die 
Daldorf'sche Angabe für wahr zu halten, auch Rein war dt 
und sagen von ihm, dass dieser nichts Aehnliches von dem 
javanischen Anabas scandens erwähnt habe, ebenso wenig 
Leschenault bei den Exemplaren, die er in Pondichery 
gefunden hat. 

Da die zwei Arten , mein Anabas Irifoliatus und ma- 
crocephalus Blkr., die in Java vorkommen, nicht zu Anabas 
scandens gehören, so fällt der Gewährsmann Reinwardt von 
selbst weg, denn es ist eine Möglichkeit, dass nur eine 
Art, die vorzugsweise ausgerüstet mit sehr komplicirtem 
Labyrinthorgane ist, die Eigenschaft hat, Bäume zu besteigen. 

Zu bedauern ist es, dass weder Daldorf noch J o hn 
sagen konnten, dass sie diesen Fisch ausserhalb des Was- 
sers mehrmals auf den Teichen naheslehenden Palmen haben 
klettern gesehen; allein ich glaube, dass sie die Beobach- 



*) Man könDle sich das Auffinden eines Fisches an der Rinde 
einer Palme, 5 Fuss hoch über dem Spiegel des Teiches, nur durch 
eine vorhergegangene 5 Fuss hohe Ueberschwemmung erklären , von 
der jedoch die Erzählung von Daldorf keine Silbe erwähnt. Eine 
5 Fuss liefe Ueberlluthung ist jedoch nicht so schnell , wie ein Re- 
genguss verlaufen , um einen Anabales trotz seines Apparats lebend 
zu erhalten. Hier ist von keinem Zufall die Rede und wenn Hamil- 
ton ollen gegen Daldorf auftreten wollte, so hätte er ihn unum- 
wunden beschuldigen müssen, dass er der Welt ein Märehen aufge- 
bunden hat. Gegen dieses würde jedoch der Tamul'sche und Mala- 
barische Käme Pannei-eri nnd Pane-ere streiten. Ohne allen Zweifel 
klettert der Anabes scandens in der Kähe von Tranquebar. 






Anabas trifoliatus. 127 

tung nicht w iederholen wollten, weil es bei Tranquebar ein 
bekanntes Factum ist und das Volk diesen Fisch ja den 
Kletterfisch nennt. 

lim einen Reisenden einer Unwahrheit zu bezüchtigen, 
namentlich wenn seine Erzählung ans Wunderbare streift, 
dazu gehört die grösste Vorsicht, namentlich, wenn man 
ihn nicht durch eigene Beobachtung widerlegen kann. Ist 
der Ganges Anabates anatomisch von der Perca scandens 
Daldorf bei Tranquebar verschieden, etwa wie der javani- 
sche von dem, welchen Cuvier und Val en c iennes un- 
ter dem Namen A. scandens abgebildet haben, so fällt die 
Beschuldigung von Hamilton, dass John und Daldorf 
eine einseilige und zufällige Beobachtung gemacht hätten, 
auf ihn selbst zurück. Bis dahin sind die Akten leider 
nicht geschlossen und die Exemplare aus den verschiede- 
nen Flüssen Indiens und Chinas nicht genau genug 
untersucht *). 

Berichte von sonst glaubwürdigen Männern zu be- 
zweifeln, ist selbst bei der Lebensweise einer und dersel- 
ben Art nicht gut zu heissen , denn es giebt Arten, die 
sich den Verhältnissen der verschiedenen Länder eines Welt- 
theils anpassen. So ist unsere scheuste Taube, die Rin- 
gellaube, Columba paluinbus, in Paris und den holländischen 
Städten last halbes Ilausthier, die sich bis auf wenige Schritte 
nahe kommen lässt, während bei uns sie auf tausend Schrille 
entflieht. Ich habe sie von höheren Häusern auf ihren 
Nestern brütend gesehen, während sie in unseren Waldun- 
gen, einigemal am Neste gestört , dieses sogleich verlässl. 
Die Entgegnungen des Heisenden Tschudi gegen die Be- 
obachtungen des liebenswürdigen Schomburgk, dass der 
Vull u r papa in Peru in Gesellschaft mit den kleineren Geiern 
auf einem und demselben Aas sich nähre, und dass die 
Rehomburgk'sche Erzählungen längst vor ihm von vielen ür- 
nilhologen angeführt, Indianer-Härchen seien, nach welchen 



") Bleck i'i iiiiIitm lniclii bereit«: \) scandens mein tiifulia- 

u " J -I '"■" iphalui, J;.v;i. Stimuli», KoMDg cl lim im .1 ; ;i) uligo- 

Upj*i Borneo; 4; microoepfaeliu, Auiboiiiu ; b) variegalus, Cekbus. 



128 Kaup: Hoplarchus, neues Genus der Familie Labridae. % 

derVultur papa sich zuerst saftige und später erlaube, dass 
auch diese ihren Hunger stillen , werden sich sicher als 
ungerecht herausstellen. Liindessitle ■ — Landesart kann 
man auch bei vielen Vogelspccies sagen. Selbst wenn der 
Ganges Anabates identisch mit dem von Tranquebar wäre, 
so könnte doch zwischen beiden ein Unterschied in der 
Lebensart sein. 

Dar in Stadt im März 1860. 



Hoplarchus, neues dentis der Familie Labridae. 

Beschrieben und abgebildet 

von 

Prof. J. Kaup. 

(Hierzu Tat. VI. Fig. 1). 

Diagnose. Zähne in mehreren Reihen, die klein, kurz 
und konisch sind. Die vordere Reihe besteht aus Zähnen, 
die alle von gleicher Grösse und etwas stärker und 
an den Spitzen gebräunt sind ; die oberen etwas länger 
als die unteren. Die Schlundzähne gleichen einer Katzen- 
kralle und sind ebenfalls am Ende gebräunt. Lateral deut- 
lich unterbrochen mit einfachen Porenröhren. 

Beschreibung. Schon allein diese vorangesandte Diag- 
nose unterscheidet dieses Genus von allen bis jetzt bekann- 
ten Genera , bei denen bis jetzt kein Genus unterschieden 
worden ist, bei welchen nicht grössere Zähne am Anfange 
des Kiefers sich zeigen. Zu obigen Charakteren kommt 
jedoch noch eine Summe von Kennzeichen, die dieses Ge- 
nus auszeichnet. So lallt der Kopf nach der Schnauze hin 
plötzlich ab , ohne jedoch die schneidende Stirnkante der 
Novacula und Xyrichthys anzunehmen, die Stirn ist viel- 
mehr so breit oder noch breiter als der Diameter des Au- 
ges. Der Präoperkel ohne alle Zähnlung ist vor seinem 



Kaup: Uoplarchus, neues Genus der Familie Labridae. 129 

anteren Winkel schwach oder sehr bedeutend ausgebuchtet 
mit 2 bis 3 Gruben. Wangen und der ganze Operkel mit 
Schuppen bedeckt. Schnauze von den Augen an, so wie 
der Unterkiefer nackt. Das hintere Nasenloch, grösser als 
das vordere, sitzt nahe hinter demselben und beide stehen 
dem Sehnauzenrande näher als dem Auge. Ihre Körperge- 
stalt scheint bei allen Arten ziemlich hoch zu sein. Die 
Lateral mit einfachen nicht verästelten Porenkanälen zieht 
bis gegen das Ende der weichen Dorsal, bricht hier plötz- 
lich ab und setzt sich auf dem Schwänze fort. Die Sta- 
cheln der Dorsal und Anal zeigen kleine Läppchen an den 
Membranen, die über die Stacheln vorragen; die Stacheln 
sind meist stark, namentlich die der Anal. Alle weiche 
Flossen und Flossenthcile ungewöhnlich verlängert. Die 
Schuppen am Rande rauh und sehr fein gezähnelt. Ich 
kenne in natura nur zwei Arten des Münchener Museum, 
von denen jedoch leider Nichts bekannt ist, und von wel- 
chen man nicht weiss , in welchem Meere sie gefangen 
wurden. 

1. Uoplarchus pe?itacanthus Kp. 
Taf. VI. Fig. I. 

Mit fünf Stacheln in der Anal, wovon der 5te fast so 
lang ist, als die halbe Körperhöhe. Diese Art hat durch 
die fünf Stacheln der Anal einige, jedoch nur weit entfernte 
Ähnlichkeit mit einigen Acantholabri , bei welchen die 
Stacheln nicht so entwickelt vorkommen , denn bei Palloni 
hat der öle Stachel die Länge von einem Drittel der Kör- 
perhöhe, während er bei dieser Art fast die Hallte beträgt. 
Die Stirn ist schwach convex. Augen gross und ihr 
Diametcr ist gleich der Breite der Stirn und gleich der 
Länge vom Augenwinke] bis zum [lande des Zwischenkie- 
fer« in gerader Linie gemessen. Die Wangen sind mit 
lo bis II Reihen kleiner Schuppen bedeckt und lassen die 
totere Hälfte unbedeckt. Der Präoperkel zeigt am Rande 
Spuren von Schuppen, ist vor dem Winkel deutlich ausge- 
buchte t und mit 3 nach unten offenen Narben versehen, 
wovon die obere an der Bucht und die 2 unteren an dem 

Aicl.iv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. IM. 9 



130 Kaup: 

rund vorspringenden Winkel stehen. Zwei Närbchen am 
Rande einer faltigen Erhöhung nächst den Lippen. 

Der Zwischenoperkel mit einer oder zwei Reihen Schup- 
pen. Operkel höher als breit mit 12 Reihen, 6 bis 11 in 
einer jeden, scharf von oben nach vorn laufender kleiner 
Schlippen und kleinem häutigen Läppchen am winkeligen 
Ende. In vertikaler Höhe mögen etwa 24 und in der ho- 
rizontalen Richtung gegen 40 gewesen sein. Ihre Zahl 
konnte nicht ganz genau ermittelt werden , da der grösste 
Theil der Schuppen fehlt und die Zahl nur nach den Zel- 
len, worin das Wurzelende steckt, gegeben werden konnte. 
Die Lateral kann aus 18 bestanden haben. Die letzte der- 
selben steht unter dem 3ten weichen Strahle der Dorsal. 
Anf dem Schwänze haben sich alle 5 Schuppen der Late- 
ral erhalten. 

Die Dorsalstacheln nehmen von vorn nach hinten an 
Länge zu, so dass der löte der längste von allen ist; er 
zeigt eine Länge gleich dem doppelten Diameter des Au- 
ges. Der 4te Strahl der weichen Dorsal ist mit dem 5ten 
der längste und hat eine Länge , die fast der Körperhöhe 
gleich ist. Von der 6ten nehmen sie schrittweise bis zur 
letzten an Länge ab. 

Die Analstacheln sind sehr entwickelt und am vorde- 
ren Rande gefurcht; die erste hat etwa ein Drittel der 
Länge vom letzten. Die weichen Strahlen derselben, die an 
den Spitzen sich nicht erhalten haben, werden wahrschein- 
lich ähnlich wie die der weichen Dorsal verlängert gewe- 
sen sein. 

Die Caudal, lang und zugespitzt, hatte eine Länge gleich 
der Höhe des Körpers unter dem ersten Strahle der wei- 
chen Dorsal gemessen. '/ 3 ihrer Länge war beschuppt. 

Die Ventral zeigt den lsten und 2ten Strahl spitz 
verlängert, so dass die Spitze des ersten Strahls den 4ten 
Stachel der Anal erreicht; sie ist an' der Wurzel gelblich 
und gegen das Ende hin schwarz. Die schwarze Pectoral 
scheint halbe Rumptlänge gehabt zu haben. 

Die Grundfarbe scheint schmutzig gelbbraun gewesen 
zusein, während Kopf und Flossen schwarz erscheinen. Vom 



Hoplarihus, neues Genus «1er Familie Lnbridae. 131 

Ange über die Wange eine breite licbtere grau violette 
Binde. 

D. 15/12. A. 5/9. P. 16. C. 10/8. Vaterland? Süd- 
Amerika. 

2. Roplarchus planifrons Kp. 

Diagnose: Stirn breiter als der Diameter des Auges 
und vollkommen eben. Drei Anulstacheln von normaler 
Länge. 

Beschreibung: Diese Art weicht weniger von der all- 
gemeinen Bildung der Lnbridae ab, allein gehört nach der 
Zahnbildung, dem steilabfallenden Kopfe und der deutlich 
unterbrochenen Lateral mit einfachen Porenkanälen in die 
Nähe der Art, die hier unter dem Namen pentacanthus be- 
schrieben ist. 

Ausser den Kennzeichen der Art unterscheidet sich 
dieselbe durch folgende Kennzeichen : 

1) Da die Stirn flach ist, so scheinen die kleineren 
Augen noch höher zu stehen, indem sie sich am Bande der 
Stirn befinden, die etwas breiter als der Diameter des Au- 
ges ist; auch fällt das Profil steiler ab. 

2) Die Schuppen des Kopfes sind wie die des Kör- 
pers grösser , so dass auf den ganzen Wangen nur drei 
Beiden Schlippen zu seilen sind; noch grösser sind die 
Schuppen des eigentlichen Kiemendeckels , der mit etwa 
10 Schuppen bedeckt ist, zu welchen etwa noch 7 kommen, 
die auf dem Inlcr- und Subopcrkel liegen. Die grösseren 
zeigen unzählige concentrische feine Ringe. Der Präoper- 
kcl zeigt nur auf dem unteren horizontalen Bande zwei 
deutliche Narben in der Nähe des schwach vorspringenden 
Winkels. Der vertikale Rand zeigt zwei minder deutliche, 
die weit von einander stehen. 

3) Die Zahl der Schuppen in einer vertikalen Beihe 
Ist 10 und die in horizontaler Richtung ist etwa 22. 

4) Die vertikale Höhe gehl dreimal in die Körper-Länge. 

',) Weder die Dorsal - noch Analstacheln sind so ent- 
wickelt, wie bei der vorigen Art, auch sind die weichen 
Flossen nicht so verlängert, denn weder die Pectoral noch 
die Ventral erreicht den Anus und der weiche Theil der 



132 Kanp: Hoplarclius, neues Genus der Familie J.almdae. 

J)orsal und Anal überreicht kaum »/, der Caudal, die wahr- 
scheinlich schwach ausgeschnitten war. 

Die Grundfarbe ist dunkelbraun , gegen den Rücken 
hin schwarzbraun und gegen den Kopf hin lichtbraun. Wei- 
cher Theil der Dorsal und der Caudal mit dunklen und 
lichteren Flecken. Pectoral und Ventral lichtbraun, letztere 
nach den Spitzen hin dunkler. D. 15/10. A. 3/8. P. 14. 
C. 10/8. 

In dieses Genus scheinen noch zwei Bloch'sche Arten 
aus Surinam zu gehören, die ich in dem grösseren Fisch- 
werke von Cuvier und Val enci ennes nicht aufgenom- 
men finde. Es sind die Arten: 

3. Labrus punetalus Bloch 295. fig. 1. 
Bloch et Seh. Syst. p. 251. nr. 37. 

Diese Art gleicht noch am meisten meiner ersten Art 
durch die Verlängerungen aller weichen Flossentheile und 
Flossen, allein unterscheidet sich wesentlich durch die Ra- 
dienformel. D. 15/10. A 4/8 und durch die Zeichnung. 

4. Labrus melagaster Bl. 296. fig. 1. 
Bloch et Seh. Syst. p. 246. nr. IG. 

Sie gleicht am meisten meiner zweiten Art planifrons 
und die Radienformel ist folgende : D. 15/10. A. 3/7. P. 12. 
C. 19. 

Auf den Bloch 'sehen Charakter , dass der Opcrkel, 
Zwischen - und Unteroperkel ohne alle Schuppen sind, kann 
man kein grosses Gewicht legen, weil die grossgeschupp- 
ten Labridac leicht die Schuppen verlieren. Die linke Seite 
meines planifrons zeigt den eigcnllichen Operkel vollkom- 
men glatt und durchsichtig, so dass auch nicht die Spur 
von Schuppen mehr wahrzunehmen ist , während derselbe 
auf der rechten Seite deutlich mit Schuppen versehen ist. 
Ich würde unbedingt diese Art mit meinem planifrons für 
identisch halten, wenn bei letzterer das Profil nicht steiler 
abfiele, die Wangen nicht mit einer geringeren Zahl von 
Schuppen versehen und die Färbung eine andere wäre. Bei 
melagasler geht das Schwarz des Bauchs bis zum Anfange 



Kaup: Uelier die Chuctodontidae. 133 

der weichen Analslralilen und erstreckt sich nicht bis zum 
Rücken, während bei planifrons Brust, Bauch und Seiten 
deutlich gelblichbraun sind. Ist die Angabe des Vaterlan- 
des Surinam richtig;, so scheint es mehr als wahrscheinlich, 
dass die zwei Arien des Münchner Museums ebenfalls aus 
den süd-amerikanischen Meeren stammen. 



(Jcbcr die Ckactodoiitidac. 

Von 

Prof. J. Kaup. 



Die Unlerfamilie Chaetodonlinae der Familie Chaelo- 
donlidac besieht grösstenteils aus dem Genus Chaelodon, 
wie es Cuvier und Valencienncs aufgefasst haben 
wollten. Dieses Genus umfasst 61 Arten , die man genau 
untersuchen muss , um einzusehen , dass sie kein einziges 
Genus, sonders dass sie vielmehr Glieder von verschiede- 
nen Genera sind. Ehe ich an die Ausscheidung der No- 
minalspecies gehe, sind vor allen Dingen folgende drei 
Arten zu entfernen : Die erslc Art ist Ch. strigatus Langs- 
dorf, aus welcher ich das Genus Therapaina bilde, das ich 
durch grosses Auge, deutlich gezähnellcn Präoperkel, hohe 
Dorsaldorncn ohne Schuppenbekleidung, deutliche schwach 
gebogene Lateral bis zur Schwanzflosse reichend, charak- 
terisire. Die zweite Arl ist Ch. Kleini Bl. t. 218. Herr 
Professor Peters schrieb mir, dass er den Chaetodon Klei- 
nii Bl. für identisch mit melastomus Bl. und Schneider halle, 
und dass sich von letzterem zwei Exemplare, ein griissc- 
ns um! kleineres, noch in der Bloch'schen Sammlung be- 
lindcn, wovon das kleinere mit dem Namen Kleinii bezeich- 
net sei. Da es nur halb so gross als die Bloch'sche Ab- 
bildung ist, so passl es nicht zu derselben. 

Die Abbildung von Bloch ist genau so gross wie die, 

w eiche Klein \ on seinem Rhombotides dentatus, Tal'. X. flg,2 

■"•ii und es ist daher wahrscheinlich, dass 11 loch das. 



134 K a u p : 

kleine Exemplar vergrösscrn , und dass er zu den 13 Sta- 
cheln der Dorsal nach dem Muster der Klein'schen Abbil- 
dung noch vier weitere Stacheln dazu fabriciren liess. 

Die 17 Stacheln der Dorsal sind zwar von Klein in 
der Beschreibung wie Abbildung angegeben, allein es ist 
die Frage, ob nicht die Abbildung von einem schlechten 
Zeichner gemacht und nach dieser erst später die Beschrei- 
bung gebildet ist *). 

Was für die Peters'sche Annahme spricht, ist, dass der 
Totalhabitus und die Zahl der Stacheln und Strahlen der 
Analflosse vollkommen mit der des melastomus überein- 
stimmt. 

Was nun die Lateral betrifft, die bei Bloch zur Cau- 
dal geht, bei Klein wie bei melastomus gegen das Ende 
der Dorsal hin sich verliert, so glaube ich nicht, dass man 
diesem Kennzeichen grossen Werlh beilegen kann , da sie 
bei Bloch fehlerhaft gezeichnet sein kann. 

Ch. Kleinii Bloch ist desshalb mit der grössten Wahr- 
scheinlichkeit zu streichen und der Name melastomus Bl. 
et Sehn, dieser Benennung Kleinii vorzuziehen. 

In der Berliner Sammlung befand sich nach Herrn 
Peters der chrysozonus Kühl et van Hasselt unter der 
Benennung ocellatus, nach der Eliquetle und weil Lich- 
tenstein diesen in seinem Verzeichnisse von 1822 nicht 
erwähnt, so ist er nicht durch Bl o ch , sondern später durch 
den Grafen v. Borck in das Berliner Museum gekommen. 

Der chrysozonus hat allerdings Aehnlichkeit in der 
Lateral mit dem Bloch'schen ocellatus, zeigt ähnliche dicke 
Lippen, ähnlichen Augenfleck auf dem weichen Theile der 
Dorsal, allein chrysozonus hat 9 Dorsalstacheln und ver- 
längerte zugespitzte schwarze Ventrale. Sollte der eigent- 
liche ocellatus Bloch in die Nähe als Art zu chrysozonus 
gehören ? oder ist es eine ebenso fabricirle Art wie der 
Kleinii?! 



*) Dem vagabundus giebt Klein Tab. IX. fig. 2 ebenfalls 17 
Stacheln in der Abbildung wie Beschreibung, und diess belegt meine 
Angabe, dass Klein nach schlechten Abbildungen seine Beschrei- 
bungen gemacht hat. 



lieber die Chaetodontidae. 135 

Bloch citirt Scba 25. Ggll, ans welchem Cuvier 
seinen sehanus gemacht hat und der der junge von auriga 
ist. Wäre es wohl möglich, dass Bloch einem einfarbigen 
Chaclodon, wie melastomus , den er nach dein Muster von 
Seba 25- hg- 11 zustutzen Iiess, die Ocelle noch drein gab? 

Bloch mag in seiner Zeit diess Verbesserungen ge- 
nannt haben, die man streng genommen in jetziger Zeit an- 
ders taufen würde. 

Die dritte Art ist die häufig mit capistratus verwech- 
selte ocellatus Bloch , die eine unterbrochene Lateral und 
dicke Lippen zeigt. Seit Bloch sie beschrieben und ab- 
gebildet hat, ist sie nicht wieder aufgefunden worden. Bei 
beiden letzteren Arten wird es nöthig sein, sobald sie wie- 
der aufgefunden sind, sie auf die Schlundzähne hin zu un- 
tersuchen, ob sie nicht zu den Labridae gehören. 

Zu diesen kommen noch folgende Arten, die doppelt 
und dreifach als Arten aufgeführt, allein keine wirkliche 
sind , sondern zu Species gehören , die längst beschrieben 
waren. 

1) Ch. virescens C. Y. = melastomus Bl. et Sehn, nach 
Dr. Peters in seinen Fischen von Mosambique ; die näm- 
liche Art ist in den Proceed. 1831 als flavescens von Ben- 
nett aufgeführt. 

2) Ch. reliculatus C. V. = Ch. collaris Bloch. Er- 
sterer Name bezeichnet frische Spiritus - und letzterer ge- 
trocknete Exemplare. 

3) / semilarvatua et Iunatus = lineolatus Quoy et 



isen 
Gai 



4) \ Gaimard. 

} ) baronessa C.V., larvatus Ehr., Karraf C. V. — tri- 
J [ angulum K. et H. 

8) Scbac C. V. = vagabundus Linn. nach B lecker 
und mir. 

9) decussalus C.V. = pictus Forsk. 

10) 1 marginatus Ehr., Abhortani C. V., dorsalis Rwdt. 
11; \ = melanotiu Bloch et Sohn. Rüppell undBleeker 
12) ) vereinigen «ebon die 2 ersten mit dorsalis Reinw, 
18) luuiiiii c. v. s= fusciatus Forsk. 



136 K a ii p : 

14) i sebanus, setifer = auriga Forsk. nach RüppeJ, 

15) ( Bleeker und mir. 

16) / labiatus K. et H., melanopns C. V. = chrysozo- 

17) \ nus K. et H. nach Bleeker. 

Von diesen 17 sind 16 doppelte, ja mitunter dreifache 
Anflührungen von bekannten Allen. Diese 16 und die 3 
oben erwähnten machen 19 Arten, die von den 61 Cuvier'- 
schen Arten abzuziehen sind. 

Es bleiben demnach noch 42 Cuvicr-Valcneiennes'sche. 
Arten. 

Zu diesen 42 Arien kommen noch folgende 12, die die 
Herrn Desjardins, ßennett in den Proceedings, 
Schlegel in der Fauna japonica und Bleeker in den 
Nat. T. Ned. Ind. beschrieben haben. 

1) Ch. zoster Bonn. Proc. 1831. Mauritius. 

2) Ch. xanthocephalus Bonn. Proc. 1832. 

3) Ch. reslivus Desj. Beim. Proc. 1833. Mauritius. 

4) Ch. chrysurus Desj. Bonn. Proc. 1833. 

5) Ch. aureus Schleg. Faun. jap. 42. hg. 1. 

6) Ch. oligacanlhus Blkr. Java etc. 

7) Ch. oxyeephalus Blkr. Ternale. 

8) Ch. polylepis Blkr. Amboina. 

9) Ch. selene Blkr. Solor. 

10) Ch. semeion Blkr. Cocos, Celebes clc. 

11) Ch. Talii Blkr. Banda. 

12) Ch. xanthurus Blkr. Amboina. 

Diese 12 Arien, von welchen ich nur den aureus nach 
der schönen Abbildung der Fauna japonica kenne, sind fer- 
ner noch in die Unterfamilie Chaetodontinae unterzubrin- 
gen, was ich später bei näherer Kenntniss dieser Arien 
thun werde, wenn es nicht von den Autoren dieser Arten 
selbst geschieht. 

Die Chaetodontinae zerfallen in folgende leicht auf- 
zufindende und zu charakterisierende Genera : 
ltes Genus Citharoedus Kp. 

Zwei Bündel Zähne am vorderen Rande des Ober- 
und Unterkiefers, wovon die unteren höher und mehr ent- 
wickelt sind. Beide Reihen lasse* den Mundwinkel völlig 



Ucbcr die Chactodontidac. 137 

frei, oline dass sie sich über diesen in den Mund hinein 
ziehen. Mehr als 10 Dorsalstacheln und nur 3 Stacheln 
in der Anal. Cilh. Mcyeri, ornatissimus etc. 
2tes Genus Coradion Kp. 

Rudimentare kaum sichtbare Zähnchen auf einer run- 
den Stelle vorn im Gaumen. Die im Unterkiefer ebenfalls 
sehr kurz, stehen in einem Winkel mit der Spitze nach 
vorn. Lippen dick. Lateral bis zur Caudal. Weni- 
ger als 11 Dorsaldornen (9 — 10). Coradion chrysozonus et 
Bennelti. 

3tes Genus Eteira Kp. 

Vier Stacheln in der Anal. Grosse Zahl Dorsaldornen 
und sehr geringe Zahl weicher Dorsal- und Analstrahlen. 
Et. triangularis, Taunayi, Leachi, plebeja. 
4les Genus Chaetodon Kp. 

Zähnchen bis zum und über den Mundwinkel hinaus 
in den Mund hinein. Mehr als 10 Dorsalstacheln, nur 3 in 
der Anal. Ch. strialus Linn. etc. 

Öles Genus Linophora Kp. 

Ecke der Dorsalflosse fadenförmig verlängert. Schnauze 
gestreckt. 3 Analdornen. Körper oval. L. auriga, ephip- 
pium, principalis. 



Um der Unlerfamilie Chaelodonlinae ihren Rang an- 
zuweisen, ist es notliwendig die ganze Familie Chaetodon- 
tidac oder Cuvicr's grösseren Theil der Squammipcnnes 
zu betrachten. Diese Familie charakterisirt sich durch en- 
gen Mund nicht bis zu den Augen geöffnet, durch die feinen 
borstenartigen Zähnchen in vielen Reihen, und dass die ver- 
tikalen Flossen mehr oder weniger mit Schuppen bedeckt 
sind. Durch diese Charaktere zusammengenommen , fallen 
die Genera Brama , Pempheris und Toxoles als nicht hier- 
her gehörig hinweg, da sie den Mund bis unter die Augen 
geöffnet und Palatinzähne haben. Auch in dieser Familie 
beginnt, wie bei so vielen niedrig stehenden, die letzte 
Snbfamilie mit einer ventrallosen Form, denn der Stachel 
von PseltUS und die ausseist rudimentären Vcntral-Strahleu 
können kaum mr eine Venlralflosse angesehen weiden, denn 



138 K a u p : 

Psettusarten, denen bei allen übrigen Charakteren der Dom 
vollkommen mangeln würde, müssten trotzdem in dieses Ge- 
nus versetzt werden. In diesem Genus ist die Dorsal und 
noch mehr die Anal ganz abnorm entwickelt und diese ma- 
chen die Arten viel höher als lang. 

An diese typische Form schliesst sich Platax unmittel- 
bar an, bei welcher jedoch die Ventral plötzlich und über- 
trieben entwickelt ist. 

In natürlicher Reihenfolge schliessen sich an Platax 
Pomacanthus *) und Ilolacanthus an. Platax und Holacan- 
thus unterbreche ich durch das Genus Centropyge, das ich 
aus H. libicen mit 4 Analstacheln bilde. 

Betrachten wir diese 5 Genera, so ist in den Hola- 
canthusarten und namentlich in den mehr ovalen, wie dux, 
mit nicht utrirten Dorsal- und Analllossen, die höchste Form 
erstrebt, die in dieser L'nlerlamilic erreicht werden konnte. 

Psettus als niedrigste Form zieht alle übrigen Genera 
zu sich herab ; ich nenne die Unterfamilie Psetlinae. 

Die nächste Subfamilie, die am meisten Verwandtschaft 
mit Holacanlhus zeigt, sind die Chaetodon Cuv. oder meine 
Chaetodontinae. Die Beweglichkeit der Dorsaldornen, nicht 
mehr anliegend und unbeweglich, und dass diese in einem 
sanften Bogen längs des Rückens, mit Membranen verse- 
hen, stehen, ist schon bei Ilolacanthus erreicht und bleibt 
auch in dieser Unterfamilie als eine Errungenschaft stehen. 
Nur das Genus Liuophora mit seiner fadenförmig endigen- 
den Dorsal erinnert an die niederen Formen von Ilolacan- 
thus, Pomacanthus und Platax, ebenso einige Arten des Ge- 
nus Eteira, wie E. Iriangularis und Leachi. Bei allen Chae- 
todontinae ist die Schnauze vorspringend und nur bei den 
höchsten Arten des Genus Citharoedus fällt die Stirn, wie 
bei Ephippus und Dipterodon, steil ab und die Schnauze 
tritt zurück. So unwichtig die Zahl der Analdornen bei 
anderen Genera, wie z. B. bei Centrarchus Cuv. ist, so zeigt 
doch Eteira und später das Genus Scatophagus, dass sie im 



•) ballealus, cingulatus und quinquccinclus C. V. sind Varietäten 
von l'aru. 



Uebcr die Chactodontidae. 139 

Verbände mit anderen Kennzeichen ein gutes Genusmerk- 
mal in dieser Familie abgeben. 

In der nun folgenden Unterfamilie, deren intimere 
Verwandtschaft unter sich einleuchten muss, und die aus 
den Genera Therapaina (strigatus Langsd.), Chelmon, Hen- 
jochus und Zanclus besteht, sehen wir ebenfalls wenig 
Streben, den gestachelten Theil der Dorsal von der weichen 
Flosse zu trennen ; am wenigsten in dem Genus Zanclus, 
wo ausser den vorderen zwei Stacheln der abnorm verlän- 
gerte 3te und die 4 folgenden fast in der Weichheit den 
übrigen weichen Strahlen gleichen und sich nur durch ihre 
Einfachheit und ungegliedertes Wesen unterscheiden. 

Die chagrinartige Haut , die abnorme Höhe des Kör- 
pers und die Einfachheit der Dorsalstrahlen stellt Zan- 
clus als die Psettus ähnlichste Form ans Ende seiner Un- 
terfamilie. 

Nächst diesem Genus stellen sich die Henjochusarten 
als die Formen, welche den Chaetodon sehr ähnlich sehen 
und sich durch die mehr oder mindere Verlängerung des 
4ten Dorsalstachels auszeichnen. In diesen Formen ist 
schon deutlicher der gestachclte Theil der Dorsal von den 
weichen Strahlen getrennt. Von diesem Genus bin ich 
nicht vermögend die Taurichthys C. V. zu trennen, die sich 
nur unterscheiden, dass der 4tc Stachel der Dorsal unbe- 
deutend länger als die folgenden ist. 

Der Stachel über den Augen ist kein generisches Kenn- 
zeichen, da er auch bei Henjochus vorkommt. 

Das 31c Genus , das wie Centropyge , Eteira und der 
später zu erwähnende Scatophagus 4 Stacheln in der Anal- 
flossc hätte, ist bis jetzt noch nicht bekannt. 

Bei dem 2len Genus Chelmon mit mehr ovalem Kör- 
per sind die Stacheln der Dorsal gleichinässiger entwickelt 
und stehen bei longiroslris in einem schwachen Bogen, 
während die quergebänderten , wie roslratus und truncatus 
(Chact. truncatus Kner), steiler aufsteigen, überhaupt hin- 
ten höher sind und steiler zur Cauda] abfallen. 

Bei allen genannten Genera, wie Chelmon, Henjo- 
chus und Zanclus, sind Arten, «eiche die obere Augen- 



140 K a u p : 

kreise gestachelt oder mit einem Hörnchen versehen ha- 
ben. Chelmon zeigt Analogieen in der Zahnbildung, in der 
geringen Zahl der üorsalstacheln mit dem Genus Coradiun 
(Ch. chrysozonus K. et H.) Die Länge des Rüssels und die 
zugespitzte Pectoral der Chelmons erinnert an den Vogel- 
typus und seine Industrie mit Wassertropfen Insekten her- 
abzuschiessen an die Larven des Myrmeleon. 

In dem ersten Genus Therapaina (strigatus Langsd.) 
ist der gestachelte Theil mit wohl entwickelten Stacheln 
versehen, die frei von Schuppen und mit deutlichen Mem- 
branen versehen sind. 

Ich nenne diese Subfamilie einstweilen, bis das na- 
niengebende 3le Genus entdeckt ist, Hcnjochinae. 

Die 2lc Unterfamilie bilden die Genera Ephippus, Dre- 
pane und Scatophagus. Ich nenne sie Drepaninae. 

Scatophagus zeigt wie Centropyge und Eteira 4 Sta- 
cheln in der Anal, Drcpane die längste Pectpral in der gan- 
zen Familie und bei Ephippus mit gewölbter Stirn und steil 
abfallendem Profile ist die Dorsalflosse in zwei deutlich 
getrennt. 

Die erste Unterfamilie, die ich Diplerodonlinae nenne, 
zeigen ebenfalls freie Dorsalstacheln mit schuppenlosen Mem- 
branen. Bei Dipterodon mit Sargus -ähnlichen Schneide- 
zähnen und Ephippus-ahnlicher Stirn und Profil ist die. Dor- 
sal deutlich gelrennt, was bei Pimeleplerus nicht der Fall 
ist. Diese Unterfamilie ist die mangelhaftest bekannte von 
allen, denn sie zeigt nur 2 Genera. 

Nach diesen Voraussendungen wage ich es die Chac- 
todontidac wie folgt zu ordnen : 

I. Subfamilia. Diplerodonlinae: 1. Dipterodon. 2 

3 4 5- Pimeleplerus. 

II. Subf. Drepaninae: 1. Ephippus. 2. Urepane. 3. Sca- 
tophagus. 4 5 

III. Subf. Ilenjochinac : 1. Therapaina. 2. Chelmon. 
3 4. Henjochus. 5. Zanclus. 

IV. Subf. Chaelodonlinae: 1. Cilharocdus. 2. Coradion. 
3. Eteira. 4. Chaetodon. 5- Linophora. 

V. Subf. Psettinae : 1. Holacanthus. 2. Pomacanthus. 
3. Centropyge. 4. Platax. 5. Psetlus. 



Uelicr die Chsictodontulae. 141 

Die Ichthyologen , welche nicht glauben können oder 
wollen , dass eine jede Familie u. s. w. ein in sich abge- 
schlossenes Ganzes bildet', das in sich und durch sich ge- 
ordnet werden könne, die leider nicht zugeben, dass jede 
Familie u. s. w. ihr Wurzel- und Blütheglied besitzt, und 
dass in allen Formen einer Unterfamilie, Familie ein Stre- 
ben von niederer zur höheren Gestaltung zu erkennen ist, 
und die lieber zugeben , dass die Natur spiele und ohne 
feste Gesetze agire — wollen und können meine Versuche 
als nutzlose Spielereien betrachten und mögen sich an die 
kritische Ausscheidungen der Nominalspecies hallen, an de- 
nen ich wenigstens beweise, dass ich die Arten zu unter- 
scheiden verstehe. Möglich , dass die Zoologen, wenn die 
Lücken später ausgefüllt werden, den Glauben erhalten, dass 
die Natur nicht spielt. 

IV. Subfamilie Chaetodontiuae. 
Erstes Genus Cithar oedus Kp. 

Zahne in zwei Bündeln im vorderen Theile des Ober- 
und Unterkiefers, die den Mundwinkel frei lassen. Die des 
Unterkiefers bedeutend länger als die des Oberkiefers , die 
kurz und mehr rudimentär sind. Die Stirn fällt in diesem 
Genus am steilsten ab und die Schnauze springt selten vor. 
Die Lateral endigt in der Nähe des Endes der Dorsal, die 
mehr als 10 Stacheln besitzt und sich stets stumpf und nie- 
mals fadenförmig verlängert. In der Anal nur 3 Stacheln. 
Durch letzteren Charakter unterscheiden sie sich von Eteira, 
durch stumpfen Kopf und Dorsalflosse von Linophora und 
durch die Zahnbildung von Coradion und Chaetodon. 

Man kann sie, wie später die Chaetodon, nach der 
Zeichnung weiter ein (heilen: 

a ) Mit Längs- oder schief von unten nach oben und 
hinten gehenden Streifen. 

1) C. Meyeri Bl. Syst. p. 223. 

Opc-rkil violett mit weissen vertikalen Streifen. Keine 
parallele orange Streifen zwischen Pectoral und der Kehle. 
D. 12/26. A. 3/21. Molukkcn. 



142 K ii u p : 

2) C. ornatissimus Sol. Cuv. p. 22. 

Operkel orangefarbig. Drei parallele Streifen zwischen 
Tecloral und der Kehle. I). 12/26. A. 3/19. Olaheite. 

Var. Mit mehr wagerecht gehenden Längsstreifen. Au- 
genslreifen nur bis zur Spitze der Brust, 2tcr nur zum Rande 
desOperkels. D. 13/21. A. 3/20. 

3) C. vittatus Bl. 

Ende des Rückens mit keilförmigem gelbbegränzlen 
schwarzen fast vertikalen Fleck , der sich etwas auf den 
Schwanzrücken fortsetzt. Auf der weichen Dorsal selbst, die 
strohgelb ist, zwei fast parallele Linien vor dem breiten gelb- 
lichen Rande. Auf der Mitte der Caudal ein breites schwar- 
zes gelbbegränztes Band. Auf der bräunlichen Anal eine 
schwarze gelbbegränzte Schleife. Rand schwarz und weiss 
gesäumt. 

4) C. austriacus Rüpp. Wirbcllh. t. 9. fig. 2. 
Dorsal schwarz auf beiden Seilen gelbbegränzt. Anal 

schwarz mit gelbem Rande. Caudal schwarz, gelbbegränzt 
und mit zwei gelben Flecken auf beiden Kanten und weiss- 
lichcm Endsaume. Afrika. 

5) C. luetuosus C. V. p.37. 

Fast schwarz mit der Streifung der vorigen. D. 14/17. 
A. 3/16. 

6) C. taimigrum C. V. p. 38. 

Zwei schwarze Streifen der Caudal bilden die Form 
eines liegenden T oder Hammers. Alle übrigen Flossen 
bleich. D. 13/21. A. 3/20. 

b. Mit senkrechten Linien oder Querbinden. 

7) C. octofasciatus Bl. 215. flg. 1. 

Ueber die Stirn zu den Lippen ein schwarzer Längs- 
streifen. Augenstreifen in die Brust hinein, 2ter über den 
Operkel und Brust zur Ventral. Der 3te vor, der 4te hin- 
ter dem Anus, der 5te, Cte und 7te über die hintern Theile 
der Dorsal und Anal. Der 7te über die Schwanzwurzel. 
Der 81c bildet den Rand der an der Dorsal nach innen 
weiss gesäumt ist. Hinter der schmalen 2ten schwarzen 
Schwanzbinde eine bräunliche. D. 11/22. A. 3/17. 






Tebcr die Chnetoilontidne. 143 

c. Seilen mit Chevrons geziert. 

8) C. triangulum K. et II. 

Mit kurzer plötzlich vorspringender Schnauze. Diese 
ist wie Stirn und Kinn schwarz. Lippen bräunlich. Augen- 
streifen auf beiden Seiten weiss begränzt, zieht sich bis zur 
Ventral. Sein vorderer weisser Streifen als schmales Slreif- 
chen zur halben Brust. Sein hinterer noch breiterer weisser 
Streifen von dem 2ten Dorsalstachcl bis zur Ventral. Die- 
sen begränzt ein dunkler Streifen , der vom 3ten Dorsal- 
stachel über den Operkel zur Ventral zieht. Er ist von 
der Pectoral herab mit gelbem Streifen begleitet, der später 
horizontal bis über die Analdornen zieht. Auf diese auf- 
fallende Kopfzeichnung folgen die Chevrons, die nach oben 
zu der Dorsal hin nach hinten sich brechen und in Punkte 
sieh auflösen ; die nach hinten sich erhebende Dorsal bildet 
einen steil abfallenden Winkel und hat eine schwarze und 
gelbe Linie vor dem grauen Rande. Das schiefe von hin- 
ten nach vorn gehende schmale hellbräunliche Schwanz- 
band zieht sich als senkrechte Linie in das obere^Drittel 
der Caudal. Anal mit zackiger schwarzer Randlinie, die 
gelb umrandet ist und weisslichen Endsaum hat. Die hohe 
Caudal fast gerade abgestutzt zeigt am Rande zwei schwarze 
Linien, dann ein slrohgclblichcs Hand und am Rande einen 
grauen Saum. Die Grundfarbe des Körpers ist nach hinten 
hin olivenfarbig. Pectoral hellbräunlich. Ventral gelblich. 
D. 11/2R — 27. A. 3,21—22. Java. Afrika. 

Es ist mir räthselhaft, wie Herr v. Bleckcr diese 
Art mit collaris Bloch zusammenbringen konnte und^ liier 
ist ein Fehler von Kühl uud Ilasselt früher begangen 
zu virmuthen. 

Oi C. Mertensi C. V. p.47. 

Die Schnauze noch etwas mehr vorspringend. Kur 
einen Augenstreifen, der schmal ist. Ein breites oranges 
Band über den hinteren Theil des Körpers, das sich ver- 
ichmälernd in die Anal hineinzieht, die schwärzlich be- 
grfinzl ist. Ueber die Mitte der Caudal eine gelbe Binde. 
Der hintere Winkel der Dorsal etwas spitzer-. 

d. Mit halbrunden Flecken in Reihen über der Pecto- 
ral, Ventral und Analgegend. 



144 Kaup: 

10) C. punctalofasciatus C. V. p. 28. 

Mit ungewöhnlich kleinem Munde und sehr starken 
Anal- und Dorsalstacheln. Oberlippe schwarz. Augenslrei- 
fen unvollständig, in der Mitte gelb, am Rande schwarz be- 
gränzt. Der obere läuft spitzwinkelig zu und ist von aussen 
gelb begränzt. Der untere schmalere setzt sich, am Auge 
breiter werdend , in dieses fort. Vor dem ersten Dorsal- 
dorne ein schwarzer gelbbegränzter Fleck. Dorsal und 
Anal mit schwarzem , schwefelgelbem und orangefarbigem 
Saume. Caudal gelb mit schwarzem, schmalen halbmond- 
förmigen Bande vor der hinteren neutralfarbigen Hälfte. 
Sieben breite vertikale Binden bis zu den Punklreihcn. 
D. 13—14/22—24. A. 3/19—20. Amboina. 

e. Einfarbig ohne Streifung oder wo die Schuppen 
nur mit dunklen Rändern umgeben sind und Maschen eines 
Netzes bilden. 

Zu letzteren gehört : 

11) C. collaris Bl., reticulatus C. V. pl. 171. 
Schnauze schwarz, ebenso ein breites Stirnband, wel- 
ches eine graue Binde zwischen beiden Augen freilässt. 
Unter den Augen eine breite zur Ventral ziehende Binde. 
Dorsal linienartig, Anal breiter, schwarz gesäumt. Schwanz- 
wurzel schwarz. Vor dem Rande der Caudal mit zwei pa- 
rallelen Linien. D. 12/27. A. 3/22. Otaheite. 

Zu den fast einfarbigen ohne Streifung und Punktrei- 
hen gehört: 

12) C. melastomus Bl. Seh. Syst. p. 224. 

Der Augcnstreifen zieht vom ersten Dorsaldornc bis 
zu den schwarzen Ventralen. Dorsal und Anal am Rande 
mit feinem schwarzen weiss gerändertem Saume. Schwanz 
gelblich mit breitem schwärzlichen Endsaume- Lippen 
schwarz. Stirn convex, so breit wie der Diameler des Au- 
ges. Bei manchen Exemplaren sieht man nach dem Schwänze 
hin erloschene Punkte auf jeder Schuppe einen , die Reihen 
bilden und bei anderen zwei erloschene dunklere Binden 
über die vordere und mittlere Hälfte des Rumpfes. 
D. 13/21—22. A. 3/17— 20. 

Wäre die Angabe von 3/14 Analstrahlen nicht, so 



Ucber die Chaelodoulidne. 



345 



wäre ich geneigt melamystax Bl. Seh. p. 224 hier zu die- 
ser Art zu ziehen. Molukken und Mosambique. 

Unter diesen fast streifenlosen Formen giebt es schliess- 
lich Formen, die einen grossen schwarzen, runden oder 
ovalen Fleck unier den Dorsaldornen haben, durch den die 
Lateral zieht. 

Die am längsten bekannte Art ist: 

Cith. unimaculatus Bl. 201. fig. 1. 

Kürzer, allein etwas höher als melastomus. Der runde 
schwarze Fleck unter dem Dten — 12ten Dorsalstachel. 
Augenstreifen geht nicht ganz bis zur Ventral, die gelb- 
lieh ist. LWier den Augen ein lichterer AVinkelstreifen, 
der die schwarze Farbe von der bräunlichen der Schnauze 
scheidet. Ueber den Augen ist die Stirn concav und vor 
dem ersten Stachel convex. Alle Schuppen in der Mitte 
mit erhabenen Punkten. Der senkrecht abfallende Theil der 
Dorsal, der»Wnrzel des Schwanzes und die Anal mit brei- 
ter schwarzer Borde. Caudal bräunlich ohne Binden. 
C. speculum K. et II., C. V. p. 73. 

Gleicht nach Valenciennes dem vorigen sehr, ist 
jedoch brillant goldgelb und zeigt den schwarzen Fleck viel 
grösser. Ihr fehlt die schwarze Schwanzbinde und der 
schwarze Rand der Dorsal und Anal. D. 13/? A. 3/? Java. 
C. spiloplcura Reinw. Cuv. Val. p. 74. 

Diagnose. 14/17 Dorsalslralilcn. 

Beschreibung'. Gestreckter und mehr oval, als die drei 
vorhergehenden. Der Kopf fällt steiler ab und die Schnauze 
springt nicht vor. 1/ie Stirn ist breiter als der Diameter des 
Auges. Her schmale Augenstreifen, fein lichter begränzt, 
yehl nichl zum ersten Dorsaldorn und endigt am Rande des 
Kiemendeckels. Praeoperkel deallicher am vertikalen Rande 
ggzfihnell und am horizontalen deutlicher fallig gekerbt. 
Der schwarze ovale Fleck stehl weiter nach hinten. Die 
Schuppen sind länger als hoch mil etwa 7 erhabenen Ripp- 
chen auf dem Fächer der Wurzel, der bei unimaculalu.s, wo 
die Schuppen höher als laug sind, 15 zeigt. Vertikal zeigt 
der Körper l' I und horizontal geyeu 15 Schuppenreihen. 
Den N huppen fehlen die glänzenden Funkte in der Mille, 

Archiv f. Nslurg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. 10 



346 Kaup: 

die den iinimaculatus auszeichnen. Bei hellem Lichteinfalle 
sieht man unter der Lateral über der Witte jeder Schuppe 
ein dunkles Streifchen, die zusammen dunkle Längsstreifen 
bis zum Schwänze hin bilden. Valenciennes beschreibt 
noch einen schwarzen Fleck in der Dorsal , den mein 
Exemplar von Mosambique aus dem Hamburger Museum 
nicht besitzt. Es zeigt, wie das von den Molukken, weder 
an der Dorsal, Caudal, Anal noch Schwanzwurzel schwarze 
liorden oder Bänder, allein die Schuppenränder der Pecto- 
ral- und Ventralregion sind schwärzlich. Operkel mehr 
silberfarbig. Pectoral mehr bräunlich als die Caudal. Die 
Ventral ist an den Wurzeln der Strahlen gelb#ch mit lich- 
teren gelblich an den Bändern und bläulichen Membranen. 
Molukken und Mosambique. 

Es kommen so viele Arten in dieser Familie vor, die. 
Indien und Afrika zugleich angehören, dass ich glaube, dass 
man später alle indische Arten in Afrika und umgekehrt 
finden wird. 

Zweites Genus Cor adioti Kp. 

Kurze, kaum sichtbare Zähnchen hinter den dicken 
Lippen, die im l'nterkierer einen spitzen Winkel nach vorn 
hin bilden. Hinteres Nasenloch hoch am Bande der dorni- 
gen Augendecke gelegen. Praeoperkel deutlich gezähnelt. 
Die Lateral mit deutlichen Porenröhren bricht sich winke- 
lig unter dem 6len Stachel, geht längs des Bückens herab 
und zieht über die Mitte des Schwanzes zur Caudal. Zeigt 
unter allen Chaetodonlinac diu geringste Zahl Dorsalstachelu 
und die grösste Zahl weicher Sirahlen. Ventral sehr lang 
bis zum 2ten Analstachel reichend. 

1) Coradion chrysozonus Kp. • 

Chaetodon chrysozonus et labialus K. et H., C.V. 

p. 82. 83. 

Chaetodon melanopus C. V. p. 84. 

Lippen und Stirnstreifen , wie Augenstreifen bis zur 

Brust und der Ventral schwarz. Fast so hoch als lang. Auf 

der Mitte des 8tcn bis 12ten Strahls der weichen Dorsal 

eine schwarze licht begränzte und dunkel cingefasste Ocelle. 



Ucber die Chaetodontidae. 147 

Auf dem Ende des Schwanzes eine schwärzliche Binde. 
Ventral schwarz mit komprirnirtem bläulichen Stachel. 

D. 9/29. A. 3/20—21. Java. 

Dr. v. Blcekcr sieht den chrysozonus mit unzähli- 
gen gelben Punktstreifcn der Länge nach, den labiatus mit 
zwei vertikalen gelben Bändern und den melanopus mit 
einer Ocelle auf der Anal für eine und dieselbe Art an und 
wir müssen ihm als einem so vortrefflichen Beobachter fol- 
gen, obgleich wir nicht alle Belegstücke für diese Behaup- 
tung haben. 

2) Coradion Bennelti Kp. 

Chaetodon Bennelti C. V. p. 84. 
Chaetodon vinetus Bennelti. 

Fast zweimal so lang als hoch. Die schwarze blau- 
begränzte Ocelle gross, oval und erstreckt sieh über das 
hintere Drittel des Rückens. Ueber und unter der Pcrtoral 
zwei blaue nach hinten schier aufsteigende Streifen. Zeigt 
ebenfalls nur 9 Stacheln. Sumatra. 

Drilles Genus Eteira Kp. 

Megaprotodon Guich. (pari.). 
Diagnose. Vier Stacheln in der Anal. 
Beschreibung. Oblonge Gestalten mit grosser Zahl 
Dornen in der Dorsal und Anal und ungewöhnlich, gerin- 
ger Zahl weicher Strahlen. Die Zahnbildiing wie bei Ci- 
Iharoedus und die Ecke der Dorsal meist ungewöhnlich ver- 
längert, wie bei Linophoia. Durch beide Charaktere kom- 
men die vier bis jetzt bekannten Arien in überspringende 
Verwandtschaft zu beiden Geschlechtern. 

Hie Schoppen des Körpers sind höher als lang. Die 
Caudal breitet sich -am Rande sehr aus und ist daselbst 
ichwach bogenförmig. 

Nur den heisSen Meeren der alten Welt angehörig. 
(' ii v i er und Valenciennes bringen die Arien unter drei 
verschiedene Abtheilungen. 

I) Bleiria Iriangularls. 

Chaetodon trianguiaril Rjipp, All. pl. 9. (ig. 3 mit 
guter Abbildung. 



148 K a u p : 

Chaetodon strigangulus Sol. C. V. p. 42. PI. 172. 

Manuscriptname. 

Diagnose. Dorsal am Winkel zugespitzt, allein die 

Sehwanzspitze nicht erreichend, und ohne Ocelle. Seiten 

mit Chevrons. Caiidal schwarz mit gelber Einfassung und 

schwarzer Linie vor dem wcisslichen Rande. 

Beschreibung. Stirn schief abfallend und grünlich. 
Von dem grösseren vorderen Nasenloche mit Läppchen nach 
hinten ein gelbliches Streifchen zur Oberlippe hin. Der 
breite Stirnstreifen zur Brust reichend , breit gelblichweiss 
begränzt. Gegen 20 Chevrons auf den Seiten. 

Variirt. Die Cuvier-Valenciennes'sche Abbildung zeigt 
schwarze Flecken; ein Exemplar von den Molukken zeigt 
zwei längliche gelbliche Flecken nächst der Lateral; bei 
dem von Valenciennes abgebildeten Exemplare ist die 
schwarze Einfassung in der weichen Dorsal und Anal brei- 
ter, während sie bei meinen Exemplaren feine Linien dar- 
stellen; auch die Gestalt der Chevrons namentlich nach dem 
Schwänze hin variirt. 

Ich ziehe den Rüppell'schen Namen vor , da dieser 
Reisende zuerst eine gute Abbildung und Beschreibung 
gegeben hat und dieser nicht wissen konnte, dass Sol an- 
der ihn im Manuskripte bereits beschrieben hatte. Etwas 
anderes wäre es, wenn dieser strigangulus irgendwo dia- 
gnosirt wäre. Die alleinige Anführung des Namens kann 
nicht massgebend sein. D. 14/15. A. 4/14. 

Die Angabe von 5/14 Analstachel scheint auf einem 
Fehler zu beruhen, da die von Valen ciennes gefertigte 
Abbildung ebenfalls nur vier zeigt. 
2) Eteira Taunayi Kp. 

Ch. Taunay 0- et G. Freyc. voy. T. 62. Cg. 5- 
Ch. trifascialis Q. et G. nach Bleeker. 
Ch. bifascialis C. V. p. 48. 
Megaprotodon bifascialis Guichen, nach Bleeker. 
Ein breites vertikales Band von der hinteren Hälfte der 
weichen Flosse zieht bis zum Rande der hinteren Hälfte der 
Anal herab. D. 14/16. A. 4/16. Insel Guam. 

Die Abbildung von Q. et G. ist nicht genau und die 
Chevrons sind vergessen. 



Ucber die Chaeludontidae. 149 

3) Eteira Lenchi Kp. 

Chaet. Leachi C. V. p. 49. 

Das zugespitzte hintere Ende der Dorsal erreicht fast 
das Schwanzende. Es ist der 5te Strahl, der so verlängert 
ist. Zeichnung nicht anzugeben. 

Von beiden Arten sagt Valenciennes, dass die 
unteren vorderen Zähnchen viel länger und in Häkchen 
vorn verlängert sind, was nicht bei triangularis der Fall 
ist, wo zwar die unteren Zähnchen, wie bei allen Citharoedi 
verlängert, allein keine eigentlichen Häkchen bilden. Es ist 
diess sicherlich kein Hauptcharakter dieses Genus. 

4) Eteira plebeja Kp. 

Ch. plebejus Brouss. C. V. 

Eine schwarze weiss utngränzte Ocelle auf der obe- 
ren Hälfte der weichen Dorsal. Dorsal und Anal an den 
Enden abgerundet. Ohne Chevrons. D. 14/17. A. 4/15. 
Südsee. 

Viertes Genus Chaeto don Kp. 

Die Schnauze springt stets rüsselartig vor. Die be- 
deutend kürzern Zähnchen stehen zwar aufrecht, allein ge- 
hen bis zum Mundwinkel und häutig- über ihn hinaus in den 
Mund hinein. Die Lateral endigt gegen das Ende des wei- 
chen Theils der Dorsal. Diese wie die Anal endigen in einen 
stumpfen Winkel. Die Anal, wie bei den meisten Genera, 
zeigt nur drei Stacheln. Mehr als 10 Stacheln in der Dorsal. 
Die Ventral erreicht den Anus. 

Sie sind mit Ausnahme von Europa über alle Meere 
heisser Länder verbreitet. 

Man kann sie wie die Citharoedi einthcilen: 

a. Mit Längs- oder schief von unten nach oben und 
Unten gehenden Streifen. 

1) Chaclodon Frehmli Bennetti C.V. p. 24. 

Mit 7 blauen etwas schiefen Linien, von welchen die 
erste mit der 3ten vor dem Ende der 2tcn sich wieder ver- 
bindet. Auf dem Nacken vor dem ersten Dorsaldornc ein 
schwarzer Fleck. Ein breites .schwarzes Band zieht vom 
hinleren Theile dir Dorsal zur Basis des Schwanzes. Die 
Candal mit zwei vertikalen schwarzen Linien und weisser 
Borde. Sandwich-Inseln. 



160 Kau |>: 

2) Chaetodon fasciatus Forsk., lunulaC.V. 1. 173, 
biocellatus C. V. 

Der breite Stirnstreifen geht über die Augen zum ho- 
rizontalen Rande des Praeoperkels und ist nach oben hin 
mit breiter weissen Binde eingefasst. Unter den 6 — 7 ersten 
Stacheln ein schwarzer Fleck mit zwei weissen Streifen 
und weisser Einfassung, der zuweilen fehlt (Rüpp. All. 
t. 9. fig. 1.). 

Auf den Seiten braun aufsteigende Streifen. Auf dem 
weichen Theile der Dorsal mit zwei schwarzen Streifen 
und schwarzem Saume. Anal mit schwärzlichem Saume 
und lichterem Rande. Caudal vor dem Ende mit schmaler 
schwärzlicher Binde. Ch. biocellatus, wahrscheinlich das 
Männchen, zeigt auf dem weichen Theile der Dorsal und 
auf der Schwanzwurzel zwei weiss oder gelb umgebene 
Ocellen. D. 12/24. A. 3/18—19. 

3) Chaetodon ocellicaudus C. V. p. 69. 
Augenstreifen gehtbis zur Kehle ; nur auf dem Schwänze 

eine weiss umgebene Occlle. D. 12/20. A. 3/17. 

4) Chaetodon melanotus Bloch Sehn. Syst. p. 224. 
Ch. dorsalis Reinw. Rüpp. All. T. 9. fig. 1, 
marginalus Ehrcnb. C. V. p. 57 , Abhorlani 
C. V. p. 58. 

Mit schmalem schwarzen Augenstreifen und schwar- 
zem Kehlflecke. Rücken nach der Dorsal hin schwarz. 
Auf der Wurzel des Schwanzes zwei schwarze Flecken; 
vor der neutralfarbigen hinteren Hälfte der Caudal eine 
schwarze Linie, lieber der Anal ein schwarzer Fleck. Dor- 
sal und Anal feurig orange mit dunklerer Einfassung vor 
dem lichteren Rande. D. 12/20—23. A. 3/18—19. Indien 
und Afrika. 

5) Chaetodon Reinwardti Kp. , Ch. melanotus 
Reinw. C. V. p. 71. 

Gleicht dem vorigen, allein zeigt schwarze Ventralen 
und geringe Zahl weicher Analstrahlen. D. 12/25. A. 3/13 (?). 
Valenciennes vergleicht ihn in der mehr senkrechten 
Stirn mit collaris , was man bei melanotus Bloch mit mehr 
schiefer Stirn nicht kann. Molukken. Bleeker hat ihn 
leider bis jetzt nicht wieder aufgefunden. Leydener Mus. 






Ucber die Chaetodonliduc. 151 

l). Mit senkrcchlcn Linien oder Querbändern. 
a. Mit senkrechten sclimalen Linien auf den verti- 
kalen Rändern der Basis der grossen Schuppen- 
reihen. 
C) Chaetodon falculaBI. pl.426. fig. 2. C.V. p. 41. 

Gelb. Augenslreifen geht bis zum Rande des Kiemen- 
deckcls. Auf dem Rücken zwei schwarze fast dreieckige 
Flecken. Erster vom lsten bis 5ten Stachel , zweiter von 
den drei letzten Dorsalstacheln in ein Drittel des Rückens 
ziehend. Zwischen diesen Flecken 11—12 schwarze fast 
senkrechte Linien. Auf der Schwanzwurzel eine schwarze 
Rinde; weicher Theil der Dorsal schwarz gesäumt. Anal 
ähnlich gesäumt mit schwarzer Linie näher dem Schwänze 
zu, die nicht zur Hälfte der Anal geht. Zeigt den längsten 
Rüssel , der etwas mehr als zweimal so lang ist als der 
Diameter des Auges. 

Bloch wie sein Zeichner haben sich nicht die Mühe 
genommen, diese Art aus der Flasche herauszunehmen, um 
sie zu beschreiben oder abzubilden; dalier lässt es sich 
erklären, dass die Beschreibung wie Abbildung so höchst 
fehlerhaft sind. D. 12/25. A. 3/30. Coromandel, Mosambi- 
que. Der irrig gezähnelle l'raeopcrkel bewog Lacepede 
ihn zu Poinacenlrus zu stellen. 

7) Chaetodon mesolcucus Forsk. , hadjan Bl. et 
Sehn. Rüpp. Neue Wirbeltli. Tab. 9. fig. 1. 
C. V. p. 50. 

Weiss, vom 4ten Dorsalstachel abgeschnitten schwärz- 
lich mit 12 — 14 schwarzen Linien. Augenslreifen schmal, 
reicht nur bis unter das Auge. Caudal mit weissen halb-» 

iiiiiiidahnlichi'in Querband und Si i. 13/22—24. A. 3/19— 22. 

Afrika ; bis daliin nicht in indischen Meeren aufgefunden, 
was jedoch später der Fall sein wird. 

8) Chaetodon lineolatus Q. et G., lunatus et se- 
milarvalus Ehr. C. V. 40. 57. 39. Rüpp. Nene 
Wiibellh. lab. 9. 3. 

Bläulich weiss mit 10 violetten Linien vom 3ten Dor- 
■alslachel an. Augenslreifen sein- breil bis zum Rande des 
Kiemendeckela. Auf dem vorderen Bande des Augenstrei- 
lens über den Augen ein dreieckiger weisser Fleck. Dorsal, 



]52 Kaii|>: 

Anal und Caudal gelb. Ein schwarzer Streuen vom 6ten 
Dorsalslacliel, auf beiden Seilen gelb begränzt, zieht längs 
des Rückens über die Schwanzwurzel etwas in die Amil 
hinein. Caudal vor der lichten Borde mit zwei schwarzen 
Linien. Afrika und Molukken. D. 12/25—27. A. 3/21. Eh- 
renberg gab bei lunatus die Zahl (15) der weichen Anal- 
strahlen sicher zu gering an. 

Hierher gehört noch 0) Ch. dizoster C. V. von der 
Insel Bourbon nach einer Zeichnung beschrieben. VII. p. 527. 

10) Chaelodon ulielensis C. V. p. 40. 

Mit gestreckter und spitzer Schnauze ; hinterer Theil 
der Dorsal am höchsten. Ausser den linienartigen Streifen 
zwei wenig markirte Binden. Eine von der Mitte der 
Stacheln, die andere auf den weichen Strahlen der Dorsal 
beginnend. Schwanzwurzel mit einem Bandfleeke. Der Au- 
genstreifen schief und die Slirn hat lichte Querstrcifchen. 
Nach einer Zeichnung von Parkinson. Insel Ulictea. 

ß. Mit breiten und weniger zahlreichen Band- 
streifen. 

11) Chaelodon slriatus Linn. Seba 25. fig. 9. Bl. 
205. lig. 1. 

Weiss mit zwei breiten schwarzen Binden; die erste 
vom ersten bis vierten Dorsaldorne, die zweite unter dem 
8 — lOten Dorsaldorne bis zum Anus und in die Anal hin- 
einziehend. Der Augenslreifen schmal, schief bis fast zum 
ersten Dorsaldorne und bis zum Rande des Operkels. Dor- 
sal braun mit dem hinleren Querstreifen zusammenfassend, 
gegen das Ende hin mit weissen Streifen und breitem, 
zackigen, schwärzlichen Bande, das weiss gesäumt ist. 
Anal ähnlich gefärbt , allein der äussere weisse Saum ist 
gelblich gesäumt. Die Caudal an der Wurzel mit bräunli- 
chem Bande, als Fortsetzung der bräunlichen Dorsalfarbe, 
auf diese folgen bei meinem Exemplare drei Buchstaben - 
ähnliche rothbräunliche Figuren, auf diese die weisse Grund- 
farbe des Schwanzes , auf diese das breite nach hinten 
schwarzbegränzte Band, das nach vorn hin zackig ist; auf 
dieses Band folgt eine gelbliche Binde mit grauer Borde. 
Ventral schwarz , nach der Wurzel hin weisslich. Ueber 
die lichteren Theile graue und über die Bänder schwärz- 



Uebci' die Chaetodontidae. 153 

liehe Streifen der Länge nach bald nach oben, bald nach 
unten hin gerichtet, bald durchlaufend, häufig unterbrochen 
und Gabclform annehmend. D. 12/20. A 3/16. Antillen. 

12) Chaetodon inodeslus Schleg. Fn. jap. 41. 2. 
Mit schwarzem Fleck auf den oberen Strahlen der 

weichen Dorsal. Noch höher als striatus mit stärkeren und 
längeren Dorsaldornen; der mittlere Analdorn jedoch schwä- 
cher und kürzer. Farbe weiss ohne longitudinale Linien 
mit zwei breiten gelbbraunen Bändern und einer schmäle- 
ren und blasseren Augen- und Schwanzbinde. Die erste 
breite Binde geht von dem 2ten bis 7ten Dorsalstachel zur 
Ventral , die 2te geht vom 8ten Dorsalstachel herab und 
bedeckt bis auf die weisse Borde der Dorsal und Anal den 
ganzen Hinterkörper. Die Caudal schwach gabelförmig aus- 
geschnitten. D. 11/22. A. 3/18. Japan und China , aus 
letzterem erhielt ich zwei getrocknete Exemplare. Sollte 
wohl Bloch diesen gekannt und ihn mit striatus verwech- 
selt haben, indem er bei letzterem auch Japan als Vater- 
land angiebt? 

c. Mit Winkelstreifen, wovon die oberen nach oben 
und die übrigen nach unten gerichtet sind. 
u. Hehr rund mit entwickelteren Dorsalstacheln, wo- 
durch sie sich den vorhergehenden annähern und 
namentlich dem striatus, bei dem die Chevrons 
nur unregelmässig sind. 

13) Chaetodon capislratus Linn. Bloch 205. 2. 
Seba 25. lig. 16. 

Vor der Wurzel des Schwanzes, halb auf dem Schwänze, 
halb auf der Dorsal ein grosser, runder, schwarzer, breit und 
deutlich weiss umgrenzter Fleck. Durch diesen Fleck zeich- 
net sich diese Art von allen aus. Die schwärzlichen zum 
'llicil Punktstreifen Blossen spitze Winkel bildend nach vorn 
zusammen, mit Ausnahme von den oberen und unteren, die 
einfach nach vorn hinlaufen. Eine braune Linie, begleitet 
\<mi weissem Rande, umgiebl den weichen Theil der Dorsal 
and Anal. In der Mitte des Schwanzes zwei zackige pa- 
rallele braune Linien. Der schmale Augenslreif braun, weiss- 
ImIi begränzt. Antillen. I). 12—18/19. A. 3/17. 

,1. .Mit Linien, die schief vom Kopfe nach den Dor- 



154 K a u p : 

saldornen hinziehen. An die hinterste stossrn 
die von der Anal aufwärts steigenden. 

14) Cluielodon vagabundus Linn. Bloch 204. fig. 2. 
Mit 6 Streifen vom Kopfe ausgehend, an die 6te schlies- 

sen sich 11 von unten und hinten her kommend winkelig 
an. Vom Sten Dorne ein schwarzer Streifen, der sich nach 
hinten verbreitet, über den Schwanz herabzieht und sich 
zum Theil in die Anal versenkt; nächst diesem Streifen 
ist die Dorsal gelb mit schwarzer in der Mitte bläulicher 
Borde vom Sten Dorne an bis zur Ecke der weichen Dor- 
sal. Die ebenfalls spitzwinklige Anal mit schwarzer Borde, 
die durch eine gelbe Linie von dem blassen Rande geschie- 
den ist. Schwanz in der Mitte mit mondförmigem Fleck und 
vor dem weisslichen Rande mit schwarzer Binde. D. 13/25. 
A. 3/22. Afrika, Molukken, Otaheite. 

15) Chaetodon pictus Forsk. 

Mit schwarzen weichen Dorsal- und Analstrahlen. 
Diese Art verhält sich zu vagabundus wieRüppel's au- 
striacus zu vittatus. Die lichteren Querstreifen auf der 
Stirn, die im Spiritus leicht verschwinden, können diese 
Art nicht von decussatus unterscheiden, indem der vaga- 
bundus ebenfalls mit lichteren Stirnstreifen abgebildet wird. 
Renard I. lig. 126. D. 13/25. A. 3/21. Afrika, Asien, Mo- 
lukken, Otaheite. 

16) Ch. nesogallicus C. V. p. 63. 

Gleicht sehr dem vagabundus, allein hat auf der Mitte 
der weichen schwarzen Dorsal eine schwarze weiss umfassle 
Ocelle. Nur eine wenig markirle schwarze Linie auf der 
Basis des Schwanzes. D. 13/24. A. 3/22. Bourbon. 

d. Mit Längsstreifen schwarzer Punkte. 

17) Ch. miliaris Q. et G. Voy. deFreyc. pl. 62. lig.5- 
C. V. p. 26. 

Schnauze wenig verlängert. Mit Reihen von grösse- 
ren und kleineren Flecken auf gelblich weissem Grunde. 
D. 12/22. A. 3/19. Sandwich-Inseln. 

18) Chaetodon citrinellus Brouss. C. V. p. 27. 
Renard 1. lig. 59. 

Der Augenstreifen liegt viel schieTer, als bei der vo- 
rigen und auf beiden Seiten weiss begränzt. Längs den 



Ueber die Chaetodonlulae. 155 

Dorsaldornen ist der Rücken rothbraun. Die Anal mit 
schwarzer Borde und einem gelben Streifen auf dem inne- 
ren Rande der schwarzen Borde. Weder auf der weichen 
Dorsal noch Schwanz mit Zeichnung. D. 14/21. A. 3/1G. 
Insel Guam, Otaheite, Molukken. 
e. Fast einfarbig. 

19) Chactodon princeps C. V. p. 33. Ren. fig.58. 
Mit sehr vorspringender oben concaver Schnauze. 

Grundfarbe gelblich. Alle Schuppen gross und rhomboidal 
und der Reflex der Rander bildet ein Netz von breiten Ma- 
schen. Die Augenstreifen fast senkrecht. Ein breites Band 
auf dem weichen Theile der Dorsal zwischen zwei weissen 
Linien. Anal mit weisser Borde vor einer schwarzen Linie. 
Caudal mit schwarzem Bande, auf das ein weisses folgt mit 
schwarzer Einfassung und grauem Rande. D. 13/21. A. 3/19. 
Ncu-Irland, Molukken. 

20) Chactodon bimaculatus Bl. pl. 219. 1. 
Silberfarbig mit grauen Reflexen an den höheren als 

breiten Schuppen. Der schmale Augenstreifen , Rücken 
der Oberlippe, runder Fleck über der Lateral auf den er- 
sten Strahlen der weichen Dorsal, eckiger Fleck am Win- 
kel und Rande derselben schwarz. Augenslreifen oberhalb 
der Augen an den Rändern, seitliche Oberlippe , Streifen en 
bis zu den Nasenlöchern, Membran des Operkels , Wurzel 
der Pectoral, von dem Ende der schwarzen Augenslreifen 
an längs den Stacheln bis zu den weichen Dorsalstrahlen, 
Schwanz, Caudal, Anal, Ventral schön hochgelb. Auf der 
Caudal eine bläuliche Querlinie und grauer Rand. Auf der 
Anal vor dem Rande eine bläuliche von beiden Seiten dun- 
kel begränzte Linie. Nur die Pectoral neutralfarbig und 
transparent. D. 12—13/21. A. 3/17. Süd -Amerika. Ein 
prachtvoll erhaltenes Exemplar im Hamburger Museum. 
Fünftes Genus Linopltora Kp. 
Mit der gestreckten oben coneaven Schnauze und der 
Zahnbildung der ächten Chactodon zeigen sie einen mehr 
oblongen Körper und haben die ersten Strahlen der wei- 
ohen Dorsal bis über den Schwanz hinaus Fadenförmig ver- 
längert. Von Eteira unterscheidet sie die Zabnstellung und 
die drei Stacheln der Anal. 



156 Kaup: Ueber die Chaetodontidae. 

1) Cliaetodon auriga Forsk. , setifer Bl. 425, 
sebanus C.V. Seba 25. 11. 

Mit sehr breitem Aiigenstreifen namentlich unter dem 
Auge , wo er nach vorn weiss begränzt ist. Vom Kopfe 
steigen 5 nach oben hin sich verbreitende schwarze Strei- 
fen. Von der Anal aus steigen 8 — 9 schwarze Streifen auf- 
wärts und schliessen sich wie bei vagabundus winkelig an 
die letzte obere Linie an. Nach dem hinteren Theile hin 
bilden sich noch durch kürzere Streifen vom Rücken und hin- 
ten her kommend und durch längere Streuen vom Schwänze 
her zwei mehr spitze Winkel. Der Rand der oberen 
Strahlen der weichen Dorsal wie der abfallende Rand der- 
selben schwarz. Fast im Winkel der weichen Dorsal die 
ovale schwarze lichtblau begränzte Ocelle ; die fadenförmige 
Verlängerung grossenlheils gelb. Anal mit feiner schwarzer 
und einer weissen Linie vor der gelblichen Borde, die die 
Grundfarbe der ganzen Anal hat. Caudal gelb mit drei 
schwärzlichen Linien vor der grauen Borde. D. 13/24. 
A. 3/21. 

Forskai beschrieb seine auriga ohne Ocelle und auf 
der Stirn mit 4 gelben Querbindchen. Er giebt 6 Streifen 
statt 5 vom Kopfe ausgehend an. Afrika, Molukken. 

Ich habe bis jetzt noch kein Exemplar ohne Ocelle 
gesehen. 

2) Chaetodon ephippium C.V. fig. 174. 

Ohne Augenstreifen, schwarzer Fleck am oberen Rande 
des Operkels. Vom 6ten Stachel an ein grosser schwarzer 
Sattclfleck, der breit lichtbegränzt ist. Fünf parallel lau- 
fende Streifen auf der Bauchseite. Den Faden bildet der 
3te, 4te und 5te weiche Dorsalstrahl, den bei der vorigen 
der 5te allein bildet. Anal und Dorsal nach dem Rande hin 
mit schwarzen Linien. Caudal ohne Zeichnung. Molukken, 
Otaheite. Zeigt dieselbe Radienformel. 

3) Chaetodon principalis C. V. Ren. IL fig. 239. 
Nach einer höchst rohen Zeichnung von Renard, 

welche auf der weichen Dorsal und Anal einen grossen 
weissgetüpfelten ^leck und auf dem Bauche Längsstreifen 
zeigt. Bis dahin nicht wieder aufgefunden. 






Heber Kalkablngeruiig in der Ilant der Insccten. 

Von 

Franz Lpydig 

in Tübingen. 

(Hierzu Taf. VII. Fig. 1, 2, 3.) 



In der grossen Abtheilung der Arthropoden enthält 
die Haut der meisten Crustenthiere in bedeutender oder ge- 
ringerer Menge Kalk, wodurch die Härte und Festigkeit 
ihres Panzers in besonderem Maasse erhöht wird. Man be- 
trachtet auch vom systematischen Gesichtspunkte aus diese 
kalkige Beschaffenheit der Haut mit als ein wichtiges Un- 
terscheidungsmerkmal zwischen Krebsen und Insecten; den 
letzteren so wie den Spinnen scheinen solche mineralische 
Einlagerungen durchaus zu fehlen. Ich habe indessen eine 
recht merkwürdige Ausnahme kennen gelernt, von der ich 
hier Anzeige zu machen mir erlaube. 

Wer sich auch nur einigermassen mit der Athmung 
der Insecten beschäftigt hat, der weiss von Fliegenlarven, 
welche im Wasser lebend, eine fernrohrarlig aus- und 
einstülpbare, mit einem Borstenkranze versehene Athcm- 
röhrc besitzen. Die bekannteste und wegen ihrer Grosso 
zu Demonstrationen sich gut eignende Larve ist die von 
Slratiomys chamacleon ; sie ist auch der Gegenstand unserer 
Millhcilung. Die Larve lebt während des ganzen Sommers 
in Pfützen und Wassergräben, namentlich in solchen gern, 
welche mit vielen Pflanzen durchwachsen sind. Der treff- 
liche Swammerdamm *) hat eine sehr vollständige 



Bibel der Notur. L'cbeisclzung, Leipzig 1752. S. 258—275. 
T»f. XXXIX-XI.II. 



] 58 I. e y d i g : 

Nalurgeschiclite von der Larve, Puppe und dem vollkom- 
menen Insecte gegeben, trotzdem, dass er das Thier als 
„eine Art von Geschöpfen" ansieht, „die mit der dunkeln 
Decke des Fluchs umhüllt sind." Wenn unser holländischer 
Zergliederer in der Einleitung zu der „sonderbaren Ge- 
schichte" der abzuhandelnden Fliege auf „gar seltene und 
unerhörte Dinge," welche hier vorkommen, hindeutet, so 
möchte sich das auch auf die Structur der Haut beziehen 
lassen , zu der ich vorderhand bei Insecten kein weiteres 
Beispiel kenne. 

Beim Einsehneiden in die Larve fiel es mir auf, dass 
unter der Scheere die Haut schwach knirschte , wie wenn 
sie kalkig incrustirt wäre: dies bestätigte- sich schon inso- 
fern, als ich zu einem abgetrennten Haulstücke Essigsäure 
brachte und eine starke Gasentwickelung darauf erfolgte. 
Unter dem Mikroskope nahm sich nun die Haut sehr eigen- 
artig aus: sie war übersät mit scharf und dunkel gerande- 
ten Höckern, die sofort nach ihrem Aussehen das Recht in 
Anspruch nehmen konnten, für Kai kc o nc re tionen zu 
gelten (lig. 1). Es lässt sicli unter dorn Mikroskope wahr- 
nehmen, dass sie es sind, welche bei Zusatz von Essig- 
säure Luftbläschen entwickeln, während sie dabei nach und 
nach vollständig verschwinden. Die unversehrten Kalkcon- 
cremente (fig. 1 a) sind 0,0057—0,00856'" gross; dazwischen 
stehen da und dort einzelne grössere, welche etwa 0,0171 
— 0,02"' im Durchmesser haben. An der Bauchseite schei- 
nen sie im Allgemeinen etwas kleiner zu sein als an der 
Rückenfläche und fehlen sogar an den weichen Gelenk- 
steilen der Körpersegmente; hingegen ist der Kopf um vie- 
les hartschaligcr geworden als der übrige Leib, da hier, 
indem Concrement an Concrement stösst, gleichsam eine 
zusammenhängende Incrustation erzeugt wird. 

Sehen wir uns die Kalkconcremente näher an, so zei- 
gen sie ein schaliges Gefüge, wobei die Blätter so geord- 
net sind, dass jedes Concrement einen mittleren Fleck auf- 
zeigt (vergl. fig. 1) , der eine Art Krater oder Lücke zwi- 
schen den hier zusammenslossenden Kalklamellen vorstellt. 
Hat man den Rand eines umgeschlagenen Hautstückes zur 
Ansicht (fig. 3) , so zeigen die über die Haut vorspringen- 



Ueber KalkstMagernng in der Haut der Insecten. 159 

den Kalkhöcker (a) in ihrer Lage eine Richtung- nach hin- 
ten, ganz ähnlich wie Schuppen; auch scheinen bei dieser 
Ansicht die Kalkhöcker einfach geschichtet. Betrachtet man 
ein Hautstück von der inneren Seite, so tritt an den Kalk- 
concrementen ausser ihrer schaligen Zusammensetzung nocli 
ein gewisses slrahliges Gefüge hervor. Ferner ist anzu- 
geben, dass auch in den von den bisher ins Auge gefassten 
grossen Kalkconcrementen freigelassenen Zwischenräumen 
noch kleine körnige Kalkablagerungen sich vorhanden zeigen. 

Natürlich musste man sich fragen, in welcher näheren 
Beziehung die Kalkkörner zu den Elementen der Haut ste- 
hen, ob Theile der letztern selbst verkalkt seien oder ob 
die Höcker sich nur auflagern u. dergl. Hierüber erhielt 
ich folgenden Aufschluss. Hautstöcke', welche einen Tag 
lang in Essigsaure gelegen waren, hatten keine Spur mehr 
von den Kalkhöckern (lig. 2) , sondern anstatt derselben 
überzog eine zelligc Zeichnung die Oberfläche ; man glaubte 
auf den ersten Blick zweifellose ineist sechseckige Zellen 
zu sehen mit Kern und Kernkörperchen. Prüft man aber 
durch verschiedene Einstellung des Mikroskops die anschei- 
nenden Zellen, so ergiebt sich, dass es Vertiefungen sind; 
der Ring, welcher den Nucleus (b) vorgespiegelt halte, war 
muissermassen ein zweiter Absatz in der trichterförmigen 
Vertiefung und der Nucleolus (c) war die Stelle, wo die 
Grube sich zum Porenkanale verengt halle. Denn an Quer- 
schnitten (lig. 3) wurde es klar, dass die geschichtete Cu- 
ticula (b) auch hier von starken Kanälen durchsetzt sei, 
welche nach der freien Fläche bin sich erweiternd die 
seil ige Zeichnung hervorgerufen hatten, Die Kalkconcrc- 
nienlc sassen unmittelbar in diesen Gruben, füllten sie 
nicht nur aus, sondern überragten sie noch, die llaiilfläche 
zahn- oder schuppenartig bedeckend. 

Zum Schlüsse dieser Mittheilung kann ich mir das 
Vergnügen nicht versagen, wörtlich anzufahren, was unser 
Bwammcrdamm über die Haut der obigen Larve ge- 
sagt bat, da auch daraus von Neuem hervorgeht, ein wie 
r Beobachter dieser Mann war. Seine Worte 
Mini : „die Haut kommt mehr mit den Schdligen Thirrcn, 
als mit der Würmer und Raupen ihrer übercin. Sie ist 



1G0 Leydig: lieber Kalkablagerung in d. Haut der Inserier,. 

ziemlich hart, und sieht wie Chagrinleder aus; folglieh ist 
sie mit unzählig vielen sehr kleinen und beinahe gleich 
grossen Körngen wie besäet. Diese stehen so dichte an- 
einander, dass man beynahe keinen leeren Zwischenraum 
gewahr wird. Sie sind da merklich kleiner, wo die Ringel 
des Bauchs zusammenlaufen , als auf der Mitten. Dieses 
verursacht, dass das Fell daselbst schmeidiger ist und der 
Wurm .kann sich desto gemächlicher beugen und bewegen. 
Betrachtet man diese Körngen aber mit einem Glase, das 
die Vorwürfe am allermeisten vergrössert, so wird man erst 
recht ihres Baues inne. Ich stelle ihn an einem kleinen 
Stückgen besonders vor lig. 4 a. Man sieht daselbst das 
Fell zwischen dem einen und dem andern Körngen mitten 
inne, auf der Mitte sind sie am dicksten und ragen am 
meisten hervor. Auf den Seiten oder Rändern scheint es, 
als ob sie aus kleinen zusammengefügten Ringeln bestün- 
den, die mit verschiedenen unregelmässigen Spitzgen zu- 
sammcnslossen. Solches giebt ihnen eine grosse Festig- 
keit. Sie sind hornbeinig und sehr stark, so dass ich ganz 
nicht zweifle, man könne recht festes Holz, als z. E. Eben- 
oder Palmenholz, im Drechseln mit diesem Fell poliren, so 
wie man besagte Arten von Holz und Helfenbein mit Cha- 
grinleder sehr wohl poliren kann." 



Erklärung der Abbildungen. 
Taf. VII. 

Fig. 1. Hautstück der Larve von Straliomys chamaelenn im frischen 
Zustande und von oben, Vergrösserung 300mal. 
a. Die Kalkkörner. 

Fig. 2. Hautstüek desselben Thiels von oben nach dem Auszug des 
Kalkes durch Essigsaure, Vergrösserung 300mal. 

a. Zellige Sculptur, welche eigentlich aus trichterförmi- 
gen Vertiefungen besteht, so dass 

b. einen Absatz oder Wulst in der Vertiefung vorstellt und 

c. die Oeffnung des Porenkanals. 

Fig. 3. Halbschenialisehcr Durchschnitt durch die Haut. 

a. Die Kalkkömcr. 

b. DieCuticula, in ihr die nach oben trichterartig erwei- 
terten Porenkanäle. 



Bitin nis *), ein neues Genus der langschwänzigen 
Krebse. 

Von 

Dt. R. A. Philippi 

in Santiago. 



Vor einigen Tagen fand ich bei einem Freunde einen 
Korb voll getrockneter Krebse , welche man ihm von dem 
Flusse la Ligua her geschickt hatte, und auf den ersten 
Blick erkannte ich zu meinem Erstaunen , dass diese Krebse 
noch nicht beschrieben sind, und einem neuen Geschlechte 
angehören müssen. Ein grosser Theil der Beine, die Spitzen 
der Fühler u. s. w. waren zwar abgebrochen, doch Hess 
sich das Thier noch vollständig untersuchen. 

Der ganze Krebs ist hart, wie ein Astacus, das Kopf- 
bruststück ist auf dem Rücken von vorn nach hinten 
massig gewölbt, ziemlich stark punktirt, übrigens glatt. Der 
vordere Rand ist abgestutzt; die Stirn ragt in Gestalt einer 
an den Seiten ganzrandigen, oben gekielten Spitze hervor, 
welche so lang ist, wie das erste Glied der inneren Füh- 
ler; der erwähnte Kiel hat oben 5 bis 6 stumpfe Zähnchen. 
Zwischen der Augenhöhle und dem Ursprünge der äusseren 
Köhler steht jederseits noch ein kurzer Dorn. Das erste 
Glied der inneren Fühler ist platt gedrückt etwa an- 
derthalb Mal so breit wie lang; sein äusserer Rand ist grad- 
linig! ; hat etwas vor der Mitte einen kleinen Zahn und 
endigt mit einem spitzen Zahne, der ziemlich weit über den 
Ursprung des zwc-iien Gliedes hervorsteht. Dieses ist in der 
inneren Hälfte des Vorderrandes und in einer Wölbung des- 
selben eingefügt; es hat nach aussen und innen einen 



') liiilurtt. «ine Nymphe. 
Arcl.it f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 11 



162 P h i 1 i p p i : 

langen Zahn und ist mit Einschluss dieser Zähne fast so 
lang- wie der innere Theil des ersten Gliedes. Das dritte 
Glied ist etwas kürzer als das zweite, und trägt die innere 
Geissei auf einem Vorsprunge. Die äussere Geissei ist an 
ihrem Ursprünge von einer dreieckigen Schuppe begleitet, und 
in einer Strecke , etwa so lang wie das dritte Glied, einfach, 
dann theilt sie sich aber in zwei Aeste, von denen der innere 
(der mutiere der drei Geissein) der schwächere ist. Die 
äusseren Fühler sind zur Seite der inneren und nur 
wenig tiefer eingelenkt. Ihr erstes "Glied trägt eine zwei- 
gliedrige Schuppe , welche etwa zweimal so lang wie der 
Stiel der äusseren, und den dritten oder vierten Theil län- 
ger als der Stiel der inneren Fühler ist; das untere Glied 
dieser Schuppe hat auf der Oberseite eine breite, seichte 
Furche. Das zweite und dritte Glied dieses Stieles sind 
kurz, beinah so breit wie lang. Die Geissei muss — nach 
der Dicke ihres unteren Theiles zu urtheilen — wenig- 
stens die Körperlänge erreicht haben. Die Augen sind 
kurz gestielt und können sich nicht in die Augenhöhle zu- 
rückziehen. 

Diebeiden ersten Fussp a a re tragen Scheeren. Das 
erste ist das dünnste und kleinste; die vier ersten Glie- 
der sind so lang, dass sie fast die Spitze der Schuppe der 
äusseren Fühler erreichen , und entsteht diese Länge na- 
mentlich durch das vierte Glied ; die drei folgenden Glie- 
der, welche das Thier — wie es scheint — zurückgeschla- 
gen trägt , sind zusammengenommen ein wenig länger als 
die vorhergehenden, und zwar ist das fünfte Glied so lang 
wie das vierte mit dem halben dritten zusammen, die bei- 
den letzten Glieder bilden eine kleine Scheere, deren Dau- 
men und Index gerade sind. Die ersten vier Glieder sind 
dicht mit spitzen Warzen besetzt, die folgenden glatter, die 
Scheere stark behaart. Das zweite Fusspaar ist das 
grösste von allen und ungleich : die linke Scheere ist län- 
ger als der ganze Körper, die rechte etwa so lang wie der 
hinter ihrer Insertion liegende Theil desselben; im übrigen 
sind beide gleich gebildet und überall dicht mit stumpfen 
Dörnchen besetzt. Bis zum vierten Gliede nimmt die Länge 
und Dicke der Glieder allmählich zu; das fünfte Glied ist 



Bithynis, ein neues Genus der langschwänzigen Krebse. 163 

das dickste, beinah verkehrt kegelförmig, jedoch aussen 
mehr grade, innen mehr convex. Die linke Hand ist bis 
zum Ursprünge des Daumens so lang wie das Kopfbrust- 
stück und ziemlich walzenförmig; die Finger sind wenig 
kürzer, gleich dick, cylindrisch, aber innen mit einer Reihe 
entfernter, stumpfer, kurzer, cylindrischer Höcker, etwa 
5 — 7 an der Zahl, besetzt, die sich beim Schliessen der 
Scheere nicht berühren, indem die Spitzen der Finger sich 
nach innen hakenartig umbiegen. Die Dornen, welche die 
ganze Scheere bedecken, verwandeln sich gegen die Spitze 
derselben in schief nach vorn gerichtete, stumpfe Höcker. 
Die rechte Scheere ist kaum halb so lang wie die linke, 
sonst ähnlich gebildet. Die folgenden Fusspaare 
nehmen allmählich an Länge ab und enden mit einer ein- 
fachen Klaue; sind ebenfalls dicht mit scharfen Höckern 
besetzt, welche auf der inneren Kante des zweiten, dritten 
und vierten Gliedes länger und spitzer und daher wahre 
Dornen zu nennen sind. Der Hinterleib ist unbedeu- 
tend länger als das Kopfbruststück, nicht zusammengedrückt, 
sondern halbcylindrisch, und wenn er nach unten umgebo- 
gen ist, zeigt er von vorn nach hinten eine gleichmässige 
Rundung. Er ist glatt, ohne alle Furchen und Höcker ; das 
Endglied ist stumpflich, so lang wie das vorhergehende 
Glied, über der Basis mit einem Grübchen versehen, in 
dem kurze Haare stehen, nach der Spitze hin stehen zwei 
Paar Zähnchen. Die Flossen sind länglich oval, wie es 
scheint nur kurz gewimpert, grobpunktirt; die äussere 
zweigliedrig. Die äussern Kaufüsse reichen bis an 
das Ende der Schuppe der äusseren Fühler; sie sind beinah 
cylindrisch, mit Bündeln von Borsten besetzt und enden in 
eine spitze, schwach gekrümmte Klaue; ihr zweites Glied 
ist so lang wie die folgenden zusammengenommen und nach 
innen gebogen, so dass die übrigen Mundthcile frei gese- 
hen werden können. Die Geisse] ist platt und so lang wie 
dieses zweite Glied. Beim zweiten Kaufüsse ist das vor- 
lelzle Glied in zwei gleiche Lappen gelheilt. Der obere 
ist nach innen gewimpert und dem letzten Gliedc ähnlich, 
aber mit gebneidender Kante , während dieses eine abge- 
stutzte, breite Kante trägt; sein Taster ist breit und beinah 



164 Philippi: BUhynis, ein neues Genus d. langschw. Krebse. 

röhrenförmig. Die übrigen Mundtheile haben mir nichts 
Auffallendes dargeboten. 

Lange des Kopfbruststücks derBithynis 3 Zoll; Breite des- 
selben l'/ 2 Zoll. 

„ „ Hinterleibes 3 Zoll 4 Linien ; Breite desselben 
13 Linien. 

„ „ ersten Fusses 3 Zoll. 

„ „ zweiten Fusses der linken Seite 9 Zoll 3 Linien. 

„ • der Hand allein 5 Zoll; Breite derselben 1 Zoll 4 Li- 
nien ; Länge der Finger 2 Zoll 8 Linien. 

„ des zweiten Fusses der rechten Seite 4 Zoll 6 Linien. 

„ „ dritten Fusses c. 4 Zoll. 
Ich bekenne, dass ich nicht weiss, in welche Abthei- 
lung der langschwänzigen Krebse ich dies Thier bringen 
soll. Grösse, Härte der Schale, Stirn des Kopfbruststückes 
erinnern an die Astaciden , von denen unsere Bithynis sich 
durch die grosse Schuppe des Stieles der äusseren Fühler 
unterscheidet. Von den Crangonidcn unterscheidet es 
sich durch die Bildung der ersten Fusspaare, von den Pa- 
lämoniden durch die Bildung des Stirnschnabels, von 
den Penäiden durch die des Hinterleibes u. s. w. Zu den 
Alpheiden kann man sie aber auch nicht wohl rechnen. 
Ich muss es den Naturforschern, denen eine reiche geordnete 
Sammlung und mehr Literatur zu Gebote steht, überlassen, 
die Stellung dieses neuen Krebses im Systeme genauer zu 
bestimmen. Vielleicht gelingt es mir, besser erhaltene und 
sogar frische oder in Weingeist aufbewahrte Exemplare zu 
untersuchen. 

Der Art habe ich vorläufig den Namen Bithynis lon- 
gimana gegeben. 

Santiago de Chile, den 20sten April 1860. 



Heber Distoma appendicnlatum R. 

Von 

Dr. <i. R. Wagener. 
Briefliche Mittheilung an Prof. Dr. R. Leuckart. 

(Hierzu Tnf. VIII und IX.) 



Die Angaben über Distoma appendiculatum, unter wel- 
chem Artnamen sehr verschiedene Species von den Auto- 
ren verstanden werden, sind sehr lückenhaft. 

In den nachfolgenden Zeilen soll versucht werden, 
die Arten genauer zu bestimmen , woraus sich von selbst 
ergeben wird , dass der einziehbare Schwanztheil dieser 
Thiere *) in allen bis jetzt bekannten Arten in nichts einem 
Cercarienschwanze ähnlich sieht, und da sich bis jetzt im- 
mer mit seinem Auftreten eine grosse Gleichförmigkeit in 
der Organisation dieser Distomenarten vorfand , man füg- 
lich diese merkwürdigen Formen im Systeme zu einer 
Gruppe vereinigen kann , wie es vonDujardin (Hist. nat. 
des helminthes pag. 420) schon geschehen ist (jedoch mit 
Ausschluss von Dist. excisum (1. c. p. 430), das er mit D. 
nodulosum, laureatum, Gasterostoma fimbriatum (= D. cam- 
panula) in die Untergattung Crossodera stellt). 

Die nachstehenden Angaben beruhen theils auf Un- 
tersuchung ganz frischer Exemplare theils auf Vergleichung 
der in der Rudolphi'schen Sammlung sich vorfindenden Spe- 
cies, welche letztere mit dankenswerter Bereitwilligkeit 
vom Director des hiesigen zoologischen Museums, Prof. Dr. 
Peters, mir zu diesem Zwecke überlassen wurden. 



') Diciing bcnutzl ihn taicbl als Einthuilungagrund in Boincm 
Sjrit. helminlhum. 



166 Wagener: 

Es sind bis jetzt nur vier Distomenspecies mit zu- 
rückziehbarem Schwänze bekannt : 

1) Distoma ventricosum R. 

2) bist, excisum R. 

3) Vist. tornalum R. 

4) Dist. rtifoviride R. 

Alle übrigen, welche noch von Rudolph i und D u- 
jardin als Distonien mit zurückziehbarem Schwänze auf- 
geführt werden, sind entweder auf die oben genannten zu- 
rückzuführen oder aber sie haben gar nichts mit dieser 
Thiergruppe zu thun. 

1, Distoma ventricosum R. 

Fundort. Uer Magen vieler Clupeiden. 

Leeuwenhoek fand es dort zuerst, später auch 
Herrmann. — Von Rudolphi ist es als Distoma appen- 
diculatum, oereatum, crenatum , ventricosum beschrieben 
worden. In seiner Synopsis liess er den vorletzten Namen 
eingehn, das darunter bezeichnete Thier auf D. appendicu- 
latum beziehend. 

Dujardin (1845 I.e.) beschreibt dasselbe Thier un- 
ter Dist. appendiculatum , unter Dist. oereatum dagegen 
giebt er die Charakteristik Rudolph i's. 

Mayer (Beiträge zur Anatomie der Entozoen 1841) 
beschreibt das Thier ebenfalls unter dem Namen von D. 
appendiculatum. 

Eysenhardt (Verhandl. d. Gesellsch. naturf. Freunde 
in Berlin 1829. p. 148) will dies Distom mit den anderen 
Appendiculaten , welche er zusammen als eine Species D. 
varium ansieht, identiliciren. 

Von Busch (Beobachtungen über niedere Seethiere 
p. 99. Taf. XV. fig. 13) ist in neuerer Zeit eines Distomes 
unter dem Namen D. crassicaudatum in Sagitta lebend er- 
wähnt. Das noch nicht geschlechtlich entwickelte Thier 
sieht in der Abbildung einem Dist. ventricosum, das seinen 
Schwanz eingezogen hat, in allen Beziehungen sehr ähnlich. 

Grösse des erwachsenen Thieres ungefähr 5 Mm. 

Die Form seines Körpers ist cylindrisch. Vollstän- 



Ueber Distoma appcndiculatuin. 167 

dig ausgestreckt, setzt sich der Schwanz des Thieres durch 
einen Einschnitt vom Körper ab. — Mit eingezogenem 
Schwänze erscheint der Hinterleib des Thieres geschwol- 
len und dunkel. — • Der Hals des Thieres spitzt sich nach 
dein Kopfe hin zu. Die Bauchseite zwischen den beiden 
Saugnäpfen ist ausgehöhlt. 

Die Farbe des frischen Thieres ist bei durchfallen- 
dem Lichte grünlich. 

Die Saugnäpfe. Der Kopfnapf ist bedeutend klei- 
ner als der Bauchnapf. Letzterer ist am Rande von einer 
Reihe kleiner Erhabenheiten umgeben, welche von der äus- 
seren structurlosen Haut gebildet werden. 

Die Haut des Thieres ist dick. Sie ist in etwas sich 
deckende Querfalten mit scharfem freien Rande gelegt, da- 
her erscheinen die Conturen des Thieres gezackt. 

Die Querfalten werden nach dem Hinlerleibsende zu 
immer kleiner. Auf dem einziehbaren Schwänze sind sie 
ganz verschwunden. Die Haut des Thieres erscheint dort glatt. 

Die Haut selber erscheint ganz structurlos. Selbst 
die feine epitelartige oder netzförmige Zeichnung, die man 
sehr schön auf der Haut von Dist. megastomum und tere- 
ticolle sieht, die sich auch vielleicht auf stumpfe kurze Pa- 
pillen beziehen lässt, Hess sich nicht aufweisen. 

Unter der Haut liegt noch eine Schicht von schief 
sich durchkreuzenden Fasern, welche den Falten 
der Oberhaut nicht folgt. 

Dieser von v. S i e b o 1 d Corium genannten Schicht folgt : 

Die Muskulatur. Als erste Schicht derselben er- 
scheint eine starke Lage von Querfasern, worauf eine nicht 
ganz so starke Schicht von Längsfasern folgt. 

Diese beiden Schichten bilden einen Schlauch, der die 
Eingeweide enthält und im Schwänze öfters stark querge- 
runzelt ist. 

Dieser Schlauch enthält bei vielen Trematodcn eine 
klare Flüssigkeit, in welcher die Eingeweide zu schweben 
scheinen. In diesen Fällen sieht man häulig zellenarlige 
Körper mit Ausläufern nach allen Richtungen , welche sich 
an die Eingeweide und an das Gcfä.s.ssy.slcm befestigen. Die 
Form dieses Gewebes erinnert an junges Bindegewebe. Nach 



168 Wagener: 

dein Vorgange Vir c ho w's fasstWalter (Archiv für Natur- 
gesch. 1858. Beiträge zur Anatomie und Histologie einzel- 
ner Trematoden I. Bd. p. 287) diese s. g. Saftzellen als ein 
Canalsystem auf, in dem Circulation stattfindet und erwei- 
tert noch diese Anschauung dadurch , dass er das Ange- 
heftetsein der Ausläufer dieser Bindesubstanzzellen an das 
Excr e ti o nsorg an für eine Communication mit demsel- 
ben ansieht *). 

Bei Dist. ventricosum gehen innerhalb des Schlauches 
nicht weit unterhalb des Bauchnapfes beginnend, viele Bün- 
del von Muskelläden von der ganzen Peripherie herkom- 
mend ab, welche sich nach unten hin begeben und die Zu- 
rückzieher des Schwanzes zu sein scheinen. Sie verlieren 
sich nämlich gerade an der Einschnürung, welche den zu- 
rückziehbaren Schwanz vom Körper des Thieres abgrenzt. 
Sie scheinen losgelöste Faserzüge der zu innerst gelegenen 
Längsnuiskelschicht zu sein. 

Die V erdau u ngsorgane. Der kuglige Schlund- 
kopf geht unmittelbar in den Kopfnapf über. 

Der dickwandige Schlund (den- Dujardin übersah) 
theilt sich nach kurzem Verlaufe dicht über dem Bauch- 
napfe in die leicht wellig zu beiden Seiten des Thieres her- 
ablaufenden Blinddärme. Diese folgen genau den äusseren 
Conturen des Thieres , indem sie auch beim Schwanzan- 
satze wie diese eine Einbiegung in ihrem Verlaufe erfah- 
ren. Im Schwänze selber erreichen sie nicht ganz die 
Schwanzspitze. 

Das Excretionsorgan besteht aus einem langen auf 
der Schwanzspitze ausmündenden Stamme , der etwas über 
der Hälfte des Thieres sich in zwei Arme theilt , welche 
mehrere Biegungen machend sich auf der Rückseite des 



*) In der eben citirten Mittheilung Walters wird die Aus- 
mündung des Excretionsorgans als in der Mitte des Schwanznapfes 
liegend angegeben. Dass sie auf dein Kücken des Thieres dicht 
über dem Rande des Schwanznapfes liegt, geht allein schon 
daraus hervor, dass bei der Cerkarie dort der Schwanz sich anfügt. 
Am erwachsenen Thiere lässt sich dort auch die Oeffnung mit einer 
starken Lupe aufweisen. '." 



Ueber Distoma appendiculatum. 169 

Schlundkopfes zu einer Schleife vereinigen, wie schon 
v. Siebold hervorhob. 

Die Wandungen des Excrelionsorganes haben, wie die 
des Darmes , deutliche Doppelconturen. Ihre Innenfläche 
ist häufig mit dunklen Körnern dicht besetzt, welche fest 
ihnen anhaften, während andere frei in der das Excretions- 
organ ausfüllenden durchsichtigen Flüssigkeit schweben und 
durch die Contractionen des Thieres bewegt werden. 

Eigenthümlich ist dem Stamme des Excrelionsorganes 
das Vermögen entweder regelmässige Varicositäten zu bil- 
den oder seine Wandungen in feine sehr regelmässig lie- 
gende Falten zu legen. 

Die Lage desExcretionsorganes. Im Schwänze 
verläuft es in der Mittellinie desselben. Im Körper dage- 
gen tritt es der Bauchseite sehr nahe, so dass fast alle 
Windungen des Eileiters auf seiner Rückseite zu liegen 
kommen. Wo er sich theilt nehmen die beiden Arme wieder 
die Richtung nach der Rückseite des Thieres , so dass die 
beiden Arme die letzten Glieder des Geschlechtsapparates 
umfassen. 

Die Geschlechtsorgane. 

Die Ei weissdrüse früher Dotterstock genannt. 
Sie erscheint in Form zweier dunkler oder weisser (je 
nach der Beleuchtungsart) quer liegender ovaler Säcke, die 
ziemlich in der Mitte des Thieres auf der Bauchseite zu 
sehen sind. In der Mittellinie des Thieres berühren sie 
sich fast. 

Ihr Inhalt besteht aus Zellen, deren Kerne ziemlich 
dicht mit fetttropfenartigen Bildungen bedeckt ist. 

Die sehr kurzen Ausführgänge dieser Drüsen gehen 
etwas nach der Rückenseite des Thieres hin. Dort verei- 
nigen sie sich sogleich mit dem Ausführungsgange des 
durchsichtigen kugligen Eierstockes. 

Der Eierstock ist ebenfalls ein ovaler mit Zellen 
gefüllter Sack , fast von der Grösse des halben Eiwcissor- 
gancs. In seinem dem Rücken des Thieres zugekehrten 
Grunde sieht man die kleinsten Zellen seiner Wand zu- 
piiii bei liegen. Der helle den Keimflerk umgebende Hol" 
erscheint am spätesten. Erliegt gerade in der Mittellinie 



170 Wage n er : 

des Thieres dicht über und auf der Rückseile der Eiweiss- 
stöcke. 

Bei anderen Distomen findet sich am Zusammenflüsse 
dieser Organe die s. g. Vesica seminalis externa , die man 
als eine Aussackung des Eileiteranfangs ansehen kann. Bei 
dieser Distomenspecies und ihren bis jetzt bekannten Ver- 
wandten fehlt diese Aussackung stets. Man sieht Zoosper- 
men an der Stelle des Zusammenflusses des Eiweissslockes *) 
mit dem Eierstocke lebhaft die Produkte beider Drüsen 
durcheinander treiben. 

Der Eileiter oder Eier gang ist als der gemein- 
schaftliche Ausführgang aller zum Geschlechtsorgansysteme 
wesentlichen Drüsen anzusehen. Er enthält das befruchtete 
Ei mit allem für die Entwickelung des Embryo nöthigen 
Zubehör. 

In neuerer Zeit ist von R. Leuckart der direkte 
Zusammenhang der Hoden mit dem Anfange des Eileiters 
in Abrede gestellt. 

Es ist nicht zu leugnen, dass dieser Anschauung die 
Verbindung der Hoden mit der Vesica seminalis externa 
und das Vorhandensein eines Penis , einen wesentlichen 
Stützpunkt bietet im Vergleiche zu der von v. Siebold 
vorgetragenen Ansicht in der für die Erkenntniss der Or- 
ganisationsverhältnisse der Trematoden Epoche machenden 
Anatomie des Distoma globiporum. 

Es ist die Möglichkeit zuzugeben, dass es so, wie R. 
Leuckart angiebt, in vielen Fällen sein kann. 

So wie v. Siebold den Zusammenhang der Hoden 
mit dem Anfange des Eileiters bei D. globiporum darstellt, 
sah ich ihn auch bei einem Dislom, was Rudolph i schon 
gesehen hat und unsicher auf Disloma fallax bezog. Mit 
diesem hat es indess nur eine sehr geringe Aehnlichkeit, 
da ihm der den Kopfnapf des D. fallax unigebende Stachel- 
kranz fehlt. Beide Dislomen kommen in Uranoscopus scaber 
zuweilen zusammen vor und zwar besonders im oberen 
Theile des Darmes. 



'•') Diesen Namen gab Reichert diesem Organe, das mit dem 
Namen Dotterstock nicht mehr belegt werden kann. 



Ueber üistoma appendiculatum. 171 

Der Verlauf des Eileiters ist folgender: das 
Rohr entsteht etwa in der Längsaxe des Thieres, wie schon 
gesagt, zwischen den Eiweissdrüsen und dem Eierstocke. Es 
wendet sich sodann, je nach seiner Anfüllung, in mehr oder 
minder zahlreichen kurzen Windungen zur Seite ziemlich 
dicht an der unteren Grenze der Eiweissdrüse hinge- 
hend, kehrt sodann wieder nach der Mittellinie zurück und 
steigt jetzt häufig secundäre Schleifen bildend zum Schwänze 
herab. 

Bis hieher liegt der Eileiter der Bauchseite des Thie- 
res sehr nahe. 

Nachdem das Rohr ungefähr das erste Drittel der 
Schwanzlänge durchwandert ist, wendet es sich aufsteigend 
auf die andere Seite des Thieres, den Stamm des Excre- 
tionsorganes auf seiner Rückseite liegen lassend. 

Immer secundäre Schleifen bildend, nähert der Eileiter 
sich immer mehr der Rückseite des Thieres , bis er über 
den Eiweissstock zu liegen kommt. 

Hier geht er plötzlich mit einer grossen Windung an 
der unteren Seite des Eierstockes vorbei zur anderen Thier- 
hälfte über und füllt in kurzen quer durch das Thier ge- 
lagerten zahlreichen Windungen den ganzen Raum aus, der 
ihm vom Darme , den unter dem Rücken liegenden Hoden 
und dem der Bauchseile anliegenden Stamme des Excre- 
tionsorganes gelassen wird. 

Unter dem oberen Hoden steigen seine Windungen 
wieder in die Höhe. Auf seiner Rückseite ruht die Vesica 
seminalis externa. Nach und nach werden seine Windun- 
gen kürzer und bald dicht unter dem Rücken des Thieres 
sich hinziehend, wendet er sich kurz vor der auf der Bauch- 
seite liegenden Geschlechtsöfl'nung herab. Dort mündet er 
aus unter der Schleife des Excrelionsorganes mit dem Penis 
zusammen sich hinziehend. 

Die Hoden sind zwei kuglige schief nach innen und 
dicht über einander liegende Organe, welche sich unter 
dem Rücken lagern. 

Ihnen schliesst sich eng die über ihnen liegende Ve- 
äca seminalis externa an, welche, zuweilen in zwei Thejle 



172 Wagener: 

geschnürt, mit dem Penis zusammen in einem Beutel sich 
befindet *). 

Der Penis ist sehr lang und macht in seinem Ver- 
laufe zahlreiche Schleifen. 

Der Sack , in dem er liegt , folgt ihm in seinen Win- 
dungen nicht, sondern überbrückt direkt die welligen Aus- 
weichungen. 

Die dadurch entstehenden Zwischenräume sind von 
einer fasrigen , zuweilen zellig erscheinenden Masse aus- 
gefüllt, deren Bedeutung unerklärt blieb. Es findet sich 
dieses Gewebe, das oft an s. g. einzellige Drüsen erinnert, 
in dem Cirrusbeutel einer Menge Distomen. 

Den Penis ausgestülpt zu sehen, ist bis jetzt nicht ge- 
lungen. Seine Oberfläche ist mit glänzenden schon von 
Dujardin bemerkten Knötchen besetzt, deren ich ungefähr 
sechs Längsreihen zählte. Sie werden nach der Spitze des 
Penis zu kleiner. Kurz vor dem Austritte des Penis und der 
Geschlechtspapille, die dicht am unteren Rande des 
Kopfnapfes sich befindet, hören die Knötchen auf. Es tre- 
ten an deren Statt feine Querstreifen. Dann scheint der 
Eileiter mit ihm in einen gemeinschaftlichen Vorhof auszu- 
münden, dessen Wand fein punktirt erscheint. 

Dieser Vorhof hat seine Ausmündung in der Ge- 
schlechtspapille. 

Die Eier des Distoms sind, wie die seiner Verwand- 
ten, sehr klein. Einzeln erscheinen sie fast farblos mit 
leichtem gelblichen Anfluge. In Massen sind sie schön 
röthlich gefärbt. 

2. Di Stoma excisum R. 

Fundort. Dieser Trematode findet sich im Magen 
verschiedener Scomberarten. Er ist von Rudolphi zu- 
erst gefunden und beschrieben worden. 



*) v. Siebold giebt p.l43Anm.9. seines Lehrbuchs der vergl. 
Anatomie bei D. appendiculatum mehrere Hoden als vorhanden an. 
Dies ist sicher nicht der Fall. Keins der mir bekannten Appendicula 
bat mehr wie zwei Hoden. 



I 



lieber Distoma appendiculatum. 173 

Die Grösse des Thieres erreicht etwa 11 Mm. Sein 
Querdurchmesser noch nicht 1 Mm. 

Die Form des Körpers ist im Allgemeinen cylindrisch. 
Bei vollständiger Streckung selzt sich, wie bei der vorigen 
Art, der Schwanz durch einen tiefen Einschnitt vom übri- 
gen Körper ab. Der Hals ist rund, ohne Aushöhlung auf 
der Bauchseite. 

Der Körper des Thieres ist durch drei Anschwellun- 
gen ausgezeichnet. Die oberste umfasst den Raum zwi- 
schen den beiden Saugnäpfen ; die miniere ist dicht unter 
dem Bauchnapfe am stärksten; die letzte und unterste ist 
am meisten entwickelt. Sie umfasst das letzte Drittel des 
Leibes bis zum Ansätze des Schwanzes. Ist letzterer einge- 
zogen, so ist die Anschwellung sehr stark. 

Die Farbe des frischen Thieres ist grünlich, wie bei 
Dist. ventricosum geben die Windungen des stark mit Eiern 
erfüllten Eileiters dem Thiere ein rothgelbes Ansehn. Es 
ist möglich, dass die grünliche Farbe durch die letztere 
erscheint. 

Die Saugnäpfe. Der Kopfnapf ist noch einmal so 
gross als der Bauchnapf. Er zeichnet sich durch zwei 
Einschnitte an seiner Bauchseile aus , welche einen koni- 
schen Zapfen begrenzen, dessen Spitze die Geschlechtsöff- 
nung Irägl. 

Die Haut des Thieres zeigte ebenfalls keine Slructur, 
doch ähnelt sie durch die etwas sich deckenden scharf ge- 
randeten Falten, wodurch die Ränder des Distomes wie ge- 
sägt erscheinen, sehr der Haut von Distoma ventricosum. 
Diese Falten linden sich bei dieser Species auch auf dem 
Schwänze, wenn auch weniger ausgeprägt. 

Die Muskulatur ist ebenfalls der vorigen Species 
sehr ähnlich. 

Die Verdauungsorgane. Der Schlundkopf ist 
sehr stark, lang und last cylindrisch. 

Legi man die lebendigen Thiere ins Wasser, so springt 
meist mit einem Kucke der Kopfhapf los und an ihm hängt, 
wie ein Stift, der herausgerissene Schlundkopf. 

Ein Schlund war nie sichtbar. Die beiden Darmschen- 
kel ■chlieiaen sich unmittelbar dem starken Schlundkopfe 



174 W n g e n e r : 

an. Sie steigen seitlich neben dem Schlundkopfe wie zwei 
hohe Schultern in die Höhe, den Raum zwischen Schlund- 
kopf und Leibeswand ausfüllend. Dann erst gehen sie 
herab mit leisen Schwankungen in ihrem Verlaufe der Kör- 
percontur folgend. 

Die Wände des Darmes bilden so wenig wie die der 
vorigen Species Anschwellungen und Ausbuchtungen, wie 
sie der Darm verschiedener anderen Dislomen, so Distoma 
veliporum, zeigt *). Die blinden Enden des Darmes er- 
reichen fast die Schwanzspitze. 

Das Excretionsorgan bildet auch bei dieser Art 
einen Stamm mit zwei zu einer Schleife sich vereinigen- 
den Armen. Seine Ausmündung liegt auf der Schwanz- 
spitze. Sein Stamm steigt in der Axe des Schwanzes ge- 
rade in die Höhe. Seine Wandungen zeigen meist eine 
Menge dicht und ziemlich regelmässig angeordneter kleiner 
Ausbuchtungen, welche ihm das Aussehen eines knorrigen 
Stockes geben. An seinen Wänden sitzen dunkle kleine 
Körnchen fest, welche ihn bei auffallendem Lichte schnee- 
weiss erscheinen lassen. 

Sobald der Stamm den Schwanz verlässt, wendet er 
sich in seinem weiteren Verlaufe der Rückseite des Thie- 
res zu. Seine Ausbuchtungen der Wände werden gerin- 
ger und hören endlich ganz auf. Die Theilung tritt unge- 
fähr am Ende des ersten Drittels der ganzen Thierlänge 
ein. Die Schleife liegt auf der Rückseite des Kopfnapfes. 

Die Geschlechtsorgane. Auf der Bauchseite 
fallen gleich acht mannigfach gewundene unverzweigte 
weisse Schläuche auf, die aul einen Punkt sich vereinigen. 
Dies ist die Eiweissdrüse. Sie liegt dicht unter den Bauch- 
decken. Unter denselben sich hinwindend, umgreifen diese 
Schläuche nach beiden Seiten hin symmetrisch sich vertei- 
lend den Darm und von einigen lassen sich die blinden 
Enden bis unter die Rückenhaut verfolgen. Ihren Inhalt 
bilden fetttropfenartige meist um blasse Kerne vereinte 



*) Der bluthaltige Darm von 'Bist, nigroflavum zeigt so starke 
Ausbuchtungen, dflss man an den verzweigten Darm von Disl. hepa- 
ticum erinnert wird, oder an den der Polyslouieen. 



I 



Ueber Distoma nppendiculalum. 175 

Gebilde, wie man es gewöhnlich in diesem Organe auch bei 
anderen Trematodcn findet. 

Der Eierstock liegt gleich hinter der Vereinigungs- 
stelle dieser Schläuche ; er ist kuglig und der Axe des 
Thieres mehr genähert. 

Der Eileiter hat ebenfalls keine Vesica sein, interna, 
obgleich man Zoospermen in seinem Ursprünge sich be- 
wegen sieht. Sein Verlauf ist im Wesentlichen genau so, 
wie er oben bei Dist. ventricosum auseinandergesetzt wurde. 
Abgesehen von den secundären Windungen , welche je 
nach der Anlüllung des Eileiters mannigfachen Schwankun- 
gen unterliegen , steigt er erst nach unten herab bis un- 
gefähr zur halben Länge des Schwanzes. Er hält sich da- 
bei dicht an die Bauchseite, dem Stamme des Excretions- 
organes seine Rückseite zuwendend. Dann geht er den 
Weg auf der anderen Seite des Thieres wieder zurück. 
Kaum hat er den Schwanz verlassen, so wendet er sich der 
Rückseite des Thieres zu. Seine kurzen quergelagerten 
Windungen lassen Eier- und Keimstock auf ihrer Bauch- 
seite liegen. 

Zwischen Hoden und Eierstock füllen sie den leerge- 
blicbenen Raum nicht ganz aus, weichen an beiden Hoden 
seitlich aus und gehen in immer kürzer werdenden Win- 
dungen nach oben immer an der Rückenseite des Thieres 
sich haltend. 

In der Höhe des Schlundkopfes tritt der Eileiter zwi- 
schen den Darmsclicnkeln herab zur Bauchseite, den Darm 
auf der Rückseite lassend und steigt zum Bauchrande des 
Kopfnapfes empor, wo er in der oben bezeichneten Ge- 
schlechtspapille mit sammt dein Penis ausmündet. Kurz 
vor seiner Ausmündung schein! der Eierschlauch seine 
Strnclur zu verändern. Eine deutliche Längsfaserschicht 
tritt an .seiner äusseren Fläche auf und auf der Innenfläche 
leine« liohrcs erscheinen Knötchen, ähnlich denen des Pe- 
nis von Dist. ventricosum. Dieser Schlauch mündet in 
einen anderen sehr dickwandigen ein, der mit dem des 
Penis lieh verbindet und der stark gerunzelt ist. So schien 
es zu sein. 

Die beiden Hoden sind kuglig. Sie liegen schief 



176 Wagen er: 

übereinander der Mittellinie des Thieres zu geneigt und dicht 
unter dem Rücken. 

Wie bei so vielen anderen Distomen entwickeln sich 
die in der Mitte des Organes gelegenen Zellen zuerst zu 
Samenfäden. Es entsteht hiedurch der Anschein, als hätten 
die Hoden ein Epitel. 

Der Penis ist sehr lang. Seine Samenblase ist bei- 
nahe so gross wie die Hälfte des Penis, der Grund dersel- 
ben liegt auf dem ersten Hoden. Der Sack, der den Penis 
und die Samenblase umhüllt, schliesst sich gewöhnlich nicht 
dicht an letztere an und enthält auch zellenartige Körper. 
Der Penis liegt in seinem ganzen Verlaufe der Rückenseite 
sehr nahe. Er tritt zwischen die Dannschenkel hindurch 
zur Geschlechtspapille. 

Die Eier von D. excisiim sind sehr klein, einzeln 
wenig gefärbt, in Massen übereinander liegend stark rothgelb. 

3. Distoma tornatum Rudolphi *). 

Rudolphi erhielt diese Art zuerst von Ol fers aus 
Coryphaena equiselis, späterhin von Natter er aus Cory- 
phaena hippuris. 

Fundort. Wie seine Verwandten im Magen von 
Coryphaena-Arten. 

Die Grösse des erwachsenen Thieres ist 12 Mm. bei 
einer Breite von ungefähr 1 Mm. 

Die Form des Körpers ist cylindrisch. Der Hals ver- 
jüngt sich nach dem Kopfe zu. Der Interporalraum **) ist 
etwas ausgehöhlt. Der zurückziehbare Schwanztheil ist fast 
noch einmal so lang als der eigentliche Körper. Etwas 
über seiner Mitte wird er durch eine Ringfurche in zwei 
Theile gctheilt. 

Farbe im frischen Zustande ist nicht bekannt. 

Die Saugnäpfe. Der Bauchnapf ist noch einmal so 
gross als der Kopfnapf. 



*) Ist nur an Weingeiste.vemplaren untersucht worden. 
**) So nenne ich in der Kürze denjenigen Theil der Bauchseite, 
der zwischen den Saugnäpfen liegt. 






Ueber Bistonia appendiculatum. 177 

Die Haut des Thieres ist dick und in scharfgeran- 
dete sich etwas deckende Fallen gelegt. Sie hören plötz- 
lich an der SchwanzöfTnung des Oberkörpers auf. Der 
lange Schwanztheil erscheint ganz glatt. 

Die Muskulatur bot Nichts bemerkenswerthes. 

Die Verdauungsorgane beginnen mit einem ver- 
liällnissmässig kleinen kugligen Schlundkopfe, der sich un- 
mittelbar dem Kopfnapfe anschliesst. Hierauf folgt ein kur- 
zer ihn an Länge nicht übertreffender Schlund. Die bei- 
den Darmschenkel, in die er leitet, sind weite Röhren mit 
zuweilen unregelmässig ausgebuchteten Wandungen. Sie 
folgen in ihrem Verlaufe den Körpcrconluren, immer der 
Rückseile näher liegend. Wo die Hauptmasse der Gene- 
ralionsorgane liegt, weichen sie mit drei Windungen, de- 
ren oberste die slärksle ist, nach dem Rücken hin aus. So 
wie die beiden Blinddärme in den Schwanz des Thieres 
eintreten, bietet ihr Verlauf nur geringe Schwankungen dar. 
Ihre blinden Enden gehen bis in die äusserste Schwanzspilze 
hinein. 

Das Excrctionsorgan bildet einen langen dünnen 
Milium, der sich deutlich, in der Längsaxe des Thieres ver- 
laufend , bis an den Körper des Thieres verfolgen liess. 
Dort verdeckten ihn die zum Geschlechtsapparate gehörigen 
Organe. Doch Hess sich zwischen Vesica scm. externa 
und dem ersten Hoden bei vielen Exemplaren ein starker 
durchsichtiger sich tbeilender Schlauch sehen, der auf der 
Rückseite des Darmes zu liegen schien und zum Kopfe 
BUfslieg. Jedenfalls bezieht dieser Schlauch sich auf das 
Bxcretionsorgan. 

Die Geschlechtsorgane. Auf der Bauchseite, 
dicht über der Einzugsslelle für den Schwanz, sieht man 
eine Figur, welche an eine Ophiure errinnert. Es sind 
bm^c unvcrästelte mannigfaclusicfi windende Schläu- 
che, «reiche von einem Punkte in der Mittellinie des Thie- 
res ausgehen. 

Ks ist dies die E i w e iss d rü s e. Drei ihrer Schlän- 
'''"' hieben weil hinab in den Schwanz, während die ande- 

"'" dich! U r der llanl hinweggleitend über den Dann 

nach dem lim Ken sich hin begeben. 
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. l.Bd. 12 



178 Wag en er: 

Der Eierstock ist ein kugliges Organ. Er liegt der 
Rückseite näher. An der Berührungsstelle dieser beiden 
Organe entspringt der Eileiter. In kurzen nicht sehr 
eng an einander liegenden Schleiren steigt er in den Schwanz 
hinab. In der Mitte desselben wendet er, sich auf die an- 
dere Seile begebend , wieder nach oben. Im Körper des 
Thieres angekommen, streicht er mit verhällnissmässig ge- 
ringen Biegungen unter dem Rücken hin. Ueber dem un- 
teren ßauchnapfrande macht er seine letzte Windung. Durch 
die Darmschenkel hindurch tretend, geht er geraden Wegs 
in die Geschlechtspapille, welche sich dicht am un- 
teren Rande des Kopfnapfes auf der Bauchseite befindet. 

Die beiden kugligen Hoden liegen unter der 
Rückseite dicht übereinander, der obere der Mittellinie des 
Thieres näher als der andere. 

Der Penis ist lang und auf eine kurze Strecke hin 
mit breiten kurzen Papillen besetzt. 

Seine Samenblase ist gross, oval und öfter durch 
Abschnürungen in mehrere Abiheilungen gelheilt. Penis 
und Samenblase umschliesst ein Sack. Ob Eiergang und 
Penis in einem Yorhofe zusammennuinden ? 

Wie der Eiergang so tritt auch der Penis zwischen 
den Darmschenkcln zur Geschlechtspapille. 

Die Eier sind leicht bräunlich gefärbt. 

4. Distoma rufoviride R. 

Fundort. Rudolph i entdeckte das Distom im Ma- 
gen von verschiedenen Congerarlen. Einige Speciniina fand 
er auf und in anderen Fischen. Er bezog diese jedoch auf 
Distoma appendiculatum und nicht auf D. rufoviride. 

Man findet öfters in Cephalopoden und anderen nie- 
deren Seethieren kleine noch nicht gesclilechtsreife Indi- 
viduen dieser Trematodenart, welche durch das Zurückzie- 
hen des Schwanzes sich unkenntlich machen. Nähere Be- 
sichtigung lässt sie indess bald erkennen. 

Grösse. Das Thier erreicht in der Länge 9 Mm , 
in der Breite fast 2 Mm. Seine kurze gedrungene Gestalt 



Ucber Distoma appenriiculatum. 179 

zeichnet ps vor seinen meist sehr schlanken Verwand- 
ten ans. 

Form. Das Thier ist im Allgemeinen cylindrisch. 
Der Hinterleib ist stärker als der einem Kegel mehr äh- 
nelnde Hals. Bei ganz zurückgezogenem Schwänze ist der 
Hinterleib um das Zweifache stärker als der Hals. 

Die Farbe des frischen Thieres ist grünlich , die 
übereinanderliegenden Schlingen des Eierleiters , welche 
sich namentlich hinter dein Bauchnapfe anhäufen, schimmern 
als orangegelber Fleck durch die Bedeckungen des Thieres, 
daher der Rudolphi'sche Käme. 

Die Saugnäpfe. Der Kopfnapf des Thieres ist der 
kleinere. Sein oberer Rand bildet eine hngernagclförmige 
Lippe , mit «elcher das Thier tastende Bewegungen aus- 
führt. Der sehr tiefe. Bauchnapf ragt fast gar nicht über 
die Bauchfläche hervor. Der Interporalraum ist nicht aus- 
gehöhlt. 

Die Haut ist durchsichtig, slructurlos so weit wie sie 
hat untersucht werden können. Sie ist dick und auf dem 
Körper unregclmässig quer gerunzelt. Die Falten bilden 
keine Ringe um den Leib,- sondern sind kurz. Auf dem 
zurückziehbaren verhältnissmässig kurzen Schwänze fehlen 
sie ganz. 

Die JI u sku la I u r ist der von Dist. ventricosum sehr 
ähnlich, doch sind die Schwanzrelractoren weit feiner und 
anscheinend weniger zahlreich. Sie entspringen von der 
inneren Peripherie des Sluskelschlauches in der Höhe des 
Dotterstockes. 

Die Ver da u u ngs o rg a ne beginnen mit einem ver- 
hällnissmässig kleinen kugligcn Schlundkopfe, der unmit- 
telbar mit der Kopfoapfhöhie in Verbindung steht. Ein 
kurzer, ihn an Länge nicht Übertreffender Schlund setzt ihn 
mit dem Darme in Verbindung. Der Darm Ist sehr ent- 
wickelt, anfangs von geringerer aber sonst gleichmässiger 
Weile. In seinem Verlaufe folgt er den Körpergrenzen, 
weicht jedoch den Geschlechtsorganen mit einer weilen 
Biegung nach dem Rücken zu aus. Die blinden Enden des 
Darmes hören an der Einzugsstelle lür den Schwanz auf, 
Ohne in fliesen weiter einzudringen. 



180 



;i 2 c n c r : 



Das Excretionsorgan bildet ein Schlauch, dessen 
Wandungen in viele feine Querfalten gelegt sind. Zuweilen 
sind seine Wandungen auch mit dunklen feinen Körnchen 
belegt. Sein Stamm mündet an der Spilze des retraclilen 
Schwanzes aus, in dessen Axe er sich hält. Bei seinem 
Eintritte in den Körper des Thiercs zieht er sich bald an 
die Bauchseile. Er (heilt sich in zwei Arme etwas unter 
dem Bauchnapfe, geht über die innere Seile der beiden 
Hoden hin zum Rücken , wo sie über dem Kopfnapfe sich 
zu einer Schleife vereinigen. 

Die Geschlechtsorgane. Ungefähr in der Mitte 
zwischen Bauchnapf und Schwanz liegt aliseils von der 
Mittellinie unter den Bauchdcckcn die Ei w ei ssd r üs e. 
Sie besieht aus 6 bis 8 kurzen dicken, am Ende kolbig an- 
geschwollenen Blindschläuchen. Sie sind etwas gewunden 
in ihrem Verlaufe. Drückt man das Thier zwischen zwei 
Glasplatten, so erscheint dieEiweissdrüse wie eine Roselle. 
Fast von ihr bedeckt mehr nach dem Rücken zu liegt der 
kuglige Eierstock. Zwischen beiden entspringt der Ei- 
leiter, ohne, wie schon in den drei früher beschriebenen 
Arien, eine Vesica scminalis interna zu bilden. 

Der Verlauf dieses Organes ist im Wesentlichen der 
schon bei den drei vorher beschriebenen Arien angegebene. 
Die ersten Windungen steigen herab bis fast zum Beginne 
des Schwanzes, wenden sich dann , ohne in diesen einzu- 
dringen , hinler das Excrelionsorgan auf die andere Seite 
des Thieres hinüber, wo das Eirobr die Bauchseite verlässt 
und zur Rückseite sich wendet. Vom Rücken her häufen 
sich die Windungen zwischen den Hoden und dem Eier- 
stocke an. In der Höhe des unteren Bauchnapfrandes löst 
sich die letzte Windung los und dicht unter dem Rücken 
fortziehend senkt sie sich in die Gesc hl ec h ts p a pille, 
welche sich in der Mitte des Inlerporalraumes befindet. 

Die beiden kugligen Hoden liegen auf der Bauch- 
seite zu beiden Seilen des unteren Bauchnapfrandes. Hin- 
ter ihnen gehen die Arme des Excretionsorganes vorbei. 

Der Penis ist weit kürzer als in den drei anderen 
Species. Er ist mit kurzen Papillen besetzt, ungefähr sechs 
in einer Ouerrcihe. Er steckt in einem Cirrusbeulel, der 



Ueber Uisloiua appendiculatum. 181 

mit einer bald faserigen , bald zelligen Masse erfüllt ist. 
Eierschlauch und Penis münden in einem Vorhole aus. Die- 
ser erst öffnet sich in der Geschleeiilspapille. 

Die Eier sind klein. Einzeln schwach gelb gefärbt 
erscheinen sie in Massen gelblichroth. 



Aus den angeführten Thatsachen ergiebt sich: 

Dass allen diesen Dislomen ein retractilcr, vom Kör- 
per durch eine Furche abgesetzter Schwanz zukommt. 

Dass drei von ihnen mit Sicherheit (Dist. tornatnm 
höchstwahrscheinlich, ein Excretionsorgan haben, dessen 
Stamm sich in zwei über dein Kopfnapfe sich zu einerSchleifc 
vereinigende Arme theilt. 

Dass der Verlauf des Eileiters bei allen derselbe ist, 
d. h. er wendet sich erst nach unten und zieht von daher 
direkt zur Geschlechtsöffnung hinauf. 

Dass allen nur eine Eiweissdrüsc zukommt (welche 
nicht über das ganze Thier verbreitet ist, sondern eine aus 
zwei bis acht in einem Tunkte auf der Bauchseite sich ver- 
einigenden Blindschtäucheh besiehende Drüse ist). 

Dass ihnen allen eine Ves. seminal. interna fehlt. 



Für die nachfolgenden Bemerkungen sind die von 
Hudolphi seihst bezeichneten Exemplare seiner Sammlung 
benutzt worden. 

Da manche der! von Rudolph.! aufD. appendiculatum 
bezogenen Speciei nur in einem oder wenigen Exemplaren 
vorhanden waren, so mussle in Rucksicht auf das Interesse 
der Sammlung vorsichtig verfahren werden. Es musste 
deshalb von näheren Angaben in Bezug auf Organisation 
abgesehen werden. In jedem Falle aber liess sich mit Si- 
cherheit angeben , ob man es mit einem appendiculatum oder 

nicht ZU Ihiiii halle. 

\) Uistuma caudiporum Ent. Zeus [aber. Dies Distom 
wurde schon von It u d o I p h i selber auf Dist. ruinviridc 
bezogen. Die nähere Untersuchung ergab die Richtigkeit 
der Veruiuthung Rudolphi's. 



182 W ag c n er : 

2) D. clavatum Ver.lric. Scombcr pelamys von Clui- 
misso gefunden und an Rudolphi gegeben. 

Grösse. 25 Mm. lang, am kuglig aufgetriebenen 
Schwänze 4 Mm. breit, am Leibe 2 Mm. breit, der grosse 
Bauclinapf 3 Mm. breit, der Kopfnapf 1 Mm. breit. 

Farbe. Das Tliier war durrh den Weingeist weiss 
geworden. Der zu den Seiten des Thicres verlaufende Darm 
schimmert roth durch. Eine Darmerweilerung muss das 
ganze kuglige Hinterleibsende ausfüllen, da dies ganz pur- 
purfarben erschien. 

Die Form des Körpers ist cylindrisch, an der Bauch- 
seile verschmächtigt. Der Inlerpoialiaum ausgehöhlt, das 
Schwanzende kuglig aufgetrieben. Eine schwächere Auf- 
treibung befindet sich da, wo der Bauchnapf aufsitzt. 

Die Haut ist glatt, stark doch nicht regelmässig in 
quere Fallen gelegt. 

Ver d a uu ngs orga ne. Der Schlundkopf ist klein un- 
mitlclbar dem Darme und Kopfnapfe ansitzend. Der Darm 
verläuft zu beiden Seilen des Bauches in vielen Windungen. 
Im Schwänze bis zu dessen Spitze scheinen seine blinden 
Enden sehr stark anzuschwellen. Es Hessen sich keine 
Grenzen zwischen den Blinddärmen mehr auffinden. Auf 
der Schwanzspilzc befand sich ein länglicher Schlitz, mut- 
masslich die Oeffnung des Excrelionsorganes. 

Von Geschlechtsorganen und eingezogenem Schwänze 
v\ar keine Spur zu linden. 

3) Dist. appendiculittum Int Ophidium Yasalli. Die 
mit dieser Aufschrift bezeichnete Flasche enthielt : 

a) eine jugendliche Telrarhynchcn-Form noch ohne 
Sauggruben und Stacheln auf dem Rüssel mit spitzem 
Schwänze; 

b) einen querdurchrissenen Tetrarhynchcnrüssel; 

c) zwei noch geschlechtslose Dislomen. 
Grösse. Länge 2 Mm. Breite ungefähr 0,3 Mm. 
Form plalt. Die grösste Breite des Leibes fiel in die 

Gegend des Bauchnapfes, der um die Hälfte grösser als der 
Kopfnapf war. Letzterer hatte eine kleine lippenförmige 
Verbreiterung an seinem oberen Rande. 
Haut glatt. 



Heber DistooiR apperidicutatuin, 183 

Verdauungsorgane. Der kleine kuglige Schlund-* 
kopf geht unmittelbar in den Kopfnapf und Darm über. ]>rr 
weite Darm geht mit seinen beiden Blindsäcken bis in die 
Schwanzspitze hinein. Das unter dem Rücken liegende 
Excretionsorgan bildet eine Schleife, deren Aesle aus 
dem Stamme ungefähr in der Mitte des Thieres entspringen. 
Worauf diese Species zu beziehen ist, weiss ich nicht. 

4) üist. oereatum und appendiculatum, 
beide Ventric. Clupea Alosa. 

5) Dist. crenatum Int. Gasterosteus aculeatus. 

6) Dist. appendiculatum Int. Salmo salar, 
sind: Dist. vcnlricosum. 

Als Distoma rufoviride erwiesen sich folgende : 

Distoma appendiculatum aus Intest. Trigla hiruh'do. 

Stom. Accipenser sturio. 

Intest. Pleuronectes maximus. 

Intest. Osmerus saurus. 

Inlest. Ophidium barbatum. 

Dorsum Raja clavata. 

Dies ist jedenfalls, wie schon Rudolphi vennüthete, 
aus todten Fischen oder aus deren Eingeweiden auf Raja 
zufällig gekommen. 

Slom. Raja marniorata. 

Inlest. Centronolus glaueus. 

Intest. Zeus aper. 

Dist. appendiculatum Intest. Pleuronecles passer und 
Pleuronectes linguatula ist kein Distom mit zurückziehbarem 
Schwänze. 



In den Seitenschwimmern sind mit Sicherheit drei Al- 
ten von Distoinen vorgefunden. 

Eine Art von diesen ist von Rudolphi üist. atomon 
genannt, l'ebcr sie folgendes: 

Die \on Rudolphi selbst bezeichnete Flasche ent- 
bleit sechs schon vom Weingeiste stark gebräunte Exemplare. 

I. i ii g c 2 Mm. 

Form Sturk abgeplattet, woran vielleicht frühere mit 



lHi Wa gcne r : 

dem Fressscliieber gemachte Untersuchungen schuld sind. 
Der Hals ist nach dem Kopfe zu etwas zugespitzt. 

Saugnäpfe. Der Bauchnapf ist noch einmal so gross 
als der Kopfnapf. 

Die Geschlech tspapille licgl ziemlich inderMitle 
des Interporalrauines. 

Die Haut erscheint ganz glatt, weshalb sie doch 
früher Stacheln gehabt haben kann. 

Verdauungsorgane. Der Schlundkopf erschien 
sehr gross und fügte sich unmittelbar dem Kopfnapfe an. 
Ihm schliesst sich ein kurzer Schlund an, der in der Höhe 
des Bauchnapfes in die bis an das Schwanzende reichenden 
Darmblindsäcke einmündet. 

Vom Excretionsorgane sah ich nur die Ausmün- 
dung an der Schwanzspitze. 

Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüsc ist in Form 
von ziemlich grossen dunklen Kugeln über Rücken und 
Bauch ausgebreitet, lässt aber den Hals frei. 

Die Hoden sind gross, eiförmig, liegen in der Mittel- 
linie des Thieres übereinander in der unteren Thicrhälfte. 

Der Eierstock ist rund und liegt unter dem Rücken 
über den ersten Hoden. Zwischen ihnen entsieht der Ei- 
leiter. Er macht anfangs unter dem Rücken viele kleine 
Windungen, Irilt dann in drei grossen schief zu derQuer- 
axe des Thieres liegenden an die Bauchseite in die Höhe. 
Die letzte derselben steigt gerade auf unter die Rückseile 
sich von dort in die GeschlechlsülTnung einsenkend. 

Einen Penis sah ich nicht. 

Die Eier sind aulfällig gross und schwach gelblich 
gefärbt. 

Es ist möglich, dass diese Species mit der von Du- 
j ardin gefundenen Dist. Soleae identisch ist, indem die 
Maasse, die Lage der Hoden und die Grösse der Eier un- 
gefähr übereinstimmen. 

Die zweite sichere Art ist von mir in Pleuronecles 
flesus gefunden. 

Grösse. Ungefähr 1 Mm. lang, 0,5 Mm. breit. 
Form. Der Körper ist eine dünne ovale Scheibe. 



(Jeher Disloma appendiculatiini. 185 

Die Saugnäpfe von ganz gleicher Grösse. Der 
Bauclinapf liegt ungefähr in der Hälfte des Thieres. 

Die Haut ganz mit kleinen Stacheln bedeckt. 

Verdauungsorgane. Der kuglige Schlundkopf 
setzt sich direkt an den Kopfnapf an. Der Schlund erreicht 
die Mitte des Interporalraums , der dann folgende zwei- 
schcnklige Darm ist weit und endet in der Hohe des 
Bauchnapfes. 

Vom Excretion so rga n e ist nur die Mündung auf 
der Schwanzspilze gesehen. 

Geschlechts organe. Die Eiweissdrüse be- 
sieht aus einer Menge kleiner Säckchen, die in Form von 
zerstreuten dunklen Flecken Rücken und Bauchseite des 
Halses einnehmen. Sie huren auf in der Höhe wo der Darm 
anfängt. 

Der Eierstock ist kuglig , kleiner als der Hoden. 
Er liegt unter dem Rücken am Rande des Thieres mit sei- 
ner Innenseite den einen Darmschenkel berührend. 

Der Eileiter entsteht gerade hinter dem Bauchnapfe. 
Seine kurzen Windungen füllen den ganzen Hinterleib des 
platten Thieres aus. Seine Hauplrichtungen Hessen sich 
nicht mit Sicherheit erkennen. 

Die beiden kugligen Hoden liegen am Rande des 
Thieres zu beiden Seilen des Bauchnapfes in einer Höhe 
mit ihm. Der eine von ihnen liegt gleich unter dem 
Eierstocke. 

Zwei dunkle Linien laufen convergirend von den bei- 
den Doltcrslöcken zum Baüchnapl'e herab. Man kann sie 
1 ii r die Ausführgänge der Eiweissdrüse hallen. Sie liegen 
linier dem Rücken. 

Die Eier sind klein und hellgelb. 

Vom Penis habe ich nichts bemerken können. 

Die drille Art ist von Rudolph! 1817 in Plcuro- 
nectes manca gefunden. Er nannte sie U. arcolalum. 

Die uniersuchten Weingeist exemplare waren sehr wohl 
erhallen. 

Die Grösse I Um. in der Länge, in der Breite 1 Mm. 

Die Form. Das Thier ist platt nach dem Kopfe zu sich 



186 Wa g e n er : 

etwas verjüngend, die Seilenränder des Thieres schärfen sieh 
etwas zu. In gleicher Höhe mit dem Bauchnapfe und in 
der Witte des Hinterleibes verbreitert sich der Leib etwas. 

Saugnäpfe. Der Kopfnapf ist halb so gross wie 
der Bauchnapf. Dicht über dem letzteren liegt die Ge- 
sell lec hls pa p i lle. Der Inlerporalraum ist sehr tief aus- 
gehöhlt. 

Die Haut ist in ihrer ganzen Ausdehnung dicht mit 
Stacheln besetzt, deien Basis eine napfTörmige Anschwel- 
lung, deren Spitze aber einen breiten Pinsel bildet. Das 
Fasernetz des Coriums hat sehr breite Querfasern, die im 
Allgemeinen den Slachellinien entsprechen. 

Verdauungsorgane. Der Schlundkopf ist läng- 
lich, ungelähr das erste Drittel des Schlundes bildend. Er 
steht unmittelbar mit dem Kopfnapfe in Verbindung. 

Der dickwandige Schlund reicht bis zur Geschlechts-? 
papille. Der zweischenklige Darm reicht bis in die Schwanz- 
spitze des Thieres. 

Das Excrelionsorgan mündet auf der Schwanz- 
spitze aus. Der sehr weile Stamm schien bis zur Mitte des 
Hinterleibes zu reichen. 

Die Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüse 
ist sehr entwickelt. Sie liegt an beiden Seiten des Thie- 
res, den Darm vom Bauchnapfe bis zum Schwanzende ganz 
(auf der Bauch- und Bückenseite) umhüllend und die Sei- 
ten des Thieres auftreibend. Sie besieht aus grossen dicht 
aneinanderliegenden Säckchen , deren gemeinschaftlicher 
Ausführgang zwischen Hoden und Keimstock auf deniBiik- 
ken sich befindet. 

Von den drei kugligen Organen, welche die Körper- 
wand etwas hervorlreiben und die über der Mitte des Hin- 
terleibes in der Längsaxe des Thieres übereinander gela- 
gert sind, ist das oberste der Eierstock. Zwischen ihm 
und dem ersten Hoden fängt der Eileiter an, der in drei 
bis vier Schleifen schräg die Längsaxe des Thieres schnei- 
dend schliesslich vom Bücken her in die Geschlechtsöffnung 
einfällt. 

Die beiden Hoden liegen über einander von einzcl- 






Ueber iJistoiua appendicnlnlum. 187 

nen nach der Mittellinie vorgeschobenen Trauben des Ei- 
weissstockcs von einander getrennt. 

Eine Vesica sem. interna wurde nicht bemerkt. Die 
Ves. sem. externa war sehr gross, lag dicht unter dem 
Baurhnnpfe unter der Rückseite mit gewundenem Ausführ- 
gange, dessen letzter Theil den Penis enthalten muss, zur 
Gesclilechtsöfinung gehend. 

Die Eier sind sehr gross, haben einen stumpfen und 
einen spilzen Pol. Ersterer springt mit einem Deckel auf. 
Sie sind kaum etwas gelblieh gefärbt. 

lieber Vistoma microstomum hat Rudolphi sehr dürf- 
tige Angaben hinterlassen. In seiner Sammlung war es 
nicht mehr aufzufinden. 

Im Darme von Pleuronectes flesus kommt noch ein 
üistom vor, das mit einem aus Pleuronectes passer slam- 
menden und von Bremser an Rudolphi geschickten 
grosse Aehnlichkeit hat. Rudolphi bezog es auf Dist. 
appendiculatum. 

Das letzlerc , was in Weingeist sich befand, war von 
dem frischuntersuchten aus Pleuronectes flesus darin un- 
terschieden, dass ihm die Stacheln auf der Oberhaut fehl- 
ten, und dass es nicht gelb gefärbt war. 

Grösse. Das frische Thier aus Pleuronectes flesus 
Mar etwa 0,7 Mm. lang. 

Die Form seines Körpers glich einem Eie. 

Die Saugnäpfe waren aulfällig gross und stark. 
Der Kopinapf mochte um ein Drittel kleiner als der Baucl.- 
napf sein. Lelztercr in der Mitte der Thierlänge. 

Die II a u I war in ihrer ganzen Ausdehnung mit klei- 
nen kurzen schlippenartigen Stacheln bedeckt und von klei- 
nen Pigmenlzellen gelb gefärbt. Namentlich um den Koipfnapf 
herum befanden sich jene zollcnarligen Körper, welche von 
mir schon in dir Abhandlung -die Kniwickelung der l'e- 
■toden" nach eigenen Untersuchungen beschrieben worden 
sind. Lcydig führt sie als mulhmassliche Hautdrüsen auf. 
Sie gehören in ihrer Structur zu den s. g. einzelligen 
Diüscu, indem sich nachweisen lässt, dass sie Kern und 
Krrnkorpcr besitzen und nach aussen münden. Sie sind 



188 Wag euer: 

bei Cesloden und Trematoden sehr verbreitet, doch giebt 
es in diesen beiden Thierklassen auch Species, welche sie 
entweder gar nicht oder nur in ihrer Jugend besitzen. 

Y er dau u n gs o rg an e. Der Schlundkopf ist birn- 
förmig unmittelbar dem KopTnapftrichter ansitzend. Ein bis 
zum Bauchnapfe reichender Schlund mit dicken Wandun- 
gen mündete in einen eben so beschaffenen Darin, dessen 
blinde Enden bis in die Schwanzspitze reichten. 

Von Excretio ns Organen war nur die Mündung 
auf der Schwanzspitze sichtbar. Vor dieser lag eine dunkle 
aus Körnern bestehende Kugel. 

Die Geschlechtsorgane. Der Eiweissslock lag 
in Form von kleinen Kugeln dicht unter der Haut über die 
Seilen des Thieres verbreitet. Er berührte in seiner Aus- 
dehnung Kopfnapf und Schwanz, licss auf dem Bauche die 
Mittellinie frei, ebenso auf dem Rücken jedoch etwas 
weniger. 

Der Eierstock lag unter dem Bücken über dem 
Bauchnapfe. Er ist kleiner als jeder der Hoden. 

Der Eier schlauch lullte den Hinterleib in grossen 
wenig zahlreichen Schleifen aus, seinen Lauf vom Kücken 
her in die Geschlechlspapille endend.. 

Die beiden 11 öden sind gross. Sie liegen zu beiden 
Seiten des Bauchnapfes , der der Keimstockseite indessen 
etwas tiefer. 

Der Penis war in einem Sacke mit der Ves. sein. 
ext. eingeschlossen. Die Vesica seminalis externa war 'gross 
und eingeschnürt und setzte sich unmittelbar an den Pe- 
nisanhang an. 

Die Gesch lechtspapille befand sich in der Mitte 
des Interporalraumes. 

Der Penis ist kurz und gerade. Hiermit würden die 
Angaben Rudolphi's von Dist. atomon übereinstimmen; 
doch stimmt weder Körperform, Lage der Hoden, Grösse 
des ganzen Thieres noch die seiner Kapfe und die Lage 
des Eileiters von Dist. atomon mit dem in Kode stehenden 
überein. Er ist in zwei ziemlich gleich grosse Abheilun- 
gen getheilt, deren untere mit kurzen, breiten, glänzenden, 
engstehenden Papillen, deren obere mit Haarchen besetzt ist. 



LYber Disloma t>ppen<liculatiim. 189 

Eier habe ich nicht mit Sicherheit in dem frischen 
Thiere sehen können. Der Eileiter erschien fast gar nicht 
gefärbt. Die in ihm sichtbaren Linien wurden durch die 
gelbe Pigmcntirung der Haut so undeutlich, dass man sie 
auch auf Eileiterwindungen beziehen konnte. 

Distoma gracilescens Inlest. Lophius piscatorius ist ein 
Gasterostoma, wie schon früher nachgewiesen wurde, und 
kein D. appendiculatum, wie Rudolphi anscheinend durch 
den an der Schwanzspilze mündenden langen Penis beirrt, 
vcnnulhete. 

Vist. apertum Intest. Jlullus imberbe, in dem Ru- 
dolphi ebenfalls ein Disl. appendiculatum vermulhet, ge- 
hört auch nicht dazu. 

Die Originalflasche enthielt mehrere Exemplare, deren 
eines querdurchschnitten war, auf welches letztere Ru- 
dolphi's Beschreibung passt. 

Grösse. Etwas über 1 Jim. lang und an der brei- 
testen Stelle des Leibes ungefähr 0,3 — 0,4 Jim. breit. 

Form. Abgeplattet, besonders nach dem Schwänze 
7.ii. Die Bauchseile ist eben, der Rücken etwas gewölbt. 
In der Jlille des Halses verbreitert sich das Thier etwas. 
In der Jlille des Hinterleibes kommt noch einmal eine Ver- 
breiterung vor, welche nach dem abgerundeten Schwänze 
zu wieder bedeutend abfällt. 

Die Saugnäpfc sind ziemlich von gleichem Umfange 
und massiger Grösse. 

In der Jlille des Inlcrporalraumes befindet sich die 
Geschlechtspapille. 

Die Haut ist bestachell, doch ziemlich weit vor dem 
Schwänzende wird dieselbe glatt. 

V er da uungs o r ga n e. Der Schlundkopf sitzt nicht 
unmittelbar dem Kopinapfe an, sondern etwas von ihm 
entfernt. Der Schlund selber tbcill sich in die beiden Darm- 
ichenkcl ungefähr in der Jlille des Inlciporalniumes. 

hu Blinddärme folgen in ihrem Verlaufe den äusse- 
ren Conturen des Thieres bis fast in das Schwanzende. 

Vom Excr elionsorgane war nur die auf der 
Schwanzipilzc liegende Oefl'nung sichtbar. 



100 Wagen ei: 

Geschlechtsorgane. Die Eivveissdrüse liegt 
in vielen einzelnen dunklen Kugeln über die Rückseite ver- 
breitet dicht unter der Haut noch etwas auf die Bauchseile 
henibergreifend. 

Am Halse fängt die Drüse mit der BiTurcation des Dar- 
mes an und hört an den blinden Enden desselben auf. 

Die Ausführgänge vereinigen sich unler dem Rücken 
zwischen dem Eierstocke und erstem Hoden, dem seitlich 
eine kleine Ves. seinin. interna anliegt. 

Der Eierstock ist bedeutend kleiner als der Hoden. 
Er liegt dem obersten Hoden dicht an und über ihm dicht 
unter dem Rücken, den Raum zwischen Hoden und Bauch- 
napf mit dem EileÜer ganz ausfüllend. 

Der Eileiter macht ungefähr vier in der Quera.xe 
des Thieres liegende Windungen , deren Länge die Breile 
des Bauchnapfcs nur um ein geringes übertrifft. Die 
letzte unter dem Rücken liegende Windung sieigt in der 
Mittellinie des Thieres in die Höhe nach dem Kopfe zu und 
senkt sich in die Geschlechtsöffnung ein, die sich genau 
über der Darmliicilungstelle befindet. 

Die Hoden sind oval im Querdurchmesser einer auf 
dem anderen gelagert und gross. Sie füllen den Raum 
zwischen den Dannschenkeln fast ganz aus. 

Der Penis ist sehr klein. Ebenso die Ves. seininal. 
externa. Beide liegen in einem Sacke. 

Distoma affine Int. Perca cirrhosa Rudolphi ist eben- 
falls kein D. appendiculalum , wie Dujardin unrichtiger 
Weise vermulhet. 



Erklärung der Abbildungen. 
Taf. VIII. 

1 — 7. Disloma venlricosum aus dem Darme von. Clnpea alosa. 

1. Angabe der natürlichen Grösse. 

2. Das Ei 410mal vergrösser!. 

3. Das ganze Thier von der Bauchseite gesehen. 

a. Der kleine Kopfnapf. 

b. Der grössere Bauchnapf. 



lieber Distoma appendiciilatuni. 191 

Fig. 3. c. Die Geschlechtsödnung auf eiucr Pupille gerade Tiber dem 
SchluntJkopfe f sitzend- 

d. Die aus zwei Hälften bestehende Eiweissdrüse unter den 
Bauthdcckrn liegend. 

e. Der helle Punkt, in welchem man gewöhnlich Samen- 
thiere sich bewegen sieht und der der Ves. seminalis 
interna entspricht- Er liegt aueh dicht unter den Bauch- 
d ecken. 

f. Der Schlundkopf. 
P. Der Schlund. 

f". Der Daimschenkel. 

g. Der Stamm des Excretiousorgancs. 

g'. Die beiden unter der Rückseite über dem Kopfnapf sich 

vereinigenden Arme desselben, 
g". OelTnung des Etcrelionsorganes am Schwanzende. 
h,h. Die beiden Hoden. Der untere ist unter den Windungen 

des Eileiters versleckt. 
i. Der lange Penis, der unter der Rückseite liegt. 
P. Die in zwei Theile geschnürte äussere Samenbluse. 
k. Das zurückziehbare Schwanzende. 

1. Das Loch im ilinterleibe das den zurücktretenden Schwanz 
aufnimmt und sich dann schliesst. 

In solchen Fällen ercheint der Hinterleib des Thieres 
überaus stark , und da hiedurch besonders die in den 
Schwanz eintretenden Organe allerlei Knickuiigen und 
Quetschungen erleiden, so ist es io diesem Falle unmög- 
lich eine klare Einsicht in die Orgauisationsverhältnisse 
zu bekommen, 
m. Die losgelösten Fasern oder Faserbündel der inneren 
Längsfuserlage des JMuskeUackes , welche zum Zurück- 
ziehen des Schwanzes verwendet zu werden scheinen. 
Manche dieser Faserbündel entspringen mit zwei Wur- 
zeln von der Leibeswand, 
o. Der Eierstock. 
Fig. 4. Ein Stück des oberen Theilcs des eingezogenen Penis. In 
der Axe sind die glänzenden Knötchen sichtbar. An seinen 
beldeo Seiten liegen die vielleicht s. g. einzelligen Drüsen 
entsprechenden zelligen Körper. Die vier hellen Linien ent- 
sprechen den im Duichschnittc gesehenen Häuten. Ungefähr 
200m al vergrössert. 
Fig. 5. Schematicher Querschnitt des Thieres dicht über dem Bfltich- 
nupfe. 

B Bauchseite. .Man sieht die Höhlung des Interpnrnlraumc*. 
It. Rückseite. Die Buchstaben bedeuten dnmtelbe. 



192 Wagen er: 

Fig. 6. Schematischer Querschnitt dicht ülicr der EinzugsstcHc des 
Schwanzes. 
„ 7. Falten der structurlosen Haut. 

nr\ Die dickere Quermuskelschicht. 
m". Die dünnere Längsfaserschieht. 
Fig. 8 — 14. Distouia excisutn. 
„ 8. Natürliche Grösse. 
„ 9. Das Ei 410mal vergrössert. 
„ 10. Das ganze Thier. 

a. Der Kopfnapf. 

b. Der Bauchnapf. 

c. Die im unteren Hände des Kopfnapfes sich befindende 
Geschlechtspapille. 

d. Die aus acht Blindschlauchen bestehende Eiweissdrüse. 
e'. Anfang des Eileiters, der hinabsteigt. 

e". Der wiederaufsteigende Theil. 

e 4 ". Dessen weitere Fortsetzung. 

e' w '. Der zur Geschlechtspapille sich hinbegebende. 

f. Der lange Schlundkopf. 

t". Der diesem unmittelbar folgende Darm. 

g. Stamm des Excretionsorganes mit den Varicositäten. 
g'. Seine über dem Kopfnapfe gelegene Schleife. 

h. Die beiden der Bauchseite nahe liegenden Hoden, 
i. Der Penis. 

i'. Die Vesica seminal. externa, 
k. Der zurückziehbare Schwanz. 
]. Das Loch durch das er zurückgezogen wird, 
o. Der Eierstock. 
Fig. 11. Der ausmündende Theil nmlhinasslich dem Eierstocke an- 
gehörend , doch weist seine Structur auf den Penis hin. 
90mal vergrössert. 
„ 12. Querdurchschnitt durch den llalstheil. 
„ 13. Querdurchschnitt durch den mittleren Theil des Leibes. 
„ 14. Querdurchschnilt durch das Jlinterleibscnde. 
Fig. 12 — 14 sind schematisch. 

R. Die Rückenfläche. 

B. Die Baiichflache. 

Die Buchstaben wie oben. 

Tafel IX. 

Fig. 1 — 5. Distouia tornatum. 
„ 1. Natürliche Grösse. 
n 2. Das Ei 410mal vergrössert. 






Ueber Distoma appendiculatum. 193 

Fig. 3. Das ganze Thier. 

a. Der Kopfnapf. 

b. Der Bauchnapf. 

c. Die Geschlechtspapille am oberen Ende des ausgehöhlten 
Interporalraumes liegend. 

d. Der aus sechs Blindschläuchen bestehende Dotterstock, 
e'. Der beginnende absteigende Eierschlauch. 

e". Sein wiederaufsteigender Theil. 
e'". Dessen weiterer Verlauf. 
e"". Sein letztes Ende, 
f. Der kurze Schlundkopf. 

f. Der noch kürzere Schlund. 

f". Der Darm mit seinen blinden Enden. 

g. Stamm des Excretionsorganes. 

g'. Seine mutmasslichen zwei Arme. 
h,h. Die beiden Hoden. 

i. Der mit kleinen Knötchen besetzte Penis, 
i'. Die Vesica seminalis externa, 
k. Der lange Schwanz. 
I. Das Einzugsloch des Hinterleibes. 

]'. Die mulhmasslich zweite Einzugsstelle im Schwänze selber, 
o. Ovarium. 
Fig. 4. Schemalisther Querschnitt am Halse. 

„ 5. Schema t lieber Querschnitt in der Gegend der Dottcrstöcke. 
I- Rückenfläche. 
It. Bauch Mäche. 

Buchstabenbezeichnung wie in Fig. 3. 
Fig, G — 10. Distoma rufoviride. 
.. 6. ISatüi liehe Grösse. 
„ 7. Das Ei 410mal vergrössert. 
„ 8. Das ganze Thier. 

a. Der Kopfnapf. 

a'. Die nagelförmige Oberlippe. 

b. Der Hauclinapf. 

c Die Geschlechtiöffnong. 

d. Die aus seclis kurzen dicken Blindschläuchen bestehende 

Eiwcixsdi üsc. 
e'. Der Anfang des Eileiters, der herabsteigt, 
e". Der aufsteigende Theil desselben. 
e"\ Weiterer Verlauf desselben. 
e"". Letztes Ende zur Geschleclitsölfnung gehend. 
f. Schlundkopf. 
r. Schlund. 
f". Die beiden Blinddärme, die nicht bis in den Zfiückzieh- 

baien Schwanz eindringen. 
Arcb. für Nataff. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 13 



194 Wagener: Ueber Disloma appendiculatttm. 

g. Excretionsoigan. 
g'. Seine Schleife. 

h. Die beiden Hoden, die unter der Bauchseite liegen, 
i. Der Penis. 

i'. Die Ves. seminalis externa, 
i". Der Penissack. 
k. Der einziehbare Schwanz. 

1. Das Loch am Hinterleibe, wodurch er zurücktritt, 
m- Die Zurückzieher des Schwanzes, 
o. Der Eierstock. 
Fig. 9. Der Penis und der Eileiter ungefähr 200mal vergrössert. 
c. Die GeschlechtsÖfTnung, die in den Vorhof führt, 
i. Der kurze an seiner äusseren Fläche mit Knötchen be- 
setzte Penis. 
i'. Die Vesica seminalis externa, 
i". Der Penissack. 
e"". Letztes Eierstockende. 
Fig. 10. Schematischer Querdurchschnitt in der Gegend der Eiweiss- 
drüse. 

B. Bauchfläche. 
R. Rückenfläche. 

Die Buchstaben bedeuten dasselbe wie vorher. 
Fig. 11 — 32. Distoma clavatum Budolphi aus Scomber pelamys, na- 
türliche Grösse. 
Fig. 11. Von der Bauchseite gesehen. 
Fig. 12. Von der Seite gesehen. 

a. Kopfnapf von der Seite und vom Bauche her gesehen. 

b. Bauchnapf. 

f". Der rothgefärbte Darm. 






Beitrag zur Vh\ llopodcu - Fauna der Umgegend 

Berlins, nebst kurzen Bemerkungen über Cancer 

paludosus .Hüll. 

Von 
Dr. med. Benedict t. Dvbowski. 

(Hierzu Taf. X.) 



Im Jahre 1859 fand ich während der Osterferien in 
der Umgegend Berlins eine Branchipiis - Art , welche bis 
jetzt noch von Niemand näher beschrieben ist, obgleich sie 
schon früher zu wiederholten Malen von verschiedenen 
Forschern ebendaselbst eingesammelt und dem zoologischen 
Museum unter dem Namen Branchipus stagnalis übergeben 
wurde. So hat sie unter Anderen Prof. v. Nordmann in 
der fossa .Sieboldiana" des Berliner Thiergartens vor meh- 
reren Jahren gefischt '). Der Branchipus stagnalis aber, 
obwohl in die Berliner Fauna aufgenommen -), scheint nicht 
mehr darin angetroffen zu werden; wenigstens habe ich 
bis jetzt vergebens nach ihm gesucht. 

Was die Stellung dieser neuen Spccies unter den bis 
jetzt bekannten anbetrifft, so findet sie ihren Platz unter 
denjenigen, welche Prof. Grube 3 ) zu der Abtheilung mit 
.appendieibus frontis longioribus u rechnet, und zwar ist 
lie Bm nächsten verwandt mit dem Branchipus birostralus 
Fischer *). 

1) Auf der Btiquette dei Gliicheni im hicJ. zool. Museum ist 
diricr Fundorl angegeben. 

■ ii il ler, ilii- Brom hrpoden der Umgegend von Berlin. S. 5. 
'.',) Grabe, dietca Archiv Jö;">.'i. S. 143. 
4) Fischer, Jliclclciicluif» Sibirische Meisen, lid. II. Th. I. 



196 v. Dybowski: 

Branchipus Grubii nov. sp. , ), 
Diagnose. Die Basalanhänge der Hörner (Stirn- 
fortsätze Grube 2 ) sind bei dem Männchen lang, bandartig, 

1) Dankerfüllt über die vielfachen wissenschaftlichen Anregun- 
gen und das besondere Wohlwollen , welches mir von Seiten meines 
hochverehrten Lehrers, Herrn Staatsrates Prof. Grube stets zu Theil 
geworden, gestatte ich mir, diese neue Species unter dessen Namen 
in das System einzuführen. 

2) Absichtlich habe ich die Bczichnung „Stirnanhang" vermei- 
den wollen, weil man unter dieser Benennung sehr heterogene Ge- 
bilde veislandcn hat. Wenn wir z. B. alle Anhänge der Hörn er, 
welche die Naturforscher von der Stirn entspringen lassen, über- 
blicken, so sehen wir bald eio, dass sie unmöglich in eine Kategorie 
gestellt, um so weniger also Stirnanhänge genannt werden können. 
Bei Bianchipus stagnalis ist der hufeisenförmige Anhang zwischen 
den Zangen nur ein Appendix der vereinigten Basaltheile der Hör- 
ner, dasselbe bei Br. lorvicornis ; bei Br. Josephinus sind sie pa- 
pillenartige Hervorragungen auf der Unterfläche der Hörner ; bei Br. 
diaphanus, birostratus, claviger hinwiederum sind es Anhange auf der 
Oberfläche der ßasaltheile der llöiner. Keiner von den bis jetzt ge- 
nannten Anhängen kann als Stirnfortsatz angesehen werden, vielmehr 
sind sie alle ohne Ausnahme Anhänge der Homer, die bald an der 
Basis derselben, bald in ihrem weiteren Verlaufe entspringen. Sie 
können nach der Verschiedenheit ihrer Ursprungsslelle in folgende 
Katcgorie.cn eingetheilt werden : 

1) Fortsätze, welche von der Oberfläche der Hörner entspringen 

(Tentakeln). 

Br. diaphanus. Budge: Verhandl. des nalurhist. Vereins 

des Rhein). Tab. I. (ig. 1.3. (Anct.). 
Br. stagnalis (die inneren Fühler. Auct.). 
Br. claviger. Fischer 1. c. Tab. VII. (ig. 12 a. 14. 
Br. birostratus. Fischer ibid. fig. 1 h. 
Br- torvicornis. Waga, Annal. de la societeentomolog.de 

France 1842. Tab. II. fig. 3 g. 
Streptocephalus similis. Baird, Ann. of nat. hist. 1854. 
Br. Josephinus. Grube 1. c. Tab. VIII. fig. 2 a, 3. 
Br. Grubii. Fig. Id. 2. 

2) Fortsätze , welche an der unteren Fläche der Hörner ent- 

springen : 

a) von den Basaltheilcn : Br. Josephinus. Grube I. c. fig. 
2 a', 3 a' ; 

b) von den Hörnern selbst: Br. birostratus. Fischer 1. c. 
fig. 15. 16. 



Beitrag zur Phyllopoden-Fanna der Umgegend Berlins. 197 

mit zahlreichen seillichen hedornlen Forlätzen, 30 — 34, ver- 
sehen und werden zusammengerollt zwischen den Basal- 
theilen der Hörner getragen; beim Weibchen sind sie kurz, 
spitz, lanzettförmig und liegen halbmondförmig nach aussen 
gebogen zwischen den Hörnern. Die Bruttasche ist bei 
dem Weibchen kurz und von ungefähr herzförmiger Gestalt. 

Beschreibung. In seiner Gestalt ähnelt das Männ- 
chen mit dem mächtigen Kopfe bei dem ersten Anblicke 
am meisten dem Branchipus diaphanus. Die Grösse des 
erwachsenen Individuums beträgt 15, sogar IG Par. Lin., 
von denen die etwas grössere Hälfte auf den fusslosen Theil 
des Körpers kommt. 

Der Kopf ist bei beiden Geschlechtern von abgerun- 
det-dreieckiger Gestalt. Das einfache Auge hat seine Stel- 
lung gegenüber der vordersten Ecke des Dreiecks; die ge- 
slicllen Augen nehmen die seitlichen Ecken ein und über 
diesen Augen entspringen die Antennen , welche nicht ge- 
gliedert sind und ziemlich abgerundet enden; an der Spitze 
derselben sieht man kleine dünne stachelartige Fortsätze 
und unterhalb derselben drei längere Härchen. 

Zu jeder Seile des Kopfes entspringen die Hörner 
(modilicirlc Antennen), welche aus folgenden Theilen be- 
gehen : 

Bei dem Männchen : 

a) Das Basalglied (Fig. l.a), eine mächtige Muskel- 
anhäufnng, überzogen von einer glatten Chitinhaut-. Es in- 
scrirl sich am seillichen Thcile des Kopfes und verläuft 
bogenförmig nach unten. An den unlcren Flächen des 
Kopfes vereinigen sich die Basalglieder brückenartig mit 
einander (Fig. I.e.); der vordere Band dieser Verbindung 
erhebt sich in einen konischen schief abgeslumflen Zapfen, 
welcher beinahe parallel dem Basaltheile der Mörner ver- 
bind und bei der natürlichen Stellung des lebendigen Thie- 
res nach unten und hinten gerichtet ist. 

8) Fortsätze, welche von dem vereinigten Tbeile der Basalglie- 
der dei llujfii-i entspringen. 
Br. tagnali.« (der bnfeisenförniige Fortsatz-. Anot.) 
Itr. lorvieornis. Waga I. c. lig. 3 f. 
Br. Grubii. Fig. I. c. 



198 v. Dy bo wski : 

b) Die eigentlichen Zangen (Fig. 1. b ; Fig. 3). Sie 
sind mit den Basaltheilen gelenkartig verbunden und ver- 
laufen bei der natürlichen Lage an dem lebenden Thicre 
zunächst in der Richtung der Längenachse des Körpers, 
wenden sich dann unter einem strumpfen Winkel nach in- 
nen, um von beiden Seiten sich einander so entgegen zu 
laufen , dass sie noch fheilweise über einander zu liegen 
kommen. Die Zangen sind von kornartiger Consistenz, ihre 
Form ist in der ersten Hälfte des Verlaufes (Fig. 3. a b) 
unregelmässig dreikantig , die innere obere Kante (d) ge- 
zähnelt und convex , die untere eingebogen und bildet an 
dem Uebergange in die zweite Hälfte (b c) einen knieför- 
migen Höcker (I)). Die zweite Hälfte ist zusammengedrückt 
und endet etwa ähnlich wie bei Branchipus claviger (Fisch. 
1. c. tab. VIII. fig. 3. d) mit einem seichten halbmondförmi- 
gen Ausschnitte (e). 

e) Dießasalanhänge der Hörner (Stirnfortsätze Grube ; 
tentakelförmige Organe Fischer). Diese entspringen über 
den Hörnern und bilden (ungefähr ein Fünftel des ganzen 
Körpers) lange, bandartig zusammengedrückte Fortsätze, 
welche bei lebenden Thicren in sich selbst eingerollt zwi- 
schen den Basaltheilen getragen werden; ausgebreitet ver- 
laufen diese Fortsätze sichelförmig nach innen (Fig. 1. d. 
Fig. 2) , sie verschmälern sich gegen ihre Enden und lau- 
fen in eine krallenförmige Spitze aus (Fig. 2. 4). An den 
Rändern bemerkt man seitliche Fortsätze, welche lang und 
mit kleinen dornartigen Spitzen besetzt sind (Fig. 4. a). 
Diese seitlichen Fortsätee sind an dem Aussenrande der 
Basalanhänge etwas länger und zahlreicher (Fig. 2) ; denn 
die Zahl beträgt daselbst 19 — 20, an dem Innenrande da- 
gegen nur 11 — 14. (Ihre relative Länge und das Verhält- 
niss zu einander sind in der Abbildung angegeben.) Im 
Innern der Anhänge verlaufen von der Basis aus Muskel- 
stränge, welche den Tentakeln ein gestreiftes Aussehen 
verleihen. 

Bei den Weibchen wiederholen sich alle die genann- 
ten drei Theile, nur sind sie hier anders gestaltet. Das 
Basalglied stellt einen konischen Zapfen dar, statt der mäch- 
tigen Zangen findet sich nur ein dünner spitzer Fortsatz 






Beitrag zur Phyllopoden-Famia dci Umgegend Berlins. 199 

und zuletzt vertreten zwei dünne, spitze, sichelförmig ge- 
stellte Fortsätze die bandartigen langen Anhänge des Männ- 
chens (Fig. 6, 1). 

Die Füsse nehmen bis zum siebenten Paare an Grösse 
zu, von da fangen sie wieder an kleiner zu werden. Das 
erste Paar ist verhältnissmässig am breitesten, das letzte 
Paar ist das schmälste. Im Uebrigen bieten die Füsse nichts 
Bemerkenswerthes dar. — An den beiden ersten fusslosen 
Körpersegmenten findet sich beim Weibchen und Männchen 
eine sackförmige Erweiterung „Bruttasche-, «eiche bei 
beiden Geschlechtern von fast herzförmiger Gestalt , bei 
dem Weibchen aber bedeutend grösser ist; sie dient beim 
Männchen zur Aulbewahrung des Receptaculum seminis und 
der beiden Penis, beim Weibchen zur Aufbewahrung der 
Eileiter und der Drüsentaschen. Die folgenden sieben 
Segmente verschmälern sich allmählich gegen die Schwanz- 
flosse zu, welche dicht mit seidenartigen Seilenborsten be- 
setzt ist. 

Von den inneren Theilen will ich nur die Geschlechts- 
organe kurz berühren. Sie bestehen beim Männchen ') 
aus keimbereitenden Theilen, Hoden (Fig. 5. a), welche bis 
zum vorletzten Segmente zu verfolgen sind ; daran schliesst 
sich das Receptaculum seminis (Fig. 5. b) , eine blasenför- 
inige Erweiterung des Samenslranges (c) , welcher zuletzt 
in den Penis (d) ausläuft. — Die weiblichen Geschlechts- 
organe zerfallen in drei Theile: a) die Ovarien, welche 
an dem drittletzten Segmente enden , zuweilen aber auch 
etwas weiter nach unten hinabsteigen; nach oben hin rei- 
chen sie beinahe bis zum letzten fusslragcnden Körper- 
segmenle (Fig. fi. a' a'j. Die Flier in dem Eierstocke sind 
weisslich gefärbt, während die reifen dunkelgelb sind, b) 
Die Eileiter. Diese entspringen nicht von dem oberen 
Ende des Eierstocks, sondern wie es schon Leydig bei 
ßr. slagnalis (Zeitschrift für die wissenscli. Zoologie Bd. III. 



1) Da*. Auiprspirlren der Iceimberoitenden Organe im üanzen 

1(1 liriin Miihin hfii unmöglich. Ahcr die durchsichtigen Integnmenle 
SM jüngeren I liiere lav.cn bei »einlachen miKi (i-kcip i»chcn Vergiiia- 
ISroagen da» ganze liier uugcgi benr Ycihulluis» sehr gut uIicim-Iicii. 



200 v. Dybowski: 

S. 300) erwähnt hat, etwas unterhalb (Fig. 6. c). Der Ei- 
leiter stellt eine flaschenförmige Erweiterung dar, welche 
schief nach oben verläuft und in (c) die Drüsentasche, an 
deren oberem Ende, mündet. Die beiderseitigen Drüsen- 
taschen verlaufen convergirend nach unten, um durch eine 
gemeinschaftliche Oeffnung zu münden. An die Drüsen- 
taschen setzen sich Muskeln an, welche durch ihre abwech- 
selnde Zusammenziehung dieselben in beständiger Bewe- 
gung erhalten. 

Die Farbe des Weibchens ist im Grundtone grünlich- 
gelb, die äusseren Ränder der Füsse und Zangen sind horn- 
farbig, der fusslose Theil kupferröthlich und die beiden 
Schwanzfortsätze grünlich. Das Männchen ist goldorange- 
farbig, alle Ränder der Füsse, der Kopfanhänge und des 
Schwanzes sind dunkler tingirt. Die Beschaffenheit des 
Wassers übt aber einen merklichen Einfluss auf die Fär- 
bung; so fand ich z. B. Exemplare in dein trüben Wasser 
eines schlammigen Grabens auf dem Wege nach dem Fin- 
kenkruge, welche ganz verblichen aussahen. Ueber ihre 
Lebensweise und die Art der Begattung kann ich gar nichts 
angehen, da die Thiere in der Gefangenschaft bald un- 
tergehen. 

Die Zeit des Vorkommens ist April und Mai; der tro- 
ckene Sommer von 1859 tödtete sie bald darauf. Im Herbste 
habe ich sie vergeblich gesucht, obgleich ich zu derselben 
Zeit in Breslau den Br. stagnalis massenhaft angetroffen 
habe. Sie leben in ziemlich tiefen Gräben ; ich habe sie 
in der Jungfernheide und beim Finkenkruge gefunden; am 
ersten Orte kommen sie mit Limnetis braehyurus und Daph- 
nia pennata zusammen vor. 

Branchipus paludosus (Cancer paludosus Müll.). 

Es wurden zwei Arten von Branchipus in Grönland 
vorkommend angenommen , nämlich Br. stagnalis (Cancer 
stagnalis Fabr.) und Br. paludosus (Cancer paludosus Müll.). 
Die erstere führte Fabricius an, wenn man aber seine 
Beschreibung in der F'auna Grönlandica liest, so kann man 
sich bald überzeugen, dass es gar kein Br. stagnalis ist. 



Beilrag zur Phyllopoden-Fauna der Umgegend Berlins. 201 

S. 247 des genannten Werkes besehreibt er die Hörner mit 
folgenden Worten , die des Weibchens : „de capitc versus 
os duo slyli perpendiculariter pendent" und S. 248 die des 
Männchens: „illius longiores, annulis tribus praeter tubu- 
lum et selam terminalen) conslantes." Der genaue Fabri- 
cius würde unmöglich die inneren Antennen des ßr. sta- 
gnalis und den hufeisenförmigen Forlsatz übersehen haben, 
wenn er einen solchen vor sich gehabt hätte. Weiler be- 
schreibt er die Brutlasche des Weibchens als lang, was für 
den slagnalis gar nicht passt. Dieses genügt uns schon, 
um mit Wahrscheinlichkeit die von ihm beschriebene Bran- 
chipus-Species nicht für stagnalis zu halten. Die Frage, 
welche sich uns nun zunächst aufdrängt, ist die, ob der 
Br. slagnalis Fabr. nicht der paludosus Müll. sei. Dieses 
kann ich mit ziemlicher Gewissheit bejahen J ) ; es sprechen 
nämlich dafür die anhangslosen Hörner, die unter allen 
Branchipoden nur bei Br. paludosus und ferox vorkommen, 
und die lange Bruttasche des Weibchens, die den ferox 
ausschliesst. Der Br. paludosus Müll. Zool. Danica Vol. II. 
p. 10 und Herbst, Naturgeschichte der Krabben Bd. II. 
S. 118 wurde bereits von Prof. Grube a. a. 0. zu dem 
Middendorüanus hinzugezogen. Ich habe gleichfalls Ge- 
legenheit gehabt, drei Exemplare , zw ei Weibchen und ein 
Männchen, dieser Species aus Grönland zu untersuchen und 
kann die Vermulhungcn Grubc's bestätigen. Kur muss 
ich Folgendes hinzufügen. Fischer beschreibt einen mem- 
branarligen Forlsatz an der vorderen Seite des Kopfes, er 
sagt aber nur, dass er häufig, also nicht eonslant, vor- 
komme 2 ^; wenn ich nun seine Figur 18, welche den Kopf 

1J J. Schiüdtc in seiner Abhandlung „Ueberaicht der Land- 
BuMwajier- und Ufer-Arthropoden Grönlands" führt auch nnr eine 
Bpei iei, Br. paludoc., an und zieht den Cancer slagnalis Fab. zu dem 
rialudo». Hl. (Ueberaetzung in der Bert, entom. Zeitachr. 1859. p. 1£>7.) 

2) Fischer n. a. 0. S. 153 : „an der Stirne bemerkt man häufig, 
besonders beim .Männchen, eine vorspringende dreieckige diinnc llaut- 

lalir oder einen 6lirnlappen Bei einigen Exemplaren 

Hellte er lieh heim leichten Drucke eines GlaspUttchena als eine 
dünne nach von gerade abgeschnittene Hembraa dar, die seitwärts 
rnii je einem Basaltlicilc der llrtrner, nach hinten mit den Seitenlhci- 
ten des Kopfes und der Stirne zusammenhing. 



202 v. Dylowski: 

pincs Weibchens darstellt, ansehe, so seheint es mir, dass 
diese Membran nur durch Ablieben des Chitinüberzuges, 
verursacht durch Spiritus-Maceralion, entstanden ist. Diese 
Vermulhung gewinnt noch mehr an Wahrscheinlichkeit, da 
uns kein Fall bekannt ist, in welchem die lentakelförmigen 
Anhänge bei Männchen und Weibchen in gleichem Masse 
ausgebildet w ären und auch kein solcher , wo sie beim 
Männchen nicht constant vorkämen. Ich finde weiter die 
Gestalt der Hörner bei den grünländischen und die Reihe 
von Dornen auf der L'nterlläehe mit dem Middendorlianus 
fast übereinstimmend, so dass ich es schon jetzt wage, den 
Middendorlianus zu dem paludosus hinzuziehen. Das Defi- 
nitive hierüber überlasse ich späteren Forschungen , weil 
dazu die Oiiyinal - Exemplare von Middendorf noch zu 
vergleichen wären. 

Branchipus paludosus Müll. 
Folgende Synonyme würden auf den paludosus zu be- 
ziehen sein. 

Syn. Cancer stagnalis Fabr. Fauna Groenlandica. 
p. 247. 
Cancer paludosus Müll. Zoolog. Danica. Vol. II. 

p. 10. 
Cancer paludosus Herbst , Naturgeschichte der 

Krabben. Bd. II. S. 118. 
Br. Middendorlianus Fisch. Middcndorfs Si- 
birische Reisen. Bd. II. S. 153. 
Die Diagnose hat Prof. Grube a. a. 0. gegeben. Das 
Einzige, was dabei zu ändern sein möchte, wäre, das Vor- 
kommen der „Slirnforlsälze- noch als fraglich zu setzen. 

Die Beschreibung werde ich nur auf diejenigen Theile 
beschränken, welche als entscheidende diagnostische Mo- 
mente angesehen w erden müssen. Diese sind : 1) die Hör- 
ner. Sie erreichen bei dem Männchen (Fig. 7) eine bedeu- 
tende Länge; der Basaltheil ist nämlich wenig kürzer als 
die Hälfte des fusshalligen Körpers. Die Chitinbaut, Viel- 
ehe dieselben überzieht , ist glatt; auf der unteren Fläche 
gegen den inneren Rand findet sich eine Reihe von dorn- 
arligen Spitzen, welche schon in dem ersten. Viertel des 



Beilrag zur Phyllopoden-Fauna der t/nisji'geiitl Berlins. 203 

Basaltheiles l ) anfangen und allmählich grösser werdend 
sich bis zum Zangengliede fortsetzen. Ihre Zahl beträgt 21 ; 
die ersten 17 stehen in eine Reihe geordnet, die 4 letzten, 
welche die längsten sind, stehen in zwei Reihen neben ein- 
ander. Die Zange (Fig. 7. b) ist hornarlig tief chagrinirt. 
Die Hörner der Weibchen stimmen im Baue mit denen des 
Br. iliddendorf. 1. e. flg. 18 überein , nur sind auf den mir 
vorliegenden Exemplaren keine seitlichen Zähnelungen 
wahrzunehmen, was möglicher Weise darin seinen Grund 
haben kann, dass jene Exemplare nicht gut erhalten sind. 
2) Die Fühler sind nicht gegliedert und trugen an ihren 
Spitzen feine Härchen. 3) Die Bruttasche des Weibchens 
ist lang , hülsenförmig (Fig. 8). Die, Schwanzflossen sind 
mit 36 seitlichen gefiederten Fortsätzen besetzt. 



Erklärung der Abbildungen. 



Tai'. X. 



I. Branchipus Giubii. Männchen in natürlicher Grösse. 
Fig. 1. Der Kopf des Männchens derselben Species. a. Basalglied 
der llurner. b. Zangen, c. Brückenartige Verbindung der 
Basalglieder (konischer, schief abgestumpfter Zapfen), d. Ba- 
salan hänge der Üörner (lentak eiförmige Organe; Stirnfort- 
sätze). 

„ l l. Das tentakel form ige Organ; der Basalanhang; \ergrüssert. 

„ o. l)ie Zange der Uorner. a. Einienkungsslelle. h. Kniet'ör- 
iniger lloeker. d. Die gczahuelle Kaule, e. Der halbmond- 
förmige Einschnitt, 

„ 4. Ende des tcntakelförmigen Anhanges beim Männchen, slark 
\ ergrössert, 

„ 5. Der fuaslose Theil des Hannebens, a. Iludcn. b. Becepla- 
ciiium leminis. c. Vas dclcrcns. d. l'euis. 

„ <j. Derselbe Theil eines Weibchens, a. Eierstock,' b. Eileiter. 
c Au*tritt**telle des Eileiters, d- Drüse der einen Seite ; 
auf der anderen wurde sie nicht ausgeführt, e. OhrfOrniige 
seitliche Erweiterung ii< r Bruttascbe auf der linken Seile 
uV» Thieres, f. Drusentasche mit Eiern gelullt. 



U Nach Plfi ber a. i.O. S. 168 laugen sie im zweiten Drittel 
an. 



204 v. Dybowski: Beitrag zur Phyllopodcn-Fauna u. s. w. 

Fig. 6. 1. Hörn eines Weibchens nach einem aufbewahrten Präparate 

gezeichnet. ■,<■ Basalglied. b. Zangenglied, c. Tentakellür- 

miger Anhang. 

II. Branchipus paludosus. Männchen in natürlicher Grösse. 

., 7. Der Kopf eines Männchens, a. Basaltheil der Zangen, b. 

Die Zange selbst. 
„ 8. Der fusslose Theil eines Weibchens. 

Zu Fig. 5. Bei einer Länge des Männchens von 8 Par. Lin. 
war die Länge des Bläschens (b) 1,2 MiV. , die Breite 0,7 Mil. Die 
Breite des Hodens in der Höhe des ersten Schwanzringes beträgt 
0,3 MU. 

Zu Fig. 6. Die grösste Breite des Eileiters in dessen Mitte bei 
einem 7 Par. Lin. langen Weibchen betrug 0,5 Mit. ; die grösste 
Breite der Drüsentasche, in welcher nur drei Eier vorhanden waren, 
3,25 Mil. 



, 



Leptopterygius, neue Gattung der Discoboli. 

Vom 

Herausgeber. 

(Hierin TaC VII. Fig. a— d.) 



Zähne im Zwischen- und Unterkiefer hecheiförmig-, in 
der äusseren Reihe etwas grössere. Fleischige Lippen. Drei 
und eine halbe Kieme. Die Kiemenöffnungen sind klein und 
durch eine breite häutige , durchsichtige Brücke getrennt. 
Die Kiemenhaut enthält vier Strahlen. Die Saugscheibe am 
Bauche wie bei Lepadogaster. Rückenflosse und Af- 
terflosse bilden longitudinale Leisten, die sich mit der 
Schwanzflosse vereinigen, ohne deutliche Strahlen. 

Als ich den kleinen Fisch, das einzige mir zu Gesicht 
gekommene Exemplar dieser merkwürdigen kleinen Gattung, 
in Messina am 30. August 1853 lebend erhielt, bewegte sich 
derselbe sehr lebhaft und schnell in der mit Seewasscr gc- 
fülllen Schale umher. Seine Bewegungen waren mehr krie- 
chend als schwimmend; denn er benutzte stets seinen Schei- 
benapparat am Bauche um sich darauf schnell fortzuschwe- 
ben. Der Fisch betrug sich so seltsam, dass er sogleich 
meine Aufmerksamkeit erregle. Auch Prof. Cocco, der 
damals noch lebte, und der die Fischl'auna Messina's vor- 
trefflich kannte, staunte über das kleine Thicr, und erklärte 
es für neu , da er niemals seines Gleichen gesehen hatte. 
Ebenso interessirte sich Johannes Müller dafür, und 
hat mich gp&ler mehrmals gemahnt, den neuen Fisch zu be- 
schreiben, lirst jetzt komme ich dazu, ihn in die Wissen- 
schaft einzuführen. 

Die obige Gatlungsdiagnose , welche ich nach dem 
Schema der von Müller und mir in den llorae ichtholo- 



20(5 T löschet: 

gicae von Lepadogaster gegebenen entworfen habe , zeigt, 
dass unser Fisch in den meisten wesentlichen Punkten mit 
Lepadogaster übereinstimmt , und sich nur durch die Ver- 
kümmerung von Rücken - und Afterflosse unterscheidet. 
Diese Abweichung ist aber allerdings so gross, dass es 
keinem Zweifel unterliegen kann, der Fisch müsse eine 
neue Galtung bilden, die ich Leptopterygius nenne. 

Nur ein einziger Fisch ist bisher beschrieben worden, 
von dem ich es für möglich halte , dass er mit dem unse- 
rigen congenerisch sei, nämlich Lepadogaster Willdenowii 
Risso. Derselbe ist aber, wie es scheint, seitRisso nicht 
wieder gefunden worden, wenigstens ist mir in der ichthyo- 
logischen Literatur über ihn nichts bekannt geworden. Da- 
her Iässt sich wohl annehmen, dass er wie die von mir 
beobachtete Art sehr selten sei. — Ich muss es dahin ge- 
stellt sein lassen , wie genau oder ungenau Beschreibung 
und Abbildung Risso's seien. Voraussetzen lässt sich wohl, 
dass wir der Besehreibung mehr trauen dürfen, als der mit 
dieser nicht ganz übereinstimmenden Abbildung. Zur Ver- 
gleichung mit unserem Fische wiederhole ich hier die Ris- 
so'sche Beschreibung. 

L. Willdenowii. 

Lepadogaster mildenowü Risso Ichthyologie de Nice 
p. 75. pl. IV. fig. 10. 

L. luteo virescens, rubro punetatus; pinnis imparibus 
connexis. 

Point d'appendices sur les narines. La couleur de 
ce Lepadogaslere, sans elre riche et brillante, n'offre pas 
moins un agreable ensemble. Le dessus du corps est feuille 
morte, plus ou moins fonce par des undulations sur les- 
quelles sont semes assez regulicrcment des poinls rouges 
tres fins. Le museau est arrondi , et aussi large que la 
tele. La bouche ample, les mächoires garnies de dents 
aigues. La langue rüde, couverte d'asperiles. Les yeux 
d'un brun rougeätre, la prunellc noire. Les nageoires pe- 
ctorales ont six rayons chaque ; les pectothoraciques rou- 
geälres, quatre chaeune ; la dorsale pelite en a dix-huit; 
Fanale quatorze; ces deux nageoires se rennissent a la 
caudale, qui en a dix. La langueur de ce poisson est de 



Leptopterygius, neue Haltung der Discoboli. 207 

soixanlc millimelres, sur dix de largcur. On le Irouve sur 
les bords de la mer de Kice, dans le mois de juillet. 

Vergleichen wir diese Beschreibung mit der Abbil- 
duno- , so fällt sogleich in die Augen, dass die Schnauze 
spitz und viel schmaler als der Kopf abgebildet ist , wäh- 
rend sie doch nach der Beschreibung rund und ebenso 
breit wie der Kopf sein soll, was so ziemlich auf die fol- 
gende neue Art passt. Die rothen Punkte , welche in der 
Beschreibung sehr fein genannt werden und auf Undula- 
tionen angebracht sein sollen, erscheinen auf der Abbildung 
ziemlich gross und unregelmässig vertheilt. Ueberhaupt 
ist die Abbildung sehr roh und daher verdächtig. 

Sieht man hiernach von der Abbildung gänzlich ab, 
und hält sich nur an die Beschreibung, so bleiben doch 
immer zwei Punkte, die mich bestimmen unseren sogleich 
zu beschreibenden Fisch für eine andere Species zu halten, 
nämlich der Mangel der Fäden an den vorderen Naslöchern 
und die deutlich entwickelten Strahlen in den senkrechten 
Flossen, die doch immer so deutlich sein mussten, dass sie 
Risso zu zählen vermochte. 
L. Coccoi n. sp. 

Ich nenne diesen Fisch zu Ehren des verstorbenen 
Professor Cocco in Messina, der sich um die sieilianische 
Fischfauna so verdient gemacht hat. 

Der Kopf ist wenig länger als breit; die Schnauze 
breit abgerundet , der Zwischcnkiefer ein wenig über den 
Unterkiefer vorragend. Der Kopf ist 4'/ ä mal in der ganzen 
Länge des Fisches enthalten. So messe ich jetzt an dem 
in Weingeist aufbewahrten und durch ihn contrahirten 
Exemplare; die nach dein lebenden Thiere entworfene Zeich- 
nung ergiebt das Verhältnis^ des Kopfes wie 1 zu nahe 5, 
was ich auf die Veränderung im Weingeiste schiebe. Der 
Körper wird vom Kopie an nach hinten allmählich schma- 
ler, bewahrt aber überall fast dieselbe Höhe. 

Die Augen liegen hinter dem ersten Drittel der Kopf- 
länge und sind clwa um drei Augendurchmesscr von ein- 
ander so wie von der Schwiiiizspilzi- entfernt. 

Beide Naslöcher bilden niedrige an der Spitze offene 
Röhren. Von dem Hinterrande des vorderen erhebt sich 



208 Troschcl: 

ein spitzer Tentakel. Die hinteren Naslöcher liegen zwi- 
schen den Augen ; jedes war am lebenden Thiere um einen 
Augendurchmesser vom Auge entfernt, am Weingeistexem- 
plare ist diese Entfernung geringer. 

Die Mundspalte reicht fast bis unter das Auge. Die 
Kiefer sind mit fleischigen Lippen versehen. Im Zwischen- 
kiefer und im Unterkiefer steht eine schmale Binde he- 
cheiförmiger Zähne, von denen die der äusseren Reihe ein 
wenig grösser erscheinen. Weder am Gaumen noch auf 
der Zunge kann ich Rauhigkeiten bemerken. 

Die Kiemcnspallen liegen vor den Brustflossen wie 
bei Lepadogaster , und sind durch eine breite häutige, 
durchsichtige Brücke getrennt , in welcher jederseits vier 
Kiemenhaulstrahlen vorhanden sind. — Es linden sich je- 
derscils ganz wie bei Lepadogaster, 3'/ 2 Kiemenstrahlen, 
ohne Kiemenspalte hinler dem letzten Kiemenbogen. Die 
Kiemenblätlchen sind mit zwei Reihen seillicher Fortsätze 
versehen, und gleichen ganz liederspaltigen Blättern. Ich 
habe in Fig. d zwei solche Blättchen von dem lelzten Kie- 
menbogen abgebildet. Auch hierin stimmt unser Fisch im 
Allgemeinen mit Lepadogaster überein. Die Dornfortsätze 
an der coneaven Seile der Kiemenbogen sind kurze stumpfe 
Dörnchen. 

Die Saugscheibe am Bauche ist genau so wie bei Le- 
padogaster gebildet, und ist doppelt. Der Vorderrand der 
vorderen aus der Verwachsung der Bauchflossen entstan- 
denen Scheibe bildet einen breiten Yorsprung, der durch 
einen Einschnitt jederseits von der Basis der Bauchflossen 
abgesetzt ist; der Hinlerrand ist abgerundet, und jederseits 
ausgeschweift. Jede Bauchflosse enthält vier breite Sirah- 
len. Die Bruslflossen , welche sich an den Hinterrand der 
Bauchflossen anfügen , enthalten gleichfalls Strahlen , die 
mir auf etwa 14 sich zu belaufen schienen. Sie sind jedoch 
schwierig zu zählen, weil sie in der Haut verborgen lie- 
gen. Die zweite Scheibe ist quer oval, mit polygonalen 
niedrigen Wärzchen besetzt, und lässl im freien Hinter- 
rande Strahlen sehen, die einfach zu sein scheinen, und 
sich nicht genau zählen lassen. 

Hinter der Bauchscheibe zieht sich eine Längsfurche 



I.eptopterygius, eine Gattung Her Discoholi. 209 

bis zum After, die schon am lebenden Thiere sichtbar war, 
und die zum Anhängen beizutragen scheint. Hinter dem 
After liegt eine Papilla genitalis. 

Rücken- und Afterflosse bilden einen hautigen Kamm, 
in welchem sich nur hinten Spuren von Strahlen wahr- 
nehmen lasseu , und vereinigen sich beide ohne sichtbare 
Grenze mit der Schwanzflosse. Die Afterflosse beginnt so, 
dass der After in der Mitte zwischen der Saugscheibe und 
dem Anfange der Afterflosse lieg!; die Rückenflosse be- 
ginnt früher, in der Mitte der ganzen Länge des Fisches 
ohne Kopf. Im Ganzen zähle ich 17 bis 18 Strahlen am 
Ende des Schwanzes, die vielleicht alle der abgerundeten 
Schwanzflosse zuzuzählen sind. 

Die Farbe ist gelb mit Querbinden , die aus zahlrei- 
chen braunen Punkten bestehen und sich am Schwänze in 
eine Art Netzwerk umändern. Die Haut ist glatt und 
schuppenlos. Durch den Weingeist hat sich die Haut in 
feine senkrechte Falten gelegt , die am lebenden Thiere 
nicht vorhanden waren. 

Ganze Länge des Fisches 37 Mm. 

Länge des Kopfes 8 Mm. 

Breite des Kopfes 6 Mm. 

Höhe; des Kopfes 4 Mm. 

Höhe des Körpers am Anfange der Rückenflosse 5 Mm. 

Vaterland : Hessina. 



Erklärung der, Abbildungen. 
Taf. VII. 

Kij[. a. Lcptoplerygiua Coccoi von r]er_Scilc"geselicn, wenig vergr. 

I. Der Kopf von oben gesehen', mit den Augen und Nnslöchern. 

r '■. Leptoptcrygius Coccoi von itcr li;nn lisrili- gesehen , etwas 

im-lii wigiusscrl. 
, il. Zwei Kiiiiieiililalti licn, ütark vcrgiösseit. 



Arcliiv f. Naturg. XXVI. Jahr«. 1. Bd. 



(Jebersicht der bis jetzt bekannten Arten der 
Fnlgorinen - Gattung Poiocera Lap. 

Von 

Dr. A. Gerstaecker. 

(Hierzu Taf. XI u. XII.) 



Die Bereicherung, welche der ebenso formenreichen als 
farbenprächtigen Familie der Leuchlzirpen in der letzten 
Zeit erwachsen ist, ist so vorwiegend durch Ostindische, 
meist in den Englischen Sammlungen befindliche Arten be- 
wirkt worden, dass man glauben sollte, Süd-Amerika stehe 
in seinenTReichthum an Arten dieser Familie dem südli- 
chen Asien beträchtlich nach; und doch trifft dies, wenn 
man die kleineren Formen berücksichtigt, gar nicht und 
selbst für die grösseren und ansehnlichen kaum zu, wenn 
man den Reichthum solcher Sammlungen aufdeckt , die im 
Gegensatz zu den Englischen ihre Schätze vorwiegend aus 
der neuen Welt bezogen haben. Die neuerdings an die 
hiesige Entomologische Sammlung erfolgte Zusendung meh- 
rerer der Gattung Poiocera Lap. angehörender, zum Theil 
sehr ausgezeichneter Arten veranlasste mich zufällig, den 
ziemlich ansehnlichen Bestand dieser Gattung specieller auf 
die bisher bekannt gemachten Beschreibungen zu prüfen 
und es stellte sich dabei das überraschende Resultat heraus, 
dass von 34 überhaupt vorhandenen Arten sich fast die 
Hälfte als neu erwies. Hätte es sich nun schon an und für 
sich verlohnt, eine so ansehnliche Reihe von Novitäten be- 
kannt zu machen, so erregte die bei der Durcharbeitung 
der bisherigen Literatur gewonnene Erfahrung, dass durch 
Doppelbeschreibungen das Artregister in dieser Gattung un- 
verhältnissmässig gesteigert worden sei , zugleich den 



Gerstaecker: Uebersicht der Fulgorinen-(iattung Poiocera. 211 

Wunsch, auch die bereits bekannt gemachten Arten in sy- 
nonymischer Beziehung- zu sichten und die Gattung' über- 
haupt, so weit es möglich war, monographisch zu behan- 
deln. Leider konnte dies wegen der Unbekanntschaft mit 
einer nicht unbeträchtlichen Anzahl der von anderen Au- 
toren beschriebenen Arten nur in unvollständiger Weise 
geschehen und am wenigsten war es möglich , etwa eine 
Eintheilung der Arten in natürliche Gruppen, wie sie sehr 
zu wünschen gewesen wäre, vorzunehmen, da hierzu die 
meisten der früheren Beschreibungen der erforderlichen 
Genauigkeit entbehrten. Da es mir jedoch für jeden Fall 
erwünscht schien, die mir in natura nicht bekannt gewor- 
denen Arten hier nicht ganz unberücksichtigt zu lassen, 
und wäre es auch nur, um eine Uebersicht des gegenwär- 
tigen Bestandes der Gattung zu geben , so schien es mir 
am geeignetsten, eine Aneinanderreihung der Arten nach 
einem leicht fasslichen, sowohl die Bestimmung als das Auf- 
finden erleichternden Merkmal, welches andrerseits auch 
aus den Beschreibungen der nicht vorliegenden Arten fest- 
zustellen war, nämlich nach der Zeichnung! und Färbung 
der Hinterflügel vorzunehmen. Dass bei einer auf so un- 
tergeordneten Merkmalen basirten, analytischen Gruppirung 
der Arten wiederholentlich nahe verwandte getrennt und 
heterogene einander genähert werden mussten , versteht 
sich von selbst; indessen lässt sreh doch so viel zu Gun- 
sten des von mir gewählten Eintheilungs-Momentes sagen, 
dass es zum grossen Theil wirklich sich nahe stehende 
Arten mit einander vereinigen lässt und alle anderen etwa 
zu einer natursjemässen Gruppirung verwendbaren Charak- 
tere an Prägnanz übertrifft. 

Was den der Gattung Poiocera Lap. zu gebenden Um- 
fang betrifft, so sei zunächst erwähnt, dass die von Spi- 
nola < Annales d. I. soc. entom. VIII) davon abgetrennte 
Gattung Calyptoproctus, welche von Walker (List of Ho- 
myterani Iiweota in (he eollection of the British Museum) 
und von A. Dohrn (Catalogus Hemipterorum) ebenfalls 
angenommen worden ist, als jeder Begründung entbehrend 
hier nieder mit Poiocera vereinigt worden ist. Die Ver- 
längerung des letzten Abdominulsegmenls bei den Weibchen 



212 Gerstaecker: 

mehrerer Arten, welche Spinola zur Begründung jener 
Gattung den alleinigen Anlass gab, ist nämlich erstens ein 
relativer Charakter, indem er bald prägnanter, bald wenig 
bemerkbar auftritt; zweitens ein Charakter, der bei einer 
nur im männlichen Geschlecht vorliegenden Art eine Gat- 
tungsbestimmung nicht zulässt, da die Männchen der Ca- 
Iyptoproctus- Arten denen der Poioceren vollkommen ana- 
log geformt sind ; drittens endlich ein Merkmal , das schon 
deshalb von keiner Bedeutung ist, weil es in nahe ver- 
wandten Gattungen, wie Dilobura Spin, ebenfalls sporadisch 
auftritt. Das Weibchen der von Stäl (Berlin. Entomol. 
Zeitschr. III. p. 315. no. 2) freilich sehr ungenau beschrie- 
benen Dilobura tosta , einer aus Surinam stammenden und 
im hiesigen Museum befindlichen Art, zeigt z.B. ganz das 
stark verlängerte, scharf dreikielige letzte Hinterleibsseg- 
ment, wie es bei Calyptoproctus elegans Oliv, vorkommt, 
ohne dass der Beschreiber diesen sehr wesentlichen Cha- 
rakter erwähnt hätte. — Auf Grund desselben Charakters 
will Schaum (Ersch und Gruber, Allg. Encycl. d. Wis- 
sensch. 51. Bd. p. 66) die von White (Annais of nat. hist. 
XVIII. p. 25. pl. I) aufgestellte Gattung Paralystra ebenfalls 
mit Calyptoproctus, und da er diese Gattung nicht gelten 
lässt, mit Poiocera Lap. vereinigt wissen, nach meiner An- 
sicht jedoch durchaus mit Unrecht; denn die a.a.O. und aus- 
serdem im List ofHomopt.Insectspl.III gegebene Abbildung 
der Paralystra Emma White zeigt weder im ganzen Habitus 
noch besonders in der Fliigelbildung irgend welche nähere 
Uebeieinstiuimung mit einer der mir bekannten Poiocera- 
oder Calyptoproctus -Arten, bei denen der Vorderrand der 
Flügeldecken durchweg gerade verläuft. Soll die White'sche 
Gattung mit einer bereits bestehenden vereinigt werden, 
so bliebe nur die Wahl zwischen Episcius und Dilobura 
Spinola, die übrigens unter einander durch keinen wesent- 
lichen Charakter abweichen und mit Paralystra nicht nur in 
der Form der Flügeldecken , deren Vorderrand stark ge- 
schwungen ist, sondern auch besonders in der unebenen, 
rindenartigen Oberfläche und der cigenthümlichen Zeich- 
nung derselben durchaus übereinstimmen. Die Bildung des 
letzten Hinterleibssegmentes beim Weibchen würde nach 



Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 213 

dem oben angeführten Beispiel dieser Vereinigung nicht 
widersprechen und es könnte sich nur darum handeln , ob 
die sehr auffallend kurze und breite Form des Kopfes der 
Paralystra Emma unter der Gattung Dilobura zulässig wäre. 
Da die von Stal (a. a. 0. p. 314. no. 2) beschriebene Dilo- 
bura verrucosa von den übrigen Arten der Gattung sich 
ebenfalls durch sehr verkürzten, wenngleich nebenbei noch 
sehr schmalen Scheitel unterscheidet, möchten nach meiner 
Ansicht auch der Aufnahme der VVhite'schen Art keine 
gewichtigen Gründe entgegen zusetzen sein; von Poiocera 
ist sie aber in jedem Falle auszuschliessen. 

Von einzelnen zur Gattung Poiocera gebrachten Arten 
glaube ich die von Erichson in Schomburg's Reisen in 
British Guyana beschriebene P. porphyrea sowohl nach 
ihrer Flügel- als Kopfbildung davon ausscheiden zu müs- 
sen; letztere stimmt am besten mit derjenigen der Asiati- 
schen Aphana-Arten überein, während der geschwungene 
Vorderrand der Flügeldecken, die Unebenheit und Färbung 
ihrer Oberfläche, endlich auch die Form und Färbung der 
Hinterflügel die Art zur Gattung Episcius Spin, stellt. Nach 
der Aehnlichkeit, welche die Erichson'sche Art mit der von 
Stoll fig. 23 abgebildeten Fulgora sanguinea Oliv, aus Su- 
rinamdarbietet, würde auch letztere aus der Gattung Aphana, 
wohin sie Walker und Dohrn stellen, zu entfernen und 
der Gattung Episcius einzuverleiben sein , wenn man , wie 
mir dies rälhlich scheint, kein absonderliches Gewicht auf 
die Kürze oder Länge des Scheitels legt, welche bei fast 
allen Fulgorinen- Gattungen auffallenden Schwankungen un- 
terworfen ist. — Von mir in natura unbekannt gebliebenen 
Arten habe ich die vom Cap stammende und sich schon 
hierdurch von selbst ausschlicsscndc L. coccinea Oliv. , so 
wie die viiu Walker (a. a.o.) beschriebenen P. limpida, 
obliqua und selifcra, die wohl eher zur Gattung Cladodi- 
ptejra gehören möchten« nach den für sie aufgestellten Merk- 
malen ausgeschieden, dagegen die von Burmeister (Gc- 
inr.i liuect.) der Gattung Lyslra beigezählten Arien : L. mul- 
tipnnctata, costala und cruenla (letztere mit L. venosa Germ, 
identisch) wegen ihrer augenscheinlich näheren Vcrwandl- 
lehafl mit Poiocera nach Schaum's Vorgang unter diese 



214 Gerstaecker: 

Gattung mit aufgenommen. Bei einer derartigen Abgrän- 
zung der Gattung kommen für dieselbe im Ganzen 48 von 
verschiedenen Autoren bekannt gemachte Arten in Betracht, 
deren Zahl jedoch nach Abrechnung der doppelt und selbst 
dreifach beschriebenen auf 35 herabsinkt. Von den 4 von 
Guerin in Duperrey, Voyage de la Coquille beschriebe- 
nen Arten ist nämlich 1 mit einer Fabricius'schen Art, von 
den 16 von Germar in Thon's Archiv II, 2 beschriebe- 
nen 2 mit Guerin'schen , die von Laporte in den Anna- 
les d. 1. soc. entom. I beschriebene mit einer Germar'schen, 
von den 2 von Perty im Delectus animalium aufgestellten 
1 mit einer Germar'schen, von den 5 vonSpinola in den 
Annales d. I. soc. entom. VIII beschriebenen 2 mit Ger- 
mar'schen, von den 10 von Walker im List of Homopte- 
rous Insects beschriebenen 2 mit Germar'schen , von den 
3 von Stal in der Öfversigt afKongl. Vetensk. Akad.För- 
handl. XII diagnosticirten 2 mit Germar'schen, die eine von 
Guerin in Ramon de la Sagra's Historia lisica de la isla 
de Cuba mit einer Walker'schen und von den 3 von Bur- 
meister in den Genera Insectorum aufgestellten 1 mit 
einer Germar'schen Art identisch. In der nachfolgenden 
Uebersicht, welche sich im Ganzen über 50 Arten erstreckt, 
sind demnach 15 ganz neue hinzugekommen, von denen nur 
eine vielleicht mit einer Spinola'schen Art identisch sein 
könnte ; drei andere mussten ausserdem , weil ihre Namen 
mit anderen collidirten, neu benannt werden. 

I. Hinterflügel dunkel gefärbt, mit glashellem Mondfleck vor 
der Spitze. 

1) P. perspicillala. Capite latiore , abdomine subtus 
nigro- fascialo , genubus posticis flavis : alis posticis prope 
basin albido -notatis, macula hyalina ovata. Long. corp. 
7 — 8*/, lin., expans. elytr. 18—21 lin. — Patria: Rio (v. 
Olfers), Bahia (Gomes), Surinam (Cordua). 

Poiocera perspicillala Spinola, Annales d. I. soc. entom. VIII, 

p. 277. no. 1. 
Lyslra perspicillala Fabricius, Syst. Rhyngot. p.59. no. 13. 
Cicada perspicillala Fabricius, Entom. syst. IV. p. 27. no. 1. 
Fulgora perspicillala Olivier, Encycl. meth. VI. p. 574. no. 34. 
Cicada atrata Fabricius, Entom. syst. IV. p. 31. no. 19. 



Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 215 

Lxjstra luctuosa Guerin in Duperrey , Voyage de la Coquille' 
Zoologie II, 2. p. 188. 

Stoll, Cigales p. 19. pl. I. ßg. 5. 

Exemplare dieser gemeinen Art mit je jzwei schim- 
melgrauen Flecken auf Pro- und Mesonotum, wie sie schon 
von Fabricius in der Beschreibung seiner Cicada atrata 
hervorgehoben worden, kommen nicht selten vor und schei- 
nen sogar die allein gut conservirten zu sein. Die helle 
Färbung wird durch kleine dicht stehende und fast das An- 
sehn kurzer Härchen darbietende Gebilde hervorgerufen, 
von denen es jedoch zweifelhaft sein möchte, ob sie nicht 
eher als wachsartige Sekretionen denn als wirkliche Haut- 
gebilde anzusprechen wären; auf dem Scheitel und der Ba- 
salhälfte der Flügeldecken sind sie gleichfalls, hier jedoch 
ganz vereinzelt vorhanden. 

2) P. turca. Capite angustiore, abdomine subtus femo- 
ribusque posticis totis Davis: alis posticis prope basin san- 
guineo-notatis , macula byalina semilunari. Long. corp. 7 
lin., expans. elytr. 19V 2 lin. — Patria : Brasilia (Sello), St. 
Catharina (v. Langsdorfj. 

Cicada turca Fabricius, Entom. syst. IV. p. 40. no. 56. 

Flata turca Fabricius, Syst. Rhyngot. p. 51. no. 26. 

Lystra Dianae Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. no. 28. 

Die in den obigen Diagnosen hervorgehobenen Un- 
terschiede zwischen den beiden vorstehenden Arten sind 
auffallend genug, um sie trotz ihrer Aehnlichkeit stets leicht 
zu unterscheiden; der Kopf von P. turca ist so beträchtlich 
schmaler als von P. perspicillata, dass er scheinbar fast nur 
der halben Breite des letzteren gleichkommt , während er 
in Wirklichkeit zwei Drittheile desselben misst. Der hya- 
line Fleck der Hinlcrflügel ist bei der ersten Art nach aus- 
sen stets convex und daher eiförmig; bei der zweiten con- 
cav und daher von der Forin des Neumonds; die Wurzel 
der Hinlcrflügel, abgesehen von den bei beiden Arten roth 
gefärbten Aderschwielen bei P. perspicillata weisslich, bei 
P. turca roth getüncht. Fernere Merkmale für P. turca lie- 
gen in dem viel schmaleren Thorax n ml den sehr scharf 
hervortretenden Wiiikclleistcn auf dem Mesonotum, so wie 
auch in dem weiter ausgedehnten, schärfer abgegränzlcn 



216 Gers ta e ck er : 

und lichter braun gefärbten Spitzenfeld der Flügeldecken, 
dessen Adern kleine knolenartige Verdickungen in Form 
zerstreuter schwarzer Pünktchen darbieten. Bei den vier 
mir vorliegenden Exemplaren ist der Hinterleib einfarbig 
gelb, nicht wie G ermar für seine P. Dianae angiebt, schwarz 
und gelb gebändert. Fabriciuis, dessen Charakteristik 
sonst sehr wohl auf die vorliegende Art, dagegen gar nicht 
auf die Germar'sche Lystra turca passt, weicht nur durch 
die Angabe, dass die Pünktchen an der Spitze der Flügel- 
decken weiss seien, ab. 

3) P. stoica. Nigra , capite pleurisque obscure rufls, 
elytrorum maculis numerosis abdomineque sanguineis : alis 
saturate fuscis, macula hyalina ovata. Long. corp. 8 lin., 
expans. elytr. 20'/ 2 lin. — . Patria: Brasilia (Nernst.). 

Ganz von der Grösse, Gestalt und der breiten Kopf- 
form der P. perspicillata. Der Kopf mit rothbraunem Schei- 
tel und hellerer, fast roslrother Stirn; ersterer stark ver- 
tieft, mit parallelen Rändern, letztere besonders oben deut- 
lich gewölbt, seicht gerunzelt, über dem Clypeus mit stark 
erhabener, glatter, in der Mitte leicht gebuchteter Quer- 
leiste; von den drei Stirnleisten fehlt die mittlere ganz, 
während die schrägen seitlichen nur sehr schwach ange- 
deutet sind. Pro- und Mesonotum schwärzlich und dunkel 
blutroth gemischt, fein gerunzelt, die Mittelleiste des er- 
steren abgekürzt und schwielig erweitert, die beiden Gru- 
ben tief; letzteres mit stark ausgeprägten , glatten vorde- 
ren Bogenleisten und gleich erhabenem mittleren Längs- 
kiel. Mesonotum schwarz, bläulich bereift, jederseits mit 
grossem, dunkel blutrothen Fleck. Flügeldecken bläulich 
schwarz, auf dem Spitzenfelde nicht lichter, mit circa fünf- 
zig grösseren und kleineren, runden, ziemlich gleichmässig 
vertheilten, blutrothen Flecken, die auf der Unterseite sich 
noch lebhafter ausnehmen, als oben; nahe der Wurzel bil- 
den einige dieser Flecke durch Zusammenfliessen eine durch- 
gehende, fast gerade Querbinde, welche auf der Oberseite 
mit Grün getüncht, unten dagegen rein purpurroth erscheint. 
Hinterflügel sehr satt schwarzbraun , besonders über die 
Mitte hin, während der Analrand und einige Strahlen nahe 
der Wurzel lichter erscheinen; der durchsichtige Fleck 



Uebersicht der Fulgorinen-Gattnng Poioceva. 217 

vor der Spitze ziemlich klein, länglich oval. Brust und 
Beine purpurschwarz, pflaumenartig' bereift; an ersterer be- 
sonders die Schulterblätter, an letzteren die Hinterschen- 
kel mehr ins Blutrothe fallend. Hinterleib mit Ausnahme 
des schwärzlichen und ebenfalls rolh gefleckten Basalrin- 
ges hell blutioth. 
Aus Brasilien. 

4) P. oculata. „Fusco- nigra, abdomine apice flavo, 
elytris fascia basali gultisque coeruleis , alis nigris, macula 
ocellari albo -hyalina." — Patria: Brasilia. 

Lystra ocnlala Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. no. 29. 

Von Germar aus der v. Winthem'schen Sammlung 
beschrieben, mir unbekannt; sie soll von der Gestalt der 
vorhergehenden Arten, jedoch etwas grösser sein. 

5) P. maculala. Capite, thoracc elytrisque ochraeeo- 
nigroque variegalis, abdomine sanguineo, alis nigro-fuscis, 
basi pallide coeruleo-notatis, macula hyalina minuta. Long, 
eorp. 7 — 81in., expans. elytr. 17'/ 2 — 19 lin. — Patria: Ba- 
hia (Selloj. 

Pfiioccra maculala Spinola, Annal. d.l.soc. entom. VIII. p. 278. 

NO. -'. 

Lystra maculala (jNt-rin in ÜNperrey , Voyage de la Coqoille, 

Zoologie. II, 2. p. 187. pl. X. fig. 8 (1830). 
Lystra spiluta " Germer, Thon's Archiv II, 2. p. 55. no. 32 (1830). 

Von den vorhergehenden Arten durch den viel län- 
geren, vorn stärker als hinten gerundeten Scheitel, dessen 
Oberfläche kaum vertieft ist, ziemlich auffallend abweichend. 
Der Hinterleib ist unten stets, zuweilen jedoch auch ober- 
halb ganz hell blulroth , bei anderen Individuen aber fast 
ganz schwarz mit schmalen rollten Spitzenrändern der ein- 
zelnen Segmente. Her hyaline Fleck vor der Spitze der 
ilioterflügel ist klein, zuweilen selbst sehr klein und schein! 
nach G u e r i n's Betohreibong mitunter sogar fast ganz ein- 
zugehen. 

Im hiesigen .Museum von Bahia, bei Guerin von Rio 
de Janeiro. 

6) V pallida. ..Klavn - pallicla. abdomine rnbro, pun- 
etolii nigris. inrra luleoi elytris pallidis, llavo-nigroque 
vetiegBtla, alis nigTicantibat, hmula aprcall vitrea." Long. 



218 Gerstaecker: 

corp. 8 Iin., expans. elytr. 18 lin. — Patria : Brasilia (Rio 
de Janeiro). 

Poiocera pallida Spinola, Annal. d. I. soc. entoni. VIII, p.279. 

DO. 3. 

Lijslra pallida Guerin in Duperrey, Voyage de la Coquille, 

p. 188. 
Aus Brasilien, mir unbekannt. 

7) P. specularis. „Brunnea, fusco-maculata, abdo- 
mine ferrugineo , aus macula ovata albo- hyalina." — Pa- 
tria : Surinam. 

Lystru specularis Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. ti. 30. 

Stoll, Cigales, pl. XXIII. fig. 123. 

Aus Surinam, mir ebenfalls unbekannt; nach Ger- 
mar's Angabe etwas kleiner, nach Stoll's Figur beträcht- 
lich grösser als P. perspicillata. 

8) P. irrorata. „Capite thoraceque nigris, elytris pi- 
ceis, apice dilutioribus, flavo - irroratis , alis nigris, lunula 
vitrea: abdomine flavescenle, basi nigro, supra maculis sex 
nigris ornato, pedibus nigris, genubus posticis rubris."„.Long. 
corp. 10 lin., expans. elytr. 25'/ 2 lin. — Patria: Bolivia 
(Chiquitos). 

Poiocera irrorata Blanchard in d'Orbigny, Voyage dans l'Ame- 
riqne merid. VI, 2. p. 221. no.775, Insect. pl. 31. fig. 1. 

Aus Bolivia. Der folgenden Art nach der bei Blan- 
chard gegebenen Abbildung sehr nahe verwandt , aber 
beträchtlich grösser und schon durch den Mangel der gros- 
sen Flecke am Vorderrande der Flügeldecken und die Fär- 
bung der Hinterbeine hinlänglich unterschieden. 

Anmerkung. Die vorstehende Art ist von Blanchard P. 
irrorata (P. arrosee) und nicht P. arrosa benannt, wie dies 
von Erichson im Jahresberichte irrthümlich angegeben 
und von Schaum, Walker und Dohin nachgeschrieben 
worden ist. 

9) P. Germari. Capite thoraceque nigris, flavo -ma- 
culatis, elytris rufo-fuscoque variis, marginis antici macu- 
lis tribus maioribus apiceque late flavis, hie albo-punetatis: 
alis basi sanguineo-notatis, macula hyalina semilunari, an- 
gusta , abdomine infra femoribusque posticis totis pallide 



Uebersicht der Fulgorinen-Gnttung Poiocera. 219 

flavis. Long. corp. 7 lin., expans. elytr. 19V 2 lin. — ■ Pa- 
tria : Brasilia (v. Olfers). 

Lystra turca Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. uo.31 (excl. 
synonym.). 

Von den zunächst stehenden , sehr verwandten Arten 
unterscheidet sich die vorliegende durch drei grosse, quer 
ovale, schmutzig gelbe Flecken am Vorderrande der Flü- 
geldecken , die ziemlich zahlreiche weisse Punktirung auf 
dem blass gelbbraunen Spitzenfelde derselben, die roth ge- 
waschene Basis und den schmalen Mondfleck der Hinter- 
flügel, so wie endlich durch die Färbung der Beine. An 
den Vorder- und Mittelbeinen sind nämlich die Schenkel 
ausserhalb vor der Spitze in weiter Ausdehnung röthlich 
gelb, die Schienen mit zwei gelben Ringen gezeichnet; an 
den Hinterbeinen sind die Schenkel fast ganz und die Schie- 
nen mit Ausnahme der breiten Spitze und der beiden schar- 
fen Kanten blass grünlich gelb gefärbt. Nach allen diesen 
Merkmalen kann diese von Germar als L. turca Fabr. be- 
schriebene Art nicht auf die Fabri ciu s'sche gleiches Na- 
mens bezogen werden. — In Brasilien einheimisch. 

10) P. pavonina. Capite thoraceque nigris, rufo-ma- 
culatis, abdominis apice, pleuris femoribusque posticis san- 
guinis : elytris nigro-viridibus, crebre ininiaeeo-maculatis, 
apice fasciaque arcuala ultra medium sordide flavis, viridi- 
venosis : alis hasi albo-notatis, macula hyalina semilunari, 
maiore. Long. corp. 8 lin., expans. elytr. 20 lin. — Patria : 
Caraccas (Gollmer). 

Der Kopf kaum breiter, aber im Scheitel deutlich län- 
ger als bei der vorigen Art, matt schwarz, dicht wurmar- 
tig gerunzelt; der Scheitel leicht concav mit parallelen 
Rändern, die drei senkrechten Stirnleisten deutlich erhaben, 
fast scharf, die seitlichen nach vorn von einer seichten Fur- 
che begränzt; die Querleiste oberhalb des Clypeus scharf, 
leicht gebogen. Pro- und Mcsonotuiu matt schwarz, dunkel 
blutrot ti gefleckt, uneben, der Quere nach fein gerunzelt, 
ersteres mit glatter Längsleiste und kleiner, punktförmiger 
Grobe j euerseits, letzteres mit sehr feinem mittleren Längs- 
kicl und winklig gebrochenen, nur massig ausgeprägten 
Bogcnlinicn; die Spitze hell rostroth mit weissem Punkte. 



220 Gerstaeck er: 

Die Flügeldecken bis über die Mitte hinaus tief schwarz- 
grün mit zahlreichen mennigrothen, grösseren und kleine- 
ren runden Flecken und dunkler braunrothen , mitunter 
grün angelaufenen Adern; dieses Feld wird nach aussen 
durch eine ziemlich breite, stark S-förmig gekrümmte, 
weder den Vorder- noch Hinterrand ganz erreichende, 
schmutzig gelbe, von hellgrünen Adern durchzogene Quer- 
binde begränzt, welche ihrerseits wieder von dem schmut- 
zig gelbbraunen Spitzenfeld durch einen schwarzbraunen 
Schatten, auf dem einige gelbe Tupfen stehen, abgeschie- 
den wird. Die Hinterfiügel besonders über die Mitte hin 
tief schwarzbraun , längs des Hinterrandes bis zur Spitze 
lichter, nahe der Basis mit einer milchweissen Makel, vor 
der Spitze mit grosser, halbmondförmiger Glasmakel. Auf 
der Unterseite ist die Färbung der Flügel viel intensiver, 
auf der vorderen die Fleckung fast purpurroth , die Quer- 
binde mehr grasgrün. Die Brust und Beine schwarz, er- 
stere mit blutrothen Pleuren und weissen Flecken, an letz- 
teren die Mittelschenkel unterhalb, die hinteren ganz und 
heller blutroth. Der Hinlerleib ist unterhalb schmutzig 
wachsgelb , oberhalb auf den beiden ersten Segmenten tief 
schwarz , im Uebrigen blutroth mit je zwei schwarzen 
Flecken an der Basis des drillen und vierten Segmentes. 
Aus Caraccas. 

11) P. undala. „Nigra, ferrugineo- varia, abdomine 
apice rufo, subtus fulvo , operculis fulvis, pedibus nigris, 
femoribus ferrugineo-villatis; alis anticis viridi-nigris, apice 
fuscis, fascia undata flava ornatis: alis posticis nigris, albo- 
maculatis et fasciatis." Long. corp. 7 lin. , expans. elytr. 
22 lin. — Palria : Columbia. 

Poiocera undala Walker, List of llomopterous Insects io the 
colleclion of the British Museum, p. 295. n. 27. 

Aus Columbien. Nach der W a 1 k e r'schen Beschrei- 
bung muss diese mir unbekannte Art der vorigen sehr nahe 
stehen , von der sie sich durch den Mangel der rothen 
Flecke auf den Flügeldecken, durch den rostgelb geran- 
deten Scheitel , die Färbung der Schenkel u. a. unter- 
scheidet. 

12) f. multtjaria. „Fulva, sculelli lateribus nigro-qua- 



Uebersicht der Fulgoiinen-Gattung Poiocera. 221 

drimaculatis, abdominis lateribus fiilvis, albo-guttatis, pe- 
dibus fulvis, libiis anlerioribus nigro-maculatis : alis anlicis 
fuscis, viridi-maculatis, apice fulvis, alis posticis nigro- 
fuscis, macula limpida subapicali ornatis." Long. corg. 8'/ 2 
lin., expans. elytr. 22 lin. — Patria ignota. 

Poiocera multifaria Walker, List, of Honiopt. Ins. etc. p. 295. 
no. 28. 

Eine mir ebenfalls unbekannte Art. 

13) P. fastuosa. Capite thoraceque nigris, abdomine 
basi excepta pedibusque posticis corallinis : elytris viridi- 
nigris, apice dilti tc brunneis, faseiis duabus maculisque tri— 
bus inarginis antici laete flavis : alis saturate fuscis, basi 
albo-notatis, macula byalina maxima. Long. corp. 8 lin., 
expans. elytr. 21 lin. — Patria: Mexico (Ehrenberg). 

Eine durch Färbung und Zeichnung gleich ausgezeich- 
nete Art, in Grösse, Forin und Kopfbildung der P. per- 
spicillata gleichend. Kopf und Thorax tief schwarz, leicht 
glänzend, ersterer auf dem Scheitel undeutlich heller ge- 
deckt, auf dem unteren Theil der Stirn ins Pechbraune 
übergehend ; der Scheitel stark ausgehöhlt, die Stirn dicht 
gerunzelt, mit schwach markirten Seiten- und sehr ver- 
kürzter und abgeflachter Mittelleiste, während die Querleiste 
oberhalb des Clypeus stark erhaben, fast scharf, glänzend, 
stark gebogen und in der Mitte tief eingeschnitten ist. Das 
Pronolum ist auf der hinteren Hälfte dicht gerunzelt, vorn 
beiderseits von der kurzen, glänzend glatten Mittelleiste 
breit grubig vertieft; dasMesouotum innerhalb der schwach 
markirten und seillich gebrochenen Bogenlinien fein nadel- 
rissig, malt und merklich vertieft, die Mittellinie erhaben, 
glänzend; die Spitze hat eine rostfarbene Spitze, das Me- 
tanoium blutrothe Seilen/lecke. Das Basalfejd der Flügel- 
decken ist schwarzbraun mit metallisch grünem Schimmer 
und hell strohgelber. Binden- und Flecken-Zeichnung, näm- 
lich einer schiefen und breiten Querbinde dicht hinler der 
Basis, welche diu Vorderrand nicht erreicht, sondern vor 
diesem quer abgestutzt ist. einer zweiten schmaleren, nach 
aussen coneaven auf der Grenze /.um Spitzenfeld, aus einer 
Anzahl kleiner Zerstreuter Punkte und endlich aus drei gros- 
sen Fle< ken am Vorderrand, von denen der erste (zunächst 



222 Gerstaecker: 

der Basis) durch die Längsadem eigentlich in drei, die 
beiden folgenden in zwei hintereinander stehende Flecke 
aufgelöst sind. Auf der Unterseite ist die Färbung matter, 
der Grund mehr schwärzlich, die Flecken und Binden fast 
weisslich. Die Hinterflügel satt rauchbraun, an der Spitze 
lichter, der Analrand durchsichtig grau, die Basis breit 
milchweiss gewaschen ; der Glasfleck vor der Spitze sehr 
gross, dicht an den Vorder- und Hinterrand stossend, fast 
halbkreisförmig mit geschwungenem Aussenrande. An der 
Brust sind die Pleuren , an den Mittelbeinen die Basis der 
Schenkel blutroth, an den Hinterbeinen Schenkel und Schie- 
nen grell corallenroth ; alles Uebrige schwarz. Der Hinter- 
leib unten brennend corallenroth , oberhalb die beiden er- 
sten Segmente tief schwarz, die folgenden sattgelb mit ro- 
then Spitzenrändern und einem schwarzen Punkt jederseits 
der Mittellinie. 

Aus Mexico. 

14) P. meleagris. Atra, elylris fuscis, elevato- veno- 
sis, crebre hyalino-punctatis, aus antrorsum late sanguineis, 
macula hyalina elongata gultisque nonnullis dispersis orna- 
tis. Long. corp. 6 lin., expans. elytr. 17 lin. — Patria: 
Brasilia (v. Olfers). 

Merklich kleiner als alle vorgehenden Arten. Kopf 
und Thorax bräunlich schwarz, matt, grau bestäubt, erste- 
rer im Verhältniss zu seiner nicht bedeutenden Breite mit 
ziemlich langem Scheitel, dessen Oberfläche nicht merklich 
ausgehöhlt, aber uneben ist; es findet sich nämlich beider- 
seits von dem feinen Mittelkiel ein runder Wulst und an 
dessen Aussenseite je eine ziemlich tiefe Grube. Die Stirn 
ist gleichfalls uneben, fein gerunzelt, über die ganze Mitte 
licht braun gefärbt, der mittlere Längskiel stark abgekürzt 
und sehr schwach markirt, die seitlichen ganz verstrichen, 
die Querleiste ebenfalls sehr schwach, breit unterbrochen. 
Am Pronolum ist der mittlere Lappen sehr deutlich abge- 
setzt , von der Form eines halben Sechseckes, der feine 
Mittelkiel und die Bänder rostfarben; dasMesonotum etwas 
grober als jenes, der Quere nach gerunzelt, der Mittelkiel 
fein, aber deutlich, ebenfalls rostfarben, die Bogenlinien 
undeutlich. Das Metanotum hell blutroth mit schwärzlichem 



Uebersicht Her Fulgorinen-Gattung Poiocera. 223 

Fleck jederseits vom Postscutellum. Die Flügeldecken 
schwärzlich braun, gegen die Spitze hin lichter, rippenar- 
tig geädert und daher rauh, rindenartig erscheinend; sie 
sind mit sehr zahlreichen, zerstreuten, an der Spitze jedoch 
dichter stehenden und hier etwas grösseren durchsichtigen, 
leicht gelblich gefärbten Punkten besäet. Die Hinterflügel 
schwärzlich braun, längs des Vorderrandes bis zum letzten 
Drittheil hell blutroth, dahinter mit einigen unregelmässi- 
gen glashellen Pünktchen; der Glasfleck vor der Spitze 
schmal, langgestreckt, nach hinten etwas verengt, mit leicht 
convexem Aussen- und etwas welligem Innenrande. Brust 
und Beine schwarzbraun, die Hinterbrust und die Dornen 
der Hinterschienen jedoch licht roth, letztere mit dunkeler 
Spitze. Der Hinterleib ist unten ganz schwarz, oben hell 
blutroth; die beiden ersten Segmente, eine Mittelbinde und 
je vier Punkte auf den folgenden ebenfalls schwarz. 
Aus Brasilien. 

15) P- amoena. Thorace, pedibus elytrisque nigris, 
his fascia obliqua ante apicem laete flava : capite, pectoris 
laterihus, femoribus posticis, abdomine alarumquc basi san- 
guineis, his fascia angusta hyalina. Long. corp. 4 lin., 
expans. elytr. 10 lin. — Patria: Salto -grande Brasiliae 
(Sello). 

Eine der kleinsten Arten der Gattung. Der lieht roth- 
gelbe Kopf ist von der Breite des P-onotum , der Scheitel 
sehr kurz, leicht ausgehöhlt, mit parallelen Bändern; die 
Stirn oberhalb so gewölbt, dass sie vor dem Scheitelrand 
von oben her sichtbar ist, schmutzig grau gelb, dicht und 
fein gekörnt, ohne Spur von erhabenen Linien, der Cly- 
peus licht roth. Das Pro- und Mesonotuin kurz, tief und 
fast matt schwarz, lein f)uerninzlig, mit feiner, leicht er- 
habener, glänzender Mittellinie ; die Bogenlinien auf letzte- 
rem nur schwach markirt. Die Flügeldecken tief schwarz- 
braun, metallisch grün schimmernd, vor der etwas lichte- 
ren und rein braunen Spitze mit schmaler, lichtgelber 
Qnerbinde, die etwas schräg von vorn und innen nach hin- 
ten und aussen verläuft und hinter ihrer Mitte leicht unter- 
brochen ist. Die Hinterflügel satt rauchbraun, am VVurzel- 
dritlheil hell blutroth, mit graulichem, etwas durchsichtigen 



224 Gerstaecker:- 

Analrand und schmaler, wasserheller Querbinde vor der 
Spitze, die den Vorderrand beinahe erreicht und fast ge- 
rade verläuft. An der Brust sind die Schulterblätter, an 
den Hinterbeinen die Schenkel hell blutroth, das Uebrige 
schwarz; der Hinterleib oben und unten lichtroth, an der 
Basis fast gelblich. 

Von Salto-grande in Brasilien. 

16) P. punicea. Thorace pedibusque nigris , capite, 
pectoris lateribus, femoribus posticis alarumque basi cocci- 
neis: elytris fuscis, obscurius punctulatis , alis basi albido- 
linctis, macula hyalina parva, ovata. Long. corp. 4% lin., 
expans. elytr. 12 lin. — Patria: Brasilia (v. OlfersJ. 

Etwas kleiner als die folgende Art , der sie in Form 
und Färbung sehr gleicht. Der Kopf wie bei dieser und 
der vorigen sehr breit, das Pronotum seitlich fast überra- 
gend, der Scheitel kurz, zwischen den parallelen Bändern 
leicht concav, die Stirn vor dem Bande derselben etwas 
hervortretend, dicht und fein gekörnt, ohne alle Leisten; 
von Farbe licht mennigroth, der Clypeus mehr scharlach- 
oder corallenrolh. Der Thorax bräunlich-schwarz, fast matt, 
dicht und fein querrunzelig; auf dem Pronotum ausser der 
stumpfen, schwieligen Mittellinie eine dickere quere Schwiele 
nahe dem Vorderrand, beide von bräunlicher Färbung; auf 
dem Mesonotum die ganze Mitte fahlbraun, die glatte Mit- 
tellinie stumpf, die Bogenlinien verwischt. Das Metanotum 
in der Mitte schwärzlich, seitlich corallenrolh. Die schma- 
len Flügeldecken gleichmässig und licht braun, etwas durch- 
scheinend, in den Zwischenräumen der Adern dunkler ge- 
tupft; die llinterflügel satt rauchbraun, mit licht grauem, 
an der Wurzel lebhaft roth gefärbtem Analrande , mehr 
nach vorn mit weisslich getünchter Basis und kleinem eiför- 
migen Glasfleck vor der Spitze. An den Hinterbeinen sind 
die Schenkel und die Basis der Schienen , an der Brust 
die mittleren Schulterblätter und der grösste Theil dcrHin- 
terbrust, endlich auch der Hinterleib oben und unten leb- 
haft scharlachroth. 

II. llinterflügel ohne glashellen Mondfleck vor der Spitze, 
a) Hinterflügel ganz rauchhraiin. 

17) P. dichroa. Nigra, capite, pecloris lateribus, femo- 



Uebersichl der Fulgorinen-Gattunpr Poiocera. 225 

ribus posticis abdominequc corallinis, alis basi fusco-dia- 
phanis, sanguineo- tinctis. Long. cnrp. 5'/ 2 lin., expans. 
elylr. 15'/ 2 Hn. — Patria: Brasilia (v. Olfers). 

Ltjstra ilickroa Gerniar, Thon's Ai clii v II, 2. p. 55. no.24 (1830). 
Poiocera rubrireps StTil , Öfvers. af Vetensk. Akad. Föihandl. 

XII. p. 191. no. 2 (1856). 
Aus Brasilien, eine der bekanntesten Arten ; der vo- 
rigen sehr ähnlich im ganzen Baue, durch beträchtlichere 
Grösse, dunklere Färbung der Flügeldecken und den Man- 
gel des Glasfleckens in den Hinterflügeln leicht zu un- 
terscheiden. 

18) P. sepulchi-alis. „Nigra, pectore postice utrinque 
macula albo-mucorca, abdomine flavo , sublus medio longi- 
tudinalilcr nigro.^ Long. corp. 5 lin., expans. elytr. 13y 2 lin 
— Palria : Brasilia. 

Poiocera sepiilcltralis Slä), Öfvers. af Vetensk. Akad. Föihandl. 
XII. p.191. no.3. 

Eine mir unbekannte Art aus Brasilien; soviel sich aus 
der sehr kurzen Diagnose entnehmen lässt , sind die Hin- 
lerflügel bei dieser Art ebenfalls ganz dunkel gefärbt. 

b) Hinterflugel auf der Basalhälfte tief rauchbraun, auf der 

Spilzcnhälftc viel lichter, durchscheinend **). 

19j P- carbonaria. Nigra, abdomine infra luteo, ely- 
Iris crehre viridi-ptinctatis, apice dilulioribus, fuscis, femo- 
ribus posterioribus flavo-piclis. Long. corp. 4'/ 2 lin., ex- 
pans. elylr. 14 lin. . — Palliar Brasilia (Sello, V. Olfers). 

Von mittlerer Grösse, oberhalb ganz schwarz gefärbt. 
Der Kopf schmaler als der Thorax , mit kurzem Scheitel, 
dessen Oberfläche nur leicht vertieft und dessen Bänder 
parallel sind, und flacher, wurmartig gerunzelter Stirn, auf 
der nur von der mittleren Längsleiste eine schwache Spur 
zu bemerken ist. Auf dem Prdnotum sind nur wenige aber 
grobe (Juerriinzcln und ein feiner, vorn abgekürzter Jlittel- 
kiel bemerkbar; das Hesonotum innerhalb der sehr deutli- 
chen, glänzend glatten BogenHnien , beiderseits von dem 



•) Entweder in diese oder in die nächste Categorlc scheint 
■ach die mir unbekannte Poiocvri rufllascla Walker f Lisi ofllomupt. 
|. 829. no. !I3) xu gehören. 

Archiv fdr Natur«. XXVI .l.l.rg. 1. Bd. IC 



226 Gerstaecker: 

ebenfalls glänzenden Mittelkiel fein nadelrissig , matt, bei- 
derseits glatt. Die Flügeldecken schwärzlich braun, bis zu 
dem lichteren Spitzenfclde stark rippenartig geädert. Die 
Adern bis über die Mitte hinaus durchweg schwarz, auf 
der Gränze zum Spitzenfelde jedoch alle Queradern licht 
gelb; zwischen diesen gelben Adern und der Wurzel ist 
der schwarze Grund überall mit zahlreichen grünen Pünkt- 
chen zerstreut besäet. Auf den Hinterflügeln ist gewöhn- 
lich nur die Basalhälfte dunkel rauchbraun, die Spitzen- 
hälfte dagegen durchsichtig und nur leicht braun getrübt; 
es kommen jedoch auch Exemplare vor, an denen die Spitze 
wieder ziemlich dunkel gefärbt ist und wo dieselbe nur 
durch eine lichtere Binde, auf der überdem auch noch die 
Adern dunkel umflossen sind , von der tiefbraunen Basis 
geschieden wird. Die Brust matt schwarz, mit hellgrüner 
Säumung der einzelnen Platten und der Hüften; beiderseits 
mit weisser Sekretion bedeckt, die auch an der Basis bei- 
der Flügelpaare zu bemerken ist. Die Beine schwarz; die 
Mittelschenkel an beiden Seiten mit unregelmässigen gel- 
ben Längsflecken , die Hinterschenkel aussen ganz gelb, 
innen mit zwei schwarzen Längslinien , die Hinlerschienen 
bis auf die schwarze Spitze grünlich gelb. Der Hinterleib 
ist auf der ganzen Unterseite rothgelb, zuweilen selbst 
mennigroth, welche Farbe zugleich als schmaler Saum die 
Oberseite umzieht; das letzte Segment ist heim Weibchen 
nur wenig länger als das vorhergehende und wie dies mit 
einem feinen Mittelkiel verschen. 

In Brasilien, wie es scheint, ziemlich häufig. 

20) P. constellala. Capite, thorace pedibusque oliva- 
ceis, abdomine miniaceo , elytris fuscis, rufo-venosis palli- 
deque maculatis , margine antico viridi , trimaculato, apice 
late cervinis, albo-guttatis. Long. corp. 6% lin. , expans. 
elytr. 1 9 Vi ''"• — Patria; Cuba (Müllerj. 

$ Abdominis segmento ultimo praecedcnte dimidio lon- 
giore, unicarinato. 

Lystra (Poiocera) constellala Gucrin in Ramon de la Sagra, 
llistoria fisica etc. de la isla de Cuba VII. p. 179. (le'57). 

Poiocera basistelltr Walker, List of Homopt. Insecls p. 297. 
no. 30. (1850). 



Uebersicht der Fulgorinen-fiattung Poiocera. 227 

In Cuba und nach Walker auch in Jamaica einhei- 
misch. Die Art würde nach Spinola zu seiner Gattung 
Calyptoproctus gehören, da bei dem Weibchen das letzte 
Abdominalsegment um die Hälfte länger als das vorherge- 
hende ist und den (ienitalring überdeckt; der scharfe Mit- 
telkiel desselben erstreckt sich über das ganze vorletzte 
und die hintere Hälfte des drittletzten Segmentes. 

Anmerkung. Dass die von Guerin als L. constellata be- 
schriebene mit der Walker 'sehen Art identisch ist, kann bei der voll- 
kommenen Uebcrcinstiinmiing aller Alerfcmale gar nicht zweifelhaft 
sein; die einzige abweichende Angabc, der Hinterleib sei bei l\ ba- 
sistella pechbraiin, beruht wohl ohne Zweifel darauf, dass Walker 
ein Exemplar mit durch Käulniss missi'aibigem Hinlerleib vor sich 
gehabt hat. Trotzdem wird der (itierinsche iVame dem sinnlosen 
Walker'schen vorzuziehen sein. 

c) Hinterllügel an der Basis und Spitze raucbbratin , mit 
durchsichtiger oder hell gefärbter Mittelbinde. 

21) P. cribrata. Capite, thorace elytrisque obscure 
cervinis, his punetis pallidis crebre adspersis , alis hyalino- 
fasciatis, basi coeruleo-notatis, abdomine apice sanguineo, 
pedibus flavo-nigroque variis. Long. eorp. 4'/ 2 lin., expans. 
elytr. 14 lin. — Patria : Brasilia (v. Olfers). 

Poiocera penosa Walker, List ol'Hnmopt. Insects p.298. no. 32. 

Ein einzelnes Exemplar aus Brasilien. Der Name die- 
ser von Walker ganz kenntlich beschriebenen Art musste 
wegen des früher von Gerinar an eine andere vergebe- 
nen geändert werden. 

'22) P. fuliginosa. Atta, capite flavo-limbato, elytris 
apicem versus nervis Iransvrrsis albidis : alis medio late 
hyalinis. basi < yanescenli- notalis, abdomine coccineo, basi 
pnnetisque segmentorum nigris. Long. corp. 4'/ 2 lin., ex- 
pans. elytr. 14 lin. — l'alria : Texas (Friedrich). 

Ifatgora fiiHginoia Oltvier, Encyclop'.' niethod. VI* p.574. no.39. 

Ltjstra fitligitiosii (»erinar, ThoiTl Archiv II, 2. p. 52. no. tj. 

Nach Ol i viert Angabe in Georgien einheimisch; 
drei dem Museum aus Texas zugesandte Exemplare stim- 
men mit der Beschreibung der Encyclopidie genau iiberein. 

2;lj P. monacha. Atra , elytris ultra medium USque 
■nbtilissime Qavo-punctatis, apice dilutioribus fuscis, alis 



228 G t\ r s I a e c k r r : 

lacteo-fasciatis. Long. corp. 4'/ 2 lin., expans. elytr. 12 lin. 

— Patria : Brasilia (Sello). 

Cahjptoprvclus lucluosus Spinola, Annal. <J. I. soc. entom. VIII. 
p. 272. do. 5. 

In Brasilien nicht selten. Beim Weibchen ist das letzte 
Hinterleibssegnient doppelt so lang als das vorletzte, in 
der Mitte des Hinterrandes flach ausgeschnitten, beiderseits 
gerundet: die Mittellinie ebenso wie auf den beiden vor- 
hergehenden Segmenten scharf gekielt. — Der Spinola'sche 
Artname musste, da er schon früher von Guerin an eine 
andere Art vergeben war, geändert werden. 

24) P. marginalis. Atra , abdomine anguste croceo- 
linibato, elytris margine antico guttisque nuinerosis testaceis, 
alis lacteo-fascialis. Long. corp. 4V 3 lin., expans. elytr. 
12'/ 2 lin. — Patria: Brasilia (Virmond J. 

Mit der vorigen Art in Grösse und Form übereinstim- 
mend und derselben überhaupt äusserst ähnlich, so dass ein 
Hervorheben der Unterschiede zur Charakteristik genügt. 
Die Stirn ist etwas stärker und deutlicher wurmartig ge- 
runzelt, die drei Längskiele schärfer markirt, die Batken- 
lappen licht pechbraun. Die Flügeldecken sind weniger ge- 
schwärzt, mehr pechbraun, das Spitzenfeld kaum heller als 
die grössere Basalhälfle; auf dieser sind die gelben Pünkt- 
chen etwas grösser, deutlicher markirt und der ganze Vor- 
derrand bis nahe zur ersten Längsader blass knochengelb. 
Auf den Hinterflügeln ist der dunkelbraune Basalfleck im 
Verhältnisse grösser, der Analrand inil Ausnahme der Spitze 
nicht milchweiss, sondern deutlich grau getrübt. Die drei 
letzten Hinlerleibssegmente haben rothgelbe Seiten- und 
Spitzenränder, der letzte beim Weibchen einen besonders 
breiten hinteren Saum. 

Ein einzelnes Exemplar aus Brasilien. 

25) P. lugubris. Nigro-olivacea, capite testaceo, ab- 
domine subtus miniaceo, nigro-fasciato, alis hyalinis , mar- 
gine anali late, poslico anguste nigro. Long. corp. 6 lin., 
expans. elytr. lT l /a lin. — Patria: Brasilien. 

Lijsiia luguhris Perly, Delect, animal. p. 177. lab. 35. fig. 5. 
t'ulijpluproctus lugubris Spinola. Annales d. I. soc. entom. VIII. 
p. 270. no. 3. 






Urbersicht Hei Kiilgorinen-Gallung l'oiocera. 229 

Diese seltene Brasilianische Art ist mir ebenso wenig 
wie Spinola bekannt ircworden; sie weicht von den ■vor- 
hergehenden durch den in seiner ganzen Ausdehnung schmal 
schwarz gesäumten Hinterrand der Hintcrflügel ab. Nach 
der Perty'schen Abbildung ist der letzte Hinterleibsring 
des Weibchens stark verlängert. 

26) 1'. coleoptrala. Capite thoraceque fusco-olivaceis, 
abdomine supra crocen, vitta maculari nigra', pedihus nigris, 
libiis anterioribus flavo-annulatis : elytris costato- venosis, 
fuscis , l'errugineo - adspersis , apice maculis tribus magnis 
cervinis: alis area media ilavcsccnti-alba. Long. corp. 4'/ : 
— 5'/ 2 lin., expnns. elylr. 1 1 '/, — 13'/jlin. — Patria: Rio-Ja- 
neiro (Feldner), La Guayra (Haeberlin), Columbia (Starke). 
Var. a. Alis posticis vitta anteapicali pellucida. 
Var. b. Elytris abdomineque supra viridibus. 

Von eigethümlich gedrungenem Baue und mit breiten, 
kurzen Flügeln. Der Kopf ist sehr viel schmaler als der 
Thorax, der Scheitel nur schwach vertieft, uneben, mit 
fast gerade abgeschnittenem Vorderrande, vor dem der auf- 
geworfene obere Stirnrand hervorragt; die Stirn dunkel- 
braun, glänzend . sehr grob w urinartig gerunzelt, die drei 
l.;ni^sleisten scharf markirl. Der Thorax ist wie der Schei- 
tel oberhalb bräunlich olivenfarbig, das Pronotum etwas 
heller, dicht gerunzelt, mit vorn abgestutzter, ziemlich 
Stampfer Mittelleiste und vier runden, schwärzlichen Gru- 
ben: das Mesonotum dunkler, fast braun, am Vorderrande 
mit sechs rostgelben Punkten, die Mittel- und die beiden 
Hegenleisten stark erhaben, glänzend, der Kaum zwischen 
Hilfen nadclrissig. Die Flügeldecken mit stark erhabenen, 
rippenartigen Längsadern, so dass die schmalen Zwischen- 
räume derselben wirkliche Forchen bilden, schwärzlich' 
pcchbraDn, besonders längs den Kippen mit rostrothen Punk- 
len und Fleeken gesprenkelt und in den Zwischenräumen 
überall mii dichtem mnsbhigen Adernetz v'dn rostgelber 
Farbe gescheckt ; beim Beginne des ziemlich schmälen Spit— 
cenfeldes erscheinen die Flugeidecken durch das Aufhören 

der starken Lingsadern wi -knickt und sind hier auf 

schwarzbraunem, waissliod punktfrten Grande mit drei gros- 
sen rostfarbenen Rechen geziert • miii denen einer den 



230 Gerstaecker: 

Aussenrand einnimmt, die beiden anderen, hinter einander- 
stehenden dem Vorderrande genähert sind. Die Hinterflü- 
gel mit querem weissgelben Spiegelfelde , welches an der 
Wurzel schmal schwarzbraun getüncht ist, während es nach 
hinten und aussen von einer breiten, gleichfalls dunkelbrau- 
nen Randbinde eingefasst wird; am Anal- und Hinterrande 
ist diese Binde stellenweise lichter gefärbt, mehr durch- 
sichtig, nahe der Spitze durch die weiss gesäumten Quer- 
äderchen gegittert. Brust und Beine malt schwarz, erstere 
mit gelbgesäiunten Schulterblättern und Hüllen, letztere an 
den Vorder- oder Mittelschienen mit goldgelbem Ringe vor 
der Spitze. Der Hinterleib unten ganz schwarz, oben oran- 
gefarben mit schwarzen Randflecken und einer aus fünf Fle- 
cken besiehenden Mittelbinde, welche auf dem dritten und 
vierten Ringe am breitesten ist. 

Zwei übereinstimmende Exemplare der eben beschrie- 
benen Stammform aus Brasilien. 

Bei zwei anderen von La Guayra und Puerto Cabello, 
obwohl sie entschieden dieser sehr auffällig gebildeten Art 
angehören, zeigen sich Unterschiede in Färbung und Zeich- 
nung, wie sie im Ganzen bei den Arten dieser Gattung sel- 
ten vorkommen. Das erstere ist auf den Flügeldecken 
merklich heller, auch auf dem Wurzelfelde fast rehfarben 
und auf den Hinterflügeln wird die breite braune Rand- 
binde vor der Spilze durch ein ausgedehntes glashelles 
Feld unterbrochen. Letzteres ist in übereinstimmender 
Weise auch bei dem zweiten, bedeutend kleineren Exemplar 
aus Puerto Cabello der Fall, welches sich jedoch seinerseits 
wieder durch graugrüne Färbung des Hinterleibs, stark grün 
getünchte Flügeldecken und grünlich weissen Spiegel der 
Hinterflügel auszeichnet. 

27) P- olivacea. „Pallida, prothorare medio carinato, 
elytris pallide olivaeeis, striga transversa maculisque mar- 
ginalibus et inacula terminali nigris: aus nigris, lunula la- 
lissima vitrea , virescente , abdomine pallido , medio nigro, 
pedibus nigris.- Long. corp. 8'/ 2 lin., expans. elytr. 20 lin. 
— Patria : Santa Cruz, Boliviae. 

Poiocera vlicacca Blancliard in d'Orbigny, Voyage dans l'Anier, 
mcrid.VI, 2. p. 221. do. 776. pl. XXXI. 6g. 2. 






Uebersicht der Fnlgorinen-Gatlung Poiocera. 231 

In Form, Färbung und Zeichnung nacli der von ßlan- 
chard gegebenen Abbildung mit der vorigen Art so we- 
sentlich übereinstimmend , dass man sie für identisch mit 
derselben halten könnte; indessen zeigen sich doch, abge- 
sehen von der viel bedeutenderen Grösse, hinreichende Un- 
terscheidungsmerkmale. Zu diesen gehört erstens die Zeich- 
nung der Flügeldeckenspilze, welche von dem Wurzelfelde 
nur durch eine sehr schmale, lineare, zweimal eingeknickte 
schwarze Binde abgegränzt ist und ausser der kleinen 
Spitzeumakel keine weitere dunkele Zeichnung erkennen 
lässt ; zweitens die viel breilere, nicht in Flecke getheilte 
Hinterleibsbinde, endlich auch der stark dreikielige Prothorax 
und die Färbung der Beine. — Von Santa Cruz in Bolivia. 

28) P. sateltitia. „Ftilvo - viridis , metathorace nigro, 
abdomine rufo , pedibus nigro -fuscis , viridi-vittatis, tibiis 
tarsisque posticis ferrugineis : aus anticis viridibus, flavo- 
maculalis, apice viridi-flavis, subhyalinis, nigro-5-maculatis, 
posticis nigris , fascia arcuata alba ornatis." Long. corp. 
7 lin., expans. elytr. 19 lin. — Patria: Venezuela. 

Poiocera sateltitia Walker, List of iiomopt. Insecls p. 296. no. 29. 

Eine mir unbekannte Art, die den vorigen beiden, wie 
es scheint, verwandt ist. 

A) llinterflügcl Diit rother Basal- und schwarzer Spitzen- 
hälfte. 

29) P- imperaloria. Obscure olivacea, fronte, verticis 
inargine, pronoti fascia basali, pectoris macula magna laterali, 
femorihus posticis alHloininef|iie mitiiaceis : elytris fuscis, vi- 
ridi-rufoi|ue reticulatis, maculis 19 fasciisqtte duabus ante- 
apiciililnis linearibus, arcualis (interna inlerrupta) minialis. 
Long. corp. ll'/j lin., expans. elytr. 33 lin. — Palria: Co- 
sta Rica i lloffmann) 

Eine riesige Art in dieser Galtung und nicht nur durch 
schöne Färbung, sondern auch ganz besonders durch die 
auffallende Form des getiefte Ig ausgezeichnet. Derselbe ist 
iiaiiilicli bei massiger kopflireite fast halbkreisförmig, nur 
um ein Dritttheil kürzer als das l'ronoluin, am Innenrande 
der Augen gerade abgeschnitten, der bogenförmige Vor- 
derrantl erst weil vor den Augen beginnend und sich nach 

vorn immer mehr vom llinlerrande entfernend; die Ober 1 - 



232 Gerstaecker: 

fläche des Scheitels leicht concav, besonders gegen den 
aufgebogenen Vorderrand hin, uneben, mit kurzer, vorde- 
rer Mittelleiste und darauf folgender breiter Grube. Wäh- 
rend die hintere Hälfte des Scheitels die olivengrüne Fär- 
bung des Thorax zeigt, ist der breite Spitzensaum gleich 
der ganzen Unterseite des Kopfes hell mennigroth ; die mit 
ihrem scharfen Rande über den Scheitel hervortretende Stirn 
dicht und fein granulirt. matt glänzend, ohne Spuren von 
Längsleisten , dagegen mit stark erhabener, zweitheiliger 
unterer Querleiste. Das dunkel olivengrünc Pronotum ist 
am Hinterrande mennigroth gesäumt, besonders auf der hin- 
teren Hälfte stark querrunzelig, vorn leicht eingedrückt und 
beiderseits mit einigen flachen Höckern versehen, längs der 
Mitte deutlich gekielt; das Mesonotum mit geglätteter 
schwärzlicher Basis , etwas schwächerem Mitlelkiel und 
wurmartig gerunzeltem Mittelfeld, welches gegen den Vor- 
dernind hin geradlinig abgeschnitten und leicht vertieft ist. 
Das Schildchen rothlich mit pechbrauner Spitze, das Meta- 
notum tief schwarz. Die Flügeldecken schwarzbraun, mit 
mennigrolhem, hier und da grün getünchten Adernetz dicht 
durchzogen; auf dem Wurzelfelde stehen neunzehn mennig- 
rothe Troplenflecke und zwar vier im Vorderrande, drei 
dicht hinter demselben, die übrigen in drei Längsreihen 
vertheilt. Das Spitzcnfeld, auf dem das Adernetz ausschliess- 
lich mennigroth , fast gelb ist , dessen Spitzenrand jedoch 
wie blauschwarz erscheint , wird von zwei linearen, stark 
gekrümmten mennigrothen Querbinden durchzogen, von de- 
nen die äussere ganz , die innere hinter der Mitte breit 
unterbrochen ist und zwar gerade da , wo sie sich unter 
einem spitzen Winkel nach innen wendet. Die Hinterflügel 
sind auf der Wurzelhälfte satt zinnoberrolh , an der äus- 
serten Wurzel, der Aussenhälfte und dem Hinterrande tief 
schwarzbraun, last reinschwarz; der Analrand zeigt eine 
Mischung von Roth und Grün. Brust und Beine sind matt 
schwarz, an ersterer jederseits ein grosser Fleck, an letz- 
teren die ganzen Hinterschcnkel und die Basis der Hinter- 
schienen mennigroth. Letztere Farbe zeigt auch der Hin- 
terleib, an dem nur oberhalb das erste und die Mitte des 
zweiten Segmentes geschwärzt sind , während die beiden 



Uebersicht der Kulgorinen-tiaUnng Poiocera. ?33 

folgenden jederseits am Vorderrande drei schwarze Punkte 
führen. Beim Weibchen sind die vier letzten Segmente in 
der Mitte gekielt, das letzte von der Länge des vorher- 
gehenden. 

Von Costa Rica. 

30) P- combusta. Viridi -olivacea , capite ferrugineo, 
pronoto llavo-limbato, elytris fuscis, rufo-venosis et macu- 
lalis, fasriis duabus anteapicalibus, altera angnsta, arcuata, 
altera lala, undulala croceis : abdomine basi excepta femo- 
ribusque sanguineis. Long. corp. 9 — 10 lin., expans. elytr. 
25 — 29 lin. — Palria: Nova Granada (Goudol), La Guayra 
(Munter). 

hyttra conwiistu Westwood, Arcana entomol. tt. p. 90. pl. 7]. 
(ig- 2. 

In der Form des Scheitels der vorigen Art am näch- 
sten kommend, indem auch hier der Vorderrand erst weit 
vor den Augen seine Rundung beginnt; die Ausdehnuug 
in der Lange ist jedoch viel geringer, kaum der halben 
Prothoraxlänge gleich, die Aushöhlung der Oberfläche be- 
trächtlicher. Beim Weibchen ist der letzte llinterleibsring 
von der Länge des vorletzten und wie die drei vorherge- 
henden in der Mittellinie gekielt; der Genitalring ragt frei 
hervor. 

Beide Geschlechter aus Neu-Granada und La Guayra. 

e) llintciflügel mit breit hcllgelarbter, schwärzlich iimgiir- 
teler Basis und durchsichtiger, aber angerauchter Spitze. 

.'il i P. aegrota. Olivacea, pedibus elytrisque pallide 
viridibus, bis margine antico basi sanguineo: abdomine su- 
pra (basi nigra excepta) alaruinque basi late coccincis. 
Long. corp. 4'/ 2 Hn., expans. elytr. 13 lin. — Patria : Co- 
lumbia (Starke). 

Kopf und Thorax licht olivenfarbig , etwas glänzend, 
ersterer reichlich von der Breite des Thorax, mit ausgehöhl- 
tem, parallel gelandeten Scheitel , über dessen Vordcrraud 
der scharfe obere Stirurand hervortritt; die Stirn wurm- 
artig gerunzelt, mit drei deutlichen, last ganz senkrecht 
m-i 'laufenden Langslinien , v on denen die seitlichen in der- 
selben Höhe beginnen , wo die mittlere endet und mit 
schwacher, dreibuckliger Querleiste oberhalb des ander 



234 Gerstaecker: 

Basis stark zweischwieligen Clypeus. Pronotum mit schar- 
fem Mittelkiel, vorn jederseils mit tiefer Grube, hinten seicht 
quergerunzelt: Mesonotum mit fein nadelrissigem Mittel- 
felde, dessen Mittelkiel hinten zweitheilig und dessen Bo- 
genlinien stark erhaben, glänzend und glatt sind ; Mctano- 
tum schwärzlich, mit roth gemischt. Flügeldecken fahl und 
fast durchscheinend gelblichgrün , mit spangriinem Geäder 
und ziemlich grossen, aber sich schwach markirenden gutt- 
gelben Flecken, die jedoch dem Spilzenfelde fehlen; das 
Basaldritttheil des breiten Vorderrandes ist lebhaft blutroth, 
mit einigen grünen Fleckchen und eine schwächere rothe 
Färbung überzieht auch den hinteren Theil der Flügeldecken- 
wurzel. Die Hinterflügel sind über die kleinere Basalhälfle 
hin hell mennigroth , im Uebrigen licht rauchbraun, jedoch 
mit einem dunkleren , bindenförmigen Schatten auf der 
Gränze zum Rothen , der den Vorderrand aber nicht er- 
reicht. Die Brust , die ganzen Beine , die Unterseite des 
Hinterleibs mit Einschluss des Genitalringes sind hell gelb- 
lichgrün , die Oberseite des Hinterleibs schorlachroth mit 
schwarzer bis zur Mille des zweiten Ringes ausgedehn- 
ter Basis. 

Von Puerto Cabello. 

32) P. amabilis. Capite thoraceque cervinis , elytris 
dilute sanguineis, fascia obliqua pallide flava, nigro-cineta 
ornalis, apice dilute brunneis : aus dimidio basali abdomine- 
que supra laele coccineis, hoc infra cum pedibus rufo-ci- 
nereo. Long. corp. 4'/ 2 lin., expans. elytr. 12'/ 2 — 13 lin. — 
Palria : Brasilia (v. Olfers). 

Kopf und Thorax licht hirschbraun mit röthlichem An- 
fluge, ersterer so breit wie der Thorax, mit kurzem, aus- 
gehöhlten, parallel gerandeten Scheitel, vor dessen Vorder- 
rand der obere Stirnrand sieh «licht anlegt; die Stirn fast 
rostfarben, fein wurmartig gerunzelt, mit fast ganz verlo- 
schenen Längsleisten und kaum angedeutelerOuerlinie ober- 
halb des Clypeus. Das Pronotum mit feinem Mittelkiele, 
ohne merkliche Eindrücke, hinten leicht querrunzlig; das 
Mesonotum mit feinen, aber deutlich erhabenen Bogenlinien 
und fein cisilir'em Mittelfelde; das Metnr.otum scharlach- 
roth , in der Mitte geschwärzt. Die Flügeldecken bis zum 



Ueliersicht der Fiilgorinen-Gattung Poiorera. 235 

licht rehfarbenen und ziemlich durchsichtigen Spifzenfelde 
hell blutrolh , spangrün längsgeädert , auf der Gränze zu 
diesem mit einer schmalen, schräg nach aussen und hinten 
verlaufenden hellgelben Querbinde, die beiderseits schwärz- 
lich begränzt ist, geziert. Die Hinterflügel mit lebhaft 
scharlachrolhem Wurzelfelde, welches nach hinten und aus- 
sen von einem tief schwarzbraunen, vorn abgekürzten und 
hier in das Rothe hineingebogenen Bande umgränzt wird : 
die Spitzenhälfte lichtbraun , doch auf der Gränze zum 
Rothen last hyalin. Brust, Beine und Unterseite des Hinter- 
leibes sehr matt und hell blutrolh, leicht grau bereift; 
die Oberseite des Hinlerleibes dagegen mit Ausnahme der 
schmalen tief schwarzen Basis brennend scharlachrolh. an 
der Basis jederseits mit drei schneeweissen Punkten. 

Diese kleine, sehr schön gefärbte Art stammt aus 
Brasilien. 

33) P. sanguinolenta. Ferruginea , elytris viridibus, 
ante apicem croceo -fasciatis , margine antico ad medium 
usque sanguineo: abdomine alarumqiie basi coccineis. Long, 
corp. 4',' 3 lin. , expans. elytr. lOy, lin. — Patria : Santa 
Cruz, Boliviae. 

Poioccia t'angumoUnla liluncliard in d'Urbigny, Voyage dans 
l'Amer. meiid. VI. '.'. p. 221. pl. XXXI. (ig. 3. 

Die Diagnose dieser mir unbekannlen, aus Santa Cruz 
stammenden Art habe ich nach der vonBlanchard gege- 
benen Abbildung, inil der seine kurze Charaklerislik last 
im geladen Gegensalze slehl, angefertigt. Mach ersterer 
mus.s P. sanguinolenta der vorigen Art sehr ähnlich sein, 
vou der sie sich hauptsächlich durch geringere Grosse und 
durch die Färbung der Flügeldecken unterscheide!; diese 
sind dunkelgrün mit bis zur Mille bhilrolhem Voiderrande 
und schmaler rolhgelber („luerbiude vor dem geschwärzten 
Spilzenlelde. 

;l, V. uuptialis. fapile tlioraceque nigris, supra ero- 
BeO-varÜS, pedibus .sangiiineo-mHculalis, elytris auranliacis, 
«irUi-venoaifl nigroque naoaktis, bpies subhyaliuis, abdo- 
irii'ic ;ihü uiiKf iic area hastili rrorcis. Long. corp. 4V, lin , 
expans. elytr. N lin. — Palrin : Brasilia iVirmondj. 

Dm Kopf ist sehr schmal, kaum von zwei DriUtheilcii 



236 G e r s I a e c k e r : 

der Thoraxbreite, schwarz, der kurze und kaum ausgehöhlte 
Scheitel schmutzig gell) gefleckt; die Stirn oberflächlich 
wurmartig gerunzelt, mit deutlichen, obwohl nicht scharten 
drei Längsleisten , von denen die beiden seitlichen dicht 
über dem Clypeus durch eine feine Querfurchc verbunden 
werden; der Clypeus mit zwei glatten braunen Längsschwie- 
len, dazwischen fein querriefig. Das Pronotum mit glattem 
Mittelkiel und erhabener Querleiste vor dem Hinterrande, 
im Uebrigen gerunzelt, gelblich gefleckt: das Mesonotuin 
mit sehr scharfen und glatten Bogenleisten, gelbgefärbtem 
Mittelkiel, dicht gerieftein Mittelfelde und sieben grösseren 
rolhgelben Flecken, von denen vier am Vorderrande, drei 
an der Spitze stehen; das Metonotum vorn goldgelb, hinten 
schwärzlich. Die Flügeldecken bis auf das fast glashelle, 
licht braun gewässerte Spitzenfeld lebhaft orangefarben, 
die Längsadern überall , die Queradern von der Mitte an 
hellgrün; mit grossen, unregelmässigen schwarzbraunen 
Flecken gescheckt, von denen die beiden grösslen und in- 
tensivsten auf der Gränze zum Spitzenfelde fast eine schiefe, 
in der Mitte leicht unterbrochene Querbinde darstellen. Die 
Hinterflügel mit grossem , satt goldgelben Wurzelspiegel, 
der ringsherum breit und intensiv schwarzbraun eingefasst 
ist und der sich in eine gegen die Spitze hin immer mehr 
sich verlierende rauchbraune Trübung fortsetzt. Die Brust 
und die vorderen Beine matt schwarz, an letzteren die Spil/.e 
der Schenkel und zwei Schienenringe breit eorallenroth : 
die Hinterschenkcl rothgelb mit breiter pechbrauner Basis 
an der Aussenseile, die Hinterschienen grünlichgelb, die 
breite Spitze und die Kanten pcchbiaun. Der Hinterleib 
ist oben und unten einfarbig goldgelb. 

Aus Brasilien. 

35) P. flavioentris. _Grisea , abdomine stipra flavo, 
alis hyalinis, fascia media nigra, basi croceis. u — Patria : 
Brasilia. 

Lystra fUitirentris Uermar, Thon's Archiv It, 2. p. 54. no. 22. 

Eine mir unbekannte Brasilianische Art, welche nach 
Germar's Angaben der vorigen sehr nahe stehen; muss, 
sich aber durch die den Vorderrand nicht erreichende 
schwarze Binde der Hinterflügel, die grau und schwarzbraun 



Lebe.'sir*ht der ; Pulgarinen-tiattun(j Poiocera. 237 

gescheckten Beine und die olivengrauen Flügeldecken un- 
terscheidet. 

36) P. mulliguttata. Cervina. abdomine nigricante, ely— 
tris basi viridi-venosis flavoque maculalis, ante apicem al- 
bospnrsum maculis tribus coccincis quartaque basali orna- 
tis : aus basi cocrulescentibus. Long. corp. 5 lin., expans. 
elytr. 16»/, lin. — Palria: Parä (Sieber). 

Lystra multigutiata ' ßirrmeister, Genera Insecl. p. 31. no. 2. 

Von Parä. — Durch die von Burmeister hervor- 
gehobene Leistenbildung der Stirn sehr ausgezeichnet. 

P) Ilinterllügel mit schwarze)' , meist farbig gelrinchlrr Ba- 
sis und glaabeller Spitze. 

87) 1'. pictn. Capite et niesonoto croceis , nigro-va- 
riis. femoribus abdomineque sanguineis, pronoto elytrorum- 
que basi viridibus, liis flavo- maculatis, apice hyalinis, 
fusco-tinctis : alis basi latius cocruleo-venosis. Long. corp. 
8 — 10 lin. , expans. elytr. 21 — 30 lin. — Patria : Brasilia 
(Virmond), La Guayra (Otto). 

§ Abdominis segmenlo ultimo praecedente triplo lon- 
giore, acute unicarinato. 

Lystra picta Gerinar, Tfaon'a Archiv II, ■?. p. 54. no. 17. (1830). 

Lystra ßatap^üetaltt l'erty. Deloctus animal. p. 17fi. Taf. 35. 
(ig. 4. (1834). 

Poiocera ßaroputiclata Spinola , Annal. d. I. soe. entom. V1I1. 
p. 'J7y. no. 4. 

Eine der bekannleren und mit die grösste Art der 
Gattunu.. aus Brasilien und La Guayra. Wie bei P. multi- 
gtiltala Ifiirm. ist der obere Stirnrand in der Mitte schnep- 
penarlig zugespitzt, hier aber zugleich der vordere Schei- 
telrand in der Mitte stark eingekerbt und spitzig zurück- 
gedrängt. Auf der Stirn zeigt sich jederseils von der 
durchgehenden, stumpfen minieren Längsleiste nach unten 
i-inr breite T-förmige Seh« iele, beide aul schwarzem Grunde 
durch hellgelbe Färbung ausgezeichnet. Eben so abwei- 
chend von dem gewöhnlichen Typus ist die Sculptur des 
Mesonolum, aul dem ausser der scharf ausgeprägten Mittel- 
leiste und den ebenfalls starb erhabenen , hier last recht- 
winklig gebrochenen Bogenleisten .sich noch zwei fernere 
Längslinien aul dem Mittelfelde tnarkiren, die hinten gablis 



238 Gersta ecke r: 

gespalten sind und durch den äusseren Gabelast sich mit 
den Bogenlcisten verbinden. Am Hinterleibe ist das vor- 
letzte Segment seillich, das letzte am ganzen Spitzenrande 
hellgrün gesäumt; dieses beim Weibehen dreimal so lang 
als diis vorhergehende und nebst diesem und der hinteren 
Hälfte des drittletzten in der Mittellinie scharf gekielt. 

38") P. bimaciila. ,Fulva, metathorace piceo , nbdo- 
mine subtus et apice fulvo, tibiis anticis nigro- maculatis : 
elytris ferrugineis, maculis duabus ilavis ad costam ornalis, 
apice l'ul vis : alis fuscis , apice sublimpidis." Long. corp. 
6 lin., expans. elytr. 21 lin. — Patria ignota. 

Voiocera bimacula Walker", tisl of llomopt. Insccts p. 300. no.35. 

Bei dieser mir unbekannten Art sind nach W alker's 
Angabe die Hinterflügel bis über die Mitte hinaus braun 
gefärbt und schwarz geädert. 

39) V. Iricolor. Fusco-olivacea, pedibus nigris, flavo- 
pictis, abdomine basi excepta coccineo: elytris crebre vi- 
ridi-guttatis, apice cervinis, albo-punclatis, fascia lata hya- 
lina, nigro-variegata : alarum basi coeruleo-venosa. Long, 
corp. 6 lin., expans. elytr. 15 lin. — Patria : Mexico (Eh— 
renberg). 

Kopf und Thorax sind bräunlich olivenfarben, ersterer 
ziemlich breit, mit kurzem , ausgehöhlten, parallelkantigen 
Scheitel und sehr fein ciselirter, deutlich dreiriefiger Stirn, 
ohne Querleiste oberhalb des Clypeus; die Mitte der Stirn 
dunkler, fast grau, die Seiten heller, rostgelb. Das Pro- 
notum nur sehr stumpf gekielt , fein querrunzlig, das Me- 
sonotum mit feinem, glänzenden Kiel auf dem zart nadel- 
rissigen Mittelfelde, das nur durch schwache Bogenlinien 
begränzt ist; an der Aussenscite derselben jederseits ein 
dunkelbrauner Fleck. Das Metanotum ist tief sammetschwarz 
gefärbt. Die Flügeldecken sind im Grunde schwarzbraun, 
erscheinen jedoch durch das dichte hellbraune Adernetz, 
welches nur wenig von der Grundfarbe übrig lässt, fast 
rehfarben; auf der grösseren Wurzelfläche ist der Grund 
ausserdem überall mit sehr zahlreichen hellgrünen, auf dem 
ganz lichtbraunen Spitzenfelde mit sparsamen weisslichen 
Punkten gesprenkelt. Eine sehr breite glashelle yuerbinde 
vor dem Spitzenfelde, die sich am Vorder- und Hinter- 



Uebersicht der Fnlgorinen-GattUDg Poiocera. 239 

rande erweitert, ist mit zwei zerschlitzten schwärzlichen 
Makeln besetzt. Die glashellen Hinterflügel haben ein satt 
schwarzbraunes, himmelblau geädertes Wurzelfeld, von 
welchem noch einzelne blaue Adern auf den sonst schwarz 
geäderten hyalinen Theil übergehen. Brust und Beine sind 
schwarz und rostgelb gescheckt ; auf den Schenkeln zeigt 
sich diese Schcikung nur in einigen undeutlichen Makeln, 
au! den Vorder- und Mittelschienen dagegen in zwei scharf 
markirten gelben Ringen. Der brennend scharlachrolhe 
Hinterleib ist unterhalb durchweg breit schwarz bandirt, auf 
der Verbindungshaut jedes Segmentes mit einer schwarzen 
Makel versehen und oberhalb vom dritten Ringe an mit 
mehreren quergestellten Punkten gezeichnet; eine volumi- 
nöse weisse Wachssckretion verhüllt die Spitze. 

Aus Mexiko. 

40) P- lepida. Fusco- grisea, abdomine coccineo, ni- 
gro-vario, elytris brunneis, coeruleo-punctatis , fascia lala 
hyalina, nigro - sparsa : aus basi fuscis , coeruleo- venosis. 
Long. corp. 3'/ ä lin. , e.xpans. elytr. 12 lin. — Patria: 
Brasilia. 

Poiocera lepida Spinola , Anna!. (J. I. soc. cutoru. VIII. p. 281. 
no. 7. 

Die von Spinola gegebene Beschreibung dieser Art 
passt in allen Punkten so genau auf die vorhergehende, 
dass man sie rcciil gut auf dieselbe beziehen konnte; nur 
dir tiii>.s>e ist zu auffallend abweichend und die Vaterlän- 
der beider zu dill'erenl, um eine Vereinigung ohne Vergleich 
des Spinola'schen Exemplarcs vorzunehmen. 

41; f. corallina. Coccinca , capite Ihoraccque laele 
miniaceis, hoc tiigro-inaculalo, elytris dimidio basali tesla- 
iio. nigro - punctata, apicali byalino. fuseo-vcnoso : abdo- 
minis alaruinque basi nigro- fusca. Long. corp. 5'/, .lin., 
expans. elytr. 1"> lin. Patria; (araccas (flollmer). 

Dir Kopf ehr licht mennig-, fast orangerolh, von 
mittlerer Breite, mit verhiltnissmissig grossei und schräg 
nach hinten gerichteten Augen und deutlich ausgehöhltem 
Scheitel . der dadurch, dass die Mim mit starker Wölbung 
uin-r seinen Vorderraod bervorregJ,, weniger köre ecscheint; 
die Stirn sehr fein und seicht gerunzelt, ohne alle erha- 



240 fi e r s t a e e k e f : 

bene Leisten. Das Pronotuni gelblich, stellenweise rot h 
getüncht, mit zwei vorderen und vier hinteren schwarzen 
Punkten, der Mittelkiel fein, glänzend, die Oberfläche quer- 
rielig; das Mesonolum mit deutlicher Mittel- und gleichen 
Bogenleisten , im Mittelfelde fein ciselirl , orangefarbig mit 
mehr gerötheten Stellen und folgender schwarzer Zeich- 
nung: eine Querbinde am Vorderrande, die sich jcderseits 
fleckig- erweitert , zwei Längsbinden zur Seite des Mittel- 
kiels und drei Flecke jederseils vor der Spitze, von denen 
die zwei inneren klein, punktförmig, der äussere grösser, 
länglich dreieckig ist. Das Metanotum tief schwarz. Die 
Klügeldecken kaum bis zur Mitle undurchsichtig, von 
schwärzlicher Grundfarbe, welche aber durch die sehr 
zahlreichen und starken Adern fasl ganz verdeckt und 
durch diese licht gelb, mit schwarzen und sparsamen ro- 
then Pünktchen gemischt, erscheint; nur am Vorderrande 
erstreckt sich die gelbe Färbung über die Mitte hinaus, 
während sonst die grössere Spitzenhälfte glashell , jedoch 
von braun umflossenen Adern, deren Anzahl aulfallend ge- 
ring ist, (man zählt nur neun Längsadern) durchzogen und 
durch diese angeraucht erscheint. Die Hinterflügel im Ba- 
saldritttheile fast dinlenschwarz, im L'ebrigen glashell, sehr 
schwach gebräunt. Brust, Hüften, Schenkel und Unterseite 
des Hinterleibes brennend corallenroth; die Vorder- und 
Mittelschienen lichtgelb, mit zwei schwachen, pechbraunen 
Bingen, die Hinlerschienen nur mit gebräunter Spitze. Auf 
der Oberseite ist der Hinterleib dunkler, mehr carminroth, 
längs der Mille auf allen Segmenten bis nahe zum Spilzen- 
ende tief schwarz; das Endsegment ist beim Weibchen fast 
doppelt so lang als das vorhergehende, einkielig, die Spit- 
zenhälfte licht grünlichgelb gefärbt. 

Aus Caraccas. 

42) P. Sersillei. Fusco-nigra, elytris sanguineo-tin- 
ctis, apice hyälinis, aus basi lale purpurco-nigroque mixtis: 
abdomine infra nigra, croceo -limbato, supra dilute rufo. 
Long. corp. 5'/ 2 lin., expans. elytr. 16 lin. — Patria: Bra- 
silia (v. Olfers, v. Langsdorf). 

Lyslia Servillei Guerin in Dupeney Voyage de la Coquillc 11,2. 
p. 187. pl. X. fig. 8. (1830). 



Uebersicht der Fulgorinen-GaUung Poiocera. 241 

Poiocern Scrtillei Spinola, Annales d. 1. soc. entom. VIII. p.2i . 

no. 6. 
Lystra miniacea * (jernisir, Thon's Archiv II, 2. p. 54. no. 1Ü. 

(1830). 

Aus Brasilien. Nach der ziemlich weiten Ausdehnung 
der schwärzlich purpurroten Basis der Hintcrflügel mit dein 
sie umgebenden schwarzbraunen Bande würde diese Art 
ebenso gut oder fast besser in die Nähe von P. nuptialis, 
amabilis u. s. w. passen , nur dass die Spitzenhälfte der 
Hintcrflügel bei ihr vollkommen wasserhell ist. 

43) P. semilimpida. „Fulva , capite nigro -trimacu- 
lato et unifasciato , mesothoracis scutello nigro -octomacu- 
lato: abdomine subtus basi luleo, pedibus fulvis , alis lim- 
pidis, basi rufis. elylris dimidio nigris, flavo-bimaculatis et 
unifasciatis. u Long corp. 6 I i n . , expans. elytr. 16 lin. Pa- 
tria : Parä Brasiliae. 

Poiocera semilimpida Walker , Lisi of Homopt. Insects p. 300. 
no. 36. 

Von Parä; mir unbekannt. 

44) P. conspersa. Fusco-nigra , abdomine coccineo- 
limbalo, elylris venis transversis maculisque numerosis fla- 
vesccnlihus. njiice hyalino- inaculalis , alis basi late fuscis : 
femoribus anlerioribus comprcssis, dilatalis. Long. corp. 
4'/ 2 lin., expans. elytr. 11% lin. — Patria : Bahia (Gomes). 

Lystra cunsjiersa (jerinar, Thon's Archiv II, 2. p. 55. no, 23. 

(1830). 
Poiocera Luaoli Laporlc, Annales d. 1. soc. entom. I. p. 222. 

pl.6. fig. 1. (1832). 
Poiocera rubritilta Walker, l.ist of Homopt. Insects p. 299. 

no. 34, (1850). 
Von Bahia. Eine durch gedrungenen Bau, breiten 
Hinterleib , die an der Basis nach rückwärts ziemlich auf- 
fallend erweiterten Hinterfjfigel , besonders aber durch die 
zusammengedrückten, stark erweiterten Vorder- und Mit- 
lelsclieiikcl ausgezeichnete und leicht kenntliche Art; die 
entsprechenden Schienen sind im Vergleiche mit anderen 
Arten ebenfalls deutlich erweitert. 

g) HinlcrOOgcl mit hcllgeTtirutar Basia und glaahelje.r Spitie. 
l.i P. cenosa. Pallide olivacea, abdomine .supra cly- 
trorumque dimidio basaü maiorc dilute .sanguineo , bis re- 
Arohiv. f. Natura. XX VI. Jahrg. l.Bd. 10 



242 Gerstaecker: 

mole nigro-venosis, apice hyalinis: alis basi eoccinea, an- 
gulo anali late fusco, pedibiis flavo-nigroque variis, genu- 
bus sanguineis. Long. corp. 4 — 5V 2 lin., expans. elylr. 
11—14 lin. — Palria: Brasilia (Virmond). 

Lyslra venosa Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 54. no.20. (18c0). 

Lyslra cruenla * Burnieister, Genera Insect. p. 81. no. 1. (1838). 

Poiocera dirisa Walker, List of Homopt. lnsects p. 297. no. 31. 
(1850). 

In Brasilien eine der häufigeren Arien, vi eiche in 
mehrfacher Hinsicht als eine von dem Gallungslypus ab- 
errirende anzusehen und vielleicht gcnerisch abzutrennen 
ist. Der ausserordentlich schmale, sich nicht um den Pro- 
thorax herumlegende , sondern hinten fast gerade abge- 
schnittene Kopf und ganz besonders die nirgends eine 
Analogie findende, sehr abnorme Aderung der Flügeldecken 
zeichnen sie sehr aus. Zur Gattung Lystra , mit der sie 
Burmeister vereinigte, gehört sie noch weniger als zu 
Poiocera. 

46) P- costala. Capite thoraceque olivaceis, abdomine 
alarumque basi coccinea , bis angulo anali anguste fusces- 
cenle: elylris sanguineis, nigro- maculalis, margine antico 
virescenle, apice griseis, nebulosis. Long. corp. 4'/ 3 lin., 
expans. elylr. 12 lin. — Palria: Surinam (Cordua) , Bahia 
(Sello). 

Lyslra costala Fiibricius, Syst. Hliyngot. p. 59. uo. 10. — "Bur- 
meister, Genera Insect. p. 31. no.2. 
Stoll, Cigales pl. VI. (ig. 30. 

Ebenfalls eine der häufigeren und bekannteren Arten, 
in Surinam und dem nördlichen Brasilien einheimisch; durch 
den der Quere nach lief ausgehöhlten Scheitel sich auf- 
fallend den Arten der Gatlung Lyslra nähernd, welchen sie 
Burmeisler auch beizählte. 

47) P. elegans. Capite, thorace podibusque testaceis, 
his nigro-irroratis, abdomine supra nigro, viridi-maculato: 
elylris basi purpureis (vel roseis), apice hyalinis, fusco 
variegatis , alis basi vircscenlibus. Long. corp. 5'/ 2 Hn., 
expans. elylr. 16 lin. — Patria : Surinam (Cordua), Brasilia 
(Virmond). 

Lyslra elegans Uli vier, Encyclop. metliod. VI. p. 574. no. 36. — 
Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 54. no. 18. 



Uebersicht der Fulgoiinen-Gattung Poiocera. 843 

Calyptoproclus elegans et hjstroides Spinola , Anna), d. 1. soc. 
cntom. VIII. p. 269. no. 1 u. 2. pl. 3. fig. 5. 

Sloll, Cigales pl.XXI. (ig. 111. 

In Surinam und dem nordlichen Brasilien häufig und 
besonders in der Intensität und Ausdehnung der rothen 
Färbung auf den Flügeldecken sehr schwankend ; während 
bei manchen Exemplaren die Basalhälfte tief carminroth 
erscheint, finden sich andere mit blass rosenrother und noch 
andere mit sehr schmal rothgefärbter Basis, die nach aus- 
sen durch einen schwarzbraunen Fleck hegränzt wird. Auf 
Exemplare mit blassrolher Basalhälfte scheint mir Spinola's 
Calyptoproctus lystroidcs begründet zu sein, der mir sonst 
keine spezitischen Unterschiede darzubieten scheint. 

48) P. tibialis. Femoribus tibiisque anticis foliaceo- 
dilatatis, abdomine viridi , ante apicem croceo-maculato, 
elytris rctrorsum late ferrugineis, antrorsum hyalinis, ir- 
regulariter fusco - vittatis, alis basi flavo-viridibus. Long, 
corp. 6'/ 2 lin., expans. elytr. 16 Iin. — Patria: Rio-Janeiro 
(v. Langsdorf). 

Lyslru tibialis Gennar, Thon's Arcbiv 11,2. p. 54. no. 21. 

Cnlyplopruclus heleroscelis Spinola, Anna], d. 1. soc. entotn. VIII. 

p. 273. no. 6. 
Puioccra semipellttciila Stal , üfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. 
Forhaodl. XII. p. 191. no. 1. 

Im südlichen Brasilien nicht selten und durch die stark 
blattförmige Verbreiterung der Vorderschienen die leicht 
kenntlichste Art der Gattung, trotzdem aber unter drei ver- 
schiedenen Namen beschrieben; zu bemerken ist, dass auch 
die Vorderschenkel zusammengedrückt und deutlich ver- 
breitert sind , ganz in ähnlicher Weise wie es bei P. con- 
spersa hervorgehoben wurde. 

49; F. marmorala. Dilute prasina , nigro-maculata, 
elytris hyalinis, fusco- variegalis , alis basi flavescentibus. 
Long. corp. 5 lin., expans. elytr. lö'/a lin- — Palria: Geor- 
gia (Francillon). 

Ctdypioproclut marmoratut Spinola, Anoal&fl d. I. soc. cntom. 
VIII. p.271. no.4. 

Aus dem Nord - Amerikanischen Georgien; durch die 
fast angefärbten Flügel und Flügeldecken von den übrigen 
Arten der Gattung merklich abweichend. 



244 Gcrstaeckc r: Uebers. d. Fulg.-Gal!. Poiocera. 

Als fünfzigste Art , über welche ich ungewiss bin, 
welcher der im Obigen aufgestellten Abteilungen ich sie 
zuweisen soll, ist die schon gelegentlich angeführte P. ru- 
fifascia Walker zu erwähnen. 

50) P. rufifascia. -Nigra, capite et mesothorace flavo- 
fuscis, abdomine nigro-vittato et fasciato, lateribus ventre- 
queflavis: pedibus nigris, tibiis flavo-bifasciatis, alis fuscis, 
anticis rubro-fasciatis, basi subferrugineis , posticis apicem 
versus limpidis." Long. corp. 5 lin., expans. elytr. 15 1 i n . 
— Patria: Columbia. 

Poiocera rufifascia Walker, Lisi of llomopl. Insecls p. 299. no. 33. 

Aus Columbien. Die Hinterflügel werden als dunkel- 
braun mit weisslichgrüneii Adern und glasheller Spitze, 
deren Rand blassbraun gefärbt ist, angegeben. 



Erklärung der Abbildungen 

auf Taf. XI in, XII. 



Fig. 



1. 


I'oiocera sloica Gerst. 


2. 


— 


pavoniuu Gerst. 


3. 


— 


I'astuosa Geist, 


4. 


— 


meleagiis Gers!. 


5. 


— 


amoena Gerst. 


6. 


— 


eoleoptrata Gerst. 


7. 


— 


imperatoria Gerst. 


8. 


— 


aegrota Gerst. 


9. 


— 


nuplialis Gerst. 


10. 


— 


amabilis Gerst. 


11. 


— 


tricolor Gerst. 


12. 




coraliina Gerst. 



lieber die Locustineii - Gattung Gryllacris Serv. 

Von 

Dr. A. Uerstaecker. 



Keine Ordnung der Insekten hat in dem letzten an 
systematisch- entomologisclien Arbeiten so überaus frucht- 
barem Jahrzehnte in Betreu" der ausländischen Formen eine 
so geringe Berücksichtigung gefunden oder vielmehr eine 
so fast absolute Vernachlässigung erfahren, als die der Or- 
thopteren im älteren Sinne; ja sie ist die einzige, welche, 
man kann sagen, glücklicher Weise den sonst Alles ver- 
schlingenden Catalogen des British Museum noch nicht zum 
Opfer gefallen ist, um ebenfalls für eine eingehendere Be- 
arbeitung unzugänglich gemacht zu weiden. Der Grund 
für diese Hintansetzung liegt keineswegs in dem Mangel an 
unbeschriebenem und neu hinzugekommenem Material, wel- 
ches in dieser Ordnung, natürlich im Verhältnisse zu ihrer 
geringeren Artenzahl , ebenso reichlich vorhanden ist wie 
in allen übrigen; vielmehr ist er einerseits in der vielen 
Gruppen und Gattungen eigenthümlichen Gleichförmigkeit 
der Arten, welche mindestens bei oberflächlicher Betrach- 
tung wenig Ausgezeichnetes und zu einer Bearbeitung An- 
regendes darbieten, andererseits aber auch in der Art und 
Weise zu suchen , wie diese Insekten-Ordnung von einem 
ihrer llauplsystematiker, nämlich von Nervi II e behandelt 
worden ist. Wohl selten hat ein und dasselbe Feld der 
Entomologie gleichzeitig eine so diametral verschiedene 
Bearbeitung erfahren als die Orthopteren in den kurz nach 
einander erschienenen Werken von Burmcistcr und 
Servil le. Jenes, auf eine nähere Charakteristik der Ar- 
ien bekanntlich gar nicht angelegt und berechnet , regt 



246 Gerstaecker: 

durch die geistvolle Behandlung- des Gegenstandes in sei- 
nen allgemeineren Verhältnissen , durch die principiell und 
streng durchgeführte Betrachtung der Einzelheiten von einem 
höheren Gesichtspunkte und in ihrem organischen Zusam- 
menhange , endlich auch durch scharfes Hervorheben des 
Charakteristischen und Wesentlichen überall zu fernerem 
Studium an; dieses, vorzugsweise oder fast ausschliesslich 
der Artenbeschreibung gewidmet , leistbt selbst auf jenem 
Felde keineswegs überall Befriedigendes und tritt dein wei- 
ter Forschenden eher hindernd als fördernd entgegen. Ser- 
ville beschreibt, was ihm gerade an einer Art in die Au- 
gen fällt, ohne sich ein Urtheil über die Wesentlichkeit der 
von ihm erwähnten Merkmale zu bilden. Für prägnantere 
Formen, wie sie z. B. unter den Manliden und Phasmiden 
vorkommen, deren charakteristische Merkmale meistens der- 
art sind, dass sie sich nicht leicht übersehen lassen, rei- 
chen seine Beschreibungen in der Regel zu einer sicheren 
Bestimmung aus; wo es aber zur sicheren Unterscheidung 
einer eingehenderen Untersuchung solcher Theile bedarf, 
die wie z. B. die Genital- und Analringe des Hinterleibes 
einerseits nicht immer ganz frei zu Tage liegen , anderer- 
seits ihrer Complicirtheit und Mannigfaltigkeit halber erst 
auf die Bedeutung ihrer einzelnen Abschnitte näher geprüft 
werden müssen , da lässt er den Auskunft suchenden nur 
allzuoft im Stiche. Und doch sind es neben zahlreichen 
anderen plastischen Merkmalen gerade diese Theile, welche 
wegen ihres eben so merkwürdigen als mannigfachen Baues 
einer genaueren Untersuchung und Erörterung so werth, 
für die sichere Unterscheidung nahe verwandter Arten so 
wichtig und oft selbst allein massgebend sind. Gerade bei 
den Orthopteren, wo Färbung und Zeichnung, diese die Art- 
unterscheidung so allgemein erleichternden Merkmale, ent- 
weder ihrer grossen Schwankungen halber nicht massge- 
bend oder durch die nach dem Tode eingetretenen Verän- 
derungen unkenntlich geworden sind, bieten diese so über- 
aus charakteristisch geformten letzten Hinterleibsringe einen 
doppelt willkommenen Anhaltspunkt für den Systematiker 
dar. Für die Libellen ist ihre Wichtigkeit längst anerkannt, 
so dass bei Hagen's und de Selys's Artbeschreibungen 



Ueber die Locustinen-GaUung Gryllacris. 247 

die Charakteristik der Genitalringe einen der wesentlich- 
sten Theile bildet; sie mit gleicher Genauigkeit zuerst bei 
den inländischen Orthopteren untersucht und dargestellt zu 
haben, ist das Verdienst H. Fisch er's, in dessen Ortho- 
ptera Europaea eine Reihe von Tafeln mit sorgsamen Ab- 
bildungen dieser Organe angefüllt ist , während für die 
ausländischen Formen ausser einigen von Burmeister 
(Handbuch der Entomol. II.) und de Haan (Bydragen tot 
de Kenniss der Orlhoptera) gegebenen Hinweisen noch we- 
nig in dieser Beziehung geschehen ist. 

Ursprünglich war es ein anderes Interesse, das mich 
dazu veranlasste, mir von der durch Serville (Annalcs 
des scienc. nalur. XXII. p. 138) errichteten Loeustinen-Gat- 
tung Gryllacris eine nähere Kenntniss zu verschaffen, näm- 
lich dasjenige, welches sich allgemein an solche Formen 
knüpft , die zwischen zwei sonst scharf geschiedenen Fa- 
milien gleichsam als eine Art von Verbindungsgliedern auf- 
treten. Den eigentlichen Laubheuschrcckcn durch die Tar- 
senbildung und die Form des Kopfes zugesellt, nähert sich 
diese Gattung, wie schon Burmeister (Handbuch der 
Enlomol. 11. p. TITj sehr treffend bemerkt, durch die Bil- 
dung der Sterna, den ganzen Habitus und besonders durch 
die im Zustande der Ruhe horizontal dem Körper auflie- 
genden und sich einander zum grossen Theile bedecken- 
den Vordcrflügel auffallend den Grabheuschrecken und zwar 
zusammen mit der merkwürdigen Gattung Schizodactylus 
Brülle, deren Gryllus - artiges Ansehen Serville sogar 
verleitete , sie den Grylloden , obwohl ohne Berechtigung 
zuzulheilen. Während ihr das Fehlen der Nebenaugen, 
deren Stelle indessen fast durchweg durch hellere Stirn- 
flecke angedeutet wird, mit der grossen Mehrzahl der Lo- 
eustinen gemein ist , bekundet sie sich als abweichende 
Form einerseits durch den Mangel der Spaltöffnung an der 
Vorderseile des ersten Schienenpaares , andererseits durch 
dir stele Abwesenheit des Slimmorgancs in beiden Vorder- 
flügeln des Männchens. Stellten schon alle diese Eigen- 
tümlichkeiten unsere Gattung als eine besonders merkwür- 
dige hin, so waren die Ergebnisse, welche die erst in 
zweiter Reihe angestellte Betrachtung und Vurglciehung 



248 Gerstaecker: 

ihrer Genital- und Analringe bei den verschiedenen Arten 
lieferte, nur geeignet, das Interesse an derselben zu er- 
höhen; denn abgesehen von der Brauchbarkeit der sich 
hierbei herausstellenden, oft sehr prägnanten Unterschiede 
für die Unterscheidung der Species zeigten sich hier zum 
Theil so seltsame und auf den ersten Blick so wenig mit 
einander harmonirende Bildungen, dass sie schon an und 
für sich der Beachtung äusserst werfh schienen. Letz- 
teres gilt allerdings nur für die Männchen, während bei 
den Weibchen die ganze Anlage dieser Ringe durchaus 
uniform ist und sieh nur in leichten Modifikationen der Form 
an der Lamuna subgenilalis und der Legcscheide je nach 
den Arten ergeht. Die auffallendsten Eigenlhiimlichkeiten 
am männlichen Hinterleibe bieten die hintersten Dorsalringe 
dar, und zwar einzelne derselben nicht nur durch sehr ver- 
schiedene Form- und Grössenentwickelung , sondern auch 
durch ein damit zusammenhängendes eigentümliches Ver- 
hältniss, in welches sie einerseits zum Hinlerlcibe als Gan- 
zem, andererseits zu den ihnen zunächst liegenden Ringen 
treten. Bei Gryl. lineolata und pardalina ist z. B. der achte 
Dorsalring von ganz ausserordentlicher Grösse, bei ge- 
trockneten Exemplaren der ersteren fast allen vorhergehen- 
den zusammengenommen an Länge gleich , bei beiden Ar- 
ten dadurch, dass er den neunten Ring unter seiner Wöl- 
bung verbirgt , den Hinterleib abschliessend. Eine direkt 
entgegengesetzte Bildung zeigt sich bei Gryl. ambulans, 
wo der neunte Dorsalring nicht nur ganz frei liegt , son- 
dern auch den achten um das Doppelte seiner Länge über- 
trifft ; Mittelstufen zwischen diesen beiden Extremen end- 
lich finden sich bei Gryl. Boincensis, rufieeps, tibialis u. a., 
wo das neunte Segment zwar ebenfalls frei liegt und den 
Abschluss des Hinterleibes bewirkt, aber dem vorhergehen- 
den nur an Länge gleich oder kürzer ist. Ebenso auffal- 
lenden Verschiedenheiden ist die Grösse und Form der La- 
mina supraanalis unterworfen, welche überall, wo sie vor- 
handen ist, beim Männchen wenigstens scheinbar vom neun- 
ten Segmente entspringt, während sie bekanntlich im Grunde 
durch das elfte Segment gebildet wird. Bei einigen Arten 
(Gryl. lineolata, pardalina) von auffallender Grösse und aus- 






lieber die Locnstinen-Gattung Gryllacris. 249 

gezeichneter Form, sieigt sie bei anderen (Gryl. nigrilabris, 
maculieollis) auf einen geringeren Grad der Entwicklung 
herab, bis sie bei wieder anderen (Gryl. ruficeps) ganz 
verschwindet oder (Gryl. Borneensis, tibialis) durch eigen- 
tümliche paarige Hornhaken ersetzt wird. Es bieten also 
hier diese Analringe des Männchens in einer und dersel- 
ben Gattung viel auffallendere Unterschiede dar, als man 
sie sonst bei ganzen Gruppen der Heuschrecken findet: und 
doch hat Serville, der die Männchen von sieben ver- 
schiedenen Arten vor sich gehabt hat , keiner dieser Bil- 
dungen auch nur mit einem Worte erwähnt. 

Die im hiesigen Museum vorhandenen Arten der Gat- 
tung Gryllacris mit besonderer Berücksichtigung der er- 
wähnten Organe darzustellen, ist der Zweck dieser kleinen 
Abhandlung, von der ich nur bedauern kann, dass sie so- 
wohl in Rücksicht auf das von mehreren Arten fehlende 
Männchen als auch auf mehrere mir unbekannt gebliebene 
Arten früherer Autoren nur fragmentarisch hat ausfallen 
können. Nach dem oben Gesagten zeigen gerade die Männ- 
chen vorzugsweise prägnante, plastische Charaktere, die 
das Erkennen der Art erleichtern; da indessen ein Mangel 
an anderweitigen, beiden Geschlechtern zukommenden Merk- 
malen keineswegs in dein Grade vorhanden ist , als man 
es nach den Beschreibungen Serville's etwa vermuthen 
könnte, vielmehr schon die Form, Färbung und Zeichnung 
der lliiilcrllügel, ganz besonders aber die Färbung und Be- 
dornung der Beine, wenn sie nur gehörig beachtet wird, 
ziemlich sicheren Aufschluss über die meisten Arten ge- 
ben, so habe ich kein Bedenken getragen, auch die nur im 
weiblichen Geschlechte vorliegenden bekannt zu machen. 

In Betreif der Bedornung der Beine sei noch erwähnt, 
dass dieselben an den Hinterbeinen besonders für die Arl- 
nnterscheidung von Belang ist. indem hier sowohl die Zahl 
der Dornenpaare als ihre Ausdehnung auf einen grösseren 
oder kleineren Theil der Schenkel - Unterseite je nach den 
Arten Verschiedenheiten darbietet: dass dagegen die Zahl 
der beweglich eingclenkten Dornen an Vorder- und Mittel— 
schienen mit einen Gruppencharakter bildet, da es sich 
herausgestellt hat. dass alle geflügelten Allen stets fünl 



250 G e rjs ta e ck e r : 

solcher Dornenpaare, die ungeflügelten dagegen (mit einer 
Ausnahme) nur vier besitzen. — Für die geographische 
Vertheilung der Arten ist es nicht ohne Interesse . dass 
auf dem südasiatisehen Archipel und den benachbarten Kü- 
sten des Festlandes, welchem Gebiete die grosse Mehrzahl 
aller bekannten Arten angehört, sich nur geflügelte vor- 
linden, während in Neu-Ilolland , Afrika und Amerika ne- 
ben solchen auch flügellose vorkommen. 

A. Geflügelte Arten mit stets fünf längeren Dornenpaaren an Vor- 
der- und Mittelschienen. 
I. Arten mit hellgefärbteu , meist gelben llinlerflügeln , deren 
Queradern beiderseits schwarz gesäumt sind, 
a. Auch auf den Kügcldccken sind die Queradern schwarz ge- 
färbt. 

1) Gryl. lineolata. Teslacea, nitida, capile, thorace pe- 
dibusque anticis laete rufo-fcrritgineis , fronte flavo-macu- 
lata : tibiarum posleriorum basi virescente fuscoque annu- 
lata, alis posticis angusle nigro-fasciatis. Long. corp. 11 lin., 
elytr. 11 lin.; alar. 12 lin. — Palria: Java. j. 

Gryllacris lineolata Sei ville , llist. nat. d. Orthopt. p. 39(5. 
no.9. (j/ 1 ). — "de Haan, Bijdragen tot de Kcnnis der Or- 
thoptera *) p. 219. 

Kopf glänzend rothbraun mit etwas lichterem Scheitel 
und grossem goldgelben Längsfleck zwischen den Fühlern, 
der durch Zusammenfliessen der drei Ocellenflecke entstan- 
den ist; das Gesicht unterhalb der Augen bis zum Clypeus 
hin deutlich zerstreul punktirt und fein quer gerunzelt, die 
übrige Oberfläche sehr glatt. Clypeus mit lichtgclber Spitze, 
Oberlippe blulrolh, Mandibeln rostfarben. An den Fühlern 
ist das Basalglied gebräunt , der zunächst folgende Theil 
rostroth, welche Farbe allmählig in ein lichteres Gelb über- 
geht. Prothorax sehr glänzend rostroth, von der Breite 
des Kopfes und wie dieser nur von massiger Enlwickelung, 
so dass das Ansehen des ganzen Thieres ein weniger ge- 
drungenes ist. Vorderbeine in ihrer ganzen Ausdehnung 
gebräunt, nur die fünf Dornenpaare der Schienen wie an 



c ) In: Verhandelingen over de natuurlijke geschiedenis derKe- 
derlandscke overzeesche bezittingen. Zoologie, fol. Leiden 1839 — 44. 



Uebev die Locustinen-Gallung Gryllacris. 251 

den mittleren blassgelb; an den Mittel- und Hinterbeinen 
sind die Schenkel licht roslgelb, die Kniegelenke licht braun, 
die Schienen fast weisslich gelb mit einem bräunlichen 
Ringe unterhalb des Kniees , auf welchen zunächst eine 
grünliche Färbung folgt. An der Unterseite der Hinler- 
scheukel sind nur vier Paar sehr kurzer Dornen, welche 
das Spilzendriütheil einnehmen, vorhanden, an der Aussen- 
seile der Hinterschienen fünf Paar ebenfalls kurzer, welche 
die Mille kaum überschreiten ; ihre Färbung ist roslroth 
mit dunklerer Spitze. Die Flügeldecken sind merklich kür- 
zer als die Hinterflügel , gegen die Spilze hin etwas ver- 
schmälert; das Vorderfeld durchaus glasartig mit dicken 
schwarzbraunen, aber kaum gesäumten Queradern, dasHin- 
terfeld bis zur Mitte der Länge ziemlich satt gelb, von 
hier ab allinählig blasser werdend , die Queradern auf der 
Basalhälfle liefer schwarz und stärker verdickt als gegen 
die Spitze hin. Alle Längsadern sind auf dem Hinlerfeldc 
lebhaft gelb gefärbt, auf dem Vorderfelde dagegen, beson- 
ders an der Wurzel , stark braun gesprenkelt. Die sehr 
lichlgelb gefärbten Hinterflügel haben rostgelbe Längs- und 
schwarze, schmal umflossene Queradern; letzlere bilden 
acht ziemlich regelmässige besonders gegen den Aussen- 
rand hin feine Querbinden. An dem blassgelb gefärbten 
Hinterleib des Männchens ist das achte Segment fast so 
lang als die vorhergehenden zusammengenommen, fast ei- 
förmig, an der Basis sehr hoch gewölbt und in derMitlel- 
linie stumpf gekielt , an der Spitze quer abgestutzt, bei- 
derseits gerundet und etwas lappenartig hervortretend. Die 
von dem neunten Hinge entspringende Lamina supraanalis 
ist ausserordentlich gross, von zwei Drilllheilen der Länge 
des achten Hinges, senkrecht herabsteigend, von der Form 
einer Sanduhr, ihr Endraud jedoch merklich breiler als die 
Basis; von diesem Endrande entspringt unter einem rechten 

Winkel eine gegen das Kopfende hin zurücklaufende, ho- 
rizontale Platte, welche hinten gerundet, vorn dagegen sehr 
lief dreieckig eingeschnitten, also zweilappig ist und die 
bich mil ihren beiden Zipfeln nieder stark aufwärts biegt; 
die Fläche dieser I'lalle, welche zwischen dein Hinterrande 
und dem vorderen Einschnitte liegt, isl tief ausgehöhlt. Die 



252 G e r s t neck e r : 

Lamina subgenitalis zeigt an ihrem freien Rande zwischen 
den beiden Griffeln zwei durcli einen halbkreisförmigen 
Einschnitt geschiedene stumpfe Spitzen. 

Aus Java, von de Haan erhallen. 

2) Gryl. pardalina. Testacea , parum nitida, pronoto 
lineolis punctisquc nigris signalo, elytris angustius, alis la- 
tius nigro-tessellatis, genubus infuscatis. Long. corp. 141in., 
elytr. 12',', lin. — Patria: Ceylon, j $. 

Der ganze Körper ist licht scherbengelb, wenig glän- 
zend. Der Kopf plump, beträchtlich breiter als der Vor- 
derrand des Prolhorax, das Gesieht unterhalb der Augen 
beiderseits seicht und lose punktirt; auf der Mitte der Stirn, 
etwas unterhalb der Fühlerinscrtion ist ein kleiner ovaler, 
weisslich gelber Fleck zu bemerken. Die Mandibeln sind 
schwarzbraun, der Clypeus und die Oberlippe rostroth, die 
Fühler von der Körperfarbe mit lichtbraunem Basalgliede. 
Auf dem Pronotum macht sich eine sehr zierliche schwarze 
Zeichnung bemerkbar : eine kurze mittlere Längslinie slösst 
nach hinten auf zwei noch kürzere und nach hinten ver- 
breiterte; jederseits von diesen ein schwarzer Punkt, von 
dem eine feine S-förmige Linie nach vorn und etwas nach 
aussen geht, um an ihrem vorderen Ende abermals von 
drei im Triangel stehenden Punkten begränzt zu werden; 
endlich stehen am Vorderrande zwei kleine quere und nahe 
am Hinlerrand nach aussen von der Mitlelfigur zwei Makeln 
von der Form eines Winkelmaasses. Die Beine sind in 
ihrer ganzen Ausdehnung und mit Einschluss der sehr 
langen Dornenpaare an Vorder- und Mittelschienen licht 
rostgelb; nur das Knieegelenk ist in geringer Ausdehnung 
gebräunt und an den Hinterbeinen zeigen die Dornen eine 
schwarzbraune Spitze; dieselben sind an den Schenkeln zu 
9, an den Schienen zu 7 Paaren vorhanden und reichen bei 
ersteren auf %; bei letzteren auf 3 /n der Länge. Die Flü- 
geldecken sind gegen die Spitze hin stark verschmälert, 
überall mit gelbem Grunde und gleichfarbigen Längsadern; 
die schwarzen Queradern sind am stärksten im Vorderfelde, 
während sie an der Basis zunächst dem Hinterrande nur 
schwach angedeutet sind und hier zum-Theile selbst ganz 
ihre Färbung einbüssen. Die Hinterflügel sind so lang wie 



Ueber die Locuslineii-Gattnng Gryllacris. 253 

die Flügeldecken, etwas matter gell) w ie diese, durch breite 
Säumung der Queradern dicht schwarz gewürfelt; die Quer- 
binden , welche durch diese schwarzen Flecke gebildet 
werden, sind nicht ganz regelmässig, acht bis nenn an 
Zahl , die der Peripherie zunächst gelegene beträchtlich 
feiner als die übrigen. Am Hinterleibe des Männchens zeigt 
das achte Dorsalsegmenl eine entsprechende Grössenaus- 
dehnung wie bei der vorigen Art, ist 4'/ 2 lin. lang, ebenso 
hoch gewölbt, nach hinten aber stärker verengt, so dass es 
fast herzförmig erscheint; die Spitze ist abgerundet mit 
etwas aufgeworfenem, durch eine Furche abgesetzten Rande. 
Die Lamina supraanalis ist bedeutend kleiner als bei der 
vorigen Art , quer herzförmig, fast doppelt so breit als 
lang, am Grunde stark verengt, am Vorrderrande kurz 
dreieckig eingeschnitten; ihre Oberfläche ist mit Ausnahme 
einer hinter dem Einschnitte liegenden Grube gewölbt. Die 
fast halbkreisförmige Lamina subgenitalis zeigt in der Mitte 
ihres freien Randes zwei gerundete und etwas wulstige 
Vorsprünge. 

Das Weibchen dieser Art liegt mir nur in einem Lar- 
ven-Exemplare von 9 lin. Länge, mit einer 4'/ 2 lin. lan- 
gen Legescheide vor; dasselbe stimmt in der Färbung des 
Kopfes und Thorax mit der Imago überein, nur dass auf 
letzlerem die schwarze Zeichnung noch unvollständig ist 
und sich aof die .Makeln und Funkle beschränkt. Die auf 
eine Länge von 3 Linien entwickelten Flügeldecken und 
Hinterflügel sind lief schwarz mit schmalem weisslichen 
Saume; an .sämmllichen Schenkeln ist nicht nur die Spitze 
in grösserer Ausdehnung, sondern auch die ganze untere 
Kante gleichfalls schwarz, die Dornen an Vorder- und 
Miltelschienen dagegen so wie die Schienenspitze und die 
ganzen Tarsen an allen Beinpaaren brennend karminrotb. 
Die Legescheidc isi pechbraun, oberhalb an der Basis ge- 
schwärzt. 

b. Auf riott Pügeldccken sind die Quer- und LUngindeio gelb. 

'■',) (injl. maculicollis. Testacea . nitida , ctjpite Ihora- 
ceque nigro-piclis, alarnm nervis Iransversis lale fusco- 
Kmbatis. Long. corp. 11—12 lin., elytr. 11 12 lin., \a- 

gin. B In lin. l'atria: JäV8, Siugapore. </ o. 



254 Gerstaecker: 

Gryllacris maculicollis Seiville , Annales d. scienc. nat. XXII. 

(1831). p. 139. no. 1. ($). — Ilisl. nat. d. Orthopt. p. 394. 

no. 3. ((? $). — Burmeister, Handb. d. Entom. II. p. 718. 

no. 1. — de Haan, ßijdragcn etc. p. 220. no.9. (<?). 
La porte-enseigne Sloll, Sauterelles p. 2G. pl. XII, a. (ig. 50. 

Die bekannteste und, wie es scheint, die gemeinste 
Art der Gattung, welche zwar durch die Angaben der ci- 
tirten Autoren hinreichend bestimmt, aber nicht in ihren 
Eigentümlichkeiten beleuchtet worden ist. Form und Ha- 
bitus fast wie bei der vorigen Art, der Thorax jedoch 
etwas breiter, so dass der Kopf ihn nur wenig an Breite 
übertrifft; auf letzterem die Gesichtsfläche und die Basis 
des Clypeus seicht punktirt und dazwischen sehr fein ge- 
runzelt, die Spitze der Mandibeln, ein Stirn- und vier 
Scheitelflecke schwarzbraun, die Oberlippe und die Basis 
der Mandibeln roslroth. Die Fühler von der Farbe des 
Körpers, nur die Spitze des Basalgliedes leicht geschwärzt. 
Die schwarze Zeichnung des Pronotum stimmt der Anlage 
nach mit derjenigen der vorigen Art überein, ist aber 
dicker und dadurch vermehrt, dass auch die winkligen 
Aussenfurchen breit schwarz gefärbt sind; an der Mittel- 
iigur sind die beiden kleinen Striche zunächst der Basis 
meist sowohl untereinander als mit der vor ihnen stehen- 
den Einzellinie verbunden, während die beiden divergiren- 
den Seitenlinien sich fast zum Vorderrande verlängern und 
in der Mitte ihres Verlaufes nur mit einem, aber grös- 
seren Fleck zusammenhängen. Die Beine mit Einschluss 
der fünf Dornenpaare an Vorder- und Mitlelschienen von 
Körperfarbe , die Kniee und Fusslappen gebräunt ; an den 
Hinterschenkeln 9 kurze , an den Hinterschienen 7 etwas 
längere, schwarzspitzige Dornenpaare, welche sich an er- 
steren auf V ä , an letzteren auf 3 /\ der Länge erstrecken. 
Auf den gegen die Spitze hin deutlich verschmälerten Flü- 
geldecken sind alle Längs- und Queradern viie die Grund- 
farbe rostgelb, nur auf dem Vorderfelde einige gebräunt; 
die Färbung und Zeichnung der Hinterflügel wie bei der 
vorigen Art , die acht dunkeln Binden ebenso unregelmäs- 
sig, beim Weibchen etwas breiter als beim Männchen, das 
ungefleckte Feld zunächst der Wurzel grau getrübt. Am 



lieber die Locustinen-Gatlung Gryllacris. 255 

Hinle'rleibe des Männchens hat das achte Dorsalsegment 
dieselbe Form wie bei der vorigen Art , ist jedoch nur 3 
Linien lang; sein Hinterrand ist ebenfalls gerundet, etwas 
aufgebogen und nach vorn durch ^ine Randfurche begränzt. 
Die Lamina supraanalis ist verhälln.ssmässig klein, übrigens 
wie bei der ersten Art sanduhrförmig . oder da die untere 
Hälfte dieser Sanduhr sehr klein ist, fast trapezoidal; ihr 
Endrand gerade abgeschnitten , scharf. Die untere Fläche 
des der Lainina supraanalis vorhergehenden neunten Seg- 
mentes, welche gegen diese fast in einem rechten Winkel 
und horizontal verläuft, ist leicht muldenartig ausgehöhlt, 
mit drei feinen Längsleisten versehen, an ihrem derLamina 
subgenitalis zugewandten freien Ende abwärts gebogen und 
am Endrande durch eine weite Ausbuchtung zweizipflig. 
Die breite und fast halbmondförmige Lamina subgenitalis 
ist in der Mitte ihres freien Randes fast nur eingekerbt, 
so dass die beiden dadurch gebildeten Lappen eng beiein- 
ander sieben. 

Bei dem Weibchen ist die Lamina supraanalis klein, 
schmal , stumpf lanzeltlich, die Lamina subgenitalis trape- 
zoidal, gegen das Ende hin verschmälert und hier in zwei 
unter einem rechten Winkel divergirende stumpfe Spitzen, 
deren Oberfläche polsterartig gewölbt ist, auslaufend ; eine 
ähnliche mittlere Erhabenheil zeigt auch die Basis der La- 
mina. Die Legescheide ist von dem abwärlssteigenden Ba- 
laltheile abgesehen nur sehr flach gekrümmt, nach hinten 
allmählig verschmälert, vor der Spilze am oberen Rande 
wieder ehvas erweitert und dann durch schräge Abset- 
zung stumpf zugespitzt. 

Auf Java besonders einheimisch ; das hiesige Museum 
erhielt auch vor Kurzem ein weibliches Exemplar aus 
Singapore. 

4i tlryl. fuseifrons. Rulö-ferruginea , nidida, pedibns 
pallidioribus, anlcnnarum basi et fronle ad verlicem usque 
nigro-pieeis , hac ^uttis Iribus Qavif signata; alis poslicis 
remole nigro-tcsaellatis. Long. corp. 12 lin., elytr. 12 lin.; 
vagin. 8 lin. — Patria : Java. ?. 

Oryllaerh teiietlala? de rlaao, Bfjlragen <*tc. p. 220. no. 10. 

Ganz von der Grösse und Gestalt der vorigen Art, 



256 Gerstaeck er: 

von der sie zunächst durch dunklere Körperfarbe, den Man- 
gel der schwarzen Zeichnung des Pronolum und die Fär- 
bung des Kopfes und der Fühler abweicht. Am Kopfe sind 
die Backen lichter, die Mandibcln , der Clypeus und das 
Gesicht dunkler rostfarben, letzleres nach unten breit drei- 
eckig eingedrückt und hier dichter mit feinen Querrunzeln 
bedeckt als gegen die Augen hin , wo fast nur zerstreute 
Punkte sichtbar sind; der Clypeus ist grob punklirt, in der 
Mitte stumpf gekielt , die Oberlippe fast blutrolh gefärbt. 
Die Stirn ist bis unter die Insertion der Fühler hinab und 
mit Einschluss deren beider Basalglieder tief pechschwarz 
und auf dunklem Grunde mit einem minieren unteren und 
zwei seitlichen oberen goldgelben Fleckchen, den Rudimen- 
ten der Ocellen, gezeichnet; auch der Vorderlheil des 
Scheitels ist noch pechbraun, welche Farbe sich nach hin- 
ten gegen den Prothorax zu allmählig mehr verliert. Die- 
ser ist einfarbig satt rostfarben, nach vorn leicht verschmä- 
lert, so dass der Kopf ihn mit seinen Backen seitlich etwas 
überragt. Die Färbung und Bedornung der Beine so wie 
die Form und Färbung der Flügeldecken ganz wie bei 
Gryl. maculicollis ; die blassgelbe Grundfarbe der Hinter- 
flügel erstreckt sich hier auch auf die ungefleckte Basis, die 
nicht grau, sondern vielmehr noch intensiver als der übrige 
Theil des Flügels ist ; die dunklen Fleckenbinden sind etwas 
schmaler und regelmässiger als bei der vorigen Art, so 
dass die gelbe Farbe bedeutend vorherrscht. Die Lege- 
scheide des Weibchens ist beträchtlich stärker gekrümmt 
als bei Gryl. maculicollis und vor der Zuschärfung der Spitze 
oberhalb schwächer erweitert. 

Von Java, aus der Charpenlier'schen Sammlung, in 
der die Art irriger Weise für Gryl. signatifrons Serv. be- 
stimmt war , ohne dass sie sich auf deren Beschreibung 
irgend wie beziehen Hesse. 

Anmerkung, de Haan a. a. 0. p. 220 beschreibt, wie es 
scheint, die vorstehende Alt ebenfalls als von Java stammend, citirt 
aber zu derselben Locusla tesseliata Diuiy II. pl. 42. lig. 3 von der 
Insel St. Johanna bei Madagascar. Dass die von de Haan beschrie- 
bene von der Drury'schen Art spezifisch verschieden ist, gebt aus 
dem Vergleiche der Angaben, welche de Haan über die Gcnilalringe 



Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 257 

des Männchens macht, mit der Drury'sche Abbildung schon ganz ent- 
schieden hervor; überdem würde ein gleichzeitiges Vorkommen an 
der Ostküste Afrika's und auf den Sunda- Inseln , wenn es auch bei 
Insekten anderer Ordnungen nicht gera le selten ist, für die vorlie- 
gende Gattung kaum angenommen werden können , ein Irrthum in 
Betreff des Vaterlandes bei Drury aber um so weniger zu vermuthen 
sein, als die Angaben dieses Autors in Betreff der Lokalitäten sich 
gerade durch Genauigkeit auszeichnen. Für die Identität der vor- 
stehenden Art mit der de Haan 'sehen Gryl. tessellala, deren Name 
geändert werden musste, sprechen die vom Autor hervorgehobenen 
Merkmale; einen sicheren Aufschluss darüber könnte jedoch nur die 
Ansicht des Männchens, welches mir nicht vorliegt, geben. 

5) Gryl. heros. Capite thoraccque validissimis, rufo- 
t'errugineis , abdomine pedibusque flavescentibus : elytris 
basi albido-venosis, alis saturate flavis, late nigro-tessella- 
tis, basi griseis. Long. corp. 17 lin., elytr. 18 lin., vagin. 
14 lin., — Patria: Amboina. $>. 

Kopf sehr gross, mit Einschluss der Oberlippe, Man- 
dibeln und Fühlerbasis dunkel rostroth, fast matt, die Stirn 
mit drei kleinen hellgelben Oeellenflecken , der Scheitel 
heller, mehr scherbengelb; das Gesicht zeigt nur sehr seichte 
und zerstreute Punktirung, die kaum wahrzunehmen ist. 
Das Pronotum ist auf seiner ganzen Oberfläche, besonders 
dicht aber an den Rändern und Seiten aufrecht gelblich 
behaart, trübe rostroth, mit helleren, fast gelblichen Fur- 
chen auf der Scheibe; der Vorderrand tritt in der Mitte 
stärker als gewöhnlich stumpf schneppenartig hervor. Die 
Beine wie der Hinterleib viel lichter als Kopf und Thorax 
und zwar besonders die Hinterbeine, welche ganz blassgelb 
gefärbt sind; die Schiendornen sind an den Vorderschienen 
beträchtlich länger als an den mittleren, der oberste fast so 
lang als die drei ersten Tarsenglieder zusammengenommen. 
An den Hinterbeinen haben die Schenkel 9, die Schienen 7 
kurze Dernenpaare mit schwarzbrauner Spitze. Die Flü- 
geldecken sind in der Mitte 7'/, lin. breit , satt gelb, auf 
der Uasalhälfte weiss, an der Spitzenhälfte gelb geädert. Die 
Hinterflüiiel ebenfalls Ichhaft, fast goldgelb , mit ro.slycllicn 
Längs- und tief schwarzen Oueradcrn, welche breit schwarz 
umflossen sind; die durch diese Flecke gebildeten Bogen- 
binden sind wenigstens bis zur sechsten (vom Ausscnrando 
Archiv für N»turg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 17 



258 Gerstaecker: 

her gerechnet) fast regelmässig und ununterbrochen und bis 
auf die beiden äussersten breit, so dass das Schwarze fast 
vorherrscht; das ungefleckte Feld zunächst der Wurzel ist 
grau gefärbt. Die Lamina subgenitalis des Weibchens ist 
quer herzförmig, zweilappig, jeder Lappen breit und rund- 
lich. Die Legescheide ist fast gar nicht gebogen, beinahe 
gerade, gegen die Spitze hin deutlich verschmälert, am 
Ende lang aber stumpf zugespitzt. 

Aus Amboina. Auch von dieser Art liegt mir nur das 
Weibchen vor. 

6) Gryl. tessellata. (Locusla tessellata Drury, Exotic 
Insects II. p. 80. pl. XLII. (ig. 3). Diese mir in Natur un- 
bekannte Art von der Insel St. Johanna bei Madagascar, 
welche von de Haan (a. a. 0. p. 220) auf die oben als 
Gryl. frontalis beschriebene Javanische Art bezogen, von 
Burmeister (Handb. d. Entomol. II. p. 718) als Varietät 
mit ungeflecktem Thorax und Kopf von Gryl. maculicollis 
angesehen wurde, ist nach der von Drury gegebenen Ab- 
bildung eine von beiden sicher verschiedene. Der einfar- 
bige Thorax scheidet sie von letzterer, die nicht braun ge- 
färbte Stirn von ersterer; von beiden weicht sie ausserdem 
durch die viel zahlreicheren schwarzen Fleckenbinden der 
Hinterflügel , deren nach der Abbildung circa 12 ziemlich 
regelmässige vorhanden sind , ferner dadurch , dass auch 
das der Wurzel zunächst gelegene Feld dicht mit kleinen 
schwarzen Flecken bedeckt ist , endlich und ganz beson- 
ders durch die Form der von Drury sehr gut dargestell- 
ten letzten Abdominalringe des Männchens ab. Nach de 
Haan's Angabe hat das Männchen seiner Gryl. tessellata 
kein verlängertes achtes Dorsalsegment und das letzte ist 
(Wie z. B. bei Gryl. Borneensis) abwärts gekrümmt und in 
der Mitte mit zwei Dornen versehen. Die Drury'sche Ab- 
bildung dagegen zeigt bei dem Männchen der vorliegen- 
den Art der Hauptsache nach ganz dieselbe Bildung der 
letzten Hinterleibssegmente , wie sie bei den drei ersten 
Arten beschrieben worden ist, nämlich das achte ausser- 
ordentlich verlängert und die unterhalb seiner Spitze frei 
hervorragende Lamina supraanalis, letztere jedoch in einer 
von Gryl. maculicollis wesentlich verschiedenen Form und 



Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 259 

Grösse; in beider Hinsicht hält dieselbe etwa die Mitte 
zwischen der Lamina supraanalis von Gryl. lineolata Serv. 
und maculicollis Serv. 

c) Auf den Flügeldecken sind die Längs- und Queradern 
dunkel gefärbt. 

7) Gryl. podocausla. Lutea, capite piceo, antennarum 
basi, prothoracis macula dilatata, femoribus apice tibiisque 
basi et apice nigris. Long, elytr. 7 lin. , vagin. 4 lin. — 
Patria : Java. 

Gryllacris poilocausta Hagenbach i. lit. — de Haan, ßijdra- 
gen etc. p. 220. no. 12. 

de Haan, der diese Art in beiden Geschlechtern aus 
Java besass, giebt folgende Merkmale für dieselbe an : „Klein, 
mit kreisrunden, durchsichtigen Flügeln, deren Quoradern 
schwärzlich gesäumt sind; Flügeldecken abgestumpft, mit 
schwarzen Längs- und Queradern. Kopf glänzend pech- 
braun, sein Hinterrand, ein Mittelfleck zwischen den Füh- 
lern und die Taster gelb; ebenso die Fühler, deren Basis 
jedoch schwarz ist. Pronotum mit erweitertem schwarzen 
Fleck, der Hinterrand breit gelb; Beine gelb, die Spitze 
der Schenkel und Schienen so wie die Basis der letzteren 
schwarz." 

11. Arten mit dunkelen, bräunlich oder blauschwarz gefärbten 
Hinterflügcln. 

a) Die (Jueradern der Hinterilügel sind hell, weisslich 
gesäumt. 

8) Gryl. rufieeps. Pallide vircscens, capite thorace- 
que latis, rufo-brunneis, oculis extus nigro-limbatis ; pro- 
noto trituberculalo, margine apicali crenulato: aus dilute 
fuscis, nlbido - tessellatis. Long. corp. 13 — 15 lin., elytr. 
15 lin., vagin. 6 lin. — Patria : Java. J £. 

Gryllacris rufieeps Serville, Annale« d. scienc. nat.XXH. (1831) 
p. 13'J. no. 2. (j). — Hill. nat. d.Orlhopt. p. .194. no. 4. (tf). 
— Gin-rin in Belanger, Vciyage au\ Indes uiieiilales, Zoolo- 
gie p. 490. Insccte« pl. 4. flg. 9. (cf). — de Haan, Jiijdra- 
gen etc. |j. *J~(>. no. 8. 

Diele von (iuerin Ca. a. 0.) gut abgebildete, von 
S r 1 \ i 1 1 e dagegen ziemlich unkenntlich beschriebene Art, 
ist durch die plumpe, dicke Form des Kopfes und Thorax, 



260 Gerstaecker: 

so wie durch die Sculptur des letzteren leicht kenntlich. 
Der Kopf ist mit Einschluss der Fühler , Mandibeln und 
Oberlippe röthlich kastanienbraun, glänzend, die Augen am 
ganzen Aussenrande tief schwarz gesäumt, von den drei 
gelben Ocellenflecken der untere gross und deutlich, die 
oberen linear und kaum markirt. Das Gesicht ist oberhalb 
des Clypeus beiderseits sehr tief grubig eingedrückt, ober- 
flächlich quergerunzelt und dazwischen zerstreut punktirt. 
Der Thorax ist beträchtlich breiter als lang, von der Farbe 
des Kopfes, ebenfalls glänzend , die gewöhnlichen Furchen 
der Oberfläche sehr tief eingedrückt und diese daher stark 
zerklüftet, der Vorderrand aufgewulstet, dicht gekörnt, in 
der Mitte mit einem kleinen glänzenden Höcker , der mit 
zwei grösseren, vor der Mitte der Scheibe gelegenen, kreis- 
runden Erhabenheiten ein Dreieck bildet. Die Beine wie 
der Hinterleib blass grünlichgelb, die Vorderschienen etwas 
dunkler , mehr bräunlich ; die fünf Dornenpaare an den 
Vorderschienen sind massig laug, der oberste kaum zwei 
Tarsalgliedern an Länge gleichkommend , die an den Mit- 
telschienen sehr beträchtlich kürzer; die sehr kurzen und 
nur an der äussersten Spitze leicht gebräunten Dornen der 
Hinterbeine sind an Schenkeln und Schienen zu sieben 
Paaren vorhanden und reichen an ersteren kaum über die 
Mitte hinaus. Auf den Flügeldecken ist das vordere Feld 
ungefärbt, hyalin, die Adern sämmtlich grasgrün ; das hin- 
tere Feld nach hinten immer intensiver gelb gefärbt und 
gleichfarbig geädert. Die Hinterflügel haben eine wässrig 
braune Grundfarbe, von der die weisslich gesäumten Quer- 
adern und der blass graugelbe Aussenrand merklich abste- 
chen. Beim Männchen ist der achte Hinterleibsring nur 
etwa doppelt so lang als der vorhergehende, nicht wie bei 
den ersten Arten nach abwärts geneigt und die folgenden 
überkuppelnd , sondern horizontal gestellt und nur in der 
Mittellinie etwas mehr nach hinten hervortretend als zu 
beiden Seiten; der neunte Ring tritt vollständig frei her- 
vor, krümmt sich, indem er gleichsam ein Pygidium dar- 
stellt, nach abwärts und ist unterhalb mit einer Längsspalte 
versehen; eine Lamina supraanalis tritt zwischen den bei- 
den Reifen nicht hervor. Die Lamina subgenitalis ist quer, 



lieber die Locustinen-Gotlung Giyllacris. 261 

breit herzförmig, ihr Endrand in der Mite nicht besonders 
tief, aber weit ausgebuchtet. 

Beim Weibchen ist die Lamin, supraanalis klein, rhom- 
bisch, mit tiefer Grube auf der Mille ihrer Oberfläche; die 
Lamina subgenitalis hat die Form eines gleichseitigen 
Dreiecks mit abgestumpfter Spitze; die Legescheide ist kurz 
und kräftig, ziemlich gekrümmt, nahe dem Oberrande mit 
tiefer Längsfurche , welche vor dem stumpf zugespitzten 
Ende aufhört. 

In Java einheimisch; das Museum besitzt beide Ge- 
schlechter aus der Hagenbach'schen und v. Charpentier'- 
sihen Sammlung. 

9) Gryl. nigripennis. Capite thoraceque angustis, rufo- 
ferruginea , elylris elongatis, flavescentibus , aus nigro- 
cyaneis , venis transversis extus albido - limbatis. Long, 
corp. 13 lin., elytr. 17 lin., vagin. 9 lin. — Patria: Ma- 
labar. $. 

Kopf und Thorax sind im direkten Gegensatze zu der 
vorigen Art aulfallend schmal, letzterer deutlich länger als 
breit, auf der Oberfläche nur mit schwachen Eindrücken; 
beide sind glänzend rostfarben, erslerer zugleich mit Ein- 
schluss der Kühler, Mandibeln und der Oberlippe. Das Ge- 
sicht ist sehr zerstreut punklirt, oberhalb des Clypeus bei- 
derseits leicht quer eingedrückt. Die Beine von der Körper- 
farbe mit leicht gebräunter Schenkel- und Schienenspilze 
und pechbraunem Klauengliede der Tarsen; die Dornen an 
Vorder- und Miltelschienen nicht besonders lang und an 
beiden fast gleich, die der (Unterschenkel und Hinterschie- 
nen je zu 7 Paaren, an der äussersten Spitze braun, an 
den Schenkeln die Mitte überschreitend. Flügeldecken und 
Flügel auffallend lang, in ruhender Lage die Spitze der 
ebenfalls langen Legescheide erreichend; die Flügeldecken 
durchweg rostgelb geädert, im Vorderl'elde aber mit fast 
hyalinem Grunde. Die Flügel im Verhältnisse zu ihrer 
Länge schmal , lief schwarzbraun mit lebhaft stahlblauem 
Schiller; Längs- und (Jueradcrn durchweg schwärzlich, 
letztere aber an ihrer Aussenseite (d. h. gegen den Flü- 
gclrand hin) mit einer schmalen durchsichtigen Linie ge- 



262 G e »• s t a e c k e r : 

säumt. Beim Weibchen ist die Lamina supraanalis klein, 
fast pentagonal , mit ausgehöhlter Oberfläche, die Lamina 
subgenitalis halbkreisrund; die Legescheide lang, sehr 
kräftig, schwach gekrümmt, gegen die Spitze hin allmählig 
verschmälert und stumpf, zungenförmig zugespitzt. 

Aus Malabar, vonMelly; nur das Weibchen bekannt. 

b) Die Grundfarbe ist an den Queradern gerade am dunkel- 
sten, während die Mitte jedes Feldes heller, selbst hyalin 
erscheint. 

10) Gryl. nigrilabris. Laete ferruginea , nitida, labro 
nigro, tarsorum apice infuscalo; elytris concoloribus , alis 
nigris, dilutius fasciatis guttisque hyalinis adspersis. Long, 
corp. 14 lin. , elytr. 18 lin., vagin. 14 lin. — Patria: Sin- 
gapore. cf ?. 

Von der kräftigen, etwas gedrungenen Statur der Gryl. 
maculicollis , jedoch beträchtlich grösser, besonders auch 
mit stärker entwickelten Flügeln ; glänzend, licht roslgelb, 
mit tief schwarzer Oberlippe und an der Spitze gebräunten 
Mandibeln und Tarsen. Der Kopf ist nicht breiter als der 
Thorax, das Gesicht fast eben, zerstreut punktirt und sehr 
seicht gerunzelt ; das Basalglied der Fühler rostrolh. Der 
Thorax etwas breiter als lang, mit stark aufgewulsletem, 
in der Mitte stärker hervortretendem Spitzenrande und be- 
sonders nach den Seiten hin slark vertieften Furchen. Die 
Dornen der vorderen Schienen rostrolh mit hellgelber Spitze, 
am ersten Paare etwas länger als an den mittleren; an den 
Hinterschenkeln neun, an den Schienen sieben Dornenpaare 
mit breiter pechbrauner Spitze, verhältnissmässig lang. Die 
Flügeldecken durchweg von sattgelber Grundfarbe , mit 
rostgelben Adern ; die Hinterflügel dunkelbraun, blau schil- 
lernd, mit dunkelbraunen , und nach der Wurzel hin hel- 
leren Längs- und schwarzen Queradern; in der Nähe der 
letzteren ist die Grundfarbe am dunkelsten , gegen die 
Mitte der einzelnen Zellen hin lichter und bei den in der 
vierten bis neunten Querreihe liegenden zeigt das Centrum 
sogar einen milchweissen Tupfen. Das der Basis zunächst 
liegende Feld, in welchem die Queradern fehlen, zeigt eine 
gleichmässig wässrig braune Farbe. Am Hinterleibe des 
Männchens bildete das vergrösserte , kuppeiförmige achte 



Ueber die Locnstinen-Gattuog Gryllacris. 263 

Segment das Pygidium , ohne indessen an Grösse dem der 
beiden ersten Arien gleichzukommen; es ist ein wenig län- 
ger als breit , hinten stumpf abgerundet, in der Mitte fast 
abgestutzt, mit feinem, aufgebogenen Rande. Die kleine, 
senkrecht herabsteigende Lamina supraanalis ist quer vier- 
eckig, jederseits in eine scharfe Spitze endigend ; von der 
Mittellinie ihrer nach vorn gewandten Fläche setzt sich eine 
längliche, scharfkantige Erhabenheit, die sich am Ende 
herzförmig erweitert, auf die Unterseite des neunten Dor- 
salringes fort , welche in eine breite , trapezoidale, schräg 
aufgerichtete, zweizipfelige Platte ausläuft. Die Lamina sub- 
genitalis ist gross, quer viereckig, mit bogenförmigem End- 
rande , welcher jederseits von einer mittleren Einkerbung 
eine warzenartige Anschwellung zeigt. 

Beim Weibchen ist die Lamina supraanalis klein, quer, 
hinten gerundet, oberhalb eingedrückt; die Lamina subge- 
nitalis gleichsam aus zwei hinter einander liegenden Plat- 
ten, die durch einen kleinen Balken verbunden sind, zu- 
sammengesetzt, einer vorderen (oder unleren) kleinen, 
trapezoidalen, und einer viel längeren hinteren (oder obe- 
ren), welche gegen die Spitze hin verschmälert und am 
Ende in zwei zugespitzte, stark polsterartig aufgetriebene 
Zipfel getheilt ist. Die Legescheide ist von ausserordent- 
licher Länge, indem sie der Körperlänge ganz gleich kommt, 
sehr schlank und bis zu der schräg abgestutzten Spitze 
gleich breit, längs des Oberrandes fein gefurcht; rostgelb 
mit lief brauner Spitze. 

Von Singapore , beide Geschlechter von Jagor ein- 
gesandt. 

11) Gryl. Servillei. Fulva , capite antennisque fuscis, 
iiln macula frontali nigra, pronoto nigro , fusco-limbato: 
clytris obscure fuscis, muuulis tesscllatis pellucidis. Long. 
elylr. 12% lin., vagin. 9 lin. — Palria : Borneo. (Doeson). 

Gryllacrii Servillei de Haan, Bijdra(;en c | c . p. 220. no. 7. 

Das von de Haan allein gekannte Weibchen dieser 
Arl wird in folgender Weise charaklerisirt: Kopf und Füh- 
ler dunkelbraun, erstem mit einem ausgedehnten schwar- 
zen Fleck zwischen den Fühlern : Vorderrücken schwarz mit 
braunem Bande; Hinterleib und Beine gelblich, behaart, 



264 G e r s t a e c k e r : 

die Hinterbeine mit dunkler Spitze. Flügeldecken mit stum- 
pfer Spitze, gelb, an der Basis dunkler, Hinterflügel tief 
schwarzbraun mit durchsichtigen Flecken gescheckt , wel- 
che in der Mitte in Querreihen gestellt sind. Legescheide 
gekrümmt, schmal, schräg zugespitzt. 

12) Gryl. fumigata. Flava, capitis fascia laterali pro- 
notique fusci margine nigris : pedibus luteis, feinoribus 
apice, tibiis basi tarsisque extremis nigro-coeruleis, fasciis 
transversis pallidioribus. Long, elytr. 18 lin. — Patria: Java. 

Das von de Haan allein beschriebene Männchen hat 
dunkel stahlblaue Hinterflügel mit helleren Querbinden, be- 
haarte , gleichbreite und am Ende schief abgestutzte Flü- 
geldecken mit dunkelbraunen Adern. Das letzte Dorsal- 
segment des Hinterleibs ist beiderseits etwas gebuckelt, 
das letzte Ventralsegment sehr kurz mit haarigen Griffeln. 
III. Arten mit hell- oder ganz ungefärbten Hinterflügeln, deren 
Queradern nicht dunkel umflossen sind, 
a) Beine zum Theil schwarz gefärbt. 

13) Gryl. Borneensis. Lutea, capite, antennarum basi, 
thoracis marginibus, pectoris lateribus , femoribus apice ti- 
biisque nigris , labro tarsisque laete sanguineis : alis ely- 
trisque elongatis, flavescentibus, fusco-venosis, his macula 
magna basali, alteram aurantiacam includente, atra. Long, 
corp. 13 lin., elytr. 23 lin. — Patria : Borneo (Sarawak). d". 

Gryllacris Borneensis de Haan, Bijdragen etc. p. 219. no. 1. 
pl- 19- "g-7. (cT). 

Durch die ausserordentliche Entwickelung der Flügel 
wie durch die lebhafte Körperfärbung die ausgezeichnetste 
aller bis jetzt bekannten Arten der Gattung und durch 
beide Merkmale auffallend an gewisse Phaneroptera-Arten 
erinnernd. Der kleine, schmale Kopf ist tief und glänzend 
schwarz mit goldgelben Ocellenflecken , von denen beson- 
ders der untere ovale sich markirt, mennigrothem Clypeus 
und blutrother Oberlippe und Mandibeln; an letzteren ist 
die Basis und Spitze schwarz, die Maxillartaster schwärz- 
lich pechbraun. Das Gesicht ist über dem Clypeus quer 
eingedrückt, zerstreut punklirt. Die Fühler von der Basis 
bis auf etwa fünf Linien ihrer Länge tief und glänzend 
schwarz, dann allmählig pechbraun und in der grösseren 



Ueber die l.ocustinen-liattung Gryllacris. 265 

Endhälfte immer lichter rostgelb werdend; sie sind sehr 
dicht behaart und lassen besondtrs längs der Spitzenhälfte 
einzelne ihrer kleineren Glieder verdickt und dunkler ge- 
färbt erscheinen, so dass es den Anschein hat, als bestän- 
den sie wie bei den Cerainbyciden aus langgestreckten, 
dünnen Gliedern. Der Prothorax ist klein, ein wenig län- 
ger als breit, goldgelb, ringsherum schwarz gesäumt, und 
zwar besonders breit an der Basis; Meso- und Metalhorax 
oberhalb, die Pleurae und die Aussenseite der Hültstücke 
schwärzlich pechbraun. Die Beine safrangelb , die Spitze 
der Schenkel und die Schienen tief blauschwarz, die äus- 
sersle Spitze der letzteren und die ganzen Tarsen hell 
corallenrolh ; die Dornen an den vorderen Schienen ziemlich 
kurz, schwarz mit rostrother Spilze, das unterste kurze 
Paar ganz roslroth; au der Unterseile der Hinterschenkel 
innen 5 bis 6, aussen noch weniger sehr kurze schwarze 
Dörnchen, die kaum bis zur Mitte reichen, an den Hinter- 
schienen acht Paar grössere , welche bis nahe zum Kniee 
heraufreichen. Die Flügeldecken im letzten Dritttheile am 
breitesten, stumpf abgerundet, sehr licht gelblich getrübt, 
am Vorderrande mit gelblichem, sonst mit braunem Geäder; 
die das Vorderfeld abgränzende Längsader tief schwarz 
und die hinler ihr liegende Zellenreihe dunkel rauchbraun, 
die ganze Basis etwa auf ein Dritttheil der Länge tief pech- 
schwarz mit einem grossen durchsichtigen , goldgelben 
Fleck. Die Hinterflügel den Flügeldecken an Länge gleich, 
um mehr als die Hälfte länger als breit, noch heller gelb- 
lich getrübt als jene, dicht an der Wurzel schmal pech- 
braun, die Längsadern gelb, die Queradern fein, dunkel- 
braun, nicht umflossen, wenn auch eine sehr leichte graue 
Trübung ihrer Umgebung nicht zu verkennen ist. An dem 
hlass strohgelben llinterlcibe des Männchens ist das achte 
Dorsalsegmcnt nicht länger als das vorhergehende, hinten 
in der Mitte leicht ausgeschnitten; das neunte, hinler ihm 
frei hervorragende, noch kürzer, nach unlen herumgebogen, 
hiir in der Mittellinie gespalten und am Ende dieses Spal- 
tes jedcrseils mit einem langen, klauenartigen, scharf zu- 
gespitzten Dorn bewaffnet. Eine Lamina supraanalis fehlt; 
die Lamina subgenitalis kurz , quer , dreimal so breit als 



266 Gers t Becker: 

lang, mit flach ausgeschnittenem Endrande und daher stumpf 
zweilappig; die Griffel schmal kegelförmig, kaum halb so 
lang als die Raife. Die Seiten der Kückensegmente sind 
je mit einer Reihe schmaler, die Ventralplatten mit zwei 
Reihen ovaler schwarzbrauner Flecken gezeichnet. 

Aus Romeo, von Jagor eingesandt. 

14) Gryl. tibialis. Ferruginea , capitc supra, pronoto 
tibiarumque dimidio basali maiore nigris, Ins apice cum 
tarsis genubusque rufis; elytris hyalinis , basi retrorsum 
flavescentibus, aus albidis, flavo-venosis. Long. corp. 10 — 
11 lin., elytr. 15 lin., vagin. 10 lin. — Patria: Java, r/ $• 

Gryllacris tihialis Serville, Mist. nal. d. Oithopt. p. 393. no. 2. 
($). — de Haan, Bijdiagen etc. p. 219. 

Der Kopf überragt den Prolhorax beträchtlich an Breite 
und ist zugleich von ansehnlicher Länge, sein ganzer von 
oben sichtbarer Theil tief pechschwarz, der äussere Augen- 
rand und eine von diesem bis zum Ursprünge der Ober- 
kiefer herabsteigende Binde jederseits schwärzlich braun; 
das langgezogene Gesicht und die Stirn bis oberhalb der 
Kühler glänzend und hell rostgelb, zuweilen mit zwei bräun- 
lichen Makeln, sehr sparsam punklirt, die Oberlippe und 
Palpen gleichfarbig, die Mandibeln rostroth mit dunkeler 
Spitze. Der Prothorax ist so lang als breit, mit Ausnahme 
des schmutzig gelb gelleckten Seitenrandes und zweier 
rostrother kleiner Makeln auf der Scheibe tief und glän- 
zend schwarz; das Meso- und Metanotum pechbraun, der 
Hinlerleib und die Schenkel licht roslgelb. An allen drei 
Beinpaaren ist die grössere Basalhälfte der Schienen lief 
schwarz, die breite Spitze nebst den ganzen Tarsen so wie 
auch das Knieegelenk an Schenkel und Schienen in ge- 
ringer Ausdehnung sehr lebhaft rostroth. Die Dornen der 
vorderen Schienen , welche am ersten Paare beträchtlich 
länger sind , erscheinen mit Ausnahme des untersten ganz 
rostgelben Paares tief schwarz mit feiner gelber Spitze ; an 
den Hinterschenkeln sind sieben Paar kurzer schwarzer 
Dornen, welche die Mitte ein wenig überschreiten, an den 
Hinterschienen acht Paar ziemlich starker vorhanden , von 
denen die fünf oberen schwarz , die drei unteren rostroth 
gefärbt sind. Die Flügeldecken sind mehr denn doppelt 



Ueber die Locustinen-(i'.iltting GryÜRcris. 2fi7 

so lang als der Hinterleib, mit Ausnahme der intensiv gelb 
gefärbten und ebenso geaderien Basis des Hinterfeldes 
hyalin und dunkelbraun geädert , ganz besonders im Vor- 
derfelde, gegen welches der Spitzentheil des Hinterfeldes 
noch merklich gelb getrübt erscheint. Die Hinterflügcl sind 
länger als breit, sehr licht gelb, fast weisslich, alle Längs- 
und Queradern gelb, nur an der Spitze des Vorderrandes 
etwas gebräunt. Am Hinterleibe des Männchens sind das 
achte und neunte Dorsalsegment fast gleich lang, von dop- 
pelter Länge der vorhergehenden , ersteres schräg nach 
hinten, letzteres fast senkrecht nach unten abfallend, kup- 
penförmig; in der Mitte seines Hinterrandes ist das neunte 
Segment etwas zipfelartig ausgezogen, verdickt, leicht ein- 
geschlilzt und innerhalb mit einem aus zwei mittleren Lei- 
sten und zwei zu ihrer Seite stehenden sehr scharfen und 
geraden Dornen zusammengesetzten hornigen Apparat ver- 
sehen. Die Lnmina subgenilalis verhältnissmässig sehr 
gross, im Ganzen trapezoidal , doch mit gerundeten Seilen 
und Winkeln, am Endrande mit zwei schmalen, zapfenarti- 
gen Vorsprüngen versehen; die Griffel stumpf, länger als die 
Hälfte der am Grunde dicken, schmal kegelförmigen Raifen. 

Beim Weibchen ist die Lamina subgenitalis gerundet, 
etwa halb eiförmig, das ihr vorhergehende Bauchsegment 
sehr eigentümlich gestallet, nämlich am Vorder- und Hin- 
terrande tief winklig ausgeschnitten , so dass seine beiden 
Hälften in der Mitte nur durch eine schmale Brücke verbun- 
den sind; die Legescheide von Körperlänge, ganz gerade, 
sehr schmal, allmählig und stumpf zugespitzt, pechbraun. 

In Java einheimisch. 

15) Gryl. combusla. Tcstacea, nitida, capite vittis 
duabus flexuosis, in fronte inter se connexis, antennis, man- 
dibulis , pronoli marginibus villaque media nee non libiis 
anticis nigro- fuscis : elytris dilutc fuscis, albido- venosis, 
ulis irrisescenlilms. Long. corp. 14 lin. , vagin. 10% lin., 
elytr. 17 lin. — Patria: Sidney. $. 

Der Kopf ist auffallend gross, sehr viel breiter als der 
Thorax und wie bei der vorigen Art von beträchtlichem 
lAogntarchmesser , lichl knochengell> , glänzend; auf dem 
Hinterkopfe verläuft jederseits von der oberen Augcnspit/.e 



268 Gerstaec her : 

eine pechbraune Linie gegen den Vorderrand des Thorax 
und zwischen der Insertion der Fühler zwei parallele pech- 
schwarze Längsbinden , die ebenfalls am Thoraxrande be- 
ginnen, auf der Stirn durch eine ziemlich breite Querbinde 
mit einander verbunden werden, sich dann unter der Füh- 
ler Insertion bis zum unteren Augenwinkel nach aussen. bie- 
gen und von hier aus bis zur Basis der Mandibeln abwärts 
steigen, indem sie sich oberhalb des Clypeus noch stark 
nach innen erweitern. Die ganze Gesichtsfläche, auf wel- 
cher zwischen diesen beiden schwarzen Binden ein grosser 
dreilappiger Fleck der Grundfarbe übrig bleibt , ist ziem- 
lich dicht narbig punclirt und flach gerunzelt; die Ober- 
lippe gegen die Spitze hin carnünrolh , die Mandibeln mit 
Ausnahme der Basis an der Aussenseite pechschwarz , die 
Palpen blass knochengelb ; an den Fühlern die beiden Ba- 
salglieder ebenfalls gelb, das erste jedoch an der Basis mit 
schwarzem Fleck, der borstenförmige Theil vom Pechschwar- 
zen allmählig in ein lichteres Braun «hergehend. Der Tho- 
rax ist breiter als lang, nach hinten stark verengt, schmut- 
zig rostgelb, die Mitte des Vorderrandes schmaler, die 
ganze Basis und die Seitenränder breiter , so wie endlich 
auch eine in der Mitte verbreiterte Rückenbinde schwärz- 
lich pechbraun; die Eindrücke und Aul'wulstungen der Ober- 
fläche sind durchweg stark markirt. Mittel- und Hinler- 
brust, Hinterleib und Beine sind licht knochengelb; an den 
Vorderbeinen ist die Spitze der Schenkel besonders an der 
Innenseite und die ganzen Schienen mit Ausnahme der 
hinteren Fläche pechschwarz, an den beiden hinteren Paa- 
ren dagegen nur die Hinterseite der Schienen nahe der 
Basis und dann wieder unterhalb der Mitte licht pechbraun 
bandirt. Die fünf Dornenpaare an Vorder- und Mittel— 
schienen licht rostgelb gefärbt, an den vorderen beträcht- 
lich länger. An den Hinlerschenkeln linden sich im Gan- 
zen nur vier Dornen, von denen die beiden hintersten paa- 
rigen klein und hellgelärbt sind und auf einen tiefen, bo- 
gigen Ausschnitt der Unterseite folgen, die beiden übrigen 
an der Aussenseite weit von einander entfernt stehen und 
schwarzbraun gelärbt sind ; die Hinterschienen sind mit 
sechs Paar alternirenden , massig grossen, gelblichen Dor- 



Ueber die Locustinen-Gatlung Gryllaciis. 269 

nen besetzt, welche die unteren zwei Dritttheile der Länge 
einnehmen. Die Flügel überragen den Hinterleib fast um 
die Hälfte ihrer Länge, sind fast gleich breit, an der Spitze 
schräg abgestutzt, auf der Basalhälfte von wässrig brauner 
Grundfarbe , welche gegen die Spitze hin immer lichter 
wird und durchweg blassgelb, fast weisslich geädert. Die 
ebenfalls langgestreckten Hinterflügel sind licht grau, fast 
milchig getrübt und haben gelbliche Längs- und sehr feine 
weissliche Queradern. Am Hinterleibe des Weibchens ist 
die siebente Ventralplatte verlängert, fast um die Hälfte 
länger als die vorhergehende und als sie selbst breit ist; 
die Lamina subgenitalis sehr viel breiter , fast bis auf den 
Grund breit rechtwinklig eingeschnitten und daher zwei- 
lappig, die beiden Lappen scharf dreieckig. Die Legescheide 
ist ausserordentlich lang, last geradlinig, sehr schmal, stumpf 
zugespitzt. 

Aus Neu-Holland ; nur das Weibchen bekannt. 

16) Oryl. brachyplera. Rufo - ferruginea , subnitida, 
tibiis Omnibus nigris , basi apiceque cum tarsis laete rulis, 
anterioribus spinis ferrugineis: elytris alisque abbreviatis, 
fusco-venosis. Long. corp. 12 lin. , elytr. 8'/ 2 lin. , vagin. 
6'/ 2 lin. — Patria: Luzon. $>. 

Der Kopf ist kurz und nicht breiter als der Thorax, 
mit Einschluss der Fühler und Mundtheile ganz rostfarben, 
glänzend, das Gesicht nur sehr fein und zerstreut punk- 
tirt; der Prothorax fast quadratisch, seitlich hinter der Mitte 
etwas erweitert, hell rostfarben, gelblich behaart, rings- 
herum licht roth gerandel, mit abgekürzter mittlerer Längs- 
furche. Mittel- und Hinterbrust, Abdomen und Schenkel 
rostfarben , die Spitze der letzteren , die Basis und Spilze 
der Schienen so wie die Tarsen besonders lebhaft und hell 
rostroth , der ganze mittlere Theil aller Schienen dagegen 
tiil schwarz. Auflallend ist die Färbung der Dornen der 
Vorder- und Mittclschionen, welche trotz ihres Ursprungs 
von schwarzem Grunde dennoch licht rostgelb gefärbt und 
an den Vorderschienen beträchtlich länger sind; an den 
Hinteraohenkeln überschreiten die sieben kurzen pechbrau- 
nen Dornenpaare kaum die Mille des Unterrandes, während 
die acht ziemlich entwickelten der Hinterschienen, von denen 



270 Gerstaecker: 

nur das unterste rostgelb mit dunkler Spitze, die übrigen 
schwarz mit röthlich durchscheinender Spitze sind, nur das 
oberste Fünftheil der Schienen frei lassen. Die Flügeldecken 
und Hinterflügel sind so kurz, dass sie zurückgeschlagen nicht 
einmal die Hinterleibsspitze erreichen; erstere sind stumpf 
zugespitzt, sehr leicht graugelb getrübt, grösstentheils rost- 
gelb, am Hinterrande jedoch dunkelbraun geädert; letztere 
leicht milchig getrübt , fast durchsichtig , an der Wurzel 
rostgelb, sonst überall schwarzbraun geädert, die Quer- 
adern fein und nicht dunkler gesäumt. Beim Weibchen 
ist die Lamina supraanalis klein, stumpf dreieckig zuge- 
spitzt, mit stark gewulstetem Endrande und vertiefter Ober- 
seite; ]die Lamina subgenitalis halbkreisförmig, mit in der 
Mitte lappenarlig hervortretendem Endrande, der sich ge- 
gen die Oberfläche der Platte zurückschlägt. Die verhält- 
nissmässig kurze Legescheide ist leicht gebogen, gleich von 
der Basis an allmählig schmaler werdend , ziemlich scharf 
zugespitzt, satt rothbraun. 

Von Luzon , nur im weiblichen Geschlechte vorlie- 
gend ; durch die auffallende Kürze der Flügel in Verbindung 
mit der sehr markirten Färbung der Beine sehr ausgezeich- 
net und leicht kenntlich. 

17) Gryl. punicea. Coccinea, nitida, capite cum an- 
tennis, pronoto, femorum apice tibiisque nigris : fronte coc- 
cineo-trimaculata, elytris dilute fuscis, aus hyalinis. Long, 
corp. 8 lin., elytr. 7'/ 2 lin. , vagin. 4 lin. — Patria: Cey- 
lon. 5. 

Der Kopf ist kaum breiter als der Thorax , ziemlich 
kurz, mit Einschluss der Mandibeln und Fühler tief und 
glänzend schwarz, wie Ebenholz ; der Vorderrand des Cly- 
peus und die Oberlippe dunkel pechbraun, die Tarsen lich- 
ter mit rothbraunem Endgliede. Die drei gleich grossen, 
ovalen Ocellenflecke hell carminroth; Gesicht, Clypeus und 
Oberlippe mit ziemlich grossen Punkten zerstreut besetzt. 
Der Prothorax breiter als lang, ebenfalls glänzend schwarz, 
zu beiden Seiten mit zwei dunkel carminrothen Flecken 
und oberhalb nahe der Basis mit einigen dunkelroth durch- 
scheinenden Stellen ; die beiderseits stark abgekürzte, tiefe 
Mittelfurche stösst nach hinten auf eine ebenfalls tiefe, aber 



Ueber die Locustinen-Gattung lirjllaciis. 271 

feinere Querfurche. Die Mittel- und Hinterbrust, der ganze 
Hinterleib, alle Hüften und die Schenkel mit Ausnahme der 
Spitze sind hell earmoisinroth : während die Schienen an 
allen drei Beinpaaren mit Ausnahme der äussersten Spitze 
ganz dunkel pechbraun erscheinen , greift diese Färbung 
auf die Schenkel in verschiedener Ausdehnung über, indem 
die hintersten nur am Spitzendritttheile, die mittleren we- 
nigstens oberhalb fast bis zur Mitte, die vorderen innen 
sogar bis nahe der Basis damit getüncht sind, jedoch überall 
so, dass die Unterseite davon ganz frei bleibt. An den 
vorderen Beinpaaren sind die Schiendornen pechbraun mit 
gelber Spitze, das unterste Paar ganz rostfarben; die Hin— 
terschenkel sind unterhalb nur mit fünf tief schwarzen und 
kaum die Mitte erreichenden Dornenpaaren bewaffnet und 
zwar sind die beiden dein Kniee zunächst stehenden kräftig 
und gross, die drei übrigen sehr kurz. An den Hinter- 
schienen sieben Dornenpaare von der Grundfarbe, bis zum 
letzten Vierllheil der Länge reichend; die Tarsen an allen 
Beinen hell carminroth mit pechbraunen Klauen. Die den 
Hinterleib beträchtlich überragenden Flügeldecken sind 
gleiclumissig wässrig braun getrübt, pechschwarz geädert; 
die Hinterflügel glasbell, längs des Aussenrandes sehr leicht 
getrübt, mit sehr feinen braunen Längs- und Queradern. 
Weder die Lamina supraanalis noch die L. subgenitalis sind 
von den entsprechenden Segmenten deutlich abgesetzt, er- 
stere kurz und quer dreieckig , oberhalb mit tiefer Grube, 
letztere quer rhombisch, mit leichter Einkerbung und Ver- 
liefung in der Mitte ihres Hinlerrandes. Die Legescheide 
ist kurz, an der Basis sehr breit , ganz allmählig verengt 
und scharf zugespitzt, leicht gekrümmt, mit Ausnahme des 
hellrothen Ursprunges dunkel pechbraun. 

Aus Ceylon; nur das Weibchen von Nietner eingesandt, 
b) Beine ganz rostfarben. 

18) GryL amplipennis. Ferruginea, nitida, capitis ma- 
culis duabus suborularibus, vertice pronotique disco fusco- 
brunneis : elylri.s alisque vilreis , fusco-venosis, Ins apice 
;i n 14 n.s li ii s , Ulis ad medium usque latius infuscatis. Long, 
corp. 13 lin., elytr. IC lin. , vagin. 10 lin. — Palria : Ma- 
lebar. %. 



272 Gerstaecker: 

Der Kopf ist im Verhältnisse zum Thorax gross, brei- 
ter als dieser, hell rostfarben, der hochgewölbte Scheitel 
in weiter Ausdehnung so wie ein fast viereckiger Fleck 
unterhalb der Augen dunkelbraun , die Oberlippe rostroth, 
die Mandibeln mit gebräunten Kanten. Der Thorax klein, 
besonders kurz, mit Ausnahme zweier grosser, licht gelber 
Flecke nahe am Seitenrande ziemlich satt und rein braun 
gefärbt, auf der Mitte der Scheibe mit drei im Triangel 
stehenden rostgelben Punkten, von denen der vordere dop- 
pelt ist. Der Mittel- und Hinterrücken des Brustkastens 
und die Oberseite des Abdomen sind ebenfalls licht pech- 
braun gefärbt, an letzterem jedoch der Spitzenrand der 
einzelnen Segmente rostgelb; von letzterer Farbe sind zu- 
gleich die Beine, nur dass an den Vorderschienen die Dor- 
nen vor der weisslichgelben Spitze breit pechbraun gerin- 
gelt sind. An den Hinterschenkeln erreichen die sechs mit 
Ausnahme des hintersten sehr kurzen Dornenpaare gerade 
die Mitte der Länge, während die sieben Paare an den Hin- 
terschienen bis zum letzten Viertheil heraufsteigen; an bei- 
den sind die Spitzen stark gebräunt. Die Flügeldecken 
sind über das ganze Vorderfeld hin und ebenso längs des 
Hinterrandes vollkommen hyalin, dunkelbraun geädert; über 
die Mitte hin erstreckt sich eine wässrig braun gefärbte 
Längsbinde von der Spitze bis auf zwei Dritttheile der 
Länge. Die Hinterflügel sind länger als breit, ebenfalls 
ungefärbt , jedoch gegen den Aussenrand hin leicht ge- 
trübt, überall braun geädert; während die Queradern sonst 
überall sehr zart und daher kaum sichtlich gefärbt sind, 
nehmen sie am Vorderrande und zwar besonders an der 
Spitze desselben ganz die Stärke und dunklere Färbung 
der Flügeldecken an. Beim Weibchen ist die Lamina su- 
praanalis klein, halbkreisrund, verdickt, oberhalb durch eine 
Furche getheilt, die Lamina subgenitalis länger als breit, 
kurz eiförmig, an der Basis der Quere nach ausgehöhlt; am 
Spitzentheile mit einer von zwei zarten Längsleisten be- 
gränzten Rinne versehen und stumpf abgerundet. Die Le- 
gescheide ist lang und schmal , fast gerade, sehr allmählig 
verengt und zugespitzt, rostfarben mit brauner Spitze. 

In Malabar einheimisch. 



Ueber die I.ocustinen-Gattting Gryllacris. 273 

19) Gryl. phryganoides. .Alis elongatis, obtusis, ner- 
vis fulvis : elytris apice obtusis, pellucidis , basi luteis: 
corpore, antennis, vagina pedibusque luteis, vagina peran- 
gusta, elongata." Long, elytr. 13 lin. , vagin. 5% lin. — 
Patria: Java. £. 

Gryllacris phryganoides de Haan, ßijdragen elc. p. 219. no. 2. 

Eine mir unbekannte Art aus Java; dasselbe ist mit 
folgenden, von Serville beschriebenen Arten der Fall: 

20) Gryl. signatifrons. Rufo-ferruginea, nitida, frontis 
macula distincta testacea, elytris alisque hyalinis, fusco-ve- 
nosis. Long. corp. 16 lin. — Patria : Java. £. 

Gryllacris sig?ialifrons Serville, Mist. nat. d. Orthopt. p. 393. 
no. 1. 

21) Gryl. translucens. Rufo-ferruginea, nitida, ver- 
tice , fasciis duabus subocularibus thoraceque nigro-fuscis, 
hoc teslaceo-varicgato : elytris alisque hyalinis, fusco-ve- 
nosis. Long. corp. 10 lin. — Patria: Java, rf $. 

Gryllacris Iratulutxfu Serville, Bist. nat. d. Orthopt. p.394. 
no. 5. 
Diese von Java stammende Art scheint der Gryl. am- 
plipennis, nach der Beschreibung zu urtheilen, nahe ver- 
wandt zu sein, ist jedoch von geringerer Grösse und würde 
sich durch das nicht braun gefärbte Mittelfeld der Flügel- 
decken , dessen wenigstens Serville nicht erwähnt, un- 
terscheiden ; über die Form der letzten Hinterleibsringe des 
Männchens sind vom Verf. keine Angaben gemacht worden. 

22) Gryl. personata. Testacea, capite infra mandibu- 
1 i m 1 1 1 1 • nigris, macula fronlali, prothoracis marginibus ma- 
culisque duabus disci approximatis, femoribtis elylrormiique 
nervis rufeacentibus. Long. corp. 9 lin. — Patria. Java. </". 

Gryllacrit pertonala Serville, Annal . d. scienc. nat. XXII. 
p. 189. no. 3. — flist. nat. d. Orthopt. p. 395. no. 6. — de 
Haan, liijdiagen ele. p. 220. no. 13. 

Von Java. Ueber die Grösse dieser Art sind die An- 
gaben Servil le's schwankend, indem er sie einmal auf 
zwölf, dag andere Mal nur auf neun Linien veranschlagt; 
die Bildung der männlichen Hjnterleibsringe ist unerörtert 
geblieben. 

Hryl. pallidula. Testacea, elytris pellucidis, lüsco- 

Arohir f. N.turg. XXVI. Jahrg. 1. IM. 18 



274 Gerstaecker: 

venosis, basin versus leviter infuscatis, aus liyalinis, roseo- 
tinetis. Long-, corp. 6V 2 lin. — Patria: Java. rf. 

Gryllacris pallidala Serville , Hisl. nat. d. Orthopt. p. 395- 
no. 7. 

24) Gryl. rubrinereosa. Rufo-ferruginea, macula fron- 
tali testaeea , elytris subpellucidis , rufo -venosis , aus vix 
roseo-tinetis. Long. corp. 6 — 7 lin. — Patria ignota. d*. 

Gryllacris rubrinervosa Serville, Mist. nat. d. Orthopt. p. 395. 
no. 8. 



Von geflügelten Arten, über deren Hinterflüge] - Fär- 
bung keine näheren Angaben gemacht worden sind, so däss 
sie keiner der obigen Abtheilungen mit Sicherheit zuge- 
wiesen werden können, sind noch folgende aufgestellt 
worden : 

25) Gryl. verticalis. „Unicolor, vertice capitisque fa- 
stigio fusco-nigro, hoc ocellis maculil'orniibus teslaceis : alis 
quattuor fusco-reticulatis." Long. corp. 11 lin., vagin. 12 lin. 
— Patria : Brasilia. $. 

Gryllacris verticalis Bunneister , Handbuch der Entomo). II. 
p. 718. no. 2. 

26) Gryl. oceanica. .Pallide ruTo-lutea, macula tesla- 
cca inter oculos minima, labro brunneo-luteo , mandibulis 
brunneo -rufis, palpis teslaceis: elytris quasi translucidis, 
tihiis omnibus in medio infuscatis , abdomine supra infus- 
cato, infra testaeeo." Long. corp. 8'/ 2 lin. — Patria : In- 
sula Hamoa. 

Gryllacris oceanica LeGiiillou, Revue zool. p. I. soc. Cuvier. 
1841. p.293. no. 11. 

27) Gryl. dubia. „Rufo- lutea, macula media teslacea 
oculos altingenle, labro rufo-brunneo, mandibulis testaeeis : 
elytris crassioribus, tibiis anticis in medio nigris, abdomine 
supra et infra testaeeo." Long. corp. 10 lin. — Patria: In- 
sula Viti. 

Gryllacris ilubia J-e Guillou, ibidem p. 293. no 12. 

28) Gryl. frontalis. „Unicolor , fronte tola fusco-ni- 
gra." Long. corp. 15 lin. — Patria ignota. 

Gryllacris frontalis Burnieister, Handbuch der Entomol. II. 
p. 718. no. 3, 



Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 275 

Eine vollständig unbekannte Art, die von Burmei- 
ster nur auf die von Roesel (Insektenbelustigung II. 
tab. 18. fig. 7) gelieferte, sehr unvollkommene Abbildung 
einer, wie es übrigens scheint, der Gattung sicher angehö- 
renden Heuschrecke gegründet worden ist. 

29) Gryl.? gladialor. — Burmeister citirt die Lo- 
custa gladialor Fabricius, Entom. syst. II. p. 42. no. 34 als 
frauliches Synonym unter Gryllacris maculicollis Serv., von 
der sie wohl durch Fabricius ausdrückliche Angabe: 
.Caput testaceum, immaculatum- ausgeschlossen wird; da 
der Prothorax bei einfarbigem Kopfe mit schwarzer Zeich- 
nung versehen sein soll , würde noch eher eine Anwen- 
dung auf Gryl. pardalina (2. Art) geschehen können , die 
aber ebenfalls nur durchaus hypothetisch wäre. Dass übri- 
gens die Fabrieius'sche Art der Gattung Gryllacris ange- 
hört, scheint aus seinen Angaben über dieselbe ziemlich 
sicher hervorzugeben. Als Vaterland wird Tranquebar 
angegeben. 

6. Ungeflügelle Arten mit kürzeren und an Zahl me-ist vermin- 
derten üorncnoaaren an Vorder- und Alitlelscbienen. 
I. Ilintcrschieoen ohne alle Dornen an der Rückseite, dreh- 
rund. 

30) Gryl. ambulans. Tibiis anterioribus biseriatim 

quailrispinosis , testacea , nitida, fronte, prothoracis disco 

seginentisquc corporis ante apicem fusco-brunneis. Long. 

corp. 10 — 13 lin., vagin. 8 lin. — Patria: Tasmania. <f %■ 

Orijlluvris timliulaiis * Erichsun , WiegmanrTs Archiv f. Na- 

lurgcsch. VIII, 1. p. 249. no. 214. 

Der Kopf ist gross , viel breiter als der Thorax, mit 
stark gewölbtem und gleich den Backen licht knochengelb 
gefärbten Scheitel; die Stirn in weiter Ausdehnung ge- 
bräunl, von den goldgelben Oeellenilecken der untere be- 
sonders gross, fast kreisrund; die Palpen und die Mandi- 
beln an der Basis lieht gelb, ihre Spitze jedoch pechbraun. 
Lieber die drei Tboraxringe zieht sich eine deutliche mitt- 
lere gelbe Lingslinie; der Prolhorax ist nur in der Hütte 
latt braun und auch hier mit zwei queren gelben Eindrük- 
ken versehen, die beiden folgenden Hinge so wie die drei 



276 Gerstaecker: 

oder vier ersten des Hinterleibs mit Ausnahme der schma- 
len Ränder fast ganz braun; auf den folgenden Ringen 
herrscht die gelbe Grundfarbe wieder vor und das Braune 
beschränkt sich mehr auf die Mitte des Hinterrandes. An 
den licht gefärbten Beinen sind die vorderen Schienen je 
mit vier kurzen Dornenpaaren, die kaum bis zur Mitte hin- 
aufreichen, besetzt und selbst von diesen geht an den Mit- 
telschienen das oberste zuweilen ein, so dass nur drei vor- 
handen sind ;. die Hinterschenkel nur mit zwei bis drei 
Paar kurzer Dornen nahe der Spitze, die Hinterschienen ganz 
drehrund, derb und verhältnissmässig kurz, ohne irgend 
welche Bedornung. 

Beim Männchen ist das achte Hinterleibssegmcnt den 
vorhergehenden an Länge und Form gleich, das neunte 
fast doppelt so lang, mit scharfem und breit abgesetzten 
Rande endigend , jederseits ganz nach aussen in einen ab- 
wärts gewendeten Lappen auslaufend, unterhalb dessen die 
kurzen Raife entspringen ; keine Lamina supraanalis vor- 
handen , die Lainina subgenilalis dagegen gross , mit breit 
gespaltener Basis und aufgerichteter, Irapezoidaler, unter- 
halb ausgehöhlter, oberhalb dagegen dick vierwulstiger 
Endplatte. 

Beim Weibchen ist die Lamina supraanalis klein, oval, 
ausgehöhlt, die Lamina subgenitalis breit, von der Form 
eines halben Achteckes, längs der Mitte gespalten, und 
jede Hälfte zwischen dem aufgebogenen Spaltrand und dem 
wulstigen Aussenrande tief ausgehöhlt. Die Legescheide 
kräftig, leicht gebogen, allmählig und stumpf zugespitzt. 

Aus Van-Diemensland, von Schayer. 

II. Hinterschienen in gewöhnlicher Weise zweireihig gedornt. 

31) Gryl. Carolinensis. Tibiis anterioribus biseriatim 
quadrispinosis, ferruginea, nitida, femoribus posticis Ievi- 
ter inl'uscatis. Long. corp. 7 lin., vagin. 4 lin. — Patria: 
Carolina. $. 

Klein , fast vom Habitus einer Pterolepis, licht rost- 
gelb, glänzend. Der Kopf nur wenig breiter als der Tho- 
rax, mit stark gewölbtem Scheitel, die Stirnhöhe kaum 
länger als Clypeus und Oberlippe zusammengenommen. 
Fühler und Mundtheile von Körperfarbe, nur die Spitze der 



Ueber die Loeiistinen-Gattung Gryllacris. 277 

Mandibeln gebräunt. Prothorax quer viereckig, nach hin- 
ten verengt , mit kleiner Grube auf der Mitte der Scheibe 
und den gewöhnlichen Eindrücken. Die Lamina supraana- 
Iis des Weibchens klein, fast kreisrund, die Lamina sub- 
genitalis deckeiförmig, fast von der Form eines Halbkrei- 
ses, die Legescheide sehr kräftig und breit, säbelförmig 
gekrümmt, scharf zugespitzt. An den Vorder- und Mit- 
telschienen reichen die vier Dornenpaare etwas über die 
Mitte hinauf; die Hinlerschenkel mit drei bis vier sehr 
kurzen Dornen jederseits nahe der -Spitze, die Hinterschie- 
nen mit sieben Dornenpaaren , die sich auf V 3 der Länge 
erstrecken. 

Aus Carolina, von Cabanis. 

32) Gryl. glomerina. Tibiis anterioribus biseriatim 
quadrispinosis, testacea, capite thoraceque nigro-, femori- 
bus brunneo variegatis, abdomine fusco-fasciato. Long. corp. 
6 lin., vagin. 4'/ 2 lin. — Patria : Promont. bon. spei. $. 

Kopf und Thorax sind licht gelb, glänzend, ersterer 
nicht merklich breiler als der Yorderrand des letzteren, mit 
stark gewölbtem Scheitel und einem halbkreisförmigen Ein- 
druck am Vorderrande der Stirn ; der Clypeus , die Mitte 
der Oberlippe und die Spitze der Mandibeln gebräunt, eine 
V-förmige Zeichnung zwischen den Fühlern, ein Fleckchen 
jederseils unter den Augen und ein Halbkreis auf dem 
Hinterkopfe schwärzlich pechbraun. Der Prolhorax ist brei- 
ter als lang, nach hinten stark verengt, in der Mitte des 
Vorderrandes mit einem breiten, Irapezoidalen schwärzlichen 
Fleck, der einige helle Flecke der Grundfarbe einschliesst, 
einer schmalen Querbinde an der Basis und zwei von die- 
ser seitlich ausgehenden , oberhalb des Seilenrandes nach 
vorn verlaufenden liogenlinien von gleicher Farbe. Meso- 
und Hetanotum so wie alle Hinterleibsringe sind an der 
Basia dunkelbraun, an der Spitzenhälfte licht grünlichgelb 
gefärbt, während die Unterseite der ganzen Brust durch- 
aus lila sgelb erscheint. An den Beinen ist die überseile 
der Schenkel und die Aussenseite der Schienen hell ge- 
brannt, die Tai sin fast pechliraun gefleckt; die Hinter— 
Schenkel sind aussen etwa mit neun, innen dagegen mit 
/.wnll sehr kurzen braunen Zähnchen besetzt, welche min- 



278 Gerstaecker: Ueb. d. Locustincn-Gatt. Uryllacris. 

destens sich auf % der Länge erstrecken, die Hinterschie- 
nen dagegen nur mit sechs Paaren von gleicher Färbung. 
Die fast ganz gerade und auffallend breite Legescheide des 
Weibchens ist bräunlich rostfarben , matt, auf der Aussen- 
seite mit einem stumpfen Längskiel und zwei tiefen Fur- 
chen ober- und unterhalb derselben versehen. Die Spitze 
ist von unten her gerundet abgestumpft, und der Oberrand 
kurz vor derselben leicht ausgeschweift. 

Vom Cap. 

33) Gryl. sphinx. Tibiis anterioribus biseriatim quin- 
quespinosis, tota flavescens , abdomine pallidiore. Long, 
corp. lOlin., vagin. 71in. — Patria: Promont. bon. spei. $>. 

Der Kopf ist klein, schmal, der Scheitel stark gewölbt, 
mehr rostfarbig, das Gesicht blassgelb, zerstreut punktirt ; 
der Prothorax nur wenig breiter als lang, nach hinten ver- 
engt. An Vorder- und Mittelschienen überschreiten die 
fünf Dornenpaare die Mitte der Länge; die Hinlerschenkel 
sind aussen mit vier, innen mit fünf sehr kurzen braunen 
Dörnchen längs des Spitzendritttheils bewaffnet, die Hin- 
terschienen mit sechs Paaren, welche die Mitte etwas über- 
schreiten. Die Legescheide des Weibchens ist lang , fast 
bis nahe zu der scharf zugeschliffenen Spitze von gleicher 
Breite, nahe dem oberen Rande mit durchgehendem, stum- 
pfen Längskiel. 

Ebenfalls vom Cap stammend. 



Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel aus 
den Geschlechtern Procellaria und Caprimnlgus. 

Von 
Dr. It. A. Philipp! und Lutlw. Landbeck 

in Santiago. 



I. Caprimu Igus andinus Ph. et L. 

Herr Des Murs beschreibt in Gay's historia fisica 
y politica de Chile zwei Arten von Caprimulgus : 1) Ca- 
primulgus Gould = C. parvulus Gould und C. conterminus 
reale nach Cassin ; 2) C. exilis Less. = C. acutus Gm., 
C. pruinosus Tschudi und C. peruvianus Peale. Nach Bo- 
napartc wäre diese Art mit semitorquatus zu vereinigen. 
Peale beschreibt noch einen 0. aequicauda, welcher nach 
Cassin (Archiv 1852. 2. p. 19) einerlei mit C. bifascia- 
tus ist, während llartlaub geneigt war, ihn für C. acu- 
tus oder exilis zu nehmen. Siehe das. 1851. 1. p. 112. 
(Burmeister unterscheidet dagegen in den „Vögel Bra- 
siliens- 4 C. acutus, pruinosus und semitorquatus als drei ver- 
schiedene Arien \j Das Museum von Santiago besitzt von 
diesen beiden Arten nur den C. hilascialus und eine dritte 
Art , die sich von beiden leicht durch die Phrase : torque 
rerrugineo, fasciaque ferrnginea in remigiis quatuor Prima- 
rii« unterscheidet. Wir unterlassen aber jeden Versuch 
cinrr Diagnose, da eine solche sich — namentlich bei die- 
sem schwierigen Genua nicht wohl entwerfen Ifisst, wenn 
man nfehl die verwandten Arten zur Vergleichung vor Au- 
gen hat. 



280 



Thilippi und Landbeck: 



inabels 


bis 


zum End 


e des 




8 Zoll 6Lin 


. Par. 


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„ 4 


Jl 



Dimensionen. 

Länge von der Spitze des Schi 
Schwanzes 

Länge des Schnabels 

Länge des Schwanzes 

Flügelspannung 

Länge des Flügels vom Buge bi 
Spitze .... 

Länge des Schienbeins 

Länge des Tarsus 

Länge der Mittelzehe 

Länge der Aussenzehe 

Länge der Innenzehe 

Länge der Hinterzehe 

Die Flügel enden einen halben Zoll vor der Schwanz- 
spilze. 

Der Schnabel ist schwach und niedrig , aber hinten 
ziemlich breit, an der Spitze hakenförmig übergebogen; 
der Unterschnabel ist im Ganzen etwas abwärts gebogen, mit 
der Spitze aber aufwärts gekrümmt. Die Wurzelhälfte des 
Oberschnabels ist mit einer Art Wachshaut bedeckt, auf 
welcher einzelne schwarze Borstenfederchen stehen , und 
auf jeder Seite des Oberschnabels zeigen sich von der 
Wurzel bis zum Mundwinkel acht steife, % bis 1 Zoll lange, 
schwarze Borsten. Die Farbe des Schnabels ist braun. Die 
Iris ist dunkelbraun. — Die Grundfarbe der Oberseite ist 
ein lichtes Grau , unterbrochen durch schwarze Punkte, 
Tüpfel, Striche und Binden, und einige grössere, rostgelbe 
Flecke. In der Mitte des Scheitels sind die schwarzen Flecke 
zu einer Binde gehäuft, welche sich am Genick in zwei 
Arme theilt und den Hinterkopf umgiebt. Unmittelbar daran 
stossend geht eine rostfarbige Qiierbinde bogenförmig um 
den Hinterkopf und vereinigt sich mit einein breiten, rost- 
farbenen Kehlbande. Der grössere Theil der Schulterfe- 
dern ist in der Mitte schwarz, so dass zwei breite, schwarze 
Längsstreifen entstehen. Die Federn auf dem Rande des Vor- 
derarms sind seidenartig, langhaarig und einfarbig rostgelb. 
Sänimtliche Deckfedern der Oberseite (Jes Flügels sind gelb- 
ich mit schwarzen Tüpfeln und Flecken und auf der Spitze 



Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel. 281 

der Aussenfahne befindet sich an den grösseren Deckfe- 
dern ein dreieckiger, rostgelber Fleck, welcher bei der 
grössten Daumenfeder auf beiden Seiten den dritten Theil 
der ganzen Länge einnimmt. Die Schwungfedern sind 
braunschwarz, auf der breiten Fahne atlasartig behaart, von 
der fünften an auf der schmalen Fahne rostroth getüpfelt 
und gefleckt, auf der breiten Fahne aber regelmässig rost- 
gelb und schwarz gebänderl. Die vier ersten Schwung- 
federn haben dagegen auf zwei Fünftel ihrer Länge vor der 
Spitze ein zwei Linien breites , etwas bogig nach hinten 
sich ziehendes, rothgelbes Querband. Die erste und dritte 
Schwungfeder sind gleich lang. Die Unterseite des Flü- 
gels ist schwarz und rostgelb gelleckt und gebändert. Die 
oberen Deckfedern des Schwanzes und die vier mittelsten 
Schwanzfedern sind lichlgrau, schwarz getüpfelt und un- 
deutlich schwarz gebändelt. Die übrigen Schwanzfedern 
sind an der Spitze ebenso getüpfelt, haben aber an der 
schmalen Fahne elf schwarze und ebenso viele rostfarbige 
Querbänder; auf der breiten Fahne zählt man ein Paar we- 
niger, so dass nur zwei Bänder über die ganze Breite der 
Fahne gehen. Der Schwanz ist jedoch bei dem vorliegen- 
den Exemplare nicht ganz gleich gefärbt. Die drei üusser- 
sten Schwanzfedern der linken Seite haben nämlich auf der 
Innenlahne nahe an der Spilze einen sechs Linien grossen, 
silberweissen Fleck , während auf der rechten Seite die 
vierte einen solchen Fleck hat und die übrigen schwarz 
und rothgelb getüpfelt sind. Letztere Federn sind auch 
länger und der Schwanz würde daher eine schwache Gabel 
bilden , wenn die andere Seile des Schwanzes nicht abge- 
rnndel wäre, Vermuthlicn hsl dies ein Uebergangszustand. 
Die Gegend um die Ohren , das Kinn und die Brust sind 
graugelblich mit sehr leinen, schwarzen Querbändern; dic- 
scllir Färbung, nur weil gröber, zeigt sich auf dem Bauche. 
Die Schenkel und die unteren Deckfedern des Schwanzes 
sind einfach rostgelb. Die Füsse sind hornbraun und der 
Hagel der Mittelzebe isl gekämmt. 

Dieser Vogel findet sich in der Cordillcre der Pro- 
vinz Santiago und soll an einigen Stellen derselben nicht 
«eilen sein. 



282 Philippi und Landbeck: 

2. Thala ssidr oma Segethi Pli. et L. 

Obwohl im Stillen Meere mehrere Arten Thalassidroma 
leben, welche der Ornithologie Chile's angehören dürften, 
so ist gleichwohl nur eine Art: Th. oceanica Kühl im Gay'- 
schen Werke als Chilenischer Vogel aufgeführt und be- 
schrieben, was sich aus dem Umstände erklären lässt, dass 
diese Vögel nur die hohe See bewohnen, von Schiffen aus 
schwer zu fangen sind und nur zuweilen , wenn sie durch 
Stürme verschlagen sind, in den Häfen oder selbst im Bin- 
nenlande erbeutet werden, weshalb sie auch in den Samm- 
lungen verhältnissmässig selten sind. Um so interessanter 
ist es uns, nicht nur die Fauna Chile's, sondern auch die 
Wissenschaft mit einer neuen Art dieses Geschlechts be- 
reichern zu können. Wir verdanken dieselbe Herrn Dr. 
Carl Segeth, und bezeichnen sie kurz folgendermassen : 

Thalassidroma Segethi, uropygio, basi caudae abdomi- 
nequc alhis, reliquo corpore omnino nigro-fusco. 
Dimensionen . 
Länge von der Spitze des Schnabels bis zum Schwanz- 



ende 


7 Zoll 6Lin 


. Par. 


Länge des Schnabels 


— 


. 6 


» 


Länge des Schwanzes 


2 


> 11 


n 


Länge des Flügels vom Bug bis zur 








Spitze 


5 


„ 9 


» 


Länge des Schienbeins . 


1 


. 8 


» 


Länge des Tarsus .... 


1 


. & 


n 


Länge der Mittelzehe 


— 


* 10 


V 


Länge der Aussenzehe . , 


— 


* 10 


n 


Länge der Innenzehe 


— 


. 9 


n 



Der nackte Theil des Unterschenkels beträgt 7 Linien. 
Die Flügel überragen die Schwanzspitze um einen Zoll. 

Schnabel und Füsse sind glänzend schwarz, die Iris 
braun. Die Zehen sind auffallend breit und flach und die Nägel 
glatt und rund; die Hinterzehe ist durch ein rudimentäres, 
am Tarsus einwärtsstehendes Wägelchen repräsentirt. — Kopf, 
Hals, Rücken , Kehle und Brust, so wie die obern Deckfe- 
dern der Flügel sind dunkelschwarzgrau , doch ziehen die 
letzteren etwas ins Bräunliche. Die Rücken- und Mantel- 



Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel. 283 

federn haben eine weisse Einfassung-, die sich aber wohl 
im Verlaufe des Sommers durch Abreiben verliert , die 
Schwung- und Schwanzfedern sind lief schwarz. Die In- 
nenseite der vier äussersten Schwanzfedern jederseits ist 
an der Wurzel weiss. Dieselbe weisse Farbe haben auch 
die oberen Deckl'edern des Schwanzes, die Magengegend, der 
Bauch, die Weichen und der After. Die untern Deckfedern 
des Schwanzes sind an der Wurzel weiss und übrigens 
schwarz mit weisser Spitze. Die kleinen Deckfedern auf 
der Unterseite der Flügel sind schwarz , so wie der ganze 
Flügelrand , alle übrigen Deckfedern sind weiss. Der 
Schwanz ist wenig abgerundet und in der Mitte etwas aus- 
geschnitten. 

Vorstehende Beschreibung ist nach einem sehr gut 
erhaltenen Vogel im Winterkleide entworfen. Man wird 
leicht aus derselben ersehen, dass keine der Beschreibun- 
gen der übrigen Arten damit übereinstimmt. Einige Aehn- 
lichkeit hat unsere Art wohl mit Th. fregatta , allein sie 
«eicht doch so bedeutend von ihr ab, dass eine Verwechselung 
beider unmöglich ist. Grösser ist vielleicht die Aehnlich- 
keit mit ein paar von Ts c hud i und L ess on beschriebenen 
Arten, allein eine genauere Unteruchung zeigt bald erheb- 
liche Verschiedenheiten. Am nächsten kommt sie wohl der 
von Titian Peale in der United Stales Explor. Exped. 
beschriebenen Th. lineata, welche Peale innerhalb der 
bissen Zone des Stillen Oeeans, namentlich auf der Insel 
Upocu in Felslöchern brütend fand. Diese Art stimmt mit 
der unserigen in der Grösse, der Form der Füsse und all- 
gemeinen Färbung überein, weicht aber darin ab, dass bei 
ihr die Kehlfedern weiss mit schwarzer Spitze, die Brust-, 
Bauch- und Weichenfedern aber weiss in der Mitte und an 
der Spitze schwarz sind, während bei Th. Segelhi Brust- 
und Keblfedern einfach schieferschwarz, Banch- und Weichen- 
redern aber einfarbig weiss sind, ausserdem sind auch die 
olleren Deckfedern des Schwanzes einlach weiss, während 
sie bei Th. lineata schwarze Schallslriche haben. 

i eber die Verbreitung dieses Vogels oder seine nä- 
hen- Beimath kn -n wir keine bestimmte NachweiMing 

t/eiien. aber La n d b eck glaubt, diesen Vogel mit Bestimmt- 



284 Philippi und Landbeck: Beschr. zweier neuenVügel etc. 

heit am 6ten Mai 1852 in der Nähe von Feuerland unter 
55° 47' Südl. Br. und 65° 11' Länge in Gesellschaft von Th. 
oceanica in ziemlicher Anzahl bemerkt zu haben. 

Nach den langen Beinen und der verkümmerten Hinter- 
zehe müsste unser Vogel der neuen Galtung Bonapart e's 
„Oceanites" beigezählt werden, es scheint aber eine gene- 
rische Trennung nach solchen unbedeutenden Abweichungen 
kaum gerechtfertigt. 

Ich benutze diese Gelegenheit, um Ihnen mitzutheilen, 
dass meine Erismatura vittata wohl nichts weiter als E. 
ferruginea ist; es ist entweder das Winterkleid dieser Art, 
oder das Kleid des zweiten Jahres. Ich habe Männchen und 
Weibchen mit dieser sehr abweichenden Färbung, letztere 
mit vollkommen ausgebildeten Eiern erhalten. Keiner der 
hiesigen Jäger kann mir über das Verhältniss der E. vittata 
zur ferruginea Auskunft geben. In diesem Winter haben 
wir in Santiago ziemlich häufig die Dafila bahamensis ge- 
habt, die sonst sehr selten ist und wohl nicht in jedem 
Jahre hier vorkommt. Es ist ein lrrthum bei Gay, wenn 
es daselbst heisst, dieser Vogel hiesse Palo jergon grande ; 
diesen Namen führt die Anas pyrrhogastra Meyen, welche 
hier gemein ist, und wenn die Jäger die Dafila bezeichnen 
wollen, so nennen sie dieselbe „pato jergon de garganta 
blanca" „mit weisser Kehle." Noch gröber und mir voll- 
kommen unbegreiflich ist der lrrthum p. 331 : Turdus fus- 
coater d'Orb. sei der „Zorzal, einer der gemeinsten Vögel 
Chile's von der Provinz Coquimbo bis Valdivia." Der Tur- 
dus fuscoater kommt vielleicht gar nicht in Chile vor, oder 
doch nur in den nördlichen Provinzen Copiapo und Coquimbo ; 
wir besitzen ihn von Taena in Peru. Dagegen ist Turdus 
falklandicus der Zorzal, und dieser ist allerdings ein über- 
aus häuliger Vogel in fast ganz Chile. (Philippi.) 






Notiz über eine neue Antilope. 

Von 

Dr. J. E. Gray. 

(Im Auszuge mitgclheilt nach Annais and Mag. of nat. hisl. 
Vol. IV. third series p. 296). 



Das britische Museum in London empfing kürzlich durch 
Mr. Samuel Stevens eine Anzahl Antilopen-Kopfe und 
Homer von Awan Bahr il Gazal (6° 70' N. Br.) in Central- 
afrika, welche durch Mr. Petherik nach England gebracht 
waren , der in jenen Gegenden Elfenbein und dergl. ge- 
sammelt halle. 

Die unter denselben befindliche neue Art nennt der 
Verf. nach seiner Gemahlin, die ihn in seinen Studien be- 
kanntlich vielfach unterstützt hat, und die sich auch der 
wissenschaftlichen Welt durch Herausgabe der „Figures of 
Molluscous Animals, selected Irom various aulhors; etched 
fur the use of students by Maria Emma Gray" in fünf 
Bänden bekannt gemacht hat, 

Kobus Maria. 

Aul den Wunsch des Verfassers, der uns den schö- 
n.ii llol/.siock lür diesen Zweck anvertraut hat, wiederho- 
len v>ir hier die Abbildung des männlichen Kopfes mit den 
Börnern, und fügen die kurze Beschreibung in der Ucbcr- 
■etznng hinzu. 



286 



(j ra y : Koliz über eine nein- Antilope. 




Der Kopf des iMännchcns ist schwärzlichbraun ; Lippen, 
Kinn, Kehle, Augenrand, Umfang- der Ohren und die Ohren 
weisslich ; Seiten der Nase bräunlich; das Haar auf den 
Wangen, an der Seite des Unterkiefers, der Kehle und am 
oberen Thcile des Nackens, so weit es vorhanden ist, lang 
und storr; die Hörner lang, ziemlich schlank, breit leier- 
förmig, mit starken Querhöckern und gekrümmten Spitzen. 

Der Kopf des Weibchens ist braun; Kinn und Kehle, 
Basis der Ohren und zwei kleine Flecken (einer über der 
Stirn, der andere hinter dem Unlerrande des Auges) weiss- 
lich : das Haar am Kopfe schwarz mit braunen Spitzen, an 
der Unterseite der Wangen, Unterkiefer und Nacken sehr 
lang. Keine Hörner. 



Die Gattung Cornuspira unter den Monothala- 

mien und Bemerkung eu über die Organisation und 

Fortpflanzung der Polythalaiuien. 



Von 

Prof. lax Schnitze. 

in Bonn. 



Die von der Ray society in London herausgegebene 
Abhandlung von Willi am son ,0n Ihe recent Foramini- 
fera of great Britain" 1858, veranlasst mich zu einigen Be- 
merkungen über die von mir aufgestellte Rhizopoden-Gat- 
tung Cornuspira. 

Ich habe den Namen einigen bis dahin unbekannten, 
wie es scheint in vielen Meeren sehr verbreiteten kalkscha- 
ligen Rhizopoden gegeben, deren Gehäuse durchaus einer 
kleinen PI a no r bi s - Schale gleicht, und, wie in meinem 
Buche „über den Organismus der Polylhalaiuicn " Leipzig 
1854 auf p. 40 zu lesen, die neue Gattung folgendermas- 
sen charaklerisirt : „Schale kalkig, wie ein Planorbis -Ge- 
häuse gevi unden, solide oder feinporös, scheibenförmig, auf 
beiden Seiten gleich, eine einfache, ungetheilte Höh- 
lung einschliessend. Eine grosse Ocfl'nung am Ende der 
Windungen." Die Gattung gehört also wegen des Mangels 
jeder Kammerabtheilung den Mono thalamien an, wie 
ich im Gegensatze zu den Poly Ihalam ien diejenigen 
unter den beschälten Rhizopoden (Forarainiferen) 
nenne, bei denen innere Scheidewände oder Andeutungen 
zu solchen fehlen. Ich beschrieb auch zwei Species dieser 
Gattung, Cornuspira planorbis und perforala und bildete die- 
Mlben aufTaf. IV. flg. 21 und 22 ab. Mir waren damals 
Exemplare von der Küste von Mozambiquc, von Triest und 



288 S c h u 1 1 1 e : 

von den Antillen bekannt. Lebende Exemplare hatte ich 
nicht gesehen, aber in Weingeist aufbewahrte liessen 
die thierische Erfüllung der Schale, den Rhizopodenkörper, 
deutlich erkennen. 

Weitere gelegentlich angestellte Nachforschungen ha- 
ben mir Exemplare derselben Gattung noch v<yi manchen 
anderen Orten zugeführt und habe ich später in Triest auch 
zahlreiche lebendige Individuen beobachtet, welche mun- 
ter umherkrochen. Man kann sich dieselben fast aus jeder 
frisch dem Meere entnommenen Spongie verschaffen, bei 
deren Zerzupfen stets massenhaft kleine beschalte und un- 
beschaltc Rhizopoden zum Vorschein kommen. Es ist gar 
nicht nöthig Spongien zu nehmen, die aus dem Grunde 
des Meeres stammen, bei denen die Verunreinigung durch 
Sand und Schlamm auch die Ursache der gleichzeitig ge- 
fundenen Rhizopoden sein könnte, auch die dicht unter der 
Oberfläche des Meeres wachsenden Arten , wie z. B. die 
an dem Holzwerke der Badeanstalten im Hafen von Triest 
häufige Grantia (Sycon ciliatum Risso) liefern beim Zerzu- 
pfen grosse Mengen namentlich jugendlicher Mono- und 
Polythalamien. 

Auch im fossilen Zustande sind Cornuspiren aufge- 
funden worden und von Reuss *j beschrieben. 

Williamson nun fand auch mehrere Arten an den 
englischen Küsten. Er verwirft aber den Namen Cornu- 
spira und setzt dafür Spirillina, dahinter als Autor Ehren- 
berg. Die Stelle, wo Ehrenberg zuerst eine Spirillina 
beschreibt, und welche auch Williamson citirt , findet 
sich in den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaf- 
ten zu Berlin aus dem Jahre 1841. In der Abhandlung : 
„Verbreitung und Einfluss des mikroskopischen Lebens in 
Süd- und Nord-Amerika" ist auf p. 402 die Gattung ^Spi- 
rillina, Kieselspirale," den Polygastrica untergeordnet, fol- 
gendermassen charaklerisirt: „Genus e familia Arcellino- 
rum? Lorica tubulosa spiralis silicea , Planorbem referens. 



*) Zuletzt in d. Sitzungsb. d. Wiener Akad. d. Wiss. 1860. 
Die Foraminifercn der westphälischen Kieidefoimation , besonderer 
Abdruck p. 33. 



Die liultung Coinuspiru unter den Monothalamien. 289 

(= Dilflugia lorica silicea) ; a und weiter unten steht der 
Zustitz „Säure wirkte nicht auf die Schale." Wir haben 
es hierflach und nach der auf Taf. III. fig. 41 von Eh- 
renber» gegebenen Abbildung der einzigen am ange- 
führten Orte von ihm beschriebenen Species „Spirillina vi- 
vipaia,- mit einer unserer Cornuspira in der Gestalt ähn- 
lichen, aber, nach Ehrenberg's wiederholter Versiche- 
rung, kieseligen nicht kalkigen Schale zu thun. Da 
meine Gattung Cornuspira aber für Thiere mit Kalksch ale 
gegründet ist, auch nach Ehrenber g's Nomenclatur nicht 
zu den Polygaslricis , sondern zu den Polythalamien 
(besser iMonothalainien) gehört, so kann dieselbe unmöglich 
für identisch mit Spirillina Ehr hg. gelten. Und da Wil- 
liams on's Spirillinen Fora m i n i fer en also ka lks c h a- 
lig sind, müssen sie Cornuspira und nicht Spirillina heissen. 
Wenn die angeführte von Ehren berg gegebene 
Abbildung seiner Spirillina vieipara der Art ist, dass Wil- 
li amson ein gewisses Recht hatte, dieselbe mit meinen 
Cornuspira -Abbildungen zusammenzustellen und sich der 
Yermuthung hinzugeben, Ehrenberg könnte sich in Be- 
treff des K i e sei erdegehaltes getäuscht haben, in welchem 
Falle auch ich an der Identität beider nicht zweifeln würde; 
so mu ss die Scheidung heider Gattungen doch auf das 
Bestimmteste festgehalten werden, seit Ehrenberg neuer- 
dings mehrere neue Species seiner Gattung Spirillina be- 
schrieben, und dieselbe jetzt den Polycyslinen, also 
wieder Organismen mit Kieselpanzer, untergeordnet 
hat *j. Es sind diese Beschreibungen weil späteren Da- 
tums als mein I'olythalamienhuch , und da Ehrenberg 
bei Gelegenheit derselben meine ihm, wie wir gleich se- 
hen werden, wohlbekannte Gattung Cornuspira nicht er- 
wähnt, so kann darüber kein Zweifel sein, dass er die 
Gattung Spirillina als von Cornuspira durchaus verschieden 
aufrecht erhalt, und dass Williamson daher auf die 
Zustimmung Ehrenberg's nicht rechnen kann, wenn er 



•) MoniilJueiic-lit der Akad. il. \\ iss. 7.11 Berlin 18."i7. p .574, 
BN IBM p 35. Vergl. Buch ebeiid» |>. 3S2. 

ArcLir f. Nitirg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 10 



290 Schnitze : 

beide Gattungsnamen als Synonyme nebeneinander stellt. Es 
giebt im Meere PJanorbis- ähnliche Rliizopodenschalen k al- 
kiger Natur , diese sind als Corntispira mihi von ähnli- 
chen Schalen aus Kieselerde, den Spirillinen Ehrbg. zu 
trennen. 

Ehrenberg hat allerdings gegen meine Gattung 
Cornuspira auch etwas einzuwenden gefunden *). Es sol- 
len überall häufige Jugendzustände grösserer 
Pol y tlialnm i cn sein, welche ich als neue Gattung zu- 
sammengefasst habe. Dieser wird somit jede Berechtigung 
abgesprochen. Und der Leichtsinn , mit dem ich diesen 
Fehler begangen , sei um so grösser, als ich selbst einge- 
standen habe, dass die Agathistegier in frühester Jugend 
von meinen Cornuspiren nicht zu unterscheiden seien. 

In der That ist es schwer zu glauben, dass Eh- 
renberg es mit dieser, wie wir sehen werden , vollstän- 
dig unhaltbaren Behauptung ernstlich gemeint habe. Es 
handelt sich hier, wie erhellt, nicht um Deutungen oder 
Ansichten über organische Struclur, nicht um die Organi- 
sation der Rhizopoden oder dergl. , über welche Dinge 
Ehrenberg's und meine Ansichten bekanntlich sehr weit 
auseinander gehen, und über welche mit Ehrenberg 
zu streiten um so weniger in meiner Absicht liegen kann, 
als derselbe neue Beobachtungen über die Weichtheile der 
Rhizopoden zur Widerlegung meiner Angaben nie beige- 
bracht hat. Hier handelt es sich vielmehr nur um Scha- 
lenbildung, hier bewegt sich E h r e n be rg auf einem Ge- 
biete, in welchem er wirklich fortgesetzt eifrig thätig war 
und den Rufeines bedeutenden Kenners beanspruchen kann. 

l'm so auffallender und unvorsichtiger ercheint die 
Abfertigung, mit welcher die Gattung Cornuspira beseitigt 
werden soll. Dieselbe lautet wörtlich i „die kalkschaligen 
Planorbis -ähnlichen kleinen Gestalten, welche vielartig und 
nicht selten nur in Meeresverhältnissen vorkommen , habe 
ich theils als kleine Wurmschalen von Annulaten-Würmern, 
wie Serpula Spirorbis , erkannt, theils waren es entschie- 



Monateberirhtc u. s. w. 1858. p. 332. 



Die Gattung Cornuspiia unter den Monolhalamien. 291 

dene Jugendzuslände von Polythalainien verscliiedenster 
Geschlechter. Neuerlich hat Hr. Prof. Max Schultze aus 
diesen überall häufigen Jugendzuständen der grösseren 
Polythalainien das neue Genus Cornuspira gebildet, während 
doch der Autor selbst sagt (p. 10) , dass die Agathistegier 
in frühester Jugend von seinen Cornuspiren nicht zu un- 
terscheiden sind , und ein lebendes Thier zu beobachten 
nicht Gelegenheit gehabt hat. Sie hätten also fraglich als 
junge Agathistegier nicht als neue Gattung verzeichnet wer- 
den sollen. Aber — sie vermehrten seine Monothalamier.'' 

Ehrenberg behauptet also, dass die Cornuspiren 
Jugendzustände grösserer Polythalainien verschiedenster Ge- 
schlechter seien. Namen dieser Geschlechter sind nicht 
genannt mit Ausnahme der Agathistegier, auT die ich selbst 
bereits aufmerksam gemacht hatte, also auch wohl Gründe 
gehabt haben muss , trotz der Verwandtschaft den Unter- 
schied aufrecht zu erhalten. Da zusammenhängende Ent- 
wickeluugsrcihen von Polythalainien bisher erst sehr wenig 
bekannt sind, auf die wir bei Prüfung der Behauptung Eh- 
ren her g's zurückgehen könnten, so sind wir in Betreff 
der Frage nach der Form der Jugendzuslände grösserer 
Polythalainien wesentlich darauf angewiesen, diese aus den 
Schalenformcn der Erwachsenen abzuleiten, was mit gros- 
ser Sicherheit geschehen kann. Meine zahlreichen Beob- 
achtungen lebe nde r junger Polythalainien an den Küsten 
des adria tischen Meeres und auf Helgoland, das Sluditim 
ihres allmählichen Wachslhuines , ferner zahlreiche ver- 
gleichende Messungen der Schalen jüngerer und allerer 
Individuen derselben Spccies haben zu dem Resultate ge- 
führt, dass die Gestalt und Grösse namentlich des inne- 
ren Raumes der jüngsten Kammern sich später wesent- 
lich nicht ändert , und dass also jede Polylhalamie in der 
Jugend einmal so aussah, wie spüler ihre älteste erste 
Kammer oder der Coinplcx mehrerer derselben gefunden 
«inl. Es brauchte das eigentllich gar nicht besonders be- 
wiesen zu »etilen, sondern folgt aus dem Wachsthums- 
Wrgangc der Polythalainien von selbst, dass man z. B. bei 
einer gewundenen Holalide nur die Form der innersten 
ältesten Kammern anzusehen braucht , um die Form des 



292 Schnitze: 

Jugemlzustandes zu kennen. Bei dickschaligen Arien hilft 
man sich durch Anschleifen. Es ist ganz dasselbe wie hei 
einer gekammerten Naulilnsscliale oder , wenn man von 
den Kammerscheidewänden absieht, wie bei jeder Schnek- 
kenschale. Wenn die Cornuspiren also Junge grösserer 
Polyllialamien sein sollten, so müssten diese letzteren einen 
Anfang der Schalenhildung zeigen wie eine Cornuspira, 
das Ccntrum der Windung grösserer Polyllialamien, und 
zwar aus verschiedenen Geschlechtern nach 
Ehrenberg, muss einer Cornuspira gleichen. Wie am 
angeführten Orte meines Buches über die Polyllialamien 
angegeben ist, kommen die beiden von mir beschriebenen 
Speeies der in Rede siebenden Gattung bis zu einer Grösse 
von 6 — 7 Windungen vor. Es sind Planorbis- ähnliche 
Gehäuse ohne alle Ka mm er ab th ei 1 u n g im Innern. 
Giebl es nun gekammcrle Rhizopodenschalen, Polyllialamien, 
deren Centruin eine solche Cornuspira ist ? Das halle E h- 
renberg zu beweisen, wenigstens einen einzigen sicher 
constalirlen Fall der Art halle er anzuführen, wenn er mit 
Erfolg gegen die Berechtigung der Gattung Cornuspira 
kämpfen wollte. Ehrenberg hat keinen angeführt und 
konnte keinen anführen, denn es giebt factisch keine 
Polythalamie mit solcher Schale. Das weiss Eh- 
renberg so gut wie ich, und es dürfte desshalb zwei- 
felhaft sein, ob seine Behauptungen nur „unvorsichtige" zu 
nennen seien. 

Was nun aber die bereits von mir mit jungen Cor- 
nuspiren verglichenen jungen r Agathislegier," d.h. Milio- 
fiden betrifft, so ist Eh renberg's Verfahren, dieselben zur 
Beseitigung der Gattung Cornuspira herbeizuziehen, geradezu 
lächerlich. Ich bin es schon gewohnt, duss Ehrenberg 
mein Buch über die Polyllialamien nur cilirl, wenn er es zu 
Angriffen benutzt, meinen Namen aber verschweigt, wenn 
seine Untersuchungen eine Bestätigung der meinigen er- 
gaben. Ich habe früher schon einmal gegen dieses Ver- 
fahren prolestirt, indem ich einige Beispiele von demselben 
veröffentlichte »). Das schein! Nichts geholfen zu haben, und 



") Müller's Archiv u. s. w. 1856. p. 167. 






Die Haltung Coinnspiia unter den Monothalaniien. 293 

will ich den früheren noch eins aus der neuesten Zeil hinzu- 
fügen. In den Monatsberichten der Akademie zu Berlin vom 
Jahre 1857 p. G90 schreibt Ehrenberg, dass durch die von 
Herrn 15 eis sei in Aachen entdeckte Methode, künstliche 
Kieselsteinkerne zu bilden, Structurverhällnisse der Schale 
erkannt seien, „die bisher ungeahnet waren, wie bei 
Sideroliita cakilrapoides die Stacheln sich als Hüllen für 
starke Gefässsysteine ergeben." So ganz ungeahnet 
waren diese Struclurverhältnisse bisher nicht, vielmehr von 
mir ganz klar und deutlich bei derselben Species beschrie- 
ben. In meinem Buche über die Polythalamien heisst es 
p. 13 in dem Capitel, welches über die Slructur der Scha- 
len handelt und die von innen nach aussen führenden Ca- 
näle (Gefässsystem Ehrcnb erg) ausführlich berücksichtigt: 
.Endlich erhallen manche Schalen ein stacheliges oder stern- 
förmiges Ansehn dadurch , dass einzelne ('anale sich in 
Form von langen feinen Kühren über die Oberfläche der 
Schale erheben, oder dass ganze Bündel derselben zu 
dickeren Fortsätzen der Schale auslaufen. So bei Rosalina 
bnperatoria, bei den Calcarinen und besonders auT- 
I .i I 1 1- n r 1 bei Siderolina cakilrapoides dem schon von W a I c. h 
und Knurr abgebildeten zierlichen Stern von Mastrichl." 
Pas beiläufig. 

Meine Angaben über die Entwicklung der Milioliden 
(Agathislegier d'Orb.) sind so ausführlich und bestimmt, 
dass jeder Möglichkeit einer, Vqrweqhselpng ,der Jungen mit 
Corntispiren , so bald sie nur ein gewisses Alter erreicht 
halicu, vorgebeugt ist. In der ersten Jugend sehen sie sich 
sehr ähnlich , aber sobald mehr als eine einzige vollstän- 
dig' Windung ausgebildet ist, treten charakteristische V ejf- 
schicdenhcilen hervor. Bei den Milioliden zeigt sich in 
diesem Aller slets die eiste oder schon die /.«eile Kam- 
ill era b th ei I u ng, und die Zahl dieser Abteilungen nimmt 
nun mit jeder halben Windung um eins zu, so dass Mi- 
liolidcn mit G — 7 Windungen schon aus 12 und mehr Kam- 
mern bestehen. Cornuspiren mit so viel Windungen haben 
Afgegen — und das ist das Charakteristische — nicht die 
geringste Andeutung von Kammerscheidewänden, und be- 
kommen sie auch nicht bei noch mehr Windungen, wie 



2W4 S c !> 11 1 I z e : 

aus der von Reuss beschriebenen Cornuspira crelacea der 
westphälischen Kreide erhellt, an welcher 10 — 15 Windun- 
gen gezählt wurden. 

Man sieht daraus nach was für Grundsätzen Ehren- 
berg Gattungen einzieht, etwa wie wenn der Conchylio- 
loge die Gehäuse von Planorbis und Spirula wegen der 
Aehnlichkeit in der Windung in ein Geschlecht zusammen- 
fassen wollte, oder wie wenn sich Jemand daran machte 
alle die Entomostraca, deren Junge nicht von einander zu 
unterscheiden sind , in eine Gattung zu vereinigen. Ich 
denke, es leuchtet darnach ein, dass die Zurechtweisung 
Ehrenberg's, ich hätte die Cornuspiren fraglieh als 
junge Agathistegier nicht als neue Gattung 
verzeichnen sollen , jeden Grundes entbehrt, und dass der 
Zusatz: „Aber — sie vermehrten seine Monothalamier!", 
welcher beim Leser den Verdacht hervorrufen soll , ich 
hätte einer vorgefasslen Meinung zu Liebe der Natur Ge- 
walt anthun wollen, auf die Wahrheitsliebe seines Urhebers 
kein sehr günstiges Licht wirft. 

Die gereizte Stimmung, in der sich Ehrenberg of- 
fenbar der ganzen von mir aufgestellten Abiheilung der 
Monolhalamier gegenüber befindet, drückt sich weiter sehr 
deutlich in einer dem Citate meines Buches auf p. 332 der 
Monatsberiche u. s. w. v. J. 1858 angehängten Anmerkung 
aus. Sie lautet von Anfang an: „Ich kann nur wiederho- 
lentlich bedauern*), dass in diesem Werke die Difflugien 
und Arcellen der Polygastern mit den Polythalamien ver- 
wechselt worden und jede physiologische Basis für eine 
Systematik der verwandten Formen dadurch anstatt in Forl- 
bau, in Widerspruch (sie!) versetzt wird. Der Name Mi- 
lioliden hat auch wieder eine neue unberechtigte Anwen- 



*) Ein erstes Klagelied über dasselbe Thema steh! in der Schrift: 
„Ueber den Grünsand und seine Erläuterung des organischen Lebens," 
j>- 123. Wen es interessirt, den Eindruck kennen zu lernen, den mein 
Buch über die Polythalamien auf Ehrenberg gemacht hat, dem em- 
pfehle ich die Seiten 121—127 dieser Schrift als nebenbei recht amü- 
sante Leetüre. 



Die Ballung Cornuspira unler dun Monothalainien. 205 

düng daselbst erfahren, da er bei d'Orbigny nur eine 
Abiheilung der betreuenden Agathistegier bezeichuet und 
was die Monolhalamier 11. Schul tze's anlangt, so lässt 
seine Darstellung es völlig ohne Beweis , dass sie nicht 
nach Abzug der Polygastern, sammllich nur Junge der 
übrigen Polythalamien sind, zumal von keiner dieser For- 
men die Fortpflanzung ausser Zweifel gestellt ist, und dass 
einige von den Jungen anderer nicht zu unterscheiden sind, 
ausdrücklich angegeben wird.- 1 

Wenn nun auch Ehrenberg voraussichtlich nicht 
erleben wird, seine Ansicht von der Notwendigkeit einer 
Trennung der Arcellen und Difflugien als Polygastern von 
Gromia, Lagynis, Eitglypha und anderen von mir in der Fa- 
milie der Lagyniden zusammengefassten Rhizopodeu zur 
Geltung zu bringen, auch die Cornuspiriden wird un- 
angetastet stehen lassen müssen , so kann ich ihm doch 
vielleicht durch die Anführung folgender interessanten That- 
sache bezüglich einer Familie der Monothalainien das Ge- 
fühl einer gewissen Genugthuung bereuen. Die Orbuli- 
niden, die einzige Gattung (Jrbulina umfassend, werden 
wahrscheinlich eingezogen werden müssen, aber freilich 
nicht weil die Orbulinen , wie Ehrenberg prophezeit, 
als Junge von Polylhalamien erkannt sind. Neuere Beob- 
achtungen deuten darauf, dass Orbulina eine abgelöste 
und sclbslständig fortlebende Kammer einer 
Globigerinasvi. Die ersten hierauf bezüglichen Beobachtungen 
hat Pourtnlcs gemacht und in Siliman's American Journal 
Vol. XXVI. 1858. p. 96 (abgedruckt in den Ann. and Mag. of 
nal. history 1858. Vol. II. p. 235) publieirt. Nachdem der 
genannte Forscher auf die auch von anderen bereits bemerkte 
grosse Aehnlichkeit in der Slructur der Schalen von Orbu- 
lina und Globigerina aufmerksam gemacht hat, belichtet er, 
data er in TiefgTUndproben des Meeres, welche bekannlich 
Polylhalainien aus den beiden genannten Gattungen besonders 
zahlreich enthalten (wie solche auch die häuligslen pela- 
gisch gefischten, also an der Oberlliichc des Meeres schwim- 
mend lebenden Arten sind) , häufig Orbulinen fand, 
w eiche | e eine Globigerina im Innern enthielten. 
Und eine Bestätigung dieses Vorkommens theille mir Dr. 



296 S c h nltxe : 

Aug. Krohn mit, welcher ohne von den Pourtales'schen 
Beobachtungen zu wissen , ganz dasselbe in Madeira sah, 
und zwar an lebenden Orbulinen, welche mit dem feinen 
Netze an der Oberfläche des Meeres gefischt 
waren. 

Da nun die eine grössere Oeffnung der Orbulina- 
Schale, welche Ehrenberg mit d*Orbigny als etwas 
Constantes ansieht, auch nach Ehrenberg schwerlich so 
gross wird , dass eine Globigerine mit einer ganzen Zahl 
von Kammern und langen Stachcirortsätzen der Schale, 
welche nach Pourtalcs bis an die innere Fläche der 
Orbulinaschale reichen, hineinspaziren kann, auch die Ein- 
wanderung im Jugendzustande und Enlwickelung in der 
Orbuline nach Art der Gallwespen für die Polythalamien 
unerhört und bei der zweifellos , wie die Schalenslruntur 
erweist, grossen Verwandtschalt beider Gattungen höchst 
unwahrscheinlich ist; so wird die Globigerine , wie auch 
Pourtales und Krohn glauben, in der Orbulina ent- 
standen sein! Pourtales lässt eine weitere entwickelungs- 
geschichtliche Verbindung beider unerörlert. Mir scheint 
die Annahme am wahrscheinlichsten , dass die letzte Kam- 
mer der Globigerine, wenn sie ein gewisses Aller, eine 
gewisse Grösse erreicht hat, sich ablöse, wie die Proglot- 
tide von der Taenie, und nach längerer oder kürzerer Zeit 
freien Lebens die Fortpflanzung besorge. So entsteht in 
ihrem Innern die Globigerine. 

Dass Polythalamien lebendige Junge gebären die der 
Mutter gleichen, habe ich nach Gervais's ersten Mitthei- 
lungen an einer Miliolide erwiesen *). Neuerdings habe 
ich die gleiche Art der Fortpflanzung an mehreren Exem- 
plaren einer Rotalide beobachtet, wie ich unten des Nähe- 
ren millheilen will. Gewöhnlich , so scheint es, gehl die 
Fortpflanzung der Polythalamien, das Gebären lebendiger 
Jungen, vor sich, ohne dass die einzelnen Kammern selbst- 
ständig werden. Bei den Globigerinen aber, deren Kam- 
mern von kugliger Gestalt sich nur mit einer kleinen Stelle 
der Kugeloberfläche berühren können, an welcher Stelle auch 

•) Müller'« Archiv f. Anal. u. Phys. 1856. p. 165. 



Die (jatlung Cornnspi ra unter den Honothalamien. 207 

durch meclianisclie Verhältnisse sicher sehr leicht ein Ab- 
lösen stattfinden kann, scheint der Fortpflanzung die Isoli- 
rung einer oder mehrerer Kammern vorauszugehen. Bei 
der vollständig gleichen Structur der Orb ul in a- 
und der G 1 o b igeri na -Schalen halte ich diese Erklärung 
des eigcnthümlichen Fundes von Pourtales und Krohn 
für die einfachste und natürlichste. 

Bei der Annahme einer Abstammung der Orbulinen 
von den Globigerinen kommt nun auch Ehren borg in 
Betreff der grösseren Oeflnung der Orbulinenschale zu sei- 
nem Rechte. Da die Kammern der Globigerinen wie bei 
den Rotalidcn durch je eine grössere Oeflnung communi- 
ciren, wird die abgelöste Kammer auch eine solche zeigen 
müssen. Wenn ich aber an vielen Orbulinen eine grössere 
OefTnung vermisste , worüber sich Ehrenberg so sehr 
entsetzt, zumal d'Orbigny dieselbe bereits erkannt und 
abgebildet habe, was für mich, beiläufig gesagt, nicht die 
geringste Bedeutung hat , so will ich nur andeuten , dass 
möglicherweise nach längerem freien Umherschwimmen 
der Orbulina die OefTnung sich verkleinern oder obliteriren 
kann, und zweitens dass vielleicht gerade mit der Ablösung 
der letzten Kammer der Globigerine eine beginnende Oblitera- 
tion der Communicationsöffnung in Verbindung steht. Jeden- 
falls kommt, wie ich gegen Ehrenberg bemerken muss, 
desshalb nicht viel auf diese, übrigens auch von Ande- 
ren*) v er m i sst e Oeflnung an, weil, die ganze Oberfläche 
der Orbulina mit zahllosen grösseren und kleineren Poren 
durchsetzt ist, aus denen die Protoplasmafäden hervortreten, 
und weil dieselben, wie Polyslomelhi slrigilata lehrt, auch 
ohne Aufnahme grosser Bissen ins Innere des Rhizopoden- 
körpers IS'ahrungsstofTe sammeln können. Wem freilich, 
wie bei Elirenberg der Fall zu sein scheint, das Ver- 
stündniss für die Natur eines einfacheren Organismus als 
seine „vollkommenen Organismen- 4 sind , abgeht, wer trotz 
Opalinen, Taenien u. s. w. vor dem Gedanken eines „mund- 
kwen Thierei" sich entsetzt wie etwa vor einem Menschen, 



*) Willianifion sagt auf p. 2 »einer angeführten Siliiili. daai 
die Oeflnung oft nii hl lichtbar iei. 



2'J8 S u h u 1 1 z c : 

der seinen Kopf unter dem Arme trüge, für den sind solche 
Bemerkungen nicht geschrieben. 

Ich habe kürzlich einige Beobachtungen über die Na- 
tur des Rhizopodenkörpers einem Aufsätze einverleibt, wel- 
cher über Zellen und Protoplasma im Thieikörper handelt 
und in dem Archiv für Anatomie u. Physiologie herausge- 
geben von Reichert und du Bois-Reymond unter 
der Aufschrift „über Muskelkörperchen und das was man 
eine Zelle zu nennen habe" in Kurzem erscheinen wird. 
Ich glaube in demselben die schwierige Frage nach der 
Natur der sogenannten „Sarkode des Rhizopoden- 
körpers" bedeutend vereinfacht zu haben, indem ich nach- 
wiess, dass diese Substanz als identisch zu betrachten sei mit 
dein Protoplasma der Zellen, mit dein sie denn auch den 
Namen theilen müssle. Es dürfte hier der Ort sein, einige 
Andeutungen über die Verwandtschaft der genannten Sub- 
stanzen zu geben. 

Protoplasma ist Zellsubstanz oder wie die Botaniker 
sagen Zelleninhaltssubslanz , aber nicht immer die ganze 
Zelleninhaltssubslanz. Es ist eine d ickbreii ge Masse, 
aus einer homogenen, glasartigen Grundsubstanz und 
aus eingebetteten Körnchen bestehend, seiner chemischen 
ßeschafl'enheit nach eiweissartig. In vielen namentlich grös- 
seren Pdanzenzellen sondert sich das Protoplasma der 
Zelle von einem wässerigen anderen Theile des Zellen- 
inhaltes scharf ab. Der wässerige Theil tritt zuerst in so- 
genannten Yacuolen des Protoplasma auf, bis er bei weite- 
rem Wachsthume der Zelle, bei weichein das Protoplasma 
sich nicht entsprechend mehrt, den grösslen Theil des in- 
neren Raumes ausfüllt. Dann bildet das Protoplasma nur 
noch eine dünne Schicht an der inneren Oberlläche der 
Cellulosewand , umhüllt den Kern und zieht meist in ein- 
zelneu Strängen durch die Zellenhohle. Das Protoplasma 
ist die wichtigste Substanz der Zelle, in ihm concentriren 
sich die Functionen derselben, in ihm ganz besonders äus- 
sern sich alle die chemischen und morphologischen Ver- 
änderungen, welche die verschiedenen Phasen des Zellen- 
lebens bezeichnen. Das Protoplasma ist zugleich, sofern es 
an seiner und aus seiner Oberfläche mancherlei membra- 



Die Gattung Coinuspira unter den Monotbalaniien. 299 

nöse und andere Stoffe bereuen kann, ganz ausschliesslich 
wie es seheint die gewebebildende Substanz. Das Pro- 
toplasma ist auch contractu. Nur durch solche An- 
nahme lassen sich die Bewegungen desselben im Innern 
der Zellen, z.B. der bekannten Tradescantia-Zellen, ja ich 
glaube selbst der Charen erklären. Die Natur der Bewe- 
gung , die Körnchenströtne , das Anasloniosiren der Fäden 
bei Anwesenheit eines Proloplasmafadennetzes in der Zelle, 
Alles spricht datür, dass der Grund der Bewegung in dem 
Protoplasma selbst, nicht aussen liege. Nur durch An- 
nahme einer Conlraclililät des Protoplasma sind die Gc- 
slaltveränderungen einzelner Zellen , die amocbenarligen 
Bewegungen der Gregaritien , der Lymphkörperchen im 
Blute, einzelner Bindegew ebszellen , der Herzzellen von 
Embryonen u. a. zu verstehen. 

Bei dieser Conlraclililät des Protoplasma sind Gestalt- 
veränderungen der ganzen Zellen durch Anwesenheit einer 
starren Zellenmembran natürlich gehindert oder ganz unmög- 
lich gemacht. Je weniger vollkommen aber die Oberfläche 
des Protoplasma zu einer Mein bran erhärtet ist, je nä- 
her die Zelle dem ursprünglichen mcmbranlosen Zustande 
sich befindet*), auf welchem sie nur ein nacktes 
Protoplasmaklümpehen mit Kern darstellt, um 
so freier und ungehinderter können sich die Bewegungen äus- 
sern. Ist eine solche Zelle nun gar ein Organismus für sieb, 
so Irilt uns die proteische Gcslultvcrändcruug, der in der 
Conlraclililät des Protoplasmaklümpehen bedingte Wechsel 
der äusseren Form am auffallendsten entgegen. So kommen 
wir zu den Amoeben, deren Eiuzelligkeit mindestens 
sehr wahrscheinlich ist, da sich Uebergänge zu den Gre- 
ga rinen verfolgen lassen. Man hat die contraclile Blase 
als ein llinderniss für dieseAnschaiiungswei.se, für die Deu- 
tung der Amoeben als einzelliger Wesen anführen wollen. 
Ich kann ein principielles llinderniss darin nicht linden. 
Denn ist das Protoplasma contractu, wie kaum noch bc- 

") Siehe über diese Ausdrucks - und Anschauungsweise den er- 
wähnten Aufsatz von mir in drin Archiv für Anatomie und Physiolo- 
gie „über MuikelkSrperchen u. s. ir." 



300 S c h u I 1 z e : 

zweifelt werden kann, so ist die Möglichkeit der Ausbildung; 
einer besonders conlraclilen Stelle , eines rylhniisch sieh 
contrahirenden Hohlraumes gegeben *). 

Als solches nacktes, freies, contracliles Protoplasma 
deute ich nun auch die contra etile Substanz aller 
grösseren Rhizopoden. üb sie aus einer Zelle oder 
aus mehreren Zellen entstanden ist, bleibt zunächst 
gleichgültig. Sie ist Protoplasma, und damit ist ihr 
Wesen und ihr Ursprung bezeichnet. Es ist gar nicht un- 
wahrscheinlich, dass sie in einzelnen Fällen durch zusam- 
meniliessen mehrerer nackter Proloplasmaklunipch.cn mit 
Kern, d. h. also aus mehreren Zellen entstanden sei. Aber 
dieses Zusammeniliessen ist jedenfalls ein so vollständiges, 
dass nur noch die Zahl der in diesem Falle wahrschein- 
lich persistirenden Kerne die der früher dagewesenen be- 
sonderen Zellen andeuten könnte, im Protoplasma 
selbst ist eine Scheidung in Zellen nicht anzunehmen. 
Denn wie das Zusammeniliessen der Fortsätze ausserhalb 
der Schale ein vollständiges ist, wie die Beobachtung jeder 
Gromie lehrt und seit meinen ersten auslülirlichcn Angaben 
mehrfach bestätigt worden ist, wie dieses Zusanimenlliessen 
ganz dem der Protoplasmafäden in den Pllanzenzellen gleicht : 



*) Auch liisst sich mit dieser Anschauung sehr wohl die Thal- 
sache verbinden, dass es Amoeben giebt, welche nur an einer be- 
stimmten Körperstelle Nahrung aufnehmen. Die Hindenschicht des 
Protoplasma braucht sich nur in Hinneigung zur Membianbildung ein 
wenig zu verdichten , so wird die Aufnahme von äusserlich angren- 
zenden fremden Körpern ins Innere schon weniger leicht vor sich ge- 
hen. Bleibt aber, wie es in solchem halle geschehen wird, eine 
Stelle der Kinde des Protoplasma in der ursprünglichen Weichheit, 
so wird diese nun „Mund." Ja es kann zur festen Menibianbildiing 
kommen, und die Zelle behält ihren „Mund," es bleibt eine Uelfnung 
in der Zellcnnicmbraii, durch welche Protoplasma mit der Aussen- 
welt communicirl. Als solche Zellen mit iMembian und Oellnung in 
der letzteren können die Difflugien, Euglypheu und alle Monothala- 
mien gedeutet weiden. Solche Zellen kommen auch in höheren Or- 
ganismen vor, £. Brücke und nach ihm Bretlauer und Stei- 
nach haben die llarmepilhtlzcllen so aufgefasst, und, wie. ich ineine, 
ganz richtig. 



Die u'attung Cornuspira unter den Monothalainien. 301 

so würden natürlich, -wenn mehrere ursprünglich getrennte 
Protoplasmnklümpchen zur Bildung der contractilcn Masse 
eines Rizopoilenkörpers beilragen sollen , diese zu einer 
homogenen Masse vollständig verschmelzen müssen. 
Denn lliesst überhaupt einmal Protoplasma zusammen, wird 
die Selbstständigkeit, die ein Klümpchen oder ein Faden 
dieser Substanz während des Lebens besitzt und mit einer 
gewissen Hartnäckigkeit nach aussen zu bewahren sucht, 
überwunden, so kann nachträglich von einer Selbst- 
ständigkeit der einzelnen zusammengeflossenen Proto- 
plasmam:issen nicht mehr die Rede sein. 

l'in ein sicher constalirtes Beispiel von solchem Zu- 
saimnenlliessen hüllenloser Zellen zu geben, führe ich das 
Aethalium septiewu unter den Myxomyceten an. Nach 
de Bar y*s *) Angaben, die ich bestätigen kann, bestehen 
die in der Lohe sich befindenden Gebilde dieses Namens aus 
einer Substanz wie die Amoeben , es sind , w ie man sieh 
vollkommen klar ausdrücken kann, nackte Protoplas- 
mak lumpen, natürlich mit den zugehörigen Kernen. Sie 
sind bald gross, bald klein, theilen sich und fliessen zu- 
sammen, wie das Terrain, auf dem sie sich gerade bewe- 
gen und innere Zustände der Substanz , die der Beobach- 
tung entzogen sind, mit sich bringen. Die amoebenarligen 
Bewegungen sind an jedem freien Rande unter dem Mikro- 
skope wahrzunehmen, und liillt man es günstig, dass man 
recht lebenskräftige Substanz in einem Schälchen mit Was- 
ser isoliren kann, so bietet diese das merkwürdigste 
Schauspiel von der Well. Das Klümpchen Protoplasma, 
wir wollen es von der Grosse einer Erbse nehmen, breitet 
.sich bald membranarlig auf dem Glase aus, treibt Fort- 
sätze, die sich netzförmig verbinden , und überzieht nach 
Wenigen Viertelstunden eine Fläche von einigen (Juadrat- 
zollen mit einem .Netzwerk, das hier grobmaschiger dort 
Rlfgraiiarlig lein , in steter, wenn auch langsamer Ycrän- 
derung begriffen , den Beobachter mit Staunen erfüllt. Su 
kriecht das Protoplasmaklümpchen von der Stelle, die man 



ZaiUebr. f. wixeuch. Zoologie. HJ. X. p, 88. 



302 Schultze: 

ihm angewiesen, selbstständig fort. Dann verschmelzen ein- 
zelne Theile des Netzwerkes wieder zu dickeren Ballen, 
lösen sich ganz ab, um für sich von Neuem das Spiel zu 
beginnen. Oder theilt man künstlich, so stört auch das bei 
vorsichtiger Handhabung der Instrumente und wenn die 
Substanz recht lebenskräftig ist, die Bewegungen nicht. 

Wie schon de Bary angiebt, so (Hessen oft gelrennte 
Aethalien zusammen. Das kann man in kleinen Schälchen 
beobachten. Zu einer gewissen Zeit des Lebens kommt 
dies Zusammenfliessen in besonders grossartigem Maass- 
stabe vor, wenn es sich nämlich um die Sporenbildung 
handelt, zu welcher meist recht grosse Massen von Pro- 
toplasma verwandt werden. 

Von solchen Massen Protoplasmas, wenn sie auch, wie 
sich bei Aethalium direkt erweisen lässt, nicht durch Ver- 
grösserung einer einzigen Zelle, sondern durch Zusammen- 
fliessen vieler entstanden sind , behaupte ich nun , dass 
man nicht sagen dürfe, sie beständen aus Zellen. Sie 
sind aus Zellen entstanden aber jetzt bestehen sie nur 
aus Protoplasma. Potentia enthält die Masse Zellen, in- 
sofern die Kerne , die in ihr persisliren , zu irgend einer 
Zeit einmal zu einer ALtheilung des Protoplasma in wirk- 
lich getrennte Zellen Veranlassung geben können (wie bei 
Aethalium bei langsamem Eintrocknen); aber re vera sind 
keine Zellen in dem Protoplasma zu unterscheiden, denn 
die Körnchen desselben können von Kern a zu Kern b und 
weiter zu Kern x, y und z wandern , ohne an einen be- 
stimmten Kern gebunden zu sein, wie es doch der Fall sein 
müsste, wenn man von Zellen als constituirenden Gebilden 
der in Rede stehenden Masse sprechen wollte. 

So nun, meine ich, verhält es sich auch mit der Pro- 
toplasmasubstanz der Rhizopoden. Man hat sie bisher 
Sarcode genannt, und in der That hat sie nach dem 
Obigen Vieles von dem, was sich Dujardin unter dieser 
Substanz dachte. Wenn ich jedoch vorschlage, sie von 
jetzt ab Protoplasma zu nennen, so glaube ich auf die 
Zustimmung der Fachgenossen rechnen zu dürfen. Das 
Wort Sarcode hatte sich von vorneherein so sehr in Op- 
position mit der Zcllenthcorie gesclzl, dass wir es, wenn 



Die Gattung Coiniispira unter den Monothalnmien. 303 

wir es auch als ein bezeichnendes und für die Rhizopo- 
dcnsulistanz nicht schlecht gewähltes anerkennen mussten, 
doch gern mit einem anderen vertauschen werden, in wel- 
chem der Triumph der Zell en th eo ri e auch über 
diese niedersten organischen Gebilde ausge- 
drückt liegt. Auf den Namen kommt es zwar eigentlich 
nicht an, wenn man denselben aber so wählen kann , dass 
derselbe einen dem zu bezeichnenden Gegenstande ent- 
sprechenden tiefen inneren Sinn birgt, wie ich das von dem 
Worte -Protoplasma" behaupte, in welchem das Ge- 
heimniss eines ganzen Organismus angedeutet ruht, so wird 
man diesen einem weniger sinnvollen vorzuziehen haben. 

Freilich wird mit diesem Tausche Ehrenberg we- 
nig gedient sein, welcher sich vor einem aus einem beleb- 
ten Protoplasmaklümpchen bestehenden Organismus 
ebenso entsetzen wird, wie er es vor einem nach der bis- 
herigen Nomenclatur aus Sarcorie bestehenden gelhan. 

Wenn nun nach dem Voranstehenden die contractile 
Rindensubstanz der grossen Rhizopoden so gut wie der 
kleinen aus einem in Zellen nicht zerlegbaren, wenn 
auch in Betreff seiner Elitwickelung auf eine oder mehrere 
Zellen zurückzuführenden Protoplasma besteht, so ist damit 
noch nicht gesagt, dass nun nothwendig der ganze in der 
Schale eingeschlossene innere Theil des Rhizopodenkörpers 
auch aus derselben Substanz bestehen müsse. Ich habe 
schon in meinem liuche über den Organismus der Polylha- 
lamien darauf aufmerksam gemacht, dass man bei allen 
grösseren Rhizopoden einen inneren meist gefärbten, mehr 
i n h i- n il e u Theil von dem äusseren farblosen, ausschliess- 
lich Fortsätze treibenden, beweglichen zu unterschei- 
den habe. Beide Theile geben allmählig in einander über 
und sind bestimmte Anhaltspunkte über wesentliche Ver- 
schiedenheiten der innern Organisation aus meinen Beobach- 
tungen nicht gewonnen worden. Farbstoffbläschen, grössere 
Körner und Kernchen, welche die Masse undurchsichtig 
Bachen, zeichnen die innere Substanz von der äusseren aus, 
aher eine Zusammenselzuiig aus Zellen oder gar die Dill'c- 

rensirung bestimmter Organsysteme habe ich auch an die- 
m in Theile des Rhizopodenkörpers nicht wahrnehmen hön- 



304 Schnitze: 

nen. Ehrenberg nimmt eine solche Diffcrenzirung an, 
spricht z. B. von einem den Rhizopodenkürper durchzie- 
henden Darmkanal, der natürlich doch eine besondere 
von der umgebenden Substanz verschiedene Wand haben 
müsste. Beweise für die Existenz einer solchen sind nie 
beigebracht , und muss ich nach häufig und bis in die 
neueste Zeit wiederholten Beobachtungen lebender na- 
mentlich durchsichtiger Polylhalamien die Existenz 
eines solchen auf das Bestimmteste bestreiten. 

Auchj davon, dass jüngeren , durchsichtigen Formen 
von Cornuspira , Miliola und Rotalia, wie ich schon früher 
behauptet habe, eine conlr a etile Blase fehle, habe 
ich mich wiederholt und wie ich glaube auf das Bestimm- 
teste überzeugt. 

Dennoch besteht, wie ich anführte, eine auch bei den 
Süsswasserrhizopoden , selbst den Amoeben , angedeulele 
Verschiedenheit zwischen Rinden- und Marksubslanz. Die- 
selbe könnte, wenn die Organismen aus einer Zelle ent- 
standen sind, auf die bei vielen jungen, membranlosen Zel- 
len zu beobachtende Verschiedenheit der Rindenschicht des 
Protoplasma und der innern Partiecn zurückgeführt werden. 
Ich meine die Verschiedenheit , welche z. B. bei den von 
Remak auf Taf. XI. fig. 17 seines Werkes über die Ent- 
wicklung der Wirbelthiere abgebildeten Embryonalzelle n 
besieht, dahin gehend, dass die hyaline Grundsubstanz des 
Protoplasma sich hier wenigstens stellenweise über den die 
Körnchen einschliessenden Theil erhebt. In der That beob- 
achtet man dergleichen bei vielen namentlich sich bewe- 
genden jungen Zellen (ich erinnere an die von Lieber- 
kühn beschriebenen beweglichen Zellen des Blutes). Re- 
mak hat in dem angeführten Falle das Hervortreten der 
hyalinen Substanz als Abheben einer Membran gedeutet, 
in welchem Punkte ich mit dem geehrten Forscher nicht 
übereinstimmen kann. 

Sind aber mehrere oder viele Zellen zur Bildung 
eines Rhizopocjenkörpers zusammengetreten, wie wir solchen 
Fall als gar nicht unwahrscheinlich bezeichneten (wie also 
der Fall sein würde, wenn der Rhizopodenkörper aus einer, 
einem sich furchenden Eie ähnlichen, sich (heilenden Eizelle 






Die Gattung Cornuspira unter den Monolhalaniicn. 305 

hervorginge) , so hätten wir nach unserer neuen Proto- 
plasma-Theorie in Betreff des weiteren Verhaltens der Zel- 
len folgende Möglichkeit zu constatiren. Ich erinnere wie- 
der daran, dass die von mir gegebene Definition der Zelle 
lautet : „ein nacktes Protoplasinaklümpchen mit Kern," und 
dass ich die Membran als etwas zum Begriff der Zelle 
durchaus nicht Nothwendiges betrachte. Es ist also ein 
Haufen kleiner Zellen gegeben, aus denen ein Rhizopoden- 
körper sich bilden soll. So brauchen nur die periphe- 
rischen Zellen untereinander zu verschmelzen, um das 
später in Zellen nicht mehr zerlegbare, den inneren Kör- 
per wie eine Schicht flüssigen Wachses umgebende Proto- 
plasma, die sogenannte Sarkode, zu bilden. Nach dem 
Centrum zu aber kann sich die Selbstständigkeit der Zellen 
in allmähligem Uebcrgange erhallen, sie können 
eine Membran bekommen , Gewebe verschiedener Art bil- 
den, wie sie aus den Furchungszellen des Eies eines höheren 
Thieres hervorgehen, ja die Theorie erlaubt die An- 
nahme, dass Herz, Blutgefässe, Darm, Nieren, Gehirn, 
Nerven, kurz Alles, was nur gewünscht wird, innen in voller 
Entwickelung funetionirt, während aussen die einfachste 
Form lebensfähiger Substanz persistirt — also der ganze 
so complicirte Organismus sich wie ein Aetha- 
lium auf einem Haufen stinkender Lohe herum- 
w ä 1 z t. Dass eine in ihren Consequenzen so entsetzliche Ver- 
bindung höchster und niederster Organisation in der Nalur 
nicht Platz greife, dafür sind die Schranken der Typ e n auf- 
gerichtet. Wir sind weit davon entfernt den Typus der Pro- 
tozoen bereits so weit verstanden zu haben, dass wir sagen 
könnten : bis Melier und nicht weiter gehl innerhalb des- 
selben die Diflerenzirung der Organsysleme. Dass dieselbe 
aber eine gewisse und sehr bestimmte niedere 
Grunze habe, lässt sich nach der Analogie der übrigen 
Typen crscliliesscn. 

So also können sich innerhalb des Protozoentypus 
aus den einfachsten, nur aus dem Protoplasma einer 
einzigen Zelle bestehenden Thiorförmen , leicht andere 
höhere Formen entwickeln, bei denen eine gewisse oder 
ziemlich vollkommene Selbstständigkeit einzelner conslitui- 

ArcMv für Saturg. XXVI. Jahrjr. 1. Bd. ÜO 



306 Schult?, c: 

render Zellen vorhanden ist und auch Andeutungen be- 
stimmter Organsysteme auftreten. Aber bei allen Pro- 
tozoen, und das möchte ich für charakteristisch halten, 
waltet wenigstens in gewissen Bezirken des Körpers und 
behufs Erfüllung gewisser Functionen die Neigung der 
Zellen vor, zu einer gros seren' Pro top lasmama ss e 
zusammenzuschmelzen, in .welcher dann nur die 
Zahl der persistirenden Kerne etwa noch den Ursprung der 
Masse aus Zellen andeutet. Bei einigen Formen ist es die 
Rinde des Körpers, wo solche Masse vorkommt, — es sind 
Rhizopoden, unter denen nach Joh. Müller's und 
namentlich E. Haeckel's neuen, durch mündliche Mitthei- 
lung mir grossentheils bekannt gewordenen wichtigen Un- 
tersuchungen die Radiolarien, die Acanlhometren und die 
Polycystinen den höchsten Platz einnehmen dürften , inso- 
fern bei ihnen in der oben angedeuteten Weise wirklich 
Zellen persistiren. Bei anderen Protozoen könnte aus- 
sen eine geschichtete Lage mehr oder weniger selbststän- 
diger Zellen vorhanden sein, wie bei den Infusorien, 
während innen der Körper ausgefüllt ist von dem nicht 
in Zellen zerlegbaren, aus verschmolzenen Zellen entstan- 
denen Protoplasma. Als solches nämlich deute ich die 
weiche Centralsubslanz der Infusorien, in welche die Bis- 
sen eingedrückt werden. Sie ist der weichste Theil des 
Infusorienleibes, gehört aber zu demselben ebenso gut wie 
die Rindensubstanz, und kann den Namen Chymus den 
Lachmann ihr beilegte, nicht führen. 

Von diesem Gesichtspunkte aus möchte ich an die Deutung 
der Organisation der Infusorien gehen , und lebe ich der 
Ueberzeugung, dass wir so zu einem befriedigenden Abschluss 
in der schwierigen Angelegenheit kommen. Doch muss 
ich auf eins aufmerksam machen, was nicht 
unwichtig ist, dass nämlich die Theorie auch 
die Annahme einzelliger Infusorien erlaubt. 
Denn eine Zelle kann auf der Oberfläche Wimpern be- 
kommen, eine Zelle kann eine härtere Bindenschicht 
und eine Weiche Marksubstanz mit Vacuolen , Kern , ver- 
schiedensten Körperchen, Farbstoffbläschen u. s. w. ent- 
halten. In einer Zelle kann, wie die jungen Mus- 



Die Gattung Cornuspira unter den Monothalatnien. 307 

kelfaserzellen lehren, die Peripherie des Protoplasma 
in echte Muskelsubstanz umgewandelt sein , wäh- 
rend das Centrum der Zelle noch von gewöhnli- 
chem Protoplasma eingenommen wird. J>ass im Pro- 
toplasma einer Zelle eine sogenannte contractile Blase 
entstehen küime , bedarf freilich noch weiterer Untersu- 
chungen, scheint aber nicht mehr unwahrscheinlich. End- 
lich, dass eine Zelle , also hier ein Protoplasmaklümpchen 
mit erhärteter und bewimperter Rinde, an einer oder 
zwei Stellen seinerOberfläche der erhärteten Rinde 
und der Wimpern entbehren könne, einen „Mund" habe, 
von welchem aus feste Stoffe in die innerste, weichge- 
bliebene Protoplasmamasse hineingedrückt werden und einen 
„After" zur Ausleerung derselben , diesen Punkt habe ich 
oben bereits besprochen, und glaube ich, dass die Mög- 
lichkeit solchen Vorkommens zugegeben werden muss. 

Zum Schlüsse linde nun noch die bereits oben er- 
wähnte neue Beobachtung über die Forlpflanzung einer Po- 
lythalamie aus der Familie der Rotaliden hier eine Stelle. 

In einem Glase mit Meerwasser und etwas Sand, wel- 
cher aus einer Tiefe von etwa 20 Fuss bei Helgoland ge- 
sammelt worden und gut ausgeschlämmt war, hielt ich seit 
dem Herbste 1857 eine kleine Anzahl Gromien (Gromia 
Dujardinii) , llilioliden und Rotaliden lebendig. Im Juni 1859, 
nachdem das Glas durch meinen kurz vorher von Halle 
nach Bonn bewirkten Umzug stark geschüttelt worden und 
dann mehrere Wochen dicht verschlossen gestanden hatte, 
bemerkte ich unter zahllosen die innere Fläche des Glases 
überziehenden Bacillaricn einige braungelbe Körper, die 
mit der Lupe als kleine Rotaliden erkannt wurden. Die- 
lelben hatten früher diese Stellen nicht eingenommen, sas- 
sen aber jetzt , wie eine durch einige Tage fortgesetzte 
("ontrolle lehrte , entweder ganz unbeweglich fest , oder 
veränderten ihren Anheflungspunkt , der aussen auf dem 
Glase mit einem schwarzen Ringe umgeben worden ^\ar, 
nur um Theilc einer Linie. Die Grösse der Thiere betrag 
etwa V«'". Ich löste eins der Thiere mit einem Pinsel ab, was 
nur mit ziemlicher Gewalt gelang, reinigte es durch wieder- 
holtes Abpinseln von den anhängenden kleinen Bacillarien, 



308 S c h u 1 1 z e : 

und konnte jetzt seine Gestalt namentlich bei auffallendem 
Lichte deutlich erkennen. Es war eine Rotalide , und am 
besten zur Gattung- Rotalina zu stellen. Fäden traten an 
ihrer Oberfläche auch nach längerem Warten nicht hervor. 
Der gelbbraune Inhalt namentlich der grösseren Kammern 
zeigte eine eigentümliche, schon mit einer scharfen Lupe 
bemerkbare grobkörnige Beschaffenheit, über dessen 
eigentliche Natur der Undurchsichtigkeit der Schale wegen 
nicht ins Klare zu kommen war. Ich ging daran die Schale, 
deren Kammern ich noch zählte , es waren ihrer 10, mit 
Nadeln zu zerstückeln, und erstaunte nicht wenig, als nach 
dem Ablösen der ersten Schalenbruclistücke, kleine drei- 
ka mm er ige Polythalamien zum Vorschein kamen, 
deren denn nach möglichst vollständigem Zerdrücken und 
Zerzupfen der Mutter ihrer 20 — 30 ans Licht der Welt ge- 
bracht wurden. Sämmtliche kleine Polythalamien waren 
von gleicher oder nahezu gleicher Grösse , und bestanden 
aus drei untereinander zusammenhängenden fast kugligen 
Kammmern, von denen die erste, innerste die grösste und 
braungelb war, mit grossen fetttröpfchenähnlichen Farbstoff- 
bläschen erfüllt , die anderen beiden sich farblos zeigten. 
Ihre Schale erschien sehr dünn, brüchig, kalkhaltig, be- 
sondere Structur , als regelmässig gestellte Poren, war in 
ihr nicht wahrzunehmen. Die künstliche Geburt schien den 
Jungen zu früh gekommen zu sein, denn ein Ausstrecken 
von Fortsätzen war an denselben trotz stundenlangen War- 
tens nicht zu beobachten. 

Natürlich war ich auf die Ereignisse an den übrigen 
an der Glaswand sitzengebliebenen Kotaliden sehr gespannt. 
Dieselben wurden einer strengen Controlle unterworfen, 
täglich mit der scharfen Lupe gemustert, und nachdem mir 
an einigen derselben die grobkörnige Beschaffenheit des 
Inhaltes aufgefallen war, halte ich die Freude, an zweien 
derselben zu beobachten, dass in ihrer Umgebung plötzlich 
eine erst dichte dann allmählich sich zerstreuende Ansamm- 
lung kleiner Körnchen auftrat, welche mit dem Pinsel ab- 
gehoben und unter das Mikroskop gebracht, sich als eben- 
falls dr ei ka m mer ige kleine Polythalamien ergaben, 
genau von derselben Gestalt und Grösse, wie die aus dem 



Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 309 

Mutterthiere lierausgelösten , nur dadurch von letzteren 
verschieden, dass an allen auch die zweite Kammer bereits 
anfing- sich gelb zu färben. 

Wir haben hier also einen neuen Beweis dafür, dass 
Polythalamien lebendige Junge gebären, und diese zur Zeit 
der Geburt sich auf einer verhältnissmässig hohen Stufe 
der Entwicklung befinden. In der That wächst die Span- 
nung , wie sich die Geoponus fortpflanzen mögen, von de- 
nen Ehrenberg behauptet, sie trügen ihre Eier in klei- 
nen Körbchen mit sich herum. 

Noch ist zu bemerken , dass ich vergleichende Mes- 
sungen der Kammern der jungen Thiere und der innersten 
Kammern der Mutterthiere angestellt habe, und die Maasse 
durchaus übereinstimmend fand. Die erste centrale Kam- 
mer ist durchaus kuglig und hat einen Durchmesser von 
0,0112 — 0,0150 P. L. So variirt sie bei verschiedenen 
Individuen, die beiden folgenden sind nicht mehr ganz kuglig, 
und ist die dritte, etwas grösser als die zweite, der Durch- 
messer variirt zwischen 0,0052 und 0,009 P. L. 

Die Species habe ich nicht benannt, sie steht der Ro- 
talina nitida von Williamson (fig. 106, 107 u. 108 sei- 
nes oben angeführten Werkes ) am nächsten. Grössere 
dichtstehende Oeffnungen der Schale fehlen, die Schale 
ist ziemlich undurchsichtig, wie] aus lauter kleinen un- 
regclmässigen Partikelchen zusammengesetzt, nicht so zwar 
wie bei der von mir beschriebenen Rotalina silicea, auch löst 
sich die Schale in Säuren, aber es fehlt ihr doch das ho- 
mogene, elegante Aussehen der meisten anderen Rotaliden. 
Einzelne grössere aber mehr ge/.acktrandigc als scharf runde 
Lüchcrchcn durchbohren die ziemlich dicke Schale. 

Von grossem Interesse musste es sein den Zustand 
der Mutter nach, der Geburt zu untersuchen. In dem einen 
Falle sah mit der Lupe die Schale wie geplatzt aus und 
beim Abheben mit dem Pinsel erhielt ich auch nur lliuch- 
Itacke. Im anderen Falle dagegen glaubte ich die Schale 
ganz und unverletzt erkannt zu haben. Ich brachte sie 
ncli auf den Objectträger aber beim Reinigen von den un- 
endlich zahlreich aufsitzenden Kleinen Diatomeen ging sie 
verloren. Doch glaube ich mit Sicherheil eine gelbbraune 



310 Schulde: Die Galt. Cornuspiia unl. d. Monothalanrien. 

Erfüllung in den inneren Kammern erkannt zu haben, wor- 
aus zu schliessen wäre, dass nicht der ganze Rhizopo- 
denkörper zur Bildung der Jungen verwandt worden sei. 
Wir wollen alle weiteren Vermuthungen über das Zustan- 
dekommen des Fortpflanzungsgeschäftes unausgesprochen 
lassen und mit dem Wunsche schliessen, es möchten Andere 
die Gelegenheit aufsuchen, über die Fortpflanzung der Po- 
lythalamien weitere Beobachtungen anzustellen. 



Das Kolonial nerven syst cm der lloosthicrc, nachge- 
wiesen an Serialaria Coiitinhii n. su. 



Von ' 

Fritz Hüller 

in Desterro. 
(Hierzu Taf. XIII). 



Bei Thieren, die auf gemeinsamem Thierstock zu Ko- 
lonieen vereinigt leben, beobachtet man häufig Bewegun- 
gen des ganzen Stockes oder einzelner Thiere , die zwar 
willkührlicli . nicht aber vom Willen der Einzellhiere ab- 
hängig, sondern von diesen wie auf höheren Befehl aus- 
geführt erscheinen. Dies gilt auch von den Moosthieren. 
Bei einer Pedicellina, deren Thierzelle von einem 3'/ 2 Mm. 
langen starren auf dickerem beweglichen Sockel stehenden 
Stiele gelragen wird, dauern die Bewegungen dieses Stie- 
les lagelang nach dem Verluste des Thieres unverändert 
fort; bei einer weit kleineren Art derselben Gattung, die 
als Schmarolzer auf Moosthieren und Hydroiden hier sehr 
häufig ist, beginnen die in ganzer Länge beweglichen Stiele 
schon auf das Lebhafteste sich zu" bewegen, wenn das Thier 
an ihrer Spitze kaum als Knospe angedeutet ist. Ich er- 
innere auch an die bei Mimosella gracilis von Hincks 
beobachteten gemeinsamen und gleichzeitigen Bewegungen 
der doppeltßedrig angeordneten Thierzellen. Wo nun über- 
haupt bei soll hen Thieren , wie es bei den Bryozoen der 
Kall ist, Nerven sich nachweisen lassen, da ist mit Grund 
7.n vermulhen , dass nicht nur bei jedem Einzellhiere als 
Sitz lies Einzelwillens, sondern dass auch in dem Thier- 
stocke als Sitz der Kolonialverwaltung ein Nervensystem 



312 Müller: 

bestehen werde. Der Nachweis freilich dieses Nervensy- 
stems wird für die Mehrzahl der Moosthiere von äusserster 
Schwierigkeit sein; um so schwieriger, je reducirter, ver- 
kalkter, undurchsichtiger, — um so leichter, je entwickel- 
ter, weicher, durchsichtiger der Thierstock ist. In dieser 
Beziehung nun dürfte nicht leicht eine ausgezeichnetere 
Art zu linden sein, als eine im Meere von Santa Catharina 
nicht eben seltene Serialaria, deren Thierstock aus bis über 
zolllangen , dünnhäutigen fast vollkommen durchsichtigen 
Gliedein besteht. Hier ist denn nun auch in der That ein 
Kolonialnervensystem so leicht erkennbar , mit so überra- 
schender Deutlichkeit in die Augen fallend , wie ich Aehn- 
liches sonst nur an dem Nervensysteme der Salpen gesehen 
zu haben mich entsinne. 

Die Darstellung des Kolonialnervensystcms als einzi- 
gen Zweck dieses Aufsalzes betrachtend, beschränke ich die 
vorauszuschickende Beschreibung des Thieres auf das zum 
Erkennen der Art und zum Verständnisse des Folgenden 
Notwendige , und übergehe namentlich den inneren Bau 
der Einzellhiere. 

Der sparrig verästelte , nach allen Seiten über span- 
nenweit zwischen Tangen sich ausbreitende Thierstock der 
Serialaria Coutinhii mihi *) besteht aus walzenförmigen 
Gliedern', die bis über 40 Mm. Länge bei 1,35 Mm. Dicke 
erreichen, und, von Glied zu Glied sich verjüngend, bis zu 
0,1 Min. dicken Endzweigelclien herabsinken. Die Veräste- 
lung des Stockes erscheint im Allgemeinen trichotomisch 
in der Weise, dass vom Ende jedes Astes drei ungleich 
starke Zweige abgehen , die beiden stärkeren nahezu in 
gleicher Ebene mit dem Aste, der dritte schwächere einen 
Winkel von etwa 60° mit der Ebene der beiden anderen 
bildend. An den äussersten Verzweigungen verfolgt man 
leicht die Entstehung dieser Verästelungsweise : am Ende 



*) Die Art benannte ich nach Herrn Dr. Joao Jose Cou- 
tinho, früheren Präsidenten den Provinz Santa Catharina, dein ich 
die Müsse zu wissenschaftlichen Arbeiten, und dem also die Wissen- 
schaft dankt , was mir etwa hier zu ihrer Förderung zu leisten ver- 
gönnt sein sollte. 



Pas Koloninlnervcnsystem der Mooslhiere. 313 

des Astes tritt zunächst ein einzelner neuer Trieb als ge- 
rade Fortsetzung des Astes auf (fig. 1, a'), wird aber spä- 
ter (lig. 1, a") durch einen zweiten (fig. 1, b') , der bald 
darauf neben ihm entspringt, mehr und mehr zur Seite ge- 
drängt , so dass der Winkel zwischen diesen Zweigen oft 
bis über 120° steigt. Der dritte, wieder jüngere Zweig 
(lig. 1, c) zwischen den beiden alleren , in einer auf der 
Ebene derselben senkrechlen Ebene sich entwickelnd, pflegt 
jene Ebene der beiden älteren kaum merklich hinabzu- 
drängen, so dass dieselben eben nahezu in gleicher Ebene 
mit dem Aste bleiben. Bisweilen, doch immer erst viel 
später, und nachdem sich die früheren längst weiter ver- 
ästelt haben , tritt dem dritten gegenüber noch ein weit 
schwächerer vierter Zweig auf (lig. 1, d) ; selten selbst ein 
fünfter, eine Zahl, die ich noch nicht überschritten sah. 
Das relative Aller der Zweige bleibt meist sehr deutlich 
ausgeprägt in ihrer Dicke und Länge, so wie in dem Grade 
ihrer weiteren Verästelung. 

Die Glieder des Stockes sind weich, biegsam, doch dabei 
elastisch , etwa wie ein unterbundenes mit Wasser straff 
gefülltes Darmstück; ihre in kochender Kalilauge nicht 
gelöste, also wohl aus Chitin bestehende zarle aber dabei 
feste Hülle ist, wie der fast flüssige Inhalt, von fast was- 
serheller Durchsichtigkeit; eine leichte gelbliche Trübung 
wird durch ein unmittelbar unter der Hülle gelegenes Pig- 
ment bedingt. Die jüngsten Zweige zeigen sich weniger 
durchsichtig, während bei den älteren vielerlei thierische 
und pflanzliche Schmarotzer oft den Einblick hindern. 

[Späterer Zusatz : Nach Beobachtungen an anderen 
clcnoslomen liryozocn vermuthe ich, dass die einzelnen 
Glieder durch eine von der Hülle ausgehende quere Schei- 
dewand getrennt sind.J 

Der Stock hallet an langen u. s. w. mittelst sehr ver- 
einzelter Wurzelläden , die bald am Ende der Aesle an 
Stelle der Z«eigu i'lig. 2, a) , bald an unbestimmten Stellen 
des Stammes, besonders zwischen den Thierzellen ent- 
springen (lig. 2, b) und deren Ende sich flächenartig und 
lappig auf dem Tange ausbreitet. 

Die Thierzellen Stehen in Eängsrcihcn am oberen 



314 Müller: 

Theile der Zweige , deren unterer Theil in verschiedener 
Erstreckung leer bleibt, bald in ununterbrochener dicht- 
gedrängter Folge, bald mit einzelnen kurzen Lücken, bald 
(an den ältesten , bisweilen selbst thierlosen Aesten) nur 
in einzelnen wenig zahlreichen Gruppen. Sie erscheinen 
einheitswendig (wie bei Serialaria cornula und lendigera 
Lam.) an den jüngsten Endzweigelchen, an den übrigen 
aber in zwei mehr oder weniger diametral gegenüberste- 
henden Reihen. Es treten nämlich zuerst zwei dicht ne- 
beneinanderstehende Reihen auf, nach aussen von diesen 
bilden sich zwei neue Reihen jüngerer Zellen; ihnen folgt 
wieder nach aussen ein dritter, ein vierter Nachwuchs u. s. f., 
während die altern Thiere absterben und endlich auch ihre 
Zellen abfallen. Wenn, wie es an alten Aesten vorkommt, 
bei diesem Vorrücken der jungen Rrut der Durchmesser 
überschritten wird, schlägt natürlich scheinbar die Ordnung 
um, indem nun die Knospen sich nach innen von den bei- 
den Reihen reifer Thiere linden. — Die Zellen sind häutig, 
in voller Ausdehnung gegen 0,6 Ulm. lang und von 0,2 Mm. 
auf 0,1 Mm. Durchmesser verjüngt; sie sitzen mit kuglig 
abgerundeter Basis schief auf , nach der Spitze des Zwei- 
ges zu sich neigend und tragen am Ende, beim Uebergange 
in die Tentakelscheide einen Kranz 0,04 bis 0,05 Mm. lan- 
ger, zarler, flacher, farbloser Borsten. Bei liefern Zurück- 
ziehen des Thieres wird ein volles Drittel der Zelle ein- 
gestülpt , und diese nimmt dann eine mehr eiförmige Ge- 
stalt an. Die allen Zellen ohne Thiere, deren Vorderende 
stets eingestülpt ist, erscheinen kürzer und dicker und von 
ellipsoidischer Form. 

Das Thier, das einen Kranz von acht 0,3 Mm. langen 
Tentakeln trägt, ist in der Zelle so gelagert, dass die 
Darmseite der Spitze, die Schlundseite dem Ursprünge des 
Zweiges sich zuwendet ; bei tiefem Zurückziehen richtet 
sich der eingestülpte Zellentheil schief nach der Darmseitc, 
um hier auf die Mitte der nicht eingestülpten Zellenwand zu 
slossen; von da wendet sich die Tentakelscheide quer nach 
der Schlundseite und steigt an dieser bis zum Zellen- 
grunde nieder. 

Die Beachtung dieser Lagerungssverhältnisse, so wie 



Das Kolonialncrvcnsyslcm der Mooslhiere. 315 

der Richtung- in der sich die neuen Thierknospen bilden, 
erleichtert wesentlich das rasche Zurechtfinden an kleinen 
Stückchen, wie sie in den Gesichtskreis des Mikroskops 
fallen; die weiteren Verhältnisse der Einzelthiere sind nicht 
von Belang- für die Auffassung des Kolonialnerven- 
systems, zu dessen Darstellung ich jetzt mich wende. 

Das Nervensystem jedes Zweiges besteht 
aus einem an dessen Ursprung liegenden an- 
sehnlichen Ganglion, aus einem von diesem 
ausgehenden den Zweig der Länge nach durch- 
ziehenden Nervenstamme, der sich am oberen 
Ende in Aeste theilt für die Ganglien der hier 
entspringenden Stengelglieder, und aus einem 
reichen Nervenplexus, der dem Stamme auf- 
liegt, und diese Ganglien, so wie die Basal- 
ganglien der Einzelthiere verbindet. 

Die Basalganglien der Zweige ((ig. 3 — 5, G) liegen 
genau an der Grenze zwischen Ast und Zweig und in der 
Achse des letzteren; sie sind meist von kugliger Form, 
oder auch etwas in die Lärfge gezogen und mehr spindel- 
förmig und von körnigem (kleinzelligem ?) Gefüge. Blass 
und durchscheinend in den jüngsten Zweigclchen, erhalten 
sie bald eine schwach gelbliche Färbung und werden un- 
durchsichtig. Ihre Grösse steigt von 0,03 Mm. Durchmes- 
ser (in einem ganz jungen erst 0,2 Mm. langen Zweigel- 
chen gemessen) bis über 0,1 Mm. Durchmesser. 

Vom Basalganglion läuft in gerader Linie und mit fast 
gleichbleibender Dicke (je nach dem Alter 0,01 bis 0,05 Mm.) 
ein Nervenstamm bis nahe ans Ende des Zweiges 
(fig. 3 — 5, S), jedoch nicht in der Achse, sondern sich der 
Seile der Oberfläche mehr oder weniger nähernd, an wel- 
cher die ersten Thierknospen sich bilden, und die ich kurz- 
weg als die obere bezeichnen will. Meist ist es ein- 
fach, bisweilen in zwei dicht aneinanderliegende oder stel- 
lenweise etwas Ruseinderweichehde Stämme gelheilt, selten 
nur fin allen Aeslen) auf kürzere oder längere Strecken 
in einen iangmaschigen Plexus mit 3 bis 4 llauptstämmcn 
aufgelöst. Er ist von blasser Farbe und hat zarte glatte 
Conlouren. 



316 Müller: 

Die Basalganglien und die Hauptnervenstämme sind 
bei günstiger Beleuchtung oft schon mit der Loupe recht 
gut wahrzunehmen; 

Der oberen Seite des Nervenstammes liegt, bald ihn 
dicht überdeckend, bald in weiteren Maschen ihn überspin- 
nend, ein Plexus dünnerer Nerven auf (fig. 3 — 5, P), der sich 
seitlich nach der Ursprungslinie der Thicrzellen ausbreitet 
und besonders reich am Ende des Zweiges zwischen den 
Basalganglien der folgenden Stengclglieder entwickelt. In 
diesem Endplexus scheint jedoch ausser den Aesten zu den 
eben bezeichneten Ganglien auch wenigstens noch eine 
bogige Brücke zwischen je zweien derselben dem Systeme 
des glatten Hauptnervenstammes anzugehören. Die Nerven 
des Plexus unterscheiden sich nämlich von dem Hauptstamme 
besonders dadurch, dass ihre Oberfläche durch aufgelagerte 
kernhaltige Zellen uneben und mehr oder weniger knotig 
oder höckerig erscheint. Chromsäurelösung macht diese 
Zellen schwinden: die Nerven erhalten dadurch schärfere 
nun gradlinige Contouren , denen noch die Kerne jener 
Zellen als kleine stärker lichtbrechende Körnchen aufsitzen. 
— Es ist dieser Tlexus besonders entwickelt an dem mit 
Thierzellen besetzten Theile der Zweige und namentlich 
von äusserster Complication in alleren Aesten, an denen 
schon eine Reihe successiver Generalionen sich gefolgt sind. 
Nach dem Ursprünge der Zweige pflegt er seitlich nicht 
über den Nervenstamm hinauszugehen und ist dann kaum 
von ihm zu unterscheiden; bei der Ansicht von oben er- 
scheinen dann beiderseits unebene Contouren, während die 
Seitenansicht oben die unebenen Contouren des Plexus, 
unten die glatten des Nervenstammes zeigt. In diesem 
thierlosen Theile der Zweige vennisst man bald alle peri- 
pherischen Nerven, bald sieht man einzelne meist rücklau- 
fende Fäden, bald auch findet sich ein ziemlich entwickel- 
ter Plexus , der dann aber vertical vom Slamine aufwärts 
sich ausbreitet, während die Ausbreitung des Plexus zwi- 
schen den Thierzellen mehr oder weniger horizontal ist. 
In Bezug auf letzteren Plexus sei noch erwähnt, dass man 
bisweilen, doch nicht constant, seine Fäden unter der L'r- 



Das Kolonialnervensystem der Jloosthiere. 317 

sprungslinie der Thierzellen sich zu einem etwas stärkc- 
rem Grenzstrang zusanimcnflicssen sieht. 

Es bleibt mir der Zusammenhang des eben geschil- 
derten Kolonialnervensystems mit den Einzelthieren zu be- 
sprechen. Dieser Zusammenhang ist nicht immer leicht zu 
erkennen. Damit die zu untersuchende Gegend nicht von 
den meist dicht gedrängten Thierzellen verdeckt werde, 
müssen diese seitlich liegen ; dann aber fällt dieselbe Ge- 
gend Iheils dicht an den Rand des cylindrischen Zweiges, 
theils fast in dieselbe Ebene mit dem Haulpigmente und 
wird aus beiden Gründen oft fast undurchsichtig ; ausser- 
dem pflegt der Magen des zurückgezogenen Thieres stö- 
rend in den Weg zu treten. Indessen lassen sich doch 
fast an jedem Zweige ein oder das andere Thier oder 
leichter noch Knospen herausfinden , an denen dieser Zu- 
sammenhang unzweideutig zu erkennen ist. An der Grenze 
zwischen Zweig und Thierzellc, halb in jenen, halb in diese 
hineinragend , liegt ein kugliges Ganglion von 0,04 bis 
0,05 Mm. Durchmesser (in jungen Knospen kleiner) , das 
einerseits mit den Nerven des Plexus in Verbindung steht, 
während ich nach der anderen Seite einen von ihm zum 
Darme gehenden Nerven beim erwachsenen Thiere einige- 
mal gesehen zu haben glaube und bei Knospen mit Be- 
stimmtheit gesehen habe. Den vorauszusetzenden Zusam- 
menhang dieses liasalganglions mit dem Oesophagealgan- 
glion vermochte ich nicht nachzuweisen. 

Auch die Wurzeln, mögen sie nun am Ende der Aeste, 
oder in der Reihe der Thierzellen , oder sonstwo am Aste 
entspringen, haben ihr Basalganglion und ihren sie durch- 
ziehenden Nervenstamm. Bei ihrem ersten Auftreten sind 
die Einzeiligere und die Zweige des Thierstocks durch 
nichts Wesentliches ausser dem Orte ihres Ursprungs, die 
Wurzeln aber von beiden nicht einmal hierdurch unter- 
schieden und es findet Lcuckart's geistvolle Lehre vom 
Polymorphismus auf diese drei Verschiedenen Gebilde eine 
ungezwungene Anwendung. 

Es steht zu erwarten, dass ein ähnliches Eolonialner- 
vensystem auch andern Mooslhieren mit besonderm von den 
Thierzellen geschiedenen Stocke zukommen werde, wäh- 



318 Müller: Das Colonialuervensystem der Moosthiere. 

rend, wo Zelle aus Zelle sprosst, wenigstens im Grunde 
der Zellen liegende und durch Nervenfäden mit einander 
verbundene Ganglien sich vermuthen lassen. [Späterer Zu- 
satz : Die Basalganglien der Zweige und ihren Nervenstamm 
habe ich bei verschiedenen Moosthieren mit reusenartigem 
Verschlusse der Zellen, Ctenostomata Allm., erkannt; in 
keiner der übrigen Abtheilungen vermochte ich aber bis 
jetzt unzweideutige Spuren des Kolonialnervensystems auf- 
zufinden]. 



Erklärung der Abbildungen. 

Fig. 1. Bruchstück einer Kolonie von Serialaiia Coututhii F. Müll. 
Cmal vergr. Mit a ist der erste, mit b der zweite, mit c der 
dritte, mit d der vierte am Ende des vorhergehenden Sten- 
gelgliedes sprossende Zweig bezeichnet. W junge Wurzeln. 

Fig. 2. Zweig mit Wurzeln, 12mal vergr. a auf Tang (T) haftende, 
b jüngere Wurzeln, c warzenförmige Wurzelknospe. 

Fig. 3. — 5. Kolonialncrvensystem der Serialaiia. Fig. 3 
u. 4 sind 90mal, fig. 5 ist öOmal vergr. Fig. 3 stellt das Ner- 
vensystem aus dem Gelenk A in fig. 1 ; fig. 4 dasselbe aus 
dem Ende eines erst zwei noch unvcrästelte Endzweige tra- 
genden Astes dar. Es bezeichnet in diesen Figuren : G Ba- 
salganglion der Zweige, g Basalganglion der Einzelthiere, 
S Nervenstamm der Zweige, P Nervcnplcxus der demselben 
aufliegt, R Greuzsliang desselben an der Ursprungslinic der 
Einzelthiere. Fig. 4 zeigt Nervenslamm und Plexus von 
oben, fig. 5 von unten. 

Frg. 6. Thieiknospe von 0,06 Mm. Durchmesser, g Basalganglion. 
e Anlage des Thieres. 

Fig. 7- Aeltere Thierknospc. g Basalganglion. c Anlage des Thie- 
res. n Nerv von jenem zu diesem. P Nerven des Kolonial- 
nervcnplexus. Fig. 6 u. 7 sind 90mal vergrossert. 

Desterro, im Januar 1860. 



Heber Oxybeles gracilis Blkr. 

Von 

Dr. C. L. DoleschaU. 

Aus Natuurkundig Tijschrift voor Nederlandsch lndie 
Deel XV. p. 163 übersetzt vom Herausgeber. 



Aeusserst merkwürdig ist die durch Q uoy und Gai- 
mard während ihrer Reise auf dem Aslrolabe, und später 
durch Bleeker beobachtete Erscheinung, dass lebende 
Fische in der Magenhohle anderer Thiere , namentlich in 
der Magenhühle einiger Strahlthiere vorkommen. Diese 
Erscheinung wird um so merkwürdiger für den Zoologen, 
als bisher noch kein Beispiel von dem Parasitismus eines 
Wirbellhieres bekannt war. Diese ganze Erscheinung klingt, 
so lange man sich nicht von der Wirklichkeit überzeugt 
hat, sehr räthselhafl , und selbst wenn man die Sache mit 
eigenen Augen geschaut hat, bleibt dies Vorkommen sehr 
unerklärlich. Während seiner Reise in den Molukken hatte 
Bleeker Gelegenheit , zwei dieser Arten von Seeslernen 
zu finden, in denen sich der genannte Fisch aufzuhallen 
pflegt; sie «erden aber auch leer gefunden. 

Zu Batavia scheinen die beiden Thiere nicht vorzu- 
kommen , Grund genug, dass diese gehcimnissvolle Sache 
so hinge im Dunkel geblieben ist. 

Hier in Amboina ist die Thalsache den meisten Fi- 
schern bekannt. In der Hoffnung, durch sie in den Besitz 
mehrerer dieser Thiere zu kommen, habe ich sowohl selbst 
einige Ausflüge auf das Meer gemacbl , als auch Preise 
ausgesetzt, und habe auch wirklich bald Gelegenheit ge- 
funden, viele dieser Seestcrne in meinen Besitz zu bringen. 



320 D o 1 e s c h a I 1 : 

Insofern ist es also kein Zufall, dass icli mit diesen 
cigenthümlichen Verhältnissen einigermassen bekannt ge- 
worden bin. Obgleich noch unvollständig damit bekannt, 
glaube ich doch meine vorläufigen Bemerkungen über den 
Oxybeles mittheilen zu müssen. 

Dass man auch hier von in Weingeist aufbewahrten 
Exemplaren nicht viel Aufklärung erwarten durfte, verstand 
sich von selbst. Das Wasser der Bai ist zwar kryslallhell 
und gestattet die Thiele selbst in beträchtlicher Tiefe auf 
dem Grunde des Meeres zu sehen , aber es ist doch nicht 
möglich, hier dem Leben dieser Thiere nachzuforschen. 

Ich glaubte die eingesammelten Seeslerne zu Hause 
in Seewasser längere Zeit beobachten zu können. Aber 
ich wurde in meiner Erwartung getäuscht, da die Seesterne 
und mit ihnen auch die Fische bald starben. Von dieser 
Art der Beobachtung inusste ich also abstehen und es blieb 
nur noch ein Weg übrig, nämlich so viele dieser Thiere 
lebendig fangen zu lassen, als nur möglich war. Und hierin 
habe ich mich nicht getäuscht. Die Bai von Amboina ist 
an diesen Thieren so reich, dass man bei schönem Wetter 
und stiller See in kurzer Zeit eine beträchtliche Menge 
sammeln kann. 

Die Resultate meiner Nachforschungen sind in Kurzem 
folgende: Der Fisch steht zu dem Seestern in einem be- 
stimmten Verhällniss, welches kein Gegenstand der Beob- 
achtung werden kann. Warum das Fischchen immer gerade 
die Magenhöhe einer und derselben Art von Seesternen 
aufsucht, und nicht von verschiedenen Arten, ist ein Ge- 
heimniss. Es ist bekannt, dass einige Krebse aus der Gat- 
tung Pagurus leere Schneckenhäuser bewohnen, aber man 
findet am Strande eine und dieselbe Art des Pagurus in den 
Gehäusen der verschiedensten Galtungen und Arten. Oxy- 
beles graeilis dagegen habe ich noch nicht in einer ande- 
ren Seestern -Art gefunden, als in Culcila diseoidea *). 



*) I'ierasfer lirandesii oder Oxybeles Brandesii Blkr. bewohnt 
freilich nicht allein Culcita diseoidea, sondern auch mehrere Tripang- 
arten, wie Tripang edulis und Tripatig anoiias. Anmerk. von 151 eeker. 






Ueber Ovybeles gracilis. 321 

Weshalb gerade in dieser, und in keiner anderen Art, das 
ist ein Räthsel und wird wohl immer ebenso unbegreiflich 
bleiben , als warum in der Nähe der Haifische immer eine 
Art Fische gefunden wird, warum alle Thiere stets diesel- 
ben Parasiten ernähren und nur ausnahmsweise andere. 
Der Fisch ist durch seine eigenthümliche Organisation ver- 
urtheilt den grössten Theil seines Lebens in der Höhle 
eines anderen Thieres zuzubringen. 

Das Fisclichen hat B 1 e eke r unter dem Namen Oxybe- 
les gracilis in Natuurkundig Tijdschrift VII. p. 162 be- 
schrieben. 

Niemals ist es mir oder sonst Jemand hier am Orte 
gelungen, den genannten Fisch in einem anderen Zustande, 
frei im Meere schwimmend zu fangen *). Um es kennen 
zu lernen, muss man also den Seestern selbst geöffnet ha- 
ben. (Ob dieselbe Art von Oxybeles auch in Holothurien 
gefunden worden ist, ist mir unbekannt.) Soviel ist daher 
gewiss , dass dieses Thierchen den grössten Theil seines 
Lebens in der Magenhöhle dieser Seesterne zubringt, und 
nur selten sich ausser derselben zeigt (wahrscheinlich des 
Nachts). Dass dies aber von Zeit zu Zeit geschieht, ist 
mir zweimal deutlich offenbar geworden, zu der Zeit, als 
mir viele dieser Thiere lebend gebracht wurden , und ieh 
zwei in dem Augenblicke beobachtete , wo das Fischchen 
mit einem Theile seines Körpers noch ausser der Höhle des 
Keetternes und im Begriffe des Einkiiechens sich befand. 
Hierdurch ist es mir deutlich geworden, dass das Fischchen 
nicht immer in der Höhlung des Seesterns verbleibt, aber 
/.u_> li-ich auch, wie und auf welche Weise es hineinkommt. 
)ies geschieht längs einer der Furchen , welche sich an 
der Unterseite der Arme befinden und nach der Mundöff- 
tulDg führen. Diese Furchen nämlich können sich durch 
das Zurückziehen der Füsschen so weit öffnen , das darin 
aum genug für den kleinen Körper des Oxybeles übrig 



•) Mehrere meiner Exemplare von Pierasfer Brandest! und alle 
ton Pierufci gracilia und Fleraafor lumbricoidca sind mir unter lin- 
deren Piaeben angekommen, und wahracheinlich im Meere frei schwim- 
mend gafangea. Bleeker. 

Arciv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 81 



322 o 1 e s c li a H : 

bleibt. Hierdurch ist zu gleicher Zeit bewiesen , dass das 
Fischchen nicht (falls Jemand es behaupten wollte) zufällig 
als Nahrung in die Magenhöhle kommt, und durch Zufall 
am Leben bleibt. Von einem Zufalle kann hier nicht die 
Rede sein. 

Schneidet man eine lebende Culcita auf, dann sieht 
man, dass das Fischchen frei in der Leibeshöhle des Thieres 
sich aufhält und sich frei bewegt. Nimmt man es heraus, 
d. h. aus der Höhle des Seesterns, dann gewahrt man, dass 
es sogleich den durch die Sonne beschienenen Ort verlässt 
und Schalten sucht. Legt man die beiden noch lebenden 
Hälflen der Culcita in Seewasser, dann wird man bald se- 
hen, dass das Fischchen danach trachtet, um in die Höhle 
des Seesternes zu gelangen. Dem Lichte ausgesetzt, ist 
es ängstlich und seine Iris zieht sich aufs höchste zu- 
sammen. 

Es ist mir niemals vorgekommen, dass ich zwei Fisch- 
chen zu gleicher Zeit in einem und demselben Seestern 
gefunden hätte. 

Bei den meisten Fischchen fand ich die Magenhöhle 
leer, nur bei einem angefüllt. Der Mageninhalt hatte das 
Ansehen eines Feltklumpens und bestand aus halbverdauter 
Muskelmasse. Unter dem Mikroskope konnte ich nament- 
lich die in Auflösung begriffenen quergestreiften Muskelfa- 
sern unterscheiden. Ob diese Muskelfasern von einem 
Weichthiere oder von einem Wirbelthicre abstammten, kann 
ich nicht mit Bestimmtheit sagen ; jedoch bin ich der Mei- 
nung, dass es die Muskelsubstanz eines Fisches war, we- 
gen der vollkommenen Uebereinslimmung der Elementar- 
theile mit den Muskeln derjenigen Fische, welche ich mi- 
kroskopisch untersucht habe. 

Durch diesen Umstand wird also bewiesen, dass sich 
der Fisch nicht von dem Chylus des Seesternes ernährt, 
sondern wohl von einer mit der der übrigen Fische analo- 
gen Nahrung lebt. Ob er aber die Fischchen verschlingt, 
die dem Seesterne selber zur Nahrung dienen, muss noch 
durch fernere Untersuchungen ermittelt werden. 

Durch meine Beobachtungen ist nun festgestellt: 
1. Dass Oxybeles gracilis kein wahrer Parasit ist. 






Ueber Oxybelcs grncilis. 323 

2. Dass er den grössten Theil seines Lebens in der Ma- 
genhöhle von Culcita discoidea zubringt. 

3. Hiefür zeugt auch die ungewöhnlich bleiche Farbe des 
Fischchens. 

4. Dass er aber auch, sei es um Nahrung zu suchen, 
oder wegen der Fortflanzung sich nach aussen bege- 
ben kann. 

5. Dass er sich dann wieder längs der Furche an der 
Bauchseite der Arme nach der Mundhöhle begiebl. 

6. Dass er sehr empfindlich gegen das Licht ist. 

7. Dass er sich von anderen Thieren ernährt. 

Im süssen Wasser bleiben die Thiere etwa eine halbe 
Stunde am Leben. 

Das Pigment, welches sich auf ihrem Peritoneum be- 
findet, zeigt unter dem Mikroskope die schönsten sternför- 
migen Pigmentfleckchen, die man sich denken kann. 

Ich füge hier noch die Bemerkung hinzu, dass der 
Fisch eine Schwimmblase besitzt. 



Auszug ans den Untersuchungen am Mittelmeere. 

Von 

Dr. W. Keferstein und E. Ehlers. 

(Abgedruckt aus den Nachrichten von der Universität und 

der Gesellsch. der Wissensch. zu Göttingen 1860. No.23, 

25 und 26.) 



1. Auszug aus den Beobachtungen über die 
Siphonophoren von Neapel und Messina, ange- 
stellt im Winter 1859—60. 

a. Bau der Siphonophoren. 
Alle Theile der Siphonophoren werden von zwei aus 
Zellen bestehenden Häuten, einer äusseren und einer 
inneren, gebildet, zu denen an einzelnen Theilen noch 
eine Zwischensubstanz hinzukommt, welche nicht aus 
Zellen besteht, strukturlos ist und als das Ausscheidungs- 
produkt der beiden Zellenhäute angesehen werden muss *). 
Diese Grundorganisation Iässt sich sowohl bei den jüng- 
sten und einfachsten Gebilden, als bei dem allerkomplicir- 
testen Nesselknopf nachweisen , und der wahre Bau wird 



ft ) Nachdem wir im Januar 1860 diese Grundorganisation ent- 
deckt und auch brieflich nach Deutschland gemeldet hatten , sehen 
wir nach unserer Rückkehr, dass Prof. C. Claus schon vor uns 
dieselbe Beobachtung angestellt hat (cfr. dessen vorzügliche Abhand- 
lung : „Ueber Physophora hydrostatica etc. in v. Siebold und Kölliker 
Zeitschr. für wiss. Zoologie. Bd. X. Heft 3. April 1860), und machen 
desshalb auf die Priorität in keiner Beziehung Anspruch, überdies da 
sich auch bei Leuckart (Siphonoph. von Nizza im Archiv f. Na- 
turgeschichte 1854. I. p. 369. Note) sehr richtige Angaben über diese 
Verhältnisse finden. 



Keferstein und Ehlers: Auszug a. d. Unters, am Mittelm. 325 

bei den zusammengesetzteren Theilen erst klar, wenn man 
sich ihre Entstehung aus zwei Bildungshäuten als leitendes 
Moment dienen lässt. 

Der äusseren Haut allein kommt die Eigenschaft 
zu in ihren Zellen Nesselkapseln zu bilden und sie hat 
mehr den Charakter einer blossen Decke, obgleich auch die 
Geschlechtsprodukte in ihr bereitet werden. In der in- 
neren Haut bilden sich Muskelfasern, elastische Bän- 
der, Drüsenzellen u. s. w. Aus der Z wis chensubs tan z 
bestehen bei weitem zum grössten Theile die festeren und 
elastischen Gebilde , wie die Schwimm - und Deckstücke, 
die Schwimmglocken der Geschlechtsstücke , die dickere 
Region des Stammes; während bei den übrigen Organen 
ihr Auftreten auf dünne Lamellen beschränkt ist , oder sie 
auch ganz fehlt. 

Während wir in Betreff des Baus des Luftsacks der 
von Leucka rt gegebenen Darstellung anhängen, bemer- 
ken wir, dass die Physophora Philippii im Stande ist will- 
kürlich aus ihrem Luftsack Luft austreten zu lassen. 
Von dieser schönen Siphonophore hatten wir ausser mehre- 
ren kleineren zwei sehr grosse und kräftige Exemplare, 
die drei Tage in unseren Gläsern lebendig blieben, und 
bei diesen sahen wir alsbald wie sehr häufig eine Menge 
Luftblasen aus dem Luftsacke entleert wurden , besonders 
wenn man das Thier reizte oder festzuhalten suchte , als 
ob es sich dadurch die Flucht erleichtern wollte. Am un- 
teren Theile des Lultsacks entstand dann eine ringförmige 
Einschnürung , ein Theil der Luft wurde dadurch in das 
obere Ende des Stammes gedrängt und gelangte dort gleich 
über den jüngsten Knospen der Schwimmslücke nach aus- 
sen. Am abgeschnittenen Stammende konnte man unter 
dem Simplex an der angegebenen Stelle diese Oefl'nung in 
Form einer Einziehung der Haut erkennen *). 

Die Ent Wickelung der Schwimm stücke ha- 
ben wir bei allen uns vorgekommenen Siphonophoren, mit 
Ausnahme von Abyla, wo wir es versäumten, beobachtet, 
und sie überall dieselbe gefunden. An der einfach kol- 

*) AWo g»m ähnlich wie bei l'hysulia. 



326 Ke fers lein und Ehlers: 

benförmigen aus jenen zwei Bildungshäuten bestehenden 
Knospe, verdickt sich die äussere Haut an der Spitze und 
treibt so die innere zu einer Rückeinstülpung- vor sich her, 
bis vom früheren centralen Hohlräume nur ein ringförmi- 
ger Raum übrig bleibt, der aber endlich bis auf das Ring- 
gefäss und die vier Radiärkanäle ausgefüllt wird. Im 
„Knospenkern" (Claus) der also eine Verdickung der 
äusseren Haut ist , bildet sich nun der Hohlraum des spä- 
teren Schwimmsacks und von ihm e.xistirt später nichts 
mehr , als die Epithelauskleidung dieses. Zwischen der 
äusseren und inneren Haut am Umfange des Schwimmstücks 
beginnt sich nun die strukturlose Zwischensubslanz abzu- 
lagern und überwiegt bald die Masse der äusseren und in- 
neren Haut, von deren ersterer am reifen Schwimmstücke 
nur die Epithelbekleidung noch gebildet wird, während die 
Wände des Gefässsysteins und die Muskulatur des Schwimm- 
sacks von der innern Haut zusammengesetzt werden. 

Der Bau und die Entwicklung der Decks tu c k e 
ist ganz wie bei den Schwimmstücken , nur mit den dar- 
aus entspringenden Veränderungen, dass bei ihnen keine 
Schwimmhöhle gebildet wird. 

Die drei Abtheilungen der Polypen, Basalstück, 
Magen, Rüssel, werden durch das verschiedene Massen- 
verhältniss der äusseren und inneren Haut charakterisirt. 
Am Basalslücke verdickt sich die äussere Haut gewaltig 
und in ihren Zellen entstehen viele grosse Nesselkapseln, 
die aber nie zur Reife gelangen. An der Uebergangsstelle 
des Basalstücks in den Magen bildet eine plötzliche Ver- 
dickung der inneren Haut die ringförmige Falte , die hier 
den Abschluss der k'örperhöhle gegen den Magen bewirkt. 
Am Magen und Rüssel ist die äussere Haut nur ein dünner 
Ueberzug, während im ersteren die innere Haut besonders 
dick ist und jene reihenweis gestellten Hohlräume enthält, 
deren umgebende Zellen wohl den Verdauungssaft absondern. 

Die Entwickelung der Nesselknöpfe an den 
Fangfäden, die wir bei allen uns vorgekommenen Si- 
phonophoren genau beobachteten, hat uns lange beschäftigt, 
doch müssen wir wegen des Specielleren auf die Abhand- 
lung selbst verweisen. Die Spiralvvindungen des Nessel- 



Auszug aus den Untersuchungen am .Miltelmeerc. 327 

Strangs und Endfadens sind stets linke (Scäotrope Li- 
sting-; also wie bei der rechten Schraube der Technik), 
während der Stamm selbst bei Forskalia und Rhizophysa 
rechts gewunden ist. Die aus der innern Haut bestehen- 
den Wände des Centralkanals werden neben dem Nessel- 
strange zu dem Systeme der elastischen Bänder, während 
sie im Endfaden zu der so wirksamen Muskulatur sich um- 
bilden. Bei Agalma Sarsii wächst vom Stielende her über 
den Nesselstrang ein glockenförmiger Mantel, der also eine 
Bildung der äusseren Haut ist. In einem Stadium der 
Entwickelung gleichen die Nesselknöpfe von Physophora 
Philippii denen von Agalma Sarsii, da sie auch diesen Man- 
tel haben, dann aber bekommt das Stielende an einer Seite 
eine Aussackung und wächst ganz am Mantel entlang, 
während sich das Ende des Nesselstrangs in die Höhe hebt, 
so dass zuletzt der zweilappige Endfaden am oberen Theile 
des Nesselkopfes hervorkommt. Darauf bildet sich zwi- 
schen den Bilduncrshäuten jener Stielaussackung die struk- 
turlose Zwischensubstanz und umwächst von rechts und 
links her den Mantel, bis nur die Endlappeu noch hervor- 
ragen, unter denen die schwächste Stelle bleibt, aus wel- 
cher der Nesselstrang hervorgeschleudert wird. Ausser 
dem Mantel ist hier also noch eine Hülle hinzugekommen, 
die aus der Zwischensubstanz besteht, überzogen von einem 
Epithel der äusseren Haut. 

Bei Agalma Sarsii und rubrum sind grosse Ver- 
schiedenheiten zwischen den Nesselknöpfen der 
jagendformen und denen der reifen Thiere beobachtet und 
das Agalma niinimum von Graf Fe mit grosser Wahrschein- 
lichkeil als ein .lugeiidziistand von Ag. rubrum erkannt. 

Die Entwickelung der Nesselkapseln in Zellen 
ist von Leydig bei Hydra entdeckt; bei den Siphonnpho- 
ren ist das leicht zu verfolgen. Im Zelleninhalte difleren- 
zirl sich eine ovale Masse an der man bald eine äussere 
Haut bemerkt; von einem Pole her bildet sich ein cylin- 
drischer Hohlraum auf etwa 2 / s der Länge der Nessclkapsel 
und erhalt eine beSonden! Maut — der spätere Stiel des 
Nefielfadena — und im übrigen noch soliden Theile dill'e- 
renzirt sich der Nesselfaden selbst. Beim Hervorschnellen 



328 KeTerslein und Ehlers: 

des Fadens hebt sich von der Kapsel erst ein kleiner Deckel 
ab, dann tritt durch völlige Umstülpung der Stiel hervor 
und aus diesem wird der Faden hervorgetrieben , nach 
dessen Austritt die Kapsel ein bedeutend geringeres Volu- 
men, wie vorher, hat. 

In Betreff der Entwickelung der Geschlechts- 
stücke, deren morphologische Uebereinstimmung mit der 
Medusengeneration der Hydroidpolypen man wohl als aus- 
gemacht ansehen darf, erwähnen wir vorerst die Entwicke- 
lung einer Meduse aus einer Knospe, die wir wiederholt 
am Magen der Cytaeis pusilla Gegenbaur beobachteten, 
obwohl wir unsere Bemerkungen über Medusen einer an- 
deren Arbeit vorbehalten. Die Entwickelung ist genau so 
wie sie oben für die jüngeren Zustände der Schwimmstücke 
angegeben ist, wie auch die beiden Bildungshäute dieselbe 
Verwendung finden. Nachdem aber der Schwimmsack ge- 
bildet ist, erheben sich im Grunde desselben die beiden 
Häute zu einer neuen Vorstülpung, die sich endlich an 
ihrer Spitze öffnet und den Magen darstellt. Die Entwicke- 
lung der Geschlechlsstücke der Siphonophoren geht nun 
gerade auf dieselbe Weise vor sich und in der äusseren 
Haut des klöppeiförmigen Magens bilden sich die Ge- 
schlechlsprodukle. Bei Velella öffnet sich dieser Magen an 
seiner Spitze und die Geschlechtsstücke sind wahre Medu- 
sen (Gegenbaur), während bei den Calycophoriden und 
den männlichen Geschlechlsstücken der ineisten Physopho- 
riden diese Oeffuung nicht eintritt , die Geschlechlsstücke 
aber sonst gerade wie Medusen gebildet sind und frei 
herumschwimmen können. Auf dem niedersten Zustande 
der Entwickelung bleiben die traubenlörmig zusammensit- 
zenden weiblichen Geschlechtsstücke der Physophoriden 
stehen, denn hier bildet sich nicht einmal eine Schwimm- 
höhle, sondern die Glocke, oft mit einem unregelmässigen 
Canalsysteme , umschliesst dicht das einzige Ei und öffnet 
sich nur an ihrer Spitze , um das reife Ei befruchten und 
dann heraustreten zu lassen. 

b. Die beobachteten Siphonophoren. 

1) Abyla pentagona (0- et G.) Eschsch. 

2) Diphyes Sieboldii Köll. 



Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 329 

3) Diphyes turgida Gegenb. 

4) Diphyes conoides nov. sp. 

Schw immstücke schlank , das vordere zugespitzt, im 
Ganzen von der Form derjenigen von D. Sieboldii. Am 
hinteren Schwimmstücke eine Rille für den Austritt des 
Stammes, deren Wände hinten sich zu zwei gleich langen 
Spitzen verlängern. Der Fortsatz des vorderen Schwimm- 
stücks an dem das hintere befestigt ist, solide und kurz, 
viel höher als lang. Das hintere Schwimmstück umfasst 
eine rundliche Vorwölbung jenes Fortsatzes, so dass die 
Zusammenfügung ähnlich wie bei D. quadrivalvis wird. — 
Deckslücke trichterförmig. — Stämme eingeschlechtlich. 
— Neapel. 

5) Diphyes ooata nov. sp. 

Schwimmstücke eiförmig, ohne Kanten und Spitzen. 
Das vordere hat oben hinten eine tiefe Einsenkung zur 
Aufnahme des hinteren Schwimmstücks, die Schwimmhöhle 
ist lang und eng, so dass im Schwimmslücke ein grosser 
Theil solide bleibt. Ein gefässartiger Saflbehälter läuft bis 
in die Spitze. — Das hinlere Schwimmstück hat an seiner 
Unterseite eine liefe liille, Lappen am Ende fehlen. Vorne 
auch ein kleiner Saflbehälter. — Deckstücke sattelarlig, 
ähnlich denen von I'raya. — Die Glocken der Geschlechts- 
slücke mit einer dicken, auch unten vorspringenden Längs- 
rippe. — Messina. 

6) Diphyes quadrivalvis (Lesueur) Gegenb. 

7) Praya cymbifoniiis (d. Ch.) Leuck. 

8) Praya liliformis (d. Ch.) K. et E. (= P. Diphyes Aut.) 
Schwimmstücke fast gleich gross, das etwas kleinere 

liegt in einer flachen Einsenkung des grösseren, und auch 
(Urs nur mit seinem oberen Theile, während unten die 
Schwimmstücke auseinander stehen. Der Saflbehälter endet 
in jedem Schwimmslücke mit einer runden Blase. Deck- 
llÜcke nierenförmig , an der einen Seile herzförmig und 
Dicht in zwei Lappen gespalten. Glocken der Geschlechts- 
■lür.ke kegelförmig, ohne alle Kanten. 

9; Hlppopodius gleba (Forsk.) Leuck. 
10) Vogtia penlacantha Köll. 



330 Keferstein und Ehlers: 

11) Apolemia uvaria (Lesueur) Esclisch. 

12) Agalma rubrum C. Vogt. 

Als eine Jugendform möchten wir hierher das von Ed. 
Gräffe als Agalma minimum beschriebene Wesen ziehen, 
da wir in Messina wiederholt eine kleine Siphonophore 
beobachteten , deren jüngere Polypen Fangfäden wie Ag. 
rubrum hatten, während die älteren solche trugen, wie sie 
Gräl'fe bei seinem Ag. minimum beschreibt. 

13) Agalma Sarsii Köll. 

14) Forskalia contorta (Edw.) Leuck. 

15) Forskalia ophiura (d. Ch.) Leuck. 

16) Forskalia Edwardsii Köll. 

Schwimmstücke keilförmig, das scharfe Ende breit ab- 
gestutzt. Der Stamm macht weile rechte (dexiotrope) Spi— 
ralwindungen. Polypen auf langen Stielen, die über vier- 
mal so lang sind als sie selbst und auch die Taster stets 
an Länge übertreffen. Nesselknöpfe mit V/ 2 bis 2 Win- 
dungen ihres nur blassrothen Nesselstrangs. Stämme von 
2 — 3 Fuss Länge mit einer gewaltigen Fülle von üeck- 
stücken. — Messina sehr häufig. 

17) Forskalia formosa nov. sp. 

Schwimmslücke am hintern Ende durch einen liefen 
Einschnitt in zwei Lappen getheilt, von denen der eine 
stets länger als der andere ist. Stamm mit sehr deutlichen 
Spiralwindungen. Polypen auf kurzen Stielen, welche die 
Länge des Polypen nicht viel übertreffen und stets viel 
kürzer als die Taster sind. Taster sehr lang wurmförmig. 
Nesselknöpfe mit 2'/., — 3 Windungen des brennend rothen 
Nesselstrangs. Stämme bis 2 Fuss lang, stets von sehr 
zartem Aussehen. — Messina ziemlich selten. 

18) Physophora Philippii Köll. 

Unterscheidet sich von der Ph. hydrostatica von Nizza 
dadurch , dass hier die Polypen an kurzen Stielen sitzen, 
und dass an den eiförmigen Nesselknöpfen jederseits oben 
ein Seitenlappen sitzt. 

Bei jungen Exemplaren ist die Stammerweiterung ein 
Stück einer linken Spirale, bei älteren verwischt sich diese 
Spiralwindung mehr und sie ist fast sackförmig. — An den 
Tastern stets ein Tastfaden. 



Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 331 

Vom Luftaustritt aus dem Luftsack ist oben berichtet. 

19) Athorybia rosacea (Forsk.) Eschsch. 

20) Rhizophysa filiformis (Forsk.) Lam. 

21) Physalia caravella Eschsch. 

Nach Spiritusexemplaren dieser Art und der Ph. utri- 
culus muss man den grossen Luftsack auch hier wie den 
erweiterten Stamm ansehen , dessen weitester Theil noch 
Andeutungen eines Stücks einer linken Spiralwindung zeigt 
und die Anhänge trägt, die nach der einen Seite hin an 
Aller zunehmen. Der Kamm der Luftblase würde der Ge- 
gend des Stammes entsprechen, wo die Schwimmstücke ste- 
hen müssten, und nimmt man das Loch oben im Luftsacke 
hinzu, so hat man eine sehr grosse Uebereinstimmung mit 
dem Bau einer jungen Physophora, die noch ohne Schwimm- 
stücke ist. 

22) Velella spirans (Forsk.) Lam. 

23) Porpita mediterranea Eschsch. 



II. Untersuchungen über die Anatomie des 
S ipu n c u 1 u s. 

Die nachfolgenden Untersuchungen sind besonders 
am Sipunculus nudus , der im Sande des Pausilipps bei 
Neapel gemein ist , angestellt , und in Messina , wo auch 
die schwärmenden Jungen unseres Wurmes zur Beobach- 
tung kommen, lieferte der S. tesselatus Raff. *) viele will- 
kommene Ergänzungen. Wie die Anatomie aller Thiere, 
die an der Grenze ihrer Classe stehen, so kann auch die 
des Sipunculus auf ein besonderes Interesse rerhnen. 

Unser Verhältniss zu unseren Vorgängern Pallas, 
delle Chiaje, Grube, Peters, Krohn findet sich 
in der Abhandlung selbst genau dargestellt, hier müssen 



') Von dieaer Aji haben wir nnr ein Exemplar untersuchen 
können und dieses erhielten wir in Messina durch die Güte unseres 
Freundes Dr. E. Iläckcl, dem es die l'isrherknalien zufällig ge- 
bracht halten. 



332 he fers tein und Ehlers: 

wir uns der Kürze wegen begnügen, nur die Namen dieser 
früheren Beobachter zu nennen. 

Die äussere Haut besteht aus einer bindegewebi- 
gen Cutis, einem Epithel, in dessen Zellen bei den 
pigmentirten Arten, wie z. B. beim S. tesselatus, das Pig- 
ment enthalten ist, und einer mächtigen durch Maceriren 
sich leicht ablösenden Cuticula. Die Cuticula ist von 
vielen Porenkanälen durchsetzt, welche die Ausfüh- 
rungsgänge von eiförmigen in der Cutis liegenden Haut- 
drüsen von 0,08 Mm. Grösse bilden. In der Basis der 
Hautpapillen des Rüssels liegen diese Hautdrüsen beson- 
ders gehäuft. 

Unter dieser äusseren Haut liegt die Körpermus- 
kulatur, die wie bekannt aus Ring- und Längsmuskeln 
in regelmässiger Anordnung zusammengesetzt ist. 

Die Leibeshöhle ist von einer trüben weinrothen Lei- 
besflüssigkeit erfüllt, welche man, da ein specielles 
Circulationssystem fehlt, für das Blut ansehen muss. Diese 
Leibesflüssigkeit ist äusserst reich an körperlichen Elemen- 
ten, von denen wir fünf Sorten unterscheiden : 1) runde oder 
brodförmigc Blutkörper, 2) körnige Zellen, die häufig blasse 
sternförmige Ausläufer zeigen; 3) Körnerhaufen 0,1 Mm. 
gross, aus 0,005 Mm. grossen runden Körnern bestehend ; 
4) Zellenhaufen, bis 0,4 Mm. gross, aus 0,04 grossen äus- 
serst blassen Zellen zusammengesetzt; 5) topfJörmige Kör- 
per, deren Mündung von grossen Wimpern umsäumt ist, 
mittelst welcher sie in der Leibesflüssigkeit hin- und her- 
schiessen. Krohn hält diese Wesen für Parasiten, wir 
haben sie aber , wie auch die übrigen körperlichen Ele- 
mente , bei nur 2 Mm. langen Jungen auf etwas niederer 
Enlwickelungsstufe , gefunden. — Seewasser scheint dem 
Blute nicht beigemischt zu sein , denn wenn wir dasselbe 
sehr vorsichtig in einem Schälchen aufgefangen hatten, 
zeigten sich beim Eintrocknen keine Kochsalzkryslalle. — 
Zu gewissen Zeiten sind der Leibesflüssigkeit Eier in sehr 
grosser Anzahl beigemengt; wahrscheinlich treten sie durch 
den zweilippigenPorus, der sich am Hinterende des Thie- 
res findet, ins Freie. 

Der so merkwürdige Verlauf des Verdauungs- 



Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 333 

Irak Ins ist bereits von J. F. Meckel und von Grube 
genau beschrieben. Der ganzen Länge nach verläuft im 
Darme eine VV imp e r furc h e, die von aussen als ein 
brauner Streifen in der Mitte mit weisser Linie erscheint 
und die von delle Chiaje und Grube für ein Blutge- 
fäss , von Peters für den Eierstock gehalten wurde, die 
wir aber bei den 2 Mm. grossen Jungen besonders deutlich 
in ihrer wahren Natur erkannten. 

Den vorderen Theil des Darms begleiten die beiden 
schlauchförmigen Drüsen, welche delle Chiaje 
und Grube für zu einem Wassergefässsysteme gehörige 
Polische Blasen beschreiben und die sich durch ihre rothen 
in Zellen entstehenden Concretionen deutlich als drüsige 
Organe manifestiren. — Etwa 30 Mm. hinter dem After sitzt 
auf dem Darme ein kleines Divertikel und ganz nahe 
der Afteröffnung trägt der Darm die zwei Gruppen b ü - 
schelför mi g er Körper, die vielleicht die Andeutung 
der bei Bonellia und den Holothurien hier vorkommenden 
Respirationsorgane sind. 

Das Nervensystem besteht aus einein dicken der 
Körperwand anliegenden Bauchstrang, der im Hinterende 
eine ganglienartige Anschwellung hat , und im Vorderende 
sich zum weiten Schlundringe theilt, dessen Schenkel in 
das obere Schlundganglion oder Gehirn eintreten. Das 
Hirn hat eine Bisquitform und an seiner Hinterseite trägt 
es räthselhafte kleine cylindrische Läppchen. Vom Hirne 
Strahlen verschiedene Nerven aus, die besonders zu den 
Retracloren des Rüssels treten. Der Bauchstrang giebt 
jederseits entsprechend jedem Ringmtiskcl einen Seitennerv 
ab, der mit gleichbleibender Dicke auf dem Ringmuskel 
entlang läuft und sich mit dem der anderen Seite zu einem 
Nervenringe vereinigt, von welchem die feineren Nerven 
austreten und sich zu den Muskeln begeben oder zu den 
Hautdrüsen gehen , von denen jede einen Nervenast er- 
hält. Der Hauchstrang besteht aus zwei in einander lie- 
genden Abtheilungen, die äussere ist nur aus dicht anein- 
ander stossenden klaren Zellen zusammengesetzt, bei der 
Innern kommen ausser Körnchen auch noch einige faserige 
Elemente hinzu, die Hülle des Ganzen besteht aus platten 



334 Keferstein und Ehlers: 

Zellen und trügt aussen in gesonderten Haufen Büschel 
von Cilicn. Krohn hält die äussere Abteilung des Bnuch- 
strangs für ein Blutgefäss, welches den eigenlhümlichen 
Nervenstrang völlig umhülle , da aber zwischen der Hülle 
und der inneren Abiheilung gar kein Hohlraum , sondern 
dicht gedrängt jene Zellen e.xistiren, so können wir dieser 
Meinung nicht beistimmen und haben überhaupt von Blut- 
gefässen nichts gefunden. 

Was die G e s c hl ech ts v er h ä 1 tniss e betrifft, so 
ist der Sipunculus ein Zwitter. Die Hoden sind jene 
beiden langen schlauchförmigen Drüsen, welche vor dem 
After nach aussen münden : die slecknadelförmigen Zoo- 
spermien, die einen sehr kleinen Kopf haben, enlslehen in 
den Hodenzellen auf die gewöhnliche Weise. — Die Eier 
entstehen in rundlichen in der Cutis liegenden Schläuchen, 
welche an ihrer Oberfläche Wimpern. Haben die Eier hier 
eine gewisse Grösse erreicht , so durchbrechen sie ihre 
Schläuche und freien durch die OelTnungen der Körpermus- 
kulatur, die bei der regelmässigen Kreuzung der Ring- 
und Längsmuskeln übrig bleiben , in die Leibesflüssigkeit, 
wo sie ihre Reife erreichen, bis sie wohl durch den Porus 
im Hinlerende ins umgebende Wasser gelangen. In Betreff 
der Entstehung der Eier schliesst sich also der Sipunculus 
nahe an jene Würmer an, wie Alciope, Tomopteris, wo die 
Eier und bei ersleren, (welche Zwitter sind) auch die Zoo- 
spermien als Weiterbildung der Zellen unter der äusseren 
Haut entstehen. 



III. Anatomie und Ent Wickelung von Doliolum. 

Die merkwürdigen Thatsachen über die Fortpflan- 
zungsweise der vonQuoy und Gaimard entdeckten Tu- 
nikatengaltung Doliolum *) sind durch Krohn, ganz 



*) Den Namen' Doliolum hatte schon vorher A. W. Otto 
an ein anderes Wesen aus dem Mittelmeere , seinem Doliolum medi- 
terraneum , vergeben , das als das Haus der Phronima sedeutaria seit 
Forskai bekannt ist, dessen Abstammung aber mit Sicherheit noch 



Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 335 

besonders aber durch Gegenbaur bekannt geworden, 
während sich mit der Anatomie ausser diesen beiden ge- 
nannten Forschern auch noch Huxley und Leuckart 
beschäftiglen. 

Man kann sich den Bau unseres Thiers , das wir in 
Messina vom Januar bis April d. J. täglich beobachteten, 
dadurch versinnlichen , dass man es sich vorstellt wie ein 
an beiden Enden offenes Fässchen mit doppelten Wänden, 
deren Zwischenraum von den Eingeweiden und dem Blute 
gelullt ist, und, die unbedeutenden Verbindungsfäden ab- 
gerechnet, nur an den Körpermündungen mit einander ver- 
bunden sind. Die Athemhöhle , in welche der Mund und 
Alter, wie die Gcschlechtswerkzeuge münden und die 
durch die darin ausgespannten Kiemen noch beschränkt ist, 
wird also von der inneren Haut begränzt, während die 
äussere Haut die eigentlich äussere Körperhaut bildet. 
Beide Häute haben gleichen anatomischen Bau. Bei ganz 
jungen Individuen bestehen sie aus mehreren Lagen von 
0,01 Mm. grossen runden Zellen, später bilden diese Zellen 
nur eine Lage und im ausgebildeten Zustande findet man 
eine dünne durchsichtige Haut mit vielen sternförmigen 
und runden Zellen oder Zellenrudimenten. 

Die Muskeln sind vollständige Ringe wie Tonnen- 
bänder und liegen an der Innenseite der äusseren Haut, 
mit dieser nicht verwachsen, sondern nur durch feine Fa- 
sern an sie geheftet. Sie bestehen aus mehreren Lagen 
einer Menge 0,003 Mm. feiner Fasern, in denen keine Kerne 
zu entdecken sind. 

Die Kiemen bilden eine doppeltwandige Scheidewand 
quer durch die Athemhöhle , ihr Hohlraum communicirt 
frei mit dem Blutsinus und jederscits eine Reihe cilienum- 
säumter Löcher gestalten dem Wasser den Durchtritt. Ent- 



flicht ausgemacht scheint. Schon delle Cbiaje unterschied von 
diesem Wesen drei Arten nach der äusseren Skulptur. Uns scheint 
es zu einem salpenShnlichen Thiere zu gehören . da es genau den 
kopischen Hau wie dei Cellulosemante) der Sulpen hat, auch 
chemisch nur den Gebalt von Spuren von Stickstoff anzeigt und in 
Natron ganz unlöslich ist. 



336 Keferstein und Ehlers: 

weder ist die Kiemenscheidewand eine Ebene und hat je- 
derseits fünf Löcher (Dol. Müllerii) oder vier Löcher (Ge- 
neration B), oder die Scheidewand bildet eine stark gebo- 
gene Fläche, die Convexität nach hinten und hat jederseits 
bis über 40 Löcher (Dol. denticulalum und Generation C). 
Das Herz und der Herzbeutel sind im Ganzen wie 
bei den Salpen gebildet und die Richtung der Contractio- 
nen wechselt ebenso wie da. Die Blutkörper sind spär- 
lich; sie sind kuglig , 0,010—0,012 Min. gross und zeigen 
mit Essigsäure einen Kern. Bei der Generation B befindet 
sich an der Hinterseite des Herzbeutels ein eigenthümliches 
frei durch die Bauchwand nach aussen mündendes roset- 
tenförmiges Organ. Im ausgebildeten Zustande be- 
steht es aus einem Körper, welcher aus sechs der Länge 
nach an einander gehefteten Lappen zusammengesetzt wird, 
und aus einer Mündung, welche von einem breit abstehen- 
den Kragen umgeben ist. Es besteht aus grossen runden 
Zellen. Ob der Hohlraum dieses Organs wirklich mit dem 
des Herzbeutels im Zusammenhange steht, war nicht aus- 
zumachen. Wegen der Funktion könnte man der Analogie 
der Lage nach an das bekannte Excrelionsorgan am Herz- 
beutel der Plcropoden und Heleropoden denken. 

In Betreff des Verdauungsapparats müssen wir 
auf die Abhandlung selbst verweisen. 

Das Nervensystem besteht aus einem grossen mit 
runden Zellen zusammengesetzten Gehirn , über dem bei 
Dol. denticulalum häulig ein brennend gelber Pigmentfleck 
in der äusseren Haut liegt, und aus den davon ausstrah- 
lenden Nerven. Von den letzteren erwähnen wir hier nur 
die Endigungen. Ausser den Nerven, die mit den Mus- 
keln in einem kleinen dreieckigen Ansatz verschmelzen, 
enden eine grosse Zahl frei in der äusseren Haut in run- 
den 0,015 Min. grossen Zellen mit 0,004 Mm. grossem Kern. 
Meistens hat die Nervenfaser sich vor diesem Ende in 3 — 5 
Zweige getheilt, die dann alle in nahe zusammenliegenden 
Zellen enden. Solche Nervenendigungen sind über 
den ganzen Körper verbreitet, aber besonders schön sieht 
man sie in den Zacken, welche die vordere und hinlere 
Körperöffnung umgeben. Der Keimstock der Generation B 



Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 337 

enthält besonders ausgebildete Nervenenden : jederseits 
tritt in ihn ein starker Nervenstamm ein, theilt sich einmal 
und jeder dieser vier Aeste tritt zu einer Gruppe in der 
äusseren Haut liegender Ganglienzellen , die auf ihrer nach 
aussen gekehrten Fläche mit langen steifen Borsten besetzt 
sind. Gerade solche wie die zuerst beschriebenen Nerven- 
endigungen fanden wir bei Salpa demoeratica-mucronata. 
und ganz ähnliche auch bei Pterotrachea und Firoloides, 
hier die Ganglienzellen auch mit Haaren besetzt. 

Als Nase möchten wir eine hohle Verlängerung des 
Gehirns nach vorne ansehen, die sich auf der Rückenseile 
im Schlundwimperbande mit einer stark wimpemden Erwei- 
terung öffnet. Sie kommt allen Arten und Generationen zu; 
dies ist nicht der Fall mit dem Gehörorgane, das wir 
nur bei den verschiedenen Arten der Generation B fanden. 
Es ist dies ein hohles Bläschen, eine Einstülpung der äus- 
seren Haut, auf dessen Wand eine körnige Verdickung sitzl, 
die den runden, festen, aus organischer Substanz bestehen- 
den Otolithen trägt , zu welchem ein starker Nerven- 
zweig tritt. 

Was die Gesch le-ch ts organc betrifft, so ist Dolio- 
lum ein Zwitter. Die Mündungen des Hodens und Eier- 
stocks liegen unmittelbar neben einander, unten an der 
linken Seile im vorletzten Zwischenmuskelraum. Her Eier- 
stock ist ein rundlicher Körper, der vor seiner Mündung 
nach hinten liegt, er enthält bis sechs Eier in allen Ent- 
wickelungszuständen. Der Hoden ist länglich , kolben- 
förmig und liegt von seiner Mündung nach vorn , neben 
dem Endostyl. Häufig waren Eier und Samen in demselben 
Individuum zu gleicher Zeit reif. . 

Die gross ten Merkwürdigkeiten bietet die Entwickc- 
1 u n g durch die Aufeinanderfolge verschiedener Genera- 
lionen. Aus dem Eie der geschlechtlichen Generation, die 
Wir mit A bezeichnen, entwickelt sich ein Doliolum, «bis in 
der Jugend an der Bauchseite einen grossen Schwanz trägt, 
wie die Larven der Ascidien , das geschlechtslos ist, aher 
an seiner Röckenseite hinten einen grossen Keimslock ent- 
wickelt: diese Generation bezeichnen wir mit B. Sie hat 
neun Mnskelringe, den Otholtthen und das rosetlenlöi -miiie 
Arohiv. f. Nnturg. XXVI. Jahrg. l.Iid. 



336 Keferslein nod Ehlers: 

Organ am Herzbeutel. An ihrem Keimstock entsteht die 
dritte Generation, auch ungeschlechtlich, die wir C nennen. 
Diese Generation besteht aber aus zweierlei Wesen, 
einmal die Sprossen in der Mittellinie des Keimstocks Cm, die 
ähnlich aussehen wie die Generation A, die einen Keim- 
stock an der Bauchseite tragen und an diesem Knospen 
entwickeln, die Geschlechtstheile haben und eben wieder 
die geschlechtliche Generation A sind , und zweitens die 
Sprossen der Seiten des Keimstocks Ci, die Gegenbaur 
zuerst beschrieb, und die auf den ersten Blick von sehr 
verschiedenem Baue von den übrigen Generalionen erschei- 
nen. Diese Lateralsprossen haben keine Geschlechtstheile 
und auch keinen Keimstock und es ist uns unbekannt ge- 
blieben, ob sie überhaupt eine weitere Fortpflanzung be- 
sitzen. 

Von allen Generationen beobachteten wir verschiedene 
Arten, die uns bei der Generation B aber nicht gelangen 
auf die geschlechtlichen also namengebenden Formen zu 
reduciren , wir bezeichnen sie desshalb vorläufig mit ,B, 
2 B u. s. w. 

Generation A. 

Vorn 12, hinten 10 Lappen an der Körperöfl'nung; 8 
Muskelringe. Mündung der Geschlechtstheile im vorletzten 
Zwischenmuskelraum, an der linken Seile unten. Gehirn 
im dritten Zwischenmuskelraume. 

Dol. denticulatum Quoy et Gaimard. 

Dol. Ehrenbergii Krohn. 

Kiemen in einer stark nach hinten eingeknickten Schei- 
dewand, jederseits mit bis 45 Kiemenlöchern. Nase im er- 
sten Zwischenmuskelraume. Darm stark nach oben und 
rechts gebogen. Messina, Januar bis April. Sehr häufig. 

Dol. Müllerii Krohn. 

Kiemen in einer ebenen Querscheidewand , jederseits 
mit 5 Löchern. Nase im zweiten Zwischenmuskelraume. Darm 
wenig gebogen. Messina, Januar bis April. Seilen. 



Auszug au» den Untarwichungra Hm Mittelmeere. 339 

Generation B. 
Vorn 10, hinten 10 Lappen an der Körperöffnung, 9 
Muskelringe. Kieme ein ebenes Septum mit jederseits 4 
Löchern. Nase im dritten . Gehirn im vierten Zwischen- 
muskelraume. Otholilh im dritten Zwisclienmuskelraume an 
der linken Seite. A;n Herzbeutel das rosettenförmige Or- 
gan. Keimstock an der Rückenseite im siebenten Zwi- 
sclienmuskelraume entspringend. 

Doliolum gen. ,B. 
Bis 10 Mm. lang, langgestreckt , so dass die grösste 
Breite nur '/, der Lauere beträgt. Ingestionsöffnunff trom- 
petenförmiff erweitert. Muskelringe so breit wie ihre Zwi- 
schenräume , oder breiter. Meistens schlaf! und die Haut 
faltig. Sehr häufig (ist das l)ol. Troschelii Krohn). 

Doliolum gen. ,B. 
Bis 4 Mm. lang, von Tonnengestalt. Muskelringe höch- 
stens so breit wie ihre Zwischenräume. Das Thier ist 
straff'. Der Darm läuft gestreckt, After im letzten Zwi- 
schenmuskclraumc. Sehr häufig. 

Doliolum gen. 3 B. 
Wie 2 B, aber mit scharf nach oben gebogenem Darme. 
After im sechsten Zwisclienmuskelraume. Selten (ist das 
Dol. Nordmannii Krohn). 

Doliolum gen. (,B. 

Bis 7 Mm. lang, von Tonnengestalt, Muskelringe breiler 
als ihre Zwischenräume, bis zur gegenseitigen Berührung. 
Darm gestreckt. Selten. 
Generation Cm. 

In allen Theilen der Generalion A ähnlich, nur dass 
die Geschlechtstbeile fehlen und im sechsten Zwisclienmus- 
kelraume an der Bauchseite der Keimstock sitzt , dessen 
Basaltheil der Stiel selbst ist, an dem das Thier am Keim- 
stocke von B befestigt war. Die beiden beobachteten Ar- 
ien konnten auf die geschlechtlichen Formen reducirt wer- 
fen, da an ihren Keimstöcken hinreichend grosse Knospen 
waren, um zu sehen, welche der geschlechtlichen Arten 
dies waren, 



340 Kefersteln u. Ehlers: Auszug a. d. Unters, am Mittelmeere. 

Dol. denticulatum gen. Cm. 
Kiemen in einer stark geknickten Scheidewand, mit je- 
derseits bis über 40 Kiemenlöchern. Nase im ersten , Ge- 
hirn im dritten Zwischenmuskelraume. Darm gebogen. Sehr 
häufig. 

Dol. Müllerii gen. Cm. 
Kiemen in einem ebenen Septum, jederseits mit 5 Lö- 
chern. Nase im zweiten, Gehirn im dritten Zwischenmus- 
kelraume. Selten. 



lieber das Ammengeschlecht Corymorpha und seine 
Arten, nebst den von diesen aufgeanimten Medusen. 

Von 

II. Sars. 

Uebersetzt aus Forhandl. i Vid. Selsk. i Christiania for 
1859 vom Herausgeber. 



Im Jahre 1835 machte ich (Beskr. og Jagtt. over Dyr 
ved den Bergenske Kyst p. 6 — 10. Tab. 1. Fig. 3) einen von 
mir in der Nähe von Bergen entdeckten kolossalen neuen 
Hydroiden unter dem Namen Corymorpha nutans bekannt. 
Später wurde dieselbe Form bei den Orkney-Inseln von den 
englischen Naturforschern Forbes und Goodsir gefun- 
den (Annais of nat. bist. 1840. Vol. V. p. 309). 

In einer im Jahre 1853 erschienenen inhaltsreichen 
kleinen Schrift (The marine Invertebrata of Grand Manon) 
von dem amerikanischen Zoologen und Weltunisegler W. 
Stimpson wird berichtet (p. 9) , dass meine Corymorpha 
nutans in grosser Menge bei Grand-Manan, Fundybay vor- 
komme. Da er indessen keine nähere Beschreibung von 
dem von ihm beobachteten Thicre giebt, und da sich , wie 
wir unten zeigen werden, in den nordischen Meeren meh- 
rere, einander sehr ähnliche, aber doch specilisch verschie- 
dene Formen von Corymorpha finden, muss es noch für 
zweifelhaft angesehen werden, ob die amerikanische wirk- 
lich mit ('. nutans identisch ist. 

Das eben Erwähnte war Alles, was über diese Hy- 
droidengattung veröffentlich war, von welcher man dem- 
nach annahm, dass sie auf die nordischen Meere beschränkt 



342 S a r s : 

sei , und von welcher nur eine einzige Art bekannt war, 
bis Prof. Steenstrup im Jahre 1854 (Vidensk.Meddelelser 
l'ra den naturhist. Forening i Kjöbenhavn, 1854. p. 46) eine 
zweite und zwar tropische Art dieser Gattung- von Rio-Ja- 
neiro unter dem Namen Corymorpha Januarü bekannt machte. 

Ferner ist ein von 0. Schmidt bei Loppen in Fin- 
marken beobachteter und in seinem Handatlas der vergleichen- 
den Anatomie , Jena 1854. Tab. 9. Fig. 2 abgebildeter Hy- 
droide, welchen er, ohne ihn näher zu beschreiben , zu 
einer neuen Gattung unter dem Namen Amalthaea uvifera 
macht, ganz sicher eine , und wie es scheint , neue Art 
meiner Gattung Corymorpha. Es ist daher nicht richtig, 
nenn Leuckart in seinem Jahresberichte (Archiv für Na- 
turgeschichte 1854. 11. p. 443) ihn mit der von mir (Reise 
i Lofoten og Finmarken p. 134) im Jahre 1850 aufgestell- 
ten Myriothela aretica idenliliciren will, welche nicht allein 
speeifisch, sondern auch generisch verschieden ist. 

Endlich hat AI der (Catalogue of the Zoophytes of 
Northumberland and Durhain 1857. p. 18) nachgewiesen, 
dass ein von Johns ton (Hist. of ßrit. Zooph. p. 463. 
Fig. 79 a) unvollständig beschriebener und zur Galtung Hy- 
draetynia gebrachter Hydroide eine neue Art Corymorpha, 
C. nana Alder, sei. 

Ausser der längst bekannten Cor. nutans habe ich zu 
verschiedenen Zeiten an der nordischen Küste noch drei 
andere neue Arten gefunden, wodurch also die Artenzahl 
der Gattung auf 7 steigt, von denen 6 nordisch (drei so- 
gar arktisch) und eine tropisch sind. 

In Hinsicht auf die Bestimmung der Arten haben die- 
selben soviel Gemeinsames in der Form des Körpers und 
der Tentakeln, und die Anzahl der letztem scheint so we- 
nig bestimmt und dabei nach dem Alter veränderlich zu 
sein, dass es überaus schwierig bleibt diese Formen ge- 
nügend zu unterscheiden und zu kennzeichnen. Das beste 
und sicherste Merkmal geben nach meiner Erfahrung die 
von ihnen producirten Medusensprossen. Nach Form und 
Bau von diesen, und mit Hinzufügung einiger anderen frei- 
lich minder sicheren Verhältnisse habe ich versucht , die 
von mir beobachteten Arten zu charakterisiren. 



Ueber das Animeogesthlecht Corymorpha. 343 

1. Corymorpha nutans Sars. 

Sars , Beskr. og Iaglt. over Dyr ved den Bergenske 
Kyst 1835. p. 6 Tab. 1. Fig. 3, a— f. 

Forbes and Goodsir, Annais of Nat. Hist. 1840. 
Vol. 5. p. 309. 

Johnston, History of Brit. Zooph. p. 54. Tab. 7. 
Fig. 3—6. 

Proles hydriformis 3 — 4 pollicaris , tentaculis inferio- 
ribus filiformibus longissimis uniserialibus 40 — 50, superiori- 
bus brevissimis numerosissiniis sparsis; pedunculis gemmi- 
geris circiter 15 — 20, tenuibus, longiusculis, ramosis, ra- 
mulis alternantibus apice gemmis medusinis numerosis mi- 
nimis dcnse accumulalis obsitis. 

Proles medusiformis decidua , pallio campanulato apice 
conico , canales quatuor radiantes exhibente, antiee aperto 
margine oblique truncalo ibique bulbis quatuor marginali- 
bus aequidistantibus ornato , quorum unus solummodo in 
cirrum cylindricum porreetum evolvitur. 

Im Jahre 1830 fand ich zuerst diese Art bei Glesvaer 
bei Bergen in einer Tiefe von 30 — 40 Faden auf schlam- 
migem Sande, später bei Manger 8 — 10 Faden tief auf Sand- 
boden, und endlich auf meiner ersten nordischen Beise im 
Jahre 1849 bei Beine auf den Lofoden an Vestfjorden ein 
Paar Exemplare, die der folgenden in grosser Menge vor- 
kommenden Art beigemengt waren, in 40 — 50 Faden Tiefe, 
auf sandgemischtem Schlamme. 

2. Corymorpha Sarsii Steenstrup. 
Corymorpha nutans, Sars Beise i Lofoten og Fin- 

marken, Nyt Magazin for Naturvid. 1850. Vol. 6. p. 135. 

Corymorpha Sarsii, Steenstrup Meddel. fra d. na- 
lurh. For. i Kjöbenh. 1854. p. 48. 

Prolet hydriformis 2—3 pollicaris, tentaculis inferiori- 
bus filiformibus longissimis uniserialibus 30 — 40, superiori- 
bus numerosissimis brevissimis sparsis ; pedunculis gemmi- 
gcris 8 — 10, tenuibus, brevissimis, apice divisis, gemmis 
medusinis paucis maximis obsitis. 

Proles medusiformis decidua, pallio elongato-campanu- 
lato apice rotundalo, canales quatuor radiantes exhibente, 
anticc aperto , margine recto ibique bulbis seu cirris mar- 



344 S ji r g : 

ginalibus enascentibus quatuor aequidistantibus , oinnibus 
acqualibus, ornato. 

Diese von mir im Jahre 1849 entdeckte Form ist bis- 
her nur in Vestfjorden bei den Lofodcn gefunden, y, Meile 
ostwärts von Reine (67" 57' N. B.) in einer Tiefe von 40 — 50 
Faden auf schlammigem Sandboden, wo sie recht häufig 
ist, und oft mit den langen Tentakeln in den Maschen des 
Schleppnetzes verwickelt heraufgezogen wird. 

3. Corymorpha iwifera (Amalthaea) Schmidt. 
Amalthaea uvifera, 0. Schmidt Handatlas der vergl. 

Anat. Tab. 9. Fig. 2. 

Bei der Insel Loppen in Finmarken auf 1 Faden Tiefe, 
sandigem Grunde. Von den beiden vorhergehenden Arten 
unterscheidet sich diese Form durch ihre geringere Grösse 
(1" oder wenig mehr) , kürzere untere und weniger obere 
Tentakeln. In Beziehung auf ihre Medusensprossen scheint 
sie C. Sarsii zunächst zu stehen , da sie nach Schmidt's 
Abbildung vier gleichgrosse Randknoten hat, welche jedoch 
hier verhällnissmässig weit grösser sind als bei jener Art. 

4. Corymorpha? annulicornis Sars, nov. spec. 
Proles hydriformis V ä pollicaris, tentaculis inferioribus 

fililormibus longioribus aiinulosis 20, superioribus 8 — 10 
uniscrialibus brevissimis apice globoso; peduneulis gemmi- 
geris brevissimis, gemmis medusinis maioribus et paueiori- 
bus obsitis. 

Frolcs medusiformis deeidua, pallio breviter campanu- 
lato, canales quatuor radinntes exhibentc, antice aperlo, 
margine bulbo seu cirro marginal! unico magno, conico 
elongalo vel cylindrico, inlrorsum flexo, caeterisque tribus 
indistinetis, ornato. 

Diese kleine sehr distinete Form , welche ich jedoch 
nicht ohne einigen Zweifel in die Gattung Corymorpha stelle, 
ist mir nur ein einziges Mal bei Floröc , Bergens Stift in 
zwei Exemplaren auf 30 — 40 Faden Tiefe und schlammigen 
Grunde vorgekommen. Sie weicht in mehreren Rücksich- 
ten, nämlich durch die geringelten und mehr conlractilen 
unteren Tentakeln, die geringe Anzahl der nur einen ein- 
zigen Kreis bildenden und in einen Knopf endenden oberen 



lieber das Animengeschlecht Coiyniorpha. 345 

Tentakeln, ziemlich weit von den übrigen Arten der Gat- 
tung ab und nähert sich an Tubularia, so dass sie wirklich 
ein verbindendes Glied zwischen diesen Ammengeschlech- 
tern zu bilden scheint. 

5. Corymorpha nana Alder. 

Hydrnctinia spec. , Johns ton Hist. of Brit. Zooph. 
p. 463. Fig. 79, a. 

Corymorpha nana, AI der Catalogue or the Zooph. of 
Northumbcrland and Durham p. 18. Tab. 7. fig. 7, 8. 

Sehr klein (nur '/, Zoll lang), kolbenförmig, nach un- 
ten viel schmaler; die unteren langen Tentakeln 15 — 20 an 
Zahl, die oberen kurzen und wenig zahlreichen (nach der 
Abbildung etwa 10) in einen einzigen Kreis oder Kranz 
gestellt, wie bei meiner C. annulicornis. Medusensprossen 
unbekannt. An der Küsle von England. 

6. Corymorpha Januarii Steenstrup. 
Steenstrup, Vidensk. Meddel. fra d. naturh. For. 

i Kjöbenhavn 1854. p.46. 

Bei Rio -Janeiro. Dies ist die grösste bekannte Art 
der Galtung (6" lang) und ausgezeichnet durch die grosse 
Anzahl der unleren oder langen Tentakeln (etwa 80) und 
der sprossenlragenden Stiele (etwa 40) , deren Medusen- 
sprossen durch den schief abgeschnittenen vordersten Rand 
ihrer Kuppen denen von C. nutans zu gleichen scheinen, 
und durch die vier fast gleichgrossen Randknoten den von 
C. Sarsii aufgeanimten. 

7. Corymorpha gtacialis Sars, nov. spec. 
Froles iiydriformis 4 — 5 pollicaris , tenlaculis inferiori- 

bus lilifoimibus longissimis uniserialibus 40 — 50, superiori- 
bus numerosissimis brevissimis sparsis ; peduneulis gemmi- 
geris 30 — 35, brevioribus, crassis, indivisis aut sotummodo 
ramulis nonnullis brevissimis, geinmis uiedusinis paucis mi- 
noribus sparsis, singulis aal pluribui accumulalis, obsilis. 

Prolcs medusiformis scssilis (nunquam deeidua), pallio 
ovali absque canalilius radianlibus et bulbis (ciiris) margi- 
nalibus, uiidiqne cluuso, in aliis anitnalibus , altricibus ova, 
in aliis spermatozoa includens. 

Diese durch ihre Medusensprossen merkwürdige und 



346 S a r $ : 

von allen vorhergehenden abweichende Gestalt ausgezeich- 
nete Art fand ich auf meiner letzten nordischen Reise im 
Sommer 1857 im Varnngerfjorden bei Nadsoe (70° N. B.), 
wo sie selten und einzeln in 60 — 80 Faden Tiefe vor- 
kommt, aber ziemlich häufig in 80 — 120 Faden Tiefe, auf 
weichem Thonboden und steinigem Grunde , festgewachsen 
mit ihrem untersten Ende an Sandpartikeln oder zuweilen an 
feine rothe Algen. 



In Verbindung damit theilte darauf der Verfasser die 
Beschreibung einer neuen bei Floröe , Bergens Stift, ge- 
fundenen freischwimmenden Meduse mit , welche so grosse 
Aehnlichkeit mit einigen der von Corymorpha aufgeammten 
Medusensprossen zeigt , dass es ihm wahrscheinlich vor- 
kommt , dass sie von einer Art dieses Ammengeschlechles 
stammt. Sie gehört zu der von Forbes aufgestellten Gat- 
tung Steenstrupia, von deren vier bekannten Arten (S. ru- 
bra Forb., S. ßaveola Forb., S. Uneata Leuck. und die von 
Steenslrup beobachlete von Coryne fritillaria Stp. auf- 
geammte Art , welche mildem Namen S. fritillariae be- 
zeichnet werden kann) sie durch folgende Charaktere ab- 
weicht : 

Steenstrupia globosa Sars, nov. spec. 

Proles hydriformis ignota. 
Proles medusiformis '/ 8 pollicaris , pallio globoso-cam- 
panulato, hyalino, margin'e anteriore oblique truncato, po- 
stice rotundato absque appendice; bulbis marginalibus qua- 
tuor, rubris, aequidistantibus , de quorum uno prominente 
longe maiore cirri marginales tres longissimi, basi bulbosa 
connati , de caeteris tribus vero nulli , exeunt ; proboseide 
cylindrica rubra , extra marginem pallii non porreeta, ore 
simplici. 



Schlussbemerkungen. 

Das Ammengeschlecht Corymorpha bietet in mehreren 
Hinsiebten ein nicht geringes Interesse dar. Es war einer 



Lieber das Ammengeschlecht C'orymorpha. 347 

der ersten Hyrlroiden, bei welchem die wichtige physiolo- 
gische Thatsache nachgewiesen wurde (1835), dass die zu 
dieser Thiergruppe gehörenden Formen nichts Anderes sind, 
als eine vorhergehende Generation oder sogenannte Am- 
men von Medusen , nämlich von den niederen Medusen 
(Cryptocarpae Esch. , Gymnophthalmala Fori). , Craspedota 
Gegenb.), welche sich also im Wege des Generationswech- 
sels entwickeln. 

Sie zeichnen sich ferner durch ihre colossale Grösse 
im Verhältnisse zu allen anderen bisher bekannten Hydroi- 
den aus, so wie dadurch, dass sie immer einzeln oder so- 
litär vorkommen, niemals zusammengesetzt, oder mehrere 
Individuen zu einer Colonie vereinigt. Die Colonicnbildung 
scheint nämlich sonst die Regel bei den Hydroiden zu 
sein: alle bisher bekannten Gattungen und Arten, selbst 
die, welche man lange Zeit für einzelne gehalten hat, sind 
durch neuere Untersuchungen als proliferirende und daher 
Colonien bildende erkannt werden *). 

Die einzigen bisher bekannten beständig solitären (also 
niemals proliferirenden oder Colonien bildenden) Hydroi- 
den sind die von mir aufgestellten beiden Gattungen Co- 
rymorpha und Myriolhela (Reise i Lof. og Finm. p. 134, 
und ausführlich beschrieben in Forhandl. ved de skand. 
Naturforskcres Tde Mode i Christiania 185G. p. 194—201). 
Die Gattung Hydra (die bekannten Süsswasserpolypen), 
welche ausserdem von allen anderen Hydroiden durch das 
Vermögen sich von der Stelle zu bewegen, und durch die 
Produclion von hydraförmigen, dem Multerlhiere gleichen- 
den, abfalle n d e n Sprossen, abweicht, verbindet auf eine 
besondere Weise die solitären mit den coloniebildenden 
Hydroiden , indem sie bald , wenn sie nämlich keine Brut 



Ich habe io bereih vor mehreren Jahren unsere gewöhnliche, 
bitber ala ein einzelnes Thier beschriebene Coryne iquaoialn Müll. 
(Clava multirorriis Kursk.) als pi olifci iielld an ihrer liusis, und somit 
Colonien bildend erkannt , eine lii-obnrhtnng, welche auch vor h'ur- 
itni durch Wrighl (lidinh. Ptllfc», Jinirii. 1H&7. Vol. VI. p. 79) he- 
•Uligt worden ist. 



34-S S a r s : 

hat, solitär ist, bald, wenn sie proliferirt oder Knospen 
treibt, eine zeitweilige Colonie darstellt, welche sich nach 
kurzer Zeit auflöst, indem sich die durch die Prolification 
entstandenen hydraförmigen Jungen allmählich von dem 
Mutterthiere ablösen. 

Aus den oben mitgetheilten Beobachtungen wird man 
gesehen haben, dass die Gattung Corymorpha Medusen von 
sehr verschiedener Beschaffenheit aufammt. Fünf von den 
bekannten Arten produciren nämlich vollkommen wohl or- 
ganisirte Medusen , welche sich von ihrem Ammenthiere 
ablösen und ein vollständig uinherschwimmendes Leben 
führen , in welchem Zustande sie erst Generationsorgane 
entwickeln und sich fortpflanzen. Sie zeigen sich also zu 
der grossen Gruppe der sogenannten niederen Medusen 
(Cryptocarpae Esch. , Gymnophthahnata Forb. , Craspedota 
Gegenb.) gehörig. Eine Art dagegen, Corymorpha glacia- 
lis, producirt statt dessen Medusen, welche schon sogleich 
mit Generationsstoffen ausgerüstet, aber übrigens äusserst 
einfach und unvollkommen gebaut und bestimmt sind si- 
tzend oder in beständiger Verbindung mit ihrem Ammen- 
thiere zu bleiben, bis sie, nachdem sie ihre Geschlechts- 
stoffe entwickelt und ausgeleert haben, sich auflösen und 
vergehen. 

Man sieht hier ein neues Beispiel , wie sehr ähnliche 
Ammenthiere eine sehr verschiedene Medusenbrut aufam- 
men können. Die Wissenschaft entbehrt nicht anderer ähn- 
licher Beispiele. So z. B. producirt nach van Beneden 
Tubularia Dumorlieri Vanb. vollkommene abfallende, T. la- 
rynx Ell. et Sol. (T. coronata Vanb.) unvollkommene ses- 
sile Medusen. Ebenso ammt nach meinen eigenen Beob- 
achtungen Podocoryna carnea Sars und P. Tubulariae Sars 
vollkommene abfallende, P. Sarsii Steenstr. und P. fucicola 
Sars dagegen unvollkommene sessile Medusen auf. Bei- 
derlei sprossen bei allen diesen Hydroiden, wie bei Cory- 
morpha, als Knospen von derselben Stelle an den Aminen- 
thieren hervor , sie haben dieselbe Entwickelungsweise, 
dieselbe Form und Organisation bis zu einem gewissen 
Stadium, worauf die, welche bestimmt sind sessil zu blei- 
ben , in ihrer Entwicklung stocken, während die, welche 






Ueber das Ammengesclilecht Corymorpha. 349 

ein selbstständiges freies Leben zu führen bestimmt sind, 
sich weiter zu dem vollkommenen Medusentypus entwickeln. 
Durch diese complicirten Verhältnisse vermehren sich 
in hohem Grade die Schwierigkeiten , die Hydroiden nach 
ihrer geschlechtlichen Generation zu classiliciren, die Me- 
thode, welche allerdings am meisten mit den in der Zoolo- 
gie gewöhnlich angenommenen Principien übereinstimmt, 
und welche auch von Gegenbaur in seinem übrigens 
vortrefflichen -Versuch eines Systems den Medusen" (Zeit- 
schrift f. wiss. Zoologie 1856. Vol. 8. p. 202—272) in An- 
wendung gebracht ist , indem er zu jedweder Medusenart, 
so weit es bekannt ist , die Ammenform (den Hydroiden) 
hinzufügt, wovon sie abstammt. Aber, abgesehen davon, 
dass eine solche Classification für die Zeit, wo wir noch 
nicht die Ammen der mannichfaltigen Medusen, und umge- 
kehrt nicht die von vielen Hydroiden aufgeammten Medu- 
sen kennen, sich nicht vollständig in der Praxis ausführen 
lässt, würden wir durch diese Methode dahin kommen, alle 
von Hydroiden aufgeammten sessilen Medusen von den von 
ähnlichen Ammen hervorgebrachten frei lebenden zu tren- 
nen, und sie in verschiedene Abtheilungen zu stellen, un- 
geachtet sie in der Wirklichkeit nahe zusammengehören. 
Gegenbaur hat auch nicht versucht die ersteren zu klas- 
sificiren , ja er übergeht sie sogar ganz mit Stillschweigen 
in der von ihm gegebenen systematischen Uebersicht der 
Medusen. Und doch können diese sessilen Medusen in kei- 
ner Weise von der grossen Gruppe der freischwimmenden 
niederen Medusen geschieden werden, von denen sie nur 
niedere Formen sind, die auf einer niederen Stufe der für 
beide gemeinschaftlichen Entwickclung stehen geblieben sind. 
Als einen schlagenden Beweis für beider Homologie kön- 
nen wir endlich anführen , dass sich vollständige Ueber- 
gangsformen zwischen ihnen finden. So haben nach Lo- 
ven die von Laomedea geniclllata Müll., und nach S t r e- 
thil Wright die von L. dichotoma W. aufgeammten ses- 
silen weiblichen Medusensprosscn Strahlgelässe und ent- 
wickelte, bewegliche (contractile) liandfüdcn (wogegen die 
männlichen bei diesen beiden Allen nach Schul I/o und 
W rieht keine Strahlengeffisse besitzen und weniger und 



350 S a r s : 

kürzere Randfäden haben); die gleichfalls sitzenden von 
Syncoryna ramosa Loven aufgeammten Medusensprossen 
haben auch Strahlengefässe und Randknoten oder rudimen- 
täre Randfäden, und die Kuppen bei den letzten zeigen 
noch eigenthiimliclie Bewegungen von Systole und Diastole. 
Diese drei Medusensprossen von Hydroiden stehen also, 
obgleich sie sessil sind , auf einer höheren Stufe der Ent- 
wicklung als dieselben bei Coryniorpha glacialis und die 
oben erwähnten Arten von Tubularia und Podocoryna, die 
derStrahlgefässe und Randladen ermangeln und unbeweglich 
sind. — Durch Classification der Hydroiden allein nach der 
geschlechtlichen Generation oder den von ihnen aufgeammlen 
Medusen würde man gleichfalls auf eine unnatürliche Weise 
dazu kommen die ähnlichsten Ammenformen weit von ein- 
ander zu trennen, was um so weniger richtig sein würde, 
als die Art bei diesen Thieren offenbar nicht vollständig 
durch die geschlechtliche Generation repräsentirt wird, die 
oft minder vollkommen organisirt ist , und sozusagen ein 
viel kleineres Stück ihrer Entwickelungsgeschichte uin- 
fasst als die Ammengeneration. — Wir thun daher unzwei- 
felhaft recht, wenn wir das Verfahren aufgeben, welches 
wir bei der Classification der höheren Thiere gewohnt sind, 
nämlich den Artbegriff als vollständig ausgedrückt in zwei 
Einzelwesen, dem geschlechtsreifen Männchen und Weib- 
chen, zu betrachten. Sowohl bei den Thieren, die wir hier 
behandeln, als auch bei allen anderen, die dem Gesetze des 
Gererationswechsels unterworfen , und deren verschiedene 
Entwickelungsstufen durch verschiedene mit eigenthümlichen 
Eigenschaften begabte Einzelwesen dargestellt sind , wird 
der Artbegriff erst vollständig durch Aufnahme der Merk- 
male sämmtlicher in cyclischer Entvvickelung auf einander 
folgender Generationen. 

Es wird unzweifelhaft bei dem jetzigen Standpunkte 
der Wissenschaft sowohl leichter als zweckmässiger sein, 
die Hydroiden (Ammenthiere) für die Classification der nie- 
deren Medusen zu Grunde zu legen, und zu jeder Art der- 
selben die von ihr aufgeammlen Medusen hinzuzufügen, 
aber auch bei dem Artcharakter gebührende Rücksicht auf 






Ueber das Aminenseschlecht Corymorpha. 351 

beide Generationen, -Proles hydriformis" sowohl als .Proles 
medusiformis, u zu nehmen. 

Dass man inzwischen, wie früher, fortfährt, alle neu 
beobachteten Ammenformen (Hydroiden) sowohl, als die 
freischwimmenden Medusen, oder beide Generationen, jede 
mit einem eigenen provisorischen Namen zu bezeichnen, 
gereicht keinesweges, so wie leider das ganze übrige Heer 
von Synonymen, zu einer weiteren Beschwerde für die Wis- 
senschaft. Nichts ist leichter, als später, wenn die andere 
zugehörige Generation bekannt wird, beide Formen zusam- 
menzutragen, und sie entweder mit einem einzigen defini- 
tiven, oder wie man z. B. bei den Salpen thut , mit einem 
doppelten Speciesnamen zu bezeichnen. 






Boon , Druck von C. (joorgi. 



ARCHIV 

FÜR 



NATURGESCHICHTE. 



GEGRÜNDET VON A. F. A. WIE GM ANN, 
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON. 






IN VERBINDUNG MIT 
rROF. Dr. I.EUCKART IN GIESSEN 

UND 

PROF. 1)b. R. WAGNER IN GÖTTINGEN 

HEB AUSGEGEBEN 



Dr. F. Et. TROSCHEL, 

PROFESSOR AN DER FRIEÜR1 CH-W1LHELMS-UN1 VERSITÄ T ZU DOHN, 



SECHS UND ZWANZIGSTER JAHRGANG. 

Zweiter Bauet. 



Berlin, 
N i c o 1 n i s c li e Ver lag* b n chhandln ng. 

(G. P»r(hey.) 

1861. 



Inhalt des zweiten Bandes. 



Seite 
Bericht über die Arbeiten in der allgemeinen Zoologie und 
der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. Von 

Prof. Dr. Wagner 1 

Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säuge- 

thierc wfthrend des Jahres 1859. Von Dr. Bei ob. Mensel 20 

Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel 

während des Jahres 1859. Von Dr. (J. Haiti au b . 70 

Bericht über die wiss. Leistungen in der Katurgeschichte der nie- 
deren Thiere während des Jahres 1859. Von l'rof. 1. e u c ka rt 103 
V e r in e s 111 

1. Annelides 113 

Chaetopodes 113 

Gephyrei ........ 118 

Chaetognathi . 118 

Nematodes 119 

Acanthocephali 131 

2. Plalodcs 133 

Mirudinei 133 

Trematodes 133 

Cestodes 136 

Turbellarii 141 

3. Ciliali 149 

Itotifcri 149 

Bryozou 152 

E c h i n o d c r m a t a . 155 

1. Scytoderinala 166 

2. Aclinozoa ... 158 

Echinida 158 

Aiterida 15« 

Oplorida 160 

3 l'elinatozoa H;:j 



IV 



Inhalt. 



Coel enterata 

1. Ctenophora 

2. Hydrasmedusae 

Acalephae ........ 

Hydroidea 

Siphonophora . 

3. Polypi 

Calycozoa 

Anthozoa 

Porifera 

Pro tozo a 

1. Infusoria ........ 

2. Rhizopoda 

3. Gregarinae ........ 

Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des 

Jahres 1859. Vom Herausgeber 

Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des 
Jahres 1859. Vom Herausgeber 

Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mol- 
lusken während des Jahres 1859. Vom Herausgeber 
Cephalopoda 
Gasteropoda 
Peteropoda . 
' Brachiopoda 

Lamellibranchiala . 
Tunicata 

Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete 

der Entomologie während der Jahre 1859 und 60. Von 

Dr. A. Gerstaecker 

Insekten 

Orthoptera . 
IVeuroptera . 
Coleoptera . 



Seite 
164 
166 
168 
168 
169 
190 
204 
204 
205 
222 
227 
230 
256 
263 

•205 
279 

315 

327 
328 
349 
349 
350 
356 



357 
372 
398 
409 
417 



Bericht über die Arbeiten in der allgemeinen 

Zoologie und der Naturgeschichte des Menschen 

im Jahre 1S59« 

Von 

Rudolph Wagner, 
Professor in Göltingen. 



Indem ich es unternehme, den bisherigen Berichten 
eine weitere jährliche Uebersicht über einen bisher unbe- 
rücksichtigt gebliebenen und, wie mir dünkt, immer wich- 
tiger werdenden Abschnitt der Zoologie hinzuzufügen, mag 
es vergönnt sein, einige einleitende Worte vorauszuschicken. 

Die Naturgeschichte des Menschen wird hier in einem, 
der Aufgabe der Zoologie entsprechenden möglichst engen 
Rahmen begrenzt. Weder die in die Anatomie und Phy- 
siologie fallenden Abschnitte der Somatologie des Menschen, 
noch die psychische Anthropologie sollen hier behandelt 
werden, auch die geographische Anthropologie oder Ethno- 
graphie nur in soferne sie eine Bedeutung für die eigent- 
liche Naturgeschichte unserer Gattung hat. Ein Eingehen 
in das Detail der Völkerbeschreibung oder der Cultur-Ge- 
schichtc der Rassen bleibt ausgeschlossen, als zur Geogra- 
phie oder zur Weltgeschichte gehörig. Eine solche Aus- 
Bhrung, so interessant sie sein mag, würde bei dem spär- 
lich ziiL'iinessenen Baume ohncdieSS nicht möglich sein. 
Doch sollen in der Folge wenigstens die Titel der ent- 
sprechenden, nur einigerrnassen hieher gehörigen Schriften 
und Abhandlungen , wo es nöthig ist mit einer kurzen 
Analyse, aufgeführt werden *). Dagegen scheint es pas- 



*) Wir stellen die Bitte an sammtliche Verfasser von solchen 
Arbeilen im In- und Auslande, uns Separolubdrücke von denselben 
Archiv f. Natjrg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. A 



2 Wagner: Bericht (ib. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie 

send, auf diejenigen Arbeiten einzugehen, «eiche sich in 
wissenschaftlicher Form durch Auffindung von neuen That- 
sachen oder scharfsinnige Comhination und Kritik, mit den 
allgemeinen Grundsätzen der Classification, mit den Prinzi- 
pien der Morphologie , namentlich auch mit den Fragen 
nach dem Begriff, Umfang , Ursprung der Arten (Species), 
Varietäten, Rassen u. s. w. beschäftigen. Diess sind Auf- 
gaben, welche die Zoologie in den ersten Decennien unse- 
res Jahrhunderts sich besonders in Deutschland vielfältig 
stellte , dann aber wieder wegen des Unzureichenden der 
Vorbedingungen im Felde der Erfahrung, seit einer Reihe 
von Jahren verlassen oder doch weniger beachtet hat, wel- 
che gegenwärtig aber besonders in England und Nord- 
Amerika lebhaft besprochen werden und , wie begreiflich, 
ihr besonderes Interesse für die Naturgeschichte des Men- 
schengeschlechts haben. Die fast allzugrosse Neigung zur 
Detailforschung hat diess Interesse zurückgedrängt; es ist 
Zeit, diese Fragen im Sinne einer höheren Natur-Erkennt- 
niss wieder aufzunehmen. 



Louis Agssiz, an Essay on Classification. London 
1859- 8. Diess Werk ist ein vollständiger, mit einem Re- 
gister versehener Abdruck der Einleitung zu des Verfas- 
sers grossem Werke über die Naturgeschichte Nord-Ame- 
rikas. Ein einziges neues Kapitel, über die Kategorieen der 
Analogieen ist hinzugekommen. 

Das Werk des berühmten Verfasseis zeichnet sich aus durch 
eine streng theistische Wellbetrachtung , wie er dieselbe bereits frü- 
her in einer Reihe von einzelnen Aufsätzen ausgeführt hat. Er hält 
es für unmöglich: „dass der ganze Plan, die logische Verbindung, 
die wundervulle Harmonie, die unendliche Verschiedenheit in der 
Einheit, welche in den Gruppen der Wirbeltbiere, der Gliederthiere, 
der Weichthiere, der Strahlthierc hindurchgreifen , aus der Wirkung 
gedankenloser Kräfte erklärt werden können; sie setzen eine oberste 



Behufs dieses Jahresberichts zukommen zu lassen, da wir wünschen, 
eine gedrängle Darstellung oder wenigstens Kamhnflmachung alles in 
einem Jahre erschienenen zu geben, was für diess erste Jahr noch 
nicht möglich war. 



und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 3 

Intelligenz, als Urheberin aller dieser Wesen voraus." Darnach hat 
auch der Mensch diese systematische Anordnung in der Natur nicht 
erfunden, sondern erforscht. „Dieser Schöpfungsplan" heisst es, „wel- 
cher steh unserem höchsten Wissen enthüllt, ist nicht das Produkt 
nolhw endiger Wirkungen von physischen Kräften, sondern erscheint 
als die freie Conception eines allmächtigen Verstandes , welche in 
dessen Gedanken gereift ist, bevor sich dieselbe in greifbaren äusseren 
Formen offenbarte." Die nähere Durchführung dieser Ansichten muss 
man in dem , wie alle Schriften des Verfasser, sehr anziehend ge- 
schriebenen Buche selbst nachsehen. Der Verf. giebt eine Uebersicht 
drr neueren systematischen Einteilungen des Thierreichs ; er geht von 
der Ansicht aus, dass Cuvier und unabhängig von ihm Baer in 
seinen embryologischen Forschungen, die typischen Grundlagen des 
wahren natürlichen Systems gefunden und festgestellt haben, welche 
nur im Einzelnen Abänderungen erfahren können. Bei der Bedeu- 
tung des Verfe., seiner grossen Detailkenn tniss der lebenden uud 
fossilen Formen und seiner Fähigkeit für Verallgemeinerung, will 
ich von seinem Systeme eine Uebersicht geben, namentlich in soweit 
.es in den Klassen und Ordnungen doch vielfach abweicht von dem 
früheren Systeme in den Principles of Zoology. Boston 1848. Agas- 
siz hält an der Eintheilung des ganzen Thierreichs in vier grosse 
Abtheilungen (Branchcs, Departments) im Sinne Cuvier's fest. Aber 
er zerfällt die Wirbellhiere jetzt statt wie früher in 4 in 8 Klassen: 
1) Säugethiere mit 3 Ordnungen: Marsupialia, Iferbivora und Car- 
nivora. 2) Vögel mit 4 Ordnungen: Katatores , Grallae, Rasores, 
Insessores (zugleich mit den Scansores und Accipitres). 3) Repti- 
lien, Ordn.: Serpenlea, Saurii, Rhizodontes, Testudinata. 4) Amphi- 
bien, Ordn.: Caeciliae, Ichthyodi, Anura. 5) Sclachier, Ordn.: 
Chimaerac, Galeoden, Baliden. G) Ganoiden, Ordn.: Coelacanthen, 
Ai ipi-nseroiden, Sauroiden und zweifelhaft: Siluroidcn, Plectognathen, 
l,ophohranehcn. 7) Eigentliche Fische, Ordn.: Ctenoiden, Cy- 
eloiden. 8) M y/ontes, Ordn. : Myxinoiden , Cyclostomen, Zum 
ersten Male erscheint hier die Klasse der Fische in vier Klassen auf- 
gelöst. Die zweite grosse Abt hei hing der Gliedcrthiere enthält 3 
Stauen. 1) Insekten (3 Ordn.: Myriapoden , Arachniden, eigentli- 
che Infekten). 2) K ru stenthiere (4 Ordn*: Dccapoden, Tehadeca- 
poden, Entomostraken (mit den Cirripcdun), Rotiferen. 3) Würmer 
mit :; Ordn.: Anneliden, Nematoiden (Acanthocephala und Gordiacei), 
Trematodcn (Blutegel , Planarien, Cestoden). Die dritte Ahilicilung, 
die Mollusken, umfassen 3 Klassen : 1) C e p h a I n p o d e n (Ordn.: Tc- 
Irabrancbiatcn . Dibranchiaten). 2) Gasterop o d an (Ordn* : Ptero- 
poden , lleleropoden . eigentliche Gasterop öden). B) A c e p h b I e n 
[4 Ordn. : Laini llibranchien, Tanicaten, Brachlopöden, Bryozocn. Die 
vierte Gruppe, die Radialen, enthalten ebenfalls 8 Klanen : 3) Echi* 



4 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. aTIg. Zoologie 

nodermen mit den allgemein angenommenen 4 Ordnungen. 2) Aca- 
lephen: 3 Ordn. : Ctenophoren , Discophorcn , Hydro iden mit Ein- 
srhluss der Siphonophoren. 3) Polypen mit den beiden Ordnungen 
Actinoiden und Halcyoniden. Die jetzt sehr allgemein angenommene 
fünfte Haupt-Abtheilung der Protozoen löst Agassi z auf und ordnet 
sie anderen Klassen unter. Die Infusorien Ehrenberg's u. a. bringt 
er theils zu den Algen (so alle Anenteren, namentlich Desmidien und 
Volvocinen) ; die Vorticellen stellt Ag. unter die Bryozoen bei den 
Acpphalen unter die Mollusken ; die Gattungen Paramaecium und 
Opalina bringt er zu den Würmern , die Rotiferen zu den Krusten- 
thieren. Zu den Algen stellt Ag. auch die Rhizopoden. — In einer 
Kritik dieser Aufstellungen, welche manchfaehe Anfechtung hervor- 
gerufen haben und noch hervorrufen werden , kann ich hier nicht 
weiter eingehen, ebenso wenig in die anderen , auch vielfach kriti- 
sirten Ansichten von Ag. Nur der ArtbegrifT, das Fundament aller 
Systemkunde in der Thier- und Pflanzenkunde, verdient noch eine 
nähere Erwähnung, Für Agassiz sind die Species gerade so ideale 
Entia , wie Genus, Familie, Ordnung, Klasse und dabei, wenn man 
will, ebenso wie diese wieder real. Es ist eine gewisse Menge von 
Individuen von bestimmter Beschaffenheit, die in engster Beziehung 
unter einander stehen, als Repräsentanten der Species. Keines der 
zu einer Species gehörigen Individuen bietet alle charakteristischen 
Merkmale dieser Species dar. Die Repräsentanten repiäscntircn nicht 
einfach, was in den Individuen spezifisch ist, sondern sie stellen dar 
und repräsentiren von Geschlecht zu Geschlecht in gleicher Weise 
alles, was in denselben generisch ist, was die Familie, Ordnung u. s. w. 
charakterisirt — alles in derselben Constanz und Präcision. Die 
dauernde sexuale Verbindung als Merkmal und Grundlage der spezi- 
fischen Identität verwirft Agas. vollständig; es sei dies eine petitio 
prineipii, welche in einer philosophischen Diskussion über den Spe- 
ziesbegrilT nicht zulässig sei. Dabei hält Agas. fest an dem von Cu- 
VI er aufgestellten Grundsatz, dass die Arten (Species) feststehende 
Charaktere besassen, welche im Laufe der Zeit nicht änderten. Nicht 
bloss die bekannten Untersuchungen Cu v i er's am egyptischen Ibis, die 
von Kunth an den in egyptischen Gräbern gefundenen Pflanzen be- 
stätigten die Lehre von der Un Veränderlichkeit der Species, sondern 
auch die Geologie zeige , dass in verschiedenen Perioden der Erd- 
enlwickelung verschiedene Arten existirten, und dass kein Uebergang 
von einer Art der früheren Epoche in einer späteren stattgefun- 
den habe. 

Derselbe Gegenstand, über den Begriff der Art, ist 
sehr ausführlich und gründlich bearbeitet in : De l'espece 
et des races dans les etres organises et specialement de 






und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 5 

l'unilc de l'espece hnmaine par D. A. Godron Professeur 
tl'liisloire naturelle de la Faculle des sciences de Nancy. 
2 Voll. Paris 1859. 

Der Verf. kennt im Ganzen gründlich die hier einschlagende 
Literatur der verschiedenen Lander, hat ein scharfsinniges Urtheil und 
geht auf das Umständlichste in die ganze Breite der Frage ein. Nach- 
dem er sich zuerst^-in den Frolcgomena historisch über die Auffas- 
sung des Artbegriirs verbreitet hat, geht er an eine ausführliche kri- 
tische Zusammenstellung der Thalsachen, betrachtet Thiere und Pflan- 
zen mit gleicher Vollständigkeit im wilden Zustande nach ihrer ge- 
genwärtigen Verbreitung, nach den historischen Dokumenten, nach 
ihrem fossilen Vorkommen. Auf gleiche Weise wird die Baslard- 
zeugung bei Thieren und Pflanzen ausführlich behandelt. Die ge- 
naue Schilderung aller einzelnen Uausthiere nach ihren Variationen 
Schliefst den eisten Band. Es folgt im zweiten eine Kritik der Lehre 
von der Rassenbildung bei den Thieren und eine Untersuchung über 
die Variationen der Kulturpflanzen. Die hier überall geübten Metho- 
den der Untersuchung und die gewonnenen Erfahrungen werden im 
dritten Buche auf den .Menschen angewendet, wobei alle neuerdings 
zur Sprache gekommenen Thalsachen und Conlroverscn zur Sprache 
kommen. So weit es der Kaum erlaubt und die Faage die allgemeine 
Zoologie angeiit, können wir die folgenden Sätze als Hauptresultat 
herausstellen: Im wilden Zustande behalten die Arten immer distink- 
leu, abgeschlossenen Charakter; aber auch bei den llaustlüeren und 
cultivirlen Pflanzen gehen, trotz des mächtigen alterirenden Einflusses 
des Menschen auf dieselben, die entstandenen und bleibenden Modi- 
fikationen nie su weil, den Art - Charakter zu vernichten. „Les ca- 
ractercs" heiast es „de l'espece sont donc bien dilTerenls des atlributs, 
qui distinguent les races: l'espece est aisolue et -permanente; les ra- 
ces d'uue meine espece varient avec les circonstances, elles se nuan- 
cent ä l'inflni et ne presentent pas entre elles de signes distintivs 
ppiciaux et exclusifs." Was die Anwendung auf den Menschen be- 
trifft s. weiter unten. 

Ganz entgegengesetzt s ' nu " nun * n ßczug auf letzte- 
ren Tunkt die Resultate einer ausführlichen Untersuchung 
von Darwin in dem Merke: On liie Origin of species by 
means of natural Sclection. London 1859. 8., welches in 
England so grosses Aufsehen erregt hal und nunmehr auch 
demnächst in deutscher Bearbeitung von Bronn erschei- 
nen, also in Jedermanns Hände gelangen wird'. 

I*. i ausgezeichnete englische Naturforscher hat hier ein Werk 
geliefert, daj auf Detail Co rjchtrng im ausgedehntesten Alaassu beruht. 



C Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie 

Darwin kommt mittelst vieler im Einzelnen sehr scharfsinnigen, oft 
aber, wje ich glaube nachweisen zu können , auf völlig (namentlich 
in physiologischen Dingen) verfehlten Conibinationen zu einem Re- 
sultate, das ganz abweichend von den Grund-Ansichten von Cuvicr, 
K. Owen, Agassiz und a. in. alle vorhandenen Thier-Arten nur 
Umwandlung früherer Typen sein lässt, indem in ausserordentlich 
langen Zeiträumen, namentlich in Folge nothwendig veränderter Le- 
bensweise (natural selection) , gewisse Variationen von Stamm-Arten 
immer wieder die Stamm -Eltern (progenitors) später in einzelne 
Arten auseinander gegangene Formen seien, dass also z. B. jenseits 
der silurischen Periode eine Stammform existirte, aus welcher all- 
mählich alle Galtungen und Arten unserer Familie von Tauben, Eulen, 
Finken u. s. w. hervorgegangen seien. Ja er geht in seiner Doclrin 
von der Modifikation der Species schliesslich so weit, anzunehmen, 
dass alle Glieder einer Thier- Klasse von einer Stammform entsprungen 
seien. „Ich glaube" sagt Darwin, „dass die Thiere alle höchstens 
von nur 4 oder f> lVogenitoren abstammen und die Pflanzen alle von 
einer ähnlichen oder noch geringeren Zahl." „Ja die Analogie" fügt 
ü. hinzu, „obwohl ein betrügerischer Führer, führe ihn noch einen 
Schritt weiter , nämlich zu der Vermuthung , dass alle Thiere und 
Pflanzen von einem einzigen Ui bilde (protolype) abstammen." — „Thcre- 
fore" — um D.'s eigene Worte zu gehrauchen — „I should iufer 
from analogy that prohably all the organic beings which have ever 
lived on Ihis earth have descended from some one primordial form, 
into which Üfe was first brealhed." Indem also Darwin alle Thicr- 
species aus Variirungen hervorgehen lässt, stellt er den bisherigen 
Art- und VarietätenbegrilT geradezu auf den Kopf. Nicht aus den 
Arten entstehen Varietäten, sondern aus den Varietäten bilden sieh 
allmählich neue Arten. Das sehr reiche und geistvolle Detail muss 
man in dem Werke selbst nachlesen. Die gezogenen Consequenzen 
führen, wie oben ersichtbar, zu den allerkühnsten Hypothesen, die 
man sich nur denken kann. 

Das Urlheil einer lesenswerlhen Anzeige von Dar- 
win's Schrift in den Annais and Magazine of natural hi- 
story Febr. 1S60, dass mit meiner Ansicht" übereinstimmt, 
geht schliesslich dahin, dass die Schlussbehauptung des in 
vieler Hinsicht so schönen und lesenswerlhen Werkes von 
einer Art ist, dass sie uns kaum glauben lässt, der Verf. 
habe sie im Ernste gemeint. Vom faktischen Standpunkte 
scheint mir der Haupt-Einwurf, den Darwin selbst aner- 
kennt und der auch in der ebengenannten Anzeige her- 
ausgehoben ist, der zu sein, dass unsere ganze Kenntniss 



und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 7 

der fossilen Thier-Restc in allen Gcbirgsschicliten nicht den 
geringsten Anhaltspunkt für die Hypothese giebt. Wir fin- 
den keine solche Uebergangsformen , wie sie zur Stütze 
dieser Hypothese nöthig sind. Im Gegentheile, die Grund- 
formen der verschiedenen thierischen Wesen entsprechen 
in den allerällesten Gcbirgsformationen ganz denen unserer 
heutigen Welt; nirgends existirt ein Uebergang von einer 
typischen Hauptgruppe zur anderen. 

Immer bleibt es merkwürdig, dass ganz unabhängig 
von Darwin der Schöpfer der heutigen Entwicklungs- 
geschichte, einer der allergenauesten Kenner der thierischen 
Morphologie, K. E. v. Baer, auf eine freilich lange nicht 
so weit ausgesponnene, doch einigermassen verwandte An- 
sicht gekommen ist. In seiner weiter unten anzuführenden 
Abhandlung über Papuas und Alfurus geht Baer in seiner 
bekannten , ebenso gründlichen als geistreichen Weise auf 
diese für die Naturgeschichte "so allgemein interessanten 
Fragen ein. 

Ich finde, sngtBaer, „für den Begriff von Art keinen anderen, 
als: die Summe von Individuen, welche durch Ahslammung verbun- 
den sind oder sein könnten." Die Betrachtung der geographischen 
Verbreitung der Thiere , bringt Baer weiter zur folgenden Ansicht: 
,.die so häufig gruppenweise Vertheilung der Thiere nach Verwandt- 
schaften scheint dal'tir zu sprechen, dass auch der Grund dieser nicht 
gleichmässigen Vertheilung ein verwandtschaftlicher ist, d. h., dass 
die einander sehr ähnlichen Arten wirklich gemeinschaftlichen Ur- 
sprungs oder auseinander entstanden sind. Ich meine nicht allein 
die unnOtbig aufgestellten Specics, sondern ich ineine, die Vertheilung 
dir 'I liiere macht es wahrscheinlich 3 dass auch viele solcher Arten, 
die sich jetzt getrennt hallen und fortpflanzen) ursprünglich nicht ge- 
trennt waren . dass sie also aus Varietäten , nach systematischen Be- 
griffen, zu gpeeifisch verschiedenen Spccies geworden sind ... Wie 
weit diese Entwichcliing der Arten aus einander anzunehmen ist, 
darüber wage ich mir selbst keine Meinung ZU bilden." 

Man sieht, dass wir in ein Stadium der allgemeinen 
Naturgeschichte der organischen Körper getreten sind , wo 
die Erfahrungen, welche uns nicht bloss die systematische 
Zoologie und Botanik liefern, sondern auch Physiologie und 
Geologie, ausgezeichnete, geistvolle Forscher, welche ans 
der Detailforschung nach der Verallgemeinerung, als dir 



8 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie 

höchsten Aufgabe jeder empirischen Wissenschaft streben, 
antreibt, sich an Fragen zu versuchen, welche nicht bloss 
ein höheres theoretisches , sondern selbst ein praktisches 
Interesse haben. Diess wird recht deutlich, wenn wir Schrif- 
ten von grossen Thierzüchtern in die Hand nehmen , wie 
die eben erchienene von dem Rittergutsbesitzer H er man n 
von Nathusius auf Hundisburg über die Schweinsrassen, 
eine an Umfang nur kleine Schrill, die aber für die Wis- 
senschaft von höchster Bedeutung ist und die wir im näch- 
sten Jahresberichte besprechen oder zum Gegenstande einer 
eigenen Abhandlung in diesem Archive oder anderwärts 
machen wollen, da sich dieser wichtige Gegenstand doch 
nicht in einem blossen Jahresberichte abthun lässt. Ohnc- 
diess habe ich denselben nur zur näheren Erörterung ge- 
bracht, in soferne er begreiflicher Weise von der grössten 
Bedeutung ist für die trage nach der Art -Einheit oder 
Artverschiedenheit des Menschen-Geschlechts und für den 
Versuch, den Ursprung der Menschen-Rassen zu erklären. 
Nur so viel mag vorläufig gesagt sein, dass meine Ansicht 
auf eine mittlere, zwischen die von Agassiz und Dar- 
win aufgestellte, hinausgeht und sich am meisten der von 
Baer nähert. Vielleicht iindet sich auch Raum im nächsten 
Jahresberichte auf verschiedene Funkle zurückzukommen, 
bei Gelegenheit der Besprechung des für Bastardzeugung 
und den physiologischen Arlbegriü" so wichtigen, eben er- 
schienenen drillen Theils von J. Geoffroy St. Hilai- 
r e's bist, generale des regnes organiques. 

Hier haben viir jetzt zunächst von einem Werke zu 
berichten, das deutschem Fleisse und deutscher Gründlich- 
keit die grösste Ehre macht, es ist diess die: 

Anthropologie der Naturvölker von'fh.Wailz, Frof. 
in Marburg. 1. Theil. Leipzig 1859. Ucber die Einheit des 
Menschengeschlechts und den Naturzustand des Menschen. 

In diesem ersten Bande, welcher die allgemeinen Grundsätze 
für die Methode der Untersuchung aufstellt und auf der breitesten 
Basis die naturhislorischen und psychologischen Elemente der auf dem 
Titel bezeichneten Aufgabe zusammenstellt , geht der Verf. mit sehr 
grosser Sachkeuntuiss und Feinheit des Unheils auf Fragen ein, die 
wir so eben berührt haben. Er giebt eine Kritik der Lehren von Art, 



und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1£59. 9 

Varietät, Rasse und des Variationskreises aller dieser Abtheilungen, 
in welche wir nicht näher eingehen können, die wir aber allen Na- 
turforschern auf das lebhafteste empfehlen *). Der Verf. kommt 
schliesslich zu dem Resultate, in welchem wir ihm vollkommen bei- 
pflichten: dass aus Einheil der Abstammung Einheit der Art folge, dass 
aber gesonderte Abstammung kein ausreichender Beweis für Artver- 
schiedenheit sei. Annahme von Stammes - Einheit aus Aehnlichkeit 
des Typus für sich allein, hält er für unsicher, ebenso verwirft er die 
amerikanische Methode , jede Varietät als ursprüngliche Art zu be- 
zeichnen. Spezielle Anwendung dieser ausführlichen naturhistorischen 
Untersuchung auf den Menschen , bringt \V. zu folgendem Schluss- 
Resultate der nalurhistorischen Untersuchung: „die bekannten Thal— 
sacken erlauben nicht nur die Annahme der Arteinheit des Menschen- 
geschlechts, sondern diese Ansicht ist auch mit geringeren Schwie- 
rigkeiten verbunden und hat die grössere innere Cousequenz für sich, 
als die entgegengesetzte der Artverschiedenheit, weil jede Anzahl von 
Arten, die mau aufstellen möchte, als gleich willkuhilich erscheint. 
Da indessen die Hauptgründe, welche für die Arteinheit sprechen, 
auf dem Nachweise der Veränderlichkeit der menschlichen Organisa- 
tion durch äussere und innere Einflüsse beruhen und wir bei un- 
serer Unbekanntschart mit den Grenzen der Macht, welche diese letz- 
teren besitzen und bei dem Mangel genauer thatsüchlicher Angaben, 
die sich über lange Zeiträume und annähernd vollständig über alle 
Theüe der Erde erstrecken, nicht mit Sicherheit zu entscheiden im 
Stande sind, ob wir die Wirksamkeit jener Einflüsse so hoch an- 
schlagen dürfen, als zur Produktion der bestehenden Verschiedenhei- 
len erforderlich wäre, so ist und bleibt die Frage nach der Arteinheit 
des Menschen-Geschlechts eine oflene Frage. Selbst dann aber, wenn 
vollständig erwiesen wäre, dass die Grösse der Veränderungen, die 
mit demselben Menschcn^lamrne im Laufe der Zeit vor sieh gehen 
können, der Grösse der Unterschiede zwischen dem Neger und Eu- 
ropäei gleichkommt , bliebe es noch ungewiss, ob faclisch der eine 
vom anderen abstamme. Die Frage nach der Einheit der Art wäre 
dann zwar beantwortet, aber damit noch nicht die nach der Einheit 
■]« ii Abstammung. För die Lösung der letzteren scheint es au der 
rrfurdcrlirhcn that.sächlichen Grundlage so gut als ganz zu feilten 
und wie mau si< !i daher auch entscheiden möge, die Entscheidung 
icheinl in jedem lulle nur einen sehr geringen Grad von Wahrschein- 
il in Anspruch nehmen zu können." Obwohl wir die psycho- 
Ifjjjischrn ljiiiei>ucliungen aus unserem Berichte aussckliessen, so mag 



*) Eine vollständigere Besprechung des Werkes habe ich in 
den Götlingisclicn gelehrten Anzeigen von 1860 Stück 33, 31, SO 
gegeben. 



10 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie 

hier doch kurz erwähnt werden, dass Waitz zu einem Ergebnisse 
kommt, das mit dem aus der physischen Betrachtung gezogenen über- 
einstimmt und das er in die Worte fasst: „es gicbt wahrscheinlich 
keine spezifische Verschiedenheit innerhalb des Menschengeschlechts 
in geistiger Rücksicht." 

Diese Fragen hat auch Baer a. a. 0. behandelt. 

Er sagt: „Man verstehe mich nicht unrecht. Ich sehe mich nur 
ausser Stande , spezifische Unterschiede unter den Menschen zu er- 
kennen, so lange man mir nicht geschwänzte Menschen oder ähnli- 
che Unterschiede nachweist, und wenn die jetzigen Stämme der 
Mensehen sich fruchtbar verbinden , so erlaube man mir wenigstens 
zu fragen, was denn eigenlich selbstständige Art ist? Ob etwas, das 
der Naturforscher nach Gutdünken sondert oder eine in der Natur 
begründete Sonderung und worin diese denn besteht? ■ — Ein Be- 
dürfniss, alle Menschen von Einem Paare abzuleiten, beherrscht mich 

durchaus nicht Ich fühle mich sehr wenig angezogen, 

über die Art, wie die 31enschen sich ursprünglich verbreiteten, eine 
bestimmte und gegliederte Ueberzeugung mir auszubilden und noch 
weniger sie zu lehren, weil es mir scheint, dass es — bis jetzt we- 
nigstens — ■ ganz an sicherer Grundlage fehlt. Eben, weil ich wohl 
nie an eine vollständige Erörterung dieser Frage gehen werde , habe 
ich hier einen kleinen Streifzug in das Lager derjenigen mir er- 
laubt, welche viele nicht verschiedene Spezies von Men- 
schen annehmen zu müssen glauben." 

Ganz im Sinne von Waitz und Baer spricht sich auch Co- 
dron in seinem oben angeführten Werke für die Einheit der Art 
der verschiedenen Menschenformen aus. Was die Abstammung von 
einem Paare betrifft, so schliesst sich der Verfasser an die Meinung 
derjenigen an, welche die Elemente der Forschung, worüber die Na- 
turgeschichte gebietet, für unzureichend zur Lösung der Frage hal- 
ten, ob ein oder mehrere Staminpaare anzunehmen seien. „Toulefois, 
dans ce que l'histoire naturelle nous apprend" sagt der Verf., um uns 
seiner eigenen Worte zu bedienen „rieu ne s'oppose ä ce qu'il n'y 
ait eu ä l'origiue qu'un couple uuique , comme le proclament du 
reste les traditions unanimes de lous les pcuples." 

Auf den Menschen angewendet, bringen die obenerwähnten 
Darwinschen Schlüsse und Hypothesen die Kassen natürlich wieder 
in eine eigenlhümliche Stellung zu den Grundfragen. Die Menschen- 
rassen sind hiernach nothwendig nicht ursprünglich verschiedene 
Stammformen oder Urspezics, sondern erst werdende oder gewordene 
Spezies aus einer einfachen Stammform. Man sieht hieraus recht, wie 
vieldeutig die oft besprochenen Verschiedenheiten des Menschen-Ge- 
schlechts iu Bezug auf Ursprung und Slammverwandtschaft aufgefosst 



und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 11 

werden können , ein klares Beispiel von der hier waltenden Man- 
gelhaftigkeit der Erkenntniss, welche jeden sicheren Abschluss dieses 
der Wissenschaft noch völlig unzugänglichen Problems unmöglich 
macht. Hing man sich die Entstehung des Menschen unter dem Be- 
griffe der Schöpfung oder der Gencratio aequivoca ans blossen Ka- 
turkiäftcn denken, so wird man gestehen müssen, dass jede der bei- 
den Annahmen einer naturwissenschaftlichen Analyse, jeder irgend 
klaren Voistellung, welche Vorgänge man sich dabei zu denken habe, 
unnahbar ist. 

Unter den allgemeinen Werken, welche im vorigen 
Jahre über die Naturgeschichte des Menschen, dieselbe mehr 
als einen Theil der Länder- und Völkerkunde behandelnd, 
erschienen sind, verdienen genannt zu werden . 

Dr. Maximilian Perty, Prof. in Bern, Grundzüge 
der Ethnographie. Leipzig und Heidelberg 1S59. 

Ein recht brauchbarer und übersichtlicher Grundriss mit ein- 
zelnen Holzschnitten. Der Verf. geht auch auf die Culturgesehichte 
und allgemein statistische Verhältnisse ein. 

J. J. d'Omalius d'IIalloy des races humaines ou 
Clements d'cthnographie. 4. edit. Paris 1S59. 

R. G. La t h a m , Descriptive Ellinology. Vol. I. Eastcrn 
and Northern Asia, Europe. Vol. IL Europe, Africa, India. 
London 1859. 

Dr. F. Pruner Bey: Der Mensch im Räume und in 
der Zeit (physisch, sprachlich, geschichtlich). "Eine ethno- 
graphische Skizze. München 1859. 4. mit 4 lith. Tafeln. 

Diese interessante Schrift ist bei Gelegenheit des 100jährigen 
Jubiläums der Akademie der Wissenschaften in München vcrlhcilt 
worden (1859). Sie enthält ebenso geistvolle allgemeine Betrach- 
tungen, als mehrere neue Einzelnheiten, Erfahrungen, die sich auf 
des Verf. langen Aufenthalt im Orient beziehen. So z. ß. beobach- 
tet« der Verf. ähnliche Ketlwiicherungen am (iesässe, wie man sie von 
ÜOUentottinen kennt, auch bei Krauen vom l)inknst;imuic und des Cor- 
dofan, wie sie Or. Barth selbst bei vielen Berberfrauen beobachtete. 
Ebenso fand Bruner die büschelförmigen llaarquastcn der Ilotteu- 
Iftten bei vielen Ost- Afrikanern, also allgemeiner, als man bisher 
glaubte. Feuerrolhes Haar fand II., wenn auch selten, bei Negern 
im alten, wie neuen Egypten, ohne den pathologischen Alhinismus, 
der bei Kegern seil hinge bekannt ist. Auf die sprachlichen Bemer- 
kungen des Vcrf.'s können wir hin nicht eingeben. Bei Gelegenheit 
dei geologischen Verbreitung menschlichei Knochen und dem Yoikom- 

i( liOmlichor Schfidel In eilen Gräbern kommt Vorf, noch ein- 



12 Wagner: Bericht üb, d. Arbeiten in d. allg. Zoologie 

• 
mal auf die physischen Verhältnisse der Kopten und schreibt allen 
entschieden gekräuseltes, nicht schlichtes Haar zu und hält, der allge- 
meinen Ansicht gegenüber, die christlichen Kopten für weniger ge- 
mischt, als die islamitischen Laudbebauer, die entschieden mehr ara- 
bisches Blut haben, als jene. „Fest steht" sagt der Verf. S. 44 „durch 
den monumentalen Befund, dass, so weit die Denkmäler einzelner 
Fialionen zurückreichen , jede durch ein eigentümliches physisches 
Gepräge sich kennzeichnet , und dass von einer jeden sich noch 
Nachkommen finden, welche ihren Stammältern ähnlich. Der Anhang 
bringt mit Abbildungen einen Kund aus Stein - Särgen im alten allo- 
brogisch-keltischen Gebiete, einem Kieshügel am Cenfer-See; es fand 
sich hier ein s c h i ef zä h n i g e r rachenförmiger I.angschädel (doch 
ist der Prognathisnius nach der Abbildung zu urlheilcn nicht auf- 
fallend, Ref.), ein Kurzschädel und ein Mischlingsschädel , bra- 
chycephaliseh aber ptognatliisch nach Angabe des Verf. (Ref. kann 
nach der Abbildung einen aull'allenden Prognathisnius nicht linden). 
Maasse in Millimetern sind beigefügt. Als Schlussfolgerungen stellt 
der Verf. zuletzt fünf Sätze zusammen, als Ergebnisse seiner Unter- 
suchungen. Es sind folgende in etwas abgekürzler Mittheilung : 1) 
Der Mensch bildet durch sein Aeusseres, seine Sprache, seine Ge- 
schichte ein eigenes Reich. 2) Die sogenannten Menschenrassen müs- 
sen als Varietäten betrachtet werden. 3) Die Species des Thi errei- 
ches hat eine ganz verschiedene Unterlage und ihr Begriff ist auf 
den Menschen nicht anwendbar. 4) Je weiter man in die Vergan- 
genheit zurückgeht, desto mehr gleichen sich die menschlichen Ty- 
pen. 5) Der arische, mit dem ovalen Schädel ist wohl geschichtlich 
der jüngste. 

Der seitdem verstorbene Direktor des statistischen 
Bureaus in Berlin, Professor Dieterici hat als letzte Ar- 
beit eine Statistik über: Die Bevölkerung der Erde nach 
ihren Totalsummen, Rassenverschiedenheiten und Glaubens- 
bekenntnissen in Petermunns geographischen flliühcilungcn 
für 1859. Heft. 1 publicirt. 

Darnach befinden sich unter den etwa loOOMÜlionen Menschen 
der Erde 1026 Millionen Dolicbocephalen und 262 Millionen Braehy- 
cephalen , wenn man die Völker nach dem Retzius'schen Prinzipe 
klassifizirt. Kach der Blumenbach'schen Eintheilung gehören 522 Mil- 
lionen zur Kaukasischen, 522 Millionen zur iMongolischcn , 196 Mil- 
lionen zur AeUiiopischen , 1 Million zur Amerikanischen, 200 Mil- 
lionen zur Malayischen Rasse oder in Prozenten sind von der Bevöl- 
kerung der Erde : 28,85 Kaukasisch, 40,61 Mongolisch, 15,38 Malayisch, 
15,08 Afrikanisch, 0,08 Amerikanisch. Begreiflicher AVeise können 
solche Angaben, namentlich über fremde Erdtheile nur sehr unsicher 



und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 13 

sein. Einige Angaben sind aber so handgreiflich unrichtig, wie die 
viel zu geringe Zahlen-Annahmen für die Amerikanische Rasse, dass 
man nicht begreift, wie der Verf. sie aufstellen konnte. 

Als von allgemeinem Interesse nennen wir auch: 
Wappaeus, Prof. in Göttingen, Allgemeine Bevöl- 
kerungsstatistik. Leipzig 1859. 

Von dem reichen Material , was die österreichische 
ISovara-Expedition von ihrer Welt-Umsegelung, vorzüglich 
durch die Verdienste Dr. Carl Scherzer's, beobachtet 
oder mitgebracht hat, und wovon eine im nächsten Jahres- 
berichte zu erwähnende eben jetzt stattfindende Ausstellung 
zu Triest eine Uebersicbt giebt, ist zunächst veröffentlicht 
worden: Uebcr Körper - Messungen als Behelf zur Dia- 
gnostik der Menschen - Racen von Dr. Carl Scherzer 
und Dr. Eduard Schwarz in den Mittheilungen der K. 
K. geographischen Gesellschaft f. 1859. 

Diese kleine Schrift enthält interessante einleitende Bemerkun- 
gen über das trügerische der äusseren Merkmale beim blossen An- 
blick fremder Völker, wo solche Verhaltnisse, wie Kleidung, Art das 
Haar zu tragen u. s. w. die gross ten Täuschungen bringen. Die der 
Zöpfe beraubten Chinesen in den Gefängnissen von Hongkong, na- 
mentlich vom Stamme dec Hakbas, mit ihrem gedrungenen kräftigen 
Körperbaue, den schön geformten, gebogenen (langen, geraden) Käsen 
und einer fast gar nicht spezifisch chinesischen Augenstellung glichen 
so gewissen plebejischen Figuren aus unseren unteren Ständen, dass 
sie. europäisch gekleidet , sich mit den meisten Menschen in Berüh- 
rung setzen Könnten , ohne jemals für Chinesen erkannt zu werden. 
Bei den schöner geformten Tartaren war die Täuschung noch frappan- 
ter. Umgekehrt fanden beide Mitglieder der nautischen Expedition 
katholische und protestantische Missionare, mit chinesischem Kopf- 
haar und Z*>pf, so wie chinesischer Kleidung, häufig von eigentlichen 
Chinesen nicht unterscheidbar. Dr.Medhurst reiste auf diese Weise 
viele Monate im Inneren China's, ohne erkannt zu werden oder 
den geringsten Verdacht zu erregen. — Was die Prinzipien der Mes- 
sung betrifft, so bedienten sich die VcifF. des Bandmaasses, des Ta- 
rter-Cirkels nnd anderer einfachen Instrumente und sie führten an 
jedem Individuum 78 Messungen aus, von denen sich 30 auf den 
Kopf, 19 auf den Stamm, 21 auf die oberen und unteren Extremitä- 
ten beziehen , welche in der Schuft einzeln verzeichnet sind. Aus- 
n i teil ten sie allgemeine Beobachtungen nach folgenden Rubri- 
ken zusammen : Name, Goschlecbt, Geburlsland, Beschäftigung, Art und 



14 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie 

Stärke des Bartes, Alter, Farbe der Haare, der Augen, Zahl der Puls- 
schläge, Gewicht, Dynamometer (für Druck- und Hebekraft), Höhe. 
Es wäre schon sehr viel für die vergleichende Anthropologie gewon- 
nen, wenn bei den Reisen in fremde Erdtheile die Erforschung die- 
ser Elemente der Völkerbeschreibung ernstlich in Angriff genommen 
werden würde. 

Von grosser Wichtigkeit isl auch die Anwendung der 
Photographie für die Rassenbilder. 

In Petermann's geographischen Miltheilungen für 1859 
Heft 4 sind drei recht gute Photographieen von Eingebor- 
nen von Süd-Australien gegeben. 

Noch wichtiger ist die Abnahme von Gypsmaskcn. 
Die Gebrüder Seh lagint weit haben auf ihren ostindi- 
schen Reisen solche Abgüsse bei Eingebornen gemacht und 
davon verkäufliche galvanoplastische Abforniungen anferti- 
gen lassen. Noch ist von den Schlagintwcit'schen For- 
schungen in Bezug auf Ethnographie uns nichts näheres 
bekannt geworden , was wir für diesen Jahresbericht ver- 
werten könnten. 

Von der grössten Bedeutung für die Rassenlehre über- 
haupt und insbesondere die schwarzen Rassen Australiens 
und der Südsee sind die beiden bereits oben benutzten Ab- 
handlungen von K. E. von Baer in den Memoires de 
l'Academie de St. Petersbourg, Sc. nat. Tom. VIII, die auch 
einzeln im Buchhandel zu haben sind : 

Crania selecta ex thesauris anthropologicis academiae 
imperialis petropolitanae cum tab. XVI lithogr. 

Vortreffliche Abbildungen, meist von mehreren Seiten von 
Schädeln von Papuas, Alfurcn, Kalmücken, Chinesen, Bewohnern von 
Unalaschka. 

Ueber Papuas und Allüren. Ein Commentar zu den 
beiden ersten Abschnitten der vorigen Abhandlung. 

Eine meisterhafte Kritik und Zusammenstellung alles dessen, 
was wir in Betreif der schwarzen Rassen der Südsee wissen, wobei 
die anmuthige Skepsis und der Humor des Verfassers , den wir aus 
seinen Studien am Caspischcn Meere kennen, Licht und Ordnung in 
das Chaos der Mitllicilungeu von Seefahrern und Naturforschern bringt, 
so weit diess in einem so mangelhaft durchforschten Gebiete möglich 
ist. Ehe eine irgend begründete Ueberzeugung über Ursprung und 
Verbreitung der Südsce- Neger zu gewinnen ist, erscheint es noth- 



und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1S59. 15 

wendig, die dunklen Yölkerresle in Indien, aber auch die Bewohner 
von Ost -Afrika und besonders von Madagascar genauer zu beob- 
achten, sowohl in Hinsicht der Körper- Bildung als der Sitten und 
Sprachen. Des Verfassers Untersuchungen führen zunächst auf zweierlei 
Typen, die ihren Ausgangspunkt in Neu -Guinea haben, von denen 
der erste oder der eigenliche Papua-Stamm entschiedenere Neger- 
Aehnlichkeit hat, als der zweite, der sich, besonders im Schüdelbaue, 
aber auch im Gesichte, sehr den Neuholländern nähert und von ihnen 
beinahe nur durch das krause Haar auflallend sich unterscheidet, das 
man nur in benachbarten und sehr beschränkten Gegenden Neuhollands, 
wo man Einwanderungen von den Tones - Inseln vermulhel, in ge- 
drehten Troddeln herabhängen sieht. „Wir bleiben also, sagt der 
Verf., bei unseren zwei Typen stehen. Dem ersteren wird man wohl 
den Namen Papua bewahren müssen, weil dieser Name ursprünglich 
dem westlichen Küstenvolke gegeben und diesem nicht entzogen ist- 
Für den anderen Typus müssle man einen eigenen Namen erfinden, 
wenn man nicht den der Alfuren beibehalten will. Ich schlage die 
Beibehaltung desselben vor, denn man hat doch lange genug die Be- 
wohner des Inneren der Westhälfte von Neu-Guinea Alfuren genannt. 
Um sie von anderen Volksresten im Indischen Archipel zu unter- 
scheiden, kann man sie Alfuren von Neu-Guinea oder Alfuren-Papuas 
nennen. Auch würde man sich darin dem in Balavia noch fortge- 
henden Gebrauche anscbliessen. Man hätte nur die lange für richtig 
gehaltene Meinung , dass die Alfuren schlichtes Haar haben als 
falsch anzuerkennen und zu berücksichtigen , dass viele der Papua- 
Sklaven in der Indischen Welt Alfuren-Papuas sind. Die von Les- 
son und II uinbron gebrauchte Benennung Andamanen, würde ich 
verwerfen, so lange nicht erwiesen ist, dass die Küsten-Papuas ihre 
ff neb baren vom Innern so nennen, wie Lesson andeutet, was aber 
kein anderer Beobachter erfahren hat, oder bis nachgewiesen ist, dass 
die Bewohner der Andamanischen Inseln diesem Typus angehören. 
Eine solche Ucbereinstimrnung mit jenen Insulanern geht aber aus 
keiner der mir zugänglichen Beschreibungen der letzteren bestimmt 
hervor, obgleich sie auch nicht für das Gcgentheil sprechen. Es ist 
i n ein anderer Rest eines schwarzen kraushaarigen Volkes, 
Drang-Samang oder Semang genannt, das im Innern der Halbinsel Ma- 
lakka lebt und in mehrere Tribut sich theilt, in neuerer Zeil so be- 
■ehrieben, dass ich dieses Volk für übereinstimmend mit den Alfuren 
.Vii (itiiueas zu erklären sehr geneigt bin. Herr Logan (bei Earl, 
' hfl l'.ipuans) , der Samang's beobachtete, sagt: „der Kopf ist klein, 
dachförmig (ridged , mit Firste vergehen) , das heissl , er erhebt sieh 
über der Stirn in Form eines stumpf OD Keils, der Hinterkopf ist ge- 
modcl und etwas anschwellend (swclling) ; die Stirn klein, niedrig (?) 
und merklich schmaler, ;d die W.nigengcgcnd, die Augenbraunhogen 



IG Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie 

stark. Das Haar ist spiralig , nicht wollig und wuchst dicht in Bü- 
scheln." Der rücken- oder dachförmige Scheitel ist es besonders, 
wodurch unser zweiter Typus charakterisirt wird. Dieselbe Form 
des Schadeis charakterisirt auch den Schädel der Neu-Holländer und 
bei diesen läuft nicht selten eine wirkliche Firste oder ein scharfer 
Kiel der Länge nach dem Scheitel fort. Die Neuhollünder haben aber 
nach übereinstimmenden Berichten schlichtes Haar oder ganz schwach 
gelocktes — mit einziger Ausnahme einiger kleinen Stämme der 
Mordküste, z. B. Her Kowraregas und ähnlicher, welche man deshalb 
als von einer Vermischung der Papuas mit den Neuholländern ab- 
stammend betrachtet. Deswegen wird man die Binnenvölker von 
Weu-Guinea , für welche wir den Namen Alfuren beizubehalten vor- 
schlagen, ungeachtet der Aehnlichkeit ihres Schädelbaues mit den Be- 
wohnern von Ncuholland, dennoch zum Hauptstamme der Fapuas zu 
rechnen haben." 

Von besooderem Interesse ist Baer's Kritik der Haare der Fa- 
puas, wo er zeigt, wie unbestimmt die Angaben und Begriffe über 
das „Wollhaar" sind. Jiaer stellt das Schlussresultat über das Pe- 
rückenhaar der Papuas in folgender Weise zusammen: „Der grosse 
(juasten-Kopf, durch den die Küstenpapuas so auffallend sind, beruht 
nur darauf, dass dieses in viele Spiralen gedrehte Haar ausgekämmt 
wird, und dass die einzelnen Locken gelöst werden. Natürlich giebt 
dicss nun einen ganzen Ballon von Haaren, die sich gegenseitig hal- 
ten. Man kann die Merino-Wolle ebenso auskämmen." 

Ueber den Schädelbau der Rhätischcn Romanen von K. 
E. v. Bacr, gelesen am 24. Juni 1859 in der St. Peters- 
burger Akademie (Bulletin. Neue Reihe Tome I. p.38). 

Ein Graubündtner Schädel in der Sammlung des anatomischen 
Museums in Basel von ausserordentlicher Kürze und Breite des Hin- 
terhaupts erregt des Verf.'s Aufmerksamkeit im hohen Grade; die 
gross te Breite des Schädels war nur um 3 Linien geringer, als die 
grösste Länge. Diess bewog v. Baer, selbst nach Graubündten zu 
reisen. Schon auf der Reise nach der Schweiz fiel ihm auf, dass der 
Schädel des Allemanischen Stammes im Allgemeinen breiter erseheint, 
als der des Franken oder Sachsen. Im Dorfe Churwalden, vielmehr 
aber noch im Dorfe Ems fand B. in den Beinhäusern der Kirchhöfe 
zum Theil ungemein breite Schädel, mit weit hinter den Ohr-Oeff- 
nungen liegenden tubera parietalia, welche B. ungemischten Roma- 
neu zuschreibt; darunterkommen aber Mischungen mit germanischem 
Typus vor. B. benutzt diesen Fund zu einer umfangreicheren ethno- 
graphischen Untersuchung mit vorzüglicher Bücksicht auf die mögliche 
Lösung einer grossen und tiefgreifenden historischen Frage, der näm- 
lich: über die ursprünglichen Bewohner Europa's vor dem Einrücken 






und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 17 

der Indo -Europäischen oder Arischen Völker. Der Verf. geht auf 
die Frage zunächst ein, in wie ferne man die Rhätier, nach einer 
Stelle bei Plinius, als eine Colonie oder einen Zweig der alten Etru- 
rier betrachten könne, die Retzius unter die Brachycephalen zählt, 
während die Schädel aus Etruskischen Grabern in der Blumenbach'- 
schen Sammlung, in Paris und die neuerdings von 31aggionari in 
Rom abgebildeten dolichocephalisch sind. Er zeigt schliesslich, dass 
schon in Etrurien sich zwei ursprünglich heterogene Nationalitäten 
mischten , wie die alten stammverwandten Rhätier Mischungen mit 
Kelten eingingen ; Keltische Stämme drangen höchst wahrscheinlich 
unter Gallischer Herrschaft, wie in Nord-Italien, so auch unter die 
benachbarten uralten Gebirgsvölker vor. 

Von dem mit sehr schonen lithographirten Tafeln ver- 
sehenen Werke : Crania britannica, delineations and descri- 
ptions of the Skulls of the aboriginal and early inhabitanls 
of the british Islands, together with notices of their other 
remains by Joseph Barnard Davis and John Thur- 
nam. London printed for the Subscribers only by Taylor 
and Francis. Red Lion Court, fleet Street, das 1856 be- 
gonnen wurde und auf 10 Decaden berechnet und seitdem 
fortgesetzt ist , werden vir eine Uebersicht geben , wenn 
sich der Inhalt mehr nach seinen allgemeinen Resultaten 
übersehen lässt. 

Ueber die Wogulen östlich vom mittleren Ural zwi- 
schen dem 59" und 69° Breitengrade giebt A. Ahlquist 
Mittheilungen im Bulletin de l'Acad. de St. Petersbourg XVI. 
1859, davon ein Auszug in der Zeitschr. f. allg. Erdkunde. 
N. Folge. Bd. 6. S. 222. 

Enthält nur wenige für uns wichtige Notizen. Die Wogulen 
lind von mittlerer Körpergrösse , meist gedrungen und kräftig ge- 
baut, mit wenig verstehenden Wangenknochen, breiter, nicht platter 
Nase, dunkelbraunen, nicht selten ganz hellen Haaren. 

Die Schoho's und die Beduan bei Mvissaua von Wer- 
ner Munzinger Zeitschr. f. allg. Erdkunde. N. F. Bd. 6. 
S.89. 

Inti n- -. ;ini , weil es die Bewohner der Trümmer zweier alten 
Stiche sind, das des äthiopisch- christlichen der Königin von Saba 
und dei mohamedanUchen der Völker von Adel , das diesem folgte. 
Plf U nütze dieser abyssinischen Volksrestc kennt man nicht. Die 
Soho'f »ind ihrer Sprache nach den Somaulis und liallas verwandt, 
ihre Farbe dunkelbraun bis schwatz, ihre Physiognomie wenig neger- 
Archir. f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. B 



18 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie etc. 

artig, nur die Haare wie grobe Schafwolle. Die anstossenden, nörd- 
licher wohnenden Beduan geben ein rechtes Bild von einem Misch- 
lingsvolk. Sie sind der Farbe nach Afrikaner, im Ganzen schwarz 
doch mit vielen Nuancen, ohne je die ächte Negerfarbe zu erreichen ; 
der Physiognomie nach sind es Kaukasier, der Sprache nach Semiten. 
Sie haben lange gerade Nasen mit hoher Stirne; besonders die Frauen 
haben sehr regelmässige , schöne Gesichtszüge — ganz griechische 
Formen. — Form der Haare wird nicht angegeben. 

Notes sur les] negres de l'Etliiopie ecrites dememoire et 
adressees par M. A n t o i n e d'A bbadie äJVI.de Quatre- 
fages. Bulletin de la Soc. de Geographie TomeXVII. p. 170. 

Das Studium des Ursprungs der Neger veranlasste den Verf. 
zur Beise, deren wenigstens hier niedergelegte ungemein dürftige 
Besultate sich nur auf einige Miltheilungen über die Farben der Ne- 
ger bezieben, über deren Formen er später zusammenhängendere 
Mittheilungen verspricht. 

Wir schliessen diesen Bericht mit einer museographi- 
schen Abhandlung: Nachrichten über die ethnographisch- 
craniologische Sammlung der Kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften zu St. Petersburg vom Akademiker v. Baer. 
Bulletin de la Classe physico - mathematique de l'Ac. etc. 
Tom. XVII. No. 12, 13, 14. 

Wie alles, was aus dieser Feder kommt, immer viel vortreffli- 
ches enthält, so auch dieser Aufsalz, der die anziehendsten Bemer- 
kungen über die Grundprinzipien der vergleichenden Anthropologie, 
deren Beziehung zur Geschichte, den Werth der craniologischen 
Sammlungen u. s. w. enthält. Die Sammlung ist vorzüglich angelegt 
worden, um Studien über die Völker des weiten russischen Keiches 
und deren Ursprung möglich zu machen; sie dehnt sich aber natür- 
lich auch auf andere Völker aus. Die Sammlung enthält bereits über 
vierthalbhundert Schädel , welche geographisch geordnet und aufge- 
stellt sind, nicht nach einem craniologischen Prinzipe, unstreitig die 
zweckmässigste Art, welche ich auch für die Blumenbach'sche Samm- 
lung gewählt habe. Der Verf. spricht sich vorzüglich über die Nolh- 
wendigkeit eines gemeinsamen Messungsprinzips aus, zu welchem 
Ende er im Sinne hatte, einen Congress nach Götlingen , als der 
Wiege der wissenschaftlichen Naturgeschichte des Menschen auszu- 
schreiben, worüber ich einiges in der oben angeführten Anzeige des 
Werkes von Waitz mitgclheilt habe. Die Ausführung dieses Planes 
dürfte von Wichtigkeit für die Forlschritte der gesammten Naturge- 
schichte des Menseben werden. 



Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte 
der Säugethiere während des Jahres 1859. 



Von 

Dr. Reinhold Bensei 

in Berlin. 



In Folge einer Aufforderung des Herausgebers hat 
Referent es unternommen , nachstehenden Bericht für das 
Jahr 1859 zu liefern. Liegt es schon in der Natur der 
Sache, dass jeder erste Bericht mehr oder weniger lücken- 
haft sein wird, so kann der gegenwärtige um so weniger 
einem solchen Vorwurfe entgehen, als in Berlin leider ein 
fühlbarer Mangel an der hierher gehörigen Literatur herrscht. 
Manche wichtige Arbeiten mussten daher dem Ref. ganz 
unbekannt bleiben, namentlich wenn sie in auswärtigen 
Zeitschriften erschienen waren, und von anderen konnten 
nur die Titel angeführt werden , da Ref. noch nicht Gele- 
genheit gehabt hatte, sich mit ihrem Inhalte bekannt zu 
machen. Das Uebergangene soll jedoch, so weit es mög- 
lich ist, im nächsten Berichte berücksichtigt werden, gleich 
wie auch jetzt einige Nachträge aus dem Jahre 1858 ge- 
macht worden sind, ohne aber die systematische Anord- 
nung des ganzen Referates zu stören. Gerne hätte Ref., 
gemäss den Forderungen der Wissenschaft, auch die fos- 
silen Säugethiere in den Kreis seines Jahresberichtes gezo- 
gen , allein der diesem vorgeschriebene Raum ist zu be- 
sebrinkt, um eine solche Ausdehnung zu gestatten. Es 
wird daher der Bericht über die Fortschritte in der Natur- 
geschichte derselben, von dem gegenwärtigen Referate ge- 
trennt, an einem anderen Orte erscheinen. 



20 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Als das seiner Anlage nach für die Kenntniss der 
Säugethiere wichtigste Werk aus vergangenem Jahre sind 
„Mammals of North America. Philadelphia 1859" von Spen- 
cer F. Baird zu nennen. 

Das Werk zerfällt in zwei Theile , deren erster bereits im 
Jahre 1857 unter dem Titel: General report upon the mammals of 
the several pacific railroad routes. Washington 1857 erschienen und 
jetzt wieder abgedruckt ist. Da dieser Theil bereits im vorjährigen 
Berichte besprochen ist, so kann bloss auf diesen hingewiesen wer- 
den. Der zweite Theil führt auch den besonderen Titel: Special re- 
port upon the mammals of the Mexican Boundary. Washington ]859. 
Die in diesem Theile behandelten Thiere sind: 2 Fledermäuse Ma- 
crotus californica (?) Baird, Vespertilio pallidus Leconte. — 2 Insectiv: 
Blanira Berlandieri Baird, ßl. exilipes Baird. — 22 Carnivor: Felis 
concolor Linn., F. on/a , K. pardalis, F. Eyra Desm. , F. Yaguaiundi 
Desm., Lynx rufus Raf. var. maculatus, Canis occidentalis var. mexi- 
canus und var. rufus , C. latrans , Vulpes virginianus Rieh. , Hassans 
astuta Licht., Putorius frenatus And. et Bach., Mephitis mesoleuca 
Licht., M- varians Gray, W. bicolor Gray, Taxidea Berlandieri Baird, 
Frocyon Hemandezii Wagl. var. mexicana St. Hilaire, Ursus horribilis 
var. horriaeus Baird, Ursus cinnamomeus , Didelphys virginiana, D. 
californica Bennet. — 34 Nagethiere : Sciurus Iimitis Baird. S. ludo- 
vicianus Custis , S. carotinensis ?, S. castanonotus , Tamias dorsalis 
Baird, Spennophilus grammurus Bach., Sp. Couchii Baird, Sp. tereti- 
cauda Baird, Sp. mexicanus Wagner, Sp. spilosoma Bennett, Cyno- 
mys ludoviciamus Baird , Castor canadensis Kühl , Geomys Clarkii 
Baird, Thomomys umbrinus Baird, Th. fulvus Baird, Dipodomys Ordii 
Woodhouse , D. agilis Gambel, Perognathus penicillatus Woodhouse, 
P. hispidus Baird, P. flavus Baird, Mus tectorum Savi , Reithrodon 
megalotis Baird, Hesperomys texanus Woodhouse, H. sonoriensis Le- 
conte, H. eremicus Baird, ISeotoma mexicana Baird, N. micropus 
Baird, Sigmodon Benlandiere Baird, Fiber zibethicus Cuv. , Lepus 
callotis Wagl., L. californicus Gray, L. sylvaticus Bachm., L. Artemi- 
sia Bachm., L. Bachmani Waterh. — 1 Edent. Dasypus novemeinetus 
Linn. — 7 Uufthiere : Dicotyles torquatus Cuv. , Cervus virginianus 
Boddaert, C. mexicanus Gmel., C. macrotis Say, Antilocapra americana 
Ord., Ovis montana, Bos americanus Gmel. Von den hier aufgezähl- 
ten Thieren sind bloss die Fledermäuse im ersten Theile noch nicht 
genannt worden. (Ungeachtet seines grossen Fleisses muss man dem 
Verf. den Vorwurf machen , die Literatur und Fauna der alten Welt 
zu wenig berücksichtigt zu haben. Daher auch die Diagnosen na- 
mentlich der Thiere , bei denen eine Vergleichung mit Formen der 
alten Welt hätte stattfinden müssen, trotz der langen und sorgfaltigen 



der Säugethiere während des Jahres 1859- 21 

Beschreibungen an einer Unbestimmtheit leiden, die sie unbrauchbar 
macht. Sie sind in vielen Fällen eigentlich bloss kurze Beschrei- 
bungen der äusseren Erscheinung. Hätte z. B. der Verf. für die Dia- 
gnose des Vulpes fulvus nicht bloss eine schottische Füchsin, sondern 
die zahlreichen Exemplare in den Europäischen Museen verglichen 
oder auch nur das gekannt, was durch Pal las und Andere über die 
rothen Füchse Sibiriens gesagt worden ist, so wäre er sicher zu dem 
Resultate gelangt, dass bedeutendere Grösse, dichter Pelz und rothe 
Farbe nicht unterscheidende Merkmale für V. fulvus sind. Ja bei 
Lupus occidentalis hat der Verf. sogar die Diagnose ganz weggelas- 
sen, weil ihm doch vielleicht bekannt gewesen sein mag, dass bei 
dem Wolf der alten Welt genau dieselben Farbenunlerschiede vom 
dunkelsten Schwarz bis zum reinsten Weiss wie bei dem Amerika- 
schen Wolfe vorkommen. 

Viel geringer an Umfang aber durch die wissenschaft- 
lichen Resultate wichtiger für die Säugethierkunde sind die 
„Reisen und Forschungen im Amur-Lande von Leop. v. 
Sehr en ck. ßd. I. Lief. 1. St. Petersburg 1858.« 

Der Verf. hat sich im Sinne der Middendorff'schen Schule we- 
niger um Aufstellung neuer Species als vielmehr um Ermittelung der 
Grenzen bemüht , innerhalb deren die Individuen einer Species in 
Bezug auf Farbe u- s. w. variiren können. Ebenso ist die geogra- 
phische Verbreitung der Säugethiere mit mustergültiger Gründlichkeit 
bearbeitet. Die einzelnen mehr oder weniger ausführlich behandel- 
ten Species sind: Ursus aretos L* , Ursus maritimus JL, Meles Taxus 
Schreb., Gulo borealis IN'ilss. , Mustela zibellina L. , Mustela sibirica 
Pall., Mustela erminea L., Mustela vulgaris Bi iss., Lutra vulgaris Erxleb., 
Lutra (?) alerrima Pall., Enhydris marina Schieb., Canis lupus L., 
Canis alpinus Pall., Canis vulpes L., Canis lagopus L., Canis proeyo- 
noides Gray, Canis fainiliarU L., Felis Lyn* L., Felis Tigeis L. , Felis 
Irbis Müll., Felis douieslica ßriss., Erinaceus curopaeus L., Erinaceus 
auritus Gmel. , Sorex vulgaris L. , Sorex pygmaeus Laxm. , Vcspe- 
rugo borealis Nilss. , Vespertilio mystacinus Leisl. , Vcspertiüo Dau- 
bcnlonii Leisl., Plecotus auritus L., Pleromys volans L., Sciurus vul- 
garis L. , Tamias striatus I.., Tamias uthensis Pall., Arctomys Bobac 
Schieb., Mus decumanus Pall., Mus musculus L. , Arvicola amurensis 
nov. spec. Schrcnck , Arvicola rutilus Pall., Arvicola amphibius L. 
Arvicola eaxatilia Pall., Arvicola Maximoiciczii nov. spec. Schrenck, 
Siphncus Aspalax Pall., Casio r Fiber L. , Lepus variabilin Pall., La- 
gOUtVl byperboretifl Pall., Sns srrofa L. , ferus und domesticus, Ovis 
montan» Dum,, Ovis arics L., Antilope crispa Teinm. , Jios tuurus L., 
Moschux moichiferus L. , Cervus cupreolus L. , Cervus Tarundus L., 
Cervus ElaphiiN L. , Cervus Alces L., Equus caballus L. , Equus asi- 



22 Mensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

nus L. , Trichechus Rosinarus L. , Phoca nummularis Sclileg. , Phoca 
barbata Müll., Phoca ochotensis Fall., Phoca equestris Pall. , Otaria 
ursina L. , Delphinapterus Leucas Fall-, Balaenoptera longimana Ru- 
dolphi, Balaena australis Desntoul. Die wichtigsten Resultate werden 
im speciellen Theile unseres Berichtes bei den einzelnen Arten auf- 
geführt werden. 

Tennent hat auF Ceylon (Ceylon an Account of the 
island etc. Vol. I. 160. London 1859) folgende Säugethiere 
beobachtet und interessante Mittheilungen über deren Vor- 
kommen und Lebensweise gemacht. 

Presbytes cephalopterus Zimm. , P. ursinus ßlyth , P. Priamus 
Elliot und Blyth, P. Thersites Blyth, Alacacus pileatus Shaw und Desin., 
Loris gracilis Geoff., Pteropus Edwardsii Geoff., P. Leschenaultii Dum., 
Cynopterus marginatus Hamilt., Alegaderma spasma Linn., AI. lyra Geoff., 
Rhinolophus affinis Horsf. , Hipposideros murinus Elliot, II. speoris 
Eiliot, H. armiger Hodgs. , H. vulgaris Horsf., Keiivoula picta Pall., 
Tnphozous longimanus Hardw., Scotophilus Coromandelicus F. Cuv., 
S. adversus Horsf., S. Temminkii Horsf., S. Tickelii Blyth, S. Healhii, 
Sorex coerulescens Shaw. , S. ferrugineus Kelaart, S. serpentarius Is. 
Geoff., S. montanus Kelaart, Fenoculus macropus Kelaart, Ursus labia- 
tus Blainv. , Lutra nair F. Cuv., Canis aureus Linn., Viverra indica 
Geoif. Hodgs. , Cynictis Alaccarthiae Gray, Herpestes vitticollis Beim., 
H. griseus Gm., II Smithii Gray, H. fulvescens Kelaart, Paradoxurus 
typus F. Cuv., P. ceylonicus Pall., Felis pardus Linn., F. chaus Güld., 

F. viverrinus Benn. , Sciurus macrurus Forst., S. Tennentü Layard, 
S. penicillatus Leach , S. trilineatus Waterh. , Sciuropterus Layandii 
Kelaart, Pteromys petaurisla Fall., Mus bandicota Bechst. , AI. kok 
Gray, M. rufescens Gray, AI. nemoralis Blyth, AI. indicus Geofl". , AI. 
fulvidiventris Blyth, Nesokia Hardwickii Gray, Golunda neueraKelaart, 

G. Ellioti Gray, Gerbillus indicus Hardw., Lepus nigricolüs F. Cuv., 
Hystrix leucurus Sykes , Alanis pentadactyla Linn., Elephas indicus 
Linn., Sus indicus Gray, S. ceylonicus Blyth, Aloschus meminna Eer.xl., 
Stylocerus muntjac Horsf. , Axis maculata II. Smith , Rusa Aristotelis 
F. Cuv., Halicore Dugung F. Cuv. 

Ueber die Lebensweise mehrerer Säugethiere aus Hin- 
dostan und dem westlichen Himalaya berichtet Leith Adams. 
(Edinb. philos. Journ. VIII. 1858. p. 253— 263.) 

Behandelt werden Felis tigris, F. pardus L., unter dessen Va- 
rietäten auch F. uncia erwähnt wird, Felis pardachrous Hodgson, F. 
chaus Güld., Cuon primaevus Hodgs., Vulpes montanus Gray, — eine 
ihm verwandte aber, wenn nicht V. flavescens, wahrscheinlich neue 
Art glaubt der Verf. in Kaschmir gefunden zu haben. — Alartes fla- 



der Säugethiere während des Jahres 1859- 03 

vigula Bodd., Must. Putorius, Ursus isabellinus Horsf., Ursus labiatus, 
Helarctus tibetantis , eine kleinere Varietät desselben findet sich in 
Pendschab ; Arctomys bobac, Kenias Hodgsoni, Capricornis bubalina, Ca- 
pra jernlaica, Hani. Smith, Capra (Ibex) himalayana Blyth, Capra nie- 
gaceros Hutton., Ovis Vignei ßlyth, Ovis anirnon Linn., Ovis nahoor 
Hodgs., Moschus moschiferus, Pocphagus grunniens, Cervus caschme- 
riensis Falc, Cervus Muntjoc und Asinus Kiang. 

Aus einer von B ak a in Süd-Malabar gemachten Samm- 
lung beschreibt oder erwähnt B I yth folgende Säugethiere. 
(Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859. p. 283—292). 

Presbytes cucullatus , Loris gracilis , Rhinolophus afflnis (?) 
Hersf,, IVylicejus Teinminkii , Viverricula malaccensis , Herpestes fus- 
cus, H. griseus, F. celidogastcr, F. bengalensis, F. chaiis, Lutra Kair, 
Sorex serpentarius Is. (jeolFr., S. (?) viridescens n. sp., eine unbestimmte 
Talpa, Ptcromys petaurista Fall, und Sciuroplera fuscocapilla Jerdon, 
Sciurus maxiinus (?) Sclireber, S. albipes n. sp., F In t ac ant homy s 
lasiurus n. gen. et sp., eine Maus, vielleicht eine var. von M. in- 
dicus, Lepus ruficaudatus und L. nigricollis , Cervus oryzae Kelaart, 
Kenias hylocrius Cyilby. 

Ueber Säugethiere aus Tenasserim von Berdmore 
gesammelt berichtet Blyth (1. c. p. 293— 298). 

Erwähnt sind: Macroglossus minimus (Jeofl'r., Scotophilus ful- 
tidus n. sp., S. coromandelicus F. Cuv. , Myolissp.?, Rhinolophus 
affinis Horsf. , Hylomys peyuensis n. sp. , Talpa leucura Blyth, Sorex 
DUdipeJ Blyth. Sciurus Keraudrenii Lesson, S. Belangeri Lesson, Rhi- 
zomys sumatrensis Rafll., Mus robustulus n. sp., M. cinnamomevs n. sp., 
M. flavescens Gray (var.?), Äius sp. ? , M. nitidulus n. sp. , M. con- 
color n. sp. , M. badtus n. sp. , M. peguensis n. sp. , Hapalomys 
l o ngtc au d at u s n. gen. et sp. , Cervus sp. ? (C. frontalis Cantor). 
Die neuen Arten sind im spcciellen Theile beschrieben. 

Nach einem Berichte von Blyth (Journ. Asiat, soc. 
Bengal 1859. p. 275) wurden von Alkinsou auf einer 
Heise nach Moulwein folgende Säugethiere gesammelt: 

MaeacuK carbonarius Cuv. (eine örtliche Varietät desselben ist 
51. auiatus GeofTr.) , der sich vielfach von Cruslacecn nährt. Tupaja 
ferruginea var. peguensis, Sciurus bicolor Spann., S. chrysonolus 
Blyth, S. Phayrei Blylh , S. atrodorulifl Gray, S. Barbei Blyth, Pte- 
ruinytf cineraceua Blyth. 

Ueber die Verbreitung der Säugethiere auf dem Mn- 
laischcn Archipel berichtet Wallace (Proc. Linn. Soc. 
MOlog, Vol. IV. p. 172). 



24 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Die australische und indische Kegion sind streng geschieden, 
in der einen bilden Beutelthiere den grössten Theil der Säugelhiere, 
in der anderen findet sich nicht ein einziges. Auf den Molukken und 
Celebes, nicht aber auf Java undßornco, finden sich wenigstens zwei 
Beutelthiergattungen (Ctiscus und Belideus). Von allen Affen, Car- 
nivoren, Insektivoren und Wiederkäuern des Westens finden sich nur 
die Gattungen Paradoxurus und Cervus auf den Molukken. Die Sciu- 
riden , so zahlreich im Westen, werden auf Celebes nur durch zwei 
oder drei Species vertreten, weiter östlich fehlen sie ganz. Süd- 
Amerika und Afrika sind in Bezug auf ihre Faunen nicht so verschie- 
den wie Asien und Australien. Maeacus cynomolgus, dessen Verbrei- 
tung sich bis Lombock und vielleicht bis Timor erstreckt, findet sich 
nicht auf Celebes. Der Hirsch der Molukken scheint eine Varietät 
des Cervus infus von Java und Borneo zu sein. Neu-Guinea bildet 
die östlichste Grenze für das Gen. Sus. Celebes bildet einen eigen- 
thümlichen Distrikt für sich, Cynopithecus, Babirusa und Anoa de- 
pressicornis erinnern nicht an Asien , sondern an Afrika. Ein Affe 
desselben Genus, vielleicht dieselbe Art, kommt noch auf der kleinen 
Insel Batchian vor, welche somit die Östlichste Grenze für die Ver- 
breitung der Affen bildet. Eine verwandte Species soll sich auch 
auf den l'hilippinen finden. 

Ueber die Säugethiere von Kamienietz-Podolski be- 
richtet Gustave Belke (Bullet. Soc. imp. de Moscou 1859. 
p. 24—107). 

Folgende Arten werden behandelt: Vesperngo noctnla P. , V. 
serotinus Daub., V. pipistrellus Daub. , V. discolor Natt. , Plecotus 
auritus L. , Talpa euiopaea L. , Sorex fodicns Pallas (= S. leucodon 
Herrn.), Erinaceus europaens L., Metes laxus Schtb., Mnstela foina L., 
Foetorius putorius L. (=F. vulg. Boisd.), F'oet. lutreola L., sehr sel- 
ten, Canis lupusl,., C. vulpesL., Sciurus vulg. L., Spermophilus gut- 
tatus Temm. , Myoxus avellanarius Desni. , Mus decumcnus Fall., Mus 
rattus L., sehr selten, Mus niusculus L., M. sylvaticus L., M. agrarius 
Fall., M. messorius Shaw., Arvicola arvalis Fall., Cricetus vulgaris L., 
Spalax typhlusFall., Lepus timidus L., sehr selten, Cerv. capreolus L., 
Sus scrofa aper L. 

Wichtige Nachrichten über die Säugelhierfauna Ost- 
Sibiriens verdanken wir auch Rad de (Bullet. Acad. St. Pe- 
tersburg XVII. 1859. p. 170—175 u. 301—303). Da jedoch 
die Arbeiten v. Schrenck's bereits erschienen sind, so 
machen sie einen Auszug aus des Verf. Beobachtungen 
überflüssig. Zu erwähnen sind bloss die genauen Nach- 
sichten über die Eichhörnchen , welche im Ching-gan vom 



der Säugelhiere während des Jahres 1859. 25 

10. Nov. bis zum 22. Februar ( alt. Stil ) verschwunden 
waren und einen Winterschlaf hielten. 

In den Notizen, welche Frauen fehl über die Fauna 
Hongkong's und Schanghai's gegeben hat, wird von Säu- 
gethieren bloss der Kantschil und zwar als auf Hongkong 
eingeführt , erwähnt. (Sitzungsberichte d. Wiener Akad. 
1859. XXXV. p. 245.) 

Als Bewohner der Andamanen werden ausser Sus an- 
damanensis noch verschiedene unbestimmte Fledermaus- 
arten angeführt, so wie eine Ralte, welche nicht eingeführt 
ist, eine Maus, wahrscheinlich die eingeführte indische 
Hausmaus, Mus manei, und ein kleines Säugethier, wahr- 
scheinlich ein Tupaja. Der Schwanz des Sus andamanensis 
ist wie bei Porcula salvania Hodgs. auf einen Höcker re- 
ducirt. (Journal of thc Asiat, soc. of Bengal. 1859. p. 271.) 

Von Säugethieren fand der Missionär Füret auf den 
Lu-Tschu -Inseln einige Wildschweine und auf der Insel 
Kirima eine grosse Menge Hirsche. (L'Institut 27. p. 50.) 

Um die Priorität der Entdeckung zu sichern, hat Fi l- 
zinger eine Notiz über die von Heugli n in N.-O.-Afrika 
gesammelten Säugethiere veröffentlicht. (Sitzungsber. der 
Wien. Akad. 1859. XXXVI. p. 345—348.) 

Heu gl in wird in einer Abhandlung, welche für die Silzungs- 
berichtc bestimmt ist, eine systematische Uebersicht der Säugelhiere 
IN'. -0. - Afrikas geben, während eine zweite, für die Denkschriften 
d. Akad. bestimmte Abhandlung eine Beschreibung theils der neuen, 
theils der nur unvollkommen bekannten Säugelhier-Arten jener Lan- 
der enthalten wird. Die Bestimmung der Arten hat Fitzinge r 
„ririri sorgfältigen Prüfung und Durchsicht unierzogen, und ihre Be- 
schreibungen dem neuesten Standpunkte der Wissenschaft gemäss er- 
weitert," doch möchte Ref. wünschen, nicht nach dem Principe, wel- 
chem der Verf. bei seinen Untersuchungen über die Kassen der Haus- 
siere gefolgt ist. — Die systematische Uebersicht wird 227 Arten 
Säugethiere umfassen und zwar 10 Allen, 1 Halbaffen, 32 Chiropte- 
i ' n 58 Kaubthiere incl. 4 domesticirlen. 48 Nagethicrc, 2 Edenlaten, 
18 l'arhydermcn incl. 2 domesticirte , 4 Einhufer (2 wilde und 2 
zahme), '.'/.'> wilde und 20 zahme Zweihufer, 1 Sirene und 4 Wale. — 
In der für die Denkschriften bestimmten Abhandlung, welche den Titel 
liiitiage zur Naturgeschichte N. -0.- Afrikas und der Nil - Quellen- 
I. ander' (Obren wird, sollen 18 Siiugclhier-Arlcn, 14 neue und 4 we- 



26 Hensel; Bericht üb. d. Leistungen in d. Kaiurgeschichte 

nig bekannte, ausführlich beschrieben werden. Unter den neuen be- 
finden sich 1 Affe, 3 Chiropteren, 5 Raubthiere, 3 Nagethiere und 
2 Zweihufer. Die 4 wenig bekannten sind Cynoceplialus porcarius 
Boddaert (bisher irriger Weise mit dem capischen C. ursinus Pen- 
nant verwechselt) , Crocidura Hedenborgi Sundevall , Orycteropus 
aethiopicus Sundevall und Phatages Temminkii Smuts. (Wie durch 
eine solche vorläufige Miltheilung, nach der Ansieht ihres Verf., die 
Priorität der Entdeckung gesichert werden soll , vermag Ref. nicht 
einzusehen, da die Priorität erst mit Publication der Diagnosen be- 
ginnt, und hier nicht einmal die Namen der neuen Arten genannt sind.) 

A. Murray hat Beiträge zur Naturgeschichte der 
Territorien der Hudsonsbai-Compagnie geliefert, den lsten 
Theil New Edinb. Journ. Vol. VII. 1858. p. 189—211 , den 
2ten 1. c. Vol. IX. 1859. p. 210—220. 

Der Verf. beginnt mit dem Renthier , dem eine ausführliche 
Beschreibung gewidmet wird. Minder ausführlich sind das Elen und 
der Biber, Castor americanus Brandt, behandelt, sehr kurz nur Lepus 
glacialis Leach, Arctomys empetra Schreb., Fiber zibelhicus Cuv., Mus 
leueopus Rafin. , Scalops canadensis Cuv.?, Sorex parvus Say , Sorex 
Forsteri Rieh, und Lutra canadensis. Die seither erschienenen Arbei- 
ten Baird's machen einen Auszug der Untersuchungen überflüssig, 
von denen bloss zu bemerken ist, dass sie ohne hinreichendes Ma- 
terial und namentlich ohne Rücksicht auf die entsprechenden all- 
weltlichen Arten unternommen sind, so ist wohl das Renthier Lapp- 
lands nirgends aber das viel grössere sibirische in Betracht gezogen 
worden. 

In einer Liste der Säugethiere Irlands (Journ. Roy. 
Dublin Soc. Vol. I. 1858. p. 145 — 146) werden 35 aul- 
gezählt. 

5 Fledermäuse, 4 Insektenfresser, 7 Raubthiere , 3 Phoken, 8 
Nager, 1 Uufthier, 7 Celaccen. Anfallender Weise fehlt Lepus timi- 
dus und nur L. variabilis und euniculus sind vorhanden, doch ver- 
dienen die Bestimmungen wenig Vertrauen, da der Baummarder noch 
immer als Varietät des Uausmarders betrachtet wird. Man nuiss alle 
osteologischen Unterschiede ignoriren, um einer solchen Ansicht sein 
zu können. 

Als Säugethiere des Sleigerwaldes. werden vonKress 
in dem 4. Bericht der naturforsch. Gesellschaft zu Bamberg 
1859- p. 47 folgende angeführt: 

Cervus capreolus, C. Elaphus, Sus sciofa (nur bis 1813 Stand- 
wild, das letzte 1829 erlegt), Lepus tirnidus, Arvicola amphibius, A. 
arvalis, A. agrestis (von Blasius bestimmt), A. glareolus, Cricetus 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 27 

frumentarius, Mus decumanus , M. mueculus, M. sylvaticus, Myoxus 
avellanarius, M. nitela, M. glis, Sciurus vulgaris, Vesperugo noctula, 
V. pipistrellus, Vesperus scrotinus, Vespertilio murinus, V. mystaci- 
nus, Plecotus auritus, Synotus barbastellus, Rhinolophus ferrum equi- 
num, K. hippocrepis , Talpa europaea, Sores fodiens , S. vulgaris, S. 
pygmaeus, S. leucodon, S. araneus, Erinaceus europaeus, Felis calus, 
Canis vulpes, Meles la.vus , Mustela martes , M. foina, Foetorius puto- 
rius, F. Ermineus, F. vulgaris, Lutra vulgaris. 

Als Bewohner des Reisskofels führt Kohlmayer 
(Jahrbuch des Landesmuseums von Kärnthen Heft 4. p. 63) 
folgende Säugethiere auf: 

Eriuaceus europaeus, Talpa europaea, Meles Taxus, Ursus arctos, 
Mustela martes, M. vulgaris, Felis catus , Vulpes, Sciurus vulgaris, 
Mus musculus, Hypudaeus arvalis, Lepus timidus, L. variabilis, Myoxus 
glis, Cervus capreolus, Antilope rupicapra. 

Als Zeichen der Zeit haben wir das bekannte Werk 
D a r w i n's zu erwähnen : On the Origin of species by means 
of natural selection or the preservation of favoured races 
in the struggle for life. London 1859, nach der zweiten 
Auflage von Bronn „Charles Darwin über die Ent- 
stehung der Arten u. s. w. Stultgart 1860" übersetzt. Der 
dem Referate hier zugewiesene, beschränkte Raum gestattet 
nicht eine noch so kurze Analyse der Epoche machenden 
Arbeit zu geben, obgleich vieles Wichtige, die Säugethiere 
betreffende darin enthalten ist, worüber der Leser auf das 
Werk selbst verwiesen werden muss. Ref. muss sich be- 
gnügen , dasselbe als die Opposition des gesunden Men- 
schenverstandes gegen das Dogma von der Aufeinander- 
folge verschiedener Schöpfungen zu bezeichnen. Es wie- 
derholen sich die Zeilen des Leonardo da Vinci, Fracastoro 
und Bernard Palissy, welche einst die Kühnheit hatten, den 
Gelehrten ihrer Zeit gegenüber den unorganischen Lirsprung 
der Petrefacten zu läugnen. 

Als den vollständigsten Gegensatz zu den Bestrebun- 
gen Dar wi n's müssen wir den Versuch Fitzingcr's be- 
trachten, die Rassen der llausthiere auf eine Menge ein- 
zclnrr Stammarten zurückzuführen (Silzungsber. d. Wien. 
Akad. 1858 u. 1859). 

Der Verf. hat bis jetzt die Kassen des Pferde«, dea Schweines, 
des Schafes und der Ziege untersucht und ist dabei zu Resultaten 



28 Hense): Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

gelangt, welche im speciellen Theile an den betreffenden Stellen 
angeführt werden sollen. Ref. glaubt, dass man nur auf zwei We- 
gen das Ziel erreichen kann, welches dem Verf. vorschwebte, ent- 
weder durch historische oder zoologisch - anatomische Untersuchun- 
gen. Allein der Verf. hat keinen dieser beiden Wege betreten und 
giebt auch sonst nicht die geringsten Andeutungen, wie er zu seinen 
Resultaten gelangt ist, so dass es den Anschein gewinnt als seien 
diese schon vor den Untersuchungen gebildet gewesen. So wird z. B. 
vom arabischen Pferde behauptet, es sei als ein Abkömmling der 
kurzhaarigen oder braunen Abart des Tarpan zu betrachten , allein 
vergebens sucht man nach einem Beweise oder Grunde dafür; zwar 
folgt mit dieser Behauptung eine Beschreibung des arabischen Pfer- 
des, allein in so allgemeinen Ausdrücken, wie sie leider noch immer 
in der systematischen Zoologie vorkommen, und ohne alle Maasse, 
so dass es dem Ref. nicht gelungen ist, sich selbst die Gründe für 
eine solche Abstammung zu abstrahiren. Desgleichen wird man nicht 
wenig überrascht, das sardinische Schwein als einen offenbaren Ab- 
kömmling des indischen Sus cristatus dargestellt zu finden , ohne 
jedoch auch hier die Lösung dieses Räthsels in der Beschreibung 
finden zu können. 

Der Naturalist in Bermuda: a Sketch of the Geology, 
Zoology and Botany etc. London 1859. 8. 

Jardin's Naturgeschichte der Marquesas-Inseln(Mem. 
Acad. Cherbourg). 

Newberry's Reports on the Geology, Botany and 
Zoology of Northern California. Washington 1859. 

Kennt Ref. aus eigener Ansicht nicht, glaubt sie aber 
doch erwähnen zu müssen, da sie ihren Titeln nach wohl 
auch Beiträge zur Säugethierkunde der betreffenden Gegen- 
den enthalten können. 

Dasselbe gilt von : Godron, de l'espece et des races 
dans les etres organises, et principalement de l'unite de 
l'espece humaine. Paris 1859. 

The instruetive Picture Book von Adam White, mit 
Abbildungen und Beschreibungen der Giraffe , der Ratte, 
des Alderney-Rindes u. s. w. ist in einer 3. Auflage Edin- 
burg 1859 erschienen. 

Als ein neues Unternehmen haben wir die von Wein- 
land in Frankfurt a. M. herausgegebene Zeitschrift „der 
Zoologische Garten" zu begrüssen. Sie hat am 1. 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 29 

Okt. 1859 begonnen und erscheint in monatlichen , einen 
Bogen starken Heften. In dem ersten derselben befindet 
sich ein Aufsatz des Herausgebers über die Hausthiere 
Haiti's. 

Auf den Gebirgen lebt das Schwein verwildert in gross ler 
Menge, in den Flussniederungen trifft man ganze Rudel verwilderter 
Kinder, dasselbe gilt von der Ziege. Und zwar haben alle diese 
Thiere an Schönheit und Wuchs nichts verloren, sondern können sich 
darin mit den besten unsrigen messen. Als eigentliche Hausthiere 
findet man den Esel , das Pferd , etwa zwei Dritttheile so gross wie 
das arabische, der Maulesel, dessen Zucht sich aus der Kleinheit der 
Pferde erklären lässt, das Rind fnst nur bei den wohlhabenden Mulat- 
ten, das Schwein überall, die Ziege bei den ärmeren Negern in nichts 
von der unsrigen unterschieden. Die Katze, in jeder ßezieliung 
der unsrigen gleich. Das Schaf ist hochbeinig, häufig dunkelbraun, 
hat nur auf dem Schulterblatte und dem Oberschenkel Wolle, die zu 
groben, zottigen Klumpen herabhän-gt. Die Hunde sind dem Schakal 
ähnlicher, als irgend eine unserer Rassen (Ref. kann dies nach einem 
Schädel , den ihm der Verf. von Haiti brachte , vollkommen be- 
stätigen). 

Zu den nicht bloss für den Gelehrten, sondern auch 
für das grössere Publikum bestimmten Arbeiten ist „die 
Naturgeschichte des Thierreichs von Giebel" zu rechnen, 
deren I. Bd. Leipzig 1859 die Säugethiere behandelt. 

Sammelwerke, selbst für einen grösseren Leserkreis bestimmte, 
haben immer etwas Verdienstliches, sobald sie nur mit der nothigen 
Sachkenntniss unternommen und ausgeführt sind. Das lässt sich je- 
doch nicht immer von dem vorliegenden behaupten. Wir können 
nicht mit dem Verf. über Ansichten streiten, so verschieden sie auch 
von den unsrigen sein mögen , allein eine grössere Genauigkeit in 
der Angabc positiver Thalsachen wäre wohl zu erwarten gewesen. 
Wenn z. B. der Verf. p. 181 angiebt, das Gebiss des Fuchses zeichne 
sich leicht kenntlich von dem des Wolfes und Hundes durch die 
liefgefurchten Schneidezahne aus, so ist dagegen einzuwenden, dass 
gerade das Entgegengesetzte stattfindet, wenn sich nämlich, wie vor- 
auszusetzen ist, der Ausdruck ,,ticfgefurcht" auf die Einschnitte be- 
zieht, welche von dem Körper der Zahnkrone die Seitenspitzen der- 
selben abtrennen, denn kaum bemerkbare Eindrücke auf der Vorder- 
uihI Hinterieite der Zahnkronen, namentlich bei den unteren Schnei- 
dezähnen, lassen sich nicht wohl als Furchen bezeichnen, sind auch 
glfithwohl immer viel undeutlicher als heiin Hund und Wolf. Aus- 
ferdem iit aber auch das Werk durch eine grosse Menge Holzschnitte 
enUtellt, welche oft nach den unglücklichsten Vorbildern gemacht 



30 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

(fig. 756) und dem Leser schon anderweitig her bekannt sind. Viel- 
leicht trägt der Verleger die Schuld daran, dem es jedenfalls auf 
grosse Billigkeit ankam, allein dem Verf. gereicht es zum Vorwurfe, 
dass die zuweilen ganz falschen Bezeichnungen der Abbildungen 
nicht geändert wurden , so ist in fig. 755 und 756 der Auerochse 
stets „gemeiner BüHel" genannt. In fig. 738 ist als Tragelaphus die 
Abbildung eines fabelhaften Thieres gegeben , die , wenn Bef. nicht 
irrt, bei Griffith vorkommt und an die Arbeiten Gessner'a er- 
innert, da sie offenbar erst nach einer Beschreibung gemacht wurde. 
Der wirkliche Tragelaphus dagegen ist in fig. 721 als Bezoarziege 
bezeichnet. 

Der Vollständigkeit wegen führen wir noch die New 
American Cyclopaedia etc. edited by George Ripley and 
Charles A. Dana New-York 1859 an, welche eine nicht 
geringe Anzahl die Säugethiere betreffender Artikel ent- 
hält, die, wie es scheint, von Kneeland bearbeitet sind 
und zuweilen von grosser Oberflächlichkeit zeugen. So 
wird, um nur ein Beispiel anzuführen, in dem Art. Deer 
von Cervus americanus Licht., C. nemoralis H. Smith, C. 
gymnotis Wiegm. gesagt, es sei allgemein angenommen, 
dass sie nur Varietäten des C. virginianus seien. 

Wir heben folgende Artikel heraus: Vol. III. Bear, Beaver, 
Bison, Bloodhound, Boar. Vol. IV. Buffalo, Bulldog, Camel, Camelo- 
pard, Caribon (Cervus tarandus), Carnivora, Cat, Cattle. Vol. V. Chim- 
panzee, Cougar. Vol. VI. Deer, Dinotherium, Dog, Delphin, Dormouse 
(Myoxns), Dugong. Vol. VII. Eland (Boselaphus) , Elephant, Elk, 
Fennec , Fisher (Mustela canadensis), Flying squirrel und Fox. 

Beiträge zur Anatomie des Gehirns einiger kleinen 
Säugethiere hat Rob. Garner geliefert (Nat. hist. review 
1859. PI. XV u. XVI , auch in Report of the twenty-eighth 
Meeting of (he Brit. Ass. etc. 1859). 

Das Gehirn des Ornithorhynchus paradoxus wird mit dem der 
Echidna hystrix verglichen. Bei 3 oder 4 Species Hyposipiymnus 
und Phalangista findet sich gleichfalls kein corpus callosum. Daran 
schliesst sich eine Untersuchung der Gehirne einiger Maulwurfalten 
inclus. Condylura. Scalops hat ein Gehirn wie Talpa europaea. 

Die Nerven und Ganglien des Säugethierdarmes hat 
Manz untersucht (Habilitationsschrift. Freiburg i. B. 1859). 

Nunneley stellte Untersuchungen über die Form des 
Augapfels und die Eintrittsstelle der Sehnerven bei ver- 
schiedenen Thieren an. 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 31 

British Association for the Advancement of Scienc. 1858. 
N. Edinb. joum. IX. 1859. p. 298. 

Rhythmische Zusammenziehungen an der Cardia des 
Kaninchenmagens beobachtete Basslinger (Sitzungsberichte 
der Wien. Akäd. 1859. XXXVII. p. 569— 575); bei Hunden 
fehlen sie. 

Ueber einige Theile der Halsmuskeln bei den Säuge- 
Ihieren schrieb Lavocat. (Memoires de l'Acad. de Tou- 
louse. Tom. III. 1859.) 

Ein besonderes ligamentum conjugale costarum , wel- 
ches die entsprechenden Rippen der rechten und linken 
Seite verbindet, entdeckte Cleland bei dem Seehunde 
und fand es auch bei vielen anderen Säugethieren vor. N. 
Edinb. Journ. Vol. IX. 1859. PI. V. p. 259. 

lieber das Unterkiefergelenk , auch der Säugethiere, 
machte J. Smith einige Notizen bekannt (N. Edinb. Journ. 
Vol. IX. 1859. p. 206—209). 

On the Vomer in Man and the Mammalia and on the 
Sphenoidal Spongy Bones etc. ist die Aufschrift einer Arbeit, 
die Cleland im N. Edinb. Journ. Vol. X. 1859. p. 142 ver- 
öffentlicht hat. 

Humphry's Homologieen des Skeletes sind im L'In- 
slilut XXVII. p. 90 aus den Verhandlungen der Brit. Assoc. 
for adv. of sc. 1859 mitgetheilt. 

Im Auszuge thcilt Huxlcy eine Theorie des Wirbel- 
Unerschädcls mit. (Ann. and mag. nat. hist. III. Ser. Vol. 3. 
p. 414); welche hier nur als auch die Säugethiere berührend 
erwähnt werden soll. 

Zur Theorie des Schädelbaues finden sich Bemerkun- 
gen von HHgald (Transactions of the Acad. of sc. of St. 
Louis. Vo!. I. 1859. p. 335 

B re n d c 1 hat zoologische Beobachtungen an nordame- 
rikanischen Säugethieren veröffentlicht, welche vorzugs- 
weise eine grosse Anzahl Maasse des Skeletes und der 

weide enthalten. Hin überwiegender Theil des Maasse 
ist in Zollen ausgedrückt, ohne dass jedoch eine Angabe 
Über die Art derselben gemacht wäre. (Giebel und Hcintz 
Keilschrift XIII. 1859. p. 31— 38.) 



32 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Die untersuchten Säugethiere sind : Scalops aquaticus, Jaculus 
labradorius, Tamias Lysteri , Pteromys volucella, Sciurus leucotis, 
Spermophilus Hoodi und Arctomys monax. 

Einen wichtigen Beilrag zur Entwicklungsgeschichte 
der Säugethiere verdanken wir Reichert (Monatsbericht d. 
Akad. d. Wissenschaft. Berlin 1859. p. 529— 532). 

Tli. Bischoff glaubte nämlich gefunden zu haben, dass bei 
dem Meerschweinchen der Bildungsdotter befruchteter Eier, ohne den 
begonnenen Furchungsprocess zu vollenden, sich von Neuem in eine 
formlose Masse verwandle, in welcher später bei Entvvickelung der 
embryonalen Anlagen Zellenbildung auftrete, ein Vorgang, der sehr 
wesentlich von der EntwicUelung anderer Säugethiere, ja der Thiere 
überhaupt abweiche. Der Verf. überzeugte sich jedoch durch das 
glückliche AufBnden der Eier des Meerschweinchens am 6ten und 
am Beginne des 7ten Tages nach der Befruchtung , nachdem sie sich 
bereits im Uterus zerstreut hatten , so wie durch Beobachtung eines 
Eies am 7ten Tage und zwar von der Stelle des Uterus , an welcher 
die Verdickung zur Bildung der Decidua - Kapsel bereits begonnen 
hatte, dass die Bildungsvorgänge im befruchteten Meerschweincheneie 
vor dem Auftreten embryonaler Anlagen sich von denen in den Eiern 
anderer Säugethiere nicht wesentlich unterscheiden , indem bei der 
genannten Species der Kurchungsprozess nur des verhaltnissmässig 
langen Zeitraumes von 7 Tagen bedarf, und dass die Befestigung des 
Eies im Uterus vor Entwickclung der embryonalen Anlagen und vor 
der Bildung der Keimblase stattfindet. 



Placeutalia. 

Quadrumana. 

Simiae. Den Gorilla hat R. Owen nochmals zum Ge- 
genstande einer umfassenden Untersuchung gemacht, welche 
vorzugsweise die Verwandtschaft des genannten Affen mit 
dem Menschen genauer erörtern will (Ann. and mag. nat. 
hist. III. Ser. Vol. IV. p. 377 u. f.) und in den Trans, zool. 
Soc. mit Abbildungen erscheinen wird. 

Als Resultat ergiebt sich folgende Skala für die Verwandtschaft 
mit dem Menschen : Gorilla, Chimpanzee, Orangs, Gibbons. 

Bemerkungen über den Gorilla machte J. Wyman 
bekannt (Proceed. ßost. Soc. nat. hist. 1859. p. 211). 






der Säugelhiere während des Jahres 1859. 33 

Ueber einen Schädel des Troglodytes niger von Alt- 
Calabar berichtet John Alex. Smith. (N. Edinb. Journ. 
Vol. IX. p. 322.) 

Von R. Owen ist unsere Kenntniss der Chimpanzees 
und Orangs durch neue Untersuchungen über den Schädel 
des männlichen Pithecus Morio und über die Varietäten des 
weiblichen P. Satyrus vermehrt worden (Transact. zool. Soc. 
of London Vol. IV. Part5. 1858. p. 165— 178. PI. 48— 50). 

Eine kleinere Species der Orangs mit Eckzähnen , welche im 
Verhältnisse zu den Schneidezähnen kleiner sind, als bei dem weib- 
lichen P. Satyrus , und mit Backzähnen , die im Verhältnisse zum 
S.hädel grösser sind, während die oberen Schneidezähne beinahe so 
gross und die unteren völlig so gross sind wie die des männlichen 
grossen P. Satyrus , war von dem Verf. P. flloiio genannt worden. 
Er giebt jetzt genaue Beschreibung eines Schädels des männlichen 
P. Älorio , 'der auf PI. 48 und 49 auch abgebildet ist, stellt jedoch 
zuletzt die Ansicht auf, der P. Morio möge eine vor langer Zeit ent- 
standene, jetzt aber dauernde, zwerghalte Varietät des P. Satyrus sein. 

Als Synonyme für Prcsbytis cucullatus werden von 
B 1 y t h angeführt: Semnopithecus cucullatus Geoffr. , S. 
jubatus Wagner, S. Johnii bei Martin, während der 
wahre Pr. Johnii synonym ist mit Simia Johnii Fischer, 
Semnopithecus hypoleucos Blytli und S. Dussumieri Geoffr. 
(Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859. p. 283). 

Prosimiae. Eine Abbildung Tind Beschreibung des Lori 
gracilis siehe bei Tennent (I.e.). 

Als neu wird Galago murinus von And. Murray 
beschrieben (New Edinbg. philos. Journal. Vol. X. 1859. 
p. 243— 251. PI. XI). 

Von der Grösse der Hausmaus. J.E.Gray hielt das Exemplar 
für einen jungen Galago sencgalcnsis, doch deutete diu Beschalle nheil 
der Knochen auf ein ausgewachsenes, wenn auch nicht altes Tbl er. 
G. murinus wiid mn halb so gross wie G. senegalensis. Dieser ist 
lobrarbcngclb, jener mäusegrau am Körper, an der Unterseite und den 
Füssen heller, jener hat einen Haarpinsel auf den Ohren , dieser 
ni< hl. In der Abbildung des ti. senegalensis bei Audebert ist der 
■rille Kinger der längste, bei G. murinni der zweite. Bei diesem ist 
di i Si hwanz ahnlich dem des fliegenden Eichhorns, als» nahezu zwei- 
zeilig, bei jenem rund "ml buschig. Im Unterkiefer 6 Schneidezahne, 
die ziemlich laug und schief nach autwarla gerichtet sind ; die 4 obe- 

Arnhiv f. Nalurg. XXVI. Jahrg. 2.Bd (' 



34 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

ren sind sehr klein, spitzig und senkrecht, die Zwischenkiefer an 
der Symphysis nicht vereinigt. Abgebildet sind das Thier (natürliche 
Grösse), die Sohle des Hinterfusses, der Gaumen mit den oberen Zäh- 
nen, der Unterkiefer, das Auge und das (iehirn von drei Seiten. Dem 
Gehirne nach gehört die Art zu den Scissencephala. (Die Abbildungen 
der Zähne sind unbrauchbar.) 

Ch, Coquerel (and auf der Insel Agisymbana bei 
Zanzibar einen neuen Lemuriden, der den Uebergang von 
Chirogalea zu Galogo macht, und für den die Gattung Oto- 
lemur gegründet wird. (Revue et magasin de Zoologie etc. 
Tom. XI. p. 457.) 

Die allgemeine Form und der Schwanz wie bei Chirogalea, aber 

der liopf viel weniger sphärisch als bei Chirogalea und selbst bei 

Galago , die Ohren denen bei (jalago gleich, 36 Zähne jederseits 

2,1.2+4 

. Der erste obere Backenzahn sehr klein und durch 

'2.1.2+4 

einen Zwischenraum von dem folgenden und dem starken Eckzahne 
gelrennt. Körper dunkelgrau und braun, 0,205 lang, Kopf 0,050, 
Schwanz 0,220. Das Thier auf IM. 17. Der Schädel (in nat. Grösse) 
auf Fl. 18 abgebildet. Es folgen Bemerkungen über die Lebensweise 
einiger Lemuriden, Indris brevicaudatus Geoffr, auf Madagascar, Ava- 
his laniger auf Sainte-JMarie, Lemur ruber Peron et Lcsueur, sehr ge- 
wöhnlich auf Mayotle, Lemur mongoz ? Linn. ebendaselbst, wird im- 
mer seltener. 

Chiroptera. 

Ch. frugivora. lieber Pteropus hypomelatius Temm. be- 
richtet R. F. Tom es (Proc. zool. soc 23. Nov. 1858. Ann. 
and mag. nat. hist. III. Ser. Vol. 4. p. 146) nach einem 
Exemplare in der Sammlung Dillwyn's gesammelt von 
J. M o tley in Labuan. 

In der Farbe ähnelt das Exemplar dem P. funereus, den der 
Verf. als das Junge des F. edulis ansieht, doch ist es von ihm durch 
die verhältnissmässig kurzen und abgerundeten Ohren verschieden. 
Für Paekysoma brecicaudtttvm Geoffr, giebt der Verf. (I. c.) nach zwei 
Exemplaren, welche in der hellrothbraunen Färbung an den Seiten des 
Halses mit der von Gray Cynopteris Horsfieldii genannten Varietät 
übereinstimmen, nach Vergleich zahlreicher Exemplare vou verschie- 
denen Lokalitäten folgende Synonymen : Pteropus niarginntus llorsl'., 
Pt. marginatus, Fachysoma marginatum und Pachys. brevicaudatum 
Temm. — Cynopteris marginatus und C. Horsfieldii Gray. 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 35 

Für einen fliegenden Hund von den Fidschi-Inseln er- 
richtet J. E. Gray das Genus Notopteris (Ann. and mag-. 
nat. hist. III. Ser. Vol. 4. p. 307), zunächst mit Macroglos- 
sus und Cephalotes verwandt. 

Der Daumen ist verlängert, das untere (zweite?) Glied halb so 

lang wie das obere, in der Haut verborgen. Der Index mit drei 

knöchernen Phalangen, deren letzte kurz und ohne Kralle. Zahn- 

1.1.4 

formel : X 2 = 26. Die Schneidezähne sind konisch, von 

1.1.5 

einander getrennt; die oberen sehr klein, rudimentär, die unteren 
stärker, stumpf, durch einen breiten, halbmondförmigen Raum von 
einander getrennt, nahe an der Vorderseite des Eckzahnes. Der Zwi- 
schenkiefer zeigt einen schwachen Eindruck an seinem vorderen 
Ende, wo sich vielleicht ein zweiter Schneidezahn entwickeln mag, 
der jedoch in keinen» Schädel gefunden wurde und vielleicht aus- 
gefallen war. Die Jlahlzähne sind nierenförmig (?) und werden nach 
hinten zu allmählich kleiner. In dem Mangel der Kralle des Zeige- 
fingers stimmt IVotopteris mit Cephalotes überein , doch stehen bei 
dieser Gattung die Schneidezähne dicht beieinander ; die oberen sind 
nieisselförmig, die untern kegelförmig. Die Species Notopteris Mac- 
donaldii ist oberhalb blass rothbraun , an der Unterseite grau ; die 
hintere Hälfte des Rückens, welche von der Basis der Flughäute 
bedeckt wird, ist kahl mit einem schmalen Streifen kurzer Haare auf 
der Millellnie. Der Rumpf so wie die obere Seite der Basis der 
Zwischenschenkelhaut mit Haaren bedeckt. Fundort Viti Leon. Bei 
dem J Kopf und Rumpf 4%" (Engl.), Schwanz 2'', Vorderarm 2'/i", 
Schenkel l'/a", das $ ist kleiner, sein Vorderarm 2%". 

Ch. inspetivora. Die Gaumcnfalten und Nebenzungen 
der Chiropteren wurden von Kolenati einer sorgfältigen 
Untersuchung unterworfen (Sitzungsberichte d. Wien. Akad. 
1858. Bd. XXIX. p. 329—345). 

Vorausgeschickt sind Bemerkungen über den Bau der Knochen 
de» Vorderarmes , der bei Gyrnnorliinen einen wenig gebogenen Ra- 
dius und ein stets mit diesem verwnehsenes Ulccranon enthält, wobei 
du- l'ln;i auf einen kurzen und fadenförmigen aber freien Fortsatz 
denselben reducirt ist, während bei den l'hyllorhincn die Speiche 
Itirkei gebogen, das Olecrauon frei und ausgebildet und die Ulna 
nur bis auf ein Viertlicil verkümmert ist. In der Nähe der Lücken- 
Eihne an der inneren Seite der Ober- und Unterlippe entdeckte der 

iLNiitliNMilif Im- La ii gs wülste und Kegel warzen, welche er Sc knapp - 
o.l.r Nebenlippen nennt. Ebenso fand der Verf. unter der wahren 
Zunge bei allen Chiropteren höchst charakteristische blattartige, 



36 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

häutig-knorpelige Organe, welche von ihm Schwirrzungen (in der 
Ueberschrift „PJebcnzungen") genannt werden. Diese Schwirrzungen, 
Gaunienfaltcn, obere und untere Schnapplippen, so wie der Afterver- 
schluss werden von dem Verf. bei 31 Arten beschrieben und auch 
grösstenlheils abgebildet, wonach sie sich bei den verschiedenen Ar- 
ten gleichfalls als ganz verschieden herausstellen (vorausgesetzt, dass 
die genannten Formen verschiedenen Individuen derselben Art nicht 
variiren, worüber der Verf. freilich keine Andeutungen giebt, indem 
er nirgends die Zahl der untersuchten Individuen nennt). 

Einen neuen Artibeus (Arctibaeus?) (Leach) Gervais 
beschreibt Peters (Monatsber. d. Berl. Akad. p. 225). 

Artibeus viltatus ; supra fuscus . subtus pallidior, striis faciali- 
hus mediaque dorsali alhis. Long, ab oeeip. ad marg. pat. infer. 0,075; 
cap. 0,034; nur. 0,023; pioslb. 0,0135; antibr. 0,060; crur. 0,022; 
pat. interf. 0,003. l'uerlo Cabello. Zunächst dem A. lineatus und A 
personatus verwandt, jedoch viel grösser. Der untere Rand des Huf— 
eifens ragt nicht frei hervor, sondern ist mit der Schnauze ohne Ab- 
satz verwachsen. 

In Bezug- auf Megaderma Geoffroy bemerkt Peters 
(1. c. p. 223), dass die von Gray vorgeschlagene generi- 
sche Trennung der afrikanischen Meg. Frons auch durch 
das Gebiss gerechtfertigt wird, indem die asiatischen Meg. 
Lyra und Meg. Spasma (trifolium) nach einem kleinen, bis- 
her übersehenen oberen Lückenzahn besitzen. Ihre Ge- 
bissformel ist also J — : — t_ x 2 = 30. Die bisher 
3 . 1 . 2 -f- 3 

verkannten Zwischenkiefer bestehen jederseits aus einer sehr 
schmalen aufsteigenden Knochenleiste, welche wie bei Nycti- 
cejus u. a. mit dem Oberkiefer sehr früh verwächst. 

Als neu wird Pkyllorrlrina labuensis von Tomes (1. c. 
p. 147 u. 148) nach einem Exemplare von Labuan und einem 
von Sawarak beschrieben. 

Sie ist zunächst Phyll. speoris verwandt , doch sind die obe- 
ren Schneidzähne ziemlich breit und berühren einander , die un- 
teren Schneidezähne sind klein , regelmässig und dreispitzig. Alle 
Eckzänhe sind lang und schlank, die Ohren von mittlerer Grösse, 
so breit wie hoch , zugespiszt , der Ausscnrand nach der Spitze 
zu schwach ausgebuchtet. Der 4le Finger nicht länger als die 
beiden Basal - I'halangen des längsten Fingers. Oberhalb ist das 
Haar dreifarbig, dunkelgrau an der Basis, darauf gelblichbraun, 
die äusserste Spitze etwas blässer. Das Exemplar von Sawarak hat 






dei Säugethiere wahrend des Jalires 1859. 37 

lebhaftere Farben. Flugweite des Excmplares von Labuan 12'' Engl,, des 
anderen 11" 8'". Ph. sepeoris ist dagegen grösser, hat einen grös- 
seren Kopf und namentlich grössere Eckzähne. Ihre Tibia ist nicht 
bloss absolut, sondern auch relativ grösser, und der freie Theil des 
Daumens ist länger, als der in die Haut eingeschlossene. 

Als in Irland vorkommend, was bisher noch nicht be- 
kannt war, wird Rhinolophus hipposideros genannt (The 
nat. bist, review 1859. p. 379). 

Ebendaselbst p. 381 wird der Anfang einer Manunalogia hi- 
bernica mit einer Beschreibung der genannten Species gemacht. 

Ueber Rhinopoma Geoil'roy bemerkt Peters (Monats- 
berichte der Akad. Berlin 1859. p. 222) : 

Die Spornen fehlen dieser Gattung nicht, sondern sind nur 
knorpelig. Sie schliesst sich durch die Gestalt ihrer Küsse und durch 
das Vorhandensein zweier knöcherner Fingerglieder am zweiten Vor- 
derfinger, so wie durch Bildung ihrer Zwischenkiefer unter allen 
Fledei ihiei cn mit spitzhockrigen Backenzähnen am nächsten den Ple- 
ropina an. 

Rhinopoma Lepsianum n. sp. ; supra dilatc cinnamomeum, subtus 
flaviduiii; cranium regione interorbitali cordiformi, conca\a, intumes- 
centiis Bateorbital ibus nullis. Länge des Kopfes und Kumpfcs 0,076, 
des Schwanzes 0,066, des Kopfes 0,026 , des Vorderarmes 0,070, des 
Schenkels 0,026, Spannweite 6,360. Vom blauen Nil. 

Peters lieferte Beiträge zur Kennlniss der Gattung 
Nyclophilus im Auszuge (Monatsberichte d. Akad. d. Wiss. 
Berlin 1859. p. 127). 

Nach Untersuchung des Nyclophilus australis Feters (von N. 
Geolfroyi Leach durch beträchtlichere Grösse und auch durch die 
Färbung verschieden) ergiebt sich, dass die Zahl der unteren Schnei- 
dezahne, entgegen lern min ck, sechs ist, wie schon Leach an- 
gtebt. Untere Backenzähne linden sich nicht vier, wie bisher alle 
Autoren angeben, sondern fünf, so dass die Gebissformel folgende ist: 

1 1 .1.3 

in Summa = 30. Im Baue des Schädels, des Skelcts und 
»5.1 . - . •> 

der Eingeweide zeigt diese Gattung die grösstc Ueberein Stimmung 

mit den eigentlichen Ve^perlilionen, denen sie daher viel naher steht, 

als den Pfycteris oder Rhinolophus, wie man bisher glaubte. (Es 

rechtfertig! sich also die Ansicht, welche Tom es ausgesprochen hat, 

der in seiner Monographie der Gattung Nyctopbilui — Proc. zool. 

for. Januar 1658 dieselbe Gebisiförmel für die Gattung aufstellte 

und diese in die Nfilie von Plecolus brachte.) 

An einer Fledermaus aus Puerto C'abcllo, welche, mit 



38 Heils et: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Ausnahme des Unterkiefers , in allen übrigen Stücken mit 
Spectrellum macrourum Gervais übereinstimmt, fand Pe- 
ters sechs deutlich dreilappige, quer zum Kieferrande 
gestellte untere Schneidezähne , so dass die Zahnfor- 
mel der Gattung Spectrellum folgendermassen lauten muss 

*^lir • ° f ° v o = 38. woraus sich eine Verwandtschaft 
3 . 1 . 3 + 3 * 

nicht mit den Phyllostomen , sondern mit den ächten Ve- 
spertilionen, und zwar mit Nycticcllus lepidus, ergiebt. 
(Monatsberichte d. Akad. Berlin. 1859. p. 225.) 

Plecotus auritus L. stimmt nach Schrenck (1. c. 
p. 115 u. 116), der ein Exemplar von der Küste der Mand- 
schurei untersuchen konnte , vollständig mit dem europäi- 
schen Thiere überein. 

Eine neue Gattung, Otonycteris, wurde von Peters 
nach zwei Exemplaren, wahrscheinlich aus Aegypten stam- 
mend, aufgestellt (1. c. p. 223). 

Sie hat durch den Bau der Ohren und des Ohrdeckels die grösste 
Aehnlichkeit mit Plecotus, jedoch sind die Nasenlöcher nicht nach 
hinten erweitert, noch auf der oberen Seite gelegen, sondern sichel- 
förmig und nach vorn gerichtet wie bei Vespertilio. Im Baue des 
Schädels und in der Gestalt und Zahl der Zähne stimmt sie mit Nycti- 

cejus (planirostris Pet.) überein V 2 = 30. 

J r 3.1.2 + 3 

Otonycteris Hemprichii n. sp. supra albescenli-brunneus, sub- 
tus albus, aus dilute brunneis. Totallänge 0,110, Spannweite der 
Flughäute 0,320. Der Verf. wirft die Frage auf, ob die Art viel- 
leicht mit Plecotus Christii Gray übereinstimme. 

Eine kleine Fledermaus aus Aegypten stellte Peters 
zu Nycticejus (Monatsberichte d. Akad. d. Wissensch. Ber- 
lin 1859. p. 224). 

Die Zahnformel ' „ ' S X 2 = 30. Nicht bloss die 

3.1.2 + 3 

Zahl, sondern auch die Form der einzelnen Zähne, so wie des Zwi- 
schenkiefers bringt die Art zur Gattung Nycticejus. 

JV. Scalieffenii n. sp. supra rufescens, subtus ex albo rufescens; 
alis fuscis. Long, tota 0,075, cap. 0,015, aur. 0,013, tragi 0,005, 
caudae 0,032, antibr. 0,031, exp. alar. 0,200. 

Vesperugo borealis Nilss. vom Amur unterscheidet 






der Säugethiere während des Jahres 1859. 39 

sich nach Schreit ck (I.e. p. 108 — 109) in Nichts von den 
europäischen Exemplaren derselben Art. 

Als zwei für Oesterreich neue Fledermäuse werden 
Nannugo ursula (Vesperugo ursula Wagner) und Nannugo 
minulissimus (Vesperlil. minut. Schinz) von Kolenati aus- 
führlich beschrieben (Sitzungsberichte d. Wien. Akad. 1858. 
XXVIII. p. 243— 249). Beigerügt ist eine Tabelle, welche 
die wichtigsten Merkmale der fünf europäischen Zwergfle- 
dermäuse N. Kuhin , N. ursula, N. NatTiusii, N. minutissi- 
mus , N. pipistrellus nebst den Abbildungen charakteristi- 
scher Theile enthält. Eine den Schluss bildende analytische 
Uebersicht sämmtlicher europäischen Chinopleren zählt de- 
ren 28 auf. _ . * 

Eine unbestimmte MyWis, (Ter M. pipistrellus an Grösse 
und Gestalt gleich, aber von abweichender Färbung, be- 
schreibt Blyth von Tenasserim (1. c. p. 293). 

Tom es beschreibt den Vespertilio suillus Temni. als 
Typus der Genera Murina- (Gray) und Ocypetes (Lesson). 
(Ann. and mag. nat. bist. III. Ser. Vol. 111. p. 154. und Proc. 
zoolog. Soc. 13. Juli 1858.) 

Gleichzeitig (1842) hatten Gray und Lesson für den Vesper- 
tilio suillus Tcrnm. . der Erstere das Genus Hurina , der Lelzlere das 
Genus Ocypetes gegründet, jener 1 jedoch zugleich mit einer Charak- 
teristik des Genus. Der Verf. vergeicht meist in allgemeinen Aus- 
drucken den Vesp. suillus mit der Gruppe, welche Vesp. formosus, 
V. emarginatus, V. rufo-pictus und V. l'earsonii enthält. Der Schä- 
del gleicht in seiner allgemeinen Form sehr dem des V. emargina- 
tus, also auch in Gestalt und Verlrältniss der Zähne, hat jedoch im 
Oberkiefer 1 l.uckenzahn mehr und im Unterkiefer einen weniger, 

9 1 . 2 -+- 3 

die Zahnformcl ist — XJB = 34. Der Verf. zieht noch 

3 • J . 2 +3 *A 

als Synonym die Noctulinia lasyura^^Bs. hinzu, und giebt ausser den 
von Temminck mitgetheillen Slawen noch solche von 2 Exempla- 
ren des V. suillus und des Noclul. lasyur. Vaterland: Java, Suma- 
tra, Indien. 

Pass unsere Kenntnis* der Mikromammalogie Europas 
noch lange nicht vollständig ist, bewies Kolcuali durch 
die Entdeckung einer neuen Fledermaus, Amblyotus alratus 
vom Altvater in österreichisch Schlesien, welche das Ue- 
bergangsglied von den Vcsperugen zu den Vespertilionen 



40 Hcnsel: Bericht üb. <I. Leistungen in d. Naturgeschichte 

bildet (Sitzungsberichte der Wien. Akademie 1858. XXIX. 
p. 250—256). 

L. c. p. 251 sagt der Verf. : Man braucht nur in die Seite 10 

(250) der in den Sitzungsber. der k. Akad. abgedruckten Bestimimings- 

tabelle Wo. 14 einen dritten Gegensatz : „Im Ganzen 32 Zahne, oder 

im Oberkiefer kein, im Unterkiefer ein Lückenzahn, Flugweite 9'' 8 3 /V" 

zu setzen, und diese Art ist bereits eingereiht." Aus diesen Worten 

scheint hervorzugehen, dass sich in jener Tabelle (1. c. XXVIII. p. 250) 

die einzurückenden Worte noch nicht befinden, allein sie stehen 

schon daselbst , und hinter ihnen folgt (ohne Gattungsnamen) eine 

Art: atratus Kolenati. Wir müssen also annehmen, der Verf. habe 

in jener Tabelle bloss den Kamen der neuen Art publiciren wollen 

und liefere jetzt nachträglich ihre Beschreibung. Die Zahnformel ist 

2.1.0.1.2.1 

- X 2 = 32. Der Mangel des Epiblema, d. h. 

o . 1 . 1 . 1 • J . 1 

des am Spornbeine befindlichen Lappens trennt die Art von Vesperugo 
und nähert sie den Vespertilionen, während sie sich durch die Zahl 
ihrer Zahne von diesen unterscheidet und an Vesperugo ansehliesst. 
(Auffallend ist, dass der Verf. selbst Amblyotus als Subgenus bezeich- 
net und doch als Geuus behandelt.) 

Vespertilio myslacinus Leisl. ist nach S ehren ck (I.e. 
p. 109 — 114) an der Mündung des Amur die häufigste 
Fledermaus. 

Unter 5 Exemplaren vom Amur, welche der Verf. untersuchen 
konnte, gehörten drei dem V. mystacinus, zwei dem V. Daubentonii, 
dock fand sich eine solche Abstufung und ein so grosses Schwanken 
der unterscheidenden Charaktere selbst an der Form des Ohres und 
der Länge der Glieder des dritten Fingers, dass die Unterscheidung 
der genannten Arten zweifelhaft wird. 

Einer neuen Art, Scotophilus fuloidus schreibt Blyth 
(1. c. p. 293) 4 Exemplare eines kleinen Scot. von Tenas- 
serim zu. 

Farbe durchgehends blass braunrolh, Flughäute schwarz. Länge 
2 3 / 4 " Engl., Schwanz 1", Flugweile 7VV' , Vorderarm l'/iö", Ohrmu- 
schel am Hinterrande %6". 

Scotophilus nitidus n. sp. Tomes (1. c. p. 149 — 150). 

Es ist zunächst mit V. coromandelieus Cuv. verwandt und nur 
wenig grösser als dieser. Die Ohren klein und oval mit abgerunde- 
ter Spitze und einer kaum bemerkbaren Ausbuchtung am Ausseniande- 
Der Tragus ist kurz , beinahe gleichmässig breit, einwärts gekrümmt 
und am Ende abgerundet. Der freie Theil des Daumens ist etwas 
länger als der eingeschlossene. Die Spitze des Schwanzes ist frei. 






der Säugethierc während des Jahres 1S59. 41 

Wie bei Pipistrellus stellt ein kleiner Lückenzahn unmittelbar hinter 
dem oberen Eckzahne und in gleicher Linie mit den übrigen Zäh- 
nen, so dass er von der Aussenseitc sichtbar ist. Bei Sc. tralalitius 
berührt der zweite Lückenzahn den Eckzahn, und der erste befindet 
sich in dein Winkel, den beide bilden, so dass er nur von innen her 
sichtbar ist; das wichtigste Merkmal aber liegt in den oberen Schnei- 
dezähnen , deren äussere bei Sc. nitidus den Eckzähnen anliegen, 
weiter nach vorn gerückt , als die inneren und gänzlich rudimentär 

2,1.2 + 3 
sind. Zahnformel X 2 = 34. Spannweite der Flug- 
häute 9" Engl. 

Hieran knüpft der Verf. folgende Bemerkungen: Vesperlilio 
tralatilius l'emm. ist gänzlich verschieden von der gleichnamigen 
Art bei Horsfield und vielmehr ein wahrer Vespertilio, dem V. 
mystacinus sehr ähnlich. V. tenuis Tcmm. kann nur mit Schwierig- 
keit von ihr unterschieden werden. Der V. imbiicatus Temm. ent- 
spricht ganz dem ächten V. tralalitius und gehört zu ihm , den V. 
iinbricatus Horsf. kennt der Verf. nur aus einem Exemplar im India 
llousc. V. brachyplcrus ist das Junge des V. tralalitius Horsf. V. 
paehypus ist eine gute Species , ebenso V. Akokumuli, aber Tem- 
niinck's Beschreibung und Abbildung des V. abramus passt so genau 
auf Scolophilus lobatus tiray, dass sie als Synonym der letzleren be- 
trachtet weiden muss. 

Einen anderen Scolophilus bringt der Verf. in Verbindung mit 
Vespeitilio ciicumdatus Temm., obgleich er etwas kleiner und sein 
Pelz kürzer und einfarbig ist, während der der letzteren nach Tem- 
iii i ii i k lang und zweifarbig sein soll. 

Insectivora. 

Ueber die Verbreitung des Erinaceus europaeus er- 
hallen wir wichtige Aufschlüsse durch Schrcnck (1. c. 
p. 100- -105). 

Der Verf. fand einen Igel, der sich von dem europäischen nur 
durch eine dunklere KSrbung der Stacheln und ein vielleicht etwas 
ipfteres Ohr unterscheidet, also nicht als eigene Art angesehen werden 
kann, am Amur nur in der Nähe dci Stadt Aigun, oberhalb des Burlja- 
Gebirges, niemals dagegen im unteren Amurlande , an der Mündung 
dei Strömen odei auf Sachalin , Während er auch im ostlichen Sibi- 
rien, westlich vom Amurlande ganz unbekannt ist. Er scheint sich 
also auch in China, wo sein Vorkommen sicher ist, nach Norden ver- 
Imii'i tu haben. Oh auch Erinaceus auritus im Amur-Lande vor- 
komme, liest» «ich nicht mit Bestimmtheil nachweisen. 



42 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Eine Monographie der Russischen Igel ist von Brandt 
zu erwarten (Bullet, de l'Acad. St. Petersbourg Tom. I. 
p. 256—257). 

Als neue Art beschreibt B 1 y t h Ilylomys peguensis 
(1. c. p. 294). 

Er ähnelt dem II. suillus J. Müller, der sich aber durch einen 
entwickelteren Schwanz unterscheidet. Totallänge 6" (Engl.), davon 
kommen auf den Schwanz 7 / 8 ", Kopf IVj", llinterrand der Ohrmu- 
schel l /z", llinterfuss mit Klauen 1". 

Soricina. Sorex vulgaris L. aus dem Amur-Lande und 
von Sachalin «eicht nach Seh renck (I.e. p. 106 — 107) von 
den europäischen Exemplaren durch den Mangel des röth- 
lichbraunen und gelblichen Farbenlones ab, indem die Ober- 
seite dunkelgraubraun und die Unterseite heller und weiss- 
licher als bei den europäschen Thieren erscheint, ein Ver- 
halten , welches nicht, wie Middendorf für die nord- 
sibirischen Thiere annimmt , von einem stärkeren Durch- 
schimmern der mäusegrauen Farbe des unteren Theiles der 
Haare, sondern von einer verschiedenen Färbung der Haar- 
spitzen selbst herrührt. 

Bemerkungen über Sorex serpentarius Geoffr. machte 
Blyth, indem er diese Species mit S. coerulescens und 
S. helerodon Blyth verglich. (Journ. Asiat. Soc. Bengal. 
1859. p.284.) 

Leider sind diese Bemerkungen, wie gewöhnlich, so allgemein 
gehalten, wie „dünnerer Schwanz," „geringere Grösse," „kleinere 
Zähne" u. s. w. , dass sie zur Erkennung einer Species völlig un- 
brauchbar sind. Wir führen bloss an, dass bei S. serpentarius die 
Zähne als weiss, bei S. heterodon als röthlichgelb angegeben werden. 

Ferner beschreibt Blyth (1. c. p. 285J den S. succa- 
lus Hodgs. und zwei unbestimmte Arten von Masuri den 
S. Swinhoei Blyth von Amoy und als neu von Deyra doon 
den S. Tytleri. 

Oberhalb röthlichbraun , unten heller, der Schwanz ist dicht 
bedeckt mit kurzen Haaren, denen zahlreiche lange untermischt sind, 
der Basaltheil des Schwanzes ungewöhnlich dick. Kopf und Rumpf 4 l /j", 
Engl, lang, Schwanz 2 3 /i", Sohle des Hinterfusses 7 / B ". 

Als neu beschreibt Blyth aus Süd-Malabar einen 



der Säugcthicre wahrend des Jahres 1859. 43 

Sorex viridescens (Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859. p. 285) 
nach einem höchst mangelhaften Fell. 

Die Art soll sich von S.Souneratii nicht bloss durch die Farbe 
und Beschaffenheit des Pelzes unterscheiden, sondern auch durch 
Länge der Sohle des Hinterfusses , welche bis zur Ferse l'/V Engl, 
misst. bei S. Sonnerati aber 'Vis''. Länge bis zur Schwanzwurzel un- 
gefähr 5'A". Farbe sehr dunkel, oberhalb undeutlich, unterhalb sehr 
deutlich mit gelblichen Spitzen untermischt , was dem Thiere eine 
dunkelgi unliebe Färbung verleiht. Das Haar ungewöhnlich kurz und 
vom Charakter des MauIwuiThaares. Vielleicht gehört die Art, wel- 
che nach Baker in Süd-Malabar gemein sein soll, einem neuen 
Genus der Soriciden an. (Ref. kann nur, wie schon öfters, sein 
Bedauern über den Zustand der Zoologie Indiens aussprechen.) 

Einen hei Myogale moschata und M. pyrenaica be- 
ständig vorkommenden muscutus sterno -clavicuiaris ent- 
deckte Hyrtl als Seltenheit auch bei dem Menschen. (Sit- 
zungsberichte d. Wien. Akad. 1858. XXIX. p. 265—268.) 

Carnivora. 

Ferae. 

Pelina. Nachdem bereits v. Middendorf höchst 
wichtige Nachrichten über das Vorkommen des Tigers in 
Sibirien gegeben hat, sind diese durch Schrenck (I. c. 
p. 90 — 96) noch weiter vervollständigt worden , der sein 
wenn auch seltenes Vorkommen auf der Insel Sachalin nach- 
gewiesen hat, in Gegenden, in welchen der Verf., wie auch 
am unteren Amur, im Winter zu wiederholten Malen eine 
unter dem Gefrierpunkte des Quecksilbers stehende Tem- 
|i<r;itur beobachtet hat. 

Nach Ca Steinen haben die Tiger in Singapore, seit 
die Engländer daselbst sind, bedeutend zugenommen, in- 
dem sie durch die Aussicht auf Beule angelockt von Ma- 
lacca herüberschwimmen (Hev. et mag. de zoolog. etc. II. 
Bwr. Tom. XI. 1859. p. 401 ,. 

Lieber einen Tiger mit doppelten Streifen am Rumple 
findel sich eine Nachricht Ann. and mag. nal. bist III. Scr. 
Vol. 3. p. 240. (Overland Ilurkarn, Calcutta Dec. 8. 1858.) 



44 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte 

Ueber die Verbreitung; des auch am Amur seltenen 
Irbis berichtet Schrenck (1. c. p. 96 — 98). 

Einen Jaguar von Mazatlan beschreicht G ray als Leo- 
pardus Hernandesii. .(New Edinb. Journ. Vol. VIII. 1858. 
p. 170.) 

Er gleicht dem Jaguar in der Form der Beine und des Schwan- 
zes, unterscheidet sich aber von ihm durch die grössere Länge des 
Kopfes und die Anordnung der Flecken, welche am Vordertheile des 
Körpers einzeln und zerstreut sind und nur am Hintertheile desselben 
Ringe bilden , während sie bei dem Jaguar überall die letztere An- 
ordnung zeigen. 

Ueber die Verbreitung- der Hauskatze in den Amur- 
ländern erhielten wir Nachricht durch Schrenck (1. c. 
p. 98—100). 

Einige Bemerkungen über die Lebensweise der Felis 
celidogaster giebt Bly th (Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859. 
p. 283). 

Der Luchs des Amurlandes gehört nach Schrenck 
(1. c. p. 88 — 90) der lein- und schwachgelleckten Varietät 
F. Lynx Temm. et Nilss. an. Seine Verbreitung ist hier, 
wie überall, an hochstämmige Waldungen gebunden. Seine 
Südgrenze dürfte auf dem Südende der Insel Sachalin sein. 

Viverriiia. Bemerkungen über die Lebensweise der Ga- 
lidia concolor und Galidictis vittala Gray werden von 
Coquerel (1. c. p. 465) mitgetheilt. Der Schädel der 
letzteren Art ist Tl. 18. Fig. 2 abgebildet. 

Ilvai'iiiua. Einen sehr wichtigen Beilrag zur Naturge- 
schichte derllyänen erhielten wir von Nordström in sei- 
ner Dissertation über die vergleichende Osteologie der ge- 
streiften und gefleckten Hyäne. Petersburg 1859 in russi- 
scher Sprache erschienen. 

Der Verl', vergleicht die Skelete der genannten beiden Hyänen- 
arten untereinander und mit den Skeleten des Hundes, des Leoparden, 
des Löwen, des Bären u. s. w. und kommt schliesslich zu folgenden 
Resultaten: 1) Der osteologische Bau der Hyänen zeigt eine auffallende 
Verschmelzung des Typus der Katzen mit dem der Hunde und zwar 
an einem und demselben Knochen. 2) Die gestreifte und die ge- 
fleckte Hyäne unterscheiden sich von einander nicht nur durch den 
Schädel, sondern auch durch das Stielet. 3) Die Verwandtschaft der 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 45 

Hyänen mit den Hunden ist eben so gross wie die mit den Katzen, 
so dass sie weder zu den einen , noch zu den anderen gerechnet 
werden dürfen. 

Eine Menge schöner Abbildungen begleiten das Werk (zeigen 
aber doch, dass die Anwendung der Photographie für Darstellungen 
naturhistorischer Objekte eine sehr beschränkte ist). 

Canina. Unsere Kenntniss des Canis proeyonoides Gray 
wurde durch Schrenck (1. c. p. 53 — 87) ansehnlich be- 
reichert. 

Ein reichhaltiges Material hat den Verf. veranlasst den C. pro- 
eyonoides Gray und C. viverrinus Temiu. (wie zu erwarten war) in 
eine einzige Ast zusammenzuziehen. Durch ihr Vorkommen am Amur 
unterscheidet sich die Fauna der betreffenden Länder wesentlich von 
der Sibiriens, um sich an die Faunen Chinas und Japans anzuschlies- 
sen. Abgebildet sind aufTaf. III — V Farbenvarietäten und das Skelet. 

Holland berichtet über Bastarde einer Wölfin mit 
Hunden in der Freiheit geboren in den Wäldern von Nouaille. 
Compt. rend. de I'Acad. des scienc. Paris 1859. Tom. 48. 
p. 1072. 

Die bisher so mangelhaften Nachrichten über den Ca- 
nis alpinus Dali, sind sehr vervollständigt worden durch 
Schrenck (1. c. p. 48 — 50). 

Dem Verf. gelang es auf seinen Reisen in den Amurländern 
nur ein einziges Fell zu erhalten , welches viel dunkler, rüther und 
mit mehr Schwarz versehen ist, als ein anderes Exemplar aus dem 
Altai , welches vielleicht aber auch in Folge langer Aufbewahrung 
im Museum zu Petersburg ausgebleicht sein kann. (Dem so seltenen 
Vorkommen des C. alpinus in den Sammlungen , so wie dem Dilet— 
taotitmus, mit welchem die Ostindische Säugethierfauna bisher be- 
handelt worden ist und noch behandelt wird , ist es zuzuschreiben, 
dass der ('. alpinus, der C. primaevus aus Ostindien und der C. ru- 
tiliins von den Sundainseln noch immer als besondere Arten betrachtet 
werden. Die Schädel dieser drei Arten sind, wie Ref. gefunden hat, 
*o scharf gelrennt von denen aller anderen Hundearten, untereinander 
aber vollständig übereinstimmend , sowohl was die Form betrifft als 
auch im Gebisse, Ausserdem lässt sich eine Lücke in Färbung schon 
jetzt durch dafl Exemplar von Amur ausfüllen, so dass sich genü- 
l*eui]r Ucbergftnge von den hellen K.uinphu en aus dem Altai zu den 
dunkeliotlieii ros Java linden bissen.) 

Der Schädel des C. alpinus wurde durch v. Nord- 
m ;t n genauer beschrieben und gemessen (Palacontologie 
Sfidrusslands. Helsingfors 1868. p. 136—137 Anmerk.). 



46 Heu sei: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Das gemeinste und am leichtesten zu erlangende Raub- 
thier unserer Gegenden ist der Fuchs , und doch fehlt es 
noch vollständig an einer ausführlichen Feststellung der 
Grenzen , innerhalb deren seine Färbung in verschiede- 
nen Theilen der alten Welt variirt. Durch die Arbeiten 
Schrenck's (I.e. p. 51 — 52) sind wir diesem Ziele näher 
gerückt. Er fand, dass das Insel- und Küstengebiet im 
Nordosten Asiens vorzugsweise die Enlwickelung einer 
schwarzen Varietät begünstige. 

Das Gebiss des Canis vulpes L. im Zahnwechsel hat 
v. Nordmann ausführlich beschrieben und ilaasse des 
Unterkiefers junger und aller Thiere und einzelner Skelet- 
Iheiie beigefügt (1. c. p. 140 — 142). 

Dass Canis lagopus auf Sachalin nicht vorkommt, hat 
Schrenck (I.e. p. 52 u. 53) nachgewiesen, nachdem be- 
reits v. ßaer dasselbe für die Russischen Kurilen gethan 
halte. Es müssen also die Angaben v. Siebold's über 
das Vorkommen des Polarfuches auf den südlichen Kurili- 
schen Inseln entschieden in Zweifel gezogen werden. 

Ueber die Verbreitung des Eisfuchses bemerkt v. 
Nordmann gelegentlich (1. c. p. 244 Anmerk.) , dass er 
im russischen Theile von Karelen nicht selten ist und zu- 
weilen bis in die südlichste Provinz Finnlands kommt. Zu- 
letzt wurde er 1854 bei der Stadt Lovisa geschossen. 
Selbst bei St. Petersburg ist er schon vorgekommen. 

Ursina. Der Bär des Amurlandes gehört nach Schrenck 
(1. c. p. 7 — 16) ohne Zweifel zu der durch den ganzen 
Norden beider Welten verbreiteten Art U. aretos L. 

Seine Farbe variirt vom reinen Schwarz bis Fahlbraun. Auch 
findet sich eine Varietät mit weissem italsbande. Mitgethcilt werden 
die Maasse zweier Schädel , der eine hoch , der andere flachförmig. 
Die (jesammllänge des grösseren beträgt 450 Mm., wählend der bis- 
her als der grosste bekannte (bei Middendorf) 418 Mm. misst, 
und der grosste Ursus spelaeus (bei Nordmann) 488 Mm. lang isl. 
Auf Sachalin ist der Bär sehr zahlreich und von derselben Farbe, 
doch findet sich im Korden der Insel , nach Erzählung der Giljaken, 
eine sehr helle Varietät. 

Schilderungen des brauen und Eis-Bären gab Wein- 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 47 

land in seiner Zeitschrift „der Zoologische Garten.« 1859. 
p. 37—46. 

lustelina. Metes Taxus Schieb. , bisher bloss bis an 
die Lena nach Ossten bekannt, kommt nach Schrenck 
(1. c. p. 17) auch am Amur vor. 

An acht dem Verf. vorliegenden Dachsfellen aus dem Amur- 
lande finden sich alle Uebergänge zum Meles Anakuma Temm. aus 
Japan , so dass dieser nicht als eigene Art anzusehen ist. (Dass der 
Verf. den Melas Taxus Schieb, vom 51. labradoria Say hauptsächlich 
durch die Zeichnung des Kopfes unterscheidet, muss uns wundern, da 
diese Arten bekanntlich durch ihr Üebiss so von einander entfernt 
sind, dass eine generische Trennung durchaus nothwendig ist.) 

Guto borealisNilss. kommt nach S ch ren ck (I.e. p. 24) 
im Amurlande in denselben bald helleren, bald dunkleren 
Färbung' vor, wie in Europa und Nordasien. Seine Ver- 
breituno; ist an die des Renthieres geknüpft. 

Bei Mustela flavigula Bodd. ist naeh Leith Adams 
(I. c.) der Winterpelz so verschieden vom Sommerpelz, dass 
Must. Gwalkinsii Jardine vielleicht keine besondere Art ist. 
(Die Ansicht des Verf. wird nicrit recht klar, da M. Gwal- 
kinsii sich durch dunklere , fast schwarze Färbung unter- 
scheiden soll.) 

Mustela zibellina L. ist nach Schrenck (I.e. p. 27) sehr häufig 
im Amurlande und ebenso, ja vielleicht noch häufiger auf Sachalin. 
Ihr Haar verliert nach Osten und Süden zu an Schwärze und Dich- 
tigkeit Am unteren Amur flu den sich häufig heile Exemplare, eine 
helle Varietät kommt aber auf Sachalin vor, die als Mittelfoim zwi- 
>< lit-n dem asiatischen und amerikanischen Zobel zu betrachten ist. 
Ebenso dürfte auch der Mustela brachijura Temm« von Japan nur eine 
heiirre Varietät des Zobels sein. Weder M. martes noch M. foina findet 
lieb im Amurlandc. 

Musteln tibirica l'all. fehl) auf Sachalin und ist eine ausschliess- 
liche Charakterform des continenlalen ostlichen Sibiriens. Der zuerst 
\ oii Wag ii e r ei w ahnte weisse Fleck an der Unterseile des Halses 
itt unwesentlich. 

Mustela erminta L. dürfte am Sudende der Insel Sachalin ihre 
Aequalm iali.'n im erreichen; sie gleicht ganz der europäischen. 

Muitrhi wlgarii l»ii »s, in der liegend von Nikolajew nur in 
einem Biemplare gesammelt, ist auf der Unterseite etwas gelblich, so 



48 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

dass somit der einzige Unterschied zwischen dem gemeinen Wiesel 
und M. pusilla De Kay in Nordamerika aufgehoben wird *). 

Nach einer Mittheilung von Struck wurde Foetorius 
lulreola bei Ludwigslust in Mecklenburg beobachtet (Archiv, 
d. Ver. d. Freunde für Naturg. in Mecklenburg XIII. 1859- 
p. 139). 

Lutra vulgaris ErxI. kommt nach Schrenck(l. c.) 
bis nach China hinein vor, so dass L. chinensis Gray, L. 
indica Gray, L. Nair Cuv. u. a. m. vielleicht nur als Ab- 
arten unseres Fischotters zu betrachten sind. Die Viverra 
aterrima Pallas Hesse sich nirgends finden und dürfte wohl 
eine Varietät der L. vulgaris gewesen sein. 

Pinnipedia. Enhydris marina Schieb, lebt nach Schrenck 
(I.e.) auf der Süd- undOslt-Seite der Insel Sachalin, wird 
aber von den Eingebornen nicht gejagt. 

lieber die Verwandtschaft des Walrosses erhielten wir 
wichtige Aufschlüsse durch S tee ns trup und S und eva II 
(Öfversigt af K. V. A. Förh. 1859. p. 441 ff., im Auszuge 
mitgetheilt in Giebel und Heintz, Zeitschrift 1860. 
p. 270—275). 

Steenstrup war durch eine Vergleichung der Schädel so 
wie der Skelete zu der Ueberzeugung gelangt, dass die Gattung Odo- 
baenus (= Trichechus L. Syst. Nat. ed. XII) zunächst mit den Muste- 
linen verwandt sei , und dass die Raubthicre ohne Unterbrechung in 
die Phoken übergingen, indem das Wallross nicht mehr von Enhydris 
abweiche, als diese Gattung von Lutra. Sundevall ist durch Ver- 
gleichung des reichen Materials der Stockholmer Sammlung zu dem- 
selben Resultate gelangt und will nur durch Lebensweise und Form 
der hinteren Extremitäten eine Grenze zwischen Lutra und Enhydris 
ziehen. Es würde sich danach das Schema folgendermaassen ge- 
stalten : 

I. Terrestres vel Lilorales. a. Melinae, b. Mustelinae, c. Lu- 
trinae (Lutra, Pterura). 

II. Pelagicae. a. Enhydris, b. Odobaenus, c. Otaria , d. Phoca. 

*) Bei Baird (1. c. p. 159), dessen bereits im Jahre 1857 er- 
schienene Arbeit der Verf. nicht gekannt zu haben scheint, wird dem 
Putorius pusillus eine weisse Unterseite zugeschrieben, so dass mithin 
durchaus kein Unterschied zwischen dieser Art und den» europäischen 
Wiesel aufzulinden ist, und in der That passt die betreffende Diagnose, 
wie so manche andere, bei Baird wörtlich auf die altweltliche All. 



der Säugethicre während des Jahres 1859. 49 

In einer Beschreibung der Guaiiofbrination und ihrer 
Bewohner auf den Chinchas-Inseln theilte Kinahan schät- 
zenswerthe Bemerkungen über die Robben der genannten 
Gegend mit. (Journ. Roy. Dublin Soc. Vol. I. 1858. p. 92 
und 93.) 

Otaria leonina ((iray's Museum Catal.) hat folgende Zahnformel 

3.1.6 20 

X 2 = — . Der äussere obere Schneidezahn gleicht in 

Länge und Gestalt dem Eckzahn, die hinteren Backenzähne haben 
nur einen einfachen Höcker, die übrigen dagegen an der Basis dieses 
Höckers noch zwei undeutliche Spitzen. Der letzte Backenzahn in 
jedem Kiefer hat eine doppelte Wurzel. Das Haar ist lang aber sei- 
denartig, die Farbe hellbraun. Die Thiere werden oft mehr als 20' 
(Engl.) lang. Die Gipfel der Inseln findet man von todten Seelöwen 
umgeben, und Köpfe und Skelete liegen in allen denkbaren Lagen 
zu Hunderten rings uiuber. Unter den zahlreichen Schädeln des See- 
löwen fand der Verf. nur einen, der (ohne Unterkiefer) jederseits nur 
5 Backenzähne hatte, deren letzter eine einfache Wurzel besass. Die- 
ser Schädel unterschied sich auch durch andere wesentliche Merk- 
male von denen des Seelöwen. 

Otaria ursina Linn. kommt nachSchrenck (l. c. p. 189 — 190) 
in den Gewässern der südlichen Hälfte Sachalin's, im Ochotskischeu 
und Nord-Japanischen Meere wenigstens bis 47° N. B. vor. 

Phoca nummularis Schleg. ist nach Schrenck (1. c. p. 180) 
für das Amur-Land die wichtigste Robbenart. Sie findet sich an den 
Küsten des Amur-Landes im Ochutskischen Meere, im lartarischen 
Sund und im Amur selbst vor. In diesem geben junge Thiere bis 
zum Dorfe Yrri , 400 Weist oberhalb der Mündung und nahe dem 
51° N. Br« hinauf, lu Beziehung auf die Zeichnung des Felles kom- 
men die manniebfachsten Varietäten vor. 

Phoca Larvata Müll, hat im Amin - Lande dieselbe Verbreitung 
wie die vorhergehende Art, doch liess sieh nicht ermittein, wie 
weit sie den Amur hinaufgeht. 

Phoca ochotensis l'all. geht dagegen nur sehr selten in den 
Amur. Eine genauere Beschreibung dieser noch sehr ungenügend 
gekannten Art ist von Brandt zu erwarten. 

Phoca cqveitrii (Fh. foeeinta Shaw.), welche l'all as nur nach 

einem aus dem R&cken ausgeschnittenen Fell stücke gekannt hai, i^i 

ihrer Seilenheil wegen von Kej »er I in g und Blasius für synonym 

mit Ph. foelida Fabr. oder t'h. aunelata Miss, gehalten Worden, doch 

Dotertcbeidet sie sich durch Zeichnung und Zahnbi1p*ung wesent- 

5 
lieh. Sie hat — X 2 Backenzähne, welche, mit Ausnahme des ersten. 
5 

Aren, für Naturg. XX. VI. Jahrg. 2. ßd. I> 



50 Heusei: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

zum Unterschiede von Halichoerus Nilss. mit je zwei Wurzeln ver- 
sehen sind. Doch nähert sie sich dieser Gattung sehr durch die äus- 
sere Form der Zähne und steht gewissermassen zwischen ihr und den 
ächten Seehunden mitten inne. Die eigenthüinliche Färbung und 
Zeichnung ist durch 3 Abbildungen 1. c. Taf. IX. fig. 1 — 3 erläutert. 
Ihre Verbreitung beschränkt sich auf das Beringsmeer , die Küsten 
Kamschalkas, die Kurilen, des Ochotskische Meer, den Amur-Liman 
und den Tartarischen Sund bis nach der Südspitze Sachalin's. 

Rodentia* 

Sandwich berichtet über die Lebensweise des Chi- 
romys madagascariensis nach Beobachtungen an einem le- 
benden Exemplare. (Annal. des sc. nat. X. 1858. p. 377; 
Proceed. Linnean Soc. Zoology IV. p. 28 — 30.) 

Der Verf. hält das Thier für einen Lemur, 1) weil Madagascar 
(das Land der Lemure) sein Vaterland ist; 2) weil kein IN'agethier die 
gleiche Beweglichkeit des Vorderarmes besitzt, wie sie nur dem 
Menschen und den Quadrumanen zukommt; und 3) weil kein Nager 
einen Daumen an jeder Extremität besitzt. Die Schneidezähne sind 
geeignet, das härteste Holz zu zernagen. Sie sind nebst dem Unter- 
kiefer wie die entsprechenden Theile der Nager gebaut. Das äus- 
serst feine Gehör dient dem Thiere, nach Ansicht der Eingebomen, 
um das Arbeiten der Insekten im Holze zu hören, worauf es selbst 
das Holz annage bis auf das Insekt und dasselbe hervorziehe. Das 
im Zimmer gehaltene Thier brachte durch Anschlagen des Zeigefin- 
gers an das Holz der Möbel und des Fussbodens einen vibiirenden 
Ton hervor und versuchte in einem Falle nach dieser Manipulation 
das Holz der Malte zu zernagen, so dass jene Ansicht der Eingebor- 
uen wahrscheinlich wird. Es wurde übrigens mit Bananen und Dat- 
teln ernährt. Um /u trinken , tauchte es den Zeigefinger ins Wasser 
und brachte ihn darauf in den Mund, und zwar geschah Alles mit so 
grosser Schnelligkeit, dass das Wasser gleichsam aus dem (Jefässe in 
den Mund zu fliessen schien- 

Sciuriua. Ueber ein weisses Eichhorn aus Würtemberg 
berichtet Kraus s (Würtemberg. naturw. Jahreshefte 1859. 
p. 44). 

Ueber Sciurus vulgaris vom Amurlande, dunkler noch 
als Eichhörnchen jenseits des Jenissei, berichtete ausführ- 
lich Schrenck (1. c. p. 118—124). 

Ueber den Winterschlaf der Eichhörnchen im Amur- 
Lande vergleiche man Rad de (1. c). 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 51 

Engel mann berichtet über eine schwätze Varietät 
des Fucliseichliorns von Missouri. Es ist von Bach mann 
als Sciurus Auduboni beschrieben worden, kann aber nicht 
von dem gemeinen Fuehseichhorn des Westens, Sciurus 
macrourus Say == Sc. Sayi Aud. et Bachm., gelrennt wer- 
den. Bei Baird findet es sich als Sciurus ludovicianus 
Coslis, da dieser es schon lange vor Say beschrieben hat. 
Transactions of theAcad. of sc. of St. Louis. Vol. I. p. 329. 

Als neu beschreibt Blyth einen Sc. albipes, dessen 
Fell und Skelet sich in Calculta befindet , ohne dass das 
Vaterland genauer bckannl wäre (I. c. p. 287). 

Ei- gleicht dem S. niacrounis Pennant von Süd-Indien und Cey- 
lon, ist aber oberhalb und auf der Aussenseite der Beine bis zu den 
Füssen einförmig mallbraun, das Wolihaar ist dunkelgrau, weisslich 
an der Vorderhäifte des Kopfes; die Pfoten sind weissiich, auf der 
Oberseite der Zehen mit untermischten schwarzen Haaren. Die Farbe 
der Unterseite ist weiss . scharf abgesetzt gegen die der Oberseite. 
Hie Ohrmuscheln «ind auf der Aussenseile schwarzlich und ohne Ohr- 
pinsel. Oer Schwanz dunkelbraun mit einem mattweissen Längsstrei- 
fen auf der Unterseite. Im Uelnigen gleicht die Art dem S. macrou- 
rus von Süd-Indien und Ceylon. 

Tamias striatus findet sich am Amur und auf Sachalin 
nach Schrenck (1. c. p. 124 — 125) von derselben con- 
stanteri Färbung wie in ganz Nordasien, den schwarzen 
Tamias uthensis Pall. isl Verf. geneigt mit A. Wagner 
und Middendorf für eine Abänderung des T. striatus zu 
halten. 

Eine Zusammenstellung aller (liegenden Eichhornarten 
erhielten wir von Blyth (Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859. 
p. 276— 278,. 

A. Peter oinyi pentaurista Pall. (= Pl. philippensis Gray, PI. 
oral Tickeil) . Pl cineractut Ulylh (= Pl. petaurisla var. ciueruceus 
Blylhj . Pl. philipptmil Gray. Pl. elegant S. Müller, Pl. puncMatut 
Gray, Pl. inornalut Geulli. . vielleicht l't. aihiventer Gray (nicht in 
llardu ii k> llluslratioof) , Pl. griieorenlr.v Gray. lir. Mus. L'at. be- 
schrieben?, Vi. melanolit Gray, nicht vollständig beschrieben , als 
Synonym l't. Diardi Temm. dnznq als zweifelhaftes Pl. nitidus Gray 

ll.inlw. Illlisl.), Pl. nitidus Gcoll'l. =• Sciurus piliiu i tstu fucin. Pall. 

(= pi. albiventei rnj in llnrdw, 111 u.-it i.j t hierzu als iwdifelbafte 
Varietät Pl. puocUtus Gray, Pl magnifieai rjodga-i Sciuropterm «</- 



52 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

bilis Gray (= Pt. chrysotryx Hodgs. ) Pt. leucogejtys Temm., Sciuro- 
plera caniceps Gray (= S. senex llodgs.) , Sc. Leyardi Kelaart , Sc. 
Baberi (?) Blyth, S. fuscocapilla Jerdon, S. Gmbriäta Gray (= Ptero- 
mys Leachii (?) Gray, S. albonigra Hodgs. (=. Pt. Turnbullii Gray). 
S. villosa Blyth, S. Horsfieldii (= Pt. Horsfieldii Waterhouse, Pt. au- 
rantiacus Wagler), S. genibarbis Horsf. , S. lepida Horst'., S. Phayrei 
Blyth n. sp. (= Sc. sagitta von Burma) , S. spadicea Blyth , S. Mo- 
moga Temm. et Scbleg., S. volans L. (= Pt. Sibiriens Desm. , Pt. rus- 
sicus Tiedem.) , S. volucella Pall. (= Sciurus acrobates Schieber, 
Sciuropterus americanus Desm.), S. Sabrina Shaw. = Sc. hudsonius 
Forster). 

Unter dem Namen S. sagitia kommen bei Temminck und 
Schlegel 5 Arten vor. 

Die osteologischen Verhältnisse des Pteromys volu- 
cella nach zwei Skeleten, des P. sagitta und des P. nitidus 
nach je einem Skelet hat Giebel zum Gegenstande einer 
Untersuchung gemacht. (Giebel u. Heintz Zeitschrift XIII. 
1859. p- 309— 318.) 

Bemerkungen über Pteromys petauristaPallas und Sciu- 
roptera fuscocapilla Jerdon im Vergleiche zu Sc. funbriata 
Gray gab Blyth (1. c. p.286). 

Ueber Pteromys volans vom Amur . nicht verschieden vom si- 
birischen, vergleiche man S ch reuck (I.e. p. 116 — 118). 

Als neu beschreibt Blyth Sciuroptera Phayrei (Jour- 
nal Asiat. Soc. Bengal. 1859. p. 278). 

Aehnlich der Sc. albonigra , aber beträchtlich kleiner, der 
Schwanz weniger buschig. Länge 6 — 6'/V' (Engl.), der Schwanz (die 
Wirbel) 5%", Hinterfuss mit den Klauen l 3 /8". Bangoon, Mergui. 

Zur Osteologie der Murmelthiere hat Giebel Bei- 
träge geliefert (Giebel und Hintz Zeitschrift XIII. 1859. 
p. 299—309). 

Durch Brendel in Peoria erhielt der Verf. das vollständige 
Skelet eines ausgewachsenen Arctomys monax, welches mit drei Ske- 
leten und einem einzelnen Schädel des Alpennumnelthieres und einem 
Schädel des Bohac verglichen werden konnte. Der Verf. findet eine 
„überraschende Aehnlichkeit im Schädel bau und Zahnsystem ," aber 
bei Vergleichung der einzelnen Skeletlheile „viel erheblichere Unter- 
schiede von hoher systematischer Bedeutung für das europäische Al- 
penmurmelthier und den nordamerikanischen Monax." Beigefügt sind 
viele Maasse des Schädels und des SUeletes , doch muss Ref. hierzu 
bemerken, doss die Maasse des Arct. monax von denen, weiche be- 



♦ 



der Saugethiere wahrend des Jahres 1859. 53 

reits Brendel (I.e.) von demselben Skelete mitgetheilt hat, so weit 
abweichen, dass eine wissenschaftliche Verwerthung der beiderseiti- 
gen Messungen durchaus unmöglich ist. 

Arctomys Bobac wurde von S ehrende (1. c. p. 127) 
im Amur -Lande nicht gefunden, doch ist wahrscheinlich, 
dass er wenigstens im oberen Theile des Stromgebietes und 
in den Prairien desselben sich finden werde. Die Beschrei- 
bung einer von Maack bei Nertschinsk gesammelten Va- 
rietät durch Brandt steht zu erwarten. 

Spermophilns Eversmaimi Brandt ist nach Schrenck (1. c. 
p. ]•_'<) — 127) von Transbaikalien ostwärts im ganzen oberen Amur- 
Lande und in den Prairieen des Amur verbreitet und scheint also 
diejenige Zieselmaus zu sein, welche die grösste Verbreitung über 
den asiatischen Kontinent hat. 

flvoiina AlsMyoxusarten Ungarns werden von Kor n- 
huher (Yerh. d. Vereins für Naturkunde, Presburg 1858. 
p. 56) jedoch ohne Beschreibungen genannt: 

AI. avellanarius , M. glis , AI. Dryas und M. quercinus L. , von 
welcher letzteren Art das IVational-Museum zu Pesth Exemplare aus 
Ungarn nud Siebenbürgen besitzt. 

Die Familie der Myoxiden wurde von Blyth durch 
eine neue Gattung Platacanthomijs bereichert (1. c. p. 288). 

Dieses (ienus ähnelt in Zahnbau , Schädel und dem behaarten 
Schwänze den Schläfern, aber der Oberthcil ist mit flachen Stacheln 
dicht bedeckt, denen sehr dünne beigemischt sind. Die Unterwolle 
dei Oberseite ist etwas gekräuselt. An der Unterseite befinden sieh 
auch Stacheln, aber sie sind kleiner und dünner (ähnlich den oberen 
des H. platytbrix) , vorherrschend ist hier eine weiche Unterwolle. 
Kopf, hehle. Schenkel und llintertheil des Abdomen sind ohne Sta- 
cheln, doch ist rlas Haar am Vorder- und llinlcrhanptc voll und bu- 
schig. Drei Maulzahuc von gleicher (irüsse befinden sich oben und 
Boten . doch i*t der letzte obere um '/i kleiner als die übrigen. 

Hohlzahn hat 'A oder i U/uerfalten. Der Schädel, nach dem Best 
zu urlheiien, ähnelt dem des Graphiurus, Schneidezähne wie bei \ljo- 
xus gli» . der llallux weniger entwickelt und nagellos. Zwei Paar 
(Abdominal-) Zitzen. Hie Art PI. lasiürus Blyth ist so gross wie 
Myoxu» glis. doch ist der Kopf kleiner und kürzer. Ein Männchen 
Ulms bis zur Bhhi des Schwanzes 6". Die Schwanzwirbel 3'/j", mit 
dem Haare l'/j" mehr. Die Ohrmuschel an der Hinterseite %"; sie 
i»t eiförmig und ganz nackt; der Hinlerfuss bis zur Ferse 1"; die 
längsten Sei haare 2'/,". Die allgemeine Parbe hell rothbraun, an 



54 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

der Unterseite blasser. Die Stacheln sind 6 / 8 " lang. Die Schnurr- 
barte sind hauptsächlich flchwarz, die unteren Theile schmutzigweiss, 
das Haar am Schwänze ist dunklerschwarz, als am Körper, die Schwanz- 
spitze ihrer ganzen Lange nach schmutzigweiss. Die Lebensweise 
wird von Baker geschildert; von Malabar. (Wodurch die Verwandt- 
schaft mit den Myoxiden bewiesen werden soll, ist nicht zu erken- 
nen, da sich jederscits nur 3 Backenzähne befinden, und eine Unter- 
suchung des Darmkanals, wie es scheint, nicht stattgefunden hat.) 

Castorina. Vom Biber erhielt Schrenck (I.e. p. 145) 
durchaus keine Nachricht im Amur-Lande , so dass wohl 
anzunehmen ist, er werde daselbst nirgends vorkommen. 

Kornhubcr giebt Nachricht über das Vorkommen des Bi- 
bers in ,'der Donau bei Presburg (Verhandl. d. Vereins f. Naturk. zu 
Presburg III. 1858. Heft 1.) 

Ueber das Vorkommen des Bibers in Baiern berichtet Ja ekel 
(Corespendenz- Blatt des zool. - mineral. Vereins in Regensburg XIII. 
p. 1-28). 

Ueber das fiuhere Vorkommen des Bibers in Schottland so 
wie über seine frühere und jetzige Verbreitung in Europa erhalten 
wir Nachricht durch Ch. Wilson. (Edinb. philos. Journ. VIII. 1858. 

P . i-«.) 

Maasse der unteren Backenzähne des Castor fiber erhielten wir 
durch Nordmann (1. c. p. 167). 

fflurina- Ch. Co quer cl (I.e. p. 466) (heilt Beobach- 
tungen über die Lebensweise der Ratten auf ßourbon mit. 

Auf Bourbon , wie in allen französischen Colonieen ist der 
grösste Theil der Mäusearten eingeführt. JH. musculus, M. rattus und 
M. decumanus sind sehr häufig. Mus rattus wanderte früher ein, als 
die Wanderratte und vermehrte sich in den Jahren 3548 — 1664 so 
stark, dass die ersten Colonisten zum Verlassen der Insel gezwungen 
wurden. Durch die spater eingeführte Mus decumanus verdrängt, zog 
sie sich in das gebirgige Innere der Insel zurück, wo sie zwar noch 
zahlreich ist, aber doch spater der nachdringenden Wanderratte un- 
terliegen müss. 

Die Zahl der Mäuse wurde durch Blyth (I.e. p. 294) 
um mehrere neue Arten vermehrt. 

Mus robuslulns. Der Schwanz nicht völlig so lang wie Kopf 
und Rumpf, die zusammen 6" (Engl) messen. Die Farbe beinahe 
wie bei Mus decumanus , die Füsse deutlich weisslich, der Schwanz 
mit kurzen Borsten von durchaus gleicher Länge und nicht länger 
nach der Spitze zu. 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 55 

Mus cinnamomeus, ahnlich dem M. flavescens, aber kleiner, mit 
verhältnissmässig langem Schwänze. Das weiche Fell ist zimmtfar- 
ben wie bei M. oleraceus, mit kaum sichtbaren schwarzen Spitzen. 
Die Unterseite weiss, scharf abgesetzt gegen das obere zimmetbraun. 
Kopf und Rumpf gegen 6"^ Schwanz 7 3 /V', Hinterfuss l l /\". 

Mus spec? ähnlich dem jungen M. nemoralis, aber wie sich aus 
den Hoden crgiebt, erwachsen. Kopf und Rumpf 4", Schwanz 4 7 V, 
Hinterfuss Vie". 

Mus nitidulus, der Hausmaus ähnlich, der Schwanz so lang wie 
Kopf und Körper und gleichförmig mit kurzen Borsten am Ende be- 
setzt. Ohren gross und weit. Totallängc 6'//'. Hinterfuss wenig 
länger als %", Hinterrand der Ohrmuschel 9 / t0 "- Farbe wie bei Ai. 
decumanus, die Unterseite weiss, ziemlich scharf abgestutzt. Zu der- 
selben Gruppe wie öl. musculus und AI. Alanei gehörig. 

M. concolor , gleichmässig dunkelmäusegrau oben und unten. 
Ohren massig gross, Füsse gross, der Schwanz durchgehends mit kur- 
zen Borsten besetzt. Länge 3", Schwanz 4", Hinterfuss T / 8 ". 

Mus badius , dem AI. oleraceus gleichend, aber die Augen dop- 
pelt so gross, .Schnurrhaare schwarz, die Oberseite rothbraun oder 
zimmetfarben, die Unterseite fast rein weiss. Lange ($) 3", Schwanz 
4yV\ Hinterfuss 5 / 8 ". Tenasserim. 

Mus peyuensis. Eine Feldmaus, deren dicht behaarter Schwanz 
länger als Kopf und Rumpf ist. Seine Haare werden nach dem Ende 
länger. Länge bis zur Basis des Schwanzes 3%". Schwanz 3 7 / 8 ", 
Ohrmuschel 4 / 2 " und Hinterfuss 3 / 4 ", nach einem $ in Spiritus; bei 
einem ausgestopften ^ sind die Schwanzwirbel 4%" lang. Der Pelz 
ist sehr dicht, blass gelblichbraun auf der Oberseite, etwas gelblich- 
weiss an der Unterseite. Die Schnurrhaare auffallend lang. Te- 
nasserim. 

Mus crassipes , dem AI. homourus Ilodgs. gleichend, doch ist 
der Schwanz etwas länger als Kopf und Rumpf. Länge 2 3 / 4 ", Schwanz 
3%", Hinterfuss %". Die Füsse sind besonders stark und gleich dem 
Schwänze mit starken kurzen Borsten bedeckt , von Alasurj (Alalabar). 

Mus Tylleri. Länge 2 3 / 4 ", ebenso der Schwanz der gegen 24 
Wirbel besitzt, Hinterfuss %". Pelz sehr dicht und lang, oberhalb 
bloss sandfarben, unterhalb isabellfarben und hell an den dicht be- 
liitnten Beinen, an der Untei Hache und den Seiten des Schwanzes. 
Schnurrhaare sehr fein und weisslich. Aus Deyru doon. 

Dabei linden sich noch Bemerkungen über AI. niviventer Hodgs., 
AI. oleraceus Sykes [ ? = 31. ( Vandileuiia) duineticola Ilodgs. J und 
31. musculus aus England im Vergleiche zu AI. manei, die vollständig 
verschieden von einander sein sollen. 



5(5 Hcnsel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Eine Maus von Baker in Alalabar gesammelt und, nach seiner 
Ansicht , in dem Gebirge die Stelle des Mus proidens s. indicus El- 
liot (?) vertretend , der nur in der Ebene vorkommen soll , ist nach 
Blyth (1. n. p. 290) vielleicht nur eine südliche Varietät der ge- 
nannten Art. 

Ueber die Einwanderung und Verbreitung des Mus 
decumanus im Amur-Lande vergleiche man Schrenck 
(1. c. p. 127 — 129). Dagegen fehlt in den genannten Ge- 
genden Mus musculus, obgleich in Sibirien, Japan und China 
zahlreich. 

Bei Mus musculus fand Canestrini als Regel eine Durch- 
bohrung der Clitoris durch die Harnröhre, ebenso bei M. decumanus 
(Verhandl. d. zool.-bot. Gescllsch. in Wien IX. 1859). (Seit langer 
Zeit nicht bloss von Mus musculus, sondern auch nahe verwandten 
Thieren bekannt.) 

Ein Genus Hapalomys verdanken wir Blyth (I. c. 
p. 266). 

Der Pelz ist lang und sehr fein. Der Schwanz ausserordentlich 
lang, im Endviertel auffallend flach und mit stärkerer Behaarung als 
vielleicht irgend eine andere ächte .Mäuseform. Die Vorderseile der 
Zehen deutlich runzlig. Der Kopf ist kurz , Ohren klein und nicht 
durchscheinend. Der Schädel ähnelt dem des M. indicus, doch sind 
die Schneidezähne breiter und flacher. Die Backenzähne sind weni- 
ger nach Aussen gewendet, als gewöhnlich. 

H. longicaudatns. Länge des J 5%" (Engl.), Schwanz 7%", 
beim 5y 4 " und 7%", Sohle 1%", Hinterrand des Ohres %". Das 
Ohr abgerundet und mit langen Haaren schwach gefranst. Der Pelz 
lang und weich, auf der Oberseite gegen S / B " lang, glänztndbraun 
mit schwarzen Spitzen , zwei Drittel an der Basis der Haare schie- 
fergrau, die Unterseite mattweiss, die Schnurrhaare schwarz, lang und 
dünn, vor den Ohren ein Büschel schwärzlicher, feiner Haare. 

Brandt gab eine Uebersicht der Russischen Hamster- 
Arten (Bullet, de I'Acad. St. Petersburg Tom. XVII. p.489 
—494). 

Die Gattung Circetus zerfällt in 2 Abtheilungen. A) Eigentliche 
Hamster mit schwarzer Brust, plattem Scheitel und kleinem, dreiecki- 
gem Interparietalbein, C. frumentarius Pall. (= C. vulgaris Desni. und 
fuscatus Brandt) und C. nigricans Brandt, B) Mausähnliche Hamster mit 
meist weisser Brust und gewölbtem Scheitelbein, Interparietalbein 
ziemlich gross, viel breiter als lang, a) ohne schwarze Rückenlinie : 
C. accedula Fall., C. phaeus Pall., C. arenarius Pall., C. Eversmanni 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 57 

Brandt (= C phaeus Evesm.j ; b) mit schwarzer Rückenlinie: C. 
songarus Fall-, C. furunculus Fall. 

Eine Monographie der Gattung wird vom Verf. in Aussicht 
gestellt. 

Anicolina. Als neu wurde Arvicola amurensis durch 
Schrenck (1. c. p. 129—135. Taf. VI. flg. 1 und 2) be- 
schrieben. 

Der Gesammthabitus , die ziemlich langen Uhren und der ver- 
hältnissmassig lange Schwanz stellen die Art in die Untergattung der 
Waldwft hl mause bei Blas ins. Damit stimmt auch die Beschaffen- 
heit der stumpfkantigen Schmelzfalten, wie sie denn A. glareolus und 
seinen Verwandten eigen ist. Als wesentlich speeifischer Charakter, 
wie er bei keiner anderen Feldmaus vorkommt, ist eine Schmelz- 
falte zu betrachten, die sich am Vorderende des ersten unteren Bak- 
kenzahnes und zwar an seiner Vorderseite befindet. Die Farbe der 
Oberseite ist ruthbraun, schwarz gestichelt, an der Schnauze und unter 
den Seiten des Körpers gelblich; die Unterseite und die Extremitäten 
sind scharf abgesetzt, schmutzig weiss. Kopf und Rumpf 02 Mm., der 
Schwanz ohne Endhaare 37 Mm. , das Uhr von der äusseren Ohrbasis 
an 15 31m. lang- Sohle des llinterfusses bis zur Krallenspilze 18 Mm. 
Amur-Mündung. 

Arvicola rvtilus Pal I. vom Amur stimmt mit den sibirischen 
und europäischen Thieren (Schrenck 1. c. p. 135 — 130) vollständig 
fiberein. An der Mündung des Amur lag ein bei — 14° R. gefunde- 
nes Exemplar im Winterschlaf, wachte jedoch, in die Stube gebracht, 
nach kurzer Zeit auf. 

Als neu beschreibt Schrenck (I. c. p. 140 — 144. Taf. VI. 
fig. 4 u. 5) aus dem Amurlande einen Arvicola Maximoiciczii. Nach 
(jesamnithubitus und Zalinbildung den achten Mäusen angehörig- Ober- 
seite rothbraun. schwarz gestichelt, an den Seiten heller, unten scharf 
abgesetzt, gelblich weiss, die Extremitäten sind grau. Der Schwanz 
oben schwarzbraun, unten scharf abgesetzt, weisslich. Kopf und 
Rumpf Hl Mm.. Schwanz ohne Endhaare 26 Mm., Kopf 26 Mm., Länge 
des Obres von der ftosseren Basis an 11 Mm., Suhle des llinterfusses 
bis zur Nagelspitze 19 Mm. Nur 5 Schwielen auf der Sohle des llin- 
terfusses. 

Arvicola saxalilis Pull, ist von neuem durch Schrenck 
(\. c. p. 137 — 140. Tai'. VI. (ig. 3) und zwar vom Amur be- 
schrieben worden. 

Er gehört zu den lebten Feldmäusen, deren Zähne scharfkantig 
und mit nach innen tief einspringenden und meist vollständig ge- 
trennten Schmelzschlingen versehen sind. Die grösseren (ihren und 
der veihalluissinästfig längere, dünn behaarte Schwanz nähern die Art 



58 Hensel: Bericht üb.'d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

den ächten Mäusen. 8 Zitzen, 2 Paar waren zwischen und hinter 
den Yordei beincn und 2 Paar hinten, zwischen und hinter den Hin- 
terbeinen. Lange des Kopfes und Rumpfes 103 Mnt. , der Schwanz 
ohne Endhaare 46 Mm.. Lange des Ohres von der äusseren Basis an 
12 Mm. , Sohle des Ilinterfusses bis zur Iüallens|iitze 20 Mm. Nach 
der Zahnbildung , namenlich nach der Anzahl der Schmelzschlingen 
im ersten unteren Backenzahne ist A. saxatilis mit A- arvalis PalL, A. 
campestiis Blas., A. subtenaneus Selys und A. Savii Selys verwandt, 
von letzteren durch die Körperverhaltnisse, durch längere Ohren und 
eine grössere Anzahl und verschiedene Lage der Zitzen unterschie- 
den. Von den ersteren durch die Zahl der Schwielen an der Sohle 
des Hinterfusses verschieden , da diese deren 6 besitzen, A. saxatilis 
aber nur 5 hat, obgleich B 1 a si us hier ebenfalls 6 angiebt, allein es 
ist zu vermuthen , das er nicht den wirklichen A. saxatilis vor sich 
gehabt hat. 

Ein Exemplar des Arvicola amphibius aus dem Amur -Lande 
gehörte nach S c h r e n c k (1- c. p. 136 — 137) der helleren, kurzschwän- 
zigen Varietät A. terrestris Auct. an. 

Ueber einen weissenlArricola arralts berichtet Krauss (1. c. 
p. 44). 

Spalaciua. Siphneus Aspalas Pall. ist vonMaack nach 
einer Angabe Schrenck's (1. c. p. 144) am oberen Amur 
gefunden worden, das Exemplar stimmt mit dem sibirischen 
Thiere in der Beschreibung bei Pallas überein, nur ist 
bei ihm, wie bei 6 altaischen Exemplaren, am Hinterfusse 
der 3te Finger der längste, während es nach Pallas der 
zweite sein soll. 

Die wichtigsten Maasse am Unterkiefer des Spalax 
typhlus theilt v. Nordmann mit (I. c. p. 165). 

Alex. v. Nordmann beschrieb das Gebiss und den 
Schädel des Ellobius ^Chthonoergtis) talpinus. (Palaeontologie 
Südrusslands, Helsingfors 1858. 4. p. 163. Anmerk.) 

3 
Die Backenzähne, — , sind nicht wie hei Spalax, sondern nach 
3 

dem Typus hei den Arvicolinen gehaut. der lsle obere hat 6 Prismen 
und ebenso viele Schmelzschlingen , der 2tc 5 Prismen mit 3 äusse- 
ren und 2 inneren Schmelzschlingen, der 3te, kleinste, hat 3 Prismen 
und ebenso viele Schmelzschlingen, eine kleine nach aussen, eine 
grössere , abgerundete nach innen , und eine verlängerte ,i ebenfalls 
abgerundete nach hinten. Der lte untere, zeigt 3 innere und 4 äus- 
sere Prismen :mit einer vorderen , etwas nach innen gekrümmten 



der Säugethiere während des Jahres 1859. 59 

Schmelzschlinge; der 2te 3 äussere und 3 innere, einander gegen- 
überstehende Prismen , während das vordere 7le Prisma nur klein 
bleibt und auch zuweilen ganz fehlt; der 3tc ist unregelmässig zu- 
sammengesetzt aus 2 inneren , einem hinteren und einem äusseren, 
schmäleren Prisma, ein zweites äusseres und ein vorderes bleiben 
undeutlich. 

Ilistriciua. Dass Hyslrix cristata in Griechenland Ge- 
genstand der Jagd ist, erzählt Land er e r (Correspd. -Blatt 
des zool.-min. Vereins in Regensbnrg XIII. p. 29.) 

Leporiua. Die vielfachen Abweichungen in der Farbe 
des Lagomys hyperboreus Pall. sind durch Schrenck 
(1. c. p^ 147—152. Taf. VII. lig. 1 u. 2. Taf. VIII. tig. 1 u. 2) 
genauer beschrieben und durch Abbildungen erläutert 
worden. 

Der Verf. unterscheidet eine var. normalis mit der Färbung, 
wie sie Pallas beschreibt, eine var. ferruginea mit vorherrschend 
rostrother und eine var. cinereo-fusca mit vorherrschend graubrauner 
Farbe, eine dritte, var. cinereo-IIava steht in der Mitte zwischen den 
beiden letzteren. 

Lepus mtriaUlii Pall. kommt nach Schrenck (1. c. p. 145 — 147) 
überall im Amurlande so wie auf Sachalin vor. 

llngulata. 

Artiodactyla rumiuaiitia. Ueber den Tarsus der Wieder- 
käuer und paarzehigen Pachydermen stellte Bergemann 
Untersuchungen an. (Rectoratsprogramm. Rostock 1859), 
namentlich in Beziehung auf die Mechanik desselben und 
zwar, wie zu erwarten war, vom teleologischen Stand- 
punkte aus. 

Die Geburl eines Lama zu Paris Iheilte Geoffroy 
Saint- II ila ire mit (Compt. rend. Tom. 49. 1859. p. 62). 

P. Panceri hat Untersuchungen über die Anatomie 
der Girall'e milgetheilt. (Atti dell' I. R. lnslituto Lombardo 
di Scicnze etc. Tom. I. fasc. 15. JMilano 1859.) 

Hervorzuheben ist grosse Ausstreokbarkeit der Zunge in Folge 
grosser EntwickeloDg der liansversaien Fasern* Im Pharynx befindet 
sich eine besondere Drüse, die an Reichhaltigkeit der Schleimsecre- 
lion den Tonsillen gleicht. Die carlilinrs arythenoidei halt der Verf. 
für dienlich beim Aufsteigen der Speisen , iudem sie die Stimmritze 



GO Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

in der Weise schützen, wie die Epiglottis während des Hinunterschlin- 
gens. Bemerkungen über die Zahl der Luftröhrenringe, der Abwe- 
senheit oder Gegenwart der Gallenblase. Die Giraffe ist das einzige 
Saugethier ohne Schilddrüse. 

Bemerkungen über die Fortpflanzungen einer Giraffe 
liat Fit zi nge r gemacht. (Sitzungsberichte d. Wien. Akad. 
1858. XXXI. p. 344—346.) 

Eiiu? schon seit 1852 in der kaiserlichen Menagerie zu Schön- 
brunn gehaltene Giralfe wurde trächtig und gebar in stehender Stel- 
lung. Eine Anhänglichkeit der Mutter an ihr Junges war nicht zu 
bemerken. Dieses musste künstlich ernährt werden. 21 Stunden 
nach der Geburt betrug die Gesammthohe bei gestrecktem Halse 4' 
8 — 9" (Wiener?), vom Stirnzapfen war keine Spur vorhanden; an 
ihrer Stelle befand sich ein zolllanges Büschel schwarzer Haare, nach 
vorwärts gerichtet und glatt am Scheitel anliegend. 

Eine Arbeit über die Anatomie der Giraffe stellte Brandt in 
Aussicht. (Bulletin de l'Acad. St. Petersburg. Tom. I. p. 314.) 

Für die Geschichte der Giraffe sind wichtig: 

Cavedoni: Della cainelopardali , o sia giratfa rappresenlala 
in monumenti antichi (Bullelino Hell' Instituto di corrispondenza ar- 
eheologica per l'anno 1858. p. 125 u. IF. und 

Michaelis: Ponteo rappresentazioni della giralfa (1. c. 
p.170 u. (f.). 

Brandt entscheidet sich in seiner ausführlichen s kritischen 
Arbeit dafür, dass der Nabus des Plinius mit seinem Camelopardalis 
identisch ist (Bullet, de l'Acad. St. Pctersbourg. Tom I. p. 353— 357). 

Cavicornia. Ueber ein einjähriges Slierkalb des Bos 
gaurus, der als die grösste lebende Rinderspecies geschil- 
dert wird , findet sich eine Nachrieht Ann. and mag. nat. 
hist. III. Ser. Vol. 3. p. 240. (Overland Hinkam, Caleulta 
Dec. 8. 1858.) 

Schätzenswerthe Nachrichten über den Auerochsen des 
Bialowiczer Waldes verdanken wir F. Müller. (Mittheilun- 
gen d. k. k. geograph. Gesellschaft zu Wien 1859. p. 155.) 

Ein ausgestopftes Exemplar im Hause des Gouverneurs in Grodno 
ist 235 Centini. lang, seine höchste Höhe beträgt 177 Centim. Nach 
der letzten Zählung vor drei Jahren *) betrug die Anzahl der Indi- 
viduen über 1200, gegenwärtig wohl 14Ü0. In der Jugend ist der 



*) Vor Beendigung der Reise, die der ViiT. im Oct. 1851 an- 
trat ? Ref. 



der Saugethiere während des Jahres 1859. 61 

Aller ganz gleichmäasig silbergrau*),, mit 4 — 6 Jahren mehr schwärz- 
lich, und zwar hat er in diesem Alter ein schönes Aussehen, später 
wird er kaffeebraun. Daher glauben seihst in Biulnwicz Einige, es 
gäbe SSpecies, eine kleinere schwärzlichere und eine grössere braune. 

In der Jugend ist er leicht zähmbar. Bastarde mit dein Rind sind 
nicht selten. Ob diese sich weiter fortpflanzen , ist noch nicht ver- 
sucht. Das Wiener Exemplar der Auer ist 8' lang und 4' 11" (Wie- 
ner JMaass ?) am Widerrist hoch. 

Zahlreiche Bemerkungen über Schädel, Zähne und Skelettheilc 
des Lithauischen Auerochsen so wie Maasse derselben verdanken wir 
Kordmann (1. c. p. 191— 214). 

Die Geburt zweier Yaks zu Paris theilte Geoffroy Saint 
Hilaire mit (Compt. rend. hebd. 1859. Tom. 49. p- 65). 

Notizen über die Ungarische Rinderrasse **) Iheille 
Beock mit (Archiv für Landeskunde in dem Grossherz. 
Mecklenburg. Bd. IX. 1859. p. 90). 

Ovis montanaDesm. findet sich nach Schrenck (1. c. 
p. 156 — 157) nirgends im Amur- Lande. Es dürfte daher 
das durch Middendorf ermittelte Vorkommen an den 
Quellen des Utschur im Stanowoigebirge als die Südgrenze 
zu bezeichnen sein. 

Ovis aries wild nur am oberen Ussuii und in grösserer Menge 
am Ssungari gezüchtet. 

Kitzinger führt die Rassen des zahmen Schafes auf 
11 Arten zurück (I. c. Bd. XXXVIII. p. 141— 222). 

Sie werden genannt: Ovis Musimon . 0. steatopyga. 0. pachy- 
cerca, 0. braehyura , 0. strepsiceros , 0. aries, 0. platyura , 0. doli — 



ö ) Ein ganz junger Hison im hiesigen zoologischen Museum 
ist rothgelb. Ref. 

tto ) Die im Panser der Wiederkäuer, namenlich des Schales, 
aber auch de* Kindes, zu allen Zeiten in ungeheuren Schaaren vor- 
komm enden Infusorien hal Sie in. durch Punkyne aufmerksam ge- 
macht, untersuch! und vorläufig (frei neue Gattungen derselben be- 
schrieben. Abhandl dei königl. böhmischen Gesell seh', d. Wissensch. 
5t< i olge Ba.X. 1859. v 69. 

Desgleichen beschrieb Wedl ei» im Magen des Hindes vor- 
kommendes Epiphyl {Sitzungsberichte d. Wien. AUad. 1858. XXIX. 

p. 91 fr.,. 



62 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

chura , 0. catotis , 0. longipes und 0. africana. (Diagnosen dieser 
Arten werden nicht gegeben.) 

Die Rassen der Hausziegen untersuchte Fitzinger 
(I.e. 1859. Bd. XXXVII. p.289— 355). 

Er führt sie auf ]4 zurück: davon 3 noch im wilden Zustande 
vorkommen sollen, lliicus Acgagrus , II. villosus und Hemilragus jem- 
lahicus, wählend die 11 übrigen, lliicus capra, II. barbaricus, H. ae- 
thiopicus , H. depressus , H. reversus, 11. angorensis , H. laniger, H. 
arietinus , II. aegyptiacus , II. maiubricus und II. thebaicus als voll- 
ständig doniesticiit zu betrachten sind. 

Uie Einführung der Augota - Ziege ist Gegenstand vielfacher 
Auseiandersetzungen gewesen ; man vergleiche darüber B u V r y in den 
„Mitlheilungen des Cenlral-Instiluts für Akklimatisation in Deutschland. 
Berlin 1859. p. 6 — 9" und Sacc, ebendaselbst p. 41 — 44, auch im zoo- 
logischen Garten 1859. p. 28—33 und p. 47—52. 

Bemerkungen über Kenias hylocrius Ogilby (== Capra 
warryato Gray) finden sich von Blyth (I. c. p. 291), der 
bei diesem Thiere nur zwei Zitzen fand, während derTher 
und Goral deren vier und zwar entwickelte besitzen. ' 

Aus zwei einzelnen, im unteren Amur-Lande erhal- 
tenen Hörnern schliesst Schrenck (I. c. p. 158 — 160) auf 
das Vorkommen der Japanischen Antilope crispa Temm. 
auch in der Küstenregion der Mandschurei. 

Blyth ist geneigt, die Aegyptische Gazelle als G. 
Dorcas, die Arabische als G. Cora und die Indische als G. 
Bennettii zu unterscheiden. (Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859. 
p. 282.) 

Eine neue Antilope Kobus Maria aus dem Innern Afrika 
beschreibt Gr ay (Ann. mag. nat. hisl. III. Ser. Vol. IV. 
p. 296). 

Bei dem Männehen ist der Kopf schwarzbraun , Lippen, Kinn, 
Kehle. Augengegend, Schläfe und Ohren weiss. Die Seiten der Käse 
braun. Das Haar auf den Backen , den Seileu des Unterkiefers , der 
Kehle und dem oberen Theile des INackens verlängert und rauh. Uie 
Hörner sind ziemlich lang und dünn, breit leierförniig, mit starken 
Querwurzeln und einwärts gebogener Spilze. Bei dem Weibchen ist 
der Kopf braun , das Kinn, die Kehle, die Basis der Ohren weiss- 
lich ; ein eben solcher Fleck findet sich über der Stirn und am un- 
teren Augenwinkel. Das Haar ist am unteren Theile der Backen, am 
Unterkiefer und im Kacken sehr lang. Das Weibchen besitzt keine 



der Säugelhiere während des Jahres 1859. 63 

Hörner. Ein schöner Holzschnitt stellt den Kopf des Männchens dar. 
(Das Berliner zoologische Museum hesilzt unter dem Namen Anlilop. 
megaloceros llenglin eine dunkelbraune Antilope . welche grosse 
Aehnliehkeit mit der von Gray beschriebenen zu haben scheint.) 

Moschina. Moschus moschiferus L. ist mich S ehr enck 
(1. c. p. 161 — 163) durch das ganze Amur-Land bis an die 
Rüsten des stillen Oceans verbreitet, desgleichen findet er 
sicli überall auT Sachalin. (Es ist zu bedauern, dass Verf. 
nicht auf eine Kritik der so zweifelhaften indischen Arten 
eingegangen ist.) 

Beiträge zur Anatomie des Moschus mosciiil'erus sind von 
Brandt zu erwarten (Bullet, de l'Acad. St. Felersbourg. Toni. I. 
p. 549). 

Certina. Bei Gelegenheit der Beschreibung eines fos- 
silen Hirsches (Zeitschrift d. deutsch. Geol. Gesellschaft 
Bd. XI. 1859. p. 251 ff. Taf. XI.) hat Ref. die Form der Ba- 
ckenzähne der Hirsche zum Gegenstande einer genaueren 
Vergleichung gemacht und an Cervus Elaphus, Tarandus, 
Alces, Dama, capreolus, virginianus (?), savannarum, gym- 
notis und Prox moschatus nachgewiesen , dass die drei er- 
sten Backenzähne des Unterkiefers bei den verschiedenen 
Hirschgritppen oder auch -Arten, so lange sie nicht abge- 
kaut sind, charakteristische Formen besitzen. 

Nach Schrenck (1. c. p. 167 — 170; ist Cervus Ta- 
randus im Amur-Lande eine Chanikterform des nordlichsten 
Theiles, des Küstengebietes und der Amur-Mündung. Ebenso 
findet er sich in der grösslen Häufigkeit im nördlichen 
Theile der Insel Sachalin, an der Südküste des Ochotski- 
schen Meeres und am Amur-Limane. 

Die l'onuen der Zähne des Benthieres bat A o r d m a n n erläu- 
tert (l. c. p. 243 24G). Ueber die geographische Verbreitung des 
Kcnthicrcs bemerkt Verf. , dass dasselbe im verwilderten (wilden '.') 
Zustande bis in das eigentliche Finnland , Knrelcn hinein streift und 
namentlich im Winter rudelweise bis zum Ladogasee und dessen In- 
selgruppen kommt. 

Kinr- nmfangseiche , neun auch wegen mangelhafter' Verglei- 
ebnflg nirltl er M'hupli-ndt: Beschreibung des Kcnthicrcs der Territorien 
der lludsousbai \ er danken wir \ \l u i i a y I. c. Vol. VII. p. 189 IC 

Cerrui Alces ist nach Schrenck (I.e. p. 173 — 175) derjenige 
Hirsch, welcher im Amur-Lande dem Räume nach die grösste Verbrei- 



64 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

tung und im Allgemeinen auch die grÖsste Bedeutung für die Einge- 
bornen hat. Er findet sich in gröbster Zahl namentlich am unteren 
Laufe des Amur vor, nicht aber auf Sachalin, wenigstens nicht in der 
nördlichen Hälfte der Insel. 

Eine genaue und durch Abbildungen erläuterte Beschreibung 
der Zähne des Cervus Alces lieferte Nord mann (1. c. p. 217 — 226- 
Taf. XVIII). 

Wie zu erwarten war, hat auch Schrenck (1. c. p. 163 — 16?) 
die Identität des Cervus capreolus und pypatgus nach Exemplaren vom 
Amur bestätigt. Das Reh fehlt im fllündungslande des Amur so wie 
auf Sachalin. 

Ueber den Geweihwechsel des amerikanischen Rothhirsches 
(Cerv. ennad.?) berichtet J. Wy man (Proreed. Bost. Soc. nat. hist. 
1859. p. 167). 

Cernts Elafilnrs ist im Amur -Lande nach Schrenck (1. c. 
p. 170 — 173) grösser, als in Europa, und zugleich von hellerer und 
mehr grauer Färbung, sowohl im Sommer- wie im Winterfell. Seine 
Kordgrenze am Amur erreicht er an der Mündung desChelasso, eines 
rechten Nebenflusses des Amur, ungefähr in 51° N. Br. Niemals geht 
er auf Sachalin hinüber. 

Cervus fjijmnotis Wiegm. wird nach einem lebenden Exemplare 
aus Santa JMarta und Nen-tiranada von G. v. Martens kurz beschrie- 
ben. (Würlemberg. uatiirw. Jahreshefte 1859- p. 52.) 

Ueber einen Hirsch der Galtung l'anolia aus Malacca (Cervus 
frontalis bei Cantor) finden sieh Bemerkungen von B 1 yth (I.e. p. 297). 

Blyth glaubt (1. c. p. 297), dass die Geweihe des Cervus por- 
cinus von Ceylon, der identisch sein soll mit dem von Alalabar, län- 
ger sind, als bei dem wahren C. porcinus , und mehr Aehnüchkeit 
mit den Geweihen des Axis besitzen. Das innere Ende der Endgabel soll 
einen spitzen Winkel bilden. Auch soll die ganze Gestalt des Thie- 
res etwas weniger schweineähnlich sein, 1. c. p.291, siehe auch eine 
Bemerkung über Cervus oryzae Kelaart. 

Artiodactyla uoiirumiuantia. F i t z i n g e r giebt als Stumm - 
eitern der Rassen des zahmen Haussclnveirtes folgende 6 
Arten an (I.e. XXIX. p. 361— 408 und XXX. p. 233— 260; : 
Sus scrofa fer. , S. leucomystax, S. cristalus, S. papuensis, 
S. sennaariensis, Potamoehoerus penicillatus. 

Das Wildschwein, Sus scrofa L. des Amur- Landes ist nach 
Schrenck (1. c. p. 152 — 155) von derselben Beschaffenheit wie im 
westlichen Asien und in Europa. Es kommt fast am gerammten Laufe 
des Amur vor, fehlt dagegen am Amur-Liman, so wie auf Sachalin. 
Das bisher über S. leucomystax Temin. aus Japan Bekannte ist nicht 



der SSugethiere während des Jahres 1859- 65 

hinreichend, es als besondere Art zu charakterisiren. Das zahme 
Uausschwein ist erst ((teilweise im Amur-Lande eingebürgert. 

Nach A'ordmano kommt das Wildschwein in den Steppen von 
Xeurussland nicht vor, wohl aber in Bessarabien in den schilfbe- 
wachsenen Niederungen am Prulh wie auch auf den Donauinseln und 
am Don. Am Pruth zeichnet es sich durch seine verhällnissmässig 
hohen Beine aus. 

J o 1 y macht nach dein Schädel eines monströsen Schweineske- 
leles Bemerkungen über die knöcherne Zahnkapsel der- Schweine. 
i.L'Inslitut I. Sect. 27. p. 12.) 

Dass bereits zum zweiten Male im Pariser Pflanzen- 
garten ein Nilpferd geboren wurde, inachte Geoffroy 
Sain t-Hil a ir e bekannt. (Compt. rend. hebd. Acad. sc. 
Paris 1859. Tom. 49. p. 118.) 

Perissodactyla. Die Beschreibung- eines sogenannten 
wilden Pferdes aus der Gegend von Novoi Bug theilt Nord- 
mann mit (1. c. p. 170). Zugleich giebt der Verf. zahl- 
reiche Älaasse von Zähnen des Equus caballus und asinus. 

Kitzinger stellte folgende fünf Pferdearten auf, 
welche die Rassen des zahmen Pferdes geliefert haben sol- 
len (Sitzungsberichte d. Wien. Akad. 1859. XXXV. p. 173 
—344): 

Equus nudus mit 1 Rasse, E- caballus mit 68 Rass., E. velox 
mit 34 Rass., E. robustus mit 36 Rass. und E. nanus mit 6 Rass. 

In einem Anhange {I. c. p. 593 — 611) finden sich Bemerkun- 
gen über die Pferde Amerikas. Von dem haarlosen Pferde, wel- 
ches wahrscheinlich aus Asien, vielleicht aus Beludschistan (warum?) 
stammen soll, führt der Verf. an, dass schon die vollige Verschie- 
denheit in der Beschaffenheit seiner Haut von der aller übrigen 
bekannten Pferdeiassen auf eine selbslstümJige Art hinweise, ein 
tlmnd , welcher vielmehr auf eine pathologische Abnormität hin- 
deutet, da sich btiStt.nnt.ich alle als gut anerkannten, wilden Pferd e- 
aitin durchaus nicht in der Beschaffenheit ihrer Haut von einander 
unterscheiden. 

Schon im Jahre 1857 (heilte Grill in einem Briefe an Sun- 
devall Mifvers. Kg!. V. \. Korh. 1857: p. 385— 387) Bemerkungen 
über die haarlose Pierderasse mit, welche sich jcl/lanch durch Crep- 
lin übersetzt in der Zeitschrift für die gesanimtcn Pinlurw. von Gie 
bei und Heioti \IV. 1850. p. 8—11 belinden. 

In einer Untersuchung über diejenigen Thiere, welche 
gewöhnlich als wilde Esel bezeichnet werden, kömmt Blyth 

Archiv, f. N'aturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd E 



66 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

zu folgenden Resultaten (Journal of Ihe Asiat, soc. ofBen- 
gat. 1859. p. 229— 253): 

1) Der Onager und Uemionus der Alten war I alias unbe- 
kannt, der mit diesem Namen den Allen unbekannte Arten oder Ras- 
sen bezeichnet hat. 

2) Der Koulan von Nord -Asien ist nicht der wahre Onager 
oder ursprüngliche Wildesel , sondern identisch mit dem Indischen 
Ghor-Khur. 

3) Der wahre Onager oder Wildesel bewohnt nicht Nord-Asien. 
sondern N.-O.-Afrika und Süd-Arabien. 

4) Der Koulan und der Dshiggetai oder Kyang zeigen, anstatt 
streng geschieden zu sein, wie man anzunehmen pflegt, vielmehr eine 
so grosse Uebereinstimmung , dass es noch an genügend unterschei- 
denden Merkmalen fehlt, obgleich wohl eine Verschiedenheit statt- 
finden mag. 

Proboscidea. Joly machte an einem Elephantenskelet 
folgende Beobachtungen über die Entwickelung der Zähne. 

Es waren in jedem Kiefer 4 Zähne vorhanden. Der Ersatzzahn 
welcher noch über dem Zahnrandc des Kiefers erschienen war, steckte 
in einer Knochenkapsel, an einzelnen Stellen mindestens 2 — 3 Mm. 
dick. Diese Kapsel, in ihrem vorderen Theile schon grösstentheils 
resorbirt, ist frei und vollständig, da wo die einzelnen Zahnkeime 
noch nicht durch Cement verbunden sind. (Annales des sc- natur. 
Tom. XI. 1859. p.151.) 

Für die Naturgeschichte des Asiatischen Elephanten sehr wich- 
tig sind die Beobachtungen, welche Tennenl (I. c.) über densel- 
ben auf Ceylon gemacht hat. Das Gehirn , der Magen und der tra- 
cheo-oesophageal Muskel sind abgebildet. 

Pinnipedia. Eine kurze Notiz über das Vorkommen des 
Dugong in der Strasse von Malacca findet sich im Journal 
of the Asiat, soc. ofBengal. 1859. p. 159u.271. 

Edentata. 

R. Owen hat in einer zweiten Abhandlung über die 
Anatomie der Myrmecophaga jubata L. den Bau des Ma- 
gens abgehandelt und auf 3 Tafeln durch Abbildungen er- 
läutert. (Transact. zool. Soc. of London Vol. IV. Part 5. 
1858. p. 179—180. PI. 51—53.) 

Der Pylonustheil des Magens, welcher auch aussei lieh vom Car- 
iliatheile deutlich getrennt ist , ist merkwürdig durch seine starke 



der Säugcthiere während des Jahres 1859. 



67 



Muskelhaut und ein festes Epithel. In seine enge Höhlung tri» im- 
mer nur ein kleiner Tl.eil der Speisen , der zerrieben und durch eine 
Klappe von dem Zurücktreten in den Cardiatheil geschützt wird. In 
ihm befindet sich auch Sand mit unvollkommen zerriebenen Termiten 
gemischt. 

Cetacea. 

Dclpluiuipterus leucas Pall. geht nach Schrenck (1. c. p. lau 
— 192j an den Küsten Ostasiens nicht über die Mündung des Amur 
oder wenigstens nicht über den Amur-l.iman nach Süden hinaus, er- 
reicht hier also seine Südgrenze ungefähr unter dem 52° N. Br. Im 
Amur dagegen geht er noch weiter noch Süden, liier ist seine äns- 
serete Grenze die Mündung des Chelasso , 400 Werste von der Mün- 
dung des Amin, ungefähr unter 51° N. ßr. 

Ueber den Fang eines liyperoodon Butzkopf (bottle-nosed Whale) 
im Sept. 1857 in der Bai von Belfast findet sich eine Nachricht in 
der Proceed. Dublin naiven. Zuolog. and botan. Assoc. Vol. I. 
pari. I. p. 4. 

Das gefangene Exemplar war 20' 5" Engl. dang. Es werden noch 
zahlreiche Maasse angegeben, ebenso eines im Jahre 1845 gefangenen 
Exemplares. 

Ebendaselbst p. G veröffentlicht Oickie Bemerkungen über die 
Zähne des Hyperoodon. Es fanden sich nur 2 Zähne, in jedem Un- 
terkiefer nahe der Symphyse nur einer, der Schmelz fehlte und Ge- 
nien! überzog die Zähne. 

Für die Küsten des Amur-Landes unterscheidet Seh re n c k, nach 
den Angaben der Eingebornen und nach einigen bei ihnen gesehenen 
Knuchenbruchstücken (I. c. p. 192 u. 193) folgende zwei Walfisch- 
arlen : Bulucnoptera longimann Kudolphi, die am häufigsten gleich 
nördlich vom Auitir - Limau strandet, und, nach grossen auf Sachalin 
gesehenen Barten, Balaena anstralis Dusnioul. 

lieber den Unterkiefer und die Zähne des Physeter macroce- 
phalus berichtet J. C. White (l'occcd. ßost. Soc. nat. hist. 1859. 
p. 222). 

Schon im Jahre 1858 halte Es ch rieht eine Mit- 
theilung über die nordischen Glattwale veröffentlicht (över- 
sigt Kgl. danske V. S. Fftrh.), welche sich jetzt auch in 
Giebel und Heini/. Zeitschrift 1859. XIII. p. 318—321 von 
Orepli n übersetzt befindet, 

Wahrend des ]7ten und 18ten Julu hundert* hielten die H'al- 
■jcünrigei diu bei Spitzbergen in in growei Vozahl vorkommenden 
(ilalwal für »peeifisch rorachjeden von dein früher im oll'enen Heere 



68 Hens'el: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

so rücksichtslos gejagten und endlich ausgerotteten Glattwal, dem so- 
genannten INordUaper, während C u vi e r eine Flucht desselben in das 
nördliche Eismeer annahm, und Andere sein Verschwinden durch eine 
locale Ausrottung zu erklären suchten. Alle Zoologen waren aber 
einig in der Ansicht, dass der Nordkaper als eigene Art zu streichen 
sei. Nach Holböll's Beobachtungen und den älteren Ber fehlen der 
spitzbelgischen Walfischfänger schien hervorzugehen , dass der Wal- 
fisch des nördlichen Eismeeres östlich und westlich von Grönland sich 
niemals aus dem mit Treibeis angefüllten Fahrwassern entferne, und 
folglich der Kordkaper im eisfreien atlantischen Meere nicht gleicher 
Art mit Bai. Myslicetus sein könne. Schon im Jahre 1847 hatte der 
Verf. nach historischen Studien den verschwundenen IVordkaper als 
besondere Species anerkennen müssen. Doch bleibt noch die Frage 
unerledigt, ob jene Art wirklich ausgerottet sei. Dass dieses nicht der 
Fall ist, davon konnte sich der Verf. durch die Untersuchung des zu 
Pamplona aufgestellten Skeletes eines zu St. Sebastian gestrandeten 
Walfisches überzeugen, so dass also der Kordkaper als eine sehr leicht 
zu bestimmende Art noch gegenwärtig, wenn auch in äusserst geringer 
Menge im nördlichen allantischen Meere lebende Art anzusehen ist. 
Vom Fange eines Walfisches (spec. ?) bei Bell Rock giebt Jani. 
M'Bain Nachricht (New. Edinb- Journ. Vol. VIII. 1858. p. 155). 



Iiuplacentalia. 

Marsupialia. 

Bei Gelegenheit der Beschreibung eines fossilen Raub-Beutel- 
thieres hat R. Owen die unterscheidenden Merkmale des Beutelthier- 
schädels gegenüber dem Schädel der monodelphen Carnivoren aus- 
einandergesetzt und mehrfache Ansicht des Schädels der Thylacinus 
Harrisii und Sarcophilos ursinus abgebildet (Philos. Transact. Vol. 149. 
p. 312 ff. PI. XII— XV. Ann. mag. nat. hist. IV. p. 63—64.) 

Bei den meisten Beulelthieren und zwar bei allen fleischfres- 
senden , ist der knöcherne Gaumen von grossen Lücken durchbro- 
chen. Das grosse Thränenbein bildet einen Theil des Gesichtes und 
ist vor und ausserhalb der Augenhöhle vom Thränenkanale durch- 
bohrt. In der Fossa anter. des llinterhauptscondylus sind drei Fo- 
ramina praecondyloidea. Der Entocarotidkanal durchbohrt das Basis- 
phenoid. Zwischen For. ovale und rotundum befindet sich ein gros- 
ser Zwischenraum. Das Paukenbein ist vom Felsenbein getrennt. Die 
Bulla auditor. entwickelt sich im Alisphenoid. Die Venen des Sei- 
tensinus treten hinter und über der Basis des Jochbogens hervor. 



der Säugethiere wahrend des Jahres 1859. 



69 



Das Hinterhaupt ist breit und niedrig, und der Raum der Schädel- 
höhle sehr eng. 

Peters berichtete über ein neues Flugbeutelthier, Pe- 
laurus (Belideus) von Victoria im südlichen Neu- Holland 
(Monatsbericht d. Akad. Berlin 1859. p. 14). 

Petaurus notatus; canus , subtus pallidior, roslro brevi fusco ; 
Stria a rostro ad regionem sacialem deenrrente, auriculis, regione 
orbitali, stiperficie patagii superiore nigris ; niacula infra et post au- 
riculam , margine patagii taeniaque supracaudali albidis ; cauda vil- 
losa , disticha , nigra, apice nivea. Körper mit Rumpf 0,150 lang; 
Schwanz 0,160 (mit den Haaren 0,173) ; Unterarm 0,031 , Hand mit 
den FiDgern 0,0215; Schenkel 0,032; Fuss mit den Zehen 0,027. 

3 4 

Backenzähne - — - ; die beiden hinteren waren schon entwickelt, 

aber noch nicht durchgehrochen. 



Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte 
der Vögel nährend des Jahres 1S59. 



Von 

Dr. G. Ilartlaub 

in Bremen. 



An der Spitze unseres diesmaligen Jahresberichts be- 
grüssen wir das Erscheinen einer neuen Zeitschrift für 
Ornithologie, „The Ibis," welche unter den günstigsten Au- 
spicien ins Leben tritt, und für deren gedeihliche Fort- 
dauer uns der Name ihres Begründers, Philip Lutley 
Selaters, hinlängliche Bürgschaft zu gewahren scheint. 
Der erste Gedanke, in England ein besonderes Organ für 
diesen Zweig der Thiergeschichte zu stiften, entstand im 
Schoosse einer Gesellschaft von Freunden ornithologischer 
Studien,' welche sich gelegentlich in wissenschaftlicher Weise 
zu besprechen pflegten, und deren Namen uns, grössten- 
theils als Verfasser werthvoller und anziehender Beiträge, 
gleich der erste Band des vortrefflich ausgestalteten Buches 
zur Kenntniss bringt. Mag es uns , ausnahmsweise antici- 
pirend, gestattet sein, an diese Mittheilung eine andere uns 
vaterländisch noch näher berührende zu knüpfen, die näm- 
lich, dass sich die Herausgeber der „Naumannia" und des 
„Journals für Ornithologie," Baldamus und Cabanis, zu 
gemeinschaftlichem Fortarbeiten auf dem von beiden mit so 
viel Hingebung und Erfolg cultivirten Felde vereinigt haben. 
Ein ornithologisches Ereigniss, dem die beifällige Zustim- 
mung der grossen Wehrzahl von Fachgenossen sicher nicht 
entgehen wird. — Dass es im verflossenen Jahre an viel- 
seitig fördernder Thätigkeit auf dem so anziehenden Ge- 



Hart) n 11 b : Bericht üb. d. Leistungen in d. INatiu-geschichte etc. 71 

biete unserer Wissenschaft nicht gemangelt hat, davon mö- 
gen die nachfolgenden Blätter Zeugniss ablegen. Von her- 
vorragender Wichtigkeit erscheint uns der Zuwachs zu 
sein , welchen unsere bis dahin so mangelhafte Bekannt- 
schaft mit den Vögeln der oceanischen Inselgruppen , so 
wie der Papualänder und der Molukken erfahren hat. In 
wie glänzendem Lichte diesen Bereicherungen gegenüber 
der kühne und enthusiastische Beisende Alfred Rüssel 
Wallace erscheint, ist von uns wiederholt anerkannt wor- 
den. Es ist diese zumeist an seinen Namen geknüpfte Pe- 
riode zahlreicher und glänzender ornilhologischer Entdek- 
kungen um so mehr geeignet , unser vollstes Interesse zu 
fesseln, als sie aller Wahrscheinlichkeit nach die letzte 
bleiben wird. Wir erfahren, dass der augenblicklich in 
Neu-York lebende Reisende Pier re B eloni du Chaillu, 
dessen reiche Sammlungen bekanntlich durch Cass in wis- 
senschaftlich verwerthet worden sind, nach länger als vier- 
jährigem Aufenthalte im Innern der äquatorialen Gegenden 
Westafrika's, zu neuen und noch gewagteren Unterneh- 
mungen dorthin zurückzukehren beabsichtigt. — Unter den 
Männern, «eiche in jüngster Zeil dazu beigetragen haben, 
den unerschöpflichen Reichthum der Avifauna Südamerika's 
vor unseren Blicken zu enthüllen, nimmt Prof. H. Burmei- 
ster einen hervorragenden Platz ein. Die zoologische Aus- 
heule seiner so eben beendeten zweiten Reiseunlernehmung 
scheint von bedeutendem wissenschaftlichen Interesse zu 
sein. — Es verdient schliesslich hervorgehoben zu wer- 
den, dass mit der ornilhologischen Durchforschung der 
Insel Kormosa, bis dahin in naturwissenschaftlicher Hinsicht 
einer absoluten terra incognita, ein sehr erfreulicher An- 
fang gemacht worden ist. 



Von T. C. Eyton's „Osleologia avium" sahen wir 
den zweiten noch Raubvögel behandelnden Theil. Hoffent- 
lich erfährt das wer th volle Werk keine Unterbrechung. 

E. Blanchanl: „Hechcichcs sur les characleres 
osteologiques des Oiseaux appliquees ä la Classification na- 



72 Hartlaub: Berirbl üb. d. Leistungen in d. IVatiirgeschichie 

turelle de ces animaux" Ann. Sc. nat. 1859. Ausführlich 
und wichtig. Die hauptsächlichste Bedeutung will Bl. dem 
sternum beilegen. Die Affinitäten, zu welchen Blanchard 
auf diesem Wege gelangt, scheinen uns fast ohne Ausnahme 
richtig und natürlich. 

Dr. H. Jäger: „Das Wirbelgelenk der Vögel." Se- 
paratabdruck aus den Sitzungsber. der Kais. Acad. der 
Wissensch. in Wien von 1858. 40 S. 

Prof. C. Langer: .Heber die Fussgelenke der Vö- 
gel" ibid. mit 4 lithogr. Tafeln. 

L. P. Herre: „Dissert. inaugur. de avium Passerina- 
rum larynge bronchiali." Greifswald. 28 S. 

C. Brendel: „Anatomische Mittheilungen über ver- 
schiedene Vögel." Gieb. Zeitschr. für die ges. Naturwis- 
sensch. 1859. p. 449— 52. 

E. Berger: „L'Oiseau par Michelet." Angers. 8. 14 S. 
Aus den Ann. de la Soc. Linneenne de Maine et Loire. 
Michelet's Buch erschien auch in holländischer Sprache 
(Rotterdam bei P. C. Hoog.) 

Dr. Adam and Dr. A. L. Adam: „On Ornithology 
as a branch öf liberal education." Aberdeen 1859. 8. („con- 
taining notes on all the wild birds discovered in Banchory 
Ternan by the former and remarks upon such of them as 
have been found in India by the latter gentleman.") 

Cuth bert Col lingw ood : ,A comparison between 
ancient and modern views on the migration of Birds" 24 S. 
Liverpool 1859. 

J. Cabanis: .Journal für Ornithologie." Enthält von 
hier zu Erwähnenden z. B. „Zur Erinnerung an L. Thie- 
ii cm an n von Rieh. Baron Kön ig- War th a u sen. 

E. Bai daraus „Naumannia" bringt z. B. Dr. C. Bo 11 e : 
„Namensverzeichniss der kleineren überseeischen Vögel, 
welche jetzt auf dem Wege des Handels nach Deutschland 
gelangen:" Prof. Wilke: „Ueber das Pigment in den Eier- 
schalen der Vögel." 

P. L. Sclater: „The Ibis, a magazine of General Orni- 
thology." London. Tübner. 8. Alle drei Monat erscheint sehr 
regelmässig ein mit drei oder vier colorirten Kupfertafeln 



der Vögel während des Jahres 1859. 73 

ausgestattetes Heft dieser von uns bereits nach Verdienst 
gewürdigten Zeitschrift. Wir zählen dieselbe zu den Zier- 
den unserer Bibliothek, und werden auf zahlreiche vortreff- 
liche Beiträge des ersten Bandes ihres Orts zurückkom- 
men. Hier wäre hervorzuheben: T. C. Eyton „On the 
difl'erent methode of preparing natural skeletons of Birds;" 
Wallace: „Letter concerning the geographical distribution 
of Birds." Enthält eine Fülle interessanter und wichtiger 
Bemerkungen und resp. Berichtigungen zu S clater's Arbeit 
über denselben Gegenstand. Sumatra , Java , Borneo und 
die Philippinen sind nach Wallace ursprünglich Theile 
Asien's; Timor, die Molukken , Neuguinea und Neuholland 
sind ursprünglich Theile eines grossen australischen Con- 
tinents. Celebes steht sehr eigenthümlich und isolirt, und 
zeigt deutliche Spuren afrikanischen Gepräges u. s. w. 

A. E. Brehm: „Das Leben der Vögel, dargestellt 
für Haus und Familie." In 7 bis 8 Lieferungen von 4 Bo- 
gen und 2 bis 3 Illustrationen in Holzschnitt oder Iris- 
druck. — Das Werk zerfällt in 6 Hauptabschnitte, nämlich: 
1) Das Leben des Körpers. 2) Das Leben des Geistes. 3) 
Heimath und Beruf. 4) Häusliches und geselliges Leben. 
5) Der Mensch und die Vögel, und 6) Charakterbilder ein- 
zelner Vögel. Vor uns liegen drei Hefte dieses im hohen 
Grade anziehenden Buches. Die Idee desselben erscheint 
vortrefflich und ist in ihrer Totalität jedenfalls neu. Die 
schwere Aufgabe, ein für populäre Verbreitung bestimmtes 
Buch zugleich unterhaltend und wissenschaftlich gehaltvoll 
zu gestallen, ist glücklich genug von dem jedem Ornitho- 
logen wohlbekannten unternehmenden Forscher in Nord- 
ostafrika und Spanien gelöst worden. Die Kupfer gehören 
in ihrem Genre zu dem Besten was wir kennen. Sie 
sind zum Theil wahrhaft reizend, so das köstliche Bildchen 
„Schwäne am Weiher." Wir wünschen diesem Buche Dr. 
A. E. Brehm's aus voller Ueberzeugung gedeihlichen Fort- 
gang, und glauben, dass wenige mehr geeignet sein dürf- 
ten, unserem Lieblingszweigc der Zoologie Theilnahme auch 
in weiteren Kreisen zu erwecken. 

Moq uin-Tandun: „Considerations sur les oeufs des 



74 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in H. Naturgeschichte 

oiseaux." Rev. et Mag. de Zool. p. 414. Ausführlich und 
streng wissenschaftlich gehalten. Der Verf. weiss sehr 
zweckmässig die Ergebnisse seiner Forschungen in die 
knappe Form von numerischen Resume's einzukleiden . und 
diese letzteren scheinen uns im hohen Grade Beachtung zu 
verdienen. 

Bartlett: „über die längere Aulbewahrung von 
Eiern, dergestalt, dass sie später ausgebrütet werden kön- 
nen. Proc. Zool. Soc. 

P. L. Sclater: „Ueber die Zahl der Bruttage einiger 
Vögel im zoologischen Garten zu London." Behandelt 18 
Arten. Die längste Dauer betrug 56 Tage (Dromaius) und 
die kürzeste 14 Tage (Ocyphaps). 

Europa. 

A. F ritsch: „Naturgeschichte der Vögel Europa's* 
nimmt einen etwas langsamen Fortgang, ohne indessen an 
Gehalt der Durchführung zu verlieren. Heft 5. Abth. 3. 

Bree's „Birds of Europe not observed in the British 
Isles" ist, wenn wir nicht irren, zum Schlüsse gediehen. 
Wir sahen das Werk kürzlich in England. Die Abbildun- 
gen sind zum Theil nur recht massig. 1 Vol. von 210 S. 

F. Grässner: „Die Vögel Deutschlands und ihre 
Eier" 2te sehr vermehrte und gänzlich umgearbeitete Auf- 
lage des älteren Werkes von Naumann und Buhle. Er- 
stes Heft 4. Ein recht gut und tüchtig gearbeitetes Buch, 
dem auch der Ornitholog von Fach seine Anerkennung nicht 
versagen wird. Die Kupfer lassen zu wünschen übrig. 
Aber wie wäre es auch bei solchem Preise anders möglich ? 

Cabanis „Journal für Ornithologie" enthält als hier- 
her gehörig: 1) A. v. Homeyer: „Ueber das Vorkommen 
einiger Vögel des Mittelrheins, mit besonderer Berücksich- 
tigung Frankfurt's a. M. 2) Acht Tage auf der Ebenalp 
von Baron Dr. J.W. v. Müller. 3) v. Homeyer: „Ue- 
ber einige zweifelhafte Arten in der europäischen Ornis, so 
über Hirundo cahirica, Muscicapa museipeta, Hypolais Pre- 
glii u. s. w. 



der VBgel Während des Jahres 1859. 75 

Und die „Naumannia." 1) G. T. Büttner: „ Vogel- 
leben in Kurland." 2) Gadamer: „Ornitliol. Bericht aus 
Westgothland." 3) Derselbe: „Verzeiehniss der Brulvö- 
gel Westgothland's." 4) Dr. G. Ouis t orp : „Ornithol. Be- 
richte aus Neuvorpommern." 5) Blasius: ,Ueber die Vö- 
gel in Gätke's Sammlung auf Helgoland." 6) Pfarrer Jäkel: 
„ Ornitliol. Jahresbericht aus ßaiern." 7) Riefkohl: „Ni- 
dologische und oologische Notizen aus der Umgegend von 
Rostock." 8) H. Gätke: „Ornithologisches aus Helgo- 
land" u. s. w. 

Der .Ibis- bringt lj W. C. Hewitson: „Recent di- 
scoveries in European Oology." 2) E. Evvans and W. 
Sturge: „Notes on the Birds of Western Spitzbergen as 
observed in 1855." Sehr hübsch. Es wurden 16 Arien be- 
obachtet, unter ihnen eine neue, Lagopus hemileucurus. Der 
Reichlhum an Individuen war ausserordentlich. Ob Larus 
eburneus dort brüte, war nicht zu ermitteln. 

„List of Birds observed in Great-Brilain and Ireland." 
Separatabdruck aus dem _Zoologist." 1 Bogen. 

„Vergleichendes Verzeichniss der Vögel Schweden's 
und Grossbritanniens" (in englischer und schwedischer 
Sprache gedruckt). Brochüre von 18 S. Carlsladt 1859. 

W. Jleves beschreibt einen zoologischen Ausflug 
durch Lappmarken. Darin viel Ornilhologisches : Öfvers. 
Kongl. Vetensk, Akad. Förh. 1858. 

J. v. Wright: -Knopiolraclens Fogelfauna" in Bidr. 
til Finland's Naturk. elc. , utgifna af Finska Velensk. Soc. 
Hclsingf. 1857—58. Heft 2. p. 1—12. 

Slagn. v. Wright: „Anlekning. linder en ornilolog. 
resa Iran Knopio tili Aavasaksa om sommaren ar 1856. 
Ibid. 2. p. 52— 86«. 

„Anteckningar om Flytlfoglar's ankörnst tili särskilda 
orler in Finland" ib. p. 138. 

Gustav Bclke „Esquissc de l'histoire naturelle de 
Kaminiez en Podolie" in Bullet. Natur. Mose, vol. 32. p. 29. 

J. B. Ja U b e r t el B a r t h e 1 e m y - L a p o m m e r a g c : 
„Hicbesses ornithologiques du midi de la France on de- 
■criptiOD melhodique de lous les oiscaux observes en Pro- 



7S Hortlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

vence et dans les departements circonvoisins. Marseille 4. 
Fasel. 72 S. mit drei color. Kupfertafeln. Die Ausstattung 
dieses von zwei Ornithologen ersten Ranges ausgehenden 
Werkes ist eine sehr gelungene. U er Text scheint kritisch 
und streng wissenschaftlich gehalten zu sein. 

B.Vincelot: „Essai etymologique sur l'Ornithologie 
de Maine et Loire.'' Angers. 108 S. 

Moquin Tandon fährt fort seine sehr guten und 
fleissigen oologischen und nidologischen „Notes ornitholo- 
giques" zu geben. Rev. et Mag. de Zool. p. 97 u. s. w. 
Ausführlich z. B. über die Beutelmeise. 

Dubois: „Planches color. des Oiseaux de la Belgi- 
que." Livr. 100 — 108. Die regelmässige Fortführung die- 
ses Werkes ist sehr zu loben und die künstlerische Aus- 
führung der Kupfertafeln ist immer besser geworden. 

Gaetano Perini: „Degli uccelli Veronesi" notizie 
raecolte etc. 1 vol. 8. Verona 1858. Preisgekrönt von der 
wissensch. Academie zu Verona. 

Dr. Erhard: „Die Fauna der Cycladen. 1) Die Wir- 
belthiere der Cycladen , nebst einem Anhange über deren 
Pflanzendecke." 1 vol. 8. Leipzig 1858. 117 S. Der Haupt- 
sache nach bekannt aus der Naumannia. Baldamus führt 
das Buch ein. Ein zweiter Theil soll die Abbildung von 
Falco dichrous bringen. 

Von Bädeker's vortrefflichem Eierwerke erschien 
eine neue Lieferung. Mit nationaler Befriedigung gedenken 
wir der ausserordentlichen Anerkennung , welche dieses 
Werk auch bei den Oologen Englands gefunden hat. 

Asien. 

Von Gould's „Birds of Asia" erschien pari. 11. 

Mit den Abbildungen von Gennaeus nyethemerus, Dendrocheli- 
don coronatum, D. Ulecbo, II. Wallacei , D. myslacenm, 1). comatum, 
Harpactes Duvaucelii, H. rutilus, Amydrus Tristramii, Mernla castanea, 
M. albocineta, M. boulboul. Parus dichrous. P. rubidiventris, P. rufo- 
nuchalis, P. melanolophus. 

Fred. Moore „List of Malayan Birds collected by 



der Vögel während des Jahres 1859. 77 

Th. Cantor ," with descriptions etc. Proceed. Zool. Soc. 
p.443. 

J. Gould: „List of ßirds collected at Tavoy, Tenasse- 
rini, by Capt. Briggs." Proceed. Zool. Soc. p. 149. Ein 
Namensverzeichniss von 83 Arien. 

J. Gould: „List or Birds collected in Siam by Sir 
R. Schomburgk.- Proceed. Zool. Soc. p. 151. Es werden 
64 Arien namhaft gemacht. 

A. Lei th - Adams: „The Birds of Cachmere and 
Ladakh.- Proceed. Zool. Soc. p. 169. Wichtig und im ho- 
hen Grade interessant. 

Es wurden 189 Arten beobachtet. Von europäischen Vögeln 
scheinen dort vorzukommen: Fasser domestieus , Cuculus talionis. 
Pyrrhocorax graculus und alpinus, Sturnus vulgaris und unicolor, Cor- 
vus corax, corone und moneduia, Cypselus melba und apus, Hiruudo 
ruslica, Upupa epops, Merops apiaster, Colyle riparia, Cinclus vulga- 
ris, Turdus viseivorus, Alauda arvensis, Rcgulus cristatus, die Mehr- 
zahl unserer Enten u. s. w. — Meloponia pttsilla (Fall.) ist zu gewis- 
sen Zeiten gemein. 

W. Theobald: „ün lndian Oology.- Journ. As. Soc. 
of Beng. No. 69. p.601. 

„Catalogue of Birds collected by A. A. Henderson, 
M. D. at Hacodadi, Island of Jesso, Japan, with notes and 
descriptions of new species, by J. Cassin." Proceed. Acad. 
N. Sc. Philad. 52. p. 191. Ist wichtig. 

Es wurden 39 Arten gesammelt, und zwar im Monat Oktober. 
Als neu für die Avifauna Japau's erscheinen hier zuerst: Farns kamt- 
schalkcnsis ßp., .Motacilla boarula, Lusciniopsis japonica n. sp., Lus- 
ciniopsis Uendersonii C'ass. n. sp., Turdus eunomus Teinm., Sitta Sibi- 
rien I*. (roseilia Bp.), Cliaradrius morincllus , Squaturola hehetica, 
Totanus glottis, Tringa alpina, Tringa miuuta, ftunienius sp. (?), Hae- 
matopus ostralegus. — Zum Schlüsse wertlivolle Bemerkungen über 
die Lebensweise einzelner Arten. 

Sir. S w i n h o e : „A few remarks on the Fauna of Ainoy 
Supplem. China Mail No. 670. (Hongkong Dec. 17. 57.) 

Mr. R. Swinhoe: „Narralive of a Visit to the island 
of Formosa L in Journ. of the North China Brandt of the 
Koyal Asialic Society. 

Beobachtet wurden Alauda minula n. sp. , Sterna caspia und 
minuta, Oriolus sinensis, Dicrurus malabaricus , llirundo daurica ete. 
Keine Spur von Daiijplilus fulgidut 7 



78 Hartlaub: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Sir Emmerson Tennent's vielbesprochenes Werk 
über Ceylon enthält denn auch einen recht instructiv und 
anziehend geschriebenen Abschnitt über die Vögel dieser 
reichen Tropeninsel. 

Zu den Wundern Ceylons möchte Tennent die von Myriaden 
der verschiedensten Wasservögel belebten Seen im östlichen Tlieile 
desselben zählen. Als die besten Sanger werden gepriesen die Cop- 
sychusarten macrourus und saularis so wie Pralincola atrata. Sehr 
hübsch wird über den wilden Pfau berichtet. 

E. Blyth, der unermüdliche Zoolog Indien's, fährt 
fort den Vögeln der Andamanen Aufmerksamkeit zu 
schenken. Journ. Asiat. Soc. of Beng. vol. 27. 

Er kennt bis jetzt die folgenden Arten : Halcyon coromandeli- 
cus, Todirhaniphus coli ans, II. smyrnensis, Corvus eulminatus, Kitta- 
cincla alhiventris, Sturnia erythropygia, Tephrodoinis grisola, Cieocichla 
innotata, Copsychus saularis, Artamus leucoihynchus, Edolius sp., Py- 
enonotus jocosus, Gracula intermedia, Paiaeomis Alexandra, Carpophaga 
sylvatica, Anous stolidus, Oriolus eoronatus, Irena indica, Sturnopa- 
stor niger, Periciocotus peregrinus, also bis jetzt 20 Arten. Alan ver- 
gleiche einschreiben von Blyth an Sclater mitgctheilt im Ibis I. 
p. 463. Die Avifauna der Andamanen ist eine ausschliesslich indische. 
Caloenas nicobarica bewohnt die mehr nördlich gelegenen Cocos- 
Felsen. 

Dr. Bernstein schreibt sehr instructiv und aus- 
führlich „über die sogenannten essbaren Vogelnester und 
den Nestbau einiger anderen javanischer Vögel." Act. Soc. 
Scient. Ind. Keerl. III. (Batavia 1858.) p. 34. 

Diese Vögel sind : Scops lempiji, Capiimulgus macrourus, Den- 
drochelidon Klecho, Centropus affin is , Picns moluccensis , Halcyon 
chlorocephala, II. nielanoptera, Timalia pilcata, Pomatorhinus monta- 
nus, Parus atrieeps, Mirallra javanica, Enicurus Leschenaultii , Myio- 
phonus fiavirostris, Ixos chrysorhoeus , Copsychus mindanensis , Geo- 
cichla citrina, Mcgalurus palustris und polycluons , Prinia familiaris, 
Ortholomus sepinm, Cyornis banyuinas , Leucocerca javanica, Ilirundo 
javanica, Artamus leueogaster, Orioius indicus; Dicrurus cinerascens, 
D. longus , Lalagc orientalis , Tephrodoinis hirundinaceus , Lantus 
schach, Dicaeum rubrocanum, Cinnyris pectoralis und aspasia, Arach- 
nothera longiroslris. 

A. R. Wallace : „Oh (he Zoological Geography af the 
Malay Archipelago." Proceed. Linn. Soc. of Lond. 1859. 
p. 172. Mitgetheilt von Charles Darwin, und von 
grösstem Interesse. Genaue Begränznng der einzelnen 



der Vögel während des Jahres 1859. 79 

zoologischen Regionen. Darwin findet in den Ergebnis- 
sen von Wallace's Forschungen eine Bestätigung seiner 
vielbesprochenen Ansichten über den Ursprung der Arten 
durch Wahlverwandtschaft und die Grundgesetze der geo- 
graphischen Verbreitung der Thiere über den Erdboden. 

Rev. H. R. Tristram: „Notes on Rirds observed in 
Southern Palästine in Maren and April." Reichhallig und 
höchst anziehend geschrieben. 

Tristrain konnte nicht weniger als 119 Arten heohachten. 
Ausführlicher wird z. B. berichtet über Garrulus melanoccphalus, 
Amydrus Tristi amii , Ixos xanthopygius , Crateropns chalybeus , Sitta 
syriaca , Tinnunculns cenchris, Neophron perenopterus , Antrnoperdix 
Heyi. Ibis I. p. 2?— 41. 

Afrika. 

Es ist unter den Ornithologen Jung-Englands zu einer 
Art von Mode oder besser Passion geworden, gewisse seit 
der französischen Besitznahme mit verhältnissmässig gerin- 
gem Aufwände von Mühe und Gefahr zugängliche Gebiete 
Nordafrika's zu bereisen: nicht sowohl, um Bälge heim- 
zubringen, als vielmehr um die Sitten und Gewohnheiten 
der dortigen Vögel zu beobachten und um deren Eier zu 
sammeln. So bringt uns denn der Ibis, das Organ dieses 
jüngeren Stammes englischer Ornithologen, eine kleine An- 
zahl von anziehend und geschickt verfassten Arbeiten, wel- 
che uns mit den Ergebnissen jener Ausflüge bekannt ma- 
chen, und zwar, was die Hauptsache bleibt, zum entschie- 
denen Vortlieilc der Wissenschaft. 

Rev. H. R. Tristram: „Characters of apparently new 
species of Birds collected in the great Desert of Sahara, 
southwards of Algelia and Tunis." Ibis I. p. 57. Bringt 
gute Beschreibungen von 9 Arten, auf die der specielle 
Theil dieses Berichts zurückkommen wird. 

Rev. H. B. Tristram: „On the Oinithology of Nor- 
thern Africa." Ibis I. p. 133, 277, 415. 

Vieh einer gedrängten Schilderung der physikalisch -geogra- 
phischen Züge Nordafrika's zieht der Verfasser i\en Schlnss, die so- 
genannte Barbarei erscheine dem Naturforscher mir wie eine euro- 
päische Insel , getrennt zwar von Europa durch das Mittcliucer, weit 



80 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

schärfer aber isolirt von Centralafrika durch das Sandroeer der Sahara. 
Man dürfe sich demgemäss nicht wundern, dass jenes weite Gebiet 
nur sieben unzweifelhaft eigentümliche Vogelarten aufzuweisen habe, 
von welchen nur zwei, nämlich Aquila naevioides und Ruticilla Mous- 
sieri ohne sehr nahe europäische Anverwandte seien; dass uns dage- 
gen die Wüste mit ihren Oasen bis jetzt nicht weniger als 38 eigen- 
thümliche noch nie auf europäischem Boden angetroffene Arten ge- 
liefert habe, und unter diesen eine Anzahl sehr ungewöhnlicher Ge- 
stalten von specifisch afrikanischem Gepräge, als Khomphocorys, 
Otogyps , Comatibis, Crateropus , Drymoica , Corospiza. Auf S. 279 
beginnt der spccielle Theil dieser im hohen Grade instruktiven Ar- 
beit, wobei es sich sehr zweckmässig nicht um hundertfältig wie- 
derholte Beschreibungen handelt, sondern um die geographische Ver- 
breitung und die Lebensweise der zahlreichen von Mr, Tristram 
beobachteten Arten. Wir vernehmen mit Befriedigung, dass der uns 
wohlbekannte Autor ein grosseres Werk über die Sahara bei Murray 
in London erscheinen hissen wird , und glauben getrost Genuss und 
Belehrung davon voraussagen zu können. 

Osbert Salvin: „Fife Month's Birds'-nesting in the 
Eastern Atlas. u Ibis I. p. 174. 

Wir haben die warme und lebensvolle Schilderung, welche 
uns hier von einer specielle oologische Zwecke vorfolgenden Ex- 
cursion entworfen wird, gcwissermassen als Ergänzung zu der eben 
besprochenen Arbeit Tristram's zu betrachten. 

E. Cavendish Taylor: „Ornithological Reminis- 
cences of Egypt." Ibis L p. 41. 

Der Berichterstatter bereiste das Nilthal zwischen Alexandrien 
und dem ersten Cataract während der Monate November, December 
und Januar. Es wurden 87 Vögelarten beobachtet, unter diesen ein- 
zelne seltnere Arten, als Vanellus leucurus, Bubo ascalaphus, Elanus 
melanopterus, Erythrospiza githaginea, Rhynchaea u. s. w. 

„List of Birds observed and collected during a voyage 
in the Red Sea. By Dr. Th. v. H engl in. Edited and 
translated by Dr. G. Hartlanb.« 

Behandelt 130 Arten, über deren Vorkommen und Lebensweise 
der rühmlichst bekannte Reisende auf den Küstengebieten von Abys- 
«inien, der Danakilgegcnd und des Somalilandes Beobachtungen an- 
zustellen vermochte. Es befinden sich darunter verschiedene neue, 
«o z. B. eine schöne Utisart , welche wir ihrem Entdecker zu Ehren 
benannt haben. Herr v. H e u g 1 i n ist auf seinen verschiedenen 
Reisen in Afrika unablässig und höchst erfolgreich bemüht gewesen, 
die Ornithologie jener Länder zu fördern. Wir hoffen . dass der 






der Vögel während des Jahres 1859. 81 

„Ibis" wenigstens einen Theil der schönen Originalabbildnngen ver- 
öffentlichen wird , welche zu diesem Zwecke dem Herausgeber des- 
selben eingehändigt worden sind. Wenigstens haben wir es an för- 
dernden Bemühungen in dieser Richtung nicht fehlen lassen. 

E. V. Harcourt's Buch: -Sporting in Algeria" giebt 
am Schlüsse ein Verzeichniss der Vögel Algerien's. 

J. C assin: „Catalogue of Birds collected on the Ri- 
vers Camma (Fernando Paz) , Ogobai , Rembo and Ovenga 
by P. B. du Chaillu, with notes and descriplions of new 
speeies." Proceed. Acad. N. Sc. of Philad. 1859. p. 30. 

Ungemein reichhaltig und wichtig, aber leider ohne die int 
hohen Grade wünschenswerte Zuthat biographische! Koten. Wir wol- 
len bei dieser Gelegenheit bemerken, dass wir bis jetzt nur sehr we- 
nige Exemplare aus den überreichen Sammlungen Du Chaillu's 
ihren Weg in die Museen Europas gefunden haben. Sämmtliche unica 
blieben in Philadelphia. Möglich, dass das noch in diesem Jahre er- 
scheinende Reisebuch Du Chailla's auch eine oder die andere auf 
die Ornithologie der von ihm bereisten Gebiete Westafrika's bezüg- 
liche Frage berühren wird. Näheres im speciellen Theile. 

J. H. Gurney: „List of Birds from Ibadan, in We- 
stern Africa." Ibis I. p. 152. Zehn bekannte Arten. Ibadan 
liegt in 7° 4' N. B. und 4° 10' 0. L., etwa 50 engl. Meilen 
landeinwärts von der Bucht von Benin. Angabe der Iris- 
färbung. 

J. H. Gurney „List of collection of Birds reeeived 
from the colony of Natal in South Eastern Africa. " Ibis I. 
p. 234. 

Ein sehr erfreulicher Beitrag zu unserer Bekanntschaft aus der 
Ornithologie Kalal's. Der bei weitem grosseste Theil der 64 hier 
aufgezählten Arten wurde von Mr. Thomas Ayres in D'Urban ge- 
sammelt, und die beigefügten Bemerkungen über die Lebensweise der- 
selben zeugen von entschiedenem Beobachtungstalent und von prak- 
tischer Uebung. Mr. Gurney hat diese Mittheilung mit werthvollen 
kritisch en Koten ausgestattet. 

In La d is la u s Ma gy ars „Reisen in Südafrika," Bd. I. 
wird die Ornithologie in der entsetzlichsten Weise ver- 
stümmelt. 

Cnlliartcs, Trochilus, Palamcdca cornuta (! !). Columba speciosu, 
l'sitlaculii passerina , Psitlacus pulverulentiis , Tanagia, Penclope leu- 
coptrra ii. s. w. Das Alles in den Waldein Südafrika'»! Wie nur 
er Herausgeber, Herr J. Ilunfalvy, solchen Unsinn drucken mochte! 
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2.Bd. F 



82 Hart) aub: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

C. Sundevall: „Krttisk framställning af fogelarterna 
uti äldre ornitologisca arteten.* Kongl Vetensk. Acad. 
Handl. II. No. 3. ■ Separatabdruck in 4. 60 S. Diese vor- 
treffliche Arbeit eines der besten Zoologen unserer Zeit 
behandelt : 1) Spannann's „Museum Carlsonianum" und 2) 
Le vaillan t's „Oiseaux d'Afrique." 

Jede einzelne Abbildung des 284 Arten umfassenden Werkes 
wird kritisch geprüft. Die Einleitung ist in schwedischer, der spe- 
cielle Text glücklicher Weise in lateinischer Sprache geschrieben. 
Das Ergebniss dieser kritischen Untersuchung ist ein überraschendes. 
Von den 281 angeblich südafrikanischen Vögeln des J.evaillant'schen 
Werkes erweisen sich 134 als wirklich daselbst angetroffen; bei 9 
Arten ist ihr Vorkommen in Südafrika nicht mit Sicherheit nachge- 
wiesen ; 10 Arien sind zweifelhaft und der Bestätigung bedürftig; 
CO Arten sind entschieden von n i ch t südafrikanischem Vorkommen, 
und 41 Arten werden von Levaillant selbst als von ihm nicht am 
Cap erbalten bezeichnet. Diese sind mit sehr wenigen Ausnahmen 
indischen oder amerikanischen Ursprungs. Dreizehn Arten endlich 
sind erwiesener Maassen Kunstprodukte und von zehn anderen ist 
Sundevall geneigt dies zu Argwöhnen. 

A. v. Pelzeln: „Einige Worte über die von Frau 
Ida Pfeifer an das Kaiser], zool. Museum in Wien ein- 
gesandten Vögel von Madagascar." Naumannia Heft 6. Sehr 
werthvolle Mittheilung. Die zoologische Sammlung in Wien 
ist nächst Paris die reichste an Madagascarvögeln. 

Man findet daselbst nicht weniger als 60 Arten, also jedenfalls 
mehr, als in sämmllichen Museen Europas und Amerikas zusammen 
genommen. Wir haben uns bei einer grösseren Arbeit über die Or- 
nithologie Madagascars der liberalsten Unterstützung von dieser Seite 
her zu erfreuen gehabt, und fühlen uns Herrn v. Pelzeln zu auf- 
richtigem Danke verpflichtet. 

Amerika. 

„Reports of Explorations and Surveys to ascertain the 
most practicable and economical route for a railway from 
the Missisippi to the Pacific Ocean. vol. X." Enthält: 1) 
Zool. Portion of the reports by Lieutn. E. G. Beckwitli. 
Birds by J. F. Baird. 

Mit Beschreibungen und Abbildungen von Bulco Swainsonii 
(pl. 12, 13), B. calnrus Cass. pl. 14, B. oxyplerus Cass. pl. 15, Chor- 
deilesltenryi C. pl. 17, Sialia arclica pl. 35, Eremophila cornula pl. 32. 



der Vögel während des Jahres 1859. 83 

2) Rep. Lieutn. Whipple: Birds by C. R. Kennerly. 
Keine Beschreibungen, aber biographische Notizen. 

Abbild.: Panyplila melanoleuca pl. 18. fig. 1, Chaelura Vauxi 
ib. fig. 2. Trochilus Costae pl. 9, Corvus cacolotl pl. 20, Corvtis cry- 
ptolcucus pl- 22, Carpodaceus Cassinii pl. 27. fig. 1 , Melospiza fal- 
laxB. ib. fig. 2, Pipilo mesoleucus B. pl. 29, Pipilo Albeiti B. pl. 30, 
Pyranga hepatira pl. 32. Polioplila plmnbea B. pl. 33. fig. 1 , Psallri- 
parus plumbeus fig 2, Sitta aculeata C. fig. 3, Sitta carolinensis ib. 
fig. 4, Centurus uropygialis B. pl. 36, Grus fraterculus Cass. pl. 37. 

3) Rep. Lieutn. Parke: Birds by A. L. H eerma n n. 
Sehr guter Bericht. Beschreibungen und Lebensweise. 

Abbild, von Hypotriorchis feinoralis pl. 1 , Passercnlus alaudi- 
nus pl. 4. fig. 1, Peucaea Cassinii ib. fig. 2, Actilurus naevius H. 

4) Rep. Lieutn. Willi am so n. Birds by A. L. H eer- 
ma n n. 

Mit Abbild, von Buteo elegans pl. 2, 3, Myiarchus niexicanus 
pl. 5 , Strepsilas melanocephalus pl. 7. Podiceps californicus Ileerni. 
juv. pl. 8, Podilymbus lineatus II. pl. 9. Phalacrocorax penicillalus 
pl. 10. 

5) Rep. Leutn. Ab bot. Birds by L. Newberry. 
Abbild, von Pica Kuttalli pl. 26. Picus Williamsonii pl. 34. flg. 1, 

und Icteria longicauda ib. fig. 2. 

. Uniled States and Mexican Boundary Survey under 
the order of Lieutn. Emory.'- Birds of the Boundary by 
Spencer F. Baird. 33 S. in 4. Wie die eben namhaft ge- 
machten Berichte wichtig. Handelt von 226 Arten. Meist 
nur Namen und genaue Angabe des Fundortes. Häuüg aber 
auch biographische Bemerkungen von den Herren Ken- 
nerly, Couch, Clerk. Alphabetischen Index und zahl- 
reiche Abbildungen. 

Der jüngere Audubon ist im Begriffe, das grosse 
Vogelwerk seines Vaters neu herauszugeben. Format und 
Ausstattung bleiben unverändert. Der Preis ist viel nie- 
driger. Wir wünschen Erfolg, zweifeln aber. 

A. .Murray: „Contrihulions to the Natural History 
of the Hudsonsbay territories.- 

I riii i Tctrao obseunis sollen zwei Arten stecken. Eine an- 
geblich neue Bernicla wird H. leiicolaema genannt. Soniateria V ni- 
grnm soll auf dem grossen Sklavensce vorkommen. 

Cabanis 1 Journal für Ornithologie bringt die Fort- 



84 Havtlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Setzung- von Prinz Max zu Neuwied Arbeit über die 
von ihm in Nordamerika beobachteten Vögel. 

„Catalogue of Birds collecled in the vicinity of Fort 
Tejon , California , with a description of a new species of 
Syrnium, by John Xanthus de Vesey." Proceed Acad. 
Philad. Juli 1859. Handelt von 144 Arten. Die Küsten- 
fauna Californiens ist sehr verschieden von der der Colo- 
radogegenden. Wir begegnen manchen mexikanischen Ar- 
ten. Der höchste Punkt liegt nahe dem Tejonpass und er- 
reicht 4250 Fuss. 

„Notes on a collection of Birds made by Mr. J. Xan- 
thus de Vesey at Cap St. Lukas, Lower California, by 
Prof. Baird." Proc. Ac. Nat. Sc. Philad. p. 299. Mit to- 
pographischer Einleitung. 

Die Fauna dieser interessanten Lokalität ähnelt sehr der des 
Rio (jila und einigermaassen der des Rio Grande. Sic weicht ganz 
ab von der Küsteni'aiina Ober - Californiens. Unter den 42 namhaft 
gemachten Arten befinden sich verschiedene neue, nämlich: Picus 
lucasanus. Harporhynchus cinereus, Campylorhynchus affinis, Cardi- 
nalis igneus, l'ipilo albigula, Brachyrhamphua hypoleucus. Als sehr 
selten heben wir noch hervor Blasipus Ilecrmanni und Paroides 
flavieeps. 

P. L. Sclater: „On a collection of Birds from Van- 
couvers Island." Proceed. Zool. Soc. 1859. Behandelt 35 
Arten. 

Wir nennen Sialia mexicana , llelmintophaga celata , Hirundo 
thalassina, Cypselus borealis, ßonasia Sabini, Oieortyx pictus, Aphriza 
virgata, Brachyrhampbus inarmoratus, Larus Belcheri. 

P. L. Sclater: „List of Birds collected by Mr. A. 
Boucard in the State of Oaxaca in South West Mexico, with 
descriptions of new species." Proc. Z. S. p. 369. In dieser 
wichtigen Arbeit werden 236 Arten aufgezählt. 

P. L. Sclater: „On a series of Birds collected in 
the vicinity of Jalapa." Proceed. Z. S. p. 362. Umfasst 
226 Arien, welche in 850 Exemplaren von Herren Rafael 
Montes de Oka gesammelt wurden. 

De Saussure bezeichnet in Guerin's „Revue zoolo- 
gique" aufS. 126 die Farbe der Iris, so wie die der Fiisse 



der Vögel während des Jahres 1859. 85 

und des Schnabels im frischen Zustande bei 42 Arten von 
Mexiko oder Haiti. 

On the Ornithology of Central America" by Phil. L. 
Sclater andOsberl Salvin." Ibis I. p. 1, 117, 213. 
Diese Arbeit gehört zu den besten unter den zahlreichen 
Beiträgen, welche der Ornithologie Amerika's durch ihren 
eifrigen Forderer, P. L. Sclater, zu Theil geworden sind. 
Sie beruht auf den Sammlungen D e I a t tr e's , D y s o n's, 
Leylands und Anderer, zunächst aber auf denen, welche 
Mr. George Ure Skinner und Mr. Osbert Salvin 
in Guatemala zusammenbrachten. 

Eine grosse Anzahl werlhvoller biographischer Koten haben 
wir fast ausschliesslich letzterem zu verdanken. Centralamerika ist 
als Fortsetzung von Mexiko zu betrachten', und lässt drei wohl zu 
unterscheidende Faunen wahrnehmen, nämlich : 1) die atlantische Kü- 
stenregion oder Tierra caliente (Meleagris ocellata, Cotinga amabilis). 
2) Die Küstenregion am stillen Meere, ebenfalls eine Tierra caliente 
und wie die vorige bis zu 4000 Fuss Hohe hinaufreichend; (Buteo 
Gbiesbrechtii, Ära aracanga, Cyauocorax Beachii). 3) Das zwischen 
diesen beiden liegende Tafelland Guatemala'a 4 bis 8000' hoch und 
unterbrochen durch eine Kette mächtiger vulkanischer Pik's. liier 
ist es, wo man von Oktober bis zu Ende März Schaaren von nörd- 
lichen Zugvögeln antrifft. Unter den dieser Region ausschliesslich 
angehörenden Formen mögen hier nur üreophasis derbyanus und 
i'liaromacrus paradiscus genannt sein. S a 1 v i n's und Sclater's 
Arbeit kennt 382 Arten. Gerne und dankbar gedenken wir bei die- 
ser Gelegenheit des Vergnügens, welches uns kürzlich in London 
durch dir Besichtigung der trefflichen musterhaft präparirlcn Samm- 
lungen Salvin's zu Theil geworden ist. 

TJi. .1. Moore: „List ofMammals and Birds collected 
by Mr. Jos. Leyland in Honduras, Belize and Guatemala." 
Proceed. Zool. Soc. Ebenfalls wichtig. 

Es werden 125 Arten aufgezahlt mit etwas spärlichen Bemer- 
kungen über die Lebensweise einzelner. Hylornanes momolula, Gym- 
nocichta nudieeps, Dendrocolaptea Lessoni, Ortyx nigiogularis etc. 

P. L. Sclater: „List of Birds collected by Mr. Louis 
Fräser at Cuenca , Gualaquiza and Zamora in the repu- 
bliquc of Ecuador." Proceed. Zool. Soc. p. 449. Behan- 
delt 87 Arten, von welchen die um Cuenca, also in der 
Höhe von 8200' gesammelten, sehr erheblich abweichen. 



86 Hartlaub: Bericht iilt. d. Leistungen in <i. Naturgeschichte 

Unter ihnen befinden sieh verschiedene neue; die der tie- 
fer gelegenen Gebiete sind meist weitverbreitete Arten des 
oberen Amazones und St. Fe de Bogota's. 

P. L. Sclater: „On the Birds collected by Mr. L. 
Fräser in the vicinity of Riobamba, Ecuador." Proceed. 
Zool. Soc. Es wurden auf diesem 10,000 Fuss hoch gele- 
genen Gebiete 60 Arten gesammelt. 

P. L. Sclater: „List of the first collection of Birds 
made by Mr. L. Fräser at Pallatanga, Ecuador" with no- 
tes and descriplions. Proceed. Zool. Soc. p. 135- 

Das tiebiet , wo von Mitte August bis älitle November gesam- 
melt wurde ist Tierra calicnte und begränzt dureb den westlichen 
Abhang der westlichen Cordillere Ecuadors. Sehr interessante Ar- 
heil. Cephaiopterus peuduliger. Yireo Josephae , Nemosia ornata, 
Audigena laminiroslris , Aulacorhamphus erythropygius, Heliolrypha 
viola, Dasithamnus unicolor etc. 

M. Osburn: „Notes on the Mountain Birds of Ja- 
maica" in „Zoologist" p. 6709 und 6761. 

Ausführlicher wird über die Schwalben und Segler jener Re- 
gionen berichtet. Auch über Nesopsar nigerrimus. 

Im „Zoologist" linden wir auch einen Brief Osburn's 
an Gosse „On the Birds and Bats of Jamaica" p. 6587 
und 665S. 

Dass Gundlach noch immer thalig ist für die Orni- 
thologie Cubas, geht aus einer interessanten brieflichen Mit- 
theilung in Cabanis Journal hervor. Heft 4. 

„Observalions on the Birds of St. Croix, West Indies, 
made between Febr. 20. and Aug. 6. 1857 by Alfred 
Newton, and between March 4. and Sept. 28. 1858 by 
Edward Newton." Ibis I. p.59, 138, 252 und 365. 

Eine guic Arbeit, welche unsere volle Aufmerksamkeit ver- 
dient. Nach einer einleitenden sehr iustrucüven Schilderung der na- 
türlichen Beschaffenheit St. Croix's , seiner geologischen, meteorolo- 
gischen^und botanischen llauptzüge, geben uns die beiden Newton's 
die Summe ihrer Beobachtungen über 64 von ihnen auf der Insel an- 
getroffene Vogelarten. Die Avifauna St. Cr'oix's war bisher völlig 
unbekannt , uncl^Vieles so anziehend von manchen seltneren Arten 
Mitgetheilte hat zugleich den Reiz der Neuheit. Dies gilt z. B. von 
Gymnoglaux nudipes, von Cichtherminia fuscala , von Eulampis chlo- 



der Vögel während des Jahres 1859. 87 

rolaemus. Man begegnet zahlreichen bekannten Arten von St. Thomas 
und Jamaika. 

Dr. Henry Bryant: A List of Birds Seen at (he 
Bahamas from Jan. 20. to Mai 14. 1859." Brochüre von 
32 S. Gute Beobachtungen zumeist in der Umgebung von 
Nassau auf New Providence angestellt. 

Aeben einer grossen Anzahl von bekannten nordaniei ikanischen 
Arten scheinen wirklich einige neue vorzukommen. Als solche wer- 
den uns beschrieben : Crotophaga sp.. Trochilus Evelinae, Empidonax 
bahamensis, liiiundo cyanoviridis, J.aniovirco crassiroslris, Mimus ba- 
hamensis (ein vortrefflicher Sanger) und Sula sp. Eine Fülle interes- 
santer biographischer Bemerkungen zeichnet diese Arbeit \or Al- 
lem aus. 

E. v. Martens: „Uebersicht der Vögel der Bermudas 
nach Wedderburne. u Caban. Journ. Heft 3. 

„Notes on tlie Birds collected by the U. St. La Plata 
und Paraguay Expedition underthe comtnand ofTh. J. Page, 
by John Gas sin." In dem Werke „La Plata, the Argen- 
tine confederation and Paraguay, by T. J. Page p. 599." 

Sehr kurzer und ungenügender Bericht über , wie es scheint, 
reiche Sammlungen, welche schon in Hinblick auf die von der Expe- 
dition berührlen Lokalitäten . als z. B. (iran Chaco und Paraguay, so 
wie gegenüber den älteren Forschungen A z a ra's einer besseren Bear- 
beitung weilh gewesen wären. Cassin vermulhel manches Neue. 
Namhaft gemacht werden z. B. Anodorhynchus cinereus, i'ionus co- 
ralliuus, Picus melanogaster , Crax Yarrellii , Cygnus nigricollia und 
coscoioba, Spatula inaculata, Querquedula torquata, Podiceps leucopte- 
rus. über welchen eine biographische INotiz auf S. 336. Wie gesagt. 
überraschend dürftig ! 

J. i. ii ii Id: „List of Birds from the Falcland Islands 
wilh descriptions of the eggs of some of the species, from 
speeimens collected principally by Capt. C. G. A b bot." Proc. 
Zool. Soc. 1S59. p. 93. Ein willkommener Beitrag, welcher 
über 38 Arten berichtet. 

Der wcrlhvollste Theil desselben ist der oologische. (Mega- 
leslri» anlanlira. Eudyptes papua , Haematopua unicolor. Micropterus 
cinereus. Melanodera typica, Buleo ciylhronotus etc.). Manches schon 
bei Dar wiu. Die als Carla rnscirentris beschriebene angeblich 
nein: Möve konnten wir im Originalcxcmplare untersuchen. Sie ist 
einfach Meyen's Lflnu glaueodes. 



88 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Australien. 

Ein drittes Supplementheft von Gould's „Birds of Au- 
stralia" bringt die trefflichen Abbildungen von: 

Miliums coronatus, Semioptera Wallacei, Psephotus chrysopte- 
rygius , Nestor notabilis , N. Esslingii und N. hypopolius , Casuarius 
Bennettii, Petroica ceryiniventris, Chrysococcyx ininutillus, Zosterops 
albogularis, Z. lenuirostris, Spatula variegata, Chlamydera cerviniven- 
tris, Merula polioeephala und Gelochelidon macrotarsa. 

G. R. Gray: „Catalogue of the Mammalia and Birds 
of New - Guinea in the collection of the British Museum." 
1 Vol. 8. Lond. 1859. Sehr zeitgemässe nützliche Zusam- 
menstellung. 

Von Sclater's Arbeit in den Froceedings der l.inne'schen Ge- 
sellschaft wird auffallender Weise keine Notiz genommen. Zahlreiche 
Beschreibungen neuer Arten. Mitunter Irrthümliches, als z. B. Eury- 
stonuts gularis , als dessen Wohnort Westafrika längst nachgewiesen 
ist. John Edward Gray bearbeitete die Säugethiere. 

G. R. Gray: „List of Birds lately sent by M. Wal- 
liice l'rom Dorey, New-Guinea." Proc. Zool. Soc. p. 153. 
Behandelt 79 Arten und ist im hohen Grade der Beachtung 
werth. Wir haben es uns wiederholt angelegen sein las- 
sen, die ganze Wichtigkeit der Forschungen Wallace's 
in das rechte Licht zu stellen. 

Unter den eingesandten Seltenheiten befindet sich endlich auch 
wieder llcnicopernis longicauda Less. ! Ferner Baza stenozona Gr., 
und zahlreiche Novitäten aus anderen Familien. Wallace steht im 
Begriffe , seinen Versuch das Innere von Neuguinea zu bereisen von 
einem anderen Punkte aus zu wiederholen. Wöge ihm das Glück so 
hold bleiben als bisher! 

G. R. Gray: „List of New-Caledonian Birds.« Pro- 
ceed. Zool. Soc. 1859. (Mit Einschluss der benachbarten 
Loyalty- Islands, der Isle of Pines und der Insel Nu.) 46 
Arten. 

Verschiedene Forster'sche Arten wurden jetzt zuerst wieder 
aufgefunden, so Turdus xanlhopus auf der Insel Nu, Muscicapa ca- 
ledonica Forst., Muscicapa xanthetraea Forst., Muscicapa naevia F., 
Coracias paeifica (eine Aplonis-Art) auf Nu; Columba holosericea auf 
der Isle of Pines u. s. w. Der interessanteste Vogel Neucaledcniens 
ist jedenfalls der ganz kürzlich nach Paris gelangte Ibisartige Rhino- 
chelos jubalus Verr. 



der Vögel nährend des Jahres 1859. 89 

G. R. Gray: „Catalogue of the Birds of the tropica] 
Islands of the Pacific Ocean in the collection of the British 
Museum." 1. Vol. Von hervorragender Wichtigkeit. Voll- 
ständige Synonymie und genaue Lokalitätsangabe. Begreift 
sämmtliche Inselgruppen zwischen dem 134" 0. L. und 
13° W. L. Neue Arten werden beschrieben. Am Schlüsse 
ein vortrefflicher Index. 



Accipitres. 

Ueber die .Raubvögel des östlichen Atlas" vergleiche 
man 0. Salvin Ibis 1. p. 184. 

J. H. Gurney giebt ein Verzeichniss von 16 Raub- 
vögelarlen von Beyrout in Syrien. Ibis I. p.389. 

Unter diesen befindet sich Buteo tachardus und Accipiler sphe- 
nurus Rüpp. 

Falconidae. „Falconry, its Claims, history and praclice, 
by G. E. Freeman and Capt. F. II. Salvin; wilh illustr. 
frora drawings by Wolf." London 1859. 

Neue Arten. Tiniiunculus saturatus blyth. .Moulmein. — Hypo- 
triorcltis ferrugineUM de Sauss. St. Domingo. Rev. zool. p. 117. pl. 3. 

— Elanus Itypoleucus üould I'roc. p. 127. Celebes. — Accipitcr ha~ 
plochrous Sei. Ibis I. pl. 8. Neucaledonien. 

Abbild. Faleo barbarus L. Ibis 1. pl. 6. p. 184. (F. puniceus 
Lcv.j. — Urubitinga schislacea Sundev. Transact. Zool. Soc. pl. 58. 

— Buteo umocercui ib. pl. 59. — Buteo fuliyinosus Sclat. ib. pl. (JO. 

Aslur macrouvvs Teuini. (I'el) wurde von Du Chaillu am 
Ugobai erlegt. 

Sirisidae. Ur. J. J. Kaup: „Monograph of the Stri- 
gidae." Transact. Zool. Soc. p.201. Sehr verspätet er- 
schienen und unvollständig. 

Kaup beschreibt sämmtliche ihm bekannte Arten, die neuen 
ausführlicher. Keine Synonymie. Glaucidiiim 8 Arten, Nyctalc 3 A., 
Athene 9 A., Surnia 3 A., Jeraglaux 14 A., Scops 17 A., Otus 10 A., 
Bubo 14 A. , Slrix 11 A., Syrniiim 16 A. Im Ganzen 105 Arten. 

.Nrn.- Allen. Stjntittm urriilcntale de Vcsey I'roc. Ac. l'hilad. 
p. |99. Korl Tejon in C'alilornien. Steht S. nebulosum nahe, ist aber 
kleiner. — Cieaaba lUgrolineata Sei. Proceed. p. l.'il und Transact. 
Zool. Soc. pl. (J3. Sudmt-xiko. 



90 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. iValurgeschichte 

Abbild. Gymnoglaux nudipss (Dcnd.). Ibis 1. pl. I. — Syrnivm 
(tlbitarse Gray. Transaet. Zool. Soc. pl. 60. — Scops ttsta Sei. ib. pl . 31 . 

— Scotopelia Peli Bp. Ibis pl. 15. p. 445- Die schöne Abbildung 
wurde nach einem lebenden Exemplare aus der Barrag egend am Gam- 
bia angefertigt. Du Chaillu erlegte diese ausserordentliche Form 
am Canimaflusse. 

v. Preen: „Ueber die Brehm'schen SchleieiUäuze." Kaum. 
p. 409. Zieht (vielleicht mit grossem Rechte) Alles in eine Art zu- 
sammen. 

Passeres. 

1. Fissirostres. 

Caprimulgidae. Neu: Ckordciles texensis Lawr. U. St. Mexic. 
Bound. Surv. Birds pl. (3. — Ototltrix Sodgsoni G. R. Gray Proceed. 
p. 101. Kepal. (Ann. and Mag. p. 4G5.) — Aegothetes Wallacei Gr. 
Proceed. p. 154. Neuguinea. 

Cypselidao. Neu: AcanthyUs semicollaris deSauss. Rev. p. 11N. 
Mexiko. — Dendrochelidon Wallacei G. H. Gray Proc. Zool. Soc- 
p. 100. Celebes. 

Ueber die Lebensweise von Panyptila melanoieuca Band vergl. 
O. Sal vin Ibis 1. p. 125. 

Hirundinidac Neu sind : Cotyh fuhipennis Sclat. l'roceed. p.364. 
Xalapa. — Hiruttdo cyanuviridis Bryant Bah. Birds p. 10. Gute zwi- 
schen II. thalassina und II. eaebrysea inmitten stehende Art. 

Meropidaö. Neu ist Jfferops Bretcert Cass. Proc. Acad. K. Soc. 
Philad. p. 14. Vom Ogobailluss. Eine der zahlreichen Entdeckungen 
Du Chaillu's. Typus unserer Gattung Archimerops, 

TrOgOnidaO. Abbild. Trogon nvexicamts Sw. in U. St. Mexic. 
Bound Surv. Birds pl. 11. 

Ueber Pharomachrtts paradisevs vergl. 0. Sal vin Ibis I. p. 132. 

Alcedinidae. Neue Art: Tanysiptera galathea G. R. Gray Pro- 
ceed. Z. S. p. 154. Dorey auf Neuguinea. YYallace (= T. Margare- 
thae F. Heine)) unterscheidet sieb in der Schwanzform von T. dea. 
— Halcyon leite opygia Verr. Beschr. in Gray Birds Tropic. Isl. p. 7. 
Salomoninseln. 

Abbild. Cerylc americana in U. St. Mexie. Bound. Surv. Birds 
pl. 7 ad. und juv. 

Eine hübsche iNotiz über das Nisten von Alcedo ispida in Eng- 
land gab J. Gould Proceed. Zool. Soc. 

Momotidae. Abbild. Prioni'es caentUceps in U. St. Mex. Bound. 
Surv. Birds pl. 8. 



Her Vögel während des Jahres 1859. 91 

1!. Tenuirostres. 

PromcropidcLC. Neu : Coereba carneipes Sei. Froeeed. p. 376. 
von Oaxaca. ■ — Conirostrum Fräseri Sclat. ib. von Cuenca. — Coe- 
reba lucida Sei. Ib. I. p. 14. Duenas. 

TrochiliddO. Neue Alten sollen sein: Amazilia ocai Gould Ann. 
and Hag. p. 96. Xalapa. — Calothorax pul ehr a Gould ib. Oaxaca. — 
Cyanotnyia violieeps G. ib. Oaxaca. — Cyanomyia sordtda 0. ib. 
Oaxaca. 

Von Gould's Prachtwerk erschienen part. 16 und 17. 
Bis jetzt wurden 270 Arten abgebildet. Der Schluss die- 
ser grossartigen monographischen Arbeit steht bevor. 

Abbild. Selasphorus platycercus in U. St. Mex. Bonnd. Surv. 
ßirds pl. 5. — Trochilus Alexandri ib. 

Lieber die Lebensweise von Cyanomyia cijanocephala, Thuuma- 
ttura enicura, Ama&ilia corpllirostris, Trochilus colubris in Guatemala 
vergleiche 0. Salvin Ibis I. p. 127. 

Ueber Eulampis chiorolaema und Orthorhynchus exilis auf Sl. 
Croix vergl. A. Newton Ibis I. p. 138. 

II. ßryaut's Trochilus baftamensis ist = Evelinae. 

Interessante biographische Notizen über einige Trocbiliden 
Ecuadors geben Dr. \V. J a in e s o n und L. Fräser Ibis I. p. 399 : 
Oreotrochilus chimborazo und pichincha , Lesbia amaryllis 3 l'ataguna 
gigas, Adelomyia melanogenys , Coeligena Wilson! , Eugenia impera- 
trix, Aglaeactis cupreipennis und lleliantha lutetiae. 

Moliphagidae. Neu sind : Enlomophila spilodera G. R. Gray 
l'rocced. p. 155. Uorey. — Glyciphila modesta Gray Ib. p. 160. Neu- 
caledonien. — Gl. poliotis Gi. ib. Loyalty-Islands. 

Certhiadao. (Furnarinae). Neu: Cinclodes bifasciatus Sei. Froc. 
Z. S. p. 44#. Bolivien. — (Synallaxinae) : Synallaxis propinqua v. 
Fclzeln Sitz.-ßcr. Kais. Ac. Wissensch. Bd. 34. p. 99. Brasilien. — fif. 
aiopecius Id. ib. — S- hypostieta Id. ib. p. 6. — Anabat es concolor 
Matt. Id. ib. — A. dendroculaptoides Tcimn. ib. — A. enjthrocercus 
v. Felz. ib. Brasilien. Cajenoe. — A. echinatus T. ib. — A. infktsca- 
tus T. ib. — ■ A. dimidiahU Felz. Brasilien, — A. rufopileatus Id. ib. 
— A< htrdinu* Watt. ib. — A. obscurus v. Felz. ib. (.'ajennt'. — Sy- 
naltasit anlisiensis Sei. Cu0DC8. — Anabat es suhalaris Sclat. Fro - 
rceil. p. 141. Ecuador. — A. temporalis Sei. ib. p. 141. Ecuador. — 
Synallaxis pudica Sei. Proceed. p. 191. Neugranada. — IS. stictviho- 
rax Sei. ib. p. 191. Ecuador. — S. sculala Sei. ib. Brasilien. 

I> <' ii d r o e o I a p l i n a e). Reo sind : Xiphoco4aptei ftnigrant 
S'l. Ihi I. p. IIb. Cent) alamei ika. - Dendrocincla anabalina Sei. 



92 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Proceed. p. 54. p!.150. — Vendromis erythropygia Sclat. Proceed. 
p. 366. Xalapa. — Dendromanes anabatimts Sei. Fror. p. 382. Oaxaca. 

— D. homochrous Sei. ibid. — Xenops niger IVatt. v. Pelz. Silz.-Ber. 
Acad. d. Wissensch. Bd. 34. Brasilien. — X. temiirostris v. Pelz. ib. 

— X. approximans v. Pelz. ibid. 

In der hier mehrfach erwähnten Arbeit A. v. Pelz ein über 
neue Arten der Gattungen Anabates , Synallaxis und Xenops werden 
zugleich zahlreiche biographische haudschr. Notizen Joh. Matte- 
re r's mitgetheilt. 

(Mcnurinae). Neu: Campylorhynchus jocosus Sei. Proceed. 
p. 371. Oaxaca. — C. affinis Xanlh. Proc. Ac. Philad. p. 299. Südca- 
lilornien. — Thryothorus felix Sei. ib. Oaxaca. — Cyphorkimis pu- 
silius Sei. ib. p. 373. — Troglodytes solstitialis Sei. Proc. p. 550. 
Ecuador. 

(Sittinae). Abbild. Nest und Eier von Sittella chrysoptera. 
Proceed. p. 351. 

III. Dentirostres. 

Lusciniadac. Neu ist: Parmoptila Woodhousei Cass. Proc. Ac. 
Philad. p.40. Cammäfloss. — Drymoica striätieeps Tristr. Ibis I. p.58. 
Alger. Sahara. — Sylvia deserlicola Tr. ib. — Lusciniopsis japonica 
Cass. Proc. Ac. Philad. 58. p. 194. Hacodadi. — L. Hendersonii Cass. 
ib. p. 193. Japan. — Abromis superciliaris Blyth. ffloulmain. — £«- 
prinodes schislaceus Cass. Proc. Ac. Phil. 59. p. 38. Cnimafl. West- 
afrika. — Camaroptera canieeps Cass. ib. — Sylctetta rirens Cass. 
ib. p. 38. Camnialluss. — Macrosphc/ius jlavicans Cass. ib. p.43. Cam- 
matluss. — Eiticurus »igrifrons Hodgs. Proceed. p. 102. Nepal. — 
Acantkiz-a ßavolateralis Gray Proceed. p. 161. Insel Nu. — Sylvia de- 
licatula Haiti. Ibis I. p. 340. pl. 10. iig. 1. Somaliland. VonHetiglin 
entdeckt. — Zosterops melanops Cray Catal. Birds Isl. Pacif. p. 15. 
Loyalty-lslands. — Z. xanlhovhroa Gr. Proceed. p. 161. Insel Nu. — 
Z. griseonota Gr. ib. Insel Nu. — Petroica hypoleuca Gr. Proc. p. 155. 
Dorey. — F. similis Cr. ib. Neue Hebrideu. — Saxicola philothamna 
Tristr. 1. c. p. 9. (= S. rufieeps Buvry.). — S. halopkila Tr. ib. — 
•S. homochroa Tr. ib. Tunesische Sahara. — Ilylophilus ochraeeieeps 
Sei. Proc. p. 375. Oaxaca. — Geoiltlypis speciosa Sei. Proc. Mexiko. 

Abbild. Lophophanes Wolltceberi Un. St. Mex. Bound. Surv. 
Birds pl. Ib. — Parotdes flaviceps Sundev. ib. — Psaltriparus mela- 
notis Sandb. ib. 

M. T a z k a n o w s k y : „Ueber das Nisten von Parus pendulimts 
im Königreich Polen." Rev. zool. p. 241. 

C. G. Löventj clm: „Ueber S. tithys u in Cfvers. Kongl. Vet. 
Handl. 1858, 



der Vögel wahrend des Jahres 1859- 93 

Bar. König - Warthausen: „Zur Fortpflanzungsgeschichte 
der Spottsänger (Hypolais).-' Bullet. Ac. N. de Mose. 32. p.238. Be- 
handelt II. olivetorum, elaeica, salicaria, cinerascens Sei., palliala und 
polyglülta. 

Turdidae. (Fo r m i cari n a e). — Neu : Mtjrmeciza exsul Sei. 
Ann. and Mag. p. 151. Panama. — Dasitkamnus otivaceus Sei. ib. 
Bolivien. — Murmelastts piumbeus Sei. Ann. p. 239. Bio-Javari — HL 
nigerriinus Sei. ib. — Dasitkamnus anicolor Sei. Proc. p. 141. Ecua- 
dor. — Formicivora caloptera Sei. ib. Ecuador. — Grallaria Michails 
Sei. Proc. p. 441. Rio-Kapo. 

(T u i' d i n a c). — Neu: Pitta ruficentris F. Heine Cab. Jouru. 
p. 406. Ins. Batschian. Wallace. — Cinclus cashmeriensis Gould rYo- 
ceed. p. 494. — C. sordidus Gould ib. Beide von Cashmere. — Geo- 
cichla eryihronota Sei. Ibis I. p. 113. Macassar. — Calharus occulen- 
talis Sei. Ann. Mag. p. 400. Oaxaca. — Harporhynchus cinereus Xanth. 
I. c. Cap. St. Lucas. — Turdus leucauchen Sei. Proc. 58. p. 447. Gua- 
temala. — T. pinicola Sei. ib. Me.xikan. Hochland. — Mimus baha- 
mensis Bryant 1. c. 

Abbild- Harporhynchus Lecontei Lawr. in U. St. Mex. Boitnd. 
Surv. Bilds pl. 12. — //. curvtrostris ib. pl. 13. — //. lomjirostris ib. 
pl. 14. 

P. L. Sclater: „A Synopsis of the Thrushes of tlie 
new world- in Proc. Zool. Soc. 1859. Giebt Beschreibun- 
gen sämmtliclier Arten und ist von grosser Bedeutung. 

Calharus 7 Arten, Turdus 39 A. , Cichlherminia 1 A. , Marga- 
rops 3A., Galcoscoptes 3A., Melanoplila 1A., Melanotis 2A., Rham- 
phociuelus 1 A., Cinelocerlhia 2A., Harporhynchus 6 A-, Oreoscoptes 
1 A., Mimus 20 A Zum Schluss ein geographisch-zoologischer Con- 
spectus sämmtlichcr Arten. 

Ueber Cichlherminia fuscala vergl. A. Newton Ibis I. p. 141. 
St. Croix. 

Ueber eine merkwürdige Anomalie im Ursprünge der Arteriae 
carotid. bei Pitta cyanura: Dr. Bernstein in Naluurk. Tydskr. v. 
Ncderl. Iudie. Vol. XIX. Uatavia 1859. 

R. F. Tonics: „Ueber ein Exemplar von Oreocincla aurett bei 
Stratford aru Avon erlegt." Ibis p. 379. Au.sführlieh Slernuni. 

(Oriolinae). — Ferdinand Heine beschreibt ausführlich 
Oriotut Broderipi Dp., Mimeta viridissima Bp. , M. Förstern Bp. von 
Cciam und als neu: IH. uiridifusca von Timor. Caban. Journ. p. 402. 

(T riebophori u ac). — Kcu sind : Sibia melanoleuca Blylh 
von Moiilmein. Journ • As. Soc Beug. — Peüarnswn TiehelUae Hl. ib. 

Ixuiitt striata* IJI. ib. Moiilmein. — Turdittus aultatus Bl. ib. — 

Trichophorus ahlorotiottsi Cast, Proc, Ac. I'hilad. p. 4.1. CanunafluM. 



94 H artin üb: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

Wuscicapidae. Neue Arten : Microeca conspicillala G. B. Gray 
Proceed. Z. S. p. 156. Dorey auf Neuguinea. — Myiayra perspicillala . 
Id. ib. Insel Nu. — My'tagra viridhiitens tir. ib. Loyally - Islands. — 
Myiagva rußventris Elliot Iltis I. p. 393. Samoagruppe. — Myiayra 
melanura Gray !. c, p. 63. Erromanga. — HI. modesta Gr. ib. Neu- 
Irland. 

Uebcr Todopsis cyanocepkala (Q, et Gaini.) vergl. G. K. Gray 
Proceed. Z. S. p. 156. Von Wallace auf Neuguinea gesammelt. 

Megabias bicolor Elliot ist ^ von M. flamtnulfltus. Ibis I. p.393. 

Tyrannidao. Neue Arten: Vireolanivs pulchellvs Sclat. Ibis. I. 
p. 12. — Cyclorhis ßatipectus Sclat. Proceed. Trinidad. Venezuela. 
Von Salvin aus Guatemala. — Vireo Josephae Sc). Proceed. p. 14.2. 
pl. 154. — Laniicireu crassirostris Bryant Bahamas. — Pachyrham- 
phus homochrous Sei. Proceed. p. 142. Ecuador. — Platypsuris affinis 
Elliot Ibis p. 394. pl. 13. Mexiko. — Tyranmtlus chrysops Sei. Proc. 
Z. S. Gualaquiza, Zamora. Fräser. — Sayornis aquatica Sei. Ib. I. 
p. 119. Duennas. — Empidonax albigularis Sei. ib. p. 172. Duennas. 

— E. bakamensis Bryant. Bahama'?. — E. bracliylarsus Sei. Ibis p. 441. 
Süd-Mexiko. — Elacnia griseogularis Sclat. Proceed. Z. S. p. 554. 
pl. 146. (ig. 1. Riobamba. — E. stictoptera Sei. ib. pl. 146. fig. 2. Ecua- 
dor. — E. placens Sei. Ibis p. 123. pl. 4. fig. 3. Guatemala, Mexiko. — 
»S\ viiissima Sei. ib. fig. 1. — Contopus mesoleucus Sei. Proceed. p. 43. 
Guatemala. — C. sordidulus Sei. ib. Guatemala. — Milrephorus phaeo- 
cercus Sei. ib. p. 44. Guatemala. Ibis I. p. 442. pl. . fig. 2. — Myio- 
nee t es assimilis Sei. ib. p. 46. Süd-Mexiko, Guatemala. — Myiodyna- 
sles nobilis Sei. ib. p.42. St. Martha. — Cyclorhnychus cinereieeps S.cl. 
Ibis. p. 443. Uaxaca. — ■ Tudiroslrum sckistachice.ps Sei. ib. p. 444. 
Oaxaca. — Pyroccphalus mexicanus Sei. Proc. p. 45. — Attila citrimi- 
centris Sclat. Proceed. p. 40. Ucayale. — Agriornis sollt aiia Sei. Proc. 
Titiacun. 

Abbild. Pachyrhamphus Aglajae U. St. Mex. Bound. Surv. Birds 
pl.'J. fig. 1. — Bathmidurus major ib. fig. 2. — Myiarchus Lairrencii 
ib. fig. 3. — Tyrannus roeiferus ib. pl. 10. — T. Couchii ib. pl. 11 

— T. mclanch oticus ib. (ig. 2. — Empidonax obscurus ib. fig. 3. — 
Camptostoma imberbe Ibis I. pl. 14. 

„A List of tiie Tyrant Birds of Mexico with desciiptions of 
some new species" by P. L. Sclat er. Ibis p. 436. Die Tyrannidae 
zerfallen bei Sclat er sehr natürlich in die Suhfamilien Atlilinae, 
Taeniopterinae, Tyranninae und Platyrbynchinae. 

Ueber Tyrannus dominicus vergl. A. Newton Ibis p.146. 

Taenioplera obscura von den Sandwichinseln wird von Scla- 
ter zur Gattung Phaeornis erhoben. 

P. L. Sclater: „Ueber die Gattung Attila." Proceed. p. 40. 



der Vögel während des Jahres 1859. 95 

6 Arten. Neben Attila stellt Sclater die Gattung Casiornis (Mus- 
Cicapa rubra Vieill.). 

Ampelidae. Neue Arten : CephalopUrus pendnliger Selat. Ibis 
p. 114. pl. 3. Ecuador. (Fräser.) — Rupicola sangüinolenta Gould Pro- 
ceed. p. 99. Ecuador. — Euchlornis frontalis Sei. Proc. 58. p.44fi. 
Bolivien. — Lipavgus unirufus Sei. Proceed. p. 385. Oaxaca. — Pa- 
chycepht/Ia rit-ietisis Gray Calal. Bilds Trop. - Isl. Pacif. p. 21. — Eio- 
psaltria rucullata Gr. ib. p. 21. — E. variegata Gray Proceed. p. 162. 
Insel Nu. 

Abbild. Ei von Bombyeilla garrulus in Cab. Journ. 185'J. 1.1. 
(Vergl. darüber B a 1 da m u s in SVauin. p. 498.) 

Gustav Radde sah Flüge von Bombyeilla garrulus am Amur. 

„Kotes sur les deux especes de Cephalopterus par AI. 0. Des- 
murs." Rev. et Mag p. 193. Sclater sucht mit Hecht die hier 
ausgesprochene Ansicht zu widerlegen, dass C glabricollis nur der 
ganz alte ornatus sei. lieber penduliger kein Zweifel möglich. 

Laniadac. Fr. Moore zieht jetzt Lophociita galericulata, co- 
ronata und ardesiaea als <f $ und juv. in eine sehr weitverbreitete 
Art zusammen. 

CorvidäC. Neue Arten : Conus fvscicapillus G. 11. Gray Prot-. 
p. 157. Von Wallace auf Neuguinea gesammelt. Verschieden von 
('. onu. — Conus inlermedivs L.Adams Proceed. p. 171. Zwischen 
eorone und monedula. 

Heber Gazzola typica Bp. vcrgl. Sclater Ibis 1. p. 113. Wal- 
lace fand diese Art auf Hacassar. 

Abbild. Cyanocitta Woodhousei in U. St. Mex. Bouud. Surr. 
Birds pl. 21. — C. sordida ib. — C. ultramarina ib. pl. 22. 

H. A. Juug : bescriptio plexuum abdoininalium nervosorum tu 
Corvo curnice. Greifsw. 8. 28 S. 

IV. Conirostres. 

Sturnidac. Neu sind: Quitcalu» Sumickrasti de Sauss. Rev. et 
51 ag. p. liy. Mexiko. — Aplonia atronitem G. R. Giay Proceed. 
p. 164. Loya Ity- Kl and. — Aplonis ctridigrisea Gr. ib. — Nesopsar 
nigerrimui Sei. Ibis I. p, 417. Janiai ca- — Sturnopastor niger lil. T. 
At. S. of Beug. Audemaoen ? ■ — Lttmprocolius sycobius Pet. Haiti. 
Cab. Journ. p. 19. Mossarabique. — L. abyssinicus Hart!, ibid. p. 31. 

Abbild. Icterus pnrisorum in U. St. Hex. Bound. Surv. Birds 
pl. 1!). — Quiicahti macrourus ib. pl. 20. 

Referent veröffentlichte eine monographische Arbeit über die 
„GIlDMuMre (Lainpi utomilhinae)" in Cab. Journ. p.l. 86S. Lantpiu- 
t-.iMi 5 Arten, Lamprocolios 15 A., Notaugrs 4 A., Pholfdauges 1 A., 



96 Hartlaub: Bericht üb. <1. Leistungen in d. Katurgeschichte 

Fsilorhinus 1 A., Amydrus 5A., Oligomydrus 1 A. und Onychognathus 
2 Arten. (34 Arten, wovon 24 in der Bremer Sammlung.) 

Fringillidae. (Ploceinae). — Keue Arten: Sycobius Cassi- 
nii Eliiot Ibis I. p. 393. Gabon. — Sycobius nuchalis E. ib. — Hy- 
phanlornis cinctus Cass. Proc. As. Philad. p. 133. Cammafl. WestafriUa. 

(Fri n gi 1 1 i na e). — Reue Arten: Phrygilus ocidaris Sei. Pio- 
ceed. Z. S. pl. 145. Cuenca. — Catamenia homochroa Sclat. Proc. 
p. 552. Matos. — Fringilla Moreleti Pucher. lnstit. Kr. 1310. Azoren, 
und Rev. et Mag. p. 409. pl. 16. Verwandt mit F. teydea. — Orizo- 
borus funer eus Sei. Proceed. p. 378. Oaxaca. — Spermopliila. corvina 
Sei. ib. — Montifrinyilla Adamsi Moore Proceed. Z. S. pl. 156. p. 178. 

Hesperiphona verpertina wurde im nördlichen Illinois erlegt. 
Cass. Proc. A. Phil. 58. p. 191. 

Puc heran 1. c. über die grössere Rasse des Dompfaffen (Pyrr- 
hula coccinea). 

Dr. C. Bolle: „Der Wüstentionipeter (Pyrrhiila gilhaginea)" 
in Kaum. p. 369. Zu den befähigtsten ornithologischen Capaciläten 
auf dem Felde anmuthiger und doch acht wissenschaftlicher Darstel- 
lung Kahlen wir den Verfasser dieser vortrefflichen Kleinen Mono- 
graphie. Man liest und lernt mit wahrem Vergnügen. Vergl. dazu 
Dr. A. Brehm in Cab. Joum. VII. p. 469. 

Referent gab eine Kotiz über die Gattung Erythrura. Pro- 
ceed. Zool. Soc. 58. p. 461. Es wurden 8 Arten aufgezahlt. 

Dr. J. Hofmann: „Zur Katurgeschichte von Frinyilla seri- 
nus" in Kaum. p. 337. 

Dr. C. Bolle: „lieber die Fortpflanzung einiger Amadinen in 
der Gefangenschaft" in Cab. Journ. Heft 1. 

(Tanagrin ae). — Kcu : Euphonia cyanodorsalis Dubois Rev. 
et Mag. p. 50. pl. 2. Guatemala. — Buarremon caslaneiceps Sei. Pro- 
ceed. p.441. Rio-Kapo. 

(Em ber i z i n ae). — ■ C. G. Lövenhjelm über Plectrophanes 
lapponica. Üfvers. Kongl. Vetens. F'örhandl. 1858. 

Emberiza aurcola sieht man bei kalter Witterung schaarenweise 
um Moulmein. Blyth. 

(Alaudinae). — Neu: Alauda coelirox Swinhoe. Kordchina, 
Fonnosa Zoologist p. 6723. — Certhilauda Sah-ini Trist. Ibis I. p. 57. 
Alger. Sahara. — Galcrida macrorhyncha Tr. ibid. Kördl. Alger. Sa- 
hara. — G. arenicola Tr. ih. — Calandrella reboudia Loche ibid. 

Ueber die Lerchen Algeriens vergleiche man Tristram im 
Ibis I. p.421 bis 433. 

BUCOridae. Beiträge zu unserer Kennlniss der Nashornvögel 
Sumatras giehl ein Herr v. B ose üb er g in Act. Soc' seiest. Ind. 



der Vögel während des Jahres 1859. 97 

Neerl. Vol. III. Er kennt 11 Arien. B. gracilis Temm. ist bekannt- 
lich der junge corrugatus. 

Scansores. 

Psittacidae. Die wichtigste Arbeit, deren wir hier zu 
gedenken haben, ist G. R. Gray's ungemein fleissig zu- 
sammengestelltes Buch : .List of the specimens of Psittaci- 
dae in the collection of the British Museum." 110 S. 

Umfasst sämnitliche Arten und giebt die Beschreibungen eini- 
ger neuen. 313 Arten befinden sich im Britischen Museum. Auf den 
synonymischen Theil ist viel Mühe verwendet. Pezoporinae 87 Arten, 
Arinae 82 A. , Loriinae 69 A., Psittacinae 108 A., Cacatuinae 34 A. — 
In der neuen AVeit kennt man 151, in der alten 229 Arten. 

Charles de Souance's „Iconographie des Perro- 
quet's non iigures dans les public de Levaillant et Bourj. 
St. Hilaire" ist mit dem 12ten Hefte abgebrochen und ge- 
schlossen. Leider! 

Neue Arten: Platycercus Cookii G. K. (iray 1. c. Neuseeland. 
Conurus roseifrons Gr. ib. p.42. Vom Amazonas. — Conurus holo- 
elilorus Sclat. Ann. and Mag. p. 224. Jalapa. — Conurus xantholaemus 
Sclat. ibid. Insel St. Thomas. — Lorius hypoinochrous Gray I.e. Loui- 
siadearchipe). — Trichoglossus Milchelii Gr. ib. p. 62. — Psittacus 
Yukcsii Gray ib. Timor. — Psittacula Sclateri Gr. ib. p. 86. Rio-Ja- 
vari. — Cliarmosyna pulchella Gr. ib. Dorey auf Neuguinea. AVallace. 

AVallace's briefliche Mitlheilungen über die Papageien des 
Papuaarchipels und der Molukken sind im hohen Grade interessant. 
Er fand Eos fuscata Bl. auf Neuguinea. Lorius supeibus Fräser 
scheint nur auf der Insel Jobie, Eos cyanogenia nur auf den Mavors- 
loseln vorzukommen. (Ibis I. p. 211.) 

Palaeornis ncglectus Blyth von Moulmein scheint doch schliess- 
lich nur Alexandra zu sein. J. As. Soc. of Beng. 

Piridae. Vor uns liegt die erste Lieferung von A. 
Mal herb c's längst erwartetem grossen monographischen 
Kupferwerke über die Spechte: .Monographie des Picidees." 
I. Fol. max. Mit 5 Tafeln. 

Enthaltend die Abbildungen von Megapicui imperialis r? und $ 
in I.ehensgrösse , M. prineipatit sehr klein; pl. 2 : M. magellttnicus 
rf % J.ebensgr. p). 3 : M. Bqiei Lrbcnsgr. und M. rubustus ganz klein. 
pl. 4: M. albirostril und pl. 5; Hl. Grayi Malt. — Der Text zu die- 
sem Weike entsprich! im Allgemeinen den Erwartungen, welche mit 
Recht an Malherbe gestellt werden konnten. Malherbe erstrebt 
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. ü 



98 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte 

möglichste Vollständigkeit in jeder Hinsicht. Er kennt die Litteratur 
wie Wenige, und ist immer bemüht strenge Critik zu üben. Das Ma- 
terial, welches ihm zu Gebote stand, ist ungeheuer. Die Abbildun- 
gen sind durchaus treu und das bleibt jedenfalls die Hauptsache. Ein- 
zelne Arten lebensgross und andere nach sehr reducirtem Maass- 
stabe abzubilden, erscheint mindestens sehr bedenklich. — Das ganze 
Werk ist, wenn schon nützlich und verdienstlich, im hohen Grade 
unschön. Ein grosser Uebelstand bei einem modernen ornithologi- 
srhen Kupferwerke ! 

Neue Arten : Chloronerpes sanguinolentus Sei. Proceed. p. 61. 
pl. 151. Omoa. — Picks lucusanus Xanth. Proc. Acad. Philad. p. 298. 
Cap St. Lucas in Californien. — Picus alralus Blyth J. As. Soc. Beng. 
Vol. 18. p. 803. Moulmein. — Picus andamensis Bl. ib. dem analis 
nächst verwandt. 

Cuculidao. Neue Arten : Chrysococcyx minulillvs Gould Proc. 
p. 128. Port Essington. — Cacomanlis bronzinus G. R. Gray Proceed. 
p. 164. Insel Nu. — Piaya therthophila Sclat. Proc. 370. Jalapa. 

Ueber Brutgeschäft und Eier von Oxyloplius glandarius vergl. 
Tristram Ibis I. p. 76. c. fig. ov. Legt nie in fremde Nester, wenn 
diese noch bewohnt sind. — W. Schlüter: „Zweifel am Nichtbrü- 
ten des Oxylophus glandarius." Cab. Journ. Heft 3. 

Vergl. Osbert Salvin: über Piaja erythropygia. Ibis p. 133. 
Dieser Kukuk singt merkwürdiger Weise recht gut. 

Ueber Crotophaga ani auf St. Croix vergl. E. Newton Ibis I. 
p. 148. 

Ueber die Lebensweise von Scythrops schreibt sehr interessant 
G. Bennett Proceed. Zool. Soc. 1859 u. Ann. and Mag. N. H. p.514. 
Fortpllanzungsweise ganz kukuksartig. Ein junger Nestvogel Hess 
sich in der Voliere durch Dacelo füttern. 

G. Ben nett: „Notes on Australian Cuckoos." Proceed. Z. S. 
p. 220. Chrysococcyx lucidus legt in dasNest von Rh'pidura albiscapa 
und Cuculus inornatus in das von IWalurus cyaneus. 

Ueber „Monorchie bei Centropus affinis Horsf. und C. medius 
Müll." schreibt Dr. Bernstein Natuurl. Tydskr. van Nederl. Indie. 
Vol. 21. c. fig. 

Pf. Snell: »Zur Hypothese über die verschiedene Färbung und 
langsame F.ntwickelung der Kukukseier." Cab. Journ. Heft 3. 

Colnmbae. 

Von Ch. Bonaparte: „Iconographie des Pigeons non 
fifruies par Mad. Knip etc. sahen wir ein Utes Heft. 

Neue Arten : Colmnba unicineta Cass. Proc. As. Philad. p. 143. 



der Vögel während des Jahres 1859. 99 

Ogobaifluss. — Columba nigrirostris Sei. Proc. Z. S. p. 391. Oaxaca. 
— Carpophaga golialh Gray Proc. Z. S. p. 165. pl. 155. Isle of Pines. 

Abbild. Col. flavirostris in U. St. Mex. Bound. Surv. Birds p!. 23. 

Nach Wallace kommt Goura Victoriae auf Jobie-Island vor. 

Eudes-Deslongchamp: „Ueber Serresius gnleatus von 
den Marquesas." Memoir. Soc. Linn. de Norm. Specieller über das 
Skelett. 

Fr. Moore: „Ueber Columba rupeslris Pall. Centralasiens." 
Proceed. p. 400. 

B. P. Brent: „The Pigeon-book etc." London 12. HOSeiten. 

Gallinae. 

Neue Arten: Tinamus Boucardi Salle Proceed. Z. S. p. 391. 
Oaxaca. — Km. meserythrus Sclat. ib. Oaxaca. — Ortyx Leylandii 
Moore Proc. Z. S. p. 62- Honduras. — ■ Odontophorus erylhrops Gould 
Proceed. p. 99. Ecuador. Fräser. — Excalfactoria minima Gould Proc. 
p. 128. Celebes. Wallace. — Phoenicoperdix chloropus Blyth J. As. S. 
Beng. Moulmein. 

Abbild. Ortyx texanus in U. St. Mex. Bound. Serv. Birds p].24. 
— ■ Diardigallus fasciolahis Blyth von Borneo. Journ. As. S. Beng. 
Vol. 27. (Ibis I. p. 114.) — Phasidus niger Cass. in Journ. Acad. N. 
Sc. of Philad. 1859. pl. 3. — Nutnida plumifera Cass. ibid. pl. 2. 

„On the Indian Pheasants bred in the Menagerie of the Zool. 
Soc. by D. W. Mitchell." Proceed. Z. S. 58. p. 544. Behandelt 
Gallophasis alboeristatus, G. Horsfieldli, G. melanotus, Catreus Walli- 
chii , l.ophophorus iinpeyanus. Abgebildet sind die Jungen von G. 
Horsfieldii und alboeristatus auf pl. 148 und die von Loph. impeya- 
nus und Catreus Wallichii auf pl. 149. Ebendaselbst die Eier. 

Gute Notizen über die „Principal Game Birds of the Himalaja," 
nämlich über Tragopan mclanocephalus, Lophophorus impeyanus, Pu- 
crasia macrolopha, Catreus Wallichii, Galloph. alboeristatus und IV 
traogallus Nigelli enthalt das Sporting Magazine für Juli und Sep- 
tember. 

Barthelemy de 1 a Po m m e r a ye : „Ueber die Fortpflanzung 
und Zucht der llocco's." Bullet. Soc. Imp. d'aeclimat. Vol. V. 

Ueber Tinamus major Gm. und Meleagris ocellata in Honduras 
vergl. Moore Proceed. Z. S. p. 62, 63. 

Syrrhaptes paradoxus wurde in Norfolk geschossen. Ibis 1. p. 471. 
L eo n- B e rlra n d : Du Faisan considere dans 1'tHat de nature 
et dans l'etat de domestication etc. Paris. 32 S. 

Ii. II. C. Taioro: „De la cria de gallinas, palomas y pavos, 
de au aliinento et propagacion etc." Madrid. 148 S. 



100 Harllaub: Bericht üb. <i. Leistungen in d. Katurgeschichte 

C. Löffler: „Die in Deutschland vorkommenden verschiede- 
nen Rassen des Haushuhns.'' Berlin. 122 S. Mit color. Abb. 

C. Löffler: „Versuch einer Classification sämmtlicher Hühner- 
rassen." Berlin. 27 S. 

C. Löflter: „Die Zucht der ausländischen Hühner in Deutsch* 
land" mit 27 color. Ahbil. 122 S. 

Struthiones. 

Neue Arten: Dromaius irroratus Sei. Lebend ini zoolog. Gar- 
ten. Bartl. Proceed. p. 205. — Casuarius vniappendiculatus Blyth J. 
As. Soc. of Bcng. Gute Art. — Casuarius Incarunculatus Sei. Lebend 
in London. Gute Art. 

Eine interessante Mittheilung über den afrikanischen Strauss 
von Dr. Gosse im Bullet. Soc. Imp. d'aeclimatis. Vol. IV. (1857). 

Flore nt Prevost: „Ueber die Acclimatisation und Fortpflan- 
zung des neuholliindischen Casuar's." Ibid. 

Von Casuarius Bennetti sind neue Exemplare in England an- 
gelangt. Auch Eier , die wesentlich von gewöhnlichen Casuareiern 
abweichen. 

G. Bennett: „Bemerkungen über den Mooruck (C. Bennettii)." 
Proc. Zool. Soc. p. 39. Lebensweise in der Gefangenschaft. Eier. 

W. J. Broderip: „Additional evidence relative to the Dodo." 
Transact. Zool. Soc. IV. p. 183. In Abraham Wolfgangh's holländi- 
scher Uehersetzung der Naturgeschichte des Plinius Secundus (Am- 
sterdam 1662) findet sich auf pl. L1V ein hübsches kleines Bild des 
Dodo uach Roland Savery. 

II. G. Strickland: „On some bones of Birds allied to tbe 
Dodo." Ibid. p. 187, mit pl. 55. Von Rodriguez. 

„Notice of an original Painting including a figure of the Dodo 
in the collection of the duke of Northuniberland." Ibid. Mit Copie 
in Holzschnitt. Sehr gute Zeichnung von Jean Goimare und J. D. 
de Heem. 

Grallae. 

Gruidae. Jules Verreaux über Grus caruneulata. Bullet. 
Soc. Imper. d'acclimat. Vol. III. (1856.) 

J. Wolley: „Ueber das Brüten von Grus cinerea in Lappland. " 
litis I. p. 191. Im hohen Grade anziehend geschrieben. Der talent- 
volle englische Naturforscher John Wolley ist in der Blüthe seines 
Lebens gestorben. A. Newton hat dem Freunde einen schönen von 
Herzen kommenden Nachruf gewidmet. Ibis II. p. 172. 

Ardeidae. Neue Arten: Tiyrisoma Cabanisi F. Heine Gab. Journ. 



der Vögel während des Jahres 1859. 101 

p. 407. Mexiko. — Arrlea albolineata G. R. Gray Proceed. Z. S. p. 166. 
Isle of Pines. 

G. Bennett: „Ueber die Lebensweise von Mycleria australis.'' 
Proceed. Z. S. p. 47. Sehr interessant. 

„Oologische Betrachtungen über Ualaeniceps von 0. D e s M u rs." 
Rev. et Mag. p. 477. Beschreibung der Eier. 

Scolopacidae. Sclater kennt ein Exemplar von Euriitorky»- 
chus pynmaeus im Sommerkleide, „head neck and breast rufous." 
Stammt sehr wahrscheinlich von den nördlichen Küsten Asiens her. 
Ibis II. 

Pfarrer Jäckel: „Ueber das Schnurren der Becassinen." Kaum. 
p. 490. 

Ueber Phalaropus lobatus im Winterkleide bei Calcutta und über 
Lobipes hyperboreus im Winterkleide bei Madras geschossen, vergl. 
Blyth in litt. Ibis I. p. 464. 

E. Blyth will den Macrorhamphus semipalmatus Indiens sogar 
generisch von dem M. griseus Nordamerikas unterscheiden. Er schlägt 
für ihn die generische Benennung Pseudoscolopax vor. 

Rallidae. Neue Ai t : Gallinula pumila Sei. Port Katal. Ibis 
p. 249. pl. 7. 

Ebendaselbst sehr instruetiv über Podica Pelersii nob. Diese 
ausgezeichnete Art ist um Katal selten. 

Blyth erhielt Podica personata von Moulmcin. Beschreib, im 
Journ. As. Soc. Beng. p. 29. 

„Zur Oophagie der Rallen" von Dr. C. Bolle. Caban. Journ. 
Ilefi 3. 

Anseres. 

Als neu wild beschrieben : Bernicla Uticolaema A. Murray New 
Edinb. Philos. Journ. April 1859. 

J. Wolley: „Ueber das Brüten von Mergus albellus in I.app- 
Iand a im Ibis I. p. 71. Zu dem besten in diesem Genre gehörig. 

A. Strickland: „On tlie British Wild Geesc." Ann. and 
Magaz. N. II. p. 121. Wichtig, mit Abbildungen der Köpfe und Schnä- 
bel. Es werden unterschieden: 1) A. albifrons. 2) A. ferus, Gould 
p. 347, 3) A. segetum (Bean Goose mit kurzem starken hohen Schnabel 
und 4) A. paluilosus Str. Gould p. 348. Mit langem schwachen Schna- 
bel. Die Schnabelfaibung variirt stark. 

I.a» rciice: «Ueber die Fortpflanzung und Zucht von Anas 
galcriculata." Bullet. Soc. Impcr. d'aeclimat. Vol. V. 

Anas i|ueri|uedula brütet bei Mnulmein. Tickeil in J. As. Soc. 
of Beng. Vol. 29. 



102 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgesch. d. Vögel etc. 

A. Newton: „Ueber Anas histrionica." Ibis I. p. 162. 

Ueber ein Männchen von Anas penelope im Kleide des Weib- 
chen's schreibt Louis Roget Rev. et Mag. p. 145. c. fig. pl. 6. 

Anas maxitna Gosse wurde bei Jalapa erlegt. Sclat. Proceed. 
Zool. Soc. p.369. 

A. Langman: „Zur Naturgeschichte des Mergus rnerganser" 
in Giebel Naturg. Zeitschr. S. 11. 

G. Bennett: „On tlie semipalmated Goose." Proc. Z. S. p. 39. 
Biographie. 

P. I.. Sclat er hatte Gelegenheit an lebenden Exemplaren des 
zoologischen Gartens in London die specifische Verschiedenheit der 
östlichen und westlichen Plectropterus-Art zu erkennen. Er unterschei- 
det die erstere unter dem Namen PI- Rüppelli. Beide Arten abgebildet 
auf pl. 153. Wir haben uns von der Richtigkeit dieser Beobachtung 
an Ort und Stelle überzeugt. Clapperton's Exemplar aus Centralafrika 
im brittischen Museum gehört eben dieser Art an. 

Colymbidao. Neu scheint zu sein: Colymbus Adamsi G. R.Gray 
in Proceed. Z. S. p. 167. Russisches Amerika. Gurney und Scla- 
ter möchten den Vogel für ein ungewöhnlich altes Exemplar von C. 
glacialis halten. Proceed. p. 206. 

Procollaridae. Neue Art: Thalassittroma gracilis Elliot. Ibis I. 
p. 591. Chili. 

Ueber Puffinus obscuvus, dessen Fortpflanzung und Fang auf den 
Inseln der Bassstrasse. Ibis 1. p. 397. 

Pelecaüidae. Als neu wird beschrieben: Graculus elegans Phi- 
lipp] in diesem Arch. p. 305. Chiloe. (Scheint uns nur cirrhatus zu sein.) 

G. C. Taylor: „Ueber eine Brutlokalität der Fregatte." Ibis I. 
p. 150. (Bird Island in der Bucht von Fonseka, Honduras.) 

Laridao. Gama roseitenlris Gould ist Mcyen's L. glaucodes 
Falklandinseln. 

Ueber die Möven der „Zoographia Rosso-Asiatica" schreibt 
Blasius Naumannia p. 303. 

Catarrhacles pomarinus wurde bei Moulmein erlegt nach Ti- 
ck eil. Ibis I. p. 464. 



Bericht Aber die wissenschaftlichen Leistungen in der 

Naturgeschichte der niederen Thiere während des 

Jahres 1859. 



Von 

Dr. lluil. Leuckart, 
Professor in Giessen. 



Der unter dem Separattitel : essay on Classification 
erschienene und schon früher von uns (J. B. XXIII. S. 167) 
angezeigte erste Band von Agassiz's Contribulions of 
nat. hist. united states — der zweite und dritte ebenfalls 
erschienene Band dieser kostbaren Sammlung handelt über 
Schildkrölen und deren Entwicklung — ist vom Verf. jetzt 
auch als selbstständiges Werk (London 1859, in Octav) 
herausgegeben und mit einem Capitel über die Analogieen 
zwischen den natürlichen Gruppen der einzelnen Abthei- 
lungen des Thierreichs vermehrt worden. 

Gegenbaur veröffentlicht „Grundzüge der verglei- 
chenden Anatomie" (606 Seiten in gross Octav, mit 198 Ab- 
bildungen in Holzschnitt , Leipzig 1859) , ein vortreffliches 
Werk, in dem Verf. den Versuch macht, den gesammten 
Inhalt unserer heutigen Kenntniss über den Bau der Thiere 
vom morphologischen Standpunkte aus zu ordnen und über- 
sichtlich zusammenzustellen. In der Einleitung handelt Verf. 
von den Thieren und der thierischen Organisation im All- 
gemeinen; er setzt sodann seine Ansichten über die Typen 
des Thierreichs aus einander (Prolozoa, Coclenlerata, Echi- 
nodermata, Vermes, Arlhropoda, Mollusca, Verlebrala) und 
schildert einen jeden dieser Typen einzeln nach seinen 
Organengruppen. 



104 Leuchart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte 

van Beneden liefert in der mit P. Gervais ge- 
meinschaftlich herausgegebenen Zoologie medicale (11. Vol. 
in Octav, 540 und 445 Seiten Paris 1859) eine Uebersicht 
des gesammten Thierreichs mit besonderer Berücksichtigung 
der den Medianer inleressirenden Thierformen, namentlich 
der Eingeweidewürmer. Als obersten Abtheilungen begeg- 
nen wir auch hier den schon im letzten Jahresberichte 
erwähnten drei Kreisen , den Hypocotyleen oder Vertebra- 
ten , den Epicotyleen oder Articulaten (Insecta L.) und den 
Allocolyleen oder Mollusco-Radiaten (Vermes L.) , dreien 
Abtheilungen, die sich in gleicher Weise durch das La- 
genverhältniss des Dotters zum Embryo, wie auch später- 
hin durch gewisse anatomische Eigentümlichkeiten von 
einander unterscheiden sollen. Die Allocotyleen , die uns 
hier besonders interessiren, werden dabei als Thiere cha- 
rakterisirt : „dont la vitellus ne rentre ni par la face su- 
perieure , ni par le face inferieure du corps , dont le Sy- 
steme nerveux est la plus souvent forme du collier oeso- 
phagien sans serie ganglionnaire en forme de chaine sous- 
inlestinale, qui n'ont pas des pattes articulees et sont gc- 
neralement cilies pendant leur etat embryonnaire (Vol. I. 
p.XI). In dem Kreise dieser Thiere unterscheidet Verf. 
5 Typen : die Mollusken, Würmer , Echinodermen, Polypen 
(= Coelenteraten Lt.), Protozoen, die einzeln wiederum in 
eine Anzahl von Classen zerfällt werden. 

Von Bronn erhielten wir die ersten Lieferungen 
eines grösseren iconographisch- zoologischen Werkes: die 
Classen und Ordnungen des Thierreiches , w issenschafllich 
dargestellt in Wort und Bild. (Leipzig und Heidelberg 1859. 
Gross Octav, Bd. 1. 142 S. mit 12 lithographirten Tafeln, 
die Amorphozoen = Protozoen enthaltend, Bd. IL, die Ra- 
diaten betreffend , noch unvollendet). Eine fleissige und 
gewandte Verarbeitung des vorhandenen Materials, die durch 
Wiedergabe der wichtigsten neueren Forschungen und Re- 
produetion der bessern , sonst meist in Monographien zer- 
streuten Abbildungen gewiss dazu beitragen wird, den ge- 
genwärtigen Inhalt unserer Wissenschaft in weiteren Krei- 
sen bekannt zu machen. Der Detailforscher vermisst frei- 



der niederen Thiere währeod des Jahres 1859. 105 

lieh hier und da die Schärfe der Critik und die richtige 
Beurtheilung widerstreitender Angaben. 

Troschel publicirt die fünfte Auflage seines bekann- 
ten Handbuchs der Zoologie , in der namentlich auch die 
Systematik der niederen Thiere in zeitgemässer Weise ge- 
ändert ist. 

Ebenso beendigt Leunis mit der dritten, den niede- 
ren Thieren gewidmeten Lieferung die Herausgabe seiner 
„Synopsis der Naturgeschichte des Thierreiches" (II. Aufl.), 
in der gleichfalls den neueren Entdeckungen gebührende 
Rechnung getragen ist. 

Schmarda beginnt die Beschreibung der von ihm 
während einer vierjährigen Reise um die Erde (1853 — 1857), 
besonders in Ceylan, Neu-Süd-Wales, am Cap und in Cen- 
Iralamerika beobachteten wirbellosen Thiere, deren Gcsammt- 
menge sich trotz vielfacher Verluste (30 — 40%) noch im- 
mer auf mehrere Tausende beläuft. Der erste Band ent- 
hält die Turbellarien, Rolalorien und Anneliden, im Ganzen 
340Species, die mit höchstens 10 Ausnahmen alle neu sind. 
Bis jetzt ist nur die erste Hälfte dieses Bandes mit den 
Turbellarien (98 Sp.) und Rotatorien (51 Sp.) erschienen; 
kurze Diagnosen und Beschreibungen , die durch colorirte, 
zum grossen Theile (besonders bei den Dendrocoelen) vor- 
treffliche Abbildungen illustrirl sind. Für die Arlenkennt- 
niss ist das Sc h ma r d a'sche Merk von höchster Bedeu- 
tung (in manchen Gruppen hebt sich die Zahl der bekann- 
ten Species dadurch um 50%, z. B. bei den Dendrocoelen), 
nicht minder auch für die Lehre von der geographischen 
Verbreitung der Thiere — um so mehr aber bedauern wir 
es, dass der Verf. durch die Flucht der Erlebnisse daran 
gehindert wurde , unsere Wissenschalt auch in anderen 
Richtungen, durch anatomische und embryologische Forschun- 
gen , zu bereichern. (Neue wirbellose Thiere , beobachtet 
und gesammelt auf einer Reise um die Erde von L. 
Schmarda. Erster Band, Turbellarien, Rotatorien und 
Anneliden. Erste Hallte, G5 S. in klein Folio, mit 15 illu- 
minirlen Kupfertafeln und Holzschnitten. Leipzig 1859.) 

Inlercssanl ist, aus den Untersuchungen des Verf. zu ersehen, 



106 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte 

dass die mikroskopische Süsswasserfanna einen viel gleichmässige- 
ren Charakter behält, als man früher vermuthete. Stentoren , Hydren, 
Daphniaden , Rotiferen , Rhabdocoelen fanden sich fast überall, wo 
Verf. darnach suchte, in Neu-Seeland, wie in Chili — ja zum Theil 
sind es sogar dieselben Arten, durch welche diese Thierformen dort 
vertreten werden, so dass Verf. „auch in der weitesten Ferne an die 
Fauna des Wiener Parkes oder Berliner Thiergartens errinnert wurde." 

Bei dieser Gelegenheit sei übrigens noch nachträglich 
erwähnt, dass Schmarda schon vor einigen Jahren eine 
Reihe von Mittheilungen über die niederen wasserbewoh- 
nenden Thiere Aegyptens gemacht hat : zur Naturgeschichte 
Aegyptens in den Denkschriften der K. K. Akad. zu Wien 
1854. II. S. 1—28 mit 7 Tafeln in Quart. 

Mettenheime r's „Beobachtungen über niedere See- 
thiere" (Abhandl. der Senkenberg'schen naturf. Gesellschaft 
Bd. III. S. 287—312 mit 3 Tafeln Abbildungen in Quart) 
beziehen sich vorzugsweise auf Würmer, Seesterne , Qual- 
len und Infusorien , und werden unten noch mehrfach von 
uns angezogen werden. 

Grube liefert einen vorläufigen Bericht über die 
Fauna des Quarnero, mit besonderer Berücksichtigung der 
wirbellosen Thiere, 37. Jahresber. der schlesischen Gesell- 
schaft fürvaterl. Cult. S. 19. 

W r i g h t und G r e e n e handeln über die marine Fauna 
der Süd- Westküste Irlands, besonders die dort vorkom- 
menden Echinodermen und Polypen. Bep. br. assoc. held 
1858. p. 176. Wie reich die dortige Fauna ist, geht auch 
aus der schon vor einigen Jahren von W. Thompson 
herausgegebenen Nat. hist. of Ireland hervor, deren vierter 
Band (1856) 95 Anneliden, 55 Echinodermen, 31 Akalephen, 
71 Anthozoen, 96 Bryozoen, 30 Foraminiferen und 34 Po- 
riferen aufführt. 

Auch Gosse's marine Zoologie (VoLI. London 1858) 
enthält eine Aufzählung der bisher um Englands Küsten 
beobachteten wirbellosen Seethiere, mit Charakteristik der 
einzelnen Geschlechter, Familien, Ordnungen und Klassen. 
Jedes Genus ist durch eine vom Verf. nach der Natur ge- 
zeichnete Abbildung illustrirt. 



der niederen Thiere während des Jahres 1859. 107 

Nach Ed. Jardin's Angaben über die Küstenfauna 
der Marquesasinseln sollen daselbst wenige Anneliden, aber 
zahlreiche Echinodermen und Polypen vorkommen. Mem. 
Soc. imper. des sc. de Cherbourg T. VI. p. 180 u. 198. 

van Beneden bespricht in einer vor der Belgischen 
Akademie gehaltenen Rede die Erscheinungen der Fort- 
pflanzung bei den niederen Thieren mit besonderer Rück- 
sicht auf die neueren Entdeckungen über Parthenogenese, 
Generationswechsel , Polymorphismus. De l'homme et de 
la perpetuation des especes. Bruxell. 1859. 48 Pages. 
(Bullet. Acad. roy. de Belg. 1858. Dec, l'Instit. 1859. No. 
1320—1324.) 

Auch die neue (dritte) Auflage von Carpenter's 
„animal physiologie" (London 1859) widmet der Fortpflan- 
zung der Thiere besondere Aufmerksamkeit. 

Wir haben schon im letzten Jahresberichte (S. 225) 
des Streites Erwähnung gethan, der in der Pariser Akade- 
mie durch P o u c h e t's Untersuchungen und Schlussfolgerun- 
gen über die Generatio aequivoca entstanden ist und schon 
damals erwähnt, dass derselbe noch keineswegs geschlich- 
tet sei. Die diesjährigen Bände des Instituts und der Com- 
ptes rendus (T. 48 u. 49) liefern dazu die litterarischen 
Belege. Wir finden in ihnen nicht bloss die schon damals 
(nach einer Mittheilung aus den Ann. sc. nat.) angezoge- 
nen Entgegnungen von Milne Edwards und anderen 
Akademiemitgliedern (T. 48. p. 23 — 36), so wie die von La- 
caze-Du thiers (ibid. p. 118 — 120), auch nicht bloss die 
Replik von Pouch et (ibid. p. 148— 158) , wir hören in 
denselben auch neue Stimmen für und wider sich erheben. 
So werden (ibid. p. 262) von Flourens Experimente von 
Mantegazza mitgetheilt, die mit den Pouchet'schen über- 
einstimmen, während andererseits (ibid. p. 334) Gaul tier 
de Claubry die Beweiskraft dieser Experimente mit einem 
Hinblick auf die dabei möglichen Fehlerquellen in Abrede 
stellt. 

Um den verschiedenen Einwürfen gegen seine Expe- 
rimente zu begegnen, dehnte Pou che t seine Untersuchun- 
gen auch auf die in der Luft vorhandenen organischen 



108 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte 

Körper (Cpt. rend. T. 47. p. 546) , so wie die eingetrock- 
neten und nach Doyeres wiederholten (Cpt. rend. T. 49. 
p. 992) Angaben durch Wasserzusatz wieder zum Leben 
erweckbaren Geschöpfe aus (Cpt. rend. T. 49. p. 492 und 
886, so wie eine eigene vom Ref. nicht gelesene Brochüre, 
rech, et exper. sur les aniin. ressuscitants faites au mus. 
d'hist. nat. de Rouen 1859). Die Resultate der Untersuchun- 
gen waren nach beiden Richtungen nur negativer Art. Der 
atmosphärische Staub sollte so gut wie keine lebendigen 
Keime enthalten, wohl aber zahlreiche Amylumkörperchcn, 
die, wie Verf. annimmt, von anderen Forschern für einge- 
kapselte Infusorien u. s. w. gehalten wären, und ein Wie- 
deraufleben ausgetrockneter thierischer Organismen soll 
ebenso wenig stattfinden , wie ein Organismus jemals im 
Stande sei , eine Temperatur von 100° ungefährdet zu er- 
tragen. 

Aber beiderlei Behauptungen fanden alsbald auf di- 
rektem sowohl , wie auf indirektem Wege ihre Wider- 
legung. Unter den hier in Betracht kommenden Arbei- 
ten erwähnen wir zunächst Ehrenberg's Untersuchun- 
gen über das mikroskopische Leben des Montblanc-Gipfels 
(Monatsber. der Berl. Akad. 1859. S. 775 IT.), die in voller 
Uebereinstimmung mit anderen früheren Untersuchungen 
desselben Verfassers — die P o u c h e t freilich nicht zu ken- 
nen scheint — es ausser Zweifel stellen , dass in einer 
Höhe von 10,000' und darüber Organismen existiren , die 
nur mit dem Winde und Luftzuge dorthin gelangt sein 
können, und zwar Organismen , die zum Theil nach mona- 
telangem Ruhezustande alsbald durch Wasserzusatz wieder 
zum Leben zurückkehren. Eine vielleicht noch bestimm- 
tere Widerlegung fand die erste Angabe Pouchet's durch 
H. Hoffmann (Bot. Zeitung 1859. No. 5 u. 6) und Pa- 
steur (Ann. des sc. nat. 1859. T. XII. p. 85), welche die 
Erscheinungen der Gährung zum Gegenstande der Unter- 
suchung machten und den Nachweis lieferten, dass diese nur 
nach einer Zufuhr von Pilzsporen eintrete , von Gebilden, 
die in der Luft , auf der Oberfläche von Früchten u. s. w. 
sehr allgemein verbreitet seien. 



der niederen Thieie während des Jahres 1859. 109 

Andererseits unterzog Gavarret die absprechenden 
Angaben Pouchet's in Betreff der Resistenzkraft gewisser 
niederer Thiere gegen Trockniss und Hitze einer experimen- 
tellen Prüfung (quelques exper. sur les rotiferes , les tar- 
digrades et les anguillules, Annal. des sc. nat. 1859. T. XI. 
p. 315) , und auch hier fiel das Resultat gegen unseren For- 
scher aus. Nicht bloss, dass jene Geschöpfe eine monate- 
lange vollständige Austrocknung (unter der Luftpumpe) 
überstanden und schon wenige Stunden nach der Anfeuch- 
tung wieder zum vollen Leben erwachten , sie ertrugen 
in diesem Zustande auch Temperaturgrade von 100— 110°, 
während sie im Wasser schon bei 50 und 51°, im Wasser- 
dampfe bei 80 — 82° zu Grunde gingen. Wie lange Zeit 
die Thiere jener hohen Temperatur ungefährdet ausgesetzt 
sein können, hat Verf. nicht untersucht; in den oben er- 
wähnten Experimenten betrug die Zeitdauer 2 Minuten. 

Der Streit , den wir hier berührten, hat natürlich in 
den weitesten Kreisen Aufmerksamkeit und Interesse er- 
regt. Wir begnügen uns in dieser Hinsicht auf Flourens, 
zur Frage der Generatio aequivoca (Gazette hebdom. VI. 
5) und Martin Lanzer, die Lehre der Generatio aequivoca 
vor der Akademie der Wissenschaften (Rcv. deTher. med.- 
chir. 1859. 4.) hinzuweisen. 

Auch Pouchet selbst hat seine Ansichten und Un- 
tersuchungen lür das grössere Publikum in einem eigenen 
Werke zusammengestellt: helerogenie, ou traite de la ge- 
neration spontanee base sur des nouvelles experiences, Pa- 
ris 1859. XVI. und G72 pag. mit 3 Tafeln. 

Bei Gelegenheit dieses Streites wollen wir übrigens 
weiter noch einer merkwürdigen Beobachtung von Clark 
gedenken (Silliman's Journ. 1858. p. 107 u. 154), die den 
Anhängern der P o u ch el'schen Lehre gewiss höchst will- 
kommen sein wird, der Beobachtung nämlich, dass die Fi- 
brillen faulender Sagittamuskeln sich in vibrionenartige 
Körperchen verwandelt, und die von der Rüsselfläche einer 
Aurelia losgelösten Zellen sich ganz nach Monadenart bewegt 
und durch Theilung vermehrt hätten. Als Gewährsmann 
für die erstere Behauptung wird Agassiz angeführt, und 



110 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte 

in der That kann man nicht selten auch bei höheren Thie- 
ren in den Sarcolemmaschläuchen dasselbe Phänomen beob- 
achten. Die Muskelfasern der Kaninchen enthalten (im 
Sommer) mitunter schon 24 Stunden nach dem Tode statt 
der Fleischsubslanz Milliarden beweglicher „Vibrionen", 
deren Identität mit den Primitivfibrillen unmöglich geläug- 
net werden kann. Ref. sieht darin freilich keine Umwand- 
lung der zerfallenden Fibrillen in selbstständige Geschöpfe, 
sondern blosse , mit der Zersetzung zugleich auftretende 
Bewegungsphänomene organischer Elemente , die sich in 
gewisser Beziehung den bekannten amöbenartigen Bewe- 
gungen isolirter thierischer Zellen vergleichen lassen. 

Zum Schlüsse erwähnen wir hier noch der interessan- 
ten Entdeckung vonWedl (Sitzungsber. der Wiener Akad. 
Bd. XXX111. S. 451) und Kölliker (Zeitschrift für wiss. 
Zool. X. S. 215, im Auszuge Sitzungsber. der phys.-med. 
Gesellsch. in Würzburg 1859, S. XXV1I1) , dass die in den 
Hautgebilden niederer und höherer Wasserthiere so häufig 
vorkommenden und früher schon oftmals beobachteten, ver- 
ästelten feinen Röhren von vegetabilischen Parasiten her- 
rühren , die meist wohl auf chemische Weise (durch Auf- 
lösung der Kalksalze vor den keimenden Spitzen) eindrin- 
gen und sich in denselben verbreiten. Wedl hält diesen 
Parasit für eine mehrzellige Alge, Kölliker für einen 
einzelligen Pilz — vielleicht, dass je nach Umständen und 
Arten hier die verschiedensten Schmarotzer gedeihen kön- 
nen. Kölliker stützt seine Deutung besonders auf die 
Beobachtung der bei Hornschwämmen in den Fasern vor- 
kommenden Parasiten , an denen er deutliche Sporangien 
aufgefunden haben will; bei anderen Hornschwämmen kom- 
men hier aber, wie wir später sehen werden, Schmarotzer 
vor, die von Braun und Pringsheim als eine hoch ent- 
wickelte Alge aus der Gruppe der Florideen erkannt wurden. 






der niederen Thiere während des Jahres 1859. 111 

I. V e r m e s. 

Wie wenig es bisher hat gelingen wollen, eine Eini- 
gung in Betreff der Gesichtspunkte zu gewinnen , die bei 
der Classification der Würmer maassgebend sein dürften, 
wird zur Genüge dadurch bewiesen, dass uns das Jahr 1859 
drei verschiedene Versuche gebracht hat , die Abtheilung 
dieser Thiere in natürliche Gruppen aufzulösen. 

van Beneden, den wir hier zuerst nennen, theilt 
(Zool. med. II. p. 83) die Würmer mit Ausschluss der Rä- 
derthiere und Bryozoen, die den Articulaten , resp. Mollus- 
ken zugerechnet werden, nach folgendem Schema in vier 
Klassen : 
Corps 
non diffluent 
sans ventouses 

deprime et ä soies Annelides 

arrondi et sans soies Nematoides 

ä ventouses Cotylides 

diffluent et entierement cilie .... Turbellaries. 

In der Klasse der Anneliden unterscheidet Verf. so- 
dann die Ordnungen der Chaetopoden, Gephyreen und To- 
mopteriden , in der Klasse der Nematoden die der Chaeto- 
gnathen, Nematoden s. st., Gordiaceen und Acanthocephalen, 
in der Klasse der Cotyliden die der Polypoden (Peripatus), 
Hirudineen, Trematoden , Cestoden, in der Klasse der Tur- 
bellarien endlich die der Teretularien (Nemertinen und Pro- 
slomeen) und Planarien. 

Auch Gegenbaur trennt die Würmer nach Aus- 
schluss der ßryozoen und Rotiferen in vier Klassen: 1) 
Platyelminthes mit den Cestoda, Trematoda und Turbellaria, 
2) Nemathelminthes mit den Acanthocephala und Nematoi- 
dea , 3) Ocsthelminlhes (= Chaetognathi Lt.) , 4) Annulata 
mit den Gephyrea, Suctoria (Hirudinea), Scoleina und Bran- 
chiata. Vergl. Anat. S. 137. 

Weit conservativer ist die Eintheilung von Stein 
(Organismus der Infusionsthiere S. 53), der die Annulaten, 



112 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte 

Entozoen, Turbellarien und Roliferen als Klassen in der Ab- 
theilung der Würmer beibehalten wissen will. 

Diesing's „Revision der Rhyngodeen" (Sitzungsber. 
der K. K. Akad. zu Wien Bd. 37. S. 719—785 mit 3 Tafeln) 
enthält eine Uebersicht der neueren Forschungen über die 
Naturgeschichte und Zoologie der Sipunculiden , Akantho- 
cephalen und Gregarinen mit Beschreibung einiger bisher 
unbekannten Arten. 

Der von W e i n 1 a n d in dem Archiv für Naturgeschichte 

1858. I. S. 276 veröffentlichte „Systematischer Katalog aller 
Helminthen , die im Menschen gefunden werden" ist eine 
Reproduction aus des Verf's Essay on the tapeworm of man, 
den wir schon im vorigen J. B. angezogen haben. 

Cobbold's observations on entozoa, with description 
of several new species , in den Transact. Linnaean Soc. 
Vol. XXII. p. 155— 172 und 363—370 mit 4 Tafeln, erstrecken 
sich über alle Entozoengruppen und werden unten noch mehr- 
fach von uns angezogen werden. Sie liefern namentlich 
auch über das Vorkommen der Schmarotzerwürmer manche 
interessante neue Angabe. 

Schiott hauber veröffentlicht in dem amtlichen Be- 
richte der Göttinger Nalurforschcrversammlung S. 128 — 
133 „Beiträge zur Helminthologie," meist Aufzählungen 
neuer Arten, ohne Beschreibung und Diagnose. 

Lambl berichtet in seinen „mikroskopischen Unter- 
suchungen der Darm - Excrete" (Prager Vierteljahrschrift 

1859. Bd. I. S.43 ff.) über die nicht seifen mit den Stüh- 
len entleerten Eier von Ascaris lumbricoides, Trichoccpha- 
lus dispar, Oxyuris verrnicularis und Taenia Solium, mit 
Beschreibung und Abbildungen. Weitere Mittheilungen be- 
treffen den schon im vergangenen Jahresberichte erwähn- 
ten jungen Echiriorhynchus , den Verf. in dem Darmkanale 
eines leukämischen Kindes auffand (Abbildung Tab. IV. 
Fig. 12), einen Fall von Distomum hepaticum, so wie end- 
lich das myriadenweise Vorkommen von Vibrionen und Cer- 
comonaden im Darme. 

Die schon im letzten Jahresberichte erwähnte Abhand- 
lung von Gerstfeld: über einige zum Theil neue Arten 



der niederen Thiere während des Jahres 1659. 113 

Platoden, Anneliden, Myriapoden und Crustaceen (Mem. des 
sav. etrang. del'Acad. de St. Petersburg T. VIII. S. 261— 296) 
enthält Beschreibungen Sibirischer Planarien, Blutegel, Gor- 
dien und Lumbricincn , und wird bei Gelegenheit dieser 
Würmer noch besonders von uns angeführt werden. 

1. An n et i d es. 
Chaetopodes. 

Die schon in den zwei letzten Jahresberichten mehr- 
fach von uns erwähnte borstenlose Phoronis hippocrepia ist 
auch dieses Mal wieder Gegenstand einer näheren Unter- 
suchung geworden. D ys t er publicirle über dieselbe eine 
ausführliche , durch treffliche Zeichnungen illustrirte Ab- 
handlung (Transact. Linn. Soc. XXII. S. 251—256. PI. 44), 
die unsere Kenntnisse über diesen sonderbaren Kopfkiemer 
vorläufig zum Abschlüsse bringen dürfte. 

Die hufeisenförmige Kopfscheibe ist an beiden Randern mit 
einer Tentakelreihe versehen , nicht bloss am äusseren, obwohl die 
äussere Reihe durch ihre Länge sich auszeichnet. Die inneren Ten- 
takel sind kürzer und einander zugeneigt, so dass zwischen ihnen 
ein Kaum bleibt, der als lirutiaum dient. Abgerissene Tentakelkränze 
weiden in 48 Stunden ergänzt. Die Flimnierhaare, mit denen die 
(16' — 8G) Fäden besetzt sind, dienen zur Nahrungszuluhr. Der fllund 
liegt in der Mitte der Kopfscheibe, also zwischen beiden Tenlakclici- 
hen, und wird von einer schirmförmigen , dem coneaven Rande an- 
gehefteten I.ippe bedeckt. An ihn schliefst sich zunächst ein Oeso- 
phagus und ein ovaler Magen, und auf diesen folgt sodann ein wei- 
lir Darm, dessen Verlauf nicht genau verfolgt werden konnte, da die 
hintere Hälfte des Wurmes beim Hervorziehen aus der Röhre meist 
abreitst, der aber am Kopfende , zwischen den Schenkeln der Tenta- 
kelscheibe nach Aussen führt. Ein IVervensystem konnte nicht auf- 
gefunden werden. Von einer eigentlichen Lcibcshöhle ist keine Spur 
vorhanden, dagegen aber finden sich zwei mediane Rlutgefässstämme mit 
grossen gefärbten Körperchen, wie das schon von früher her bekannt 
ist. Neben dem After münden 'zwei Oviductc , die von einem un- 
paareu, flaichenforrnigcn Ovarium abgehen. Die Embryonen bedek- 
ken »ich wenige Stunden nach der lieburt der Eier mit einem Flim- 
merüberzuge , und zerfallen dann durch eine mittlere Einschnürung 
in eine vordere und eine hintere Hälfte, von denen die erstcre ziem- 
Archiv für Naturg. XXVf. Jahrg. 2. Bd. H 



114 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte 

lieh bald eine dreilappige Gestalt annimmt. In diesem Zustande ver- 
lassen sie nach 48 Stunden den Brutraum , um dann wahrscheinlich 
ohne Weiteres zu dem ausgebildeten Wurme auszuwachsen. Die ge- 
ringe Beweglichkeit der Larve lässt wenigstens kaum vermuthen, dass 
zwischen diese beiden Zustände noch eine weitere Phase sich ein- 
schiebe. 

Dass Phoronis übigens wirklich mit Crepina von Ben. 
zusammenfalle, wie wir schon im letzten J. B. bemerkt ha- 
ben, wird jetzt auch von Wriglit hervorgehoben, Annales 
des sc. natur. T. XI. p. 150. 

Auch über Tomopteris haben wir eine neue Abhandlung 
zu erwähnen: on Tomopteris oniseiformis Esch. by W. Car- 
penter, Transact. Linn. soc. T. XXII. p. 353— 362. Tab. 62. 
Besonders hervorzuheben sind dabei die schönen Abbildun- 
gen, namentlich ; Fig. 6, die einen vollständig entwickelten 
Wurm mit 16 Ruderpaaren und langem Schwänze darstellt, 
während in Fig. 1 ein jüngerer Wurm mit 8 Rudern und 
noch ohne Schwanz, sehr ähnlich dem T. quadricornis Pag. 
et Lt. wiedergegeben ist. Ob beide jedoch vollkommen 
identisch sind, wie Verf. in einem Nachtrage angiebt, möchte 
Ref. nicht geradezu behaupten. Carpenter stützt sich 
dabei auf die Beobachtung, dass die Vierzahl der Fühler 
bei Tomopteris ganz constant und nur desshalb, besonders 
bei grösseren Exemplaren, schwer nachzuweisen sei , weil 
die hinteren Fühler von den grösseren vorderen bedeckt 
würden, aber er hat dabei ausser Acht gelassen, dass wir 
unsere T. quadricornis nicht wegen der Vierzahl der Fühler, 
sondern der Borsten also genannt haben. Dass aber die 
hinteren Fühler bei Tomopteris Borsten enthielten , davon 
finden wir nirgends bei unserem Verf. eine Angabe. Ue- 
brigens glaubt Verf., dass alle bis jetzt beobachteten Tomo- 
pteris, auch die tropischen, derselben Art angehörten, obwohl 
das nach dem Urtheile des Ref. durch die beigefügte Zeich- 
nung eines von Huxley in der Torres-Strasse gefange- 
nen Exemplares insofern kaum eine Stütze findet, als die- 
ses nicht bloss durch eine grössere Anzahl der Rückcn- 
füsse (17 Paare), sonderen weiter auch durch stärkere 
Entwickelung der Schwanzanhünge von den nordischen 



der niederen Thiere während des Jahres 1859. 115 

Formen sieh unterscheidet. Geschlechtsstoffe hat Verf. bei 
seinen Exemplaren nicht beobachtet (auch keine Ge- 
schlechlsöö'nungen und Fliminerkanälc); er ist desshalb auch 
ungewiss , ob er Tomopteris als ein ausgebildetes Thier 
ansehen soll, und nicht vielleicht als eine Amme, deren 
sog. Schwanzstück im Laufe der Zeit zu einem Geschlechts- 
thiere heranwachse. (Es bedarf nach den positiven Beob- 
achtungen anderer Forscher, auch den hier mitgetheilten 
von Huxley keiner ausdrücklichen Widerlegung dieser 
Hypothese. Huxley glaubt auch ein kleineres männliches 
Exemplar mit rundlichen Körnern in der Leibeshöhle beob- 
achtet zu haben.) Von dem Nervensysteme wurde auch 
von unserem Verf. kaum mehr, als das Hirnganglion aufge- 
funden. 

Gegenbaur hat gleichfalls geschlechtsreife Exem- 
plare von Tomopteris beobachtet und giebt von dem Pro- 
cesse der Eibildung bei derselben eine Darstellung, die — 
bis auf die vom Verf. übersehene Theilung der primitiven 
Eizelle — mit den Beobachtungen von Leuckart und 
Pagenstecher vollkommen übereinstimmt. Vergl. Anat. 
p. 191. 

Schmarda's Angaben über die Organisation der 
Chätopoden und die von ihm beobachteten neuen Formen, 
sind, so weit sie bis jetzt vorliegen (a. a. 0. Einleitung 
S. XVI), zu aphoristisch, als dass wir schon dieses Mal aus- 
führlich darüber rcferiren könnten. Wir beschränken uns 
desshalb einstweilen auf die Bemerkung, dass Verf. die Be- 
hauptung von der freien Bildung der Geschlechtsstoffe in 
der Leibeshöhle bezweifelt und diese überall in besondern 
(in einzelnen Fällen auch wirklich von ihm aufgefundenen) 
Organen vor sich gehen lässt. Pelagenia , ein neues mit 
Pherusa verwandtes Genus besitzt am Rücken , wie am 
Bauche langgestielte Saugnäpfe. Ein anderes zu den Nai- 
den gehörendes neues Genus (Aulophorus) baut Röhren, die 
ganz nach Art der Phryganeen- Gehäuse von den frei be- 
weglichen Thicren mit umhergeschlcppt werden. 

Mcttenhcimer liefert eine Beschreibung des Ner- 
vensystems und der Gehörorgane von Arcnicola piscatorum 



116 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der IVaturgescIiichte 

und macht auch sonstige Angaben über Organisation , wie 
Lebensweise dieses Wurmes. Das Hirn liegt, wie das von 
Kef. beschrieben ist, dicht unter der Haut und lässt sich 
mitunter schon von Aussen erkennen. Ganglienkugeln schei- 
nen dem Hirne- zu fehlen , wie denn auch in dem Bauch- 
strange, und hier mit noch grösserer Entschiedenheit, die 
Existenz von Ganglienkugeln und Ganglien in Abrede ge- 
stellt wird. Die Gehörkapsel ist mit einer körnigen Beleg- 
schicht versehen, an der an einer Stelle ein deutlicher 
Hilus gefunden wird. (Wohl die von Meissner beschrie- 
bene kanall'örmige Ausmündung der Gehörblase, J. B. XXIV. 
S. 98.) 

Mayer macht einige Mittheilungen ,,über das Repro- 
duelionsvermögen der Naiden" und glaubt, dass die zu 
vollständigen Thieren wieder auswachsenden Theilslücke im- 
mer ein Ganglion und einen Abschnitt des Blulgefässsyslems 
in sich einschliessen. (Cölnische Zeitung 1859. No. 112. Beil. 
und daraus Froriep's Notizen 1859. II. S. 216, vollständiger 
in den Vcrhandl. des naturf Vereins der preuss. Rheinlande 
Bd. XVI. S. 43 IT.) Die vom Verf. beobachtete Art , die als 
Aviis caecilia n. sp. bezeichnet wird, scheint trotz der be- 
haupteten Duplicilät des Geschlechts mit Saenuris identisch 
zu sein. 

van Beneden macht die Beobachtung, dass Serpu- 
laceen und andere Kopfkiemer nicht bloss die verloren ge- 
gangenen Tentakel wieder ersetzen* sondern mitunter auch 
in scheinbar leeren Röhren aus kleinen Bruchstücken wie- 
der zu vollständigen Thieren auswachsen. Cpl. rcml. T. 49. 
p. 453. 

Derselbe giebt eine Beschreibung des Tentakelap- 
parates von Spirorbis nautiloides (Zool. med. T. II. p. 88) 
und erwähnt, dass er auf den Kiemen des Barsches eine 
Nais im eingekapselten Zustande beobachtet habe (Ibid. p. 92). 

Die Kalkschalen der Serpulacecn sind nach Kolli k er 
oft auf das Reichlichste von mikroskopischen Pilzfäden 
durchzogen. Zeitschrift für wiss. Zool. X. S. 227. 

Den von Leuckart und Pagenstecher (J.B. XXV. 
S. 116) besprochenen Spiolarven sehr nahe verwandt, wenn 



der niederen Thierc wahrend des Jahres 1859. 117 

nicht damit idenlisrh, sind zwei von Gosse (Tenby PI. XV) 
abgebildete Amielidlarven , von denen die eine auch vom 
Verf. auf Spio bezogen wurde. 

Macdonald liefert eine Beschreibung und Abbildung 
des sog. Palolowurmes , der, wie durch Gray schon vor 
mehreren Jahren bekannt geworden (J. ß. XVI. S. 367), zu 
bestimmten, von den Mondphasen abhängigen Zeiten, be- 
sonders im November, an den Küsten der Navigations- und 
Fitschie - Inseln in ungeheuerer Menge erscheint und ge- 
gessen wird. Die auffallende Thatsache, dass alle diese 
Exemplare des Kopfendes entbehren , hält Verf. nicht für 
zufällig; er glaubt vielmehr an eine, bei bestimmten Ge- 
legenheiten normal auftretende Trennung, an einen der Ab- 
stossung der Proglottiden analogen Vorgang. Trotzdem 
aber glückte es Verf. ein Kopfende des Wurmes zu beob- 
achten und damit den Beweis zu führen , dass derselbe 
nicht mit Arenicola verwandt sei, wie man früher annahm, 
sondern den Nereiden zugehöre. Transact. Linn. Soc. XXII. 
p. 237—239. PI. XLI. (Kopfbildung , Gebiss , Ruderplatten 
und Borsten stimmen so vollständig mit Lumbriconereis 
übercin , dass die Beibehaltung des Genusnamens Palolo 
kaum zulässig erscheint.) 

Hiiwson's Abhandlung über die tubicolen Meerwür- 
mer des Golfs von St. Lawrence (Canadian naturalist and 
geolo». Vol. V. p. 24 — 30) ist Ref. nicht zu Gesicht ge- 
kommen. 

Nacli den Beobachtungen Leidy's lebt in dem nord- 
amerikanischen Süsswasser (Sehtiylkill-Biverj eine Art des 
sonst marinen Genus Kabricia (Manayunhia spesi'osa Leidy), 
von l'/j"' Länge, mit 12 Ringen, von denen der vorderste 
und hinterste ein Augenpaar trägt, und sechs Armen, die 
in etwa 80 flimmernde Tentakel auslaufen. Proc. Acad. n. 
sc. Philad. 1859. p. 1. 

Schlot t h aub er beschreibt eine zweite neue Art des 
Gen. Phrcoryrles, dessen Namen er übrigens in Georyctes 
umgewandelt wissen will, da die belreffenden AVürmcr ei- 
gentlich in der Knie leb tön und nur gelegentlich im Brun- 
nenwasser gefunden würden. (Amt. Ber. der Göttinger Na- 



118 Le u c k tut : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte 

turforscherversammlung S. 122). Die neue Art wird als 
Ph. (G.) Lichtensteinii aufgeführt und soll sich besonders 
durch Kürze der Segmente und Kleinheit der — wie bei 
Lumbricus — einzeln stehenden Borsten auszeichnen. Ref. 
bemerkt bei dieser Gelegenheit , dass Ph. Menkeanus auch 
indessen ziemlich